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Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

Erstellt von Kali, 17.02.2004, 12:17 Uhr · 5 Antworten · 907 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    Wer glaubt, die thail. Behörden arbeiten kompliziert und unübersichtlich, dem möge ein kleines Beispiel aus´m Alltach in Kalis Firma vom Gegenteil überzeugen. Und wer glaubt, das wäre ein Einzelfall in unserer glorreichen Behördenrepublik, der sei an dieser Stelle eines Besseren belehrt.

    Ausgangslage:
    Einer meiner Gestrauchelten wurde im September 2002 von der Polizei in XXX festgenommen, seine Bekleidung im Rahmen der Beweissicherung sichergestellt. Diese Sicherstellung wurde ordnungsgemäß protokolliert.
    Nun bat mich dieser junge Mann, doch mal zaghaft bei der Polizei nachzufragen, ob er er denn nicht – schließlich sei ja seit Ende 2002 eine gewisse Zeit verstrichen, das Verfahren abgeschlossen – seine Klamotten wiederbekommen könne.
    ´Nichts leichter als das´, dachte ich, griff beherzt zum Telefon und hatte erwartungsgemäß erst einmal die Zentrale des zuständigen Polizeipostens an der Strippe. Oh ja, telefonieren kann er, der Kali, weiß auf Anhieb, ob es sich um die Tel.-Nr. der Zentrale oder gleich um die weiterführende Durchwahlnummer handelt.
    "Aah ja, da gebe ich Ihnen doch mal die VKK.", schallte eine sonore, befehlsgewohnte Stimme aus der Muschel. Nach einschläfernden musikbegleiteten Minuten meldete sich, diesmal eine äußerst zaghafte, vermutlich männliche Stimme und fragte nach meinem Begehr. "Spreche ich mit der VKK ?" wollte ich ganz sicher gehen, eigentlich gar nicht wissen wollend, was dieses geheimnisvolle Kürzel bedeutet. "Ja, was kann ich für sie tun ?" Ich leierte also meinen im Kopf vorbereiteten Text runter, krampfhaft bemüht, meiner Stimme einen dem Zentralemenschen ebenbürtigen befehlsgewohnten Klang zu verleihen. Nachdem ich drei Minuten geleiert hatte, erfuhr ich dann, daß er mir nicht weiterhelfen könne, da er in seinem Register erst die Daten ab 2003 gespeichert hätte, ja, natürlich wäre ich bei ihm grundsätzlich richtig, aber, wie gesagt, erst ab 2003.
    Sein Angebot, mich gleich weiterzuverbinden, nahm ich dankbar an, und so gelangte ich denn doch noch zu dem bis einschließlich 2002 zuständigen Menschen. Dieselbe Schule, spürte ich sofort, als ich dieses: "Was kann ich für sie tun?" vernahm. Und so leierte ich wieder, diesmal schon ein wenig geübter und unverkrampfter. Und ich war richtig, das merkte man sofort, ohne sich beirren zu lassen, sah´ er wohl nach, ich hörte es an diesem typischen Tastatur-Geklapper. "Wie war das Datum noch mal?" wollte er´s ganz genau wissen. "Der 14.09...", war meine knappe Antwort. "Also der 16.", und parallel zu dieser Bestätigung klapperte es emsig auf der Tastatur. Auf mein zaghaft eingeworfenes "Nein, der 14." hatte er eine schlüssige Erklärung: "Wenn er am 14. festgenommen worden war, sind die Sachen frühestens zwei Tage später zum Eintrag hier." ´Ah ja," dachte ich, dankbar für diese Erklärung, ´hat was Logisches.´ "Tut mir leid, aber ich bin bereits beim 20., habe allerdings keinen Eintrag mit Müller, Christian*. Doch ich kann Sie mal mit der Asservatenkammer verbinden, vielleicht finden die was." Nun, wenigstens tat es ihm leid, ist ja auch schon was.
    Doch auch bei der Asservatenkammer kam ich mit Müller, Christian* nicht weiter. "Ich schau´ aber noch mal nach," meinte der Asservaten-Kammer-Sachbearbeiter, nachdem er sich die Bekleidungsstücke spezifizieren ließ, "ich rufe Sie dann an." Er rief tatsächlich nach 4 Minuten an, ich hatte das Gefühl, das Telefon klingelte lauter als sonst: "Ich hab´ hier einen Krull, Christian*, und zwar am 20.10., zusammen mit einem Müller, Paul*. Genau die Sachen, um die es sich wohl handelt." Ich frohlockte: "Das können sie sein, aber es ist der Müller, der Christian* heißt." "Nun, die hatten sich gegenseitig beschuldigt, auf jeden Fall steht´s hier so." Die Tatsache, daß auf dem amtlichen Beweismittelsicherungsprotokoll die fraglichen Bekleidungsstücke eindeutig dem Christian Müller zugeordnet waren, schien er zu ignorieren. "Und wo sind die Sachen jetzt ?" hakte ich nach. "Sind nicht mehr hier, sind wohl an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden, ich geb´ Ihnen mal ein Aktenzeichen." Und er gab es mir, das Aktenzeichen, ein recht kurzes, nur 16 Ziffern, verband mich auch netterweise mit der zuständigen Registerstelle im Polizeigebäude, die mir wohl anhand der 16-ziffrigen Registernummer das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft geben könnte.
    Eine nette Frauenstimme mal zur Abwechslung, gar nicht befehlsgewohnt, sehr hilfsbereit. Das einzige, was störte, war die 100 in dem Aktenzeichen, denn das ist die Verkehrsstelle – und dafür sei sie nicht zuständig.

