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Ein Tag im Isaan oder

Erstellt von E.Phinarak, 14.05.2005, 22:30 Uhr · 2 Antworten · 908 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von E.Phinarak

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    Ein Tag im Isaan oder

    Der Familienausflug

    Schwiegermutter lebt nun schon seit vielen, vielen Jahren in Maha Sarakham.Das liegt im Isaan, ca 70km süd-östlich von Khon Kaen. Geboren wurde sie allerdings in Ubon Ratchatani. Dort nun wollte sie „ihrem“ Tempel etwas Gutes tun.
    Und natürlich ein bisschen tambun. Dafür wurde bereits bei uns zuhause in Deutschland fleißig Geld gesammelt. Alle Thai in unserem Bekanntenkreis bekamen einen Zettel,den ich leider nicht lesen konnte. In der letzten Woche vor unserer Thailandreise kamen dann diese Zettel, in Briefumschlägen und mit Namen versehen, an uns zurück.
    Wie ich später erfuhr, machte das Muttern in Sarakham genauso. Und selbst am Tag vor unserer Fahrt nach Ubon Ratchathani, da waren wir schon 3Tage bei Pui´s Familie, kamen noch Leute bei uns vorbei um ihre Spende an Mutter´s Geld-Baum zu stecken.


    Meine kleine Tochter mit Cousine


    Um 6:30 sollte der Bus, den Mutter schon 2 Wochen vorher gebucht hatte, kommen. Das war für mich kein Problem, da mich jeden Morgen die Hähne zwischen 5 und 5:30 aus dem Schlaf rissen.. Die komplette Familie war schon auf als ich mich um 5:30 aus den Federn quälte. Die Frauen frühstückten das übliche Isaan-Lao-Food und die Männer hatten das erste Bier am Hals. Dafür war es mir denn doch noch zu früh und ich holte mir khao-niao und ein wenig Hühnchenfleisch.
    Dann ging es los zur Hauptstraße um auf den Bus zu warten, den Mutter schon 2 Wochen vorher bestellt hatte. Die Wartezeit wurde damit überbrückt lao-khao zu verteilen. Mit dem Hinweis das der lao-khao den Bauch schön warm macht (als wenn es morgens um 6:30 mit 25°C zu kalt ist) musste ich nun auch mittrinken. Der Bus kam und es ging los.

    Nachdem sich der Busfahrer geweigert hatte Radio oder die vorhandene (ich glaub´s ja nicht)Karaoke-Anlage einzu- schalten, wurden alle möglichen Dinge hervorgekramt um damit
    Musik zu machen. Es wurde auf Töpfen und Schalen herum- geklopft und einer hatte so eine Art Bongos dabei. Immer wieder stimmte jemand ein neues Lied an und sogleich sang die ganze Gesellschaft mit. Bei langsam steigendem Alkoholpegel schienen die Lieder immer lustiger zu werden, denn meine Frau brach immer wieder mal in herzhaftes Lachen aus. Jetzt wurde sogar im Gang getanzt. So vergingen die 3 Stunden Fahrt wie im Fluge. Zweimal wurde angehalten um das angestaute Bier und den lao-khao wieder loszuwerden und natürlich um den Essensvorrat wieder aufzufüllen. Mir wurde dabei, voller Stolz, ein irgendwo aufgetriebener Hamburger gereicht. Der schmeckte sogar richtig gut, außer das mir hinterher die Zunge brannte.

    In Ubon Ratchatani angekommen, wurde das Geburtshaus von Schwiegermutter angesteuert,
    wo bereits noch mehr Familienmitglieder auf uns warteten. Inzwischen, es war so gegen 11 Uhr, waren es mindestens 35°C geworden und zur Abkühlung wurde mir sofort eisgekühltes Bier gebracht. Auch wurde mir, dem armen Farang, ein Stuhl im Schatten zugewiesen. Kurz darauf traf die „Kapelle“ ein. Eine kleine, verwegen aussehende Musikertruppe, die vorwiegend über Schlaginstrumente verfügte. Um das Ganze musikalisch abzurunden, gab es einen Handkarren auf dem Verstärker und Lautsprecher verschraubt waren. Vor diesem Karren gingen zwei Männer mit elektrischen Gitarren. Meinen schlimmsten Befürchtungen zum Trotz klang das ungewohnte Instrumenten-Mix doch recht gut und ging, wie man so schön sagt, sofort in die Beine. Die Anwesenden, es waren mittlerweile ca. 40 Familienmitglieder und 20 Nachbarn, ließen sich auch nicht lange bitten und die kleine Straße war sofort voll mit fröhlich tanzenden Menschen.












    So ging das dann den ganzen, etwa 1 km weiten Weg, bis zum Tempel, wobei die Nachbarn zurückblieben. Auf dem Tempelgelände wurde dann der Tempel dreimal umrundet. Die Musiker wurden mit Bier versorgt und die Familie begab sich zu den bereits wartenden Mönchen. Auf die Prozedur der Geldübergabe möchte ich nicht näher eingehen. Es wurde viel gebetet und geredet und ich habe so gut wie nichts verstanden.
    Nur einmal hörte ich ganz überrascht meinen Namen und Farang-jöremanie und alle klatschten. Anschließend wurde erstmal, ja was wohl, natürlich gegessen.










