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Die Zockerin...

Erstellt von Kali, 16.09.2005, 12:03 Uhr · 26 Antworten · 2.547 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Die Zockerin...

    ...in diesem Sinne als ´Teilnehmerin an einem Glücksspiel´ verstanden; Wikipedia verweist in dem Zusammenhang noch u.a. auf Spielsucht – mir unverständlich. ;-D

    Eine fast ausgestorbene Spezies, man hört oder liest gar nichts mehr von ihnen. Auch in meinem bescheidenen Dunstkreis scheinen sie zur Ruhe gekommen, die, die früher schon mal in kuscheligem Privatzimmer bei Kerzenschein und alkoholgeschwängert auf´m Boden saßen und sowohl Karten als auch Würfel kreisen ließen. Qualmende Duftstäbe, weihrauchgleich, vermittelten thail. Flair. Und wenn denn nach drei Tagen und Nächten nicht nur das Bier sondern auch die Kohle ausgegangen, erhob man (frau) sich, die morschen Knochen ein wenig reckend, um sich nach Hause zu begeben und seinem ´normalen´ Tagwerk zu zu wenden. Doch zocken, welch ein Ausdruck, viel angenehmer liest sich spielen, oder auch len bpai, um den Bezug zum Forum wieder her zu stellen. Auch hier war´s noch mal nett erklärt, wobei der Imperfekt durchaus Präsenz hat.

    Doch ab und an tritt noch mal solch eine Vertreterin dieser fast ausgestorbenen Spezies ins normalerweise peinlichst gemiedene Licht der Gegenwart (Präsenz), wird also präsent, um es mal in forengewohntem Neudeutsch auszudrücken. Nein, nicht gewollt, der Zufall ist´s, der diese von Natur aus scheuen Wesen in Erscheinung treten lässt.

    Doch leset selbst:
    Maeow ist Thailänderin, kurz Thai, wie unschwer an der Exotik des Namens zu erkennen. Lebt seit ca. 13 Jahren im gelobten Ländle, hat sich was aufgebaut in dieser Zeit, zumindest Mann und Kinder. Klar, die goldnen Zeiten sind schon länger vorbei, die anfängliche Begeisterung, die ersten Schwimmübungen in dem, was man auch schon mal als relativen Wohlstand bezeichnet. Nicht nur die nach und nach geborenen Kinder, überhaupt die Umstände, diese Imponderabilien, also diese von uns allen so geschätzten Unwägbarkeiten, waren es, die sie auf das zurückholten, was wir so neckisch als den Boden der Tatsachen bezeichnen. So war letztendlich Schluss mit Lustich, mit nächtelangen räucherstäbchen- und biergeschwängerten Zusammenkünften, das zarte Rascheln der Karten im Ohr bzw. das heimelige Kullern der Würfel vor den Augen, lediglich unterbrochen von einem unvermeidbaren Toilettengang oder kurzem Stoßseufzer zu Buddha, dass er was wenden möge, das Blatt nämlich. Alltach war anjesacht, Kinder und Mann stellten Forderungen, Mann allerdings weniger, schließlich liebt er seine Frau, im übrigen froh, dass sie ´scheinbar´ die Finger gelassen hatte, vom Spiel nämlich.

    Doch der Geist des Spiels lässt einen – oder eine – nicht so schnell aus seinen alles vernichtenden Klauen. Maeow wusste und weiß dies, spürte es, an dieser zunächst unerklärbaren Unruhe, an der sporadischen Unzufriedenheit, die sie ab und an unfähig werden ließ, die einfachsten Dinge des Lebens in Angriff zu nehmen. Eine nicht nur sehr hübsche, auch eine gestandene Frau, sehr wohl in der Lage ihre eigenen Bedürfnisse durch zu setzen. Kann auch konsequent nein sagen, nicht nur bestimmt, sondern auch laut, wenn es sein muss. Nun, sie hat sich immer schon durchsetzen müssen im Leben, zunächst im Elternhaus, eine gewisse Zeit als Historikerin im geschichtsträchtigen Pattaya, und auch Farangien stellt Anforderungen an das Selbstbewusstsein eines Menschen. Schließlich will man sich ja behaupten im Kreise der Landsmänninnen (ich vermeide bewusst den Begriff der ´Landfrauen´ ), schließlich gilt es die Rangordnungen nicht nur herzustellen sondern auch zu wahren. So etwas erfordert mehr oder weniger ständige Präsenz (Anwesenheit), welche logischerweise mit mehr oder weniger Absenz (Abwesenheit) vom heimischen Herd verbunden ist. Doch ein klares Leben erfordert klare Entscheidungen, gelle..

