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Ein Telefonanruf aus Bangkok

Erstellt von Bakwahn, 15.04.2004, 23:27 Uhr · 16 Antworten · 1.418 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Bakwahn

    Registriert seit
    15.04.2004
    Beiträge
    76

    Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Anmerkung:
    Ich habe diese kleine Geschichte vor ein paar Jahren auf dem (jetzt geschlossenen) Ramiworld-Forum gepostet.
    Ich hoffe, sie findet auch hier ihre Leser.
    Bakwahn


    Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Mein Telefon klingelt. Die Sekretärin sagt mir, da sei ein Gespräch für mich aus Bangkok. Eine Frau wünscht einen Charly zu sprechen, und damit könne ja nur ich gemeint sein.
    Ja, tatsächlich, es ist mein Mädchen aus Bangkok-Thonburi. Ich höre ihre Stimme, und ihr Bild erscheint sofort in meinem Gedächtnis mit ihren schulterlangen leuchtenden schwarzen Haaren, ihren mandelförmigen, dunklen, stets lachenden Augen, ihrem traumhaft schönen, fein geschnittenen Gesicht mit der schlanken spitzen Nase, die ihre thai-malaiische Herkunft verrät, mit ihren üppigen weiblichen Formen, die mir stets, nur wenn ich an sie denke, den Atem rauben.
    “Charly, can you come back in February as you promised? I am waiting for you. I miss you ... “
    “Yes”, antworte ich, “I have bought the ticket already.”
    "Oh, Charly, that’s great! Please come quickly, I want you back ... Do you remember the Sunday afternoon we spent together on the banks of Chayo Praya and on the green grass of Sanam Luang?”
    Und ob ich mich erinnere! Ich sehe uns beide auf dem Rasen des Sanam Luang liegen. Unweit von uns spielen zwei Mannschaften in der bereits tief stehenden Sonne Fußball. Wir haben uns von einer fliegenden Händlerin einen scharfen Som Tam mit Kauniau besorgt und genießen unsere Zweisamkeit. Vor uns liegt die beeindruckende Kulisse des Wat Phra Kaeo, des Königspalastes mit dem goldenen Chedi, den rot-grünen Stufendächern der Tempelgebäude, den vielfarbig verzierten Prangs, deren Anblick durch den Glanz der allmählich untergehenden Sonne zu einem unvergessenen Erlebnis wird. Ein wahrhaft königlicher Platz für ein Liebespaar.
    “Charly, are you still there?”
    Ja, ich lausche ihrem Geplauder und meine nach ihr dürstende Seele saugt wie ein trockener Schwamm jedes ihrer Worte in sich hinein. Gibt es etwas Peinigenderes als diese schreckliche Entfernung, die uns trennt? Gibt es etwas Quälenderes als diese Drangsal, die in mir aufsteigt, und sich mit Wollust grausam vermischt? Dieses bittersüße Gefühl, das mich so manche Nacht melancholisch werden läßt und mich um den Schlaf bringt. Auch moderne Medien wie Telefon und Email helfen da nur wenig, und ich bin gezwungen, mich in Demut zu üben, und auf den nächsten Urlaub zu warten.

    Wenig später verlasse ich mein Büro und nähere mich dem Schreibtisch der Sekretärin. Sie grinst mich höhnisch-boshaft an. „Charly, Du hast erzählt, Du seist auf der tunesischen Insel Djerba gewesen, aber jetzt glaube ich, dass Du geschwindelt hast, Du warst stattdessen in Thailand!“ und mit funkelnder Neugier in ihrem Gesicht. fragt sie: „Na, erzähl mal, wer ist sie, und wie ist sie denn?“
    Ein Hauch von Röte überzieht mein Gesicht, und ich schaue etwas verlegen drein, weil ich mich als Schwindler ertappt fühle, aber schon nach wenigen Sekunden fasse ich mich und beginne, die beiden Frauen miteinander zu vergleichen. In der Ferne mein traumhaftes weibliches Wesen in Bangkok-Thonburi mit ihrem Charme, ihrem Lächeln, ihrer Vergnügtheit und Lebensfreude und vor mir dieses häßliche, vermännlichte Frauenzimmer in einem grauen Hosenanzug, die sich in grandioser Fehleinschätzung selber auch noch für attraktiv hält, mit fettigen brünetten Haarsträhnen, eingehüllt in einen abstoßenden Geruch aus Parfüm und Zigarettenrauch. Sie kommt mir vor wie ein Katoey, bei dessen Operation dem Chirurgen ein paar mal das Skalpell ausgerutscht ist. Ohne ihr zu antworten, und ohne sie auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen, gehe ich mit einem stillen und überlegenen Lächeln stolz erhobenen Hauptes an ihr vorbei.

