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Die Fragen...

Erstellt von hello_farang, 17.07.2007, 02:32 Uhr · 176 Antworten · 22.506 Aufrufe

  1. #131
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Mali geht mit Bruce und Lee rueber in ihr Haus, auch sie wollen sich noch frisch machen fuer das dinner. Tippa huepft nach oben, ich hoere sie unter der Dusche singen. Setze mich nach draussen um eine zu rauchen. Viel kann man in der Dunkelheit nicht erkennen, aber die Haeuser hier sind alle neu und gross, so als waeren Sponsoren aus Europa am Werk gewesen. Die Grundstuecke sind mit hohen Metallzaeunen eingefasst und gesichert, vor mir eine Rasenflaeche die von der Einfahrt zur Garage und dem Weg zum Haus unterteilt wird. Die kleine Antenne auf dem Rolltor signalisiert mir, das man nicht aussteigen muss wenn man mit dem Wagen ankommt und auf sein Grundstueck moechte. Hecken links und rechts bieten Sichtschutz zu den direkten Nachbarn, alles ist sehr gepflegt. Man wo bin ich hier bloss gelandet? Die Huette und das Grundstueck muessen Millionen von Baht gekostet haben.

    Als ich wieder rein gehe kommt Tippa gerade die Treppe runter, und ich sinke mental auf die Knie vor ihr. Meine Fresse, wie schafft sie es nur immer wieder, noch ein bisschen huebscher auszusehen als beim letzten Mal? Sie hat ein langes Kleid an, rot mit weissen Tupfen drauf im Stil der siebziger Jahre. Als sie unten angekommen ist fragt sie mich laechelnd, warum ich so glotze? Antworten tue ich nicht, nehme sie nur mit beiden Haenden ganz fest am Hintern und presse sie gegen meine Lenden und kuesse sie. Kautschai mai, Tirak? Ich liebe Dich verdammt nochmal, und wieso musst Du es mir so leicht machen?

    Sie wischt mir grinsend den Lippenstift vom Mund, und zieht ihren nach, dann schluepfe ich in die Slipper und wir verlassen das Haus. Gehen rueber zu Mali und den Jungs, welch ein Wunder das pee Chang auch dort ist. Der Wagen steht vor der Tuer, und so langsam wird mir klar das er gar kein Nachbar, sondern ein Verwandter ist. Er ist der Mann von Mali und Vater von Bruce und Lee.

    Die Fahrt durch die Stadt zum Restaurant verbringen Tippa, ich, und die Jungs hinten auf dem Pickup, Mali sitzt vorne bei pee Chang. Die zwei LKWs aus Franken kurven ueber die Strohmatte auf der Ladeflaeche, es scheinen zwei gute Geschenke gewesen zu sein. Ich betrachte meine suesse Freundin, sie scheint etwas nervoes zu sein. Immerhin hat sie ihre Eltern fast zwei Jahre nicht mehr gesehen. Versuche ihr etwas von der Anspannung zu nehmen indem ich ihr sage, das ich ihre Eltern noch gar nicht kenne und ebenfalls gespannt bin. Sie legt ihren Kopf an meine Schulter, greift mit ihrem Arm um mich, und seufzt. Die Jungs sind so frech wie alle Kids in Thailand. Als sie sehen das wir uns festhalten beginnen sie, einen Kussmund zu machen und zu lachen "Tippa rak Koja, Koja rak Tippa". Ich laechele, aber Tippa will ihnen am liebsten ein paar kleben. Die Kurzen lachen nur noch mehr und machen weiter, wenn auch aus sicherer Entfernung an der Heckklappe.

    Der Wagen stoppt am Ufer des Flusses, wir steigen ab. Na so ganz ausserhalb liegt das Restaurant also nicht, Tippa meinte damals wohl eher am Stadtrand von Chiang Mai. Dann gehen wir rueber zum Restaurant ´Phar Lap´. Es liegt an der Ecke Loi Kroh Road und Charoenprathet Road, also fast direkt am Mae Ping und ganz in der Naehe vom Night Bazaar. Der Laden ist brechend voll, nur ein Tisch ist noch unbesetzt, zu dem werden wir gefuehrt denn er ist fuer uns reserviert. Als Tippas Mutti zu uns kommt ist mir sofort klar das sie es ist, denn sie und ihre Tochter haben die selben Gesichtszuege. Mich verwundert es nicht, das die Begruessung zwischen ihnen eher kurz und knapp ausfaellt, so sind die Thais eben. Ich stehe auf und verbeuge mich mit einem "Sawat dii khrap" plus Wai, sie fragt gleich "You are Koja?" "Khrap", wen haette Tippa auch sonst heute mit anschleppen sollen? Sie schaut einen Moment, dann laechelt sie mir freundlich zu. Gut, die erste Huerde ist geschafft. Papa ist anders drauf, er steht hinter dem Tresen und bedient Kunden, laesst sich aber sofort vertreten als er uns sieht. Kommt rueber an unseren Tisch, und herzt erstmal seine Tochter. Dann legt er mir seine Hand auf die Schulter, bevor ich ihn ueberhaupt begruessen kann. "Koja? Welcome!" Ich bin baff, mache jedoch trotzdem einen weiteren Wai und begruesse ihn mit "Sawat dii khrap". Er klopft mir nochmal auf die linke Schulter, bitte Vati, naechstes Mal die andere. Mir fiepen die Ohren vor Schmerzen, aber ich verziehe keine Miene obwohl er genau die Bruchstelle getroffen hat. Nur Tippa weisst ihn darauf hin das diese Schulter die kaputte ist. Er bekommt einen Schreck, ich beruhige ihn "Mai mii panhaa", obwohl es nicht stimmt. Ich muss tief durchatmen und mich auf den Schmerz konzentrieren, um ihn zu ueberwinden.

    Der Vater fragt uns was wir trinken wollen, winkt eine Kellnerin mit an den Tisch. Sie notiert unsere Wuensche und kuemmert sich drum. Tippas Mutter ist wieder in der Kueche verschwunden. Ich blicke mich um, das Restaurant ist sehr nett und gemuetlich eingerichtet, ueberall stehen und haengen Pflanzen in Kuebeln. Beeindruckend die Getraenkeauswahl an der Bar, da kann so manche gute Kneipe nicht mithalten. Die Besucher sind zur Haelfte Thais, die andere Haelfte Farangs. Als die Maus die Getraenke bringt passe ich einen Moment nicht auf, und schon habe ich Eiswuerfel im Bierglas. Vati stellt sich wieder hinter den Tresen, es ist wirklich gut was los hier.

    Es wird typisch thai bestellt, von allem etwas, nur ich bekomme eine Extraportion Tofu in Erdnusspaste. Ansonsten stehen nach ein paar Minuten jede Menge Teller mit Huhn, Fisch, Gemuese, und Fleisch auf dem Tisch, zwei grosse Schuesseln Reis, verschiedene Sossen und Gewuerze. Sieht alles superlecker aus, bei dem gegrillten Fisch in Kraeutersud koennte ich fast schwach werden. Mutti kommt kurz aus der Kueche und fragt ob es uns schmeckt, mir sagt sie das es absolut vegetarisch ist was ich esse, kein nam plaa mit dran. Pee Chang und ich teilen uns ein grosses Bier, kaum ist es alle bringt die Bedienung ein neues ohne das wir etwas haetten sagen muessen. Diesmal kann ich aber die Eiswuerfel erfolgreich abwehren, obwohl die Kleine zweimal mit einem frechen Laecheln versucht mir wenigstens einen ins Glas zu schmuggeln. "Mai ao khrap" laechele ich sie an, Tippa legt mir unter dem Tisch die Hand aufs Bein und drueckt zu. Ja Schatz ich weiss, ich soll sie nicht so nett angucken. Kann doch nichts dafuer, das Deine Eltern eine solch niedliche Kellnerin einstellen. Blicke Tippa tief in die Augen, Bruce und Lee machen gleich wieder Kussgeraeusche und alle muessen lachen.

    Auf der kleinen Buehne im Restaurant beginnt ein thailaendischer Saenger mit seinem Programm, spielt Lieder von Carabao, den Stones, the Doors. Oder was sich Leute von ihm wuenschen, er hat ein grosses Repertoire und eine tolle Stimme, kann gut Gitarre spielen. Mali meint, man kann auch selber singen wenn man mag, ihren auffordernden Blick lehne ich dankend ab, da bekommt mich niemand rauf. Dafuer steht Tippa ploetzlich auf, geht rueber und redet kurz mit dem Musiker. Dann nimmt sie das Mikrofon, und singt begleitet von Gitarrenspiel eines der typischen langsamen Thailieder, guckt mich dabei die ganze Zeit an. Singen kann sie also auch, und wie. Pee Chang bufft mich an, "It is a love song for you" zwinkert er mir zu. Habe ich mir schon gedacht, denn auch andere Thais im Restaurant blicken mich an und laecheln. Sie erntet fuer den Auftritt viel Applaus, einige farangs pfeifen begeistert. Ich sehe nach, wie Vati hinterm Tresen reagiert? Er steht da, bewundert seine Tochter und laechelt dann zu mir rueber. Als sie wieder zum Tisch kommt bin ich verlegen, saeusele nur "Tirak, khun na rak tschaang loeoei. Khoop khun khrap" Sie strahlt "Koja I love you", verdammt was war das fuer ein schoenes Geschenk.

    Ich weiss nicht warum, aber ich stehe auf und gehe auch zu dem Musiker. Frage ihn ob er ´Ring of fire´ von Johnny Cash kennt? Klar kennt er es, spielt es kurz an, ich nicke und greife zum Mikro. Herrje, seit Jahren das erste Mal das ich wieder was singe, hoffentlich liege ich nicht komplett daneben mit meiner Stimme. Aber zum Glueck ist es ja ein tiefes Lied, ausserdem das einzigste was ich auswenig kann. Schon bei den ersten Worten ´Love is a burning thing´ beginnen Leute zu johlen und zu klatschen, ich singe weiter und wundere mich das ich dabei so ruhig bleibe. Waerend des Refrain schaue ich nochmal nach Vati, er steht da und laechelt. Bei ´The taste of love is sweet -when hearts like our´s meet´ strecke ich meine Hand in Richtung Tippa, sie sitzt ca 10 Meter entfernt und freut sich wie ein kleines Kind im Spielzeugladen. Nach dem letzten ´Ring of fire´ Applaus des ganzen Restaurants, wieder johlen und pfeifen einige. Ich bedanke mich auf englisch und thai beim Publikum und dem Gitarristen, dann gebe ich das Mikrofon zurueck. War doch nicht so schlimm wie ich gedacht hatte, aber ein komisches Gefuehl ist es schon auf einer Buehne zu stehen und vor fremden Leuten zu singen. Gesehen habe ich eigentlich nur Tippa, konnte bis auf den kurzen Blick zur Bar nur sie angucken.