  2.  
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  3. #2
    Avatar von E.Phinarak

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    Re: Ein Tag im Isaan oder

    Für die Rückfahrt waren noch zwei Haltepunkte vorgesehen. Der erste war ein Bambus-Wald.
    Toll anzusehen und sehr, sehr heiß. Ich wusste gar nicht, das Bambus so groß und dick werden kann. Nachdem wir so eine halbe Stunde durch den Wald marschierten, kamen wir klatschnass geschwitzt an einer großen goldenen Buddha-Statue an. Dahinter lag ein, wie soll ich sagen, in Fels geschlagener kleiner Tempel. Hier leben in einiger Abgeschiedenheit zwei Mönche. Über Felssteintreppen gelangte man zu deren Unterkünften, was den Frauen allerdings untersagt ist. In einer Art Höhle standen goldene Buddha-, Büffel-, Elefanten-, Schlangen- und Drachenfiguren.







    In einer Ecke lagen mit Goldfarbe gestrichene Steine.
    Mein Schwager bat mich ihm zu folgen. Vor diesen Goldsteinen kniete ein junger Mann, seine Hände zu einem Wai und verbeugte sich dreimal, wobei er jedes Mal mit seinem Kopf vorsichtig den Stein berührte. Er nahm ihn in die Hände und versuchte den Stein zu heben.
    Der musste wohl doch schwer sein, denn es gelang ihm nicht ganz und er wiederholte die Prozedur. Jetzt bekam er den Stein ca. 30 cm vom Boden hoch und der Mann schien zufrieden zu sein. Mein Schwager stubste mich in die Seite und deutete mir an, es doch auch einmal mit dem Stein zu versuchen. Ich dachte, jetzt machste dich lächerlich, den kriegste gar nicht erst vom Boden weg. Aber ich hatte ja gesehen wie es gemacht wird. Also, hinknien, Wai, dreimal vorbeugen mit Kopf auf dem Stein. Ich packte den Stein und ohne große Probleme hob ich ihn mit ausgestreckten Armen bis in Kopfhöhe. Hinter mir hörte ich ein Raunen der anwesenden Männer. Mein Schwager, sichtlich stolz und glücklich, grinste wie ein Honigkuchenpferd und klopfte mir immer wieder auf die Schultern. Den Sinn des Ganzen habe ich leider nicht aus ihm herausbekommen. Die kleine Anlage machte einen seltsamen Eindruck auf mich, den ich gar nicht beschreiben kann. Ich ertappte mich mehrmals dabei, wie ich mich vorsichtig und behutsam durch die in den Fels gehauenen, nach einer Seite offenen Räume bewegte. So, als ob ich bloß niemand stören wolle. Leider drängten die anderen darauf wieder in den klimatisierten Bus zu kommen. Diese Stätte hatte mich so in ihren Bann gezogen, das ich jetzt erst merkte wie heiß es inzwischen geworden war. Ich denke mittlerweile hatten wir gut und gerne 40°C.
    Wir fuhren etwa eine halbe Stunde und kamen an einen recht großen See. Hier war schon richtig was los. Unter eng zusammengestellten, großen Sonnenschirmen und Planen saßen Jung und Alt. Im Wasser planschten jede Menge Leute. Alle voll angezogen, nur hier und da sah man junge Männer mit freiem Oberkörper. Wir suchten uns einen freien Platz und hier wurde erstmal, ja was wohl, natürlich gegessen. Anschließend ein Bad und bald ging es wieder zurück nach Sarakham.
    Die Rückfahrt verlief wesentlich ruhiger. Bier, lao-khao und vor allem die viele Bewegung zollten ihren Tribut. Ich glaube ich war der einzige der nicht schlief. Und so konnte ich diesen tollen Ausflugstag noch einmal für mich Revue passieren lassen, wobei meine Gedanken immer wieder zu dieser, im Bambuswald versteckten, Gebetsstätte zurückkehrten.

  4. #3
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Ein Tag im Isaan oder

    Eddy,
    im Wat Thamfad bei Kanchanaburi gibt es einen grossen LekLai, also auch eine Art von Stein, selbstverstaendlich heilig. Diesen Stein kann man befragen. Man darf ihn auch ohne zu beten anheben, ich bekam ihn zunaechst ca. 20 cm hoch gehoben.
    Wenn man aber betet, und dabei um die Antwort einer wichtigen Frage bittet, dann passiert eigenartiges.
    Ich habe eine (innerlich gestellte Frage) geaeussert, und noch bei der Frage muss man den LekLai bitten, bei z.B. der Antwort "Ja" oder "Nein" sehr leicht zu werden -oder sehr schwer. Ich entschied mich fuer leicht. Der LekLai erhob sich muehelos ueber meinen Kopf, als sei es ein Kissen, obwohl er locker 20 Kilo hat.

    Vermutlich war es ein aehnlich magischer Stein, den Du bewegt hast. Deine Leute haben Dir mit den Gebeten geholfen, oder Du warst es ganz alleine.

    Eines dieser kleinen Mysterien, die passieren in Siam... :-)

    Chock dii, hello_farang

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