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Die Geschichte von Weenacha

Erstellt von moselbert, 17.12.2007, 10:44 Uhr · 63 Antworten · 3.339 Aufrufe

  1. #41
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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXVII. DER GELDVERLEIHER (1989)


    Nach einigen Monaten zeigte sich, wie recht sie gehabt hatte. Ab und zu arbeiteten die Familienangehörigen von Enn. Aber die meiste Zeit nicht. Das Geld reichte vorne und hinten nicht mehr. Das was Weenacha einkaufte, wurde natürlich nicht nur von ihr verzehrt, sondern auch von den anderen Mitbewohnern.

    So war Weenacha gezwungen ab und zu einen Kredit aufzunehmen, den sie dann wieder zurückzahlte, wenn etwas mehr Geld im Haushalt verdient wurde. Der Geldverleiher nahm weniger Zinsen, wenn er als Sicherheit die Grundbesitzurkunde (Tschanoot) ausgehändigt bekam.

    Nachdem sie ein paar Mal bei ihm aufgekreuzt war, machte der Geldverleiher Weenacha ein Angebot:
    „Wir könnten eine Vereinbarung abschließen, Weenacha. Sie müssten dann deutlich weniger Zinsen bezahlen und auch die Urkunde könnten Sie wieder zurückerhalten. Sind Sie interessiert?“

    „Es kommt darauf an. Was muss ich dafür tun?“

    Der Verleiher lächelte.

    „Nun, das ist eigentlich ganz einfach. Sie werden meine Mia Noi.“

    Weenacha schaute ihn groß an.

    „Sie sind doch verheiratet!“

    „Ja. Deswegen sagte ich ja, Mia Noi, und nicht Pannja.“

    „Und was sagt Ihre Frau dazu?“

    „Nichts. Sie glauben doch nicht, dass ich ihr etwas davon erzähle.“

    „Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage.“

    „Überlegen Sie es sich noch einmal gut, Weenacha.“

    „Da gibt es nichts zu überlegen. Ich werde mich nicht dazu hergeben, dass Sie Ihre Ehefrau mit mir betrügen.“

    Das Gesicht des Geldverleihers wurde ernster.

    „Es ist von Vorteil, wenn Sie mein Angebot annehmen. Zusätzlich könnte es Ihnen auch einen Nachteil bringen, wenn Sie es ausschlagen.“

    „Sie sollten sich lieber um das Wohlergehen Ihrer Familie kümmern, anstatt mir hier solch unmoralische Angebote zu machen. Nein, ich werde das Angebot nicht annehmen.“

    „Nun denn. Sie wollen ja nicht anders. Frau Weenacha, ich werde Ihnen kein Geld mehr leihen. Und ich bitte Sie, mir das Geld, das ich Ihnen bisher geliehen habe, bis Ende der nächsten Woche zurückzuzahlen. Mit Zins und Zinseszins, bitte.“

    „Aber das können Sie doch nicht machen! Sie wissen genau, dass ich das Geld im Moment nicht aufbringen kann. Das Konto von meiner Mutter ist auch fast leer. Ich muss doch meine Kinder ernähren. Außerdem habe ich noch die ganze Familie von meiner Schwägerin im Hause.“

    „Ich weiß. Das haben Sie mir ja schon bei Ihrem letzten Besuch erklärt. Ich biete Ihnen ja auch einen Weg aus Ihrem Dilemma an. Ich könnte Ihnen, wenn Sie meine Mia Noi würden, vielleicht auch ein paar Schulden erlassen.“ versuchte er Weenacha noch ein paar Brücken zu bauen.

    Sie aber stand auf.

    „Nein! Das mache ich nicht. Dann sehe ich lieber zu, wie ich das Geld aufbringen kann. Ich weiß zwar noch nicht, wie. Aber Sie bekommen Ihr Geld zurück.“

    „Wie Sie wollen. Also dann bis spätestens Ende nächster Woche.“

    Weenacha verließ das Haus des Geldverleihers und machte sich voller Gedanken auf den Heimweg.



    Die Geschichte strebt einem negativen Höhepunkt zu. Und ein Umzug steht an.

  2.  
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  3. #42
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXVIII. UMZUG NACH SALAYA (1989)


    Sie hatte in den vergangenen Tagen viel nachgedacht. Sie war zum Tempel an das Grab ihrer Eltern gegangen und hatte sie um Rat gefragt. Sie hatte zu Buddha gebetet und den Mönchen zahlreiche Spenden gegeben. Und danach schien ihr nur ein Weg gangbar.