    Beim Zurueckgehen durchs Restaurant erhobene Daumen, Laecheln. Ich muss grinsen, au man was habe ich da nur wieder gemacht. Noch offensichtlicher konnten wir ja nun nicht ausdruecken, das wir uns lieben. Und das vor Papa und der Verwandtschaft, vielleich hat es ja auch Mutti in der Kueche gehoert. Erst als ich wieder sitze merke ich, das mein Herz pocht wie nach einem Hundertmeterlauf. Tippa nimmt meine Haende und drueckt sie ganz fest, ihre Augen leuchten, und fuer eine Sekunde beruehren sich unsere Nasenspitzen. Kuessen ist hier nicht, aber das muss auch gar nicht sein in diesem Moment.

  2.  
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  3. #132
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    "You have beautyful voices", sie hat es also doch gehoert. Mutti steht ploetzlich hinter uns, streichelt Tippa und mir ueber den Ruecken. Mir kommt es vor als gibt sie gerade ihren Segen zu unserer Beziehung, und ich bringe auf Anhieb nur ein "Thank you" raus. Die huebsche Bedienung bringt Nachtisch, fuer die Jungs Eis, ausserdem Kuchen und Pudding. Ich weiss gar nicht war ich dazu sagen soll, also lasse ich es einfach. Tippa hat mir bereits klargemacht, das wir natuerlich nichts bezahlen muessen, sind ja schliesslich im Lokal ihrer Eltern zu Gast.

    Das mit dem Kennenlernen hat also geklappt. Ihre Mutti ist eine ganz liebe Frau, wenn auch sehr beschaeftigt. Tippas Vati ist ein richtig prima Typ, ich schaetze ihn vom Alter her ein so wie pee Chang, um die Fuenfzig. Aber ein jung gebliebener durch das Restaurant, und den Umgang mit Touristen auch sehr locker drauf. Habe nichts erwartet, aber mir die Eltern strenger vorgestellt. Irgendwie traditioneller, mehr auf die klassischen Werte Thailands achtend nachdem was Tippa mir erzaehlt hat. Der erste Eindruck ist fuer mich sehr positiv. Vielleicht aendert sich das morgen, wenn wir zu viert alleine im Haus sind.

    Die Kids sind muede, und auch Tippa und ich sind ziemlich geschlaucht von dem langen Tag. Also brechen wir nach dem Nachtisch auf. Verabschieden uns natuerlich bei den Eltern, die noch ein paar Stunden aushalten muessen. Dafuer sind sie ja auch nicht mitten in der Nacht aufgestanden. Ich bin sehr froh, als ich wieder auf der Ladeflaeche des Pickup von pee Chang sitze, zusammen mit Tippa und den Jungs. Die beiden pennen zwar mehr oder weniger sofort ein in unseren Armen, aber trotzdem geniesse ich die halbe Stunde zusammen mit Tippa. Endlich wieder ein paar Kuesse austauschen, dezent aneinander riechen und reiben ohne die Kurzen zu wecken. Lee ist bei mir auf die Oberschenkel gefallen und eingeschlafen, ich ziehe ihm eine der Decken drueber. Wie die immer so schnell Vertrauen fassen zu fremden Menschen? Kids eben, aber das kann ja auch mal gefaehrlich werden. Immerhin ist es keine sechs Stunden her, das sie mich zum ersten Mal gesehen haben.

    Tippa kann gar nicht aufhoeren mein Gesicht zu streicheln, sagt immer wieder wie schoen sie es fand das ich fuer sie gesungen habe. Na was soll ich dann erst sagen? Dein Lied war der Hammer, ich habe doch nur einen Uraltsong von 1963 gesungen. Gut, sie weiss wie schwer mir sowas faellt, ich habe schon auf Phuket bei Bam jegliches Karaoke-Gedoehnse abgelehnt. Obwohl sie auch viele farang-Lieder da hatten, habe ich mich immer verweigert. Schatz, haettest Du nicht gesungen, ich haette es doch auch diesmal nicht gemacht. Sie will, das ich das Lied nochmal singe. Ich schuettele mit dem Kopf, bis sie zuckersuess und unter vielen Kuessen sagt "Koja, for me. Please" Also gut, nur fuer Dich und ganz leise. Ihren Kopf legt sie auf meinen Brustkorb, um die tiefe Stimme und die Virationen besser wahrnehmen zu koennen. Oder auch nur um nahe bei mir zu sein, ich weiss es nicht. Sie guckt dabei hoch an mir, betrachtet meinen Hals und den huepfenden Kehlapfel, fasst mir unter das Kinn um die Stimmbaender zu spueren. Ich singe in die warme Nacht, die an uns vorueberzieht und hinter der Heckklappe zu einem schwarzen Vorhang wird. Pee Chang hat sich fuer die Umgehungsstrasse entschieden, es geht durch kaum bebautes Gebiet und um uns rum sind nur Wald und die Berge.

    Zuhause angekommen versuche ich Lee zu wecken, erfolglos. Sein Vater steigt aus und hebt ihn von der Ladeflaeche. Ich kann es nicht, denn sein Gewicht wuerde mir wieder die Schulter brechen, wenn ich es probieren wuerde. Ein schnelle Tschuess, dann verschwinden Tippa und ich im Haus von ihren Eltern. Sie fragt mich, ob ich noch ein Bierchen haben moechte, schaltet die Glotze an. Ich lasse mich auf die groesste der Holzstulpturen fallen, mache es mir bequem. Und sie es sich auf mir, Platz genug ist ja. Bin langsam echt fertig von dem langen Tag und den ganzen neuen Eindruecken, aber wir verschmelzen zu einem Koerper, Haende und Arme ueberall. Ich sehne mich nach einer Dusche und dem Bett, wie schoen muss es wohl sein endlich lang ausgestreckt dazuliegen und einzuschlafen? Aber sie wird es mir so schnell nicht goennen, das weiss ich. Und das erwarte ich auch von dem suessen Ding.

    Das Bier ist schnell geleert, also schalten wir den TV ab und gehen nach oben. Erstmal duschen, und da wir alleine sind machen wir es natuerlich gemeinsam. Wie schoen das man sich bereits kennt, und nicht bei jeder dieser Gelegenheiten uebereinander herfaellt. Einfach nur streicheln, sich einseifen und abbrausen, ohne Zwang denken wir uns. Falsch gedacht, ich muss dann doch mal schnell rueber ins Zimmer und aus meiner Reisetasche ein Kondom holen. So ein Mist, die Dinger gehen mir langsam aus. Aber unter der Dusche hat zwei Vorteile: Erstens man ist bereits nackt und zweitens, man steht bereits unter der Dusche. So muss man nicht zweimal duschen gehen.

    Als wir endlich erschoepft ins Bett kippen bin ich so froh wie selten in den Tagen und Wochen zuvor. Was fuer ein Tag, es hat mal wirklich alles geklappt. Wir sind gut angekommen in Chiang Mai, haben in Bangkok sogar noch den Moenchen ihr Essen fuer den Tag geben koennen. Kein Stress, viele neue nette Leute kennengelernt, meine Gesangseinlage ist gut angekommen und nun liege ich mit meiner Freundin im Haus ihrer Eltern, und die haben nichts dagegen. Ich greife mir Tippa, ziehe sie zu mir auf meinen Koerper, halte sie fest. Ich will spueren, das es kein Traum ist. Sie schnaubt durch die Nasenloecher weil sie lachen muss, ich kuesse sie dafuer. Ihr langes Haar faellt ueber mein Gesicht, dann schlafe ich ein.

  4. #133
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Sie liegt neben mir als ich aufwache. Draussen ist es bereits hell, ich nehme mit schmalen Augen das Handy ins Visier und schaue nach der Zeit. 7:23 Uhr, au man. Wieso kann ich in Thailand nie richtig auspennen? Schleiche mich ins Badezimmer, Tippa schlaeft tief und fest wie ein Stein. Unten im Haus hoere ich bereits Geraeusche aus der Kueche, es duftet wieder mal nach dem Klebreis. Setze mich auf das europaeische Klo und entlasse eine maechtige braune Wurst in die Kanalisation, danach stelle ich mich unter die Dusche, nutze nur den Hahn fuer das kalte Wasser. Ganz langsam werde ich wach, denke an den gestrigen Abend. Da kommen garantiert nochmal Kommentare von den Eltern, es kann gar nicht anders sein. Dafuer war das Ganze viel zu oeffentlich. Mir egal, ich bin nur Gast, vielleicht ihr akzeptierter Freund aus Europa, der sich kurios benommen hat. Das muessen sie mir nachsehen, der farang-Bonus. Was Tippa gemacht hat das muss sie selber vor ihren Eltern verantworten, aber es war so schoen.

    Die zwei grossen Singha mit pee Chang haengen noch in meinem Kopf, das Zeug ist gruselig. Habe mich nach drei Flaschen warmen Lao Khao mit etwas M 150 oder Soda wesendlich besser gefuehlt, aber einem geschenkten Gaul schaut man nunmal nicht ins Maul. Beim Zaehneputzen sehe ich, das meine Augen noch rot unterlaufen sind, und genauso fuehle ich mich auch. Alles wie in Watte gepackt. Jetzt bin ich aber in der Spur, und sich nochmal fuer zwei Stunden hinlegen wuerde den kompletten blackout bedeuten.

    Gehe ins Zimmer, ziehe mir frische Klamotten an. Tippa ratzt wie eine Tote, also lasse ich sie liegen und steuere die Treppe nach unten an. Die Kacheln unter meinen Fuessen sind so angenehm kuehl das es Spass macht die Stufen hinabzusteigen. Im Wohnzimmer laeuft die Glotze, thailaendisches Fruehstuecksfernsehen mit Nachrichten. Der Vater von Tippa sitzt in einem der coolen Stuehle, grinst kurz zu mir rueber und heftet danach seine Augen wieder auf den flatscreen. Ich gehe in die Kueche, begruesse die Mutti, die sich wundert das ich schon wach bin. "One moment, and you get a breakfast", ich muss laecheln "Tschaa tschaa". Brauche erstmal eine Kippe, das zeige ich ihr mit der Packung in der Hand. Sie fragt nur "You want a fresh Coffee?" Klar Mutti, keine Milch aber viel Zucker, dann gehe ich vor die Tuer um meine erste Zigarette durchzuziehen.

    Tippas Vater sieht es, und kommt mit raus. Ich klopfe zwei Stengel raus, biete ihn den ersten an, dann greife ich selber zu. Er gibt uns Feuer, und gemeinsam sitzen wir da und geniessen das Nikotin. Er fragt mich auf englisch, wie ernst der Song gestern gemeint war? "It was my real feeling about your daugther, no question..." Und er ist erstaunlich offen, sagt mir das er seine Tochter kennt. Und das sie oefters ihre Meinung aendert, fuer ihn und Mutti viel zu oft. Aber das sie seit einem Monat ´eine neue Tochter´ ist wie er sich ausdrueckt. Dieses mal fasst er meine Schulter nicht an, sondern legt seine Hand auf mein rechtes Knie, gedankenversunken. Die Asche von seiner Kippe faellt auf die Terasse, er beachtet es nicht. Aber er redet darueber, das es letztendlich die Entscheidung von Tippa selbst und ihrer Mutter ist. Die beiden entscheiden wie es weitergeht, wir Maenner haben nichts zu sagen. Dabei guckt er sehr nachdenklich in die Palmen, dann haut er mir lachend aufs Bein. Als wuerde er mit einem alten Kumpel reden, ich finde das nur klasse.

