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Eindrücke und Einschätzung von Personen

Erstellt von Mr_Luk, 02.08.2005, 09:13 Uhr · 116 Antworten · 6.131 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Mr_Luk

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    Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Zum Thema Einschätzung von Personen möchte ich eine Geschichte erzählen, die mich sehr beeindruckt hat: es geht darin um die Erlebnisse eines Mannes der eine Lehrerin gesucht und gefunden hat. Die Geschichte wird sich für Manche etwas skuril und sehr aussergewöhnlich anhören. Ich bitte darum, sie so unvoreingenommen wie möglich zu lesen und erst einmal neutral und nicht voreilig zu bewerten.

    Ein Mann wurde von einer tantrischen Lehrerin unterrichtet, und zwar im Haus der Yogini selbst, das sich in den tiefsten Schluchten des Kashmir befand.

    Es stand aber keine Meditation, kein Yoga, keine Mantras, geschweige denn Kampftechniken oder gar 5exuelle Verrenkungen auf dem Programm - es sollte ganz anders kommen!

    Die eigentliche Lehre erschloss sich dem eher unerfahrenen Mann erst nach und nach. Die Yogini benutzte, wie schon angedeutet eine ganz besondere eher unbekannte Technik.

    Im ganz gewöhnlichen Alltag 'gab' sie sich zuerst als eine ganz liebenswürdige, nette und umgängliche Frau. Solange bis ihr Schüler sich an diese "Person" gewöhnt hatte und er sich ein Bild von ihr gemacht hatte, - und den Umgang mit ihr, - auch diesem Bild entsprechend pflegte. Und dann, ohne Erklärung oder Warnung begann sie sich zu verändern! Erst unmerklich und nach und nach immer extremer und extravaganter. Bis hin zu unglaublichen Veränderungen und Verbiegungen, die sogar eine perfekte Schauspielerin nur mit grosser Mühe aus dem Stegreif hinlegen bzw. improvisieren kann.

    Ein paar Tage lang war sie die kleine, schüchterne, aber klevere 22 jährige, das aufreizende aber neckische 'Zicklein', um dann wieder das "Rühr-mich-nichtan" oder aber die selbstbewusste reife Frau zu mimen! Sie spielte die Verständnisvolle scheinbar nur, um sie von der absolut Intoleranten und Jähzornigen abzulösen. Sie macht ihn verliebt, verführte ihn und ließ ihn den wildesten 5ex erleben um dann ein paar Tage später, ähnlich einer alten klagenden Oma durch's Haus zu humpeln und zu wehklagen dass es bald mit ihr zu Ende gehen würde. Ein paar Wochen später als er dem Klagen der "Alten" müde war, verwandelte sie sich in ein kleines 10 jährige Mädchen das ihn Papa nannte, scheinbar ganz in ihrer Phantasiewelt lebte, voller Energie war und alles wissen wollte, ihn den ganzen Tag über mit Fragen durchlöcherte, aber auch schon mal wegen jeder Kleinigkeit zu weinen begann .

    Natürlich hatte der Mann nach kurzer Zeit den Eindruck es mit einer Verrückten mit multipler Persönlichkeit zu tun zu haben, - und auf der anderen Seite war er total fasziniert von dieser Frau und konnte nicht glauben was er sah und hörte! Seine Lehrerin machte es sehr geschickt, sie spielte mit ihm - und sorgte dafür dass er nicht zu schnell aufgeben würde. Allen Fragen zu dem weiso oder dem Sinn und Zweck ihrer "Schauspielerei" wies sie von sich, wich geschickt aus, und spielte in solchen Fällen natürlich die "Dumme"!

    Und mittlerweile fruchteten die Darbietungen und Manöver der Lehrerin bereits, denn der Mann begann zu merken, dass er die Frau unmöglich einschätzen konnte. Und, es war ja Ziel und Zweck der Übung dass er keine seiner bekannten und üblichen Kriterien auf sie anwenden konnte. Keine Schablone passte, eine Einschätzung oder Bewertung war strikt unmöglich. Aber nicht nur das, er merkte nach und nach wie die einzelnen Eindrücke die er während der Nummern dieser "Hexe" gewann, sich mit den fälligen Verwandlungen wieder in Luft auflösten!

