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Ein liebevoller Mensch

Erstellt von Silom, 23.03.2008, 02:02 Uhr · 28 Antworten · 3.020 Aufrufe

  1. #21
    Mandybär
    Avatar von Mandybär

    Re: Ein liebevoller Mensch

    Fängt gut an, hoffentlich gehts so weiter

    Grüße
    Mandybär

  2.  
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  3. #22
    Avatar von zappalot

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    für mich gibts keine besseren geschichten als die die der realtiät entspringen. auch diese hier lese ich bis hier sehr gern. :bravo:

    Freu mich auf mehr!

  4. #23
    Avatar von Silom

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    Nun ging es zu meinem Freund Micha nach Ubon. Schlappe 600 km mit einem für mich schlecht übersetzten Automatikgetriebe. Aber wir sind gesund angekommen. Micha wohnt seit ungefähr 5 Jahren in Thailand. Obwohl er für Ausländer nicht einfach, fühlt er sich wohl(er als in Deutschland). Er betreibt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern 8 + 10 Jahre einen Minimart, der sehr profitabel läuft.
    Als wir 3 auftauchten gab es erst einmal eine Verwirrung. Ich dachte du bist geschieden, oder sie sieht auf den Fotos etwas anders aus, doch es folgte prompt die Aufklärung.

    Es gab eine Menge zu bereden. Über das Ende mit meiner Exfrau, das Umfeld in Ubon usw. Es war ein sehr schöner Abend. Gegen 22 Uhr fragte mich Micha in welchem Hotel wir untergebracht sind. Tja war eine gute Frage, eigentlich wollten wir zuvor einchecken, aber wie es oft so ist. Das Wiedersehen hatte Priorität. Darauf Micha: Ihr könnt hier schlafen, könnte vielleicht etwas eng werden. Es war ein normales Townhouse mit 2 Schlafzimmern und einem Wohnzimmer.
    OK die Mädels schliefen zusammen und Jamba und ich sollten im Wohnzimmer übernächtigen.

    Ich sah ihr Gesicht. Wohl war ihr dabei nicht. Lag nicht daran, daß sie Angst vor mir hätte, nein vielmehr war sie „nur“ eine Angestellte und Asiaten, auch wenn gut befreundet, sehen diese Situation anders als wir Europäer. Aber wir sind nun einmal in diese Situation geraten, also versuchten wir das Beste daraus zu machen.

    Die Lichter wurden gelöscht, doch weder Jamba noch ich konnten schlafen. Also unterhielten wir uns noch ein wenig. Seltsamer Weise fragte Jamba nun warum ich mich von meiner Ex scheiden hatte lassen.

    Ich erzählte, daß wir im Grunde eine gute Ehe geführt hatten. Doch da wir ziemlich oft im Ausland unterwegs waren, sie ihre Fürsorgepflicht gegenüber der Familie nicht in den Griff bekam. Sie war öfters Nachts mit Bekannten unterwegs und kam teilweise erst Mittags nach Hause. Ich musste während dieser Zeit Kind und Beruf unter einen Hut bekommen. Das zerrüttelte das Familienleben und eines Tages war es eben aus.

    Nachdem ich so frei war über meine Privatsphaere zu sprechen, sprach ich sie an, ob sie denn nicht verheiratet wäre oder auch Kinder hat. Dauerte ein paar Sekunden sie holte tief Luft und begann.

    Im süßen Alter von 20 Jahren wurde sie vom Vater an dessen Freundes Sohnes „verkauft“. Die Familie war für laotische Verhältnisse sehr reich und einflußreich, somit ein Glücksgriff für den Vater. Doch sie mußte meist Sklavenarbeit verrichten, da sie aus eher ärmlichen Verhältnissen stammt. Die Schwiegermutter hatte sie von frühmorgens 5 Uhr bis 19 Uhr unter Kontrolle. Danach mußte sie ihrem Mann zur Verfügung stehen. Dieser verlor aber nach einigen Monaten das Interesse und zog es vor andere Frauen ihr vorzuzuiehen. Das Liebesleben war eine Qual, denn sie wußte nicht mit wem er sich zuvor einließ und ob er eventuel sich eine Krankheit einfing.Sie fühlte sich nicht akzeptiert, eher als ein Furunkel.

    Ich merkte, daß Jamba diese Geschichte mit zittriger Stimme erzählte und daß sie Tränen in den Augen hatte. Ich nahm ein Tuch und wischte ihr die Tränen ab. Plötzlich faßte sie meine Hand und drückte sie fest auf ihre Augen, denn der Tränenfluß verstärkte sich um ein vielfaches. Ich sagte, wenn sie nicht mehr weitererzählen möchte, würde ich es verstehen und akzeptieren. Aber sie bestand auf die Fortsetzung, diese ich beim nächsten Mal berichten werde.