    Er fragt mich, wie ich Tippa kennegelernt habe? Ich erzaehle ihm, das wir uns zum ersten Mal in einem Restaurant in Kata getroffen haben. Und das ich damals eine andere Freundin hatte, wir uns nach ein paar Tagen fuer einander interessiert haben. Das sie mir sofort gefallen hat dehne ich etwas indem ich sage, das sie mir erst nach ein paar Tagen so richtig aufgefallen ist. "The Sunset?" "Khrap, the Sunset restaurant in Kata. There works a good friend of mine. I visited the place only because of him" Er fragt weiter nach "Do you know Bam?" Oh ...., ja verdammt. "Yes I know her. She is a friend from Tippa and have a boyfriend from Norway called Magnus. Tippa and Bam share a bungalow" Ehrliche Antworten, zumindest nachvollziehbare, und wir sind beide beruhigt. Denn die Ansagen stimmen, die beide Seiten als input bekommen haben. Er macht Fingeruebungen, will noch eine Krong Thip rauchen, ich reiche die Packung rueber. Gemeinsam schauen wir den Nachbarn zu wie sie zur Arbeit fahren auf ihren Mopeds, winken ihnen dabei zu und ziehen zwei Kippen durch.

    Mama Tippa bringt mir den Kaffee, sagt aber das er arabisch ist. Also nehme ich das Glas in die Hand, puste den Schaum oben zur Seite, und schlage das Glas auf den Tisch. Dann sinken die Kaffeekoernchen nach unten, Mutti lacht und sieht das ich damit also umgehen kann. Dann verschwindet sie gleich wieder in der Kueche, aus der es schon verlockend nach Fruestueck duftet. Sie schreit nach oben, Tippa antwortet sehr verpennt. Ich muss laecheln, sage Vati das ich das bereits kenne von seiner Tochter, er lacht laut los und klopft mir zweimal aufs Bein. Ganz so nach dem Motto: "Das ist dein Ding, du musst mit ihr klarkommen" Ich boxe ihm als Antwort leicht auf die Schulter, massiere sie danach kurz. Er grinst in den Garten, aber ich sehe Gedanken in seinen Augen. Ich will deine Tochter gluecklich machen, sie zum Studium bringen. 5ex ist das eine, denn sie ist verdammt niedlich. Aber worum es mir geht ist, das sie wieder anfaengt in Chula und ihre Ausbildung dort beendet. Wenn ich das schaffe mit Eurer Hilfe, dann bin ich zufrieden. Er lacht, aber als ich sehr ernst bleibe wird auch er still.

    Ein Check, den ich ueberstehe. Denn ich meine es so wie ich es sage. Ich erklaere ihm auch, das ich nichts finanzieren werde, sondern es die Sache von Mama und Papa ist. Sie sind die Eltern und muessen sich um ihr Kind kuemmern. Er ist erst etwas baff, dann laechelt er und stimmt mir zu. Der grosse farang neben ihm verbiegt sich nicht, auch nicht fuer Tippa. Das rechnet er mir hoch an auf englisch, seine Mimik spricht ein uebriges. Die Mutti bringt das Essen, Huehnersuppe fuer den Vati, Reis mit Gemuese fuer mich. Mama setzt sich zu uns, aber wir lassen unser Gespraech langsam verstummen. Es war eines unter Maennern, die Frauen sollen sich extra aussprechen.

    Sie macht mir ein dickes Kompliment wegen dem Lied gestern Abend, ich biete all mein thai auf um ihr in der Landessprache angemessen zu antworten. Das es mir eine Freude und eine Pflicht war, ihre Tochter gluecklich zu machen an dem Abend. Und das es mir leid tut, das ich nicht auf thai singen kann, es aber lernen werde. Sie lacht und klopft mir auf den Ruecken "All Vegetarians skinny same same you. You must eat more! But when Tippa is contently...", dann lacht sie wieder. Ich grinse, ja die ist zufrieden soweit ich weiss. Immerhin liegt sie noch oben im Bett und schlaeft sich aus. Von Vati kommt ein Lacher, den Mutti mit einem schnellen thailaendischen Spruch beantwortet und ihn verstummen laesst. Aber sobald sie wieder in der Kueche ist, stubst er mich an und zeigt grinsend den erhobenen Daumen. Ja damit muesst ihr jetzt klar kommen, ich bin Berliner und jemand der so redet wie ihm das Maul gewachsen ist, egal ob auf deutsch, englisch, oder thai.

  5. #134
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir essen auf der Terasse vor dem Haus, und obwohl ich kein Freuhstuecker bin schmeckt es mir ausgezeichnet. Vati will mal von dem Gemuese kosten, ich blicke ihn muerrisch an und lasse es nur widerwillig zu, knurre ihn an wie ein Hund. Er lacht, ruft um Hilfe nach hinten ins Haus. Mama kommt raus, fragt ob ich noch mehr haben moechte. "Khrap, aroi maak!", sie freut sich und holt zwei weitere Schuesseln mit Reis und Gemuese. Die teile ich mir aber mit Papa, denn um die Uhrzeit ist es mir echt zu heftig so viel zu futtern. Besonders beeindruckt sind beide davon, das ich mit erst drei gehaeufte Loeffel prik pon aus der kleinen Schale ueber mein Essen streue, dann noch zwei nachdem ich probiert habe. Und es danach ohne zu zucken oder zu schwitzen auch esse. Mutti verspricht mir, naechstes Mal thaistyle scharf zu kochen. Ich bitte nur darum, mai sai nam plaa, mai sai nam prik, mai sai kapii. Sie versteht und nickt, freut sich.

    Aber wo sie schonmal so einen Spinner im Haus hat winkt sie mich rein in die Kueche, will etwas ueber die vegetarische Kueche von mir wissen. auf dem Board uber den Woks stehen bestimmt zehn verschiedenen Glaeser mit Fluessigkeit und Gewuerzen und Gemuese drin. Sie fragt mich, ob wir Vegetarieren nichts davon essen wuerden? Ich sage ihr, sobald es auf Fischsosse basiert koennen wir das nicht essen. Nichtmal, wenn es nur als kleine Zutat beigemengt wird. Es stammt von getoeteten Tieren, und das essen wir nicht. Sie ist nachdenklich, versichert mir aber sofort das in meinem Essen heute und gestern nichts drin war, Tippa haette ihr das ausdruecklich vorher gesagt. Fasst mich sogar am Arm "Believe me, no nam plaa, nothing", ich glaube ihr und laechele beschwichtigend. Aber sie macht sich Gedanken, ueber das Essen auf der Speisekarte im Restaurant nehme ich mal an. "...mai sai nam plaa..." Sie ueberlegt, ich gebe ihr den Hinweis, Salz zusammen mit Prik pon haette die selbe Wirkung.

    Jetzt heisst es fuer mich ganz behutsam sein, keine Postulationen zu verkuenden, sondern nur einige Hinweise zu geben. Learning by duing. Ein falsches Wort, ein zwar nett gemeint aber falsch verstandener Ratschlag, und ich kann hier zusammenpacken. Die Worte muessen nun wohl gewaehlt sein, und das am fruehen Morgen alleine mit Mutti in der Kueche. Mir glimmern noch knapp 1°/oo durch die Birne und die lange Fahrt vom Vortag, keine Tippa da die mir zur Not beseite springt. Wieso pennt die ueberhaupt immer noch, ich habe sie doch vorhin schon gehoert?

    Die Kueche hier kann nicht kleiner sein als die im Restaurant, ist zudem top ausgestattet mit allem. Das sind ganz locker 25 Quadratmeter, und das in einem privaten Wohnhaus. Hier gibt es keine zwei gasbetriebenen Feuerstellen, nein es gibt fuenf. In Edelstahltischen eingelassen, die so frisch blitzen als haette man sie erst gestern geliefert.

    Jetzt will Mutti es wissen, ich soll Tofu nach angeblichem thaisyle aber vegi machen. Ach du gute Guete, doch nicht um die Uhrzeit? Aber es ist bereits zu spaet, ich muss ran. Also gut, erkundige mich nach den Zutaten, wo ist das Salz, wo prik pon, das Gemuese, die Kokosmilch, wo die Erdnusspaste? Sie zeigt mir alles, und schaut zu. Schnibbele schnell etwas Gruenzeug in mundgerechte Stuecke. Im heissen Kokosoel brate ich erstmal die kleingeschnittenen Tofus an, dann menge ich die weiteren Zutaten nacheinander drunter. Zum Schluss wird mit Chilipulver eine gewisse Schaefe reingebracht, alles vom Feuer genommen und nochmal schnell gewendet indem ich den Wok kreisen lasse und das Essen darin hochwerfe. Das schoene an der asiatischen Kueche ist, das es immer nur ein paar Minuten dauert bis ein Gericht fertig ist. Auf einen Teller schaufel ich einen Loeffel Reis, daneben meine Kreation. Reiche den Teller Mutti, sie soll kosten, ich weiss eh das es schmeckt.

    Sie ist begeistert, natuerlich laesst sich das noch verfeinern, aber es schmeckt ihr. Sie ruft Papa, der muss auch kosten. Und ist genauso angetan, sein Kompliment ist die Frage, ob ich nicht einen Job als Koch annehmen moechte? Leute bringt mich nicht schon wieder in Verlegenheit. Mir reicht es vollkommen aus, das ich mit Eurer Tochter ins Bett steigen darf, bei Euch wohnen, in Eurem Restaurant umsonst essen und trinken kann. Das denke ich mir zwar nur, aber mein grinsendes Gesicht lehnt dankbar ab. Aber nur, weil es mir viel zu heftig waere, jeden Tag in Thailand vor ein paar Woks zu stehen und in der Hitze zehn Stunden lang im Akkord zu schuften. Nee, dafuer gibt es Leute, die das freiwillig als Ausbildungsberuf gewaehlt haben. Ich gehoere nicht dazu.

    Als Tippa verpennt runter kommt ist fast alles alle, noch bevor sie die letzte Treppenstufe runter ist bekommt sie schon den ersten Einlauf von Mutti. Ich verstehe nur ´Koja´ und ´ahaan´, sehe ihre verschlafenen unglaeubigen Augen, die erst mich und dann Mutti zu fixieren versuchen. Die Kleine weiss gar nicht wie ihr geschieht, also gehe ich zu ihr und nehme sie vor den Eltern zart in den Arm. Sie haut ihren Kopf gegen meine rechte Schulter, pennt fast im Stehen wieder ein. Ich frage sie " Tham aahaan tschau mai khrap?", sie nickt nur. Na etwas ist ja uebrig geblieben, also mache ich ihr einen Teller fertig. Ihre Eltern sind direkt neben uns, gucken zu. Ich frage sie ob es schmeckt? "Aroi dee", sie bedankt sich bei ihrer Mutti. Die lacht nur, zeigt auf mich. Ich liebe es mit mir eigentlich fremden Personen alleine ein paar Stunden verbringen zu duerfen. Nur so lernt man sich kennen. Das war im Isaan bei meiner Freundin so, das war auf Malta so, in Portugal, an hunderten von Orten ueberall auf der Welt dasselbe.