    Was er am Tag zuvor gedacht, gemeint oder sich vorzustellen pflegte, hatte plötzlich keine Wertigkeit, keinen Bestand mehr. Und so merkte er "ganz nebenbei" wie er jedesmal Opfer seiner eigenen Vorstellungen wurde, die aber lediglich durch das gespielte Verhalten und Schauspielern der Frau heraus gekitzelt wurden. Sie waren am Ende jeder charakterlichen Darbietung nicht nur keinen Schuss Pulver mehr wert, sondern vielen zudem noch auf ihn zurück! Er konnte demnach auch gar nichts auf ihr "ablegen", - alles was er von ihr gehalten hatte, seine ganzen Eindrücke und Auffassungen kamen integral wieder zurück! Sobald sie die Rolle wechselte, konnte er ihr seine gesammelten Eindrücke ja nicht mehr zuschreiben! Und was konnte er dann noch damit tun? Er musste sie wieder zurücknehmen und zumindest die Ursache und die Entstehung dieser Eindrücke und Einschätzungen von ihr, auf sich selbst zurückführen.

    Das warf ihn natürlich alles komplett aus dem "Konzept", und er war eine zeitlang sehr verstört und Haltlos. Nach einer Zeit merkte er aber, dass er auf sich selbst angewiesen war, sich selbst zu sehen so wie er war - und keine Möglichkeit hatte irgendeine seiner Eindrücke, Reaktionen und Einschätzungen der Frau zuzuschreiben. Achtung, jetzt wird's etwas kompliziert aber auch spannend: Natürlich war es die Frau die diese Gefühle, Einschätzungen, Reaktionen und Verhaltensweisen in ihm angerührt hatte. Aber, sie hatte lediglich den Ton angeschlagen, er hat die entsprechenden 'Melodien' daraufhin selbst komponiert und in seinem Inneren gesummt, ganz gleich ob sie fröhlich, traurig oder komisch waren!

    Nach einer Zeit wusste sie wiederum ganz genau nach welchen Kriterien er ihre 'Darbietungen' zu beurteilen versuchte, und spielte die Rollen nunmehr gezielter um ihn mit den einprogrammierten und tiefsitzenden Ein-drücken und emotionellen Automatismen zu konfrontieren.

    Alsbald die Frau aber merkte, dass er zu verstehen und lernen begann, als er erkannte dass er es mit einer Person zu tun hatte, die absolute geistige und emotionale Freiheit genoss, - hörte sie auf in die meist doch extremen Rollen zu schlüpfen und bot eher das Bild einer gelassenen, freundlichen, klugen und weltoffenen Frau. Aber jedes Mal wenn sie merkte, dass er wieder versuchte sie einzuschätzen, sich ein klares aber begrenztes (subjektives) Bild von ihr zu machen, schlüpfte sie wieder in eine ihrer beliebten Rollen. Damit er wieder daran erinnert wurde dass kein Bild (das er sich von ihr macht) wirklich stimmen- und immer nur in seiner eigenen Vorstellung existieren kann. Ob es sich nun um ein übertrieben positives oder aber negativ geprägten Eindruck handelte, sie sorgte immer dafür dass er stets das bekam was er sich vorstellte, - und es ihm wieder durch einen Rollenwechsel zu entreissen!

    Die etwas seltsamen Mittel heiligten ihren Zweck zwar auf eher sehr ungewöhnliche-, aber wohl auch auf sehr effektive Weise. Und man sollte die Darbietung der Lehrerin keineswegs als simples Kabarett oder Kabinettstückchen abtun. Sie gab vollen geistigen, emotionellen und auch körperlichen Einsatz und setzt sich immer selbst als Zielscheibe aus! Die Frau war keineswegs aus Gummi, auch für sie handelte es sich um eine Herausforderung, bei der sie stets in Gefahr war ihrer eigenen Schauspielerei zu unterliegen. Der Erfolg war keineswegs sicher, der Schüler konnte zu jeder Zeit abhauen, sie für Geisteskrank erklären. Beide Beteiligten hätten im Extremfall dabei sogar den 'geographischen Norden' verlieren können!

    Disclaimer: Bei dem Mann handelt es sich um eine reale Person und die Quelle der Geschichte, (natürlich bar ohne meine Ausführungen), gebe ich nachträglich gerne bekannt. Ich will sie jetzt nicht nennen um irgendwelche Spekulationen zu vermeiden. Es handelt sich darüber hinaus eindeutig nicht um meine Person!