    Ich weiß zwar noch nicht, wo die Klamotten meines Gestrauchelten sind, habe aber bereits die Durchwahlnummer von dem, der vermutlich zuständig ist, war gerade nicht da, vermutlich auf Aktenzeichensicherungstour. Das wird dann der voraussichtlich Letzte sein, mit dem ich an dieser Polizeidienststelle während meiner Recherchen sprechen muß.

    Die paar Sachbearbeiter, die ich dann noch bei der Staatsanwaltschaft vor mir habe, werden ein Klacks dagegen sein. ;-D Auf jeden Fall sind wir in dieser Angelegenheit einen nicht unwesentlichen Schritt weitergekommen.

    * Die Namen sind selbstverfreilich von der Redaktion geändert

  2.  
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  3. #2
    Avatar von MichaelNoi

    Registriert seit
    07.02.2002
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    3.844

    Re: Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    555, heißt das, die Geschichte geht heute Nachmittag noch weiter *freu*

  4. #3
    Avatar von Tomad

    Registriert seit
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    549

    Re: Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    Behörden sind wohl auf der ganzen Welt recht ähnlich.

    Ich hatte auch schon mal eine Androhung zur Pfändung bekommen. Auf meine Nachfrage warum eigentlich kam nur die Antwort "...wissen wir nicht, es kommt von einer österreichischen Behörde..." (dort hatte ich mal einige Zeit gewohnt). Nachdem ich etliche Magistratsabteilungen des schönen Alpenstaates durchtelefoniert hatte kam ich zu der Erkenntnis, dass die Pfändung zwar rechtlich nicht haltbar war, die Chancen auf einen Einspruch aber gegen Null gingen.

    Ergebnis: Ich habe ungerechtfertigterweise gezahlt. Die Klärung nach dem "warum" hatte inzwischen auch mehr Telefonkosten verursacht als der zu zahlende Betrag. Einen Einspruch habe ich mir dann verkniffen um meinen Geldbeutel und meine Nerven zu schonen.

    Tomad

  5. #4
    quaxxs
    Avatar von quaxxs

    Re: Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    Kali, was regst Du Dich bisher auf. Jeder war bemüht zu helfen. Das kann man leider nicht immer sagen. Heutzutage muss ein Vertriebsmann angst haben einen Auftrag im Maschinenbau zu machen, da man ihn dann an seine Firma erst nochmals verkaufen muss:

    Nicht das diese Aufträge auf der Strasse liegen würden, aber es gibt so manche Pappnase im Betrieb, die wollen erstmal den Nachlass wissen (glaube keiner Statistik/Nachlassrechnung, die Du nicht selbst gefälscht hast, soll heissen: sagt meist gar nichts aus), haben dann wiedermal keine Zeit und für Asienaufträge komischerweise noch weniger, funktioniert eh nicht, warum schon wieder was neues etc etc blabla... !?!?

    Du lebst also in einem Königreich....

  6. #5
    Avatar von Claus

    Registriert seit
    24.10.2001
    Beiträge
    192

    Re: Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    @ Kali:

    Warum muss ich nur Grinsen ????


  7. #6
    Iffi
    Avatar von Iffi

    Re: Ein kurzer Blick in den beruflichen Alltach...

    @tomad,

    warum hast du überhaupt bezahlt

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