    „Es tut mir Leid, liebe Eltern.“ dachte sie. „Es gibt keine andere Möglichkeit aus dem Dilemma.“

    Sie fuhr nach Salaya. Dort gab es preiswerte Wohnungen, hatte sie gesehen. Sie schaute sich eine in einem Haus an der Hauptstraße an. Die Wohnung war relativ dunkel, bestand aus zwei Zimmern und einer Toilette. Die Wohnungstür führte direkt in das erste Zimmer. Die separate Toilette war vom zweiten Zimmer abgetrennt. Beide Zimmer waren jeweils etwa 4 mal 4 Meter groß. Eine Küche gab es nicht. Das Zimmer würde 750 Baht im Monat kosten. Mit Strom und Wasser würde sie etwa 1000 Baht bezahlen müssen. In der Plastikfabrik bekam sie 60 Baht pro Schicht. Wenn sie 6 Tage die Woche arbeitete, hatte sie in knapp drei Wochen die Kosten für die Unterkunft verdient. Sie würde sich nicht viel leisten können, aber sie hätte ja noch Geld in der Hinterhand.
    Denn sie wollte das Haus ihrer Eltern verkaufen. Damit hätte sie dann alle Probleme gelöst. Der Verleiher hätte sein Geld, die ungeliebten und faulen Verwandten von Enn wären nicht mehr zu versorgen.

    Nach wenigen Tagen hatte sie alles geklärt, das Haus war verkauft, der Geldverleiher ausbezahlt und der Rest des Geldes auf dem Konto, das von ihren Eltern noch übrig war.

    Sie packte ihre paar Sachen zusammen und wollte mit ihren Kindern in den nächsten Tagen das Haus verlassen.

    Sarak, Enn und die anderen hatten natürlich mitbekommen, dass etwas Besonderes passiert war. Aber so ganz hatten sie die Tragweite von Weenachas Entscheidung nicht verstanden.

    „Was ist los, Schwester?“ fragte Sarak.

    „Wir ziehen um, die Kinder und ich.“

    „Ihr zieht um? Warum? Das Haus ist doch groß genug.“

    „Ich weiß. Das Haus ist groß genug. Das höre ich ständig von euch. Aber ich kann es mir nicht mehr leisten, Euch alle mit durchzufüttern. Das Geld unserer Eltern geht zur Neige.“

    „Wir tragen auch unseren Teil dazu bei, dass der Haushalt funktioniert. Es gibt allerdings nicht so viel Arbeit, wie wir gerne hätten.“

    „Ich weiß, wie viel Mühe Ihr Euch gebt.“ bemerkte Weenacha ironisch.

    „Wenn Ihr umzieht, dann müsst Ihr Miete bezahlen. Davon vermehrt sich das Geld auch nicht.“

    „Dafür habe ich dann aber auch nur für mich und die Kinder zu sorgen. Ihr könnt ja dann Euren Teil dazu beitragen, dass Ihr genug zu essen habt.“

    „Hier kostet es aber keine Miete.“

    „Genießt die Zeit, die Ihr noch hier sein könnt.“

    „Wie meinst Du das?“

    „Ich habe das Haus verkauft.“

    Sarak traf die Nachricht wie ein Schlag.

    „Wie? Verkauft?“

    „Ja, Du hast richtig gehört.“

    „Das Haus unserer Eltern?“

    „Es hat mir in der Seele wehgetan Aber es geht nicht anders. Wenn wir so weitermachen wie jetzt, dann haben wir nur noch Schulden. Der Geldverleiher machte mir schon unsittliche Angebote. Damit würden die Zinsen geringer. Aber natürlich würde er mir die Schulden nicht erlassen. Ich habe abgelehnt. Und jetzt wollte er sein Geld innerhalb von einer Woche zurück haben. Was blieb mir anderes übrig als zu verkaufen?“

    „Und an wen hast Du verkauft?“

    „An jemanden aus der Siedlung. Am anderen Ende. Du hast ihn sicher gesehen, als ich ihm das Haus gezeigt habe.“

    „Und wie viel Geld hast Du bekommen?“

    „Weniger als ich dachte. Aber es musste ja schnell gehen. Dem Geldverleiher habe ich den Kredit schon zurückgezahlt. Es sind noch 50000 Baht übrig.“

    „Das ist gut. Damit können wir ja dann nach einer neuen Wohnung Ausschau halten. Ein gutes Startkapital.“

    „Du spinnst wohl.“ bemerkte Weenacha. „Das Geld ist für mich und die Kinder. Chawakorn und Du, Ihr habt Euren Erbteil ja schon bekommen. Du das Grundstück, dass Du für die Hochzeit und den Umzug nach Korat verkauft hast.“

    „Ach. Du willst mir also nichts abgeben? Du verkaufst heimlich das Haus unserer Eltern und willst Dich mit dem Geld aus dem Staube machen? So geht das nicht, Schwesterherz.“

    „Doch, so muss es gehen.“

    Sarak setzte eine ernste Miene auf.

    „Weiß Chawakorn davon?“

    „Ja. Er war einverstanden.“

    „Aber ich bin nicht einverstanden. Es könnte auch anders gehen. Ich könnte Dich und Deine Kinder töten und würde dann alles Geld erben. Chawakorn will ja wohl nichts.“

    „Das würdest Du nicht tun.“

    „Wir hatten das Ganze schon mal besprochen, glaube ich. Damals als Du Theater wegen meiner Hochzeit gemacht hast. Ich an Deiner Stelle würde es nicht darauf ankommen lassen.“

    Weenacha wusste, dass Sarak nach dem Mord wahrscheinlich im Gefängnis landen würde. Oder die Todesstrafe bekommen würde. Und deswegen würde er sicher davor zurückschrecken. Aber man konnte das nie wissen. Also gab Weenacha nach.