    Grüße aus Hamburg
    es ist Frühling

  2.  
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  3. #2
    Johann43
    Avatar von Johann43

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Bakwahn, dafür bekommst Du noch ein auch wenn es schon einige Jahre her ist.

    Gruss Johann

  4. #3
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    @Bagwahn: Die Geschichte fängt schon mal gut an.

  5. #4
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    @Bakwahn

    :bravo:

    Wann dürfen wir uns auf Deine nächste Geschichte freuen?

    Gruss khontingtong

  6. #5
    irrlicht
    Avatar von irrlicht

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    :bravo:

  7. #6
    Avatar von matthi

    Registriert seit
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    Beiträge
    1.150

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Wenn es schon ein paar Jahre her ist, was ist denn daraus geworden ? Aus Deinem Urlaub im Februar.

  8. #7
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Ich finde es ziemlich arm, dass man meint Thailand nicht als Urlaubsziel angeben zu können.

  9. #8
    Avatar von dr_farnsworth

    Registriert seit
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    528

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    @Chack: Es gibt halt genug Leute die diese tollen RTL-Reportagen anschauen und jeden der nach LOS fliegt gleich als 6-Touristen abstempeln. Ob das jetzt im Einzelfall zutrifft oder nicht. Denen muss man nicht unbedingt alle seine Urlaubsziele verraten...
    Ob ich persönlich jetzt ein anderes Urlaubsziel erfinden würde ist wieder ne andere Sache. Aber das muss jeder selber wissen...

  10. #9
    Avatar von MenM

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    2.624

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok



    Nuer weiter so

    "ich koennte deine sekraetarin formlich schon "riechen",
    laufen hier doch reichlich beispiele durch die gegend


  11. #10
    Avatar von Bakwahn

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    Beiträge
    76

    Re: Ein Telefonanruf aus Bangkok

    Es ist immer wieder gut festzustellen, daß durch Kritik und Kommentare die eigene Geschichte klarer und deutlicher wird.
    So ist mir bisher überhaupt nicht aufgefallen, dass ich meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis mein eigentliches Urlaubsziel stets verleugnet habe. Ich bin in den letzten 12 Jahren 16 mal in Thailand gewesen. Wenn man so oft dorthin fliegt, dann kommt man sehr schnell in Begründungsnot: „Warum fliegst Du eigentlich immer wieder dahin?“ lautet dann die bohrende und nach Begründung heischende Frage. Bei einem Land wie unserem LOS, das in der öffentlichen Berichterstattung immer wieder mit dem Thema „5extourismus“ in Verbindung gebracht wird, fällt es dann schwer, sein Urlaubsziel zu rechtfertigen, weil man in der Tat recht schnell in den Verdacht gerät, wegen des „Pattayaangebotes“ dorthin zu fliegen.

    Andere Urlauber, wie z.B. unsere beiden Altbundeskanzler Schmidt und Kohl haben es da leichter, ihre langjährigen Urlaubsziele ihrem neugierigen Publikum plausibel zu machen. Der eine (Schmidt) machte jahrzehntelang Segelurlaub am Brahmsee in Schleswig-Holstein; der andere (Kohl) fuhr immer wieder an den Wolfgangsee nach Österreich. Beides sicherlich idyllische und unbescholtene Urlaubsorte …

    Als ich vor etwa 16 Jahren von Düsseldorf nach Hamburg ging und diesen Wechsel in meinem Freundeskreis kundtat, bekam ich durchweg folgende sprachlichen und gestischen Reaktionen präsentiert: „Ooohhh, Hamburg, Reeperbahn, Große Freiheit …. Ooohhh 5exschuppen, Herbertstraße, jede Menge Prostituierte und jede Menge 5ex …“ und stets wurden diese Stammeleien, die eh nur mehr die inneren Sehnsüchte ihrer Sprecher repräsentierten, von einem maliziösen Grinsen begleitet. Mit solchen und ähnlichen Äußerungen sah ich mich damals immer wieder konfrontiert, wobei mir immer auch implizit unterstellt wurde, ich würde diese 5exangebote tatsächlich auch nutzen wollen und das eigentliche Motiv meines Wechsels sei nicht der interessante neue Job, sondern das reichhaltige 5exangebot St. Paulis.
    Ich habe in den letzten 16 Jahren immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Hamburg bei sehr vielen Menschen zunächst und in erster Linie mit Reeperbahn und 5ex in Verbindung gebracht wird.

    Wen wundert es da noch, wenn jeder Mann, der als Urlaubsziel Thailand angibt, sofort als „5extourist“ verdächtigt wird?

    Bakwahn

    es ist Frühling: Geh aus mein Herz und suche Freud ...
    Paul Gerhardt (1607 - 1676)

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