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Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

Erstellt von moselbert, 15.03.2005, 20:34 Uhr · 112 Antworten · 12.841 Aufrufe

  1. #51
    Avatar von waltee

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Wohl einer der besten Berichte, den ich im Nittaya bisher gelesen habe. Obwohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Lachend weil hier das echte liebenswerte Thaileben vermittelt wird, weinend weil bei mir die Verwandtschaft meiner Frau nach rund 30 Jahren schlicht nahezu weggestorben ist. Somit fehlen uns die intensiven Wochen die wir über all die Jahre in thailändischen einfachen Haushalten bei Brüdern und Schwestern zugebracht haben, von Korat über Bangkok bis Hua-Hin. Da ich seit 1986 Videos aufnehme, kann ich wenigstens manchmal noch die alten Zeiten beschwören.

  2.  
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  3. #52
    Avatar von bmei

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Hallo Moselbert,

    vielen Dank für den wunderschönen Bildbericht.
    Ich bin schon länger der Meinung, dass die Qualität und
    die Art und Wiese mancher Threads an Niveau verloren haben.

    Dein Bereicht hat mich wieder ermuntert, wieder aktiver zu werden.
    Bin mit meiner Mia im April in LOS. Mal sehn ob ich auch an die Qualität Deines Berichtes anknüpfen kann.

    Vielen Dank für Deinen super Bericht.

    Natnari und Bernd

  4. #53
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Hallo Moselbert,
    Dir und Deiner Frau ein herzliches Dankeschoen fuer die Informationen zum Wat Bang Phra.



    Chock dii, hello_farang

  5. #54
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Hallo Moselbert,

    Zitat Zitat von bmei",p="228819
    Ich bin schon länger der Meinung, dass die Qualität und
    die Art und Weise mancher Threads an Niveau verloren haben.
    ich moechte mich auch ausdruecklich bedanken.

    Gruß Heinz

  6. #55
    Avatar von moselbert

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    So 06.02.2005

    Morgens aßen wir wieder einmal ein preiswertes Nudelsüppchen am Stand an der Klongbrücke. Die Inhaberin zeigte sich besser informiert als unsere Kinder, was die Vermessungsarbeiten am Klong angeht.
    Offenbar soll keine Straße gebaut, sondern der Klong saniert werden. Erst soll der alte Boden aus dem Klong herausgeholt werden. Dann soll das Bett mit Beton ausgelegt werden. Angeblich verbessert sich so die Qualität des Wassers.
    (Ich meine allerdings, dass das Wasser dadurch besser wird, wenn man die Abwässer, wie Waschwasser, Toilettenwasser, nicht ungereinigt in die Klongs läßt.)
    Außerdem soll der Plattenweg neu gemacht werden, eventuell auf zwei Steine verbreitert.
    Diesen Maßnahmen würden allerdings auch die Bäume zum Opfer fallen müssen.
    Ich habe mal versucht, den derzei- und zukünftigen Zustand in einer kleinen Grafik darzustellen.


    Angeblich sind sie von der Bangkoker Seite aus mit der Klongsanierung schon bis zu einem bestimmten Punkt vorgedrungen. Jetzt wird auf frisches Geld gewartet, damit weiter gemacht werden kann.
    Heute war von 8 bis 15 Uhr Wahlmöglichkeit. Die Bewohner unserer Siedlung mussten zur Veerasoontorn Schule in der Soi 108. Hin wurden wir von Lek gefahren. Dort war reges Treiben. Wähler kamen und gingen. Ich setzte mich an den Kinderspielplatz und wartete während meine Frau und Taeng ihre Stimmen abgaben.


    In Deutschland steht die stärkste Partei auf dem Wahlzettel immer auf Platz 1. Thais sind verrückt auf Lotterien. Und so wird auch der Platz auf dem Wahlzettel in einer Fernsehshow unter den Parteien verlost. Die Show am 07.01.2005 konnten wir in Deutschland im thailändischen Satellitenfernsehen verfolgen. Die stärkste Partei, Thai Rag Thai, bekam Platz 9 zugelost.