  6. #135
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Mutti und Tippa setzen sich zusammen, die Tochter hat alle Unterlagen von der Uni geholt und ihre Mutter studiert diese sehr genau. Sie hat ihre Lesebrille aufgesetzt, fragt ab und an mal nach, was Tippa dann beantworten muss. Ich sitze draussen vor dem Haus, hoere sie nur durch die geoeffneten Fenster reden. Aber nach einer halben Stunde ruft mich Tippa rein, ich setze mich neben sie. Warum auch immer, Mutti hat ein paar Fragen an mich. Tippa will nach meiner Hand greifen aber ich ziehe sie zurueck. Will jetzt alleine auf Mamas Fragen antworten ohne Ablenkung oder Beeinflussung. Ihre Mutter hat die Brille abgenommen, und moechte von mir wissen ob ich sehe, das Tippa wirklich zurueck an die Uni will. Ich erzaehle ihr von unserem Besuch dort, und das ich der Meinung bin das sie es ernst meint. Sage ihr auch, das ich darueber selbst schon lange mit ihrer Tochter gesprochen habe. Ihr die Vorteile des Studiums erklaert habe, und das es laut Chula die letzte Chance ist das Ding durchzuziehen und erfolgreich zu beenden. Ansonsten muesste sie wieder ganz von vorne anfangen, denn es gibt Fristen die irgendwann verstreichen. Fuer die Pruefungen, fuer die Rueckmeldungen und Einschreibungen. Noch sei alles im gruenen Bereich, aber nach dem Semester was kommt ist es zu spaet. Ich habe das deiner Tochter ganz unmissverstaendlich gesagt, denn ich habe die Unterlagen ja ebenfalls, wenn auch auf englisch. Sie hat geweint im Lumpinipark, nachdem wir in Chula waren. Aber sie hat es eingesehen, nicht zuletzt weil Vanida sie auch bearbeitet hat, und Sarinya.

    Tippa stehen schon wieder die verzweifelten Traenen in den Augen "Yes I want go Chula and finish the study. I told you before, I promise you" Sie schaut mich an, als wuerde ich gerade negativ ueber sie und ihre Plaene reden, das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall. "Tirak, working in a restaurant as a service maid is a simple job, no problem. But so you can work also in the restaurant of your parents. A study is very diffent, you have more chances after finishing" Sie schafft es endlich, meine Hand zu ergreifen und haelt sie fest. "Tippa, you have to promise to your parents, not to me" Nehme ihre Hand und lege sie zurueck auf den Tisch, ruecke mit dem Stuhl etwas ab. Sie wendet sich ihrer Mutter zu und bittet darum, wieder zur Uni gehen zu koennen. Und sie verspricht ihr, das sie sich anstrengen will und das Studium beenden wird.

    Die beiden reden noch eine Weile miteinander, als Vati vorbei kommt bittet er mich mit einem leichten Kopfnicken nach draussen. Ich stehe auf und gehe zu ihm. Er steht da und schaut mich an, will mir schon wieder seine Hand auf die kaputte Schulter legen, merkt es aber noch rechtzeitig, dafuer streift er mir ueber den Ruecken "Koja, you are honestly. I think Tippa do go back Chula. Thank you" "No problem, but is only between you and your daughter" "No, she changed her mind after she knowes you. It is your earning" Wir gehen rueber zur Garage, ich ziehe mir schnell noch meine Slipper an. Er oeffnet das Tor und zeigt mir den Roller und das Bigbike. "Up to you, take it whenever you want.", dann steigt er in seinen schwarzen Audi A6. Na sag mal, wieviel Kohle haben die denn, das Geschoss kostet ein Vermoegen in Thailand. Tiefergelegt ist er auch noch, und mit fetten Walzen ausgestattet. Sieht absolut ..... aus mit den verdunkelten Scheiben. Rollt damit rueckwaerts ueber die Einfahrt auf die Strasse, als Abschiedsgruss laesst er die Scheinwerfer zweimal kurz aufblitzen, dann schiesst er davon zum Restaurant.

    Ich betrachte mir die Zweiraeder, das kleine ist eine Honda Dream, daneben steht eine schwarze Zephyr 1100 von Kawasaki, bei beiden steckt der Schluessel. Mehrere Integralhelme liegen auf einem Board an der Wand, ich probiere solange bis ich mit meiner Birne in einen reinpasse. Natuerlich setze ich mich auf die Zephyr, bocke sie ab und starte den Motor. Satter sound, langsam fahre ich auf die Strasse, dann gebe ich Gas. Der Bock geht gut nach vorne ab, na halleluja. Vorne an der Strassenkreuzung habe ich Probleme die Maschine rechtzeitig zum Stehen zu bekommen, aber ich haette auch nicht gleich bis auf 90 km/h hochschrauben sollen. Meine Schulter zerrt unter der Verzoegerung, also ab jetzt etwas dezenter fahren. Biege links ab und bin auf einer breiten gut ausgebauten Strasse die stadteinwaerts fuehrt. Beim Blick auf den Tacho sehe ich 120, herrje ich muss mich zurueck nehmen obwohl es einen riesen Spass macht. Rechts kommt ein Wegweiser zur Uni, ich schaue mich um und lenke dann ein. Im zweiten Gang lasse ich den Bock ueber die Strasse durch die Uni brummen, auch hier haben die Studenten und Studentinnen schwarz-weiss als Uniform. Und die Hasen sehen allesammt sehr 5exy darin aus, unter dem Helm grinse ich, lasse das Visier einen Spalt weit geoeffnet um besser gucken zu koennen. Huebsch, huebsch, sehr huebsch, absolut 5exy, nein das geht so nicht. Ich gebe Gas, bloss weg von hier.

    Umrunde die Uni und fahre zurueck zum Haus von Tippas Eltern, stelle die Maschine draussen ab. Tippa steht an der Haustuer und schaut mich an, ausdruckslos. Dann sprudelt sie los "Koja what you make? Where you go, I fear when you ride the big motobike!" Hey Schatz, dein Vater hat es mir erlaubt, was soll ich denn anderes machen als es natuerlich gleich mal auszuprobieren? Du kennst mich doch nun schon lange genug um genau zu wissen, das ich solch eine Einladung nicht ablehnen kann. Sie haut mir das Visier runter, ich schiebe es wieder hoch und grinse. Sie kloppt es gleich nochmal runter, also lasse ich es unten.

    "Uii Tirak, why you make evertime such stupid things like this?", ihre Arme greifen um mich und sie stoesst sich den Kopf am Helm. Voellig entnervt zerrt sie daran "Take off the helmet Koja!", ich muss wieder anfangen zu lachen und nehme den Helm ab. Wie man es macht ist es falsch, meine verschwitzte Birne erscheint grinsend und sie kuesst mich, haut mir aber gleichzeitig ihre Faust in den Ruecken. Faucht mich an "Koja, you can not go alone with the bigbike! I fear!" Druecke sie an mich "Me not. Baby you know? Children, stupid people and drunken once are always in good luck" Sie muss lachen "You are a child, you are stupid and very often drunken. You are a lucky boy!" Ich weiss, ich spuere das ich ein Spinner bin der viel Glueck hat, ich umarme es ja gerade.

    Sie fragt was ich machen will, ich antworte das ich mir sehr gerne den Wat Prathat und den Wat Chedi Luang anschauen wuerde. Sie strahlt, wir gehen rein zu Mutti und sagen ihr das wir mal hoch fahren werden, und dann rueber zum Wat Chedi Luang. Sie freut sich, das ich das vorschlage, sind es doch die zwei Kloester die man unbedingt gesehen haben muss in Chiang Mai. Tippa holt sich einen Helm, wir steigen auf die Kawa, und ich lasse den Motor an. Unter uns brummt der Motor, gibt die Vibrationen weiter auf die Sitze, Tippa kuschelt sich fest an mich. Auf ihre Brueste an meinem Ruecken kann ich mich jetzt nicht konzentrieren, der Verkehr auf den Strassen ist anspruchsvoll. Ein paarmal frage ich nach hinten, wolang ich fahren soll? "Left" und "Right", sie klopft mir dabei jeweils auf das linke oder rechte Bein. Durch zwei Helme hindurch kann ich ihre Ansagen kaum verstehen. Es geht eine steile Strasse den Berg Doi Suthep hoch, immer wieder bleibe ich hinter TukTuks oder Bussen haengen. Nur fuer wenige Momente, denn ich schere aus und ueberhole sie, so wie es auch die Thais auf den Motorraedern machen. Bin doch nicht bekloppt und verhungere hiner den Dingern. Wenn das Thais koennen kann ich es auch, zumal die Maschine ueber 90 PS hat und demnach natuerlich flott vorbei ist. Ist manchmal knapp, diejenigen die den Berg runterkommen schneiden die Kurven, man muss schon aufpassen. Tippa laesst mich in Ruhe, ich kann mich drauf konzentrieren den Verkehr zu meistern. Nur zweimal merke ich, das sich ihre Arme noch etwas fester um mich klammern. Beide Male ueberhole ich gerade, und ein Bus kommt uns entgegen. Anstatt wieder zurueckzustecken und einzuscheren gebe ich Gas und schiesse am Hindernis vorbei kurz bevor wir im mit Lichthupe warnenden Bus einschlagen. Was sie jedoch nicht sehen kann ist, das ich selber das Fernlicht schnell mehrfach an und aus mache um dem Busfahrer zu signalisieren, das ich nicht nachgeben werde und schneller bin als er.

