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Die Geschichte von Weenacha

Erstellt von moselbert, 17.12.2007, 10:44 Uhr · 63 Antworten · 3.336 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

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    Die Geschichte von Weenacha

    Nach längerer Zeit des Überlegens, Formulierens, Recherchierens (von der Idee der Geschichte bis zu ihrer Fertigstellung sind etwa 18 Monate ins Land gegangen) habe ich wieder eine längere Geschichte fertiggestellt. Recherchieren war deshalb wichtig, weil diese Geschichte einen Zeitraum von etwa 50 Jahren abdeckt, 1943 bis 1994. Und ich wollte ein paar historische Dinge in die Geschichte einbauen. Deswegen gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln ab und zu größere Zeitsprünge.
    Dennoch hoffe ich, alles ist flüssig zu lesen.

    Also fangen wir mit der Geschichte an. Es wird über Liebe, Hochzeit, Geburt und Tod zu lesen sein.

    Und mit einem Totschlag beginnt auch das erste Kapitel ...

  2.  
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  3. #2
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    Die Geschichte von Weenacha


    I. DER TOTSCHLAG (1943)


    Das Leben war nicht einfach für den 23jährigen Burit Saelim. Er hatte eine nette Mutter. Aber seinen Vater mochte er nicht leiden. Konnte er nicht leiden.
    Seine Mutter Tanaya Boonvisut hatte viel Geld und Land von ihren Eltern geerbt. Und sie hatte sich in Borinai Saelim, einen Chinesen verliebt. Schließlich waren sie zusammengezogen. Sie hatten drei Kinder bekommen. Tochter Nai kam zuerst, später dann Burit, der Junge. Und schließlich hatte er noch ein kleines Schwesterchen namens Lang bekommen.

    Aber nach einigen Jahren legte sich ein Schatten auf die Familie. Sein Vater wurde immer streitsüchtiger. Lange Zeit kannten sie nicht den Grund dafür. Bis seine Mutter eines Tages erfuhr, dass Borinai eine Mia Noi hatte.

    Viele Männer in Thailand hatten Freundinnen. Doch Tanaya hatte immer gedacht, dass ihr Mann anders war. Vielleicht hatte sie sogar aus diesem Grunde einen Chinesen geheiratet. Chinesen galten als fleißiger und arbeiteten für die Zukunft. Thais arbeiteten nur, wenn sie kein Geld mehr hatten. Das waren alles Vorurteile, aber sie kannte genug Thais und Chinesen, die dieses Vorurteil bestätigten.
    Und sie hatte gehofft, dass Borinai wegen der vielen Arbeit nicht auf den Gedanken kam, sich eine Geliebte, eine Mia Noi zuzulegen. Leider vergebens.
    Nach einem Streit mit ihrem Mann verließ Tanaya ihn mit den Kindern und zog in ein anderes Haus in der Nachbarschaft.

    Burit dachte wieder einmal an diese Geschichte, als er von seiner Arbeit bei Familie Navaratna nach Hause kam. Er traf nur seine Schwestern an. Seine Mutter war weggegangen. Zu ihrem Mann, wie er hörte. Burit hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend. Immer wenn Mutter Tanaya versuchte, seinen Vater wieder zu überreden, seine Mia Noi zu verlassen und wieder für die Familie da zu sein, kam sie mit traurigem Blick nach Hause zurück. Burit ging zum Haus seines Vaters. Schon aus der Ferne hörte er laute Stimmen.

    „Verschwinde von hier! Gehe mir aus den Augen! Ich will Dich hier nicht wieder sehen!“ hörte er seinen Vater mit lauter Stimme sagen. Als er auf das Grundstück blicken konnte, sah er noch seine Mutter fallen. Sie stürzte von einer Brüstung hinunter, auf der sein Vater stand. Sie fiel auf den harten Boden und blieb liegen.

    „Mutter!“ rief Burit.

    „Hilf ihr hoch und verschwinde mit ihr.“ forderte sein Vater ihn auf. Hinter ihm schaute seine chinesische Mia Noi aus dem Haus. „Sie braucht nicht mehr wiederzukommen. Ich habe mich für meine neue Frau entschieden. Ein für allemal. Ich hoffe, dass sie das endlich begreift.“

    Tanaya bewegte sich nicht.

    „Mutter?“ Burit wollte ihren Kopf anfassen. Da bemerkte er, dass Blut aus einer Wunde lief. Offenbar war sie auf einen Stein geschlagen.

    „Was ist mit ihr?“ fragte Borinai.