    Zurück gingen wir zu Fuß durch die Soi 108. Meine Frau ließ sich die Hände in einem Friseursalon maniküren. Zuvor war eine Thai dran, die ähnlich blasse Haut hatte wie ich. Wahrscheinlich geht sie außer zum Friseur nicht aus dem Haus.

    Wir gingen dann über die Querverbindung Yaek 9 wieder zurück zu unserer Soi 110. Irgendwo an dieser Yaek stand ein kleines verlassenes Häuschen zum Verkauf. Mit Straßenanschluss. Da könnte man was draus machen. Allerdings scheint das Haus auch hochwassergefährdet zu sein. Leider stand der Preis nicht dabei.
    Anschließend aßen wir zu Hause etwas. Bui hatte für mich einen Glasnudelsalat gemacht.


    Film hatte gestern abend und heute früh Zahnschmerzen.
    Taeng ist mit dem Motorrad weggewesen und hat ihm heute ein neues Kinderfahrrad gekauft. Es ist zwar noch einen Tick zu groß, aber er wächst ja noch. Das Geld kam von meiner Frau.
    Auf dem Grundstück stehen einige Fahrradleichen herum. Die Fahrräder sind noch von den Vorbesitzern des Hauses, die sie auf der Soi gesammelt haben. Eines davon soll instand gesetzt werden und Muu soll es bekommen. Muu fährt zwar schon selber Motorrad, aber nur kurze Strecken in der Nachbarschaft. Und Fahrrad fahren ist in seinem Alter (12) doch besser.


    Danach war Zeit auszuspannen.


    Das machten die Hunde auch. Oben rechts liegt übrigens Ngoen, das Leittier des Rudels.


    Nach der Siesta kam wieder Leben in die Bude. Denn Loern, der ältere von zwei jüngeren Büdern meiner Frau, kam mit Familie vorbei.
    Loern arbeitet als eine Art Hausmeister an der Mahidoluniversität in Salaya. Er verdient im Monat 13000B oder 260€ im Monat.
    Loern gehört zu den sympathischsten Menschen die ich kenne.
    Hier verfolgt er gespannt die Wahlberichterstattung im Fernsehen.


    Und hier ist seine Familie: Wanna seine Frau (2.v.r.), seine Stieftochter Gai (r.), seine Tochter Bi (2.v.l.) und Gais Tochter Ci (Mitte). Also ein richtiger Frauenhaushalt.
    Wie das Schicksal doch so spielt. Meine Frau hat nur Söhne, alle ihre 5 Enkel sind auch männlichen Geschlechts. Irgendwie ungerecht verteilt.


    Gai arbeitet auf dem Markt in Om Noi westlich der Bangkoker Stadtgrenze, Bezirk Kratumbaen, Provinz Samut Sakhon. Ihre Tochter Ci wird also meist von ihrer Oma Wanna betreut.
    Ci nennt ihre Oma "Mae" (Mutter) und ihre Mutter "Pii Gai" (Altes Huhn). Das ist kein Schimpfwort. Pii ist generell die Bezeichnung für ältere (im Sinne von "älter als man selber") Menschen, und Gai (Huhn) ist ihr Spitzname. Viele Thais haben Tiere als Spitznamen: Muu (Schwein) oder Nuu (Ratte, Maus) sollen als Beispiele dienen.
    In Loerns Familie werden die Kinder durchbuchstabiert. Der Anfangsbuchstabe von Gai ist der erste Buchstabe des thailändischen Alphabets. Für die beiden nächsten, Bi und Ci, hält das englische Alphabet her.
    Ci ist ein richtiger Pummel. Mit 3 Jahren wiegt sie 22 Kilo, das ist ein Kilo mehr als der 6 jährige Gong (links im Bild).
    Bi hingegen schießt in die Höhe. Mit 12 misst sie 1,55 Meter, nur noch 4 cm, dann hat sie meine Frau erreicht. Bi ist Provinzmeisterin in ihrer Altersklasse im 4x100 Meter Lauf und im Petanque.