    Ich schweife ab, werde off dingens. Maeow spürte also, dass da irgendetwas auf sie zukam, dem sie nicht entrinnen konnte. So wusch sie sich schon mal die Haare, drehte selbige zu langen Löckchen auf, legte noch ein wenig teutsches Rouge auf ihr thail Antlitz, warf noch einen etwas gehetzten Blick in die menschenleere Wohnung – Kinder in der Schule, Mann auf Arbeit -, und genoß dieses sanfte Kribbeln, das sie in Erwartung der kommenden Unvermeidlichkeit verspürte, so eine Art vororgiastisches Empfinden, wie es ein Mann bei ihr nie würde hervorrufen können. Noch einen existenzsichernden Griff nach achtern an die Gesäßtasche, ob auch die Geldbörse nicht vergessen, und mit einem wohligen Seufzer ließ sie sich hinters Lenkrad plumpsen.
    Vergessen waren Realität, Kinder, Mann, und überhaupt, sie würde als gemachte Frau heute Abend zurückkehren. Dass sie beim Einparken vor dem Casino einen anderen Wagen leicht touchierte, hatte ihr der Parkwächter erst bei ihrer Abfahrt gesagt.

    Immerhin hatte sie es geschafft – nein, nicht gewonnen - wieder rechtzeitig zuhause zu sein. Etwas müde war sie, nur halbherzig auf die Alltachsanforderungen von Mann und Kinder reagierend, legte sie sich erst einmal ein wenig hin, überlegend, wie sie in nächster Zeit die Schlappe würde ausbügeln können. Nur gut, dass sie noch ein wenig Kohle vor den Neugierigen Augen ihrer Mitmenschen versteckt gebunkert – man wird sehen. Und sie sah. Die Kontakte zur Community waren ja ziemlich gestört, im Grunde eine Unverschämtheit, warum wollen die auf einmal all´ die Kohle zurückhaben, die sie sich freundlicherweise von ihnen geliehen hatte. ´Undankbare Sippschaft, kann ich drauf verzichten´, denkt sie thailändisch vergällt so vor sich hin. Im Casino, ja, da haben sie Verständnis, und sie scheint nicht die einzige zu sein, die von undankbaren raffgierigen Freundinnen umgeben ist, die verliehenes Geld sogar noch zurückverlangen. Und die Casinoleitung geht in ihrem sozialen Engagement sogar soweit, dass man dort ein eigenes Schließfach einrichten kann, um sie zu sichern, die Kohle, vor dem Zugriff missgünstiger Ehemänner.
    Gleichwohl funktionierte auch dieses Spiel, das Spiel mit der Angst vor der Entdeckung. Bis, ja, bis Maeow im Rausch des Spieles etwas vergaß, die Zeit nämlich -– genau 10 Minuten waren es, die sie zu spät nachhause gekommen. Ihr Mann brauchte das Auto, zu einer bestimmten Zeit. Und nicht nur das, er hatte versprochen jemanden abzuholen. Sonst hätte er es vermutlich nie erzählt, dass er leidet, unter dem, was seine Frau mit ihrem, mit seinem und dem Leben der Kinder anstellt, weil, er liebt sie. So läuft´s also weiter, dieses Spiel – des Lebens ? -, und wenn sie gewinnt, gibt sie auch schon mal ab, bezahlt Rechnungen oder so...