    „Wie viel Geld willst Du haben?“

    „50000 hast Du noch? Also, ich dachte so an 40000. Wir sind ja ein paar mehr Leute.“

    „Das ist zuviel.“

    „Nein. Das ist nicht zuviel. Du gibst mir morgen das Geld. Ansonsten...“

    Weenacha hatte keine andere Wahl.

    Am nächsten Tag ging sie zur Bank und hob vom Konto der Eltern 40000 Baht ab, die sie Sarak gab.

    Seine Augen strahlten. Er rief Enn zu sich und gab ihr das Geld. Sie begann zu zählen. Weenacha konnte sich das nicht mehr mit ansehen und verließ den Raum. Sie rief ihre Kinder und zusammen verließen sie das Haus. Jeder trug ein wenig von den persönlichen Dingen, die sie zusammengepackt hatten. In der kleinen Wohnung in Salaya würden sie enger zusammenrücken müssen. Aber immerhin brauchten sie sich nicht mit ihren Verwandten herumzuärgern.

    Weenacha hatte in den folgenden Tagen noch öfter in Sala Thamassop zu tun. Die letzten Übergabeformalitäten wurden mit den neuen Hausbesitzern geregelt. Als Enn ihr über den Weg lief, bemerkte Weenacha den neuen Schmuck, den sie trug. Weenacha hätte es sich vorher denken können, wofür das Geld oder ein großer Teil davon ausgegeben werden würde.



    Pranalee habt Ihr schon kennengelernt. Demnächst hört Ihr von "Pranalees Verehrer".

  4. #43
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXIX. PRANALEES VEREHRER (1989)


    Weenachas Freundin Pranalee war wieder zu einem Urlaub nach Thailand gekommen. Sie hatte einen neuen Begleiter.

    „Paul musste arbeiten. Er hat keinen Urlaub bekommen.“

    „Und dann kommst Du mit einem anderen Mann?“ Weenacha war irritiert.

    „Ja. Vielleicht werde ich Torsten einmal heiraten. Paul hat mir viel geholfen wegen des Visums. Aber wir werden uns wohl trennen.“

    Wenn man von der Leichtigkeit absah, wie Pranalee ihre Beziehungen zu wechseln schien, war sie eine gute Freundin. Und so hatte Weenacha auch keine Scheu, ihr von den neuen Entwicklungen in ihrem Leben zu berichten.

    „Warum fragst Du mich nicht nach Geld? Ich würde Dir gerne etwas geben.“

    „Ich weiß, Pranalee. Aber ich denke, das würde unsere Freundschaft zerstören. Dann hätte ich immer ein schlechtes Gewissen, weil ich Dir das Geld nicht zurückzahlen kann.“

    „Brauchst Du nicht.“

    „Würde ich aber wollen.“

    „Schade dass das mit Dir und dem deutschen Postbeamten nicht geklappt hat. Dann hättest Du diese Probleme nicht.“

    „Wer weiß wozu es gut ist, dass es nichts geworden ist.“

    „Trotzdem schade. Deutsche Männer sind sehr an Asiatinnen interessiert. Und manchmal kann man sie nach Strich und Faden ausnehmen.“

    Weenacha schaute skeptisch.

    „Ich weiß, Du bist in dieser Hinsicht anders als ich. Aber ich denke mir, nimm mit was Du kriegen kannst. Jünger wird man auch nicht. Einer war besonders verrückt. Stell Dir vor, er hat sein Haus verkauft und mir das Geld gegeben.“

    „Nein. Du machst Witze.“

    „Im Ernst.“

    „Und wie ist es dazu gekommen?“

    Pranalee zögerte etwas. Was Weenacha nicht wusste, war, dass Pranalee nicht etwa in einem Restaurant arbeitete, sondern ihr Geld als Prostituierte verdiente. Dieser Mann hatte Pranalee ab und zu exklusiv für ein Wochenende gebucht. Und Pranalee hatte ihm weder gesagt, dass sie verheiratet war, noch dass sie einen Freund neben dem Ehemann hatte. Und so hatte er sich Hoffnungen gemacht. Inzwischen kam er nicht mehr.

    „Er meinte wohl, dass er mich so zur Freundin oder später zur Frau haben könnte.“ sagte Pranalee. „Aber das geht natürlich nicht. Das Geld habe ich aber gerne genommen.“

    Weenacha schüttelte den Kopf.

    „Ich hätte das Geld nicht genommen und ihm gesagt, er solle bei seiner Familie bleiben.“

    „Er war ledig. Ja, ich weiß wie Du tickst. Ich kenne auch Deine Geschichte mit den Militärs bei Buddhamonthon. Also, ich hätte damals gerne Geschenke von denen angenommen.“

    „Ich kann das nicht.“

    „Du bist eine zu ehrliche Haut. Aber Skrupel helfen einem nicht immer weiter. Da war noch ein anderer, noch so ein Verrückter.“

    Wie viele da wohl noch kommen würden, dachte Weenacha.

