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Die Fragen...

Erstellt von hello_farang, 17.07.2007, 02:32 Uhr · 176 Antworten · 22.509 Aufrufe

  1. #121
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Ich fische mir mein Handy vom Tisch, suche nach der Nummer von Harkan, waehle ihn an. Es klingelt, und er geht muede an sein Telefon. "Hi Alter, was geht, habe ich Dich etwa geweckt?" "Klar du Penner, wie gehts Euch?" "Alles bestens", dabei schaue ich Tippa na und muss laecheln. "Wir haben dein Dope ausgebuddelt, und zu Bam gebracht. Ich hoffe das ist in Ordnung. Wie wissen naemlich noch nicht, ob wir bis Silvester hierbleiben. Biste noch mit Tippa zusammen, oder haste schon eine Neue?" Ich muss kurz ueberlegen, dann ein "Nein man, natuerlich bin ich noch mit ihr zusammen. Willst Du sie sprechen? Sie liegt neben mir auf der Couch und sieht verdammt 5exy aus dabei...?!", streichele ihren nackten Oberschenkel. "Nee, lass mal. Gestern ist meine Freundin aus Deutschland hier eingetroffen" Ich muss lachen "Na dann haste ja auch endlich mal etwas Spass in Thailand!" "Jaja, du mit deinen Witzen. Was habt ihr vor, wie geht es Malte?" "Malte, keine Ahnung, habe seit ein paar Tagen nichts mehr von ihm gehoert. Scheint also alles im gruenen Bereich zu sein. Wir waren gestern in einer coolen Disco, kein Vergleich zum Khon Thai Pub in Karon. Kannst dir nicht vorstellen was da los war. Einfach nur geil der Schuppen. Morgen gehts mit dem Zug hoch hoch nach Chiang Mai. Die Eltern von Tippa besuchen" "Cool, ihr macht also ernst?" "Ja, Tippa will wieder studieren, und dafuer muessen wir vorher zu ihren Eltern. Das O.K. abholen, und ausserdem wollen sie mich kennenlernen. Wird bestimmt spannend"

    Im Hintergrund hoert man seine Freundin maulen, wir haben sie anscheinend geweckt mit unserem Telefonat, also machen wir Schluss. "Gruess mir Chris und Ee, wenn sie noch da sind" "Ja mache ich, den beiden gehts gut" Lege mein Handy zurueck, und nehme Tippa in den Arm. Streichele ihr ueber den Nacken, fuehle ihr frisch gewaschenes weiches Haar zwischen meinen Fingern. Blicke sie verliebt an, waerend sie mit Vanida redet und den Clips auf MTV zuschaut. Ploetzlich muss sie lachen "Koja look! Same same you and me at Railey beach!" Ich schaue rueber auf die Mattscheibe, es laeuft das Video ´Wicked games´ von Chris Isaac. Ich grinse und sage ihr, das ich bestimmt nicht so gut aussehe wie der Saenger, sie jedoch sehr wohl wie eine thailaendische Helena Christensen. "Like who?" "Helena Christensen, the sweet girl in the video. It is a top model from the early 90ies" Sie erzaehlt Vanida von unserer Nacht am Railey beach, wie wir mitten in Nacht ins Wasser gegangen sind. Ich lausche dem wunderschoenen melodischen Singsang der thailaendischen Sprache, blicke kurz rueber zu Vanida waerend Tippa sich immer enger an mich kuschelt. Drehe ihren Kopf zu mir "Shut up" und ich kuesse sie ruhig.

    Da es nicht mehr lange hin ist bis Silvester, und ich die Tickets gerne in den Haenden halten moechte bevor da etwas schief laeuft, will ich gleich zum Hualampong. Tippa zwaengt sich wieder in ihre enge Hose, eine Wonne ihr dabei zuzusehen. Vanida macht sich auch fertig, diesmal blue jeans und T-Shirt. Zum Bahnhof koennte man theoretisch auch laufen, aber wir nehmen den Bus. Diesmal bin ich mir sicher im Richtigen zu sitzen, die Maedels werden es schon wissen. Bin oft genug in Bangkok einfach in irgendeinen gestiegen ohne genau zu wissen ob er mich dorthin bringen wird wohin ich moechte. Hat mir so manche preiswerte Stadtrundfahrt eingebracht, aber ich habe es immer genossen. Als Tourist hat man ja Zeit, zur Not bleibt man an der Endhaltestelle einfach sitzen, loest ein neues Ticket und faehrt wieder zurueck.

