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Die Fragen...

Erstellt von hello_farang, 17.07.2007, 02:32 Uhr · 176 Antworten · 22.495 Aufrufe

  1. #171
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wieder wird der Bettenschaffner zweimal erfolgreich weg geschickt, dann ist aber Schluss mit der Party. Wir stehen im Gang rum, waerend er im 30-Sekunden-Takt die Betten macht. Und er scheint bei jedem weiteren Bett sogar noch etwas schneller zu werden, ich glaube der will nur endlich Feierabend machen. Tippa versucht es wirklich, mir das angeblich bessere obere Bett anzudrehen. Waere kein Problem, sie koenne auch unten schlafen. Ja nee klar Schatz, deshalb war mein Bett unten ja auch teurer als deines?! Mit einem Klaps schicke ich sie nach oben in die Koje. Stecke meinen Kopf hinter den Vorhang, damit die anderen Fahrgaeste nicht sehen wie wir uns zum Abschied kuessen. Immerhin, seitdem wir uns kennen das erste mal in getrennten Betten. Natuerlich bleibe ich unten, hallo?! Diese haessliche Leiter runter muessen, wenn man ...... will, oder eine rauchen? Nee danke. Ausserdem pfeift und rattert da oben der Ventilator, ohne Erbarmen und die ganze Nacht hindurch. Und sowieso, ich traue den Sodaten nicht ueber den Weg. Wenn es einer von denen versucht, muss er erstmal an mir vorbei.

    Eine komplett ruhige Nacht, ich penne durch bis morgens um halb Fuenf ungefaehr. Muss ...... und habe Bock auf ne Kippe, also gehe ich zum Ende des Wagons. Der Zug faehrt langsam, sehr langsam. Draussen ist es pechschwarz, dennoch sind schon Menschen unterwegs. Mal sieht man das Licht eines Mopeds, oder die beleuchtete Terasse eines Hauses, aber ansonsten ist es still und schwarz. Ein Blick in die Toilette macht die Falten um meine Augen unwiederbringlich noch ein bisschen tiefer, ein lautes erheitertes Farang-Lachen schallt durch die offene Tuer aus dem Zug. Die Dinger sind ja zum Glueck so gebaut wie eine Wanne, oder wie auf einem Schiff. Wasser und Urin scheinen hier nicht mehr abzulaufen, auch einige braune Wuerste schaukeln wie kleine Fischerboote auf hoher See durch die stinkende Bruehe. Ausserdem muss es einige Mitreisende geben, die Durchfall haben. Ich kann nicht anders, mache die Tuer nochmal auf, gucke rein, und bekomme einen Lachkrampf. Ein Thai, der mit mir dort steht und eine raucht tritt grinsend zur Seite, damit ich aus der offenen Tuer pinkeln kann. Mit der rechten habe ich meinen Luemmel im Griff, mit der linken Hand die Stange am Eingang fest umklammert. Es schuettelt mich nochmal richtig durch vor Lachen bei der Aktion. "Darf man froh sein, ein Mann zu sein?", und ich lasse es grinsend einfach auf den Schotter des Gleisbetts laufen.

    Der Rasta ist wach geworden, kommt zu uns um eine zu rauchen. Eigentlich will er seinen kleinen vorgedrehten Joint rauchen, ist sich aber unsicher. Erst als der Thai verschwunden ist, flammt er den Sticki an, zieht zweimal tief ein, und reicht ihn dann an mich weiter. So entspannt koennte von mir aus gerne jeder Tag beginnen. Ich sehe, wie er zur Tuerklinke greift, will ihn noch davon abhalten, aber es ist zu spaet. Und es lohnt sich, sein entsetztes Gesicht beim Anblick der Toilette beschert mir einen weiteren Lachkrampf, in den der Rasta mit einstimmt. Wische mir die Traenen aus den Augen "Und warte erstmal ab, bis die alle wach werden, und hier Schlange stehen in zwei Stunden. Das wird ein Bild fuer Goetter!" "Yau, das wird ein Spass. Aber ich muss ......, jetzt" Oha, na da hat er mal ein Problem. Er will es in einem anderen Wagon versuchen, aber ich mache ihm wenig Hoffnung, das die Klos dort besser aussehen "...es gibt ja den alten Trick mit dem 100 Baht Schein und dem Schaffner der ersten Klasse. Hat bei mir bisher immer geklappt".

    Ankunft in Bangkok, es muss hier geregnet haben heute Nacht. Und zum ersten mal ist mir in all den Jahren in Thailand kalt. Nicht die Kaelte in einem frozen aircon Internetcafe oder bei 7e11, sondern wie an einem nebeligen Tag Ende Oktober im Fichtelgebirge. Es ist kalt, auch wenn ein Termometer natuerlich das Gegenteil beweisen wuerde.

    Alles um mich herum ist so wie immer, Tippa lacht und begruesst Neng, der mit seinem privaten Pickup gekommen ist um uns abzuholen. Er hat zwei MPs dabei, den einen kenne ich noch vom letzten Mal, wir plaudern kurz und gehen zum Wagen, den Neng genau vor dem Haupteingang dieses wunderschoenen alten Bahnhofsgebaeudes geparkt hat. Der Verkehrspolizist daneben salutiert, als wir kommen. Irgendwo weit hinten in meinem Kopf stelle ich mir kurz die Frage, wieso er nicht auch noch schuetzend Regenschirme ueber uns haelt und die Tueren oeffnet? Aber diese Bilder laufen nur dumpf nebenbei mit. Vielmehr bin ich damit beschaeftigt, diesen eiskalten Windhauch einzuordnen, den anscheinend niemand ausser mir gespuert zu haben scheint. Ich drehe mich sogar nochmal um in der Erwartung, hinter mir einen lachenden Schneemann mit Ruebennase und Kohleaugen zu sehen, der mit einem Kaercher gechrunchte Eiswuerfel auf mich blaest. Aber da stehen nur ein paar Thais an dem grossen Aschenbecher und rauchen.