    Abends kam es noch zu einem tierischen Zwischenfall. Normalerweise gehen sich Ngoen und der Ganter aus dem Wege. Der eine knurrt, der andere zwickt mal mit dem Schnabel in die Pfote. Aber heute gerieten sich beide etwas stärker in die Haare beziehungsweise Federn. Eé mußte dazwischengehen, weil Ngoen den Ganter im Nacken gepackt hatte. Der Ganter hatte eine blutende Wunde am Hals davongetragen, die auch zwei Tage später noch deutlich zu sehen war..


    Der Ganter versuchte übrigens Taeng (wenn dieser am Boden saß) auf den Rücken zu klettern und ihn in die Haare zu beißen. Als ich das vor ein paar Tagen sah, war mir klar, dass es sich um eine symbolische Begattung handelte. Taeng hat den Vorgang als Jux verstanden. Heute war das wieder der Fall. Meine Frau, die den Vorgang richtig interpretiert hatte, zeigte ihm die Spritzer auf dem Boden und dem Rücken. Taeng war etwas verwirrt, die anderen lachten. Ob Taeng das nochmal mit sich machen läßt?

    Wir hatten aus Deutschland Pufferteig mitgebracht. In Plastikflaschen, Wasser rein, schütteln und dann ausbacken. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte das hervorragend. Statt Apfelmus gab es Pflaumenmus, von dem wir ebenfalls eine Dose im Koffer hatten. Das schmeckte allen sehr gut.

    Von den anderen Schütteldosen mit Eierkuchen, die wir mitgebracht haben, gibt es auch hier in Thailand im Supermarkt genug, bei der Mall oder bei Carrefour. Überhaupt brauchen wir eine ganze Menge Sachen nicht aus Deutschland mitzunehmen. Meine Frau hat mich sogar gebeten, sie nächstes Jahr daran zu erinnern, wenn sie wieder einkaufen will. Also: keine Kekse, keine Ferrero Rocher, Schütteldosen, Wackelpudding. Alles ist in Thailand vorhanden.
    Was es hingegen nicht gibt: Kartoffelpuffer, Klöße in Kochbeuteln, bittere Herrenschokolade (ähnliche gibt es allerdings von Ritter Sport und einer japanischen Firma auch hier in Thailand), Mon Cherie (gerade die hatten wir dieses Jahr vergessen), Maggifix für Pilzsoße, Wiener Schnitzel, etc, After Shave Wasser von Axe (Thais müssen sich meist nicht so viel rasieren, die Jungs hier nehmen es als Eau de Toilette).

    Es soll Menschen geben, die mit einer Handgepäcktasche auskommen, wenn sie nach Thailand fliegen.
    (Stimmts, @Mr.Huber?) Aber die haben auch wahrscheinlich keine 3 Söhne, 3 Schwiegertöchter, 5 Enkel, 2 Schwager, 2 Schwägerinnen, 2 Nichten und 1 Großnichte (ich hoffe, ich habe niemanden vergessen) zu versorgen.

    Das war etwa die Halbzeit unseres Aufenthalts. Also, Ihr braucht nicht mehr allzu lange durchhalten. ;-D
    Darf ich schon mal einen Ausblick geben? Die weitesten Ausflüge haben wir in der letzten Woche unseres Aufenthalts gemacht. Schaut auf die Karte am Anfang, dann wisst Ihr, was Euch noch erwartet.

    Aber schön der Reihe nach.

    Es freut mich, dass Euch mein Bericht gefällt. Gleicht geht es weiter...


  7. #56
    Avatar von moselbert

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Mo 07.02.2005

    Heute habe ich mal mit "Frühsport" angefangen. Ich bin die Soi zur Petkasem gegangen und wieder zurück. Meine Frau war auch mit, brauchte aber etwas länger.

    Anchließend haben wir dann wieder in dem Imbiss an der Soi Nudelsuppe gegessen.
    Die Schüler haben heute frei. Der Grund ist, dass die Schulen noch von den Wahlhelfern besetzt sind. Eigentlich wollten diese bis 3 Uhr nachts die Stimmen fertig gezählt haben. Daraus wurde aber nichts. Vielleicht zählen ja die Lehrer. Vielleicht dauert es deswegen so lange. Honi soit qui mal y pense.