    Hualampong ist fuer mich einer der schoensten Bahnhoefe ueberhaupt. Der Architekt war ein Deutscher soweit ich weiss, und das Gebaeude wurde 1916 eroeffnet. Die riesige Wartehalle mit ihren polierten und stets sauberen Steinplatten auf dem Fussboden ist imposant. Es herrscht einentlich immer viel Betrieb, Reisende warten, kommen, gehen. Morgens um 8:00 Uhr und Abends um 18:00 Uhr heisst es Aufstehen zur Nationalhymne. Nur die Toiletten sind etwas heftig, die Putzfrauen kommen nicht hinterher. Pinkeln kostet 2 Baht, ...... musste ich hier zum Glueck noch nie und weiss daher nicht was sie dafuer haben wollen. Aber ein Blick auf die Klos hat mir gelangt und ich habe immer gewartet bis ich im Zug war. Dann schon lieber ein frisch geputzes Hockklo aus Edelstahl im rumpelnden Waggon kurz nach der Abfahrt.

    Ich ziehe am ATM am Haupteingang 5000 Baht, und wir gehen durch die grosse Halle zu den Ticketschaltern. Tippa fragt eine der volunteers, wo man sich vorbestellte Fahrkarten abholen kann und wir werden von der netten Dame zum entsprechenden Schalter gebracht. Ich frage Vanida nochmal, ob sie nicht dochmitkommen moechte, ich spendiere Dir die Fahrt auch? Nein, sie lehnt dankend ab mit dem Hinweis auf die Vorlesungen naechste Woche. Gutes Maedchen, aber versuchen musste ich es. Tippa nicke ich zu waerend ich mit dem rechten Zeigefinger ermahnend wackele "Siehste?!" Sie muss lachen, und natuerlich haut sie mich wieder auf den Arm. Ich liebe das, dann bekommen wir die Tickets und ich bezahle. Bin etwas ueberrascht, denn es sind vier Stueck. Aber klar doch, die Rueckfahrten sind gleich mitgebucht worden von Vanida. Und wie schoen, es ist der Nighttrain als ich auf die Abfahrtszeit aus Chiang Mai blicke. Man, ich muss unbedingt mein thai verbessern, denn bei ihrem Telefonat vorhin habe ich es nicht mitbekommen.

    Wieder draussen zuende ich mir erstmal ein Kippe an, na das hat ja schonmal bestens geklappt. Da wir so nah an China town sind nehmen wir ein TukTuk, und fuer 50 Baht geht es hinein ins chinesische Gewuehle. Irgendwo laesst uns der Fahrer aussteigen, ich weiss nicht wo ich bin. Schlendern durch die Strassen, die Maedels gucken natuerlich wieder nach Klamotten und Schuhen. Mir faellt dabei auf, das ich gar kein Gastgeschenk fuer Tippas Eltern habe und frage sie. Ihr Blick ist erstaunt, ein Gastgeschenk? Nein, sowas braeuchte ich nicht. Sie nimmt die Uniform mit, die ich ihr gekauft habe, das wuerde reichen. Gut, ich kenne ihre Eltern nicht, weiss nur das sie ein Restaurant haben und fuer thailaendische Verhaeltnisse wohlhabend sind. Was soll man da auch mitbringen? Eine Pulle Black Label vielleicht, aber Tippa meint das Papa nicht trinkt. Also akzepiere ich es, mit leeren Haenden nach Chiang Mai zu fahren. Vor Ort wird mir bestimmt irgendwas einfallen. Aber gluecklich bin ich damit nicht, man bringt seinen Gastgebern doch eine kleine Aufmerksamkeit mit beim ersten Besuch?

    Nach einem Essen ziehen wir weiter, und dann kommt der Laden auf den ich gewartet habe ohne es zu wissen. Buddhastatuen und Bildnisse der Koenigsfamilie. Bleibe sofort stehen und blicke mich um. Die Wahl faellt auf ein schoenes Portrait Seiner Hoheit dem Koenig und Ihrer Hoheit der Koenigin im DIN-A-3 Format, praechtig gerahmt und in durchsichtiger Kunststofffolie verpackt. 650 Baht, und ich handele auch nicht sondern kaufe es sofort. Lasse es noch nett verpacken, mit Schleifchen drum, das ist genau richtig fuer Tippas Eltern. Koennen sie sich entweder zuhause aufhaengen, oder im Restaurant. Die deutsche Seele hat Ruh, ich bin wieder ganz entspannt. Weil sich Vanida und Tippa im Laden umsehen kaufe ich auch noch schnell und von ihnen unbemerkt einen kleinen Buddha im thaistyle.

