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Die Telefonnummer

Erstellt von moselbert, 03.03.2005, 21:49 Uhr · 22 Antworten · 1.522 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

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    Die Telefonnummer

    -1- -----

    Kohlmann zündete sich eine Zigarre an. Er nahm ein paar Züge und dachte nach. Bisher hatten sie nur den Namen des Toten, Michael Müller, und eine Telefonnummer. Den Namen von seinem Ausweis, die Nummer von einem Zettel. Beides hatten sie ein paar Meter von der Leiche entfernt im Gebüsch gefunden. Das Opfer selber war erschossen und dann verbrannt worden. Jetzt begann wieder die mühsame Arbeit der Recherche. Das Leben des Opfers musste abgeklopft werden. Feinde und Ungereimtheiten mussten herausgefunden werden. Das übliche Spiel.

    „Er wohnte in der Lindenstraße 8.“ Kohlmanns Assistent hatte inzwischen nähere Erkundigungen eingezogen.

    „Und die Telefonnummer?“

    „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

    Kohlmann dachte nach. Warum hatte der Tote eine Nummer bei sich, die es nicht gab? War sie vielleicht verschlüsselt?

    „Na, lassen Sie uns zunächst einmal zur Wohnung dieses Müllers fahren.“

    Sie setzten sich ins Auto und fuhren los. Die Spurensucher und der Arzt machten mit ihrer unappetitlichen Arbeit weiter.

    -2- -----

    Monika fühlte sich nicht gut. Sie hatte sich zu ihren Eltern zurückgezogen und traute sich nicht aus dem Haus. Der schöne Urlaub war in einem Desaster geendet. Und alles nur wegen der Tasche.

    „Kind, Du musst doch was essen.“ sagte ihre Mutter.

    „Ach lass mich. Ich habe keinen Appetit.“

    „Du hast Dich mit Michael verkracht, das wird sich wieder einrenken.“
    tröstete die Mutter.

    „Ach, Mama, es ist ja alles so schlimm.“

    „Na, es dauert ein bisschen, dann geht es wieder.“


    Ihre Mutter hatte allerdings keine Ahnung. Nichts würde wieder wie es war.


  2.  
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  3. #2
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    -3- -----

    Kohlmann und sein Assistent hatten die Wohnungstür geöffnet und schauten sich um.

    „Er hat nicht alleine gewohnt,“ stellte Kohlmann mit Kennerblick fest. „Zwei Zahnbürsten, Damenkleidung und Kosmetik.“

    Wo war die Mitbewohnerin?

    „Lassen Sie uns mal die Nachbarn befragen.“

    Sie gingen einen Stock tiefer und klingelten. Die Tür öffnete sich einen Spalt.

    „Frau Schreiber?“ fragte Kohlmann.

    „Ja. Ich kaufe nichts an der Tür.“ sagte eine Stimme an der Tür.

    „Kohlmann von der Kriminalpolizei, mein Assistent Schröder. Dürfen wir Ihnen mal ein paar Fragen stellen?“ Er hielt den Ausweis in den Türspalt.

    „Kripo? Habe ich was verbrochen?“

    „Nein. Es geht um Ihre Nachbarn.“
    Frau Schreiber öffnete die Tür. „Kommen Sie herein. Ich habe aber noch nicht aufgeräumt.“

    „Das macht nichts.“
    erwiderte Kohlmann. „Wir sind Unordnung gewöhnt.“

    Sie betraten die Wohnung.

    -4- -----

    Khun Narong saß im Tempel und dachte nach. Irgendwas war bei der letzten Aktion nicht so gelaufen wie er sich das gedacht hatte. Die Ware hätte längst übergeben werden sollen. Das Geld war auch noch nicht eingetroffen. Er hatte dem Buddha des Tempels üppig gespendet und auch des Geistern seines Hauses ein großes Essen dargebracht. Noch hatte es nicht geholfen. Sein Mobilfon war auf Empfang. Der ersehnte Anruf konnte jede Minute eintreffen.

  4. #3
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    -5- -----

    „Die Müllers waren ruhige Mieter.“ erklärte Frau Schreiber. „Nichts worüber man klagen könnte.“

    Kohlmann hatte den Eindruck, dass die das bedauerte. Nichts worüber man hätte tratschen können. Allerdings auch nichts, das ihm einen Anhalt bot.

    „Wie lange waren sie verheiratet?“ fragte er.

    „Oh, noch nicht lange. Ein paar Monate. Sie hatten gerade ihre Hochzeitsreise gemacht.“

    „Wann sind sie wieder zurückgekommen?“

    „Vor zwei Tagen. Allerdings habe ich sie seit gestern nicht mehr gehört.“

    „Haben sie Verwandte?“

    „Ab und zu waren die Eltern da. Allerdings weiß ich nicht von wem. Sie haben sie mit Mama und Papa verabschiedet. Das tut man aber auch mit Schwiegereltern.“


    Kohlmann erhob sich vom Sofa.