    Mittags fuhr ich mit meiner Frau zur Mall. Im Internetcafé habe ich meine eMails gecheckt. Ein Kollege ließ grüßen, meine Schwester hat eine Liste mit Mitbringsel - Wünschen geschickt. Ich hoffe, ich kann alle erfüllen.

    Vergeblich suchten wir nach Ansichtskarten. Die müssen wir dann wohl doch in einem Touristenzentrum kaufen.

    Natürlich bekamen wir auch Hunger. Also wieder ins Food Center. Ich wählte eines meiner Lieblingsgerichte: Pad Thai, gebratene Nudeln mit Ei, Sojasprossen, Erdnüssen und, und, und...


    Beim Essen schaut man sich natürlich ein wenig um. Daher noch ein paar Fotos aus dem Food Center. Verkaufsstände ...


    ... und Hungrige.


    Dann verabredeten wir uns telefonisch mit Eé und Tonn bei Carrefour. Morgen ist Wai - Tag und Carrefour hatte preiswerte Hühner und Enten im Angebot.

    Die gleiche Idee hatten sehr viele Menschen. Und so war es trotz Montag sehr voll. Die Taxen kamen kaum bis zum Eingang . Im Laufe des Nachmittages wurde es noch schlimmer.

    Was macht den Einkauf zur "Freude"?

    Wenn die Hauptwege im Supermarkt mit Ständen für Wai - Obst fast zugestellt sind. Wenn für fertig zubereitete Hühner und Enten je circa ½ Stunde angestanden werden muss.

    Und wieder waren die Mikrofonschreier und -schreierinnen am Werk. Ich ging auf dem Weg zur Toilette an einer Frau vorbei, die lauthals irgendwelche Babysachen anpries. Was würde eigentlich passieren, wenn man sie, die eventuell kitzelig ist, während ihres Vortrages in die Seite kneifen würde? Würde ein durch Lautsprecher verstärkter Schrei durch den Markt gellen? Mich juckte es in den Fingern. Aber ich habe mich zurückgehalten.

    Nach 2 ½ Stunden mühsamem Einkauf war auch meine Frau geschafft, obwohl sie sonst gerne einkauft und dabei eigentlich keine Konditionsschwierigkeiten hat. Heute war es aber wirklich extrem. Und nach dem Bezahlen an der Kasse (2 Einkaufswagen voll = 4850 B, 96€, 3 Hühner, 3 Enten, mehrere Stück von diversen Obstsorten) war die Warterei noch nicht zu Ende.

    Denn für große Beträge bekommt man noch irgendwelche Boni wie Kugelschreiber oder Lotterielose, oder weiß der Geier was sonst noch. Alles eigentlich Tinnef und ich würde freiwillig darauf verzichten. Die Thais sind aber auch da wie wild hinterher.

    Immerhin, beim Warten sah ich einen Stand der PostNet, an dem auch Ansichtskarten verkauft wurden. Na da hatte ich doch schon, was ich heute gesucht hatte. Mal auf Verdacht 12 Stück gekauft, das müßte reichen.

    Da es die Taxis wegen der Staus auf dem Gelände nicht mehr bis zum Eingang schafften, mussten wir mit den Einkaufswagen zur Petkasem und uns dort ein Taxi heranwinken.

    Zu Hause war dann Zeit, die Bangkok Post zu lesen, die ich mir in der Mall gekauft hatte.

    Das wichtigste Thema war natürlich der Ausgang der gestrigen Wahl.
    Gezählt war zwar noch nicht alles, aber erste Hochrechnungen zeigten, dass die regierende Thai Rag Thai Partei des Regierungschefs Thaksin Shinawatra einen überwältigenden Wahlsieg errungen hatte. Nur im Süden hat sie nichts zu bestellen, da ist die Demokratische Partei vorne.
    [Nachtrag vom März: Von den 500 Parlamentssitzen hat die TRT (blau in meiner Grafik) etwa 377 bekommen, die Demokraten (gelb) 96, die Chart Thai (rot) 25, die Mahachon Partei (grün) 2.]
    Der Chef der letzteren sagte in der Bangkok Post, das Wahlergebnis ähnele dem in einem kommunistischen Staat.


