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Die Legende vom Smaragd Buddha

Erstellt von Jinjok, 07.01.2002, 10:13 Uhr · 44 Antworten · 4.179 Aufrufe

  1. #41
    Avatar von Grüner

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    Re: Die Legende vom Smaragd Buddha

    Zitat Zitat von dutlek",p="589743
    Warum nur in Englisch?
    Hat Thailand denn keine eigene Buecher (Fachliteratur) in der Landessprache?
    Bücher haben sie, aber keine, die Lesern wie Dir und mir in den Bereichen Geschichte und Sprachgeschichte einen wahrheitsgemäßen Überblick geben könnten. Das ist nun mal so. Die, die durchblicken, arbeiten an ausländischen Unis, wie zum Beispiel Thongchai Winichakul und schreiben sowieso nur auf Englisch. Es gibt zwar auch mutige Leute in Thailand, wie zum Beispiel Sulak Srivarak, der aber immer wieder mal nach angeblichen "Majestätsbeleidigungen" einen längeren "Urlaub" im Ausland einlegen muß..

    Aus Anlaß des Jahrestags des Black May 1992 hat HM Hensel ein paar Büchertipps ins Netz gestellt, die ich auch unterstreichen kann, bzw. die dem entsprechen, was ich dazu auch gelesen habe bzw. mir zumindest noch vorgenommen habe:

    http://www.tip-thailand.org/topic.asp?TOPIC_ID=9658

    Ich ergänze diese Liste an geschichtlichen und politischen Büchern aus meinem Bücherregal:


    Mukhom Wonthes: Intellektual Might and National Myth. A Forensic Investigation of the Ramkhamhaeng Controversy in Thai Society. Bangkok: Matichon 2003. - Thai-Buch in einem Thai-Verlag über ein Thai-Thema, das in Thailand (!) nur auf Englisch erscheint... Warum wohl?

    Bei der Ramkhamhaeng-Kontroverse geht es darum, daß Fachleute der Meinung sind, daß es sich bei diesem Stein um eine Fälschung durch König Mongkut handelt, die dieser aus politischen Gründen vornahm bzw. vornehmen ließ und z. Zt des Bowring-Besuchs um 1850 erstmals benutzte. In Thailand eine hochpolitische Angelegenheit. Thailändische Wissenschaftler, die nur die Frage in den Raum stellten, ob es nicht tatsächlich so sein könnte, wurden teilweise von ihren Unis gemobbt.

    Allerdings ist die Sache tatsächlich umstritten. Der kürzlich verstorbene James K. Wyatt war nicht dieser Meinung. Seine entsprechenden Bücher sind allerdings schon 25 Jahre alt oder noch älter.

    Dagegen haben Baker und Phasuk in ihrer neuen History of Thailand (Cambridge University Press, 2005) König Ramkhamhaeng mit keinem Wort mehr erwähnt und die Thailändische Geschichte mit der Gründung von Ayutthaya beginnen lassen.

    Es ist bezeichnend, daß in Thailand über so etwas keine ernstzunehmende öffentliche Diskussion stattfindet und auch die Inschrift, um die es geht, nicht von unabhängigen Leuten untersucht werden kann. Man stelle sich vor, in Deutschland wären Wissenschaftler der begründeten Meinung, daß es Karl den Großen gar nicht gegeben hätte bzw. die von ihm angeblich hinterlassenen Schriften gefälscht seien...


    Phasuk Phongpaichit u. a.: Guns, Girls, Gambling, Ganja. Thailands Illegal Economy and Public Policy. Silkworm Verlag, Chiang Mai.

    Leslie Ann Jeffrey: 5ex and Borders. Gender, National Identity and Prostitution Policy in Thailand. Silkworm Verlag, Chiang Mai.

    Nigel Brailey: Two Views of Siam on the Eve of the Chakri Reformation. Kiscadale Publications, Arran, U.K.

    Der Report beruht auf hochinteressanten britischen Geheimdienstberichten aus dem 19. Jahrhundert. U. a. geht es darum, daß König Chulalongkorn sich offenbar entgegen des gepflegten öffentlichen Bildes selbst so gut wie gar nicht um die Regierungsgeschäfte kümmerte, zumal er geschlechtskrank und "erschöpft von seinen vielen Frauen" gewesen sein soll. Ein Tabuthema, obwohl das Buch, natürlich nur auf Englisch, in Thailand durchaus zu bekommen ist (Vertrieb durch "White Lotus").

    Suthon Sukphisit: u. a.: The Vanishing Face of Thailand. Post Publishing, Bangkok.

    Mit die interessantesten Bücher sind übrigens die Nachdrucke der Bücher über die frühen Besuche westlicher Ausländer in Siam, vor allem zwischen den Zeilen. Da steht oft das genaue Gegenteil drin wie in den offiziellen thailändischen Geschichtsbüchern. Die Bücher von Simon de la Loubère, John Crawfurd und Jeremias van Vliet sind zwar nicht billig, aber zumindest als Nachdrucke alle noch zu haben. Einfach mal googeln.