    Maeow war´s zufrieden, ein anstrengender Tag, einer derer, die sie im Casino verbracht, und einer von denen, die sie auch in Zukunft im Casino verbringen wird. Manchmal wünscht sie sich, es wäre nicht so, kuschelt sich wie schutzsuchend an ihren Mann, verspricht ihm aufzuhören, nein, nicht mit dem Spielen an sich, doch mit dem Zocken. In lichten realitätszugewandten Momenten spürt sie die Isolation, die Entfremdung von Mann, Kindern und den Mitmenschen. Dann rafft sie sich schon mal auf, erledigt den Haushalt, gibt ihm die Zuwendung, nach der ihm nicht nur als Mann dürstet, und manchmal zeigt sich ein entspannter Zug auf dem meist angespannten hübschen, oft auch verhärtet wirkenden Gesicht.
    So träumt sie auch schon mal von einem zufriedenen ausgeglichenen Leben, wendet sich zärtlich ihren Kindern zu und streichelt ihrem Mann schon mal im Vorbeigehen nicht nur den Kopf, derweil sie fast ein Lied auf den Lippen den Wäschekorb von hinnen trägt, die Unruhe, diese innerliche, diese Anspannung der Vorfreude auf das kommende Ereignis, das ihr kein Mann bieten kann, noch gar nicht so richtig wahrnehmend. Auch der bereits etwas gehetzte Blick auf die Uhr und die mehr unbewusste Richtungsänderung ihrer Schritte zum Badezimmer hin registrierte sie kaum. "Tii Rak, ich fahre ´kurz´ zu einer Freundin...", rief sie noch durch die halb geöffnete Badezimmertür nach achtern Richtung Ehegesponst, bevor sie selbige gänzlich schloss, sich die Haare wusch, eben diese zu langen Löckchen aufdrehte und ein wenig teutsches Rouge auf thail. Antlitz strich.
    Als sie den Wagen über die Grenze fuhr, war die Realität schon ganz weit weg, kam ihr der Gedanke, gar nicht mehr zurückzufahren. ´Vielleicht klappts ja heute, dann kann ich in Thailand ganz neu anfangen...," huschte es durch ihr hübsches Köpfchen, vielleicht auch nur, weil sie kurz an den mitten in der Küche stehenden Wäschekorb dachte.

    Als sie gegen 05:00 h nachhause kam, war sie ziemlich geschafft, immerhin, 70 € netto. Und das Touché mit einem anderen parkenden Auto war ihr an diesem Tag auch erspart geblieben...

    Wie bereits versucht anzumerken: Eine Fiktion, schon Geschichte, von daher auch im Literarischen, wobei Ähnlichkeit mit lebenden oder bereits weniger lebenden Personen durchaus beabsichtigt ist ;-D

  2.  
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  3. #2
    Avatar von UweFFM

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    Re: Die Zockerin...

    Uff, dieses sehr seltene Exemplar ist ja gottseidank schon mit einem anderen verheiratet, (Mann, Weichei oder Haustier)?
    Da kann mir ja nichts mehr passieren.
    Danke für diese nette fiktive aber doch sehr unwahrscheinliche Geschichte, Kali. :bravo:
    Gruß Uwe

  4. #3
    Avatar von eletiomel

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    Re: Die Zockerin...

    kann man beim zocken,für thailand (thailänder/inen),von volkskrankheit schprechen?

  5. #4
    Avatar von eletiomel

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    Re: Die Zockerin...

    @kali

    zitat:kali
    wie immer: Tirak hier, Tirak da...eine einzige Tirakkerei...
    mensch kali,schön geschrieben.
    habe bauchschmerzen vor lachen. ;-D

  6. #5
    Mandybär
    Avatar von Mandybär

    Re: Die Zockerin...

    Zitat Zitat von UweFFM",p="276394
    Uff, dieses sehr seltene Exemplar ist ja gottseidank schon mit einem anderen verheiratet, (Mann, Weichei oder Haustier)?
    Da kann mir ja nichts mehr passieren.
    Danke für diese nette fiktive aber doch sehr unwahrscheinliche Geschichte, Kali. :bravo:
    Gruß Uwe

    So unwahrscheinlich ist die Geschichte gar nicht, ich würde sagen sogar ziemlich realistisch.

    Wir haben in Salzburg ein wunderschönes Casino, da verschlägt es mich Zocker auch jedes Jahr einmal vorm Urlaub traditionell hin, und dort trifft man immer jede Menge Mandelaugen.


    Grüße aus Salzburg
    Mandybär

  7. #6
    Avatar von UweFFM

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    Re: Die Zockerin...