    Und somit hat auch Pimpa Tscharnprasong (rechts) in der Provinz Nonthaburi einen Sitz im Parlament gewonnen. Links der Ministerpräsident Thaksin Shinawatra.


    Das erfüllt alle Familienmitglieder mit Freude, denn Pimpa ist eine Cousine meiner Frau.
    Meine Frau hat sehr viele Cousinen und Cousins. Diese hat von allen sicher die größte Karriere gemacht.

    Die Bangkok Post veröffentlichte noch weitere Zahlen. Inzwischen wird die Zahl der Opfer des Seebebens und des Tsunamis mit 302.000 angegeben. Schlimm.

    Immerhin habe es seit dem Tsunami keine Fälle von Piraterie in der Straße von Malakka gegeben. Offenbar sind entweder die Piraten oder ihr Equipment untergegangen.

    Zum Schluss noch etwas Kunst am Bau.



  8. #57
    Avatar von moselbert

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Di 08.02.2005

    Prosit Neujahr!

    Seit gestern abend knallten überall in unregelmäßigen Abständen die Feuerwerkskörper zum chinesischen Neujahrsfest. Es sind überwiegend größere Böller, die einen ziemlichen Lärm verursachen. Was wohl auch der Sinn der Sache ist. Eine Regel, wer wann wo knallt, konnte ich nicht erkennen. Wenn es auf einem Nachbargrundstück passiert, ist es schon so, dass man sich ordentlich erschreckt.
    Bei uns wird nicht geknallt.

    Heute ist auch der Tag, wo die Opfer (Wai) dargebracht werden.

    Zunächst zum Sonnenaufgang am Geisterhäuschen.


    Hier wird den Hausgeistern geopfert. Zum Opfern wird auch immer Alkohol gereicht. Wahrscheinlich war das eines der ersten Opfer in Bangkok mit Pernod. Wir hatten Pernod und Ouzo nach Thailand mitgenommen, weil der Anisschnaps meiner Frau beim Griechen gut geschmeckt hatte.

    Dann ging die Sonne auf. Morgenstimmung mit Hund und Motorrädern.


    Nachdem die Räucherstäbchen abgebrannt waren und alles abgeräumt war, kam der Buddha im Haus dran. Auch den Eltern wurde gespendet, stellvertretend für alle verstorbenen Familienmitglieder.
    Ja, auch Du Jost Dirk Obbelohde, Gardegrenadier des 5.Bataillons aus Brackwede aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, bist gemeint. Das hättest Du Dir damals auch nicht träumen lassen, gelle?


    Vor dem letzten Wai machte ich einen Spaziergang wie gestern. Meine Frau begleitete mich, fiel aber nach wenigen Metern zurück. An der Petkasem angekommen, dachte ich, soviel Vorsprung zu haben, dass ich mir eine Verlängerung bis zum Markt neben der Verwaltung gönnen könnte. Dann ging ich zurück zum Familymart und wartete: aber meine Frau kam nicht. Ich nahm an, sie sei vorher wieder umgedreht und hatte sich auf den Weg nach Hause gemacht. Ich ging also wieder zurück. Muu kam mir auf seinem Schulweg entgegen und sagte, dass sie wieder zu Hause sei. Sie war auch bis zum Familymart gegangen, hatte dort kurz gewartet, war dann wieder nach Hause, weil sie nicht wusste, wo ich war. Sie war zunächst böse, weil ich ihr nicht gesagt hatte, dass ich weiter gehen würde, aber das war mir ja auch erst auf dem Weg eingefallen.

    Später am Vormittag wurde dann ein Tischchen auf dem Fußweg für alle übrigen Verstorbenen gedeckt. Nachdem man gebetet hat, werden die Räucherstäbchen in das Essen eingesteckt und glimmen dann so 20 bis 30 Minuten vor sich hin. So lange dürfen die Geister nicht gestört werden.


    Das wurde einem per Motorrad gekommenen Lieferanten für Gasflaschen zum Verhängnis, der zwar an den abgestellten Motorrädern vorbeikam, aber nicht an den sich labenden Geistern. Er hätte entweder die Zeit warten müssen, oder zu Fuß mit der Gasflasche zum Haus am Ende des Weges gehen müssen, etwa 100 Meter. Ich hätte ihm ja die Tischchen etwas zur Seite gerückt, dann hätte er mit dem Motorrad vorbeigekonnt. Aber dann wäre das Opfer sinnlos geworden. Denn die Geister wären gestört gewesen. So ging er dann lieber zu Fuß und lieferte seine Gasflasche ab.