    Zumindest über die Fernleihe müßten sie auch in jeder besseren Bücherei einsehbar sein. Das lohnt sich wirklich. Hochinteressant, besonders Crawfurds persönlicher Eindruck des 2. Chakri-Königs Itsarasuntorn und dessen Nachfolger, der zu der Zeit noch Kromkiat hieß. Wenn man das dann auch in Verbindung mit Wyatt, Baker und Terwiel liest, fragt man sich schnell, inwieweit nicht auch die thailändische Geschichte eben vor allem eine Kriminalgeschichte war - und ist.

    Noch etwas: Meine Frau hat eine Lizenz als Fremdenführerin des TAT (Tourist Authority of Thailand). Sie hat mir gerade was Interessantes besorgt. Das ist die offizelle (englische) Version der Geschichte des "heiligen Abbildes" in der Privatkapelle der Chakris, wie sie "korrekt" rezitiert werden muß, wenn man bei der Prüfung zum Fremdenführer nicht durchfallen will. Sie zergeht auf der Zunge - Hervorhebungen von mir):

    ประวัติพระแก้ว-แบบย่อ
    The Emerald Buddha was brought back to Bangkok from Vientiane by King Rama I, but before that - the image had traveled extensively. ... The history of the Buddha dates back to 1432, when lighting struck a Buddhist dome in the northern-most province of Thailand known as Chiang-Rai. The damaged dome revealed a stucco-covered Buddha image. When stucco began to flake off revealing a green-glass Buddha statue, so-called the Emerald Buddha. Hearing of the find, the King of Chiang-Mai who had suzerainty over Chiang-Rai ordered to have the image removed to the capital. The Buddha image then started to travel, and according to various incidents occurred, the Buddha has been removed and enshrined in the number of places like, 2 years in Chiang-Rai, 34 years in Lampang, 83 years in Chiang-Mai. In 1551, the prince of Laos who was relatively the grandson of the Chiang-Mai King removed the Buddha to Laos, so the Buddha had traveled to the Laotian provinces of Luang-Phrabang for 13 years and later to Vientiane for about 200 years. In 1778, King Rama I who was then the Chief Army captured Vientiane and removed the Buddha back to Thailand. When the King came to the throne in 1782 he ordered to have his temple built to consecrate the Emerald Buddha.

    Die Grammatik wurde von mir nicht verbessert. Ich finde, die Wortwahl zergeht auf der Zunge: "to remove" für das ständige Hin- und Hergeraube und Geplündere ist fast schon wieder lustig. Ebenso "back to Thailand" (zuletzt in die Privatkapelle der Chakris), obwohl es ein Thailand im heutigen Sinne damals noch gar nicht gab. Auch das alte Lan Na (Chiang Mai usw.) war immerhin mal ein eigenständiges Königreich, lag fast ununterbrochen mit sämtlichen Nachbarn im Krieg und man spricht auf dem ehemaligen Gebiet dieses Reiches noch heute nicht gerade Standart-Thai, sondern überwiegend Lao...

  2.  
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  3. #42
    Avatar von ChangLek

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    Re: Die Legende vom Smaragd Buddha

    .....so, ich wwerde mal hier einen "Anker" setzen - eine wirklich interessante Aufarbeitung von allen bisher beteiligten..... :bravo:

  4. #43
    Avatar von rübe

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    Re: Die Legende vom Smaragd Buddha

    Zitat Zitat von Grüner",p="591134
    Man stelle sich vor, in Deutschland wären Wissenschaftler der begründeten Meinung, daß es Karl den Großen gar nicht gegeben hätte bzw. die von ihm angeblich hinterlassenen Schriften gefälscht seien...

    ...das braucht man sich nicht erst vorstellen, weil es darüber ja tatsächlich eine breite diskussion gab...

    http://www.amazon.de/Das-erfundene-M.../dp/3548364292

  5. #44
    antibes
    Avatar von antibes

    Re: Die Legende vom Smaragd Buddha

    Wobei die breite Diskussion für diese These eher für ein verregnetes Wochenende taugt, als für eine inhaltliche Auseinandersetzung. Däniken läßt grüßen. ;-D

  6. #45
    Avatar von

    Re: Die Legende vom Smaragd Buddha

    Zitat Zitat von antibes",p="664786
    Wobei die breite Diskussion für diese These eher für ein verregnetes Wochenende taugt, als für eine inhaltliche Auseinandersetzung. Däniken läßt grüßen. ;-D
    Nun ja, dass es Karl gegeben hat ist wohl schon richtig.
    Ansonsten ist sehr wenig greifbar.
    Die angeblich damals geschaffenen Bauten wie Castelle usw muessen wohl in das Reich der Legenden verfrachtet werden.

    Geschichtsschreibung hat aer algemein das Problem, das sie sehr einseitig ist und meist von den Siegern verfasst wird.

    Wenn zu einem Ereignis die Berichté von zwei Seiten vorliegen macht man einen grandiosen FEhler wenn man die eine fuer wahr und die andere fuer gelogen haelt.

    Genau das tut Gruener aber, er glaubt die andere Seite hat recht und die thailaendische liegt falsch.
    Das ist aber viel zu kurz gedacht.

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