    Es ist wie bei dem Traum vor dem Unfall. Ich habe zunaechst nicht zuordnen koennen, weshalb ich nur mit einem weissen Bettlaken bekleidet durch ein schweizer Kaufhaus laufe, und nicht raus komme?! Nach dem Unfall konnte ich es, es ging nie um die Schweiz sondern um das weisse Bettlaken und sich nackich machen. Vielleicht war der Penner, der mich vom Bike geholt hat ja auch noch ein Schweizer? Aber das konnte nicht ermittelt werden...

    Die kalte Hand laesst mich in die Runde blicken. Wer war gemeint? Den Hinweis aus der Welt der Geister in Siam habe anscheindend wirklich nur ich bekommen.

  2.  
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  3. #172
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Als wir unser Gepaeck auf der Ladeflaeche verstauen, kommen die Soldaten raus. Ein voellig konfuses dienstliches Salutieren und freundschaftliches Umarmen nimmt seinen Lauf, die einen stehen stramm vor Neng, die anderen verabschieden sich von mir und Tippa. Und zwei lassen es sich nicht nehmen mir zu sagen, das Neng wirklich ein hohes Tier ist und sie ihn kennen aus Kanchanaburi, hat der Farang also doch keinen Unsinn erzaehlt letzte Nacht. Als die Rede auf den Standort der fuenf Soldaten kommt, muss Neng nur muede laecheln. Auf einige Nachfragen und Ansagen wird immer wieder salutiert mit einem zackigen "Khrap!". Ich hoere heraus, es geht darum das verschiedene Personen erfragt werden und ob sie noch dort stationiert sind.

    Da ist sie wieder, diese unglaublich stark ausgepraegte Hirarchie in der thailaendischen Gesellschaft. Der Verkehrspolizist ueberlegt vermutlich gerade ob der ganzen Uniformierten, ob es nicht vielleicht doch einen Pluspunkt bringt, wenn er uns die Tueren aufhaelt. Die Soldaten sind sehr respektvoll gegenueber den drei MPs, versuchen aber durch deutlich gezeigte Zuneigung zu mir ihren Status etwas zu verbessern. Verrueckte Welt, aber ich liebe es. Na immerhin, wenn die Jungs wieder einruecken muessen, dann kennen sie schonmal den zukuenftigen Chef ihrer Militaerpolizei-Einheit. Sie wissen es zwar noch nicht, aber ihr Schaden wird das kurze meeting hier nicht sein.

    Setze mich mit dem einen MP und Tippa auf die Rueckbank, obwohl ich eigentlich viel lieber hinten auf der Ladeflaeche sitzen wuerde. Aber Neng besteht darauf, das wir seiner neuen Anlage lauschen. Die ganze Kabine ist gespickt mit kleineren und groesseren Lautsprechern, eine fette Endstufe wird indirekt blau beleuchtet auf der Konsole zwischen Fahrer und Beifahrer. Neng schaut in den Rueckspiegel, und startet lachend eine Musik-Datei auf dem Display schraeg vor ihm "Boese Onkels, you know?" Mit brachialem Sound haemmert ploetzlich "Auf gute Freunde" los. Die Tieftoener muessen irgendwo in der Rueckenlehne versteckt sein, oder Neng hat ne Massagebank einbauen lassen. Wir sind noch keinen Zentimeter gefahren, stehen immer noch vor Hua Lampong mit zwei offenen Tueren, die Lautstaerke erreicht Konzertniveau. Und im Wagen sitzt ein hadbangender Farang und singt textsicher mit. Die Schlitzaugen von Neng im Rueckspiegel sind nur noch zwei duenne Bleistiftstriche, so muss er grinsen. Ich umarme ihn um die Lehne herum, streichele ihm ueber die Brust und singe dann weiter mit. Er ist sich auch nicht zu fein zu sagen, das dieses Lied und diese Band eine Idee seiner Schwester war. Sie hat ihm die Dateien gegeben als sie erfahren hat, das ich mit Tippa nach Bangkok komme. Ich liebe diese Familie, es ist mir eine Ehre sie zu kennen. Vati und Mutti haben sich vor einigen Jahren getrennt, leben aber in Nachbardoerfern. Die Toechter ihrer gemeinsamen Zeit sind wunderschoen und richtig gut drauf. Die zwei Soehne sind Freunde von mir geworden. Der eine ist Reis-An- und Verkaeufer, der andere eben bei der Militaerpolizei in gehobener Position. Die diversen Enkelkinder sind auch alle gut drauf, haben immer irgendwelche Flausen im Kopp mit dem Farang. Zum Fussball ueberreden, oder mit Spielzeug-Pumpguns auf streunende Nachbarshunde ballern, auf meinen Schultern durchs BigC incl. Kopfeinziehen bei tiefhaengenden Werbeschildern, mit dem Schulbuch der vierten Klasse die Thaischrift versuchen zu lernen, Spass ohne Ende mit den Baelgern.

    Naja, und Neng ist natuerlich ein Bruder im Geiste. Er weiss wann es Zeit ist zu feiern, und wann gehandelt werden muss. Und er macht es wie zum Beweis gleich mal vor. Der Verkehr stockt, wir sind noch nicht mal bis zum Victory Mornument gekommen, da platzt ihm der Kragen. Mittlerweile schreit man uns "Nur die Besten sterben jung" entgegen, Neng zueckt ein rotes Rundumlicht und plaziert es blinkend knapp neben der Fahrertuer oben auf dem Dach, so wie Kojak. Dann schliesst sich die verdunkelte Seitenscheibe wieder. Drueckt einen Knopf, der daraufhin rot aufleuchtet. Warum das sein muss entzieht sich meiner Kenntnis, denn das beim betaetigen des Knopfes erschallende Heulen der Sirene mit ihren kuriosen Intervallen und Tonabfolgen ist trotz Boese Onkelz nicht zu ueberhoeren.