  2.  
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  3. #2
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Eine schöne, inhaltsschwere Geschichte, die parabalgleich die Vielfalt menschlicher Präsenatationsmöglichkeiten darstellt. Dazu der zaghafte - kleingedruckte - Hinweis, dass es sich um eine reale Person handelt, die Vermutung der eigenen Identität des Erzählers von vorherein negierend ;-D
    Womit dann der ein oder andere wieder mit Spekulationen beschäftigt sein dürfte, auch wenn er vehement verneint, dass er überhaupt spekulieren würde.

    Nun gibt es eine Reihe von professionellen Methoden, die Eindrücke, die man von jemandem gewonnen hat, in eine relativ objektive Einschätzung umzusetzen. Bei Professionellens handelt es sich allerdings um wissenschaftlich mehr oder weniger fundierte Methoden, ein sogenanntes Persönlichkeitsbild zu erstellen, das möglichst wert- und emotionsfrei angemessene Behandlungsmethoden an der vermutet richtigen Stelle ermöglichen soll.

    Im täglichen Leben funktioniert es auf ähnlich - unwissenschaftliche - Weise. Doch hier ist bereits die Crux der vermeintlich objektiven Einschätzüng zu sehen. Gespickt mit persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Menschen, gepaart mit den eigenen Lebens- und Wertvorstellungen, kommen geballt die Emotionen ins Spiel, die auch etwas mit eigenen (Wunsch-)vorstellungen zu tun haben mit evtl. unerfüllten (5exuellen) Phantasien.
    Sind so die eigenen Erwartungen zumindest ansatzweise erfüllt, kristallisiert sich schon mal ein halbwegs positives Persönlichkeitsbild des anderen heraus, das letztendlich auch die Qualität des eigenen Umgangs mit dem anderen bestimmt.

    Parallelen hierzu finden wir in den Foren, wobei auch ich mitunter einem gefährlichen Einschätzungsfehler unterliege, indem ich - z.T. unbewusst - einen Menschen nur an dem einschätze, wie er sich hier darstellt Im Gegensatz zu einer realen Begegnung fehlt - für mich - diese sogenannte Aura, unter der ich ganz einfach die Ausstrahlung eines Menschen verstehe, die in mir entweder etwas Postives zum Klingen bringt, oder aber meinen Körper zu einer leichten Abwehrhaltung verhärten lässt.

    Doch auch die persönliche Begegnung ist nicht frei von Irrtümern, wer ´Narßis und Goldmund´ von Hermann Hesse kennt, weiss, was ich meine. Da ist dieser Goldmund, der aufgrund seiner Ausstrahlung seine Umwelt in Verzücken und Erstaunen setzt, unter dessen Oberfläche sich allerdings ein ganz mieser Charakter verbirgt.

    Nein, das Lächeln der Thais, insbesondere das meiner Frau, hat andere ´Bedeutungen, das hat auch etwas mit Ängsten, mit Beschwichtigung und auch einer uns nicht so geläufigen Art von Lebensfreude zu tun.

    Übrigens haben die, die andere einschätzen und diese Einschötzung auch publizieren ein ungeheures Machtpontential zur Verfügung, Denn diese setzen die Saat für ´Vorurteile´, welche die Bequemen sich gerne zu eigen machen, um sich die eigene Urteilsbildung zu ersparen.

    Vielleicht sollten wir alle unsere eigenen Einschätzungpraktiken überdenken, um so den anderen die Möglichkeit zu geben - auch, wenn es schon mal dauert - sich so zu präsentieren, wie sie sind, und nicht so, wie sie selbst gern sein möchten, oder so, wie sie glauben, dass sie die anderen gerne sehen möchten, oder so

  4. #3
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Hi Kali,

    Danke für die schöne und ebenfalls "inhaltsschwere" Interprätation oder vielmehr Ergänzung.

    Mich hat diese doch merkwürdige Geschichte (oder Schilderung) deshalb fasziniert, weil sie an der Basis doch recht einfach gestrickt ist. Jemanden "schwindelig" mit sich selbst machen, damit er nicht mehr klar denken und fühlen kann. Erst einmal nur um ihm zu zeigen dass der, (eigentlich jeglicher) Eindruck über eine Person sehr täuschend sein kann.

    Natürlich hört es an dieser Stelle nicht auf, - da fängt der sportive Teil ja erst an. Da muss man erst von diesem Extrem nochmal auf "normal" umschalten. Und dann gelten wieder ganz andere Spielregeln. Ich kann da gerne nochmal drauf eingehen - denn du hast recht, die Geschichte ist auf ihre Art nicht sehr alltagstauglich. Und auch nicht ohne weiteres auf ein Forum zu übertragen. Aber das sollte sie nicht unbedingt sein. Ach ja, stimmt, - das hätte ich eventuell vorher sagen können

    Wegen dem Disklaimer: nein, hat nichts mit mir zu tun - kommt noch. Ich habe auf Unbefangenheit gesetzt, nicht auf Spekulation, tja so wie man's macht macht man's verkehrt

  5. #4
    Avatar von woma

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    wie er jedesmal Opfer seiner eigenen Vorstellungen wurde, die aber lediglich durch das gespielte Verhalten und Schauspielern der Frau heraus gekitzelt wurden.
    es gibt viele Bücher z.B. "Hellwach und bewußt leben" von Charles Tart, die sich mit der Konditionierung, die wir im Laufe unserer Erziehung, durch unsere Eltern und durch das soziale Umfeld erhalten haben, befassen. Auf bestimmte Reize von außen reagieren wir immer gleich ähnlich den Pawlowschen Hunden. Ein wütender Nachbar am Gartenzaun oder ein provozierender Forumsbeitrag schaltet bei uns ebenfalls das Programm "Wut" ein. Diese Automatik gilt es zu erkennen und zu hinterfragen. Die Frau tut eigentlich nichts anderes als diese gespeicherten Programne durch ihr Verhalten abzurufen.

    Spasshalber hatten wir mit mehrern Arbeitskollegen folgendes Experiment veranstaltet, ok im Nachhinein schämen wir uns dafür

    Es gibt/gab eine 0190-Nummer, unter der sich ein "cholerischer Kunde" (Tonband) meldete und sich lautstark und aggressiv über die Firma und Mitarbeiter beschwerte. "Sie, jetzt hören Sie mir mal zu, was ist das denn für ein Schei**laden bei ihnen,..." so in etwa fing das Band an

    Wir hatten das Gespräch jeweils an einen anderen Mitarbeiter weitervermittelt und mitgehört - innerhalb von 20-30 Sekunden schaltete der entsprechende Mitarbeiter auf WUT und schrie ins Telefon. Dass die Gespräche inhaltlich nicht zueinander passten, dass der Gesprächspartner (Tonband) nicht auf Argumente oder Fragen reagierte wurde nicht beachtet oder überhört, es ging nur noch darum noch lauter ins Telefon zu schreien. Wenn ich mir manche Diskussionen in Foren ansehe, erinnert mich das Verhalten der Kontrahenten stark an unser Experiment

    woma

  6. #5
    Avatar von Nokgeo

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    @ Woma,

    Zitat :
    " Es gibt/gab eine 0190-Nummer, unter der sich ein "cholerischer Kunde" (Tonband) meldete und sich lautstark und aggressiv über die Firma und Mitarbeiter beschwerte. "Sie, jetzt hören Sie mir mal zu, was ist das denn für ein Schei**laden bei ihnen,..." so in etwa fing das Band an.

    Wir hatten das Gespräch jeweils an einen anderen Mitarbeiter weitervermittelt und mitgehört - innerhalb von 20-30 Sekunden schaltete der entsprechende Mitarbeiter auf WUT und schrie ins Telefon.

    Dass die Gespräche inhaltlich nicht zueinander passten, dass der Gesprächspartner (Tonband) nicht auf Argumente oder Fragen reagierte wurde nicht beachtet oder überhört, es ging nur noch darum noch lauter ins Telefon zu schreien."
    __________________________________

    Glaube ich weiss was du meinst.
    Freund von mir ,hat da so einige Gespräche auf dem Chip seines Mobiletelephones abgespeichert.

    Ja,..ist recht witzig.

    Zitat :
    " Wir hatten das Gespräch jeweils an einen anderen Mitarbeiter weitervermittelt und mitgehört - innerhalb von 20-30 Sekunden schaltete der entsprechende Mitarbeiter auf WUT und schrie ins Telefon. "
    ____________

    Mir scheint der Mitarbeiter leidet an REALITÄTSVERLUST.

    Ein paar Tage Urlaub sollten reichen.

    Lustig ist es...wenn Fremden am Telefon suggeriert wird, dass ihr Telefon zu heiss wird und das Teil dann im Wassereimer landet. smile.
    gruss.

  7. #6
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Zwischenbemerkung: man sollte eventuell berücksichtigen dass Wut oder negative Reaktionen nur ein Teil des Spektrums sind. Wenn man so will ein doch sehr auffälliges Verhalten, das recht einfach zu erkennen und zu deuten ist. Was ist mit den weitaus weniger spektakulären und weniger auffälligen Verhaltensweisen, die aber desshalb nicht weniger konditioniert sind? Was ist beispielsweise mit den als eher positiv zu bezeichnenden REAKTIONEN? Was mit dem Empfinden von grosser Sympathie, Bewunderung, Respekt, Liebe? Sind die immer echt oder auch mehr oder weniger konditioniert?

    Im Nachhinein betrachtet, könnte man diese faszinierende Frau und Lehrerin einmal zu Vergleichszwecken durch eine X-beliebige Frau austauschen:

    Die schauspielerischen Darbietungen sind im 'Normalfall' nicht so extrem und vor allem nicht so bewusst und meisterhaft inszeniert. Die Reaktionen des Mannes sind in ihrer Intensität eventuell auch weniger extrem, in ihrer jeweilige Qualität aber keineswegs verschieden bzw. zutreffender. Der grosse Unterschied ist, dass eine x-beliebige Frau 'greifbar' ist und dass der Mann all seine Gefühle und Vorstellungen, sowohl seine Liebe wie auch seine Verhaftungen, - und leider auch seinen 'Mist' auf ihr abladen kann. Und zwar deshalb, weil er fälschlicherweise glaubt dass diese Frau "tatsächlich" so ist wie er sie sieht und wie er sie einschätzt. Er kann das im Gegensatz zu der Lehrerin rational begründen, sich ein Konstrukt dieser Person zurechtlegen, das aber leider auch auf den Pfeilern seiner Konditionierung aufgebaut ist. Und dieses Konstrukt findet zudem Konsens und Zustiimmung bei Drittpersonen, ganz einfach weil deren Konstrukt auf der gleichen oder einer ähnlichen Konditionierung aufgebaut ist. Auch wenn diese Konstrukte nur so "ähnlich" sind, dann fällt das immer noch nicht auf.

    Dialog: "Ja klar, da wäre ich auch wütend geworden, in der Situation, - da hast du richtig reagiert, das war absolut berechtigt!"

    Ah ja? Na dann is ja jut - im Büro da gab's tatsächlich so ein Klugscheisser, der meinte doch nicht ich hätte überzogen regiert. Dem erzähl' ich ab jetzt überhaupt nichts mehr!

    Zum Anderen, weil die 'feste Rolle', die eine x-beliebige Frau spielt, ihr Charakter, sowie ihre eigenen Vorstellungswelt sie greifbar und auch angreifbar machen. Sie geniesst keine solch grosse geistige und emotionelle Freiheit wie die tantrische Lehrerin, sondern ist genauso an ihren mehr oder weniger zutreffenden (konditionierten) Vorstellungen verhaftet wie der Mann. Eine Beziehung ist im "Normalfall" eine manchmal amüsante, aber auch schon mal zur Tragik ausarten Kissenschlacht zwischen zwei Blinden. Wenn man so will, hauen beide eigentlich nur 'blind' auf die jeweilige Vorstellung vom Anderen los Und nachher merken sie erst: "ach nee, das war ja gar nicht so, sorry - tut mir ehrlich leid!"

    Lehrreich und "reinigend" ist eine zwischenmenschliche Beziehung wohl nur für solche Menschen,die den ANDEREN, eher weniger romantischen, dafür erhellenden Sinn auch erkennen. Man kommt ja letztendlich zusammen um Klarheit zu gewinnen, nicht etwa um sich gegenseitig geistig und emotionell zu umnebeln, oder?

    Man sagt dass Gegensätze sich anziehen, könnte es eventuell sein dass auch gegensätzliche Konditionierungen sich anziehen?

  8. #7
    Avatar von Samuianer

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Zitat Zitat von Mr_Luk",p="264128
    ..Man sagt dass Gegensätze sich anziehen, könnte es eventuell sein dass auch gegensätzliche Konditionierungen sich anziehen?
    Ja, um in einem tragikkomischen Disaster zu enden......

    Den 'kleinen Rest', hast du wirklich brilliant, einleuchtend und gut nachvollziehbar geschildert!

    Ich persoenlich halte das mit den Gegensaetzen die sich anziehen fuer ein ausgemachte Farce.

    Wenn nicht ausreichend Gemeinsamkeiten vorhanden sind , die Mensch mit Mensch, egal welchen Geschlechts teilen kann, dann MUSS es zwangslaeufig irgenwann zum Eklat kommen.

  9. #8
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    @samuianer,

    Danke für die Einschätzung.