    „Sie ist verletzt.“ antwortete Burit.

    „Oh. Das wollte ich nicht.“ Borinai kam die Stufen herunter und schaute sich seine Ehefrau an. Dann wandte er sich seiner Freundin zu: „Lauf zum Doktor, schnell.“

    Die Mia Noi verließ mit schnellem Schritt das Grundstück.

    „Was soll das heißen, das hast Du nicht gewollt, Vater? Hast Du sie gestoßen?“

    „Ich? Äh, nein. Sie, sie ist selber gefallen. Sie wollte schnell zu Euch. Wahrscheinlich hat sie eine Stufe übersehen.“

    Burit bemerkte die Unsicherheit und Nervosität seines Vaters.

    „Ich glaube Dir kein Wort. Du hast sie gestoßen.“ behauptete er.

    „Hast Du das gesehen? Oder bildest Du Dir das nur ein?“

    „Ich habe es nicht gesehen. Aber manches weiß man ohne es zu sehen.“

    Borinai bekam wieder Oberwasser.

    „Da Du nichts gesehen hast, kannst Du natürlich auch nicht wissen wie es war. Sie hat wirklich die Stufe übersehen. Glaube es mir.“

    Burit fühlte den Puls der Mutter. Da war aber nichts mehr.

    „Wenn sie nicht wieder aufwacht, dann...“

    „Was? Wage es nicht mir zu drohen! Ich bin noch immer Dein Vater.“

    Auf dem Weg waren Schritte zu hören. Die Mia Noi kam mit einem Arzt wieder zurück.

    Er beugte sich zu Tanaya hinunter und kontrollierte Herzschlag, Puls und Atem.
    Er schaute auf.

    „Ich kann weder Atem noch Herzschlag spüren. Sie ist tot.“ sagte er.

    „Nein!“ rief Burit aus. „Tun Sie doch etwas!“

    „Tut mir leid. Meine Mittel sind begrenzt. Vielleicht könnte man für sie in einem guten Krankenhaus noch etwas tun. Aber bis wir mit dem Boot dort sind, das dauert mindestens 45 Minuten.“

    „Du bist die längste Zeit mein Vater gewesen.“ sagte Burit zu Borinai.

    Er übernahm die schwere Aufgabe, seinen Schwestern die Nachricht vom Tod der Mutter zu überbringen. Immerhin hatte die Familie genug Geld um eine schöne Einäscherungszeremonie zu veranstalten.

    Er versuchte, seinen Vater vor Gericht zu bringen. Aber er selber hatte nicht gesehen, wie Borinai Tanaya gestoßen hatte. Und die Mia Noi hatte angeblich aus dem Hause genau beobachtet, wie Tanaya selber gestürzt war.

    So blieb Borinai ein freier Mann, aber seine Kinder hatte er verloren. Was seiner Nebenfrau nur Recht war, sie hatte die Kinder ihrer Vorgängerin nie leiden können. Burit legte sogar den Namen seines Vaters ab und hieß danach Boonvisut, wie seine Mutter Tanaya.

    Die Schwestern Nai und Lang zogen zu Verwandten in eine Nachbarprovinz Bangkoks. Burit fragte seine Arbeitgeber, Familie Navaratna, ob er bei ihnen wohnen könnte. Sie hatten nichts dagegen.



  4. #3
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    II. DAS LIEBESPAAR (1944)


    Burit Boonvisut war nach dem Tod seiner Mutter ins Haus der Familie Navaratna gezogen. Er hatte sich in die Arbeit gestürzt, um den Schmerz über den Verlust zu überwinden. Die Familie hatte große Ländereien. Burit arbeitete auf den Feldern mit. Er war auch früher schon ein guter und fleißiger Arbeiter gewesen. Jetzt arbeitete er aber schon fast verbissen. Und nach einiger Zeit nahm er auch wieder andere Dinge war. Schöne Dinge.

    Seine Arbeitgeber hatten 5 Kinder, 4 Söhne und eine Tochter. Charawee, die Tochter, war erst 16. Aber dennoch hatte der 24jährige Burit mit der Zeit immer mehr Blicke auf Charawee geworfen. Und schließlich hatte er sich in das Mädchen verliebt.

    „Sie ist erst 16. Ist sie nicht ein bisschen zu jung für mich?“ fragte er sich immer wieder. Seine Zweifel waren allerdings weggewischt, als Charawee eines Tages bei einem Gespräch durchblicken ließ, dass sie sich auch in ihn verliebt hatte.

    Charawee war ein sehr intelligentes Mädchen. Burit war eher das Gegenteil. Nicht dass er dumm war, aber er liebte es auf dem Feld zu arbeiten. Hart zu arbeiten.

    Charawee hätte es in der Schule weit bringen können. Und da die Navaratnas relativ wohlhabend waren, hätte Charawee sogar ein Studium aufnehmen können.
    Aber Charawee hatte die Schule abbrechen müssen. Die Eltern sahen es nicht gerne, dass Charawee sich alleine auf den weiten Weg zur Schule machte. Es herrschte Krieg. Die Japaner waren mit 150.000 Soldaten in Thailand einmarschiert und hatten die Regierung von Phibun Songkram zu einer Kooperation überredet. Es gab öfter Luftalarm und man wusste nie, ob die Flugzeuge, die man ab und zu hörte, Bomben werfen würden oder nicht.

    Nein, es war wirklich nicht die beste Zeit, um junge Mädchen alleine zur Schule gehen zu lassen.

    Die stille Beziehung zwischen Burit und Charawee entwickelte sich. Und alles hätte gut werden können.

    Allerdings hatte Djarim Navaratna, der Vater von Charawee und Burits Chef, etwas dagegen. Zum einen meinte er, seine Tochter wäre für so eine Beziehung noch viel zu jung. Zum anderen war Burit ja nur ein einfacher Arbeiter. Ein fleißiger zwar, vielleicht sogar der fleißigste den er hatte, aber er war eben nur Landarbeiter.

    Und so waren die Minuten, die Charawee und Burit unbeobachtet zusammen verbringen konnten, an den Fingern einer Hand abzuzählen.

    „Ich würde gerne Deine Frau werden wollen, Burit.“ sagte Charawee. „Aber ich bin noch nicht volljährig. Und mein Vater ist strikt dagegen überhaupt nur über eine solche Beziehung nachzudenken.“

    „Ich weiß. Und selbst wenn Du volljährig wärst, Tirag, dann würde er wohl seine Einwilligung nicht geben.“ bemerkte Burit.

    „Wahrscheinlich.“

    Sie schauten sich an. Wie immer in solchen Situationen war Burit von der Schönheit Charawees beeindruckt. Und sie war nicht nur schön, sondern auch klug und von einer bemerkenswerten Offenheit und Entschlusskraft, die man einem so jungen Mädchen gar nicht zugetraut hätte.

    „Warum laufen wir nicht weg?“ fragte Charawee spontan.

    „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“ antwortete Burit. „Man läuft nicht so ohne weiteres weg. Freue Dich, dass Du ein so schönes Elternhaus hast, dass sich Deine Eltern lieben und Euch ein so schönes Zuhause geben. Und das in der heutigen Zeit.“

    „Ich weiß, was Du mit Deinen Eltern durchgemacht hast, Burit. Aber es gibt etwas Wichtigeres als die Liebe zu meinen Eltern. Das ist die Liebe zu Dir. Und ich will diese Heimlichtuerei nicht mehr.“

    „Und ich bin Dir wirklich nicht zu alt?“

    Charawee lächelte ihn an. „Ja, mit Deinen 24 bist Du ein uralter Mann. Im Vergleich zu mir. Aber die Liebe fragt nicht nach dem Alter. Oder bin ich Dir zu jung?“

    Jetzt musste auch Burit lächeln. „Du hast gewonnen.“

    „Ich muss weg.“ sagte sie. „Vater wird sonst misstrauisch.“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn und verschwand. Burit blieb noch einige Zeit sitzen und träumte von einem gemeinsamen Leben mit Charawee.

    Djarim konnte zwar nicht beweisen, dass Charawee und Burit sich ab und zu trafen und sich ineinander verliebt hatten. Aber er ahnte etwas.
    Und so verbot er beiden, sich zu treffen. Und er bat die anderen Familienmitglieder, auf beide ein Auge zu haben.

    „Mein lieber Burit.“ sagte er eines Tages. „Du bist ein guter und fleißiger Arbeiter. Aber denke daran, jeder ist zu ersetzen. Auch Du. Und wenn Du meiner Tochter weiterhin schöne Augen machst, dann bis Du die Arbeit hier schneller los als Du denken kannst.“

    Burit sagte nichts dazu. Aber es wurde für sie jetzt noch schwieriger, sich unbeobachtet zu treffen.

    Bei einem dieser wenigen heimlichen Treffen fassten sie schließlich den Entschluss, gemeinsam zu fliehen und ein eigenes Leben aufzubauen.


    Klappt die Flucht? wie es weitergeht, steht im nächsten Kapitel.

  5. #4
    Avatar von MadMovie

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    Wieder eine spannende Geschichte von Moselbert!

  6. #5
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    III. DIE FLUCHT (1944)

    „Charawee!“ riefen die Stimmen. „Charawee!“

    Niemand antwortete im Dunkel der Nacht.

    „Es wird ihr doch nichts passiert sein.“ Charawees Mutter Chutipa schluchzte.

    „Das glaube ich kaum.“ antwortete Djarim grimmig. „Ich glaube, dass sie von Burit so lange bearbeitet wurde, bis sie mit ihm verschwunden ist. Ich hätte diesen Burschen gleich rausschmeißen sollen.“

    „Wo sie wohl jetzt ist?“

    „Weit können sie nicht sein. Es ist ja nächtliche Ausgangssperre. Und vielleicht werden sie von einer Patrouille aufgegriffen. Allerdings nicht hier in der Siedlung. Hier kennt sie jeder. Aber genau deswegen hätten wir oder die Nachbarn sie ja schon längst gefunden. Aber sie müssen irgendwo nahe der Siedlung sein. Wegen der Patrouillen.“

    Einer der Suchenden kam ins Haus. „Immer noch keine Spur von den beiden.“

    „Ich bringe diesen Burit um! Eigenhändig!“ Djarim war wütend. „Niemand nimmt mir meine Tochter weg.“

    Weit waren Charawee und Burit wirklich nicht weg. Charawee hatte den Plan gehabt. Und ihr Plan zeugte zum einen davon, dass sie wirklich mit ihm weg wollte. Das machte ihn glücklich. Und zum anderen hatte sie hier auch noch ihre Klugheit bewiesen.

    „In der Siedlung können wir uns nicht verstecken.“ hatte sie gesagt. „Hier wird uns jeder sofort bemerken. Und ich glaube, dass die meisten meinen Eltern Bescheid sagen. Du weißt was das dann bedeutet.“

    „Das wäre das Ende unserer Liebe.“ hatte Burit geantwortet.

    „Genau so ist es. Fliehen wir nachts weiter weg, dann werden wir vielleicht von Soldaten aufgegriffen. Mit dem gleichen bitteren Ende für uns.“

    „Und was schlägst Du vor, Charawee?“

    „Wir verstecken uns unter einem verlassenen Haus im Klong. Da wird uns niemand vermuten. Wir warten, bis sie die Suche abbrechen und dann nehmen wir uns ein Boot und lassen uns vorsichtig wegtreiben.“

    Und so hatten sie es gemacht. Und jetzt standen sie auf schlammigem Grund im Wasser unter einem aus Holz gebauten Pfahlhaus. Nicht weit entfernt waren Menschen mit Lampen vorbeigegangen und hatten sogar die Wasseroberfläche abgeleuchtet. Sie hatten die Boote inspiziert. Aber niemand hatte sich darin versteckt. Einmal leuchtete sogar jemand unter das Haus. Aber sie hatten das geahnt, hatten die Luft angehalten und waren untergetaucht. Nach einiger Zeit waren die Rufe weniger geworden.

    „Meine arme Mutter. Sie wird sich sicherlich die Augen ausweinen.“

    „Du kannst noch zurück, Charawee. Denke Dir eine Ausrede aus und Du wirst wieder zu Hause aufgenommen. Ich werde aber nicht wieder mit zurückkommen. Und wenn, würde Dein Vater mich bestimmt vor die Tür setzen.“

    Charawee schaute ihn an. „Nein. Ich komme mit Dir, wohin Du auch immer gehst, Burit.“

    Ihre Lippen fanden sich. Und hier in diesem brackigen Klongwasser unter dem Holzhaus erlebten sie den ersten richtigen Kuss ihrer Beziehung.

    Nach einigen Stunden waren keine Schritte und Stimmen mehr zu hören.

    „Ich glaube wir können jetzt zum Boot schwimmen.“ schlug Burit vor.

    „Ja. Wagen wir es.“

    Vorsichtig und ohne übermäßig Geräusche zu verursachen, bewegten sie sich durch den Klong zu einem am Nachbarhaus festgemachten Boot. Sie stiegen über Holzstufen aus dem Wasser und machten das Boot los. Sie legten sich flach ins Boot und ließen es dann in der Strömung langsam davontreiben.
    Nach einiger Zeit hatten sie den Bereich der Siedlung verlassen und waren in Sicherheit. Das einzige Problem waren eventuelle Militärpatrouillen, die ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen konnten. Trotz dieser Risiken schliefen beide nach kurzer Zeit in der schwülwarmen Nacht ein. Die Mückenstiche spürten sie nicht.




    Es folgt Teil 4 "DIe Vermissten".

  7. #6
    Avatar von ChangLek

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    .....schön wieder von Dir zu lesen, und ich hoffe es geht Dir weiterhin gut..... :-) :-)

  8. #7
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    tut es. ich hoffe das bleibt auch noch lange so...

  9. #8
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    IV. DIE VERMISSTEN (1944)


    Burit und Charawee hatten sich nach ihrer Flucht aus Sala Thamassop in Pathum Thani niedergelassen. Burit verdingte sich als Arbeiter und versuchte für sich und Charawees Unterhalt zu sorgen. Und es gelang ihm auch, denn er war fleißig. Charawee machte den Haushalt so gut sie konnte und unterstützte ihren Liebsten. Es war nicht einfach. Zu Hause wäre das Leben viel angenehmer gewesen. Aber hier waren sie zusammen, und das war wichtiger als alle Probleme der Welt.

    Allerdings machten sie sich Sorgen. Nicht um sich selber, aber um Charawees Eltern.

    „Deine Eltern sollen zumindest wissen, dass Du lebst und dass Du glücklich bist.“ sagte Burit. „Ich werde am freien Tag nach Sala Thamassop fahren und ihnen Bescheid sagen.“

    „Ja, Du hast Recht. Vor allem Mutter wird sehr traurig sein und sich freuen, wenn sie ein Lebenszeichen von mir bekommt.“

    Und so stand Burit zwei Tage später vor dem Elternhaus seiner Geliebten.
    Chutipa sah ihn zuerst.

    „Burit!“ rief sie. Sie kam aus dem Haus gelaufen. Die Tränen liefen über ihre Wangen. „Burit, hast Du etwas von Charawee gehört?“

    „Ja, habe ich. Sie lebt mit mir zusammen. Wir leben in Pathum Thani. Wir sind glücklich und gesund. Und wir lieben uns.“

    „Danke.“ schluchzte Chutipa. „Danke. Es geht ihr gut?“

    „Es geht ihr sehr gut. Und es tut uns leid, dass wir Euch solche Schmerzen machen mussten. Aber wir gehören zusammen. Und hier hätten wir nicht leben können.“

    „Da ist ja der Entführer!“ Wütend trat Djarim aus dem Haus.

    „Ich habe sie nicht entführt. Der Idee, Sala Thamassop zu verlassen, war sogar ihre Idee.“

    „Lügner! Ich werde die Polizei holen und die wird meine Tochter befreien.“

    Burit griff in seine Hosentasche und zog einen gefalteten Zettel heraus.

    „Wir haben befürchtet, dass Du so reagieren wirst, Djarim. Deswegen hat Charawee Euch einen Brief geschrieben. Hier, nehmt ihn und lest. Ich werde in einer Woche wiederkommen. Ich verspreche es. Und dann werden wir weiter reden.“

    Chutipa faltete den Brief auseinander.

    „Es ist Charawees Handschrift.“ sagte sie.

    „Liebe Eltern.“ las sie laut. „Es tut mir Leid, Euch solchen Kummer bereitet zu haben. Aber es ging nicht anders. Ich wollte mit Burit zusammen leben. Ihr hättet es nie erlaubt, besonders Vater. Deswegen mussten wir heimlich verschwinden. Ich musste mich zwischen meiner Liebe zu Euch und der Liebe zu Burit entscheiden. Und ich habe mich für Burit entschieden. Ihr sollt nicht traurig sein. Burit arbeitet hart und er wird uns beide ernähren können. Ich wäre gerne bei Euch, aber ohne Burit kann ich nicht mehr leben. Und wenn Ihr unserer Liebe keine Chance geben wollt, so werdet Ihr mich für lange Zeit nicht mehr wiedersehen.

    Liebe Eltern. Ich habe einen Traum. Ich wünsche mir bei Euch zu leben. Und ich wünsche mir, mit Burit bei Euch zu leben. Er kann bei Euch arbeiten, Ihr wisst wie fleißig er ist. Und Ihr habt Eure Tochter wieder. Aber Ihr bekommt mich nur noch zusammen mit Burit. Überlegt es Euch. Gebt euch einen Ruck. Springt über euren Schatten. Ich liebe Euch. Und Burit liebt Euch auch. Grüßt meine Brüder von mir. Charawee.“


    Chutipa schluchzte wieder, nachdem sie den Brief gelesen hatte.