    In Berlin wuerden sich die Spiesser sofort einpinkeln und ihre Reifen kaputtmachen am Bordstein beim Platzmachen fuer die Ordnungsmacht, hier in Bangkok passiert genau gar nichts. Wie auch, wohin sollen die dicht an dicht stehenden Autos denn ausweichen? Nicht mal der Versuch bei einem der vor uns stehenden Fahrzeuge ist erkennbar, aber ist auch egal. Bei uns blinkt es wenigstens und troetet, mai mii panhaa. Neng ist nur am Grinsen und mitwippen zur Musik, ich singe weiterhin die Texte mit, und Tippa wird es langsam etwas unheimlich. Wir fahren zwar erstmal zu ihrer Schwester, um die Taschen loszuwerden, aber danach geht es weiter in die Kaserne. Sie hat mir ja schon erzaehlt, das ihr das nicht ganz geheuer ist. Und meine Versuche, ihr die Scheu vor der Militaerpolzei zu nehmen, waren eher maessig erfolgreich. Sonst so ein selbstbewusstes Maedel, hier ist sie fast aengstlich. Scheint tief zu sitzen, der Respekt vor gewissen Uniformen in Thailand.

  4. #173
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Neng parkt den Wagen direkt vor dem Wohnhaus von Tippas Schwester. Zunaechst steigen die zwei MPs aus, nachdem man uns darauf hingewiesen hatte, erstmal sitzen zu bleiben. Ob sitzenbleiben wohl Bonuspunkte bringt, wenn jemand eine Panzerfaust auf das Fahrzeug abfeuert?! Ein kurzes Nicken von den beiden Personenschuetzern ist das Zeichen dafuer, das wir aussteigen koennen. Ist mir fast etwas peinlich, so habe ich das bisher auch noch nicht erlebt. Tippa schaut mich wieder ziemlich irritiert an, und ich kann es ihr noch nicht erklaeren. Neng hat grundsaetzlich einen oder zwei Begleiter, aber es ist fuer mich das erste Mal, das die Umgebung gecheckt wird, bevor der Chef aussteigen darf?! Die beiden stehen dabei ja nicht rum wie Mr. Bean vor einer kaputten Ampel, sondern haben ihre rechten Haende fest am Colt.

    Ich zwinkere Tippa kurz zu, sie soll sich mal keine Sorgen machen. Elendiger und sofort zum Scheitern verurteilter Versuch, so wie man einem Hundehasser versucht beizubringen, das der kleine liebe Pitty nur spielen will, und nicht etwa beissen. Schatz, wenn Du Dich nicht entspannst werden wir ein Problem bekommen! Ein grosses Problem, denn die Kaserne nachher ist nur ein leiser Vorgeschmack auf das, was uns in den naechsten Tagen erwartet. Sie weiss es noch nicht, Neng hat mich aber bereits informiert. So ein Handy ist schon eine tolle Erfindung.

    Das ich nach Kanchanaburi will in mein Wat, das weiss Tippa. Auch das ich mir dort von dem Phra meines Wats einen Segen abholen moechte. Aber das es mit einer Einheit der Militaerpolizei sein wird, das weiss sie nicht. Wir verstauen unsere Taschen bei ihrer Schwester, ich packe einige Sachen um in eine kleinere Tasche, unter anderem fast auch die Sicherheitsschuhe, die ich die ganze Zeit bereits mit mir rumschleppe. Aber ich ziehe sie an, fuehle mich wie ein Champion. Ab jetzt kann kommen wer will, haette ich die Dinger bloss schon am Railey-Beach angehabt. Der verdammte Englaender haette so die Fresse vollbekommen..., aber letztendlich ist es besser fuer uns beide, das es anders kam. Ich mache einen stillen dankbaren Wai vor meinem Karma.

    Die Soldaten am Eingang salutieren nur, keine Frage danach wer die Zivilisten sind im Fahrzeug. Wenn Cheffe die mitbringt, dann wird das schon seine Ordnung haben. Keine halbe Stunde spaeter bin ich mit dem Sohn von Neng, Tippa, und noch zwei Soldaten auf dem Weg zum 7e11, der sich am Eingang aber noch innerhalb der Kasere befindet. Ich schaue mir jeden Soldaten und seine Reaktion auf Tippa ganz genau an, und ich kann sie alle lachend verstehen. Schick eine thailaendische Playmate durch eine thailaendische Kaserne...

  5. #174
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Erstaunlich gut sortiert der Laden, es gibt sogar Johnny Walker Black Label. Na davon nehme ich doch gleich mal eine Flasche als Anstandsgeschenk fuer Neng mit. Dazu natuerlich das uebliche Zubehoer. Eis, Soda, Knabberzeugs in zum Teil echt grellen Farben. Boo, der Sohn von Neng, stubst mich an und meint etwas verlegen, das Tippa sehr huebsch ist. Ich grinse den hochgewachsenen Zwoelfjaehrigen nur an "Speak to her, not to me!" Das traut er sich dann aber doch nicht, man jetzt verdreht die sogar schon Kids den Kopf. Die beiden uns begleitenden Soldaten haben sich ja bereits an den Anblick gewoehnt und geniessen ihre Naehe. Aber die drei anderen Soldaten, die gerade im Laden anwesend sind, unterbrechen staunend ihr Gespraech, als Tippa an ihnen vorbei schwebt. Vergessen fast zu Gruessen, so sind sie damit beschaeftigt zu realisieren, das allen Anschein nach neue Beute in ihrem Revier aufgetaucht ist. Die Freude waehrt jedoch nur kurz, naemlich genau solange, bis ich an der Kasse das Geld zuecke, und mir Tippa kurz die Brusttasche des Hemdes abtastet. Und danach noch zwei Packungen Krong Thip ordert. Braves Maedchen, sie denkt mit. Denn sonst haette ich gleich nochmal los gemusst, Kippen holen. Oder ich haette Boo geschickt. Im Rausgehen drehe ich mich nochmal zu den drei Soldaten um, die mittlerweile laechelnd akzeptiert haben, das fuer sie nichts zu holen ist.