  7. #136
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Am Parkplatz halte ich an, stelle die Karre ab. Noch bevor wie absteigen bekomme ich von hinten die Meinung gegeigt von Tippa. Wieso denn Schatz, ist doch alles glatt gelaufen, wir sind angekommen und die Maschine ist noch heil? Was willst du jetzt von mir? Sie nimmt ihren Helm vor mir ab, und ich sehe das sie ziemlich sauer ist. "You was near to death in Kata, you learned nothing? Koja I don´t want die in front of a bus you know?" Gut, ich halte jetzt besser mal meine Schnauze und versuche sie zu beruhigen. Verspreche ihr, das wir ab jetzt ganz entspannt fahren werden, ich mich auf keine Experimente einlassen werde, und sie sicher hinter mir sitzen wird. Natuerlich glaubt sie mir kein Wort, als wir ueber die Strasse zum Tempel gehen meckert sie mich weiter voll. Ich bleibe stehen und frage sie, was ich denn machen soll? Soll ich wirklich wie ein Depp mit einer schweren Maschine hinter dem russenden beschissenen Bus herschleichen? Oder ihn doch ueberholen wie es alles um mich herum auch machen? Ich bin doch keine Spinner, und kann so ein Bike kontrollieren. Solange mir da nix komplett in die Quere kommt ist es wunderschoen, sehr schnell mit einem Zweirad zu fahren. "In Kata you was alone, now you go with me. Koja you not understand. I do not want die here on the street" Verdammt, ich habe es anscheinend wirklich uebertrieben. Setze mich hin, sie bleibt stehen und schaut wuetend in die Gegend. "O.K. tirak, you ride the bike on the way back to Chiang Mai", sie muss gequaelt laecheln "You know I can not, Koja you have to be careful!" Ich ziehe sie runter in die Hocke, sie blickt mir ins Gesicht. Ich verspreche ihr nachher ganz ruhig und langsam zu fahren. "Phom sanjaa!", da muss sie dann doch lachen, wundert sich das ich auch diese Vokabel kenne. Fasse sie an ihren Oberarmen, gemeinsam stehen wir auf und ich frage sie "O.K. now?" Sie haut mir auf den rechten Arm, grinst dabei und lehnt sich kurz an mich.

    Nebeneinander gehen wir zur Treppe, und ich staune. 309 Stufen bei 36°C und 98% Luftfeuchtigkeit, na danke schoen. Tippa lacht, meint das ich erstmal 30 Baht bezahlen muss als farang, auch das noch? Oder 50, dafuer koennten wir dann aber einen Zug nehmen, was ich bezweifele. Aber in der Tat, es fuehrt eine steile Bahn rauf zum Tempel.

    Ganz kurz ueberlege ich, dann schuettele ich mit dem Kopf, bezahle 30 Baht und wir trennen uns. Sie nimmt die Bahn, ich die Treppe. Hole mir eine Flasche Wasser bei einem Haendler. Wenn ich meine Berliner Wohnung im dritten Stock als Massstab nehme, bis dorthin sind es 54 Stufen. Bis da oben zum Tempel sind es also etwas ueber 17 Stockwerke, schon unten ist mir klar das ich verrueckt bin und Tippa damit voellig recht hat. Ganz ruhig und gleichmaessig wie ein Bergsteiger gehe ich nach oben, an mir stuermen einige junge Japaner vorbei und freuen sich. Ich treffe sie zwei Minuten spaeter wieder, denn sie liegen mit Wadenkraempfen am Boden. Eine uralte Thai schleppt sich die Treppe hoch, vielleicht bei der Haelfte der Strecke treffe ich auf sie. Wir blicken uns an, sind fast im selben Tempo unterwegs denn ich beginne zu schwaecheln. Sie laechelt, ich biete ihr meine Wasserflasche an und fuer einen Augenblick bleiben wir beide stehen. Sie nimmt einen Schluck, sagt etwas was ich nicht verstehe. Ich verneige mich ohne Wai, nehme die Flasche aus ihren Haenden und gehe weiter. Meine Waden und die Oberschenkelmuskel brennen, es ist kaum noch auszuhalten. Diese Treppe will einfach kein Ende nehmen. Ich muss bereits zum dritten Mal eine Pause einlegen, die Beine lockern und durchatmen. Neben mir auch Thais, denen es genauso geht. Wir laecheln uns erschoepft zu, aber jeder ist fuer sich in diesem Moment. Ich sehe die letzten zwei Absaetze vor mir, nur noch vielleicht 45 Stufen. Habe schon lange aufgehoert mitzuzaehlen.

    Oben steht Tippa und wartet bereits auf mich, ich beachte sie nur fuer einen kurzen Moment, dann sehe ich wieder die Stufen vor mir. Eine, noch eine, dann noch eine, es scheint kein Ende nehmen zu wollen. Mal ueberhole ich jemanden, mal werde ich ueberholt. Mir ist es voellig egal, ich will nur noch oben ankommen und mich hinsetzen. Die letzten drei Stufen zaehle ich dann doch ab, 307, 308, 309. Oben angekommen muss ich aufpassen, das ich nicht ruecklinks wieder runterkippe, so fertig bin ich. Und wie erleichtert bin ich als ich sehe, das neben der Treppe ein ueberdachter Area ist mit Baenken, ich setze mich sofort hin und schnaufe durch. Tippa lacht, hat mir bereits eine neue Flasche Wasser gekauft, frisch aus dem Kuehlschrank des Shops oben am Tempel. Ich leere die grosse Plastikflasche ohne abzusetzen, sie sagt etwas zu mir aber ich hoere nicht zu. Bleibe noch ein paar Minuten sitzen, dann ziehe ich mir die Slipper aus und wir gehen barfuss rueber zum eigentlichen Tempelkomplex.

    Die Touristen und Pilger sehe ich gar nicht, nur die unbeschreibliche Schoenheit der Anlage. Wir gehen entgegen des Uhrzeigersinns, schon an dem Gang mit den Glocken muss ich stehenbleiben und lauschen. Da haengen zig grosse Glocken die man schlagen kann mit Hoelzern, natuerlich machen wir das auch. Unser Weg fuehrt weiter zu der Bruestung, von der man einen grandiosen Ueberblick auf Chiang Mai hat. Sogar die komplette Landebahn des Flughafens kann man rechts sehen, um die Stadt herum erstreckt sich nur Urwald. Ich frage mich, wieso ich dieses Land ueberhaupt jemals verlassen soll? Es ist doch viel zu schoen hier um zu gehen.

    Wir kommen zum Viharn, wo ein junger Moench betet und den Menschen seinen Segen und Baender gibt. Jeder und jede muss sich einzeln vor ihn setzen, er redet kurz mit einem und spricht dann ein Gebet. Danach bekommt man ein Armband umgebunden von ihm, die Maenner auf dem rechten, die Frauen auf dem linken Arm. Tippa bekommt ein weisses, waerend ich ein orangefarbenes mit neun Knoten darin erhalte. Er spricht etwas laenger mit mir, warum weiss ich nicht. Fragt mich auf englisch, woher ich komme. Sage Joerman, er freut sich und erwidert "Oh, Deutschland?" und laechelt "You have to go to the Ubosot right now! My Buddha speak to the farang people" Ich verneige mich vor ihm und robbe zurueck, dann frage ich Tippa wo das Ubosot ist? Sie bringt mich hin, bleibt aber am Eingang sitzen.

    Ein sehr alter Moench haelt eine Ansprache auf englisch, der Mann sieht uralt aus und hat eine dicke Brille auf. Aber seine Stimme ist laut und glasklar, und er strahlt einen unglaubliche Zufriedenheit aus. Ein ganz besonderer Mensch, seine Aura erfuellt den Raum und laesst alle stumm verharren. Auch von ihm bekommen wir alle ein Baendchen umgebunden welches er mit einem Spruch nach oben schiebt ueber den Arm. Mich fragt er "Where is your girlfriend?", es ist eher eine Aufforderung. Ich blicke nur nach hinten zum Eingang, Tippa scheint es jedoch zu merken denn sie reagiert auf das Herbeiwinken des alten Moenches. Kommt durch den ganzen Raum nach vorne zu ihm, geht neben mir auf die Knie und verneigt sich dreimal. Er spricht kurz mit ihr, legt ihr auch ein weiteres Band um das Handgelenk, sie bedankt sich und wir ziehen uns zurueck.

    Draussen fragt mich Tippa, was ich dem Moench gesagt habe? Nichts, ich habe nur da gesessen und ihm zugehoert. Sie ist etwas beunruhigt, denn sowas kommt normalerweise nicht vor. Nicht, das der Moench weiss das meine Freundin anwesend ist und auch nicht, das er sie aus der grossen Menge von Menschen gezielt herauswinkt. Doch Schatz, warte mal ab was dir die Moenche und der Abt im Wat Thamfad so erzaehlen, da kannste dir dann die Karten legen. Was die ueber mich bereits wussten als ich zum ersten Mal dort war, das hat sogar mich ueberzeugt, das es eine ganz andere Ebene gibt auf der kommuniziert wird.

  8. #137
    hello_farang
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    Re: Die Fragen...

    Sie bittet mich mit der Bahn runterzufahren. aber natuerlich zeige ich ihr einen Vogel und nehme die Treppe. Ein fataler Fehler, denn unten brennen meine Unterschenkel und die vorderen Oberschenkelmuskeln dermassen, das ich kaum noch aufs Motorrad steigen kann. Das ist ja noch schlimmer als hochzuklettern, ich breche fast zusammen. Kaum habe ich den Helm auf und starte die Maschine, da bekomme ich auch schon eingeblaeut das ich bloss langsam fahren soll. Ja Schatz, entspann Dich. Im dritten Gang geht es den Berg runter, ich kann mich nur einmal nicht zusammenreissen und ueberhole einen Bus, danach schleichen wir runter nach Chiang Mai. Unten angekommen halte ich am Strassenrand, vorschriftsmaessig sogar mit Blinker links.

    Frage Tippa wo es lang geht zum Wat Chedi Luang, sie zeigt geradeaus. Also, die Strasse ist zweispurig in beide Richtungen, dann kann ich mal etwas aufdrehen. Das Bike laeuft wie auf Schienen, wir ziehen an allen vorbei nahe am Mittelstreifen. Nur bei dem U-Turns bremse ich ab und passe auf das sich da keiner quer stellt. Von hinten kommen keine Beschwerden, also alles fein. Erst als wir fast neben einem Polizei-Pickup sind gehe ich in die Eisen, mache das Fernlicht aus. Will es ja nicht uebertreiben, aber die Karre macht mir richtig Spass.

    Am Tempel Wat Chedi Luang steigen wir ab, es gibt kein Gemecker. Ich ueberlege noch ob ich den Helm mitnehmen oder am Toeff lassen soll, Tippa haengt ihren ueber den Spiegel links. Ich also rechts, und wir gehen rein auf die Anlage. Ein Wahnsinns-Chedi, halb kaputt aber trotzdem riesengross. Im 15ten Jahrhundert war hier mal der Smaragd-Buddha zuhause, ein Erdbeben hat spaeter dieses Chedi platt gemacht. Trotzdem immer noch ein riesiges Mornument, unglaublich beeindruckend. Wir umrunden es, und an einer Seite kann man ein langes mit Wasser gefuelltes Bambusrohr nach oben ziehen an einem Seil, ganz oben kippt es dann um und das Wasser ergiesst sich ueber das Chedi. Soll Glueck bringen wie so oft in Thailand, aber auf alle Faelle ist es eine spasssige und dennoch ernste Angelegenheit. Es dauert zwei oder drei Minuten, bis das Bambusrohr oben ist und umkippt. Solange hat man Zeit darueber nachzudenken was man da eigentlich macht. Hier war der Smaragd-Buddha fuer ueber 80 Jahre zu Gast, und es ist ein sehr heiliger Ort fuer Buddhisten und die Thais.