    Ich dachte das Thema ist so bekannt, das meine Ironie verstanden wird.
    Anfangs war ich in FFM gern in Sachen Thailand unterwegs.
    Jetzt bin ich da etwas vorsichtiger und wählerischer geworden.
    Mann sieht oft geschiedene Frauen, die die Unterhaltskohle ihres Ex versaufen und verspielen; Ehefrauen, die regelmäßig solange unter Thais feiern bis sie nicht mehr können und dann von ihrem guterzogenen Mann auch noch abgeholt werden - gemeinsam ist den meisten dieser Pseudosubkultur völlige Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Gastland.
    Manche sind richtig fleißig und können mehrere Geldspielautomaten syncron bedienen.
    Anfangs hatte ich Mitleid mit den Männern, aber die habens mit mangelndem Respekt oft mitversaut. "Not my style" ums mal mit den Worten einer guten Freundin zu sagen.

    Achja, dieser Zwang unheimliche Pein im gehassten Rotlichtmilieu erleiden zu müssen sowas wird ja immer wieder behauptet:
    Ich hatte eine Lieblingskellnerin, jahrelange hat sie fleißig und immer freundlich gearbeitet da kam richtig Urlaubsfeeling auf, bis sie vor kurzem von einer Freundin umgedreht wurde. 8000 Euro als versprochene Verdienstmöglichkeit waren am Ende zu verlockend.
    Gruß Uwe

  8. #7
    Avatar von abstinent

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    1.003

    Re: Die Zockerin...

    trommelwirbel & große fanfare für den schreiber! :bravo: :bravo: :bravo:

    danke kalli



  9. #8
    Avatar von martinus

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    Re: Die Zockerin...

    ja bei den Zockerinnen gibt es tatsächlich Frauen, die bereitwillig fast alles Geld wegborgen und dann kommt das große Erwachen:
    Mai mii sataang hörte ich gestern.

    Som-nam-naa (= selbst schuld) dachte ich, als meine Frau mir von der endlich aufgewachten Geldgeberin berichtete.

    Welch ein Glück, daß meine Frau nicht Haus und Hof verspielt.

    Martin

  10. #9
    Antonio_Swiss
    Avatar von Antonio_Swiss

    Re: Die Zockerin...

    Zitat Zitat von UweFFM",p="276533
    Achja, dieser Zwang unheimliche Pein im gehassten Rotlichtmilieu erleiden zu müssen sowas wird ja immer wieder behauptet:
    Ich bin nicht oft im Casino. Aber wenn man bei uns zu bestimmten Zeiten ins Casino geht, dann ist man ab der Zahl der anwesenden Thailänderinnen geschockt. Letztes mal kam ich mir vor, als würde ich mich mitten in Bangkok befinden. Was mir auch auffiel, ist die überproporzonale Vertretung von "Rotlichtdienstleisterinnen". Die haben zum Teil um Beträge gespielt, da wurde mir ganz anders, ehrlich. Ich würde nicht behaupten, dass das Spielen als Ablenkung der körperlich schweren Arbeit im Rotlichtmilieu dient. Es gibt viele Thais, die spielen einfach gern um Kohle. Und wenn man im Monat 8000 EUR verdient, dann denken manchen Thais, dass man/frau sich das leisten kann. Das aber viele Thais dann in den Teufelskreis (anschaffen - spielen - anschaffen) geraten merken sie zu spät...

    Zitat Zitat von UweFFM",p="276533
    Ich hatte eine Lieblingskellnerin, jahrelange hat sie fleißig und immer freundlich gearbeitet da kam richtig Urlaubsfeeling auf, bis sie vor kurzem von einer Freundin umgedreht wurde. 8000 Euro als versprochene Verdienstmöglichkeit waren am Ende zu verlockend.
    Die Verlockung nach dem schnellen grossen Geld lässt viele Thais ins Rotlichtmilieu abgleiten. Ich persönlich kenne ein Paar, bei denen ist alles aus dem Ruder gelaufen. Die Frau spielt mehrmals wöchentlich und geht anschaffen, damit sie ihre Spielsucht finanzieren kann. Der Ehemann (Farang) sass zuhause mit den beiden Kindern. Nun ist ihm der Kragen geplatzt, gibt regelmässig seine Kinder den Eltern und taucht im Rotlichtmilieu ab (als Kunde). Da fragt man sich ehrlich, was wird wohl aus den Kindern werden...?

  11. #10
    Avatar von Ralf_aus_Do

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    Re: Die Zockerin...

    Zitat Zitat von Antonio_Swiss",p="280099
    [...]Und wenn man im Monat 8000 EUR verdient, [...]
    Zumindest in D für kaum eine Horizontalarbeiterin erreichbar :schuettel:

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