    Tippa hatte Angst, das sie in einer grossen Baracke pennen muss, als ich ihr von der Kaserne erzaehlt habe. Obwohl sie noch Spaesse gemacht hat darueber, das es bestimmt toll ist, zusammen mit 20 durchtrainierten jungen Soldaten die Nacht zu verbringen. Natuerlich hat Neng mit seiner Familie eine eigene ganz normale drei Zimmer Wohnung auf dem Gelaende, mit freiem Blick auf Don Muang. Als wir mit unseren Einkaeufen zurueck in die Wohnung kommen, turnt Neng bereits oben ohne und in schlabberiger Trainingshose rum. Seine Frau hat Erdnuesse geroestet im Wok, es duftet unglaublich lecker. Zum ersten Mal sieht Tippa den nackten Oberkoerper von Neng, und ist halb geschockt, halb fasziniert. Ich betrachte laechelnd ihr Staunen, irgendwann dreht sie sich zu mir mit grossen Augen und einem Laecheln. Ja Schatz, ich habe dir doch gesagt, der Typ ist von oben bis unten voller Tinte. Alles Yantras, die schuetzenden Taetowierungen aus dem Kloster. Bei seinem Job ja auch nicht verkehrt.

    Wir Maenner sitzen beisammen und trinken den Black Label, die Frauen werkeln in der Kueche rum. Boo weiss nicht so recht, ob er bei Vati und seinen Kollegen sitzen moechte, oder doch lieber Tippa auf den Hintern starren. Faellt natuerlich sehr bald auf, und die Jungs machen sich lustig und kloppen kluge Sprueche. Aber so wie ich vorhin im 7e11 raten sie ihm auch, es Tippa einfach zu sagen. Der Kurze hat ein rotes Dauergrinsen im Gesicht, und natuerlich bekommen Tippa und seine Mutter mit was los ist. Tippa kann manchmal sehr gemein sein. Sie kommt aus der Kueche, und mit einem wirklich gekonnten Hueftschwung laesst sie sich neben Boo nieder, nimmt seine rechte Hand. Der arme Junge weiss gar nicht, wie ihm geschieht. Sie erklaert im kurz, das er ein suesser Junge ist, sie aber nun mal mit dem da -dabei nickt sie in meine Richtung- zusammen ist. Streichelt ihm ueber den Ruecken, dann steht sie mit einem weiteren geilen Hueftschwung wieder auf und geht zurueck in die Kueche. Der Kleine wird heute Nacht seinen ersten feuchten Traum haben, so seelig schaut er drein.

    Das Gespraech dreht sich um den Trip nach Kanchanaburi. Ich telefoniere mit Malte, denn wir werden ja auch durch Nakhon Pathom kommen, und da will ich ihn kurz sehen. Als es um die Absprache der konkreten Daten geht reiche ich das Handy weiter an Neng, der kennt den Zeitplan am besten, denn er hat ihn aufgestellt. Morgen Abend werden wir in Nakhon Pathom sein, einige Stunden bleiben, um dann uebermorgen Frueh im Stuetzpunkt bei Kanchanaburi zu sein.

  6. #175
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Aber heute wird gefeiert. Wir sitzen bis spaet in die Nacht beisammen, es kommen und gehen Kameraden von Nueng. Zum Teil mit ihren Frauen oder Freundinnen und Kindern. Mit Tippa bin ich ein paarmal draussen auf den offenen Gang, um etwas mit ihr zu kuscheln beim Betrachten des Flugverkehrs auf dem Flughafen bei einer Zigarette. Mit 5ex wird das heute nichts mehr, viel zu viele Leute in der Wohnung. Es ist abzusehen, das ich einen Pennplatz auf den Kacheln des Wohnzimmers abbekommen werde, Tippa wenn sie viel Glueck hat einen auf einem der zwei Sofas. Oder umgekehrt, das werde ich nachher mit ihr bestimmt noch handgreiflich eskalierend auskaempfen muessen.

    Suwat ist Nuengs rechte Hand, und mit ihm unterhalte ich mich sehr lange. Er wird natuerlich mit nach Kanchanaburi kommen, und kuemmert sich daraum, mich etwas besser zu informieren. Ausserdem holt er mir auf Anweisung von Nueng zwei schwarze T-Shirts, ein schwarzes Hemd, und eine dunkelgruene Hose aus dem Fundus der Kaserne. Tippa erhaelt die gleiche Ausstattung, bloss natuerlich einige Nummern enger. Auf den T-Shirts steht auf Thai in weissen dicken Buchstaben Militaerpolizei, auf den schwarzen Hemden ebenfalls, plus einem Emblem der Einheit. Bin natuerlich sofort ganz begeistert von den Geschenken, Tippa fragt jedoch nach. Und ja, wir sollen das auf dem Weg zum Stuetzpunkt tragen. Sie bekommt ausserdem auch noch richtige Lederstiefel, meine Treter scheinen o.k. zu sein. Natuerlich ziehe ich mir sofort mein Hemd aus und wechsele in das neue. Dabei kommt wieder kurz mein geschundener Ruecken zum Vorschein, und voller Erstaunen werde ich gefragt, woher die ganzen roten Striemen sind?! Nicke laechelnd Tippa zu, die verschaemt grinsen muss und mir ein Kissen zuschmeisst.