    Beim Umrunden des Chedi erblicke ich ein kleines Haus vor dem ein Schild steht, darauf ist auf thai und englisch geschrieben "No woman allowed". Ich laechele, Tippa meint das sie schon ein paarmal mit ihrem Vater hier war, er ihr aber nie erzaehlt hat was sich darin verbirgt. Also gehe ich rein, schaue mir alles an, und komme wieder raus. Und auch ich sage ihr nicht, was darin zu sehen ist, schweige. Nein Schatz, mit jeder deiner Fragen wirst du meine Lippen weiter verschliessen. Nichtmal eine Andeutung bekommst Du, ist nicht.

    Wir gehen weiter, sie bettelt zwar aber ich lasse es ungehoert verhallen, es gibt wirklich unausgesprochene Geheimnisse, die auch solche bleiben werden oder sollen. Ich habe es gesehen, aber werde es Dir nicht erzaehlen, das ist seit Jahrhunderten so, und so soll es sein. Das hast Du zu akzeptieren, ich mache hinter Deine Frage einen Punkt, fertig.

    Wir schauen uns noch den Rest des Tempels an, die superschoene 8-Meter-lange Statue des liegenden Buddha vor dem man Lotusblumen kaufen kann. Ein paar Studentinnen sitzen dort und warten darauf, einen farang zu interviewen fuer ein Semester-Projekt. Wir kaufen zwei Lotusblueten, sie kosten je 10 Baht, und knien uns vor den ins Nirvana eingegangenen Buddha. Die Raeucherstaebchen kann man sich wie ueber all in jedem Kloster umsonst nehmen und entzuenden. Die Statue ist sehr beeindruckend, und einige Thais meditieren bereits davor. Die jungen Damen lassen uns solange in Ruhe, bis wir wieder aufstehen, dann kommen sie zu uns und wollen mich befragen. Natuerlich nur zu Studienzwecken, aber ich muss bereits grinsen als sie auf uns zukommen. Ja gehts noch, fuenf suesse Hasen die mir laechelnd Fragen stellen wollen. Von Tippa hoere ich nur ein recht eindeutiges "Koja", dabei bleibt sie erstaunlicherweise zwei Meter neben mir stehen. Ich grinse kurz zu ihr rueber, dann beantworte ich die gestellten Fragen bis auf zwei. Niemand muss wissen ob ich eine Freundin, und niemand ob ich einen Job in Thailand habe.

    Jede meiner Antworten wird fleissig notiert auf Zetteln, ich nicke ihnen zu, alles Schnuckiputzies. Von Tippa bekomme ich natuerlich doch einen Tritt gegen das Bein, es ist mir egal. Die Schnecken verabschieden sich mit Wai und allen drumherum, dann sind wir alleine auf dem Gelaende. Nur ein paar Moenche sind noch da, die sich aber um andere Sachen kuemmern. Zwei Tempel reichen mir, zudem die Aussprache mit Mutti, wollen wir zurueck nach Hause fahren?

    Bin wie elektrisiert, als die Maschine anfaengt zu brummen. Muss erst dreimal am Hebel drehen und sie heulen lassen, so schoen ist es. Tippa klopft schon wieder von hinten, jaja. Die Helme aufgesetzt und los geht es. Mitten durch die Stadt, ihre Zeichen wo lang sind wie vorhin nur links oder rechts auf meine Oberschenkel druecken, denn hoeren tue ich sie nicht. Aber ich sehe die Uhr an einer Apotheke, es ist gerade erst zwanzig nach Fuenf. Ausserdem habe ich Hunger, also halte ich an und frage Tippa, ob wir ins Phar Lap fahren wollen. Unter ihrem Helm sehe ich nur ihre Augen und die kleine Stubsnase, aber sie grinst und nickt. Tue so, als wuerde ich ihr einen Kuss geben, unsere Helme schlagen aneinander. "Uii Koja, khun ba" lacht sie "Bai leo leo!" Ich blicke sie erstaunt an "Phom kautschai. Leo leo o.k. khrap" "No no, you drive slowly!" Wir blicken uns an und lachen unter den Helmen, dann schmiegt sie sich an meinen Ruecken und ich faedele mich wieder in den Verkehr ein.

    Schnell fahren geht eh nicht, denn die Strassen sind voll, staendig laufen Touristen ueber die Fahrbahn, ich kann nur im zweiten Gang tuckern. Chiang Mai ist recht uebersichtlich und im Vergleich zu Bangkok ein Dorf. Also geht es genau zweimal rechts rum, und wir sind bereits am Restaurant. Ich stelle den Bock direkt davor ab und wir schwingen uns aus dem Sattel. Tippa bekommt den Kinnriemen nicht auf, ich helfe ihr und sie nimmt den Helm ab, schuettelt ihr Haar durch. Davon koennte man eine Fotoserie schiessen, unglaublich 5exy. "What?" "Nothing, I just look at you...", dann nehme auch ich den Helm ab und wir gehen rein. Winken Papa kurz zu, setzen uns an einen der freien Tische an der Strasse, ich liebe open air locations. Wieder ist es ziemlich voll im Laden. Ein Kellner kommt und bringt uns Speisekarten, aber wir brauchen gar nicht reinzuschauen. Tippa bestellt Tom yam gai. Ich will Pad Thai mang sawirat mit Tofu, er meint das er nachfragen muss ob das geht. Ich laechele, na Kurzer du bist wohl neu hier? Das wird schon klappen, da bin ich mir ziemlich sicher. An Getraenken die uebliche red Fanta und ein kleines Chang. "No Chang, Singha" Stimmt ja, also gut dann ein Singha. Er verschwindet, um erstmal die Erfrischungen zu holen. Als er wiederkommt stellt er und neben den zwei Flaschen einen Becher hin, in dem zwei Bons stecken. Ich gucke erstaunt erst ihn, dann Tippa an, sie muss laecheln und klaert den Kellner auf. Er glaubt ihr nicht, geht zum Tresen und spricht mit Papa, zeigt dabei in unsere Richtung. Nach zwanzig Sekunden steht er wieder vor uns, entschuldigt sich und nimmt den Becher vom Tisch. An mich gewandt "Pad Thai with Tofu no problem sir", dem armen Mann ist anzusehen das er verlegen ist ob dem kleinen Missverstaendnis. Ich sage ihm nur "Mai pen arai, you could not know it" Er nickt und zu Tippa sagt er, das es sein zweiter Tag hier ist, sie moechte bitte entschuldigen. Sie ist natuerlich ganz locker, beruhigt ihn auf thai. Er zieht dankbar laechelnd von dannen.

    Nippe zweimal an meinem Bier, dann stehe ich auf und gehe zur Toilette um mir die Haende zu waschen. Beim Rueckweg stoppe ich an der Bar, sage Papa wie toll sein Motorrad ist und es viel Spass macht damit zu fahren. Er freut sich, will wissen wo wir waren? Ich erzaehle im kurz von unserem Ausflug, dann sehe ich den Kellner mit unserem Essen aus der Kueche kommen und folge ihm. Tippa macht sich wohl auch frisch, denn ihr Platz ist leer. Der Kellner guckt kurz etwas irritiert, dann sieht er mich und stellt erleichtert die Bestellung ab. Ich warte noch einen Moment, aber Tippa kommt nicht zurueck also fange ich an zu essen. Maedels brauchen irgendwie immer laenger, warum wird mir ein Raetsel bleiben. Als sie wieder da ist sieht man es ihr aber an. Frisch geschminkt sieht sie umwerfend aus, danke Schatz. Mutti hat ihre Ansage von heute frueh eingehalten, das Pad Thai ist hoellisch scharf, genau richtig. Nach dem dritten Bissen laeuft mir der Schweiss und Traenen steigen in meinen Augen auf. Tippa tupft mir mit einer Serviette ueber die Stirn, grinst "Pet maak mai khaa?" "Khrap, aroi dee!", man ist das lecker. Ich ueberlege schon, gleich noch eine Portion zu ordern.

  9. #138
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir sitzen ein Stuendchen, ich nehme noch ein kleines Bier. Tippa laesst sich ein Gericht mit Fisch kommen, ich mir wirklich nochmal das Pad Thai. Irgendwann muss ich mal pinkeln gehen, stehe auf und sacke sofort wieder zurueck auf den Stuhl. Der Muskelkater hat mich eingeholt, ich stoehne auf vor Schmerzen. Mir kommt es vor als haette jemand mit einer Metallstange auf meine Beine eingepruegelt, kann mich kaum bewegen. Der Gang zum Klo muss fuer die Gaeste aussehen, als haette ich mich eingeschissen. Mit steifen Beinen humpele ich ganz vorsichtig durch das Restaurant, es wird nicht besser. Stufen, diese vielen Stufen, ich haette mal besser auf Tippa gehoert und zumindest die Bahn nach unten nehmen sollen. Naja, jetzt ist es zu spaet fuer die Erkenntnis. Auf dem Klo massiere ich meine Beine nach dem pinkeln, alles ist komplett verhaertet. Ein anderer Gast der reinkommt schaut erstaunt. Was willst Du, ein paar aufs Maul? Guck nicht so bloed! Halte mich am Waschbecken fest und mache ein paar Kniebeugen, um die Muskulatur zu dehnen, das hilft. Ich schlurfe zurueck zum Tisch, Tippa fragt mich was los ist. "Khad joog maak maak", sie muss lachen und steht auf, verlaesst das Lokal und verschwindet um die Ecke. Na super, die haut einfach ab? Wenigstens steht das Motorrad noch da und ich habe den Schluessel.

    Nach ein paar Minuten kommt sie zurueck, hat eine kleine Plastiktuete in der Hand. Winkt mich vom Tisch weg, ich stehe muehsam auf und hinke hinter ihr her. Sie geht zum Tresen und spricht mit Vati, der mich anblickt und lachen muss. Dann gehen wir in einen Nebenraum, ich lasse die Hose runter und setze mich auf einen Stuhl. Sie nimmt eine Flasche mit ´Boxing liniment´ aus der Tuete, oeffnet sie und reibt mir das gelbliche fluessige Zeug auf die Beine. Es riecht nach Bubblegum der uebelsten Sorte, aber schon nach wenigen Minuten beginnt das Gemisch zu wirken. Meine Muskeln entspannen sich, und das liegt nicht an der zarten Massage von Tippa. Es wird sehr warm und beginnt zu pochen, aber der Duftnebel ist heftig. Sie fragt mich, ob es nun besser ist. Ich meine nur "Naa khaeng, na khaeng" und zeige nach unten. Also reibt sie mir nochmal die Unterschenkel ein und knetet sie durch, viel hilft viel.