    „Es wird Zeit, wieder nach Hause zu gehen.“ sagte Burit. „Ich komme in einer Woche wieder vorbei. Überlegt Euch, was Ihr machen wollt. Es ist nicht nur ihr Wunsch, wieder nach Hause zu kommen. Auch ich habe hier gerne gelebt und gearbeitet. Chok dii.“

    Burit drehte sich um, ging vom Grundstück auf den Fußweg und verschwand um die nächste Biegung.

    „Dieser Halunke.“ murmelte Djarim. „Er nimmt uns die Tochter weg. Und jetzt sollen wir auch noch freundlich lächeln und ihn in unserem Haus aufnehmen?“

    „Sie ist freiwillig mit ihm gegangen.“ gab Chutipa zu bedenken.

    „Freiwillig, ha! Sie ist 16 und hat überhaupt keine Ahnung vom Leben. Ich will nächste Woche die Polizei im Haus haben. Die soll den Entführer festnehmen und dann holen wir uns unsere Tochter zurück.“

    „Lass uns das erst mal überdenken, Djarim. Wir haben eine Woche Zeit dazu. Komm ins Haus. Ich möchte Charawees Brief noch einmal lesen.“

    „Und anschließend werde ich im Wat Mai beten.“ dachte Chutipa. „Ich werde darum beten, dass Buddha und Ananda Djarim ein Djai Jen schenken mögen, damit er sich mit Burit versöhne.“


    Wird Burit verhaftet? Die Auflösung in Teil V (Die Rückkehr)

  10. #9
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    V. DIE RÜCKKEHR (1944)

    Eine Woche später waren Burit und Charawee zusammen auf dem Weg zu Charawees Eltern.

    „Warum wolltest Du unbedingt mit? Wenn Sie Dich jetzt dabehalten und mich verhaften lassen?“ fragte Burit.

    „Ich glaube nicht, dass sie das machen. Mutter ist eine sehr liebe Person. Und Vater ist zwar ein Dickkopf, aber ich bin es auch. Das habe ich von ihm geerbt. Und ich glaube, dass mein Dickkopf sich durchsetzt. Ich hoffe es wenigstens. Außerdem sehen sie so, dass es mir gut geht.“

    Sie betraten das Grundstück. Und wurden sofort von Charawees jüngerem Bruder Lek entdeckt.

    „Charawee!“ rief er, rannte auf seine Schwester zu und fiel ihr um den Hals. Sie lagen sich in den Armen. Tränen liefen über ihr Gesicht.

    Chutipa hatte in Erwartung des Besuchs von Burit in der Tür gestanden. Dass sie jetzt auch ihre Tochter sah, überraschte sie freudig. Sie beeilte sich zu ihr zu kommen.

    „Charawee. Was machst Du uns für einen Kummer?“ schluchzte sie. Gleich darauf lagen sich aber auch Mutter und Tochter in den Armen.

    „Wo ist Vater?“ fragte Charawee.

    „Kommt ins Haus. Er wartet schon.“

    Alle drei betraten das Haus. Nachdem sich die Augen an das Dämmerlicht angepasst hatten, sahen sie Djarim mit ernster Miene in einer Ecke auf dem Boden sitzen. Charawee und Burit setzten sich ebenfalls. Chutipa hatte einen heißen Tee gemacht und gab jedem einen Becher.

    „Du Entführer.“ sagte er zu Burit. „Eigentlich sollte man dich festnehmen und einsperren.“

    „Vater, Du tust ihm Unrecht.“ protestierte Charawee.

    Er schaute beide lange an.

    „Möglich. Eigentlich hatte ich vor, Burit hier heute von der Polizei festnehmen zu lassen. Ich habe aber dennoch davon abgesehen. Trotz des Kummers und der Sorgen, die Ihr uns gemacht habt.“

    „Das tut uns leid, Vater.“

    „Das muss Dir nicht leid tun, Tochter. Du denkst nur an Dich und Dein Glück. Und eigentlich...“ Ein feines Lächeln war für einen Moment auf seinem Gesicht zu sehen. „... eigentlich sollten auch die Eltern bei ihren Entscheidungen an das Glück ihrer Tochter denken. Auf der anderen Seite, Charawee, bist Du vielleicht zu jung um zu wissen, was gut für Dich ist.“

    „Ja, ich bin jung. Aber ich weiß was ich will. Ich will Burit.“ sagte Charawee und warf ihrem Geliebten einen langen Blick zu.

    „Ja, ja. Und in zwei Jahren lässt er Dich sitzen oder Deine erste Verliebtheit ist vorbei. Und was dann? Dann sitzt Du irgendwo alleine in Pathum Thani oder wo auch immer. Nein, so geht das nicht. Mutter und ich wollen wissen, ob Ihr zusammengehört. Burit soll es uns beweisen, ob er eine Familie ernähren kann.“

    Djarim nahm einen Schluck Tee. Charawee und Burit sagten nichts, sondern warteten gespannt auf den Vorschlag, der jetzt unweigerlich kommen musste. Chutipa lächelte still in sich hinein.

    „Ich habe Dich als fleißigen Mann kennengelernt, Burit. Mag sein, dass Deine chinesischen Wurzeln dieses bewirken. Und ich denke, Du wirst die Aufgabe bewältigen, die ich Dir stelle. Ihr wisst, wir besitzen eine Menge Land. Ich mache Euch jetzt einen Vorschlag. Es liegt an Euch ihn anzunehmen. Ich werde Euch beiden einige Rai Land schenken. Ein Stück Land hier in der Siedlung, ein größeres Stück weiter draußen. Ihr könnt dort anbauen was Ihr wollt. Obst, Gemüse, das ist mir völlig egal. Ihr habt völlig freie Hand. Burit, Du wirst nicht mehr für mich arbeiten, sondern für Deine eigene kleine Familie. Wir werden sehen, ob Du in der Lage bist, Frau, und später vielleicht auch Kinder zu ernähren. Zunächst könnt Ihr hier wohnen, später solltet Ihr Euch vielleicht ein eigenes Haus bauen.“

    Er nahm wieder einen Schluck Tee.

    „Was sagt Ihr zu meinem Vorschlag? Wollt Ihr Bedenkzeit?“

    Charawee und Burit schauten sich an. Mit allem hatten sie gerechnet. Aber nicht damit, dass ihnen Djarim Land schenken würde.

    Burit ergriff das Wort, weil Charawee nicht zu einer Antwort in der Lage war.

    „Wir sind überrascht, Djarim. Ich brauche keine Bedenkzeit. Und ich denke, Charawee auch nicht. Wir nehmen das Angebot an. Und wir werden euch keine Schande machen. Ich habe meine Mutter verloren. Mein Vater ist nicht mehr mein Vater. Ich freue mich, ab jetzt wieder Eltern zu haben.“ Jetzt konnte auch Burit nicht mehr an sich halten und musste sich einige Tränen aus den Augenwinkeln wischen.

    Chutipa, die in der vergangenen Woche ihrem Mann täglich gut zugeredet hatte, freute sich, dass ihre Tochter wieder bei ihr war. Sie freute sich, dass Charawee glücklich war und dass Burit ein guter Ehemann für sie werden würde.



    Um den Stammhalter geht es im nächsten Teil...

  11. #10
    Avatar von moselbert

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    Re: Die Geschichte von Weenacha

    VI. DER ERSTGEBORENE (1949)


    „Wir müssen ins Siriraj, Charawee. Deine Wehen kommen immer öfter. Du weißt, dass der Weg lange dauert.“

    Charawee nickte. „Du hast Recht. Es ist wirklich besser.“

    „Ich habe Tschanarom schon Bescheid gesagt. Er fährt uns mit seinem Boot hin.“

    Er raffte die Sachen zusammen, die seine Frau schon vorsorglich gepackt hatte.

    Charawees Bruder Tschanarom war bei Nachbarn in ein Gespräch vertieft.

    „Es geht los, Tschanarom!“ rief Burit aus dem Fenster.

    „Ich komme!“ rief dieser zurück.

    Burit half seiner Frau aus dem Haus und ins Boot. Mit sicherer Hand lenkte Tschanarom das kleine Motorboot durch den Verkehr auf dem Kanal, der nach Osten in Richtung Bangkok führte. Nach etwa einer Stunde waren sie am Siriraj angekommen.

    Wenige Stunden nachdem Charawee in einem großen Krankensaal Aufnahme gefunden hatte, wurden die Wehen stärker.

    Die herbeigerufene Hebamme half Charawee bei der Geburt. Einige Krankenschwestern assistierten. Die Vorhänge um das Bett, in dem Charawee lag, waren zugezogen worden, so dass ein Sichtschutz gegeben war. Allerdings von den Schmerzensschreien Charawees und den Anweisungen der Hebamme bekamen die anderen alles mit.