  5. #24
    Avatar von Silom

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    Jamba meinte, im Grunde hätte sie ein Leben gehabt, welches unter normalen Umständen gar nicht schlecht gewesen sei. Sie und auch ihre Familie besaßen Kleidung, Essen und bei ernsthaften Krankheiten, konnten sie in das nahe Mukdahan in ein Krankenhaus gehen. Krankenhäuser in Laos sind im Verhältnis zu Thailand teuer und auf einen unteren Level einzustufen. Töchter sind in Laos wie in Thailand der Garant für die Familie und das sollte ihr Schiksal sein.
    Ihr war bewußt, daß sie im Sinne der Familie handeln mußte, aber sie hatte auch eigene Gefühle, die sie zwar verbergen konnte, aber mit der Zeit entstand eine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Die Schwiegermutter stufte sie in Höhe einer Magd ein und ihr „Ehemann“ hielt sie als Liebessklavin. Die Hochzeitsnacht verlief alles andere als romantisch, ausser daß sie blaue Flecken und Schmerzen davon trug, konnte sie sich an sonst nichts (schönes) erinnern. Der Negativhöhepunkt war, dass sie an einen Freund ausgeliehen werden sollte.
    Nun beschloß sie aus dieser Tierzucht zu flüchten. Doch nur wie? An wen konnte sie sich anvertrauen? Sie hatte ein paar Freundinnen, aber hier wurde ihr der Kontakt untersagt. Eigentlich blieb nur ihre Familie. Den Vater anvertrauen, ging nicht, denn er war der Hauptnutzer der entstandenen Ehe. Die Mutter hielt zwar immer zu ihr, aber in diesem Fall würde sie die Familie schädigen. Ihre Schwestern waren zu jung, um ihr helfen zu können. Letztendlich entschloß sie sich der Mutter zu beichten. Diese war entsetzt über diesen Zustand und sorgte sich um Jamba. Als erstes mußte sie aus dieser Umgebung verschwinden, wie es danach zwischen beiden Familien geregelt werden sollte, mußte abgewartet werden.
    Im Grunde war es einfach. Alle 2 – 3 Tage ging Jamba mit Aufsicht (ihrer Schwiegermutter) auf dem Markt einkaufen. Auf dem Markt trafen sie „zufällig“ Jamba’s Mutter und ein Gespräch wurde eingefädelt. Eine gute Ausgangsposition, damit Jamba unauffällig verschwinden konnte. Der jüngere Bruder von Jambas Mutter verhilf und Jamba versteckte sich den ersten Tag bei ihm. Am nächsten Tag ging es erst einmal über die Grenze nach Thailand. Ihre Mutter konnte sie vorerst nicht anrufen, denn dann wäre der Komplott womöglich ans Tageslicht gekommen. Also benützten sie den Bruder als Sprachrohr. Es gab ein riesen Theater und tatsächlich wurde ihre Mutter als Verursacher auserkoren und der vorhergezahlte Sinsod wurde mit ein paar Extras zurückgefordert.
    Was machen? Der Vater hat das komplette Geld bereits investiert, d.h. verjubelt und strotzte nicht von Arbeitseifer. Die Mutter unterhielt ein kleines Restaurant und konnte auch keine grossen Sprünge machen. Also beschloß Jamba selbst für den Betrag aufzukommen. Am Ende waren es umgerechnet über 20.000 bht. Der bei mtl. Verzug anwuchs.

  6. #25
    Avatar von Silom

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    Sie hatte einige Euays (Phi Sao´s), die ihr einen Arbeitsplatz in Bangkok vermitteln konnten. In Karaokeschuppen oder andere Bars könnte sie massig, schnell und gutes Geld verdienen. Außerdem wäre eine Chance auf einen heiratswilligen Ausländer nicht unbedingt schlecht. Das Angebot war verlockend, aber insgeheim hatte Jamba erst einmal keine Lust sich mit Herren herumzuschlagen. Welche Möglichkeiten hatte sie sonst noch? Sicherlich ihre Schulausbildung in Laos war sehr gut, aber was nützt diese in Thailand? Doch es gab auch vernünftige Jobs, die ihr angeboten wurden, leider minderbezahlt, aber für den Übergang ausreichend.

    Die ersten Monate arbeitete sie als Küchenhilfe, der Verdienst war alles andere als gerechtfertigt, aber sie stand auf eigenen Füssen und konnte mtl. ihrer Mutter Geld zusenden. Aber soll dies das Schicksal einer jungen, hübschen und nicht ungebildeten jungen Frau sein? Sie sah auch immer wieder die freizügigen Mädels, mit den Ausländern Hand in Hand spazieren gehen und fragte sich nun immer öfters, ob sie nicht vielleicht diesen Schritt auch gehen sollte. Die Schulden könnten in Nu zurückgezahlt werden und vielleicht gäbe es doch einen Menschen, der sie auch vom Herzen lieben könnte.