    Das ist ja unglaublich, ich schnappe mir die Flasche und studiere das Etikett, waerend sie sich die Haende waescht. Auf den Cover sind ein Laeufer, ein Fussballer und ein Boxer abgebildet. Mehr als das Methyl Salicylate 31% und Menthol 1% enthalten sind kann ich nicht entziffern. Alles auf thai geschrieben, aber es hat 62 Baht gekostet steht noch drauf. Ziehe die Hose wieder an, die kann ich morgen auf alle Faelle in die Waesche geben bei dem Geruch. Aber es hilft wirklich, meine Beine werden locker und ich kann wieder gehen wie ein ein normaler Mensch. Kurz vor der Tuer haue ich Tippa auf ihren knackigen Po, sie dreht sich um und ich umfasse zaertlich ihren Hals "Khoop khun na khrap, tirak" Ihr Laecheln begrabe ich mit einem dicken Kuss.

    Der Musiker gibt ein paar Lieder von den Stones zum besten, und er ist wirklich gut. Als er nach zwanzig Minuten eine Pause einlegt gehe ich zu ihm und frage, ob er den Titel ´Bitter sweet symphonie´ von ´The Verve´ kennt, er laechelt mich an. "Oh its difficult to play without a violin but I can try" Schnappt sich seine Gitarre und wir stimmen den Takt ab, nachdem ich das Lied singen kann. Er macht es ruhig, schlaegt mit der Plek-Hand dabei den beat auf sein Instrument, nickt mit dem Kopf als waere es sein Lieblingssong. Ich beginne dazu leise zu singen, nur fuer uns beide, und nur zur Abstimmung. Verdammt, da faellt mir noch ein Lied ein das ich auswendig kann weil ich es so oft gehoert habe, und dieser Thai swingt voll mit. Sein Blick verraet mir, das er froh ist nicht zum hunderttausendsten Mal ´We are the champions´ oder aehnlichen antiken Duennpfiff spielen zu muessen, zu dem die farangs mitgroehlen koennen. Ich denke mir noch, na warte mal ab bis wir das Lied anstimmen, denn es sind locker zwanzig Englaender und ihre Freundinnin im Laden.

    Mittendrin kommt ploetzlich Tippa zu uns, will nur gucken was wir da machen. Ich schicke sie weg mit einem knappen aber strengen "Bai", sie zieht strahlend von dannen, dann widme ich mich wieder dem Musiker. Sage ihm, das er bitte erstmal ein paar seiner Stuecke singen und spielen soll, dann werde ich zu ihm auf die Buehne kommen. Setze mich wieder hin, blicke an Tippa vorbei raus auf die Strasse. Gehe den Song durch, na hoffentlich bekomme ich das hin. Klar ist mir, das ich nicht wie Richard Ashroft singen kann, werde also etwas variieren muessen. Textsicher bin ich, aber diese Wechsel der Tonhoehe ist das schwierige. Wie im thai denke ich und muss schmunzeln. Tippa stubst mich an, ich schaue ihr in die Augen. "About what do you think?", ihr Frage erreicht mich nicht. Stehe auf, strechele ihr kurz ueber die Schulter "Its for you tirak..." und gehe zur Buehne. Der Musiker beendet sein Lied gerade, als ich bei ihm ankomme. Stelle mich neben ihn auf die kleine Plattform und nehme das Mikro in die Hand. Beuge mich zu ihm runter, spiel das Thema erstmal an, ich steige dann ein.

    Die ersten Takte ertoenen, und es kommt so wie ich es mir schon gedacht habe, die Englaender fangen an zu groehlen und im Takt zu klatschen. Ich schliesse meine Augen, fuehre das Mikro zum Mund und beginne zu singen. Wie vorhin bei dem Song von Johnny habe ich ein komisches Gefuehl, hoere zwar meine Stimme aber irgendwie ist es doch nicht meine. Fast fuenf Minuten stehe ich da und sehe nichts, hoere nur die Englaender und Englaenderinnen, die voellig aus dem Haeuschen sind und mitsingen. Meine Fresse, das ist ja fast wie meditieren. Als ich meine Augen wieder aufmache sehe ich in viele laechelnde Gesichter, die Englandfraktion steht bereits und applaudiert. Gut, sie koennen ja nicht wissen, das eben ein Kraut ihre Brit-Pop Hymne zum besten gegeben hat. Aber ihre Begeisterung zeigt mir, das es o.k. gewesen sein muss. Sie fordern eine Zugabe, ich lehne laechelnd mit einem Schuetteln des rechten Zeigefingers ab. Stattdessen winke ich in ihre Richtung und bitte sie auf die Buehne, ich habe mich zweimal zum Horst gemacht, das muss reichen.

    An unserem Tisch angekommen sehe ich eine Tippa wie ich sie noch nicht kenne. Sie hat genau verstanden was ich gesungen habe, und weshalb. Sie laechelt, hat aber feuchte Augen. Einen Moment zoegert sie, dann umarmt sie mich. Ihr Kopf liegt auf meiner Schulter, ich hoere wie sie den Rotz hochzieht und leise "Thank you" sagt. Hey Kleines, nicht weinen jetzt.

  10. #139
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Sie wischt sich eine Traene weg, laesst aber mein Knie nicht mehr los. Ich grinse sie an, freue mich das es ihr gefallen hat. Sie knufft mich an "Ba!", also stehen wir auf und gehen rueber zu Vati. Ich lasse mir von ihm noch einen Kaffee machen, Tippa verschwindet in der Kueche. Rede etwas mit ihrem Vater der sichtlich zufrieden ist, das seine Tochter einen netten und lockeren Freund gefunden hat. Das ich ueber zwoelf Jahre aelter bin als sie ist ihm egal, er hat selbst eine Frau die um soviel juenger ist. Auch er ist wie viele Thais zugetackt mit Tattoos, die man jetzt aber nur auf seinen Unterarmen sehen kann. Thailaendische Schrift, auf den Innenseiten der Arme rechts ein Tiger, links ein Drache. Alles mit der groben Nadel in verschiedenen Wats gestochen worden, also Kraft-Tattoos. Vati ist sowieso jemand, bei dem ich mir zweimal ueberlegen wuerde, ob ich mit ihm in den Ring steige. Ein sehr fitter Mensch, der einem bestimmt auch ein volles Bierfass in den Ruecken schmeissen kann, wenn er dazu Bock hat. Die Muckis dafuer hat er. Hier braucht es keinen Rausschmeisser, sowas uebernimmt er selbst. Ganz gluecklich macht er mich auf das Bild vom Koenigspaar aufmerksam, er hat es in den hinteren Bereich des Restaurants gehaengt, mittig an die Wand. Dort befindet sich auch ein kleiner Altar mit Buddhafiguren.

    Tippa kommt mit ihrer Mutter aus der Kueche, hat drei Tueten in den Haenden, vermutlich noch mehr zu essen. Ich verabschiede mich hoeflich von ihren Eltern mit einem Wai, dann gehen wir zum Tisch, nehmen unsere Helme und setzen sie auf. Ich starte die Maschine, Tippa will mir die Tueten an den Lenker haengen. Nee Schatz, die kannste mal schoen hinten in der Hand halten. Nicke Vati nochmal kurz zu, dann klappe ich das Visier runter und rolle mit droehnendem Motor langsam in den fliessenden Verkehr. Ein paar Englaender im Lokal winken, ich laechele fuer sie unsichtbar.

    Von rechts aus der Loi Kroh Road kommen Mopeds, TukTuks, und Autos ohne Unterlass, ich schiebe mich langsam vor, weil ich ja nach rechts abbiegen will. Irgendwann wird es mir zu bloed, und ich drehe mal kurz am Gashahn, stehe ploetzlich mitten auf der stadtauswaerts fuehrenden Spur, und siehe da sie halten an oder fahren an uns vorbei, bis ich mich einfaedeln kann. Wieder geht es quaelend langsam voran, ich muss die Fuesse auf der Strasse schleifen lassen um die Maschine im Gleichgewicht zu halten. Kurze Zeit spaeter entdecke ich einen Rasta mit Begleitung ungefaehr zwanzig Meter schraeg vor uns, die sehen doch aus wie Ralf aus dem Zug mit seiner franzoesischen Freundin? Taxiere den Gegenverkehr, gebe Tippa den Hinweis sie soll sich festhalten. Ihr linker Arm klammert sich um mich, immer wenn sich eine kleine Luecke bietet schiesse ich etwas weiter nach vorne. Solange, bis wir neben den beiden ankommen, dann klappe ich das dunkle Visier hoch und rufe rueber "Hey Alter, wohin gehts?" Es ist Ralf, aber hinter ihm sitzt eine Thai. Na egal, er blickt mich etwas irritiert an, erst als ich ihm sage wer wir sind erkennt er uns. Klar, mit den Integralhelmen auf dem Kopf sind wir kaum zu identifizieren. Er lacht "Wir wollen in die Bar BabaBoBo, weisst Du wo die ist?" "Lass uns mal links ran fahren", ich setze den Blinker und wir halten an. Frage Tippa, ob sie die Bar kennt? Tut sie, denn es ist eine alteingesessene Institution, sie meint die beiden sollen uns einfach hinterher fahren. An der Altstadtmauer schreit sie in ihren Helm "Right", und ich biege rechts ab. Noch bevor sie nochmal etwas sagen muss sehe ich die Bar an der Ecke rechts, stelle die Maschine ab. Ralf fragt mich mit nickendem Blick auf den Bock "Was kostet die?" "Keine Ahnung, neu vermutlich 200.000 Baht oder mehr. Gehoert Tippas Vati" Er staunt nicht schlecht, und zeigt das Tippa auch. Sie laechelt, greift nach meiner rechten Hand "Papa trust Koja" Ich muss lachen "And you? You trust in me?" "No, but I have to" Hebe nur hilflos winkend die Arme, was soll ich dazu noch sagen?

    Wir haben uns gerade erst gesetzt und ein paar Bierchen bestellt, da faellt mein Blick auf einen Travel shop schraeg gegenueber auf der anderen Strassenseite. Mir schiesst es durch den Kopf, das Tippa und ich ja noch gar keine Tickets zurueck nach Phuket haben, nur bis Bangkok. Verdammt, und das so kurz vor Silvester. Also gleich mal ruebergehen, dem Mann hinter dem Bartresen sage ich das wir in 10 Minuten wieder zurueck sind. Schnappe mir Tippa, und gemeinsam betreten wir das Reisebuero. Auf den paar Metern rechne ich durch: Wir hauen morgen Abend hier ab, sind Donnerstag frueh in Bangkok. Wir braeuchten also etwas am Donnerstag Abend oder Freitag frueh. Bus, Bahn, Flieger, das ist mir egal.