    „Der ist auch völlig in mich verschossen, wie es aussieht. Er war letztes Jahr sogar in Thailand.“

    „Mit Dir? Ich habe ihn gar nicht gesehen.“

    „Nein, nicht mit mir. Aber er wollte mich besuchen, als ich hier Urlaub gemacht habe. Er bat mich um meine Adresse. Ich habe ihm eine falsche gegeben.“

    „Und dann war er sauer.“

    „Zuerst schon, ein wenig. Aber das hat sich wieder gegeben. Liebe macht blind. Er hat nicht so viel Geld, aber ich lasse ihn etwas an der Leine zappeln. wer weiß wozu er mir noch mal nützlich sein kann.“

    „Er scheint Dich wirklich zu lieben, wenn er Dir nach Thailand folgt.“

    „Mag sein.“

    „Also, wenn ich an Pranalees Stelle wäre...“ dachte Weenacha. „Ich glaube, dieser Mann wäre der Richtige für Pranalee.“

    „Wie geht es jetzt mit Dir weiter?“ Pranalees Frage riss Weenacha aus ihren Gedanken.

    „Wie soll es gehen? Ich arbeite bei der Plastikfabrik. Vielleicht bekomme ich mal eine etwas besser bezahlte Arbeit. Die Zimmer sind zwar klein, aber es geht schon.“

    „Eine Schande ist das, wie Dein Bruder mit Dir umgesprungen ist.“

    „Ja. Aber was sollte ich machen.“

    „Zur Polizei gehen.“

    „Vielleicht hätte ich das gemacht, wenn es jemand anderes gewesen wäre. Bei Suchit habe ich diesen Weg beschritten. Aber Sarak ist mein Bruder. Und der Unterschied ist der: Suchit ist aus meinem Leben verschwunden. Aber Sarak wäre immer mein Bruder, auch wenn ich ihn angezeigt hätte.“

    Weenacha schaute ernst.

    „Aber, es wird auch so gehen, liebe Freundin, es muss.“



    Cousine Pinita kennen wir auch schon aus einem früheren Kapitel. Morgen hört Ihr von "Pinitas Restaurant".

  5. #44
    Avatar von BinHierNichtDa

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    Ich wollte eigentlich nicht deine tolle Geschichte mit einem Kommentar unterbrechen aber ich denke das du auch Rückmeldungen bekommen solltest. Deine Geschichte gefällt mir sehr gut und man kann nur ahnen was noch alles passieren wird.
    Ich freue mich sehr das du mal wieder eine Story bringst denn Talent zum schreiben hast du ja, wie die ein oder andere Geschichte von dir schon bewiesen hat.


    Vielleicht kannst du ja diesen Fred schließen und für Kommentare einen neuen aufmachen so wie hello_farang es bei seiner Geschichte gemacht hat dann hat das ganze noch mehr so einen Buchcharacter.

  6. #45
    Avatar von condo

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    bin auch dafür, diesen threat zu schließen, wie oben schn ewähnt
    ich danke den Membern, dass sie sich ziemlich zurückgehalten haben.

    @moselbert man kann der Geschichte so richtig nachvollziehen, auch Dir mein Dank. :bravo:

  7. #46
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    Freut mich, dass Euch die Geschichte gefällt.
    :-)

    Ich sehe im Moment keinen Bedarf einen besonderen Diskussions"fred" zu eröffnen.

    Für diejenigen, die das ganze am Stück ohne Unterbrechungen lesen wollen, werde ich am Ende einen Link bringen, der auf eine PDF Datei mit der Geschichte verweist.


  8. #47
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXX. PINITAS RESTAURANT (1990)


    Etwa nach einem Jahr nahm Weenacha eine andere Arbeit an. In der Firma Keder waren Stellen für Schneiderinnen ausgeschrieben gewesen. Weenacha hatte dieses Handwerk ja früher gelernt, teilweise zumindest. Und so stellte sie sich bei einem Vorstellungsgespräch recht geschickt an und wurde genommen.

    Die Kleider die sie hier schneidern musste, waren allerdings deutlich kleiner als die, an denen sie gelernt hatte. Bei Keder wurden Puppenkleider genäht.
    Was neben dem Schneidern noch den Ausschlag gegeben hatte, war der bessere Verdienst. Weenacha verdiente hier 25% mehr als in der Plastikfabrik. Statt 60 Baht gab es 75 Baht pro Schicht. Das machte an 6 Tagen die Woche 450 Baht, im Monat also etwa 1800 Baht. Die Arbeitszeiten waren unterschiedlich, am Samstag ging die Schicht bis 15 Uhr, sonst bis 20 Uhr. Und wenn sie die Arbeit noch etwas ausdehnte, in der Nacht vielleicht bis 22 Uhr oder gar 2 Uhr nachts arbeitete, gab es noch eine schöne Nachtzulage.
    Allerdings konnte sie diese Spätschichten nicht oft machen, schließlich musste sie ja auch mal schlafen und auch noch für ihre Kinder da sein.

    Aber sie konnte ein wenig Geld sparen. Es reichte immerhin um ein oder zwei Mal im Jahr in der Frühe mit dem Zug nach Hua Hin zu fahren, den Tag am Strand zu verbringen und abends wieder nach Bangkok zurückzukehren. Darauf freuten sich alle, nicht nur die Kinder, sondern auch sie selber. Dort konnte sie die Sorgen des Alltags vergessen und von einer besseren Zukunft träumen.

    Immer wieder in solchen Momenten gingen ihre Gedanken zu einem Unbekannten. Sie hatte nie ein Foto von ihm gesehen. Aber die Tatsache, dass er Pranalee nach Thailand gefolgt war, hatte sie sehr beeindruckt. Sie hatte nie an Pranalees Stelle sein wollen. Trotz des Geldes, das sie hatte. Aber diesen Mann hätte sie gerne kennengelernt.

    Die meiste Zeit jedoch konnte sie nicht träumen, sondern musste hart arbeiten.
    Auch Sarak hatte sich eine Arbeit besorgt. Er war wie sein Bruder Chawakorn jetzt in der Mahidol Universität als Arbeiter tätig.

    Weenacha hatte viele Cousinen. Eine war Pinita. Sie hatte reich geheiratet. Ihr Mann war Parlamentsabgeordneter für die Provinz Nonthaburi. Pinita selber hatte nördlich von Bangkok ein Restaurant eröffnet. Es lag an einem kleinen See. Man konnte dort essen und gleichzeitig gegen eine geringe Gebühr eine Angel und Köder leihen und fischen.

    Pinita suchte jemanden, der dort als Aufpasser tätig sein wollte. Zuerst schaute sie sich in der Familie um. Und da Sarak mit der Arbeit an der Universität nicht zufrieden war, zudem als ehemaliger Soldat mit der Waffe gut umgehen konnte, eignete er sich für die Stelle. Das Restaurant lag etwas außerhalb. Pinita bot beiden an, in einem zugehörigen Gebäude zu wohnen, was sie gerne annahmen.

    Auch Pinitas Mann kam öfter zum Essen vorbei. Häufig war er mit anderen Politikern dort. Sarak war mit der Bewachung des Geländes gut beschäftigt. Enn hingegen langweilte sich öfter als ihr lieb war. Dort draußen war auch wirklich nichts los. Und so kam sie häufig ins Grübeln. Sie sah Sarak, ihren Mann. Sie sah den Mann von Pinita, den Abgeordneten. Und sie verglich. Vom Aussehen nahmen sie sich nicht viel. Aber für sie zählte neben dem Aussehen natürlich auch noch das Geld. Und davon hatte Pinitas Mann entschieden mehr als der ihre.

    Und so machte sie sich ans Werk und dem Politiker schöne Augen. Es war offensichtlich, was sie von Pinitas Mann wollte. Sie setzte ihre in hohem Maße vorhandene Attraktivität ein. Vielleicht könnte sie ja seine Mia Noi werden. Es müsste ja niemand der anderen erfahren. Aber ein bisschen Geld würde sicher dabei für sie herausspringen.

    Dummerweise, für sie, war der Politiker seiner Frau treu. Nicht nur das, er erzählte Pinita sogar von den Avancen, die Enn ihm gemacht hatte.

    Diese bat Sarak und Enn daraufhin zu einem Gespräch.

    „Ich bin mit deiner Arbeit nicht hundertprozentig zufrieden, Sarak.“ sagte sie. „Aber es geht. Du bemühst Dich. Ich bin allerdings sehr bestürzt darüber, wie Du, Enn, Dich versuchst an meinen Mann heranzumachen.“

    „Ich?“

    „Ja, Enn. Er hat es mir gesagt.“

    Enn erschrak.

    „Das hast Du nicht erwartet, was? Ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen. Weenacha hat nichts Gutes von Dir erzählt. Aber es ist gut, dass ich es jetzt selber erfahren habe. Ihr könnt Eure Sachen packen und ausziehen. Ich werde mir umgehend einen neuen Sicherheitsmann suchen.“

    „Können wir es nicht noch einmal versuchen?“ bat Sarak.

    „Nein. Ich schaue mir das nicht länger an. Ihr könnt gerne als Gäste wiederkommen, wenn Ihr das Geld für ein Essen habt. Aber hier wohnen werdet ihr nicht mehr.“

    So standen Sarak und Enn auf der Straße und mussten sich eine andere Unterkunft und Arbeit suchen.

    Pinita erzählte Weenacha die Geschichte, als sie sich einmal bei einem Geburtstag einer gemeinsamen Tante in Sala Thamassop trafen. Weenacha dachte sich ihr Teil.

    Sarak wusste, wem er das zu verdanken hatte und trennte sich von Enn. Er hatte eigentlich gedacht, sie würde ihn lieben. Aber wenn es irgendwo nach Geld roch, dann war Enn auf Abwegen. Irgendwie hatte sie ihn damals vielleicht auch unterbewusst dazu gebracht, das Geld von Weenacha zu fordern. Irgendwie tat es ihm Leid, aber ändern konnte er nichts. Enn hatte bald wieder einen neuen Partner gefunden.


    Jetzt kommen leider "Schwarze Tage"...

  9. #48
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXXI. SCHWARZE TAGE (1992)


    Weenacha hörte Nachrichten. Voller Sorge hatte sie Militärfahrzeuge an der gegenüberliegenden Mahidol Universität auffahren sehen. Der Regierungssprecher warnte die Bevölkerung davor, in die Innenstadt zu kommen, da kriminelle Elemente Anschläge gegen die Regierung geplant hätten.

    Weenacha bat ihre Söhne Suthimon und Wirit, sich zu ihr zu setzen.

    „Wo ist Watikorn?“ fragte sie.

    „Bei seiner Freundin an der Petkasem.“ sagte Wirit.

    „Na gut. Ich weiß nicht, ob Ihr Nachrichten gehört habt und ob Ihr das verstanden habt, was da gesagt wurde. Ich möchte Euch bitten, die nächsten Tage nicht allzu weit von hier wegzugehen.“

    „Wegen der Militärautos?“ fragte Suthimon.

    „Genau. Ihr seid beide noch zu jung, um zu wissen was vor 15 oder 20 Jahren passiert ist. Damals gab es Unruhen und Tote, auch an den Universitäten, weil Studenten und Kommunisten gegen die Regierung demonstriert hatten. Die heutigen Nachrichten bringen wieder etwas ähnliches. Also bleibt in der Nähe, geht auf keinen Fall rüber an die Universität. Von mir aus könnt ihr bis zum Markt gehen.“

    „Ich möchte mir aber die Militärautos ansehen.“ protestierte Suthimon.

    „Wir können uns ja vor das Haus setzen und sehen wie sie vorbeifahren. Dürfen wir das, Mutter?“ fragte Wirit.

    „Passt aber ja auf. Und bleibt am Haus.“

    „Gehst Du morgen zur Arbeit?“

    „Ich muss, es ist Montag. Pass mir ja auf Deinen Bruder auf.“

    „Ich muss zur Schule.“ sagte Suthimon.

    „Du bleibst zu Hause, bis die Sache vorbei ist.“ sagte Weenacha streng.

    In den nächsten Tagen machte sie keine Überstunden, sondern sah zu, dass sie nach der Arbeit möglichst rasch wieder zu Hause war.

    Auch auf der Arbeit wurde über die angespannte Situation diskutiert. Einige der Kolleginnen unterstützten den Protest, der von Chamlong Srimuang angeführt wurde. Andere meinten, die Wahlen hätten ergeben, dass General Suchinda Kraprayoon, der sich wenige Wochen vorher an die Macht geputscht hatte, Premierminister sein sollte.

    Am Mittwoch schließlich übertrugen die Radio- und Fernsehsender eine Ansprache von Prinzessin Sirindhorn, in der sie zur Mäßigung aufrief und die Menschen bat nach Hause zu gehen.

    Aus Erfahrung wusste Weenacha, dass eine Äußerung aus den Reihen der Königsfamilie ein Zeichen dafür war, dass die unruhige Zeit bald vorüber sein würde.
    Hoffnungsvoll verließ sie die Arbeit.

    Zu Hause traf sie auch auf Watikorn und seine Freundin Doi, die vorbeigekommen waren.

    „Wie geht es Euch? War der Weg ungefährlich?“ fragte sie.

    „Am Tage ist das alles kein Problem.“ sagte Watikorn. „Vorgestern in der Nacht haben einige aber versucht die Polizeistation von Bang Khae anzugreifen. Da bleibt man doch besser zu Hause.“

    „Das kam gar nicht in den Nachrichten.“

    „Es kommt manches nicht in den Nachrichten. Von einem Freund habe ich gehört, es hat Schießereien in der Stadt gegeben. Und viele Tote.“

    Im Fernsehen wurde eine Ansprache vom König angekündigt.

    „Psst. Seid ruhig.“ bat Weenacha.

    Man sah eine Aufnahme aus dem Königspalast. König Bhumipol saß auf einem Sofa. Vor ihm auf dem Boden konnte Weenacha die Gegenspieler Chamlong und Suchinda erkennen. Zwar war schon vor langer Zeit die Absolute Monarchie abgeschafft worden und der König hatte nur noch beratende und repräsentative Aufgaben. Aber er wurde noch immer von allen Thais hoch verehrt. Er war die höchste moralische Autorität des Landes.

    Seine schwache und leise Stimme war kaum zu vernehmen, aber jeder verstand ihn. Er bat beide, ihre Differenzen beizulegen und im Sinne des Landes zu handeln.

    Kurze Zeit später traten sowohl Chamlong als auch Suchinda vor die Presse. Suchinda ordnete eine Amnestie für alle verhafteten Demonstranten an. Ferner kündigte er an, das Amt des Ministerpräsidenten nicht ausüben zu wollen. Chamlong seinerseits rief die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen.

    Weenacha atmete auf.

    „Du kannst morgen wieder zur Schule.“ sagte sie zu Suthimon.

    Sie hörten laute Fahrzeuge vorbeifahren. Sie liefen hinaus und schauten den Militärfahrzeugen zu, wie sie von der Mahidol Universität in ihre Kasernen zurückfuhren.

  10. #49
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXXII. BUS NACH PHUKET (1992)


    Pranalee kam in Weenachas kleine Wohnung gestürmt.