    Von allen anwesenden Maennern inclusive Boo wir sie genoetigt, sich im Schafzimmer umzuziehen. Als sie nach einigen Minuten wieder auf der Bildflaeche erscheint, so in Stiefeln, Armyhose und schwarzem Hemd, mit strengem Pferdeschwanz, sind wir alle platt. Ihr Studenntinnen-Outfit war schon hart an der Schmerzgrenze, aber der Fummel jetzt schlaegt dem Fass den Boden aus. Sieht aus wie eine Amazone, wie Lara Croft auf thai. Und das ist nicht nur die Meinung eines verliebten Farangs, sondern es ist eine einstimmige. Etwas verlegen bearbeitet sie meine untere Rueckenpartie mit einigen nicht ernst gemeinten Tritten, bevor sie sich zu mir setzt und artig salutiert. Es ist mir voellig egal, ob es gegen die Etikette verstoesst, ich nehme sie in den Arm, druecke sie fest an mich, und gebe ihr einen langen innigen Kuss. Die Jungs grinsen und machen Sprueche, nur Boo schaut etwas traurig. Sorry Kleiner, aber fuer diese Frau biste noch ein paar Jahre zu jung, die spielt lieber mit Erwachsenen.

    Natuerlich kommt es so, wie ich es mir schon gedacht habe. Tippa pennt irgendwann auf dem roten Sofa ein, ich werde mit einem Kissen, ner Decke, und dem Fussboden Vorlieb nehmen muessen. Suwat ist derjenige, der am laengsten aushaelt, er verabschiedet sich gegen halb 5 Uhr morgens. Die anderen pennen schon lange, aber wir beide haben irgendwie kein Ende gefunden. Rauchen noch gemeinsam eine Zigarette auf dem Gang, dann verabschieden wir uns. Ich bin zwar einerseits voellig dicht von dem ganzen Whiskey und Bier, aber anderseits stinke ich wie ein dreckiger Farang nach Schweiss. Also steuere ich die Toilette an, setze mich erstmal entspannt hin zum ......, um danach unter die Dusche zu steigen. Nach vielleicht zwanzig Minuten verlasse ich pudelnass das hong nam, und mir schlurft ziemlich verpennt Nueng entgegen. Tja mein Freund, Du hast keinen Urlaub, Pech gehabt. Seine muede Frage, ob ich einen Kaffee haben moechte, beantworte ich dankend ablehnend. Ich will endlich pennen, und nicht wach werden.

    Er weckt seinen Kollegen, der auf der anderen Couch vor Stunden eingeschlafen ist. Noch voellig im Tran salutiert der erstmal, merkt dann aber schnell, das er ja bei Cheffe auf dem Sofa sitzt. Sein Grinsen ist nur fuer ihn, bereitet mir aber grosse Freude. Nicht zuletzt deswegen, weil ich somit jetzt einen vorgewaermten Pennplatz habe, und nicht auf den kalten harten Kacheln liegen werde. "Ba, leo leo!" fordere ich den Militaerpolizisten auf, endlich das Feld zu raeumen. Er lacht mich nur an, streichelt mir ueber den Bauch und steht dann auf. Eine halbe Stunde spaeter sind beide in der Spur, und fahren zum Dienst.

    Um mich herum werden alle langsam wach, waerend ich mich hinlege und wegdaemmere. Ich hoere noch Boo, wie er mit seiner Mutti in der Kueche spricht beim Fruehstueck, dann ein Tuerklappen. Ein zarter Duft von Huehnersuppe oder sowas liegt in der Luft, und jemand scheint fuer Durchzug gesorgt zu haben. Frische klare Luft durchstroehmt die Wohnung. Die zwei Sofas im Wohnzimmer stehen so, das sie sich rechtwinklig fast beruehren in einer der Raumecken. Ich mache mich lang, fingere aber zu einem der Arme von Tippa, die unter ihrer Decke hervorragen. Hat der Soldat das etwa auch gemacht heute Nacht? Sie tastet lachend und mit geschlossenen Augen vorsichtig nach meinem Gesicht, streichelt es. Kneift mir unvermittelt ins Ohrlaeppchen, so das ich ihre Hand wegschlage wie eine laestige Muecke. Na super, jetzt sind wir also beide wach, wir lachen uns an. Sie steht auf, ich bleibe liegen. Nehme mir das Handy und rufe dreimal auf Phuket an, Lek und Harkan, danach noch Bam.

    Die muessen ja alle ueber die erneut geaenderte Reiseplanung informiert werden. Lek und Harkan koennen verstehen, wuenschen uns viel Spass an der Grenze. Bam ist irritiert ob der Idee, will mit Tippa sprechen. Schweren Herzens erhebe ich mich von der bequemen Couch, und bringe Tippa mein Handy in die Kueche. Wie als haette sie es gewusst, erhalte ich von ihr im Gegenzug eine Tasse heissen Nescafe gereicht. Die naechste halbe Stunde sind die beiden am schnattern. Na dann kann ich ja nachher mal wieder eine neue prepaid card kaufen, oder besser gleich drei. Tippa scheint Bam zumindest in sofern beruhigt zu haben, das die Leute hier alle voellig o.k. sind. Dennoch gibt sie Bams Frage weiter "Why we go to the borderline? Its Happy new year?!"