    Es kommt jedoch, wie ich bereits befuerchtet habe. Alles komplett ausgebucht, erst am 2. Januar koennten wir Plaetze im Zug bekommen, und auch nur zweite Klasse fuer den night train. Kurze Kriesensitzung, Tippa telefoniert mit Bangkok ob wir nochmal bei Vanida pennen koennen fuer ein paar Tage. Die freut sich, natuerlich kein Problem, auch wenn es eng werden wird. Denn sie hat schon Besuch zum Jahreswechsel, aber egal. Ich rufe simultan Harkan an und sage ihm, das wir zum Jahreswechsel nicht nach Phuket runterkommen koennen. Er meint, das sie am vierten Januar rueber nach Samui gehen, dort erstmal einen Monat bleiben. Vielleicht sieht man sich ja da wieder. Wir wuenschen uns schonmal einen guten Rutsch, dann beraten Tippa und ich wieder. Ich zuecke die Bahntickets nach Bangkok, lege sie der Dame vom Reisebuero vor und frage, ob wir die eventuell gegen einen spaeteren Termin tauschen koennen? Sie schaut in ihren Computer und nickt, am Freitag waere noch etwas frei im Nachtzug. Erste Klasse? "No sorry sir, only second class with fan" Das war jetzt mit Tippa nicht abgesprochen, daher schaut sie mich fragend an. Ich nicke ihr zu, ob es o.k. ist? Sie strahlt, also buchen wir um. Unsere Plaetze werden online freigegeben, dafuer bekommen wir zwei neue 48 Stunden spaeter. Pro Ticket kostet das 20% des Preises, also zusammen 160 Baht. Ich muss mich zusammenreissen um nicht breit zu grinsen bei der laecherlichen Summe, das sind zwei Bierchen in der Bar die ich eben nicht trinke. Aber besser angelegt, denn ich muss ja gleich noch mit Papas motobike fahren. Die Fahrscheine runter nach Surat Thani kosten nochmal 458 Baht pro Nase. Mit den neuen Tickets in der Tasche verlassen wir den Laden, auf dem Buergersteig warten wir auf eine Luecke im Verkehr. Tippa stubst mich an "Khun ba!" "Same same you!"

  11. #140
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir sind noch nicht auf der anderen Strassenseite, da hat sie schon wieder ihr Handy am Ohr. Diesmal ist es Bam, die ueber die Neuigkeiten unterrichtet wird. Als wir die BaBaBoBo Bar betreten, winkt mich der Typ hinterm Tresen zu sich. Mit den Worten "Ich habe dein Bier mal in den Kuehlschrank gestellt" reicht er mir meine angebrochene Flasche und die red Fanta von Tippa. Ich schaue ihn verdutzt an "Biste Deutscher?" "Nein, Franke" grinst er, ich proste ihm zu "Na dann auf Franken, habe da ein Ferienhaus" "Wo?" "In der Naehe von Bayreuth im Fichtelgebirge, danke fuers Bier kaltstellen" "Keine Ursache"

    Auf dem Weg zum Tisch betrachte ich den Laden, ueberall haengen Rolling Stones Plakate, Plattencover, Fotos mit Unterschriften. Erst jetzt faellt mir auf, das Rockmusik laeuft, von den Stones natuerlich. Gebe Tippa ihre eiskalte Blubberbrause, und unterhalte mich dann mit Ralf. Berichte von der Aktion im Reisebuero, er hat seine Plaene auch kurzfristig geaendert und will bis nach Silvester hier bleiben. Der dezente Blick auf seine Begleitung ist eindeutig genug.

    Ich bin froh ueber unsere schnelle Entscheidung, bleiben uns so doch zwei weitere Tage in Chiang Mai. Die Gegend ist toll, die Stadt prima, und irgendwie haben wir noch viel zu wenig der Verwandten und Bekannten kennengelernt. Zudem kann der Jahreswechsel zusammen mit Vanida und ihren Freunden nur lustig werden, mitten in Bangkok. Bam tut mir etwas Leid, also rufe ich sie an und beichte die Sachlage. Als sie anfaengt weinerlich zu klingen reiche ich das Handy weiter an Tippa, sie soll ihrer Freundin in Landessprache die Situation erklaeren. Bekomme das Teil nochmal ruebergereicht, Bam fragt, ob wir wirklich wieder zurueck kommen? "Yes tirak, only for my gunja I do come back to you!" Sie muss lachen "I can smoke it all alone" Nein, die Menge wirst Du nicht schaffen, auch wenn Du vierundzwanzig Stunden jeden Tag an der Blubber ziehst. Sie ist traurig, aber dennoch lustig drauf. Ich sehe sie vor mir, moechte sie am liebsten kuessen. Tippa sieht das auch, und lacht ins Handy. Ralf fragt was los ist, ich kann es ihm so ganz genau nicht erklaeren. Er grinst trotzdem, und wir prosten uns zu.

    In der Bar gibt es einige thailaendische Maedels, die anschaffen. Das ist nicht zu uebersehen. Als ich vom Klo komme grapscht mir eine frech zwischen die Beine, ich bin fast etwas schockiert. Meine zu ihr nur "Mai dschap, phom mii faeaen" und nicke rueber zum Tisch. Wenn Tippa das mitbekommen haette, wuerde es jetzt einen gepflegten Damenkampf geben. Sie hat es aber nicht gesehen, und der butterfly laesst von mir ab, sie hat eh keine Chance gegen meine Freundin. Ist zwar sehr niedlich, mir aber viel zu professionell. Schiebe Tippa in die Bank, los rutsch durch. Sie geniesst es, das ich meine linke Hand auf ihren rechten Oberschenkel druecke und ihn leicht massiere.

    Mir faellt wieder einmal auf, das da kein Gramm Fett zu finden ist. Obwohl sie isst wie ein Scheunendrescher, ich begreife es immer noch nicht wie sie das hinbekommt. Ihr Sport nennt sich schlafen, oder eben essen. In der Gegend rumlaufen oder gar wirklich sportliche Betaetigung ist ein Ding der Fast-Unmoeglichkeit. Dennoch hat sie den Koerper einer Teenagerin, sogar mit siebzehn sind die meissten Maedels in Deutschland fetter. Stecke mir eine Krong Thip an, blase den Rauch ueber mich und betrachte wie er langsam von dem wirbelnden Ventilator an der Decke nach draussen auf die Strasse getragen wird.

    Bestelle noch eine Cola, der Typ hinterm Tresen fragt "Rum Cola?" "Nein, nur eine Cola, wenn Du hast lieber ne Pepsi" Sein unglaeubiger Blick reizt mich zu lachen. "Pepsi ist kein Problem, aber...?" "Nix aber, ich muss den Engel hier noch sicher nach Hause bringen mit dem Motorrad, morgen vielleicht wenn wir mit den Oeffentlichen kommen" Ich bekomme meine Pepsi mit zwei Strohhalmen drin, Tippa lehnt sich mal wieder entspannt an mich, sie ist muede. Mir steckt der Tag auch in den Knochen, und das Klima hier tut sein uebriges. Kloenen noch etwas mit Ralf und seiner neuen Freundin, dann lassen wir die beiden alleine. Ich bezahle die Zeche, draussen wartet das Motorrad und der Strassenverkehr auf uns. Kaum sind wir aus der Bar raus, droehnt und hupt es um uns herum, ich bin froh ob dem letzten softdrink. Das fast schwarze Visier lasse ich hochgeklappt, ansonsten koennte mir Tippa auch von hinten die Augen zuhalten.

    Jedesmal, wenn unter meinem Hintern ein beast zu roehren anfaengt bekomme ich eine Gaensehaut, schiebe meinen Hintern in Position. Ich liebe es, im Stand mal etwas am Gashebel zu drehen und die Vibrationen zu spueren, die Power die ich nun beherrschen muss. Wir sind noch keinen Zentimeter weit gekommen, da gibt es von hinten wieder den Ratschlag "Koja Tschaa tschaa!". Blicke nach hinten, wo sind die Tueten mit dem Essen von Mutti? Den Helm noch auf dem vergesslichen Kopf steigt Tippa ab und rennt zurueck, kommt kurz danach mit dem Zeug wieder aus der Bar. Ich lache, sie kann es nicht hoeren oder sehen, weil ich doch das Visier runtergeklappt habe. Als sie hinter mir aufgestiegen ist und ich ihren Koerper an meinem Ruecken spuere mache ich einen Sichtschlitz auf, und los gehts. Kann es mir nicht verkneifen, die Vorderradbremse erstmal gezogen zu halten, sodass das Hinterrad qualmend durchdreht und die Maschine leicht hin und her schwimmt, dabei quietscht wie irre. Dann lasse ich den zweiten Gang kommen, und ganz entspannt schaukeln wir rein in den naechtlichen Strassenverkehr. Ein paar Thais die auf dem Gehweg laufen gucken uns an, und denken vermutlich "Wieder so ein durchgeknallter farang mit seiner Freundin".

    Am Elefantentor biege ich links ab, ein Fehler. Tippa haut mir zwar noch auf den Ruecken, aber ich sehe den Polizisten schon am Strassenrand. Er trillert mit seiner Pfeife und winkt uns ran, ich muss anhalten. Die Durchfahrt der Altstadt ist nicht gestattet, ich klappe das Visier hoch, frage was los ist? Tippa schaltet sich ein, redet mit dem Beamten, lange -irgendwie viel zu lange fuer mein Empfinden. Rechne schon mit einer saftigen Stafe, aber ploetzlich macht er nur eine Handbewegung in die entgegengesetzte Richtung. Ich soll umdrehen und verschwinden, das lass ich mir nicht zweimal sagen. Wer weiss, ob er es sich gleich nochmal anders ueberlegt. Ein paar schnelle Baht waeren es gewesen fuer ihn, mai mii panhaa. Schaue mich um, die Strasse ist wirklich erschreckend leer, also wende ich und fahre zurueck auf die Hauptstrasse. Nun spuere ich nicht nur ihren Koerper auf meinem Ruecken, sondern hoere auch noch in Doppelmoll ihre Ansage. Schatz, durch zwei Helme hindurch kannste dir die Luft auch sparen, ich weiss selbst das es Unsinn war. Ein Versuch war es wert, hat nicht geklappt. Also brav rum um die Altstadt, im Verkehr mitschwimmen. Erst dahinter kann ich endlich wieder Gas geben, was jedoch sehr schnell recht teuer wird.

    Ich gebe nichts auf die weisse Linie auf der Mitte der Strasse, ueberhole alles was da vor mir her kriecht. Auch die Polizisten, die am Anfang der Kolonne rollen. Dauert keine drei Sekunden, und die roten Lichter am Pickup gehen an, eine eindeutige Sirene ertoent, also wieder links ran. Diesmal ist nichts mehr mit diskutieren, die Jungs wollen Kohle sehen. Ich muss den Helm abnehmen, aha ein farang?! Mir ist klar, das es jetzt gleich doppelt so teuer wird. Die tamruat wollen die Fahrerlaubnis und die Fahrzeugpapiere sehen. Meine internationale Pappe habe ich dabei, aber die Papiere fuer das Motorrad natuerlich nicht. Wie auch, habe ich noch nie in Haenden gehalten. Wieder muss Tippa ran, nennt den Namen des Restaurants ihrer Eltern, und das man sich dort bitte erkundigen moege.

    Ich komme mir vor wie ein kleiner Koeter, der zum zweiten Mal auf den Teppich gemacht hat. Verdammt, das gibt noch Aerger von Papas Tochter. Aber warum laesst er mich auch mit so einem Hobel auf Chiang Mai los? Ich sehe mich morgen schon mit dem Ladybike von Mutti durch die Gegend nuckeln...

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