    Schließlich war es geschafft. Das Baby tat seinen ersten Schrei und alle waren glücklich. Charawee nahm es in den Arm. Und auch Burit, der im Hintergrund des Raumes gewartet hatte, konnte einen ersten Blich auf seinen Nachwuchs werfen.

    „Es ist ein Junge.“ bemerkte die Krankenschwester. „Haben Sie schon einen passenden Namen gefunden?“

    „Wir sind uns noch nicht ganz einig. Außerdem wollen wir erst nach einigen Tagen den richtigen Namen nennen.“ bemerkte Burit. Die Hebamme nickte verständnisvoll.

    Die Namensfindung war nicht so ganz einfach. Für jeden Wochentag, an dem ein Kind geboren wurde, gab es verschiedene Namen für ein Baby, die Glück verhießen. Wenn man dann noch die Stunde der Geburt mit in die Überlegungen einbezog, dann konnte man eine richtige Wissenschaft daraus machen. Aber der richtige Name des Kindes sollte in den ersten Tagen nicht ausgesprochen werden, damit die bösen Geister ihn nicht hören konnten. Deswegen überlegte man sich auch noch einen Kosenamen für das Kind. Den konnten die Geister ruhig wissen. Nur mit dem Kosenamen würden sie das Baby nicht finden. Um die Spuren für die Geister weiter zu verwischen, wurden auch häufig tierische Kosenamen wie Muu , Nuu oder Gai genommen. Auch Eigenschaften waren beliebt, wie Lek oder Uan.

    Burit und Charawee hofften in wenigen Tagen das Baby mit nach Hause nehmen zu können. Es kam aber anders.

    „Frau Charawee.“ sagte ein Arzt am nächsten Tag zu ihr. „Ihr Sohn ist krank. Wir wissen nicht was er hat, aber er macht einen recht schwachen Eindruck auf uns.“

    „Versuchen Sie alles, was sie tun können. Geld soll keine Rolle spielen.“ sagte Burit.

    „Ich weiß. Wir tun was wir können.“ erwiderte der Arzt.

    Burit fuhr nicht nach Hause zurück, sondern blieb im Krankenhaus. Er betete im nahen Wat Amarin. Nachdem eine wertvolle Buddhastatue auf dem Tempelgelände einen Luftangriff im zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, galt diese als Glücksbringer.

    Aber weder diese Gebete noch die Versuche der Ärzte, das junge Leben zu retten, waren von Erfolg gekrönt. Nach zwei weiteren Tagen verstarb der Erstgeborene von Charawee.

    Die gesamte Familie war natürlich traurig. Besonders Djarim und Chutipa hätten sich gerne einen Enkel von ihrer Tochter gewünscht. Nicht dass sie keine Enkel hatten. Von den Frauen der älteren Brüder Charawees waren sie in dieser Hinsicht reichlich beschenkt worden. Aber sie wussten, dass zu einer richtigen Familie Kinder gehörten.

    Die Frau Tschanaroms, welcher Charawee zum Krankenhaus gefahren hatte, hatte etliche Kinder zur Welt gebracht. Es waren so viele, dass Tschanarom Mühe hatte sie alle zu ernähren.

    Und so machte er eines Tages den Vorschlag, Charawee und Burit könnten ja eines oder zwei seiner Kinder adoptieren. Der Vorschlag war nicht uneigennützig. Denn so hätte er mehr Geld für seine geheime Spielleidenschaft zur Verfügung.

    „Danke, Pii Tschanarom. Das ist nett von Dir, dass Du Dir Sorgen machst. Aber wir wollen lieber eigene Kinder haben.“ sagte Charawee. „Irgendwann werden wir auch gesunde Kinder haben, ich weiß es.“

    Tschanarom war enttäuscht. Er ließ es sich zwar nicht anmerken. Denn niemand wusste von den eigentlich verbotenen Lotterien, an denen er heimlich teilnahm. Aber sein Verhalten gegenüber Charawee und ihrem Mann Burit veränderte sich doch. Die beiden wunderten sich zwar etwas über die emotionale Kühle, die ihnen jetzt von Seiten Tschanaroms ab und zu entgegenschlug. Allerdings wussten sie sich darauf keinen Reim zu machen. Sie machten sich aber auch keine allzu großen Gedanken darüber.





    Ein Schicksalsschlag. Vielleicht ist ja eine Sonnenfinsternis ein gutes Zeichen?

    Fortsetzung folgt...

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