    „Ich danke Ihnen, Frau Schreiber. Eine Frage noch: Wissen Sie wohin beide gefahren waren?“

    „Nein, aber es muss ein Badeurlaub gewesen sein. Sie hatten sich neue Badesachen gekauft.“

    „Sie haben uns schon viel geholfen. Wenn wir noch etwas wissen wollen, melden wir uns.“


    Kohlmann und Schröder verließen die Wohnung.

    -6- -----

    Monika überlegte, was sie mit dem Schlüssel machen sollte. Vielleicht wäre es am besten, ihn wegzuwerfen. Aber das würde ihre Probleme nicht lösen. Warum war Michael noch nicht wieder da? Hatten sie ihm etwas angetan?

  5. #4
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    -7- -----

    „Chef, ein Adressbuch.“

    Sie waren noch einmal in die Wohnung zurückgekehrt.

    „Fassen Sie nicht zu viel an, sonst finden die Kollegen keine Spuren.“

    Er schaute ins andere Zimmer.

    „Hier sind Reiseprospekte. Thailand. Wahrscheinlich sind sie dorthin geflogen.“

    Es klingelte an der Tür. Es waren die Spezialisten der Spurensuche. Da die Ehefrau ebenfalls verschwunden war, war sie sehr tatverdächtig. Oder aber sie war auch schon ein Opfer geworden.

    „Schröder, rufen Sie mal die Nummern aus dem Adressbuch an.“

    Kohlmann ging auf den Balkon und zündete sich eine Zigarre an.

    Hochzeitsreise nach Thailand. Zwei Tage später wird der Ehemann getötet. Die Ehefrau ist verschwunden. Tot oder geflohen. Was konnte zwei jung Verheiratete im Urlaub in einem Paradies zu Feinden machen? Wahrscheinlich Eifersucht.

    Er nahm einen tiefen Zug und schaute in die Ferne.

    „Chef!“ Schröder kam auf den Balkon. „Sie ist bei ihren Eltern.“

    „Wer ist bei meinen Eltern?“
    Kohlmann war unsanft aus seinen Gedanken geschreckt.

    „Nicht bei Ihren Eltern, Chef. Die Verschwundene...“

    „Geben Sie her.“


    -8- -----

    Monika saß am Küchentisch und überlegte noch was sie machen sollte, als das Telefon klingelte. Ihre Mutter ging an den Apparat.

    „Ja, die ist hier.“ hörte sie sie nach einiger Zeit sagen. Monika erschrak. Das konnten doch nur die Menschen sein, die hinter ihr her waren. Vielleicht hätte sie doch nicht bei ihren Eltern Zuflucht suchen sollen. Da war sie zu leicht zu finden.

    Ihre Mutter kam in die Küche.

    „Die Polizei. Für Dich. Ihr habt doch nichts ausgefressen?“

    Irgendwie fiel Monika ein Stein vom Herzen. Die Entscheidung war ihr abgenommen worden.

    „Frau Müller? Hier Kohlmann von der Kripo. Wir müssen Ihnen ein paar Fragen stellen. Sind Sie bereit, uns Rede und Antwort zu stehen?“

    Monika bejahte. „Aber sie müssen herkommen. Ich traue mich nicht aus dem Haus.“


  6. #5
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Die Telefonnummer

    noch so einer der´s so spannend macht


    und wann soll i c h schlafen

    Lothar aus Lembeck

  7. #6
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Die Telefonnummer

    Keine Ahnung,

    aber morgen gehts mit dem Haus weiter.

  8. #7
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Die Telefonnummer

    Kottan ermittelt ;-D

  9. #8
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    Zitat Zitat von Chonburi's Michael",p="220990
    Kottan ermittelt ;-D
    Wenn ich nicht schon wüsste, dass Du Österreicher wärst, jetzt wüsste ich es.

  10. #9
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    -9- -----

    Kohlmann legte auf. „Kommen Sie, Schröder. Es wird interessant. Die Frau hat sich selber unter Hausarrest gestellt. Offenbar fühlt sie sich bedroht.“

    Sie verließen das Haus und stiegen in ihren Wagen. Die Wohnung der Eltern lag nicht allzu weit entfernt. Nach nur 15 Minuten hatten sie sie erreicht und stellten den Wagen an der Straßenseite ab.

    „Kollegen von uns?“ fragte Schröder.

    „Wer? Was? Wo?“

    „Da, im dunklen BMW.“

    „Privatermittler wahrscheinlich. Lenßen und Partner.“
    Kohlmann musste lachen.

    Nach ein paar Treppen standen sie an der Wohnungstür und klingelten. Eine Frau mittleren Alters öffnete. Kohlmann hielt ihr seinen Ausweis unter die Nase.