    „Da bist Du ja. Ich muss dringend mit Dir reden.“

    „Sawaddi Kha Pranalee. Erst mal Willkommen in Thailand. Machst Du wieder einen Urlaub?“

    „Ja. Sawaddi Kha Weenacha. Weißt Du was, ich habe vielleicht einen Mann für Dich.“

    „Ach. Und wie geht es Dir sonst?“ spottete Weenacha.

    „Ich meine es ernst. Dieser kommt sogar nach Thailand.“

    „Hast Du ihm ein Foto von mir gezeigt? Pass auf, ich möchte das aber nicht mehr, ehrlich gesagt.“

    „Nein. Er kennt Dich nicht. Er hat auch Dein Foto nicht gesehen. Er kommt nicht wegen Dir nach Thailand. Sondern nur für den Urlaub. Drei Wochen.“

    „Dann soll er halt Urlaub machen.“

    „Weenacha. Der Mann wäre das Richtige für Dich. Und Du für ihn.“

    Weenacha hätte gerne einen ganz bestimmten Unbekannten kennengelernt. Denjenigen, der Pranalee nach Thailand hinterhergefahren war und dem sie die falsche Adresse gegeben hatte. Aber der liebte ja Pranalee. Oder vielmehr, er hatte sie geliebt. Nach dem Vorfall hatte er sich sicherlich enttäuscht von ihr abgewendet.

    „Woher kennst Du ihn so genau?“

    „Von der Arbeit.“

    Pranalee durfte sich nicht verplappern. Weenacha wusste immer noch nicht, welchem Beruf sie nachging.

    „Aus dem Restaurant?“

    „Ja. Er ist nicht verheiratet und verdient gut. Er ist ein lieber Mensch.“

    „Von den Unruhen im Mai scheint er sich nicht abschrecken zu lassen.“

    „Nein. Er sagte er hat lange überlegt zu fahren und sich erst relativ kurzfristig entschieden. Eigentlich wollte er länger kommen, aber jetzt hat er nur noch eine dreiwöchige Reise gebucht.“

    „Und wo soll ich ihn treffen? Bei Dir?“

    Pranalee überlegte. „Ich werde mit meiner Schwester für ein paar Tage unseren Bruder in Phuket besuchen. Mein Schwager kommt mit. Wir werden den Deutschen auf die Fahrt einladen und Du kommst auch mit. In Phuket könnt Ihr euch kennenlernen.“

    „Ich kann aber kein Deutsch und kein Englisch.“

    „Er kann ein wenig Thai. Vielleicht hat er auch ein Wörterbuch mit.“

    „Und meine Arbeit?“

    „Die lass erstmal sausen. Wir müssen sowieso noch vorher einiges erledigen. Du brauchst einen Reisepass, einige Urkunden, die auch noch ins Deutsche übersetzt werden müssen.“

    „Warum denn das jetzt?“

    „Sei doch nicht so begriffsstutzig. Er fliegt nach dem Urlaub natürlich wieder nach Deutschland. Du brauchst einen Reisepass für den Flug. Du brauchst ein Visum. Für die Hochzeit brauchst Du Dokumente. Geburtsurkunde, Ledigkeitsbescheinigung und so weiter.“

    „Ach vergiss es. Ich kann mir das sowieso nicht leisten.“

    „Ich schenke Dir das Geld. Nun lass mich Dir doch einmal helfen.“ Pranalee sah Weenachas skeptischen Gesichtsausdruck. „Oder leihen. Dein Zukünftiger kann es ja mal zurückzahlen.“

    Es dauerte einige Wochen, bis Weenacha einen Reisepass und die benötigten Urkunden zusammen hatte. Pranalee machte immer einen langen Urlaub, drei Monate waren es diesmal.

    Dann kam der Tag der Abfahrt nach Phuket. Weenacha war mit ihrer Freundin, deren Schwester und Schwager zum Busbahnhof Süd in Talingchan gefahren.
    Sie setzten sich in den Bus.

    „Was ist, wenn er nicht kommt?“ fragte Weenacha.

    „Dann bekommst Du mal einen richtigen Urlaub.“

    Weenachas Jüngster, der 11jährige Suthimon war für die Zeit ihrer Abwesenheit bei Chawakorn und seiner Familie untergekommen. Der 16jährige Wirit und der 18jährige Watikorn lebten bei Watikorns Freundin und deren Familie. Es war alles geregelt. Nur der Deutsche war nicht da.

    „Hat er auch alles richtig verstanden?“ fragte Weenacha.

    „Ja, ich denke schon.“ antwortete Pranalees Schwester. „Mein Mann und ich waren in seinem Hotel und haben ihm erzählt, wann und wo der Bus abfährt. Auf Deutsch.“

    „Vielleicht hat er es sich anders überlegt?“

    „Ich will es nicht hoffen.“ sagte Pranalee. Sie schaute auf die Uhr. „Noch 15 Minuten bis zur Abfahrt. Vielleicht findet er den Bus nicht. Ich suche noch mal den Busbahnhof ab.“ Sie wandte sich in Deutsch an ihren Schwager. „Kommst Du mit?“

    „Klar.“ sagte dieser. Beide stiegen aus dem Bus.