    Doch sie verwarf immer wieder diesen Gedanken, denn sie könnte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Auch ihrer Mutter könnte sie es nicht antun. Also weiterschuften. Zwischenzeitlich arbeitete sie vormittags noch an einer Tankstelle und hat somit mehr Geld zur Verfügung, welches sie aber nicht für ihre Bedürfnisse, sondern für die Altlasten beisteuerte.

    Nein diese bd. Arbeitsstellen waren nicht genug, in der Nähe der Tankstelle suchte eine Privatschule eine Arbeitskraft, die vorerst frühmorgens die Räume säubert. Anschliessend sollte sie für die Belegschaft kochen und weitere Tätigkeiten fielen an. Zeitlich konnte sie alle Arbeitsplätze nicht mehr miteinander verbinden, also mußte die Tankstelle weichen.

    Der Schuleigner fragte sie eines Tages, ob sie sich eine Anstellung als Haushaltshilfe vorstellen könnte, da er mit einigen Geschäftsleuten befreundet ist, die immer wieder Haushaltshilfen suchen. Die Bezahlung wäre auch nicht die Schlechteste. Nach kurzem Überlegen, willigte sie ein. Sie arbeitete bei einigen Familien, meistens für Ausländische, bis sie schliesslich bei mir landete. War das nun ihr (unser) Schicksal oder nur Zufall?

  7. #26
    Kuki
    Avatar von Kuki

    Re: Ein liebevoller Mensch

    Alles nur Zufall?
    siehe hierzu den letzten Teil meines Berichts, auch sehr ....na ich will mal sagen ungewöhnlich

    http://www.nittaya.de/viewtopic.php?t=29383&start_t=0

    Ich glaub es gibt keine Zufälle, alles hat seinen Sinn.

    Weiter so...schöne Geschichte

    Gruß
    KUki

  8. #27
    Avatar von ChangLek

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    .....und hier.....

  9. #28
    Avatar von Silom

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    Richtig kleiner Elefant, hatte leider auf Grund privater Spannungen eine kleine Pause einlegen müssen. Denke dass am Wochenende die Fortsetzung folgt. Keine Angst, sie kommt. Will nicht jetzt vorgreifen, die Überschrift trifft tatsächlich zu.

  10. #29
    Avatar von Silom

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    Re: Ein liebevoller Mensch

    In meinem Kopf wirbelten die Gedanken. Was machst Du jetzt? Ruhig bleiben, oder sie einmal in den Arm nehmen und trösten? Sie könnte das „In den Arm nehmen“ falsch deuten und sie gegebenfalls verlieren. Meine emotionale Seite erwies sich als die Stärke und sagte, Jamba komm her. Irritiert kam sie her und ich nahm sie in den Arm und teilte ihr mit, was für ein wunderbarer Mensch sie sei.
    Aber sofort löste sie die Umarmung, denn wie kann ich nur die Haushälterin, obwohl auch eine Freundin, in den Arm nehmen? Ja wie kann ich nur? Ein egoistisches Denken meinerseits. Ein Mensch, der mir in den letzten Wochen viel gegeben hatte. Sich rührend um meine Tochter und mich kümmerte, auf den ich mich in allen Lagen verlassen konnte. Ein Mensch der mir seine traurige Vergangenheit anvertraute. Ich war mir sicher, daß sie Gefühle für mich (uns) empfindet. Aber soll nur das Hirachiespiel über Glück und Trauer entscheiden dürfen?
    Im Wohnzimmer loderte nur die Flamme eines Teelichtes aber ich konnte in ihren Augen lesen.

    Ich stellte ihr 3 Fragen, die wie folgt waren.

    1. Bist Du glücklich mit meiner Tochter und mir?

    2. Gefällt Dir der bisherige Trip?

    3. Soll ich im Auto schlafen?


    Die ersten beiden Fragen beantwortete sie mit strahlenden Augen mit Ja. Bei der 3. Frage fing sie ein wenig an zu lächeln und ein langes Nein!
    Für das Nein erhielt sie eine Zusatzfrage, die wie folgt lautete. Darf ich Dich in den Arm nehmen? Das Lächeln verstummte, aber die strahlenden Augen blieben erhalten. Das Ende vom Lied war, ich nahm sie in den Arm und diesmal duldete sie die Umarmung, obwohl sie nun Bedenken äußerte. Was würden die Arbeitskollegen sagen, wenn ich mit einer „Nurlaotin“ eine Beziehung eingehen würde. Da hatte sie recht. Aber erstens wusste ich nicht genau wie lange ich in Bangkok noch arbeiten werde und zweitens habe ich mir immer geschworen, daß ich alleine für meine Beziehung verantwortlich bin und kein Dritter.

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