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Die Kälte

Erstellt von ReneZ, 09.12.2005, 09:54 Uhr · 5 Antworten · 1.916 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von ReneZ

    Registriert seit
    08.06.2005
    Beiträge
    4.327

    Die Kälte

    Hallo @all,

    ausnahmsweise mal eine kurze Geschichte von mir, zum
    Nachdenken. Alle Personen und Situationen sind fiktiv!

    Gruss, René

    -------

    Die Kälte

    Eine Kurzgeschichte mit Bildern

    Heiner sass auf seinem Bett und fummelte an seiner Kamera. Die Bilder seiner grossen
    Reise, vom aufregenden Anfang bis heute, kannte er schon auswendig, aber er
    schaute sie aus purer Langeweile immer wieder durch.

    Die ersten Bilder entsprachen seiner aufgeregten Erwartungen: die Flugreise über
    Oslo und Trondheim, die Landung auf Longyearbyen und die ersten Bilder, während
    der Fahrt auf Svalbard / Spitzbergen, die unberührte Natur mit Eisfeldern, durch Nebel
    verschollenen Bergspitzen, Seeen, und unendliche Ruhe.



    Sehr viel dieser Schönheit hatte er nach dem Eintreffen im Dorf nicht mehr gesehen.
    Nun ja, es war eine Stadt, aber eine Stadt wie er sie vorher noch nicht gekannt hatte.
    Zwei der sechs Monaten seiner Aufenthalt auf dieser entfernten Welt waren nun
    vorbei, und der Winter hat langsam seinen Anfang genommen. Die Sonne war
    nur noch ein Paar Stunden täglich über der Horizont, und jetzt, fünf Uhr nachmittags,
    war es schon wieder dunkel.

    Sollte er noch mal einen Spaziergang durch die ´Stadt´ machen?
    Nein, meinte er. Er hatte es vor ein Paar Stunden schon gemacht. Er schaute sich
    die Bilder davon noch mal an.



    Fast kein Mensch traf man auf der Strasse. Er kannte auch sowieso fast
    niemand, auch nach 2 Monaten. Norwegisch sprach er nicht, und das wenige
    Englisch dass er kannte schien irgendwie anders als das English der anderen
    Einwohner. Die Verständigung war schwierig.

    Es gab noch zwei Deutsche in der Stadt. Vielleicht sollte er sie noch mal
    aufsuchen. Leider konnte man mit denen wenig anfangen, denn sie sprachen
    immer nur über das schöne Bayern und tranken dabei Aquavit und wurden laut
    und ungemütlich.

    Heiner schaltete die Kamera ab und legte sich hin. Da blieb ihm nichts besseres
    übrig. Er wollte schlafen. Automatisch gingen seine Gedanken, wie fast die
    ganze Zeit, nach seiner lieben Frau. ´Nit´ hatte er vor zwei Jahren in Hua Hin
    kennengelernt, und nun waren sie schon fast ein Jahr verheiratet. Er lächelte
    vor sich hin, und er war froh dass sie im warmen, gemütlichen Deutschland war...

    Ende

  2.  
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  3. #2
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Die Kälte

    Da sieht man wieder wie relativ alles ist. Selbst Deutschland kann da warm und gemütlich wirken.

    Gruß
    Monta

  4. #3
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Die Kälte

    Und wie mollig warm die morgendlichen plus 15 Grad sind, bei denen im Thai TV Wetterbericht jetzt immer ein frierendes Männchen mit Pudelmütze eingeblendet wird.


    Relativitätstheorie....

  5. #4
    Avatar von ReneZ

    Registriert seit
    08.06.2005
    Beiträge
    4.327

    Re: Die Kälte

    Zitat Zitat von Monta",p="300109
    Da sieht man wieder wie relativ alles ist. Selbst Deutschland kann da warm und gemütlich wirken.
    So ist es, Monta, und gerade für uns, die hier aufgewachsen sind...

    René

  6. #5
    Avatar von KhonKaen-Oli

    Registriert seit
    26.01.2004
    Beiträge
    775

    Re: Die Kälte

    Wir habe gestern mal ne Weile TV5 übers Intrenet geschaut.
    Da haben die doch tatsächlich Reisfelder aus Nord-LOS gezeigt, die mit Eis überzogen waren.
    Viele Menschen mit Atemproblemen und frierende Schulkinder waren auch zu sehen.

    Gruss
    Oliver

  7. #6
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Die Kälte

    Hallo Rene, danke für diese Kurzgeschichte.

    Zeilen, die zum Nachdenken anregen - mich zumindest -. die auch ein wenig Hoffnung machen. Zeilen, die in der Welt der Foren schnell zum Hanselgeschreibsel degradiert werden, von den Menschen, denen einfach das Gefühl für das ´Menschliche´ abhanden gekommen ist.
    Zeilen, welche die Relativität unserer eigenen Wahrnehmung mal wieder deutlich machen, die uns ganz zart darauf hinweisen, dass die formal rationale Organisation einer Beziehung nicht alles ist, sein kann.

    Zeilen, die daran erinnern, dass Menschen Gefühle haben, Sehnsüchte, Träume, die ihre Erfüllung sicherlich nicht in einer virtuellen Welt finden.

    Schön, dass es noch solche Schreiberlinge gibt :-)

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