    Ist es das Klima, oder die Turbulenzen der vergangenen Tage? Ich habe Silvester voellig vergessen. Schatz, Du hast vollkommen recht, und Du musst sofort Vanida anrufen! "Tirak, I called my sister already. Muea waan nii - yesterday", dabei streichelt sie mir ganz sanft ueber den Adamsapfel den Hals aufwaerts durch den Bart. Verdammt, und ich wollte mich doch schon in Chiang Mai rasieren. Sie mag es ja, durch meine Stoppeln zu kratzen, ich lasse ihr noch zwei Minuten das Vergnuegen. Dann stehe ich auf, um in meiner Tasche nach dem Rasierer und dem Schaum zu suchen. Ist nicht da, muss beides noch im Badezimmer oben bei Tippas Eltern stehen. Na super, so kann ich nicht unter Leute, schon gar nicht in Klamotten der Militaerpolizei. Also frage ich Boo und seine Mutti, ob es einen Friseur auf dem Gelanede gibt. Muss ihn geben, bloss wo? Boo bietet sich sofort als Begleitung an, er weiss wo. Ich ziehe ein neutrales schwarzes Hemd an, lasse die Armyhose aber an, dazu dann passend die Flip-Flops.

    Der Frisoer ist ein ziemlich alter Mann, und hat seinen Laden einen Block weiter auf dem Gelaende der Kaserne. So frueh am Morgen sitzen die meissten Thais da und warten auf eine Rasur. Mit seinen zwei Kollegen geht das im 3-Minutentakt, ich schaue dem alten Mann bewundernd zu. Er muss fast blind sein, seine Brillenglaeser sind so dick und gewoelbt wie die Flaschenboeden von Sektpullen. Aber mit welcher Selbstverstaendllichtkeit und Routine er die Soldaten rasiert im Schnelldurchlauf, das fasziniert mich.

    Irgendwann komme ich an die Reihe, und anscheinend kann er immerhin doch noch hell von dunkel unterscheiden. Er winkt mich ran, freut sich ueber meine Groesse als ich vor ihm stehe. Jetzt, wo ich ihm direkt ins Gesicht schauen kann erinnere ich mich auch daran, woher ich ihn kenne: Es ist Hans Maulwurf aus The Simpsons. Hans fragt mich, woher ich komme? "Berlin, joereman" Seine Antwort sind vier Worte auf deusch "Deutschland gut,...", die zwei anderen werden in Deutschland mit Geldstrafe oder Gefaengnis bestraft. Der Pinsel mit dem er in Sekundenschnelle einen weissen Schaumteppisch ueber meinem Bart verteilt, ist bestimmt noch aus seinen Lehrtagen. Neben dem Spiegel haengt ein Lederriemen, und er schaerft daran ein in die Jahre gekommenens Rasiermesser. Nach weiteren zwei Minuten bin ich im Gesicht glatt wie ein Babypopo. Er fragt mich, ob ich auch die Haare geschnitten haben moechte, ich bejae das. Ein kurzer Spruch rueber zu einem seiner Kollegen, und die wartenden Soldaten werden etwas laenger warten muessen. Der Chef macht jetzt erstmal dem Farang die Haare schoen. Bei der Rasur hatte ich ja noch ein gutes Gefuehl, aber ob der blinde Mann mich jetzt nicht doch verunstaltet? Drei Scheren plus ein elektrischer Langhaarschneider kommen zum Einsatz, in Windeseile sehe ich aus wie ein Rekrut. Militaerhaarschnitt vom Feinsten. Tippa findet es sehr schick, zur Belustigung seiner wartenden Kunden fragt der alte Mann sie, ob sie auch solch einen Haarschnitt haben moechte? Sie spricht ihn lachend und grinsend mit Phi an, streichelt ihn und laesst ihn ihre Haare anfassen. Damit er "sieht", wie lang sie sind. Es folgen noch ein paar Sprueche auf thai von ihm, und er lacht dabei. Alle im Raum lachen. Gekostet hat die Rasur und der Haarschnitt nichts, das laeuft in einer Kaserne anscheinend anders. Mir faellt die fast leere Packung Krong Thip in seiner Hemdtasche auf im Spiegel. Ich lege eine der vollen meiner Packungen auf den Frisiertisch, er scheint es nicht zu bemerken. Oder er uebersieht es dezent.

    Als wir den Frisoersalon verlassen, setze ich mir meine Sonnenbrille auf. Das Licht und die Helligkeit sind brachial. Ich will von Nueng auf alle Faelle auch noch Basecaps mit Stickerei haben, wenn schon denn schon. Noch besser waeren ja gleich Helme. Und ich erinnere mich daran, das Suwat gestern Abend Tippas und meine Kopfgroesse vermessen hat mit einem Massband, ganz sachlich und quasi im Vorbeigehen. Soldaten mustern uns, wissen nicht Recht was sie von uns halten sollen. Salutieren, gruessen? Auf alle Faelle erstmal Tippa anglotzen, ist eh klar. Aber der Farang ohne Abzeichen neben der Braut auch ohne Abzeichen, beide dennoch mehr oder weniger in Uniform und mit korrektem Aeusseren? Was sind das fuer welche? Vorsichtshalber wird meisstens mit Salut gegruesst. Ob ich als Ungedienter nun zuruecksalutieren soll oder nicht, die Frage stellt sich mir nicht. Und Tippa auch nicht, denn wir beide erwiedern den militaerischen Gruss. Boo kennen natuerlich einige Soldaten, und nach der Repektbezeugung uns gegenueber fragen sie ihn, wer wir denn sind? Er erklaert, Freunde von Vati, dann folgt meisstens ein handshake mit den Soldaten, sie entspannen sich.

    Im 7e11 greife ich nach einem Gillette dual-Klingen-Nassrasierer, und stehe dann fragend vor den Dosen mit Rasierschaum. Aber wozu hat man denn seine Freundin dabei, soll sie doch sagen, welcher Duft ihr am besten gefaellt. Sie schnuppert an den vier verschiedenen Geruchsrichtungen, entscheidet sich dann lachend fuer eine weitere in einer rosa Dose. Es ist das Zeug fuer die Damen, um sich die Beine zu rasieren. Ich liebe sie dafuer, und natuerlich nehme ich die blau-schwarze Variante fuer robuste Maennerbaerte.

  7. #176
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Robert ruft an, er hat meine VW-Aktien versilbert, und die Knete ist bereits auf meinem Konto. Berichte ihm, das hier alles drunter und drueber geht, quasi kein Termin gehalten wird. Und wie ich doch so manches Mal die deutsche Puenktlichkeit und Disziplin vermisse. Unser Gespraech endet mit meinen Worten "Danke vielmals, und einen guten Rutsch!", dann lege ich auf.

    Neben uns rollt ein Pickup, als ich das Handy weggepackt habe schaue ich rueber. Es ist Suwat, der hinter seiner Sonnenbrille breit grinsend darauf wartet, das ich ihn bemerke und er endlich salutieren kann. Bleibe stehen und hebe die Hand zum Gruss kurz ueber die rechte Schlaefe, er dann natuerlich auch. Zeigt erst neben sich auf den Beifahrersitz, dort liegen zwei Basecaps und zwei Helme, und zwei dieser haesslichen Urwaldhuete "For you!", dann winkt er uns hinten rauf und faehrt uns zur Wohnung von Nueng. Die Basecaps sind super, die Helme der Hammer. Nicht aus Stahl, sondern aus einem synthetischen Gemisch aus Keflar und Harzen, federleicht die Dinger. Mattschwarz, mit einem weissen Streifen drumherum, auf dem sowohl auf thai, als auch auf englisch in schwarz "Militaerpolizei" steht. Ich grinse ihn an, die Dinger sind ja wohl .....?! "The helmets only for rent, all the other stuff is for free" Nee klar, wenn mir die Birmesen nicht ein Loch reinmachen, dann bekommste den zurueck.

    Beim Aussteigen stosse ich mir natuerlich erstmal heftig die Ruebe, thailaendische Soldaten scheinen kleiner zu sein als ich. Vielleicht passen sie unter dem durch eine Konstruktion von zusammengeschweissten Eisenrohren gehaltenen Verdeck durch. Ich nicht, und nur meiner schnellen Reaktionszeit ist es zu verdanken, das ich nicht mit einer breiten roten Platzwunde quer ueber die Stirn ruecklinks auf der dunkelgruenen Ladeflaeche liegen bleibe und Sterne zaehle. Das "Koja!" von Tippa kommt zu spaet, ich hoere es erst, als ich mich bereits wegducke. Passt nicht ganz, meine Schaedeldecke schrammt mit einem dumpfen ´klonk´ an einer der Querstreben entlang. Ein erstauntes "Ui Koja" von hinter mir, aber ich bin bereits am grinsen. Hase, Du trittst und schlaegst mich, seitdem wir uns kennen. Und jetzt auf einmal so fuersorglich...?!

    Meine Rettung ist der Besuch bei Hans Maulwurf vorher, ohne seine Scherenhaende haette ich es niemals geschafft, nur mit einer Schuerfwunde davon zu kommen. Bei dem ersten Rohr zieht es am Kopf, bei dem zweiten am Ausstieg ist meine Peilung nicht genau genug. Verdammt, mein nagelneuer Helm liegt vorne bei Suwat in der Pickup-Kabine. Der Impact gleicht dem, wenn man von einem fuenfzehnjaehrigen Halbstarken eine Eisenstange uebergezogen bekommt. Mit einem leicht duemmlichen Grinsen setze ich mich hin, Tippa ist total suess und fummelt an meinem Hemd rum. Ich blicke sie leicht irritiert an. Weiss nicht, was sie von mir will. Mir reichen Hans und Suwat mit ihren Faxen. Bitte Schatz, komm Du jetzt nicht auch noch dazu?!! Doch, sie probiert an mir den Helm aus, und an sich ihren eigenen. Passen beide, kann man ja auch noch einstellen mit einem Klettband. Und wieso muss Nong Nueng unbedingt im vierten Stock wohnen? Und wieso gibt hier einen verdammten geilen Lift? Und wieso kannst du mit den Helmen nicht warten, bis wir oben sind? Manchmal koennte ich sie wirklich einfach nur uebers Knie legen und ganz lieb verdreschen. Ueberlege noch muede als Suwat geht, ob ich nochmal unter die Dusche huepfen sollte? Bin aber zu faul, liege neben Tippa auf der zweiten Couch, wie vor gar nicht allzulanger Zeit schonmal. Wir haben noch ungefaehr sieben Stunden Chillen, und dann geht es los in Richtung wilder Westen mit der Truppe. Ich mache den Kopp einfach zu, und penne sofort ein, Tippa findet jedoch den Weg auf meine Couch, sie will nochmal kuscheln. Mehr als "Bettdecke" ist aber heute nicht mehr drin, sie kann sehr gerne auf mir schlafen. Aber sie braucht nicht zu versuchen, irgendwelche unsittlichen Aktionen zu starten. Dazu bin jetzt weder Willens, noch faehig.

  8. #177
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir daemmern so vor uns hin, gucken Fernsehen. Irgendwelchen thailaendischen daily soap Unsinn, staendig unterbrochen von durchgeknallter Werbung. Ich finde die Pausen lustiger als die Serie. Nach drei Stunden kommt Suwat zurueck, hat einige Zettel und eine Kamera dabei. Dafuer, das wir Zivilisten mit den Militaers an die Grenze fahren, brauchen wir eine Art Besucher-Ausweise. Auf Tippas ID steht, sie ist 172 cm gross, 23 Jahre alt, und hat braune Augen. Groesse und Alter moegen stimmen, aber nur bei ganz genauem Hinschauen kann man eventuell und bei guten Lichtverhaeltnissen etwas braun erkennen. Ansonsten hat sie pechschwarze Augen. Na egal, Suwat schreibt die Daten ab, dann macht er ein Portraitfoto von Tippa. Wie auf der ID darf sie nicht laecheln, und muss frontal in die Kamera schauen.