    Weenacha schaute aus dem Fenster des Busses auf die zahlreichen Menschen, die auf die Nachtbusse warteten, die sie in den Süden des Landes bringen würden.

    Fast im letzten Moment kamen Pranalee und ihr Schwager mit einem anderen Farang auf den Bus zugestürmt. Er hatte eine Reisetasche dabei. Pranalee blieb draußen, sie wollte nicht in der Nacht fahren sondern am Tage mit ihrem Bruder im eigenen Auto nachkommen. Der Bruder war in Bangkok zu Besuch gewesen und fuhr jetzt wieder zurück.

    Der Deutsche lächelte alle an, auch Weenacha warf er einen freundlichen Blick zu. Dann setzte sich der Bus in Bewegung.



    Das nächste Kapitel heißt "Die Kupplerin"

  11. #50
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    XXXIII. DIE KUPPLERIN (1992)


    Sie saßen beim Essen in einem kleinen Restaurant gegenüber dem Hotel in Phuket und ließen es sich schmecken. Die meisten aßen gebratenen Reis.
    Weenacha sah Pranalee und den Fremden, der Rikko hieß, in angeregtem Gespräch.

    Dann wandte Pranalee sich ihrer Freundin zu.

    „Wie gefällt er Dir?“

    „Er sieht ganz nett aus.“

    „Könntest Du Dir vorstellen, ihn zu heiraten?“

    „Ich weiß nicht. Dazu kenne ich ihn zu wenig.“

    „Er könnte Dich zu sich einladen. 3 Monate. Dann lernt Ihr euch näher kennen.“

    „Ich habe kein Geld für einen Flug, das weißt Du genau.“

    „Du weißt, dass wir das Geld vorstecken. Du musst nur mit Rikko zur Botschaft, damit Du ein Visum bekommst. Ein Flugticket haben wir schnell besorgt. Entscheiden musst Du Dich aber. Wir fahren nachher an den Strand, da könnt Ihr Euch unterhalten.“

    Unterhalten. Wie sollte das gehen, wenn sie kein Deutsch und praktisch kein Englisch sprach. Und Thai schien Rikko nicht zu können.

    Pranalees Bruder, der ein privates und kutschierte sie an einen der schönsten Strandabschnitte in der Umgebung, der nicht so überlaufen war.

    Mit der Unterhaltung klappte es dann aber am Strand doch. Rikko konnte ein paar einfache Sätze in Thai sagen. Und er hatte ein Wörterbuch dabei, mit dessen Hilfe er kompliziertere Sachverhalte in ein Heft schrieb und es Weenacha zeigte.

    So erfuhr Weenacha, dass Rikko in Pranalee verliebt war. Und dass er von Pranalee unter Druck gesetzt worden war. Sie hatte ihm gesagt, er solle Weenacha heiraten, oder er würde Pranalee nie wieder sehen.

    „Eigentlich sollte ich jetzt sofort nach Hause fahren.“ war Rikkos Meinung.
    „Aber das wäre nicht fair Dir gegenüber. Du kannst ja nichts dazu. Pranalee hat uns beide sozusagen überrumpelt.“

    Die Worte, die Rikko auf Thai aus dem Wörterbuch in sein Heft schrieb, waren sehr holperig. Und es war für Weenacha manchmal schwierig, zu verstehen, was er meinte. Aber Weenacha dachte sich, dass Rikko es ungefähr so gemeint haben müsste.

    Ja, unter diesen Voraussetzungen, so wie Pranalee es angefasst hatte, konnte die ganze Sache nur schief gehen. Vielleicht wäre es wirklich besser, Rikko würde wieder nach Deutschland fahren.

    „Vor allem, weil das nicht das erste Mal ist, dass Pranalee mich gelinkt hat. Liebe macht nun mal blind.“ formulierte er.

    Pranalee hatte etwas Magisches an sich, dass die Männer anzog, dachte Weenacha. Und sie spielte mit ihnen.

    „Vor ein paar Jahren hat sie mir ihre Adresse gegeben. Eine falsche, wie ich jetzt weiß. Ich bin nach Thailand gefahren und habe sie verzweifelt gesucht.“

    Weenacha durchfuhr es wie einen Schlag. War dieser Rikko, der vor ihr stand, nicht derjenige, den sie unbedingt hatte kennenlernen wollen? Von dem Pranalee damals gesprochen hatte? Ihr Knie wurden weich.

    „Ich weiß noch nicht was ich jetzt machen werde. Vielleicht lade ich Dich ein nach Deutschland. Andererseits, es wäre gut, wenn ich alles vergesse, was irgendwie mit Pranalee zusammenhängt. Das werde ich aber später entscheiden.“

    Als sie wieder vom Strand zurück in den Ort gefahren waren, ging Weenacha in einen örtlichen Tempel und opferte Räucherstäbchen, eine Kerze, Blattgold und eine Lotosblume. Sie betete darum, dass ihr das Schicksal gewogen sein möge. Sie betete darum, dass dieser Mann nicht aus ihrem Leben verschwinden möge. Denn vielleicht würde er irgendwann Pranalee vergessen und sie lieben.

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