    Ich persoenlich halte das mit den Gegensaetzen die sich anziehen fuer ein ausgemachte Farce.
    Ich halte es insofern zutreffend, dass sich Gegenssätze sich zwar anziehen, dafür aber nicht notgedrungen miteinander auskommen müssen. Das sind ja eigentlich zwei Paar Schuhe...

    IWenn nicht ausreichend Gemeinsamkeiten vorhanden sind , die Mensch mit Mensch, egal welchen Geschlechts teilen kann, dann MUSS es zwangslaeufig irgenwann zum Eklat kommen.
    Hier denke ich dass es zum "Auskommen" selbstverständlich ohne Gemeinsamkeiten nicht laufen kann. Zum Eklat oder zum "Affront" führt es glaube ich nur in dem Fall, wenn zusätzlich eine "Beziehung" oder ein gemeinsames Auskommen forciert oder aufgedrängt wird, - von einer oder beiden Seiten. Ich bin un diesem Zusammenhang ebenfalls der Meinung dass bei einer Beziehung zwischen Mann und Frau die "Liebe" nicht ausreicht. Solch scheinbar belanglose Dinge wie der selbe 'Geschmack', kommen spätestens bei der 'gemeinsamen' Einrichteng der Wohnung zum Tragen! Und das ist nur eines von vielen Beispielen, die man aufzählen könnte.

    Aber wieso bleiben wir nicht ein wenig bei den Eindrücken und der erläuterten Einschätzung von (Bezugs)personen. Gerade bei einer Beziehung scheint mir das doch ein sehr wichtiger Aspekt zu sein.

    Das Problem scheint mir zum Teil darin zu liegen dass man letzten Endes nicht um derartige Eindrücke und Einschätzungen (was ja noch keine Beurteilungen) sind, herum kommt. Diese Ein-drücke, das sind ja seltsamerweise auch 'vorgefertigte Elemente'. Auf Englisch wird es deutlicher, da benutzt man den Ausdruck "imprints" anstelle von impression.

    Der klassische Fühl- und Denkfehler geht ja meist dahingehend, dass man eigentlich glaubt der Eindruck den man hat, wäre etwas das im Moment entstanden ist und zudem objektiv (real) genug für den Hausgebrauch. Was aber nicht unbedingt stimmt, - wie wir schliesslich durch meine kleine Erzählung gerlernt haben dürften. Zum Teil sehr komplexe Konditionierungen und daraus entstandenen Erwartungshaltungen sind ja leider das "Malbuch" das wir zum Teil nur farbig ausmalen. Ein ganz neuer 'Entwurf' oder genaues Abzeichnen der Szene oder eines Porträts scheint allemal schwierig. Zudem haben wir oft ganz einfach angst es würde uns nicht gelingen, oder es würde "hässlich". Manchmal sind wir vielleicht auch nur zu faul. Tja dann doch lieber die vorgezeichneten Konturen ausmalen, da müssen wir nur aufpassen dass wir nicht mit dem Stift über die Lienie treten. es könnte aber auch sein, dass dieses malbuch derart fest eingbrannt ist, dass wir es einfach nicht zur Seite legen können

    Die Tantrikerin hat ja im Grunde nichts anderes getan als dem Mann das Malbuch mit den Vordrucken wegzunehmen, - oder wenn man so will, hat sie ihm schneller ein neues Motiv vorgelegt, als er mit dem Ausmalen des vorigen fertig war. Solange, bis er von sich aus zeichnen lernte, - denn weisses Papier gab's genug! :-)

  10. #9
    tuxchiangdao
    Avatar von tuxchiangdao

    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Und wie kommt's das wi in Bruchteilen von Sekunden entscheiden,ob uns jemand sympathisch ist oder nicht?
    Uns noch nach Jahrzehnten an der Stimme erkennen koennen,wobei das Wiedersehen gar nicht zaehlt?
    Gute Beitraege bisher Danke

  11. #10
    Avatar von Mr_Luk

    Registriert seit
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    Re: Eindrücke und Einschätzung von Personen

    Und wie kommt's das wi in Bruchteilen von Sekunden entscheiden,ob uns jemand sympathisch ist oder nicht?
    Chemie? Charisma, oder einfach nur Assoziationen mit physiognomischen und anderen Ähnlichkeiten mit anderer Personen, die uns schon vorher sympatisch waren?

    Der Wiedererkennungswert einer Stimme, eines Parfums oder Geruchs sind ja auch "Ein-prägungen".

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