    Aber fotografieren kann man doch hoffentlich, ohne die Geister zu stören. Glücklich sieht das Huhn nicht gerade aus.


    Nach den Opferungen konnten wir dann auch selber etwas essen. Hier gelbe Nudeln und Ente.

    Die Thais haben eine dumme Angewohnheit. Sie zerteilen Geflügel in kleine Stücke, bevor sie es servieren. Und zwar in der Art, dass sie ein Küchenbeil mehrmals auf die Ente oder das Huhn niederfahren lassen. Alles wird zerteilt, Fleisch, Knochen, Sehnen. Das wird in den Familien und auch in den meisten Restaurants so gemacht. Hier im Forum habe ich einmal, ich glaube von Otto aus Nongkhai, den treffenden Ausdruck "Splitterhuhn" gelesen. Hier haben wir also eine Splitterente vor uns.

    Ich habe Taeng von dem Plakat erzählt, auf dem die Verwaltung Kurse für 1B/h anbietet. Er wusste davon noch gar nichts. Dabei sitzt er doch tagtäglich, wenn er Taxi fährt auf der anderen Seite. Andere Familienmitglieder gehen zum Markt einkaufen und sagen offenbar so etwas nicht weiter. Ich meinte, er solle dieses Ausbildungsgeschenk (was anderes ist es in meinen Augen nicht) annehmen und sich in einem ihn interessierenden Gebiet weiterbilden. Schaden kann es sicher nicht.

    Taeng fragte mich, ob ich die Bermudas kennen würde. Angeblich sollen da, so hatte er gelesen, Schiffe und Flugzeuge verschwunden sein. Ich erzählte ihm und meiner Frau von Methangas am Meeresboden, das ab und zu in Blasen nach oben steigt und dann die Auftriebsverhältnisse im Wasser und in der Luft darüber verändert. Da hätten dann Schiffe und Militärflugzeuge keine Chance. Hoch fliegende Passagiermaschinen seien nicht betroffen. Das alles mußte ich auf Thai erklären. Reife Leistung...

    Drachen kann man hier zum Glück steigen lassen, da Thailand nicht im Bermudadreieck liegt.


    Heute schrieb ich einige Ansichtskarten an Verwandte, Bekannte und Kollegen.

    wird fortgesetzt

  9. #58
    Avatar von FarangLek

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    sawadee
    Danke für die vielen Einblicke .. :bravo:

    Les' ich gern


  10. #59
    Avatar von Loso

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Hallo moselbert,
    grosses Dankeschön für den Einblick in deinen thailändischen Familien-Alltag. Mir scheint für dich (nicht jetzt, sondern im Erzählablauf) aber doch der Punkt gekommen zu sein, wo dir ein bisschen die Decke auf den Kopf fällt und man nicht mehr alles ganz unkritsch sieht, gell?

  11. #60
    Avatar von waltee

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    Re: Ein Nashorn und fünf alte Knollen ...

    Die alte Thaiarchitektur mit Haus auf Stelzen ermoeglicht in diesem Klima die beste Wohnqualitat . Dies kommt in deinen Bildern gut zum Ausdruck: Man kann in der Hitze unterm Haus im Schatten sein und hier zudem Tiere halten.

    Leider stehen die ´neureichen´ Thais auf Pseudofalang-Architektur . Einige Tsunami Ueberlebende haben sich teilweise geweigert in die von Schreibtischtaetern konzipierten Betonriegel einzuziehen weil sie sich dort nicht wohl fuehlen und keine Tiere mehr halten koennen. Auch meine Schwaegerin hatte lieber den Boden teuer erhoehen lassen um waehrend der zwei drei Wochen pro Jahr keine Ueberschwemmung in ihrem neuen ebenerdigem europe-style Haeuschen zu riskieren. Nutztiere hat sie seitdem auch keine mehr .

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