    „Kohlmann, Kripo. Wir hatten telefoniert.“

    „Kommen Sie. Meine Tochter ist in der Küche.“


    Sie ging voran. Eine junge Frau saß mit verweinten Augen und traurigem Gesichtsausdruck am Küchentisch.

    „Sie hat sich mit ihrem Mann verkracht.“ erklärte die Mutter das Aussehen ihrer Tochter. „Ich lasse Sie mit ihr allein.“

    Kohlmann warf ihr einen dankbaren Blick zu.

    „Frau Müller, wir sind, wie Sie sich denken können, wegen Ihrem Mann hier.“

    „Was ist mit ihm? Ist er tot?“

    „Wie kommen sie darauf?“


    Sie zeigte auf einen kleinen Schlüssel. „Weil wir eine Dummheit gemacht haben, denke ich. Wir sind übrigens nicht zerstritten. Und? Was ist mit ihm?“

    Kohlmann räusperte sich. Das waren die Momente, in denen er seinen Beruf hasste.

    „Äh, wir haben eine männliche Leiche gefunden. In der Nähe Ausweispapiere Ihres Mannes. Wir gehen mit großer Sicherheit davon aus, dass der Tote Ihr Mann ist.“

    „Ich habe es befürchtet.“
    sagte sie traurig aber gefasst. „Es musste ja so kommen.“

    Und sie fing an, den beiden Polizisten eine lange Geschichte zu erzählen. Sie begann am Frankfurter Flughafen.

    -10- -----

    Kohlmann und Schröder hatten die Frau zum Polizeipräsidium gebracht. Dann waren sie mit dem Schlüssel zum Bahnhof gefahren und hatten das Schließfach geöffnet. Darin fanden sie eine Sporttasche mit vielen Plastiktütchen voller Pillen.

    „Die müssen wir analysieren lassen. Aber Vitaminpillen sind das nicht. Nach der Geschichte von Frau Müller tippe ich auf Rauschgift.“

    Kohlmann zündete sich eine Zigarre an. Sie nahmen die Tasche und fuhren ins Präsidium zurück. In einem dunklen BMW, der ihnen gefolgt war, griff ein Mann zum Telefon.

    -11- -----

    Khun Narong hatte ein Telefonat erhalten. Aber nicht das, das er erhofft hatte. Die Polizei war ihm zuvorgekommen. Schade, in manchen Ländern war die Polizei nicht so kooperativ wie in seinem Heimatland. Da konnte man halt nichts machen.


  11. #10
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Telefonnummer

    -12- -----

    Nach dem, was Monika Müller ihm erzählt hatte, war Kohlmann eine Idee gekommen.

    „Wir müssen den Fall naturgetreu nachspielen. Dann haben wir eine Chance, die Hintermänner zu erwischen.“

    Er hatte die Idee seinen Vorgesetzten unterbreitet. Diese hatten dann Kontakt zur thailändischen Polizei aufgenommen.

    Und jetzt saßen beide im Flugzeug nach Bangkok, Kohlmann in offizieller Mission und Schröder inkognito als Tourist. Er hatte sich sogar die Haare färben lassen müssen. Eventuell waren die Privatermittler im BMW eben doch keine gewesen, sondern Komplizen, die Frau Müller beschatteten. Und dann hatten sie natürlich auch Kohlmann und Schröder gesehen.

    Beide kannten sich offiziell also nicht. Allerdings hatten sie Handys bei sich. So konnten sie schnell Kontakt zueinander aufnehmen.

    Am Flughafen Don Muang wurde Kohlmann von einem thailändischen Kollegen in Empfang genommen.

    „Mein Name ist Wirapat.“ stellte er sich vor.

    „Kohlmann, angenehm.“

    Sie sprachen Englisch, denn keiner war der Muttersprache des anderen mächtig.

    „Was haben Sie vorbereitet?“ fragte Kohlmann.

    „Mit Ihrer Hilfe können wir vielleicht auch die thailändische Seite der Verbrecher ausheben. Sie werden uns begleiten. Ich habe Für Sie eine Unterkunft in meinem Privathaus organisiert. Das Gästezimmer steht bereit.“

    Kohlmann bedankte sich.

    „Ihr Kollege ist informiert, was er zu tun hat?“

    „Ich gebe ihm Anweisungen über das Mobiltelefon.“

    „Dann kommen Sie erst mal mit zu mir. Die ersten Tage lassen wir es locker angehen. Sie müssen die Zeitverschiebung und das Klima verkraften.“


    -13- -----

    Khun Narong legte den Hörer aus der Hand. Der Informant bei der Polizei hatte ihm gesagt, dass die Deutschen jetzt sogar in Thailand ermittelten. Das gab ihm die Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen konnte er jetzt doch einen Transport durchführen. Zum anderen konnte er Rache an diesen Langnasen nehmen.

    Er lehnte sich in seinen Sessel zurück.

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