    Dann komme ich an die Reihe. Bei meinem Reisepass ist er zunaechst leicht ueberfordert, findet sich aber laechelnd dann doch zurecht. Bei meinem Geburtsjahr beginnt er umzurechnen auf thai time, um erstaunt festzustellen, das ich ja schon 35 bin. Er haette mich hoechstens auf 30 geschaetzt, ich bedanke mich hoeflich mit einem Wai bei ihm, kann mir aber einen grinsenden Blick zu Tippa nicht verkneifen. Auch ich muss mich an die Wand stellen, frontal in seine Kamera blicken, und er macht ein Bild von mir. Dann faehrt er fort, das Formular auszufuellen, die Daten aus dem Reisepass abzuschreiben. Irgendwann kommt er bei Augenfarbe an, und das mit einem Nadeldrucker schwach auf das Papier gebrachte ´Blau´ sagt ihm nichts. Er schaut mich fragend an, zeigt auf die Stelle im Reisepass. Meine Antwort "Blue, sii faa", Tippa faengt schon an zu lachen. Denn Suwat kommt naeher, um nachzuschauen. Unsere Nasen beruehren sich fast, und er staunt "Ui, I see blue, green, and brown?! You have eyes like a cat! Do you wear lenses?" Er meint wohl Kontaktlinsen, ich verneine grinsend "No, its natural" "Never before I saw eyes like yours..." und er ueberlegt, was er denn nun eintragen soll in das Formular. Wir einigen uns auf Blau bzw. sii faa, so wie im Reisepass. Als er mein Dokument bis zum Ende durchgeblaettert hat, fallen natuerlich die beiden gefalteten 500 Baht Scheine heraus, die obligatorisch immer zwischen der letzten Seite und dem verstaerkten Ruecken des Passes deponiert sind. Er grinst mich an, schiebt mir die Scheine ueber den Tisch. Natuerlich waren die nicht fuer ihn gedacht, sondern sind eiserene Reserve fuer den Flughafen, oder Bestechungsgeld. Da er unsere Ausweise mitnimmt, packt er die Kohle natuerlich nicht wieder zurueck, sondern gibt sie mir.

    Zu seiner Assoziation mit den Katzenaugen erzaehlt ihm Tippa auf thai, das es auch ihr erster Eindruck war, als sie mir tief in die Augen geschaut hat. Gemeinsam setzen sie sich dicht vor mich, und analysieren nochmal ganz fasziniert den Farbverlauf meiner Iris. Als Tippa etwas zu nah an mein Auge kommt mit ihrem zeigenden Finger, blitze ich sie kurz an. Suwat muss erstaunt lachen, so oft sieht er keine sich ploetzlich verengenden Farang-Pupillen aus dieser kurzen Distanz. Weil es so schoen ist, gucke ich ihm noch einen sehr langen Moment fest in die Augen, bis wir beide anfangen zu lachen. Er schuettelt nur den Kopf, und freut sich. Aber wie schon so oft erlebt, geheuer ist ihm mein bohrender Blick ganz und gar nicht. Trotzdem muss er nochmal hinschauen "Its like facing a twilight zone..." Zum Glueck ist er verheiratet mit einer sehr lieben Thai und hat zwei suesse Kids, sonst wuerde ich mir bei seinem Laecheln jetzt etwas Sorgen machen, wie er es meint.

    Suwat zieht los, will in zwei Stunden wieder hier sein. Nuengs Frau packt einen grossen Koffer und eine Reisetasche fuer ihren Mann, dann kocht sie uns etwas. Ich gehe vorher noch schnell duschen, aber als ich fuenf Minuten spaeter mit einem Handtuch um die Huefte aus dem Badezimmer komme, steht das Essen schon dampfend und duftend auf einer Matte vor dem Fernseher, und die Damen futtern bereits. Ich muss mir in Deutschland unbedingt einen Wok und so einen Reiskocher kaufen, die Dinger sind ja genial. Schnappe mir eine frische Unterhose und die neue Armeehose, verschwinde nochmal schnell im Bad, um mich anzuziehen. Waere ich mit Tippa alleine, ich haette mich auch nur im Lendenschurz zum Essen hingesetzt.

    Nuengs Frau sieht zum ersten Mal so wirklich meinen Ruecken und staunt. Weniger ueber die Barcodes von Tippa, aber ueber die grosse gerade erst zugewachsene offene Stelle auf meinem linken Schulterblatt. Und ueber die Narben vorne, da wo der gesplitterte Schluesselbeinknochen das Fleisch durchstochen hatte. Sie steht auf und holt einen neutralen kleinen Tiegel aus Glas mit Schraubverschluss, dahin eine weissliche Paste. Schmiert mir damit die Stellen ein. Ein angenehmer leichter Duft, der mich etwas an Pfefferminze erinnert, steigt mir in die Nase. Und es kuehlt, so schoen wie Eisspray. Tippa gibt ihr den Hinweis, das auch mein Jochbein hin ist, also bekomme ich auch dort vorsichtig etwas von dem Zeug hingerieben. Aber beim ersten Darueberstreichen zuckt Nuengs Frau erschrocken zurueck, als sie die tiefe Delle im Knochen spuert. Ihr Zeigefinger passt fast komplett rein, und ich weiss selbst noch nicht, wann ich mich daran gewoehnen werde, das mir ein Teil dieses Gesichtsknochen fehlt. Vor drei Tagen erst hat mir Tippa mit einer Pinzette wieder zwei der vielen kleinen Splitter rausgezogen, die nach und nach durch die Haut gedrueckt werden.

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