    Chinatown ist ein eigener space, so voll und quirlig, ueberall chinesische Schriftzeichen, thai wird unter den Bewohnern kaum gesprochen. Man kann nur staunend und geniessent durchlaufen, die Parallelgesellschaft betrachten und sich daran erfreuen das es sowas gibt. Alte Maenner in langen Gewaendern aus Seide, einem langen duennen weissen Oberlippenbart und einem runden Kappi auf dem Kopf. Geschaeftlich plappernde Frauen, huebsche Toechter, gefaehrlich aussehende junge Maenner mit langen Haaren. Das ganze Spectrum einer in sich geschlossen lebenden Bevoelkerungsgruppe. Und ein Farbenfest fuer die Augen, die gebratenen Pekingenten haengen cross gebraeunt sammt Kopf und Schnabel ueber die Stange und warten auf Kaeufer. Klamotten wohin man blickt, alles wuselt durcheinander. Ich habe ein paarmal Probleme beim Umhergucken meine Maedels nicht aus dem Blickfeld zu verlieren, zum Glueck bin ich mit 193 Zentimetern wie ein Mann auf Stelzen und kann sie wiederfinden.

  2.  
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  3. #122
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir nehmen wieder den Bus nach Hause, es ist einfach zu heiss um noch laenger zu laufen. Gegen 16:00 Uhr sind wir bei Sarinya, Vanida verabschiedet sich bis spaeter, dann gehen wir nach oben. Sarinya hat mit ihrer Schwester telefoniert und uns herbeordert. Schliesslich will sie ihren Eltern durch uns ein paar Dinge zukommen lassen. Und sie scheint Tippa ins Gebet zu nehmen, denn die Schwestern reden lange miteinander. Eher ist es Sarinya die redet, und Tippa hoert zu. Habe sie noch nie so ernst gesehen, ihre aeltere Schwester trommelt staendig mit dem Zeigefinger auf den Tisch, auf dem einige Papiere liegen. Es sind Papiere mit Stempeln drauf, ich erkenne das Logo von Chula. Oha, scheinen Zwischenzeugnisse zu sein oder sowas, na jedenfalls schaut Tippa ziemlich bedroeppelt drein. Ihre Schwester legt ihr immer aufs neue ein paar der Papiere vor, deutet energisch darauf und redet ohne Punkt und Komma.

    Der Freund von Sarinya bringt mir und sich ein Bierchen, wir prosten uns zu und setzen uns auf den kleinen Balkon. Die Kids turnen um uns herum und haben keine Scheu vor dem farang, zeigen ihrem Papi und mir die Schulaufgaben, lesen mir vor. Neben uns rumpelt die Aircon und tropft vor sich hin, der Rinnsal laeuft muede ueber den Boden und faellt dann ploetzlich in die Tiefe auf die Strasse. Ich deute nach drinnen, fragend was die beiden so intensiv besprechen? Er nickt und laechelt "They talk about the last chance from Tippa. She will have only one more at Chula, no third you know. Their parents spoke to Sarinya. So they speak now before you go to Chiang Mai" Er meint, das er es sehr gut findet das ich Tippa so darin unterstuetze, und auch ihre Eltern sind dieser Meinung. Es bleibt unausgesprochen ob er und die Familie weiss, was Tippa in Phuket gemacht hat. Aber er betont, das sie wie ausgewechselt ist seit sie mit mir zusammen ist, und das gut ist. "She is happy everytime when she phone us. You have a good heart" Verdammt, das hoere ich nun schon zum zweiten Mal aus dem Kreis ihrer Familie. Einerseits natuerlich schoen, anderseits bedeutet das Verantwortung. Ich kann mir jetzt keine Fehler mehr erlauben, sonst endet die Geschichte so wie ich es nicht moechte. Wir schauen uns in die Augen, dann hoere ich wieder seinem kleinen Sohn zu der bei mir auf dem Schoss sitzt und irgendwas aus seinem Schulbuch vorliest, dabei auf Bilder von Huehnern, Schweinen, und Autos zeigt. Ich versuche ihm nachzusprechen, natuerlich treffe ich die Aussprache nicht und wir muessen lachen. Die thailaendische Art, unbequemen Wahrheiten auszuweichen damit niemand das Gesicht verliert, ich habe sie bereits verinnerlicht.

    Dennoch, als Tippa zu uns kommt um mir zu sagen, das wir rueber zu Vanida gehen, da blicke ich ihm nochmal tief in die Augen, er klopft mir auf die Schulter. Ein wortloser Abschied von dem netten Mann. Mit Sarinya wechsele ich ein paar Worte, denn sie will mir erklaeren das es ein wichtiger Besuch sein wird in Chiang Mai. Sie hat sich ueber eine Stunde mit ihrer Schwester ausgesprochen, und es scheint etwas bewirkt zu haben. Tippa packt ihre Sachen, nimmt die ganzen Papiere mit und ein paar Geschenke ihrer Schwester, darunter Bilder der jungen Familie. Meine Tasche muss ich nur zumachen, denn ich habe hier keine Sachen verteilt, oder sie sind bereits drueