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DIN-A-4

Erstellt von hello_farang, 24.10.2009, 23:32 Uhr · 7 Antworten · 1.024 Aufrufe

  1. #1
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    DIN-A-4

    Der Held
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    Fuer sein Volk ist er ein Held.

    Er ging ganz alleine auf die weite gefaehrliche Reise zu dem Riesen.
    Es war seine Bestimmung bereits bevor er geboren wurde.
    Sein Lebensweg ist der eines Pioniers, eines Kundschafters.
    Er wusste es von Anfang an, seine persoenliche Matrix liess gar nichts anderes zu.
    Er interssierte sich nicht wirklich fuer die anderen.
    Erst wenn er die Information haette, wuerde er zu allen sprechen.

    Fuer sein Volk regnete es suesses labendes Manna in Form von Red Fanta.
    Mehr als sein Volk benoetigte fuer drei Monde, es war ein Tag der Verschwendung und des Prassens.
    Ein guter Tag fuer das ganze Volk, sogar fuer die Unfertigen.

    Wie lange wird es wohl gedauert haben, bis er sich entschlossen hat, hier rauf zu kommen?
    Wieviele Minuten oder Stunden brauchte er fuer den steilen langen Aufstieg?
    Hat er etwas gerochen, oder hatte er nur so eine Ahnung?

    Er hat seinen heiligen Gral gefunden, ich betrachte ihn dabei laechelnd, und ueberlasse ihm seinem Erfolg.
    Erst kostet er nur. Ich schaue ganz genau hin, er laesst sich davon gar nicht beirren sondern freut sich.
    Das hier ist Nahrung fuer die Ewigkeit, wenn er es nur zu seinem Volk bringen koennte.

    Meine Handy klingelt, und im Greifen danach komme ich an die Fanta-Flasche mit dem Strohalm drin, auf dem der Held gerade seinen Olymp abfeiert. Die Flasche faellt um, und ergiesst sich mitsammt des Strohalmes aus Plastik ueber den Tischrand hinweg auf den Boden.

    Mach es gut, Du kleine tapfere Ameise. Ich hoffe Du hast es ueberlebt und wurdest zum naechsten Praesidenten gewaehlt!

  2.  
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  3. #2
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Die kleine Freundin
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    Sie ist ein sehr zierliches Wesen.
    Ein wunderschoenes Geschoepf, und sie hat eine tolle Stimme.

    Fast immer besucht sie mich, nachdem ich eine halbe Stunde lang gearbeitet habe.
    Sie ist klein, jung, keck, und mutig.

    Ganz traut sie sich noch nicht, aber wir koennen auf einen Meter miteinander flirten.
    Und sie freut sich jedesmal, wenn ich erneut den Spaten in den Boden steche und umgrabe.
    Vor Freude zwitschert sie zwischendrin auch mal einen Dank rueber.

    Sie beobachtet mich, und ich beobachte sie.
    Als ob sie wuesste, das sie mit ihrer Winzigkeit keine Beute fuer mich darstellt, sitzt sie ganz selbstbewusst da und laesst sich bewundern. Wie schoen sie ist doch ist?!!

    Ich liebe dieses kleine zarte Rotkehlchen.

  4. #3
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Paul
    ____

    Paul ist ein irrer Typ.
    Wetzt kreuz und quer durch den Garten wie ein Aufziehmaennchen auf Speed.


    Paul liebt es, in diesem heissen Sommer in den von uns frisch gegrabenen Graeben zu liegen.
    Paul macht sich dabei ganz flach und wackelt voller Freude mit seiner Rute.

    Sein Sport ist Tennis, bzw. die Jagt auf geworfene Tennisbaelle.

    Herrchen und Frauchen haben einen Swimmingpool. Der ist fast immer mit einer Plane abgedeckt. Nur einmal nicht...

    Paul rennt klaeffend hinter dem geworfenen Ball her, schnappt ihn fast kurz vor dem Pool, und faellt mit vollem Tempo natuerlich rein.

    Paul ist ein suesser Rauhaardackel, naturbreit und zum knuddeln niedlich.

  5. #4
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Emmi
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    Emmi werde ich auch nie vergessen.
    Sie wohnte an der Rehwiese in Berlin-Nikolassee. Wenn man dort angekommen ist, hat man es geschafft. Sogar als Hund.

    Mein Kollege ruft mich "Komm mal her, schnell. Du musst mir helfen!"
    Ich gehe rueber, und sehe sein Problem.
    Und ich muss lachen.

    Emmi steht vor ihm, und hat sich ein Pausenbrot aus dem Rucksack des Kollegen gestohlen.
    Es ist in durchsichtiger Frischhaltefolie eingewickelt, sie kann es also nicht sofort essen.
    Und sie wurde auf frischer Tat erwischt, weiss nicht was sie nun machen soll.

    Emmi schaut mich an wie die Unschuld vom Lande, immer noch die Wurststulle zwischen den Zaehnen.
    Der Hundefreund in mir wird natuerlich butterweich, aber trotzdem gibt es ein strenges " AUS! Emmi aus!!!"
    Sie laesst enttaeuscht ihre Beute sinken, wedelt verschaemt leise mit der Rute.

    Ich frage meinen Kollegen, ob er das Brot jetzt noch essen moechte? Natuerlich nicht.
    Also wickele ich es aus, und Emmi bekommt doch noch ihr Pausenbrot.
    War das eine Freude.

    Emmi hoerte so gut wie nie und war auch sehr frech, wie alle Rauhhaardackel.
    Emmi hat jedesmal irgendwelchen Unsinn angestellt, wenn wir dort arbeiten mussten.

    Sie ist im Fruehling gestorben.

  6. #5
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Felix
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    Es war sehr heiss, als ich Felix kennenlernte.

    Felix ist 7 Jahre alt und schon ein richtig Grosser.
    Will immer ueberall dabei sein, gucken, mithelfen.
    Soviele fremde Leute im Garten, das findet ein Siebenjaehriger spannend.
    Am liebsten buddelt er mit uns in der Erde, oder setzt sich mitten in den Weg.

    Vielleicht ist es die Hitze, vielleicht ist es aber auch das Passivrauchen von Herrchens Joints.
    Jedenfalls sieht diese riesige daenische Dogge staendig bekifft aus.

  7. #6
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Amseln
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    Amseln sind schraege Voegel. Eigentlich immer auf der Flucht, obwohl ihnen niemand etwas Boeses will. Es gibt die Schwarzen mit dem gelben Schnabel, das sind die Maennchen. Eher schmutzig-grau die Weibchen, welche jedoch wesendlich mutiger sind.

    Jedes Jahr hat auf unserere Terrasse eine Amsel gebruetet, auf dem Gulliabflussrohr des Balkons darueber. Sie blieb sitzen, als meine Eltern die Rollladen aus Holz hochgezogen haben, oder wenn jemand unter dem Nest hindurch ging. Und irgendwann werden es ihre Kindeskinder gewesen sein, die sich dort sicher fuehlten und ihre Brut aufzogen.

    Wenn wir morgens einen Garten betreten, dann machen die Amseln dort erstmal Alarm. Nervendes Gezeter mit hysterischer Stimme. Sie fluechten in die umliegenden Baeume und beschimpfen uns, bis ihnen irgendwann endlich die Puste ausgeht. Ach wie ruhig und friedlich sie doch werden, wenn man ein paar Minuten im Garten buddelt. Ploetzlich ist der grosse zweibeinige Eindringling ein Freund. Da kann man ja problemlos auch auf 30 cm ranhuepfen?!

    Die fuenf Terror-Amseln bei mir auf dem Grundstueck hatten im Sommer jeden Morgen um 5:20 Uhr nichts besseres zu tun, als wie immer vor dem Eichkater zu warnen, in einer zwanzig-minuetigen DaDaistischen Komposition aus schrillen Toenen.

    Ich habe mir sagen lassen, das Amseln nicht schmecken. Sonst haette ich mal meine Praezisionszwille bemueht...

  8. #7
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Tiele-Winckler-Haus
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    Nur einer hat wirklich Anteil an unserer Arbeit genommen. Stefan, blind und geistig behindert seit seiner Geburt durch Sauerstoffmangel. Aber er war kaum aus dem Gefahrenbereich zu befoerdern, so genau wollte er alles wissen und ertasten. Unbedingt wollte er einen dieser schweren Kloetzer anheben, die beim Faellen der Fichte immer wieder einschlugen. So ein Stueck Holz hat 80-120 Kilo.

    Der Mann im Baum hat eine Pause eingelegt, und ich bin mit Stefan zu dem letzten Klotz gegangen. Er hat sich gefreut, wie man es kennt von geistig Behinderten: Mit einem "irren" Lachen.

    Aber dann waren wir bei dem Holz, und er wurde sehr ruhig und konzentriert. Mit seinen Fingerkuppen hat er erst das Ding vor sich begriffen, dann hat er angefangen zu zaehlen?! Die Baumringe. Und zwar schneller, als ich es bei bestem Sonnenschein kann.

    Mit Eberhard habe ich damals Lieder gesungen, nur um ihn von dem Baum fernzuhalten. Wir haben "Der goldene Reiter" gesungen, solange bis endlich ein Pfleger kam, und ich wieder meiner regulaeren Arbeit nachgehen konnte.

    In der Mittagspause habe ich das Gelaende verlassen, und bin ca. 50 Meter die Strasse runter gegangen. Dann stand ich auf dem ehemaligen Todesstreifen, und ich habe eine Bild einer S-Bahn gemacht, die von West nach Ost faehrt, oder umgekehrt...

  9. #8
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: DIN-A-4

    Plan B
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    Die Gegenwehr ist absolut berechtigt, und man muss sie nehmen wie ein Mann.
    Zwanzig Bisse links, dreissig rechts, dann ist mir klar das erstmal eine Zwangspause ansteht. Die kleine roten Kaempfer machen auch nur ihren Job...

    Nachdem das Nest bzw. die auesseren Verteidigungsringe drum herum schwer getroffen wurden von Spaten oder Grabenfraese, wird mit einer zu Traenen ruehrenden Evakuierung der Larven begonnen. In Minutenschnelle sind unzaehlige Puppen verbracht, es scheint nun keine andere Aufgbe mehr zu geben fuer die Ameisen. Wir lassen sie in so einem Fall dann immer erstmal machen, die haben ganz in der Naehe ihren sicheren Hafen. Nach zwanzig Minuten ist dann die ganze Kombo mit Kind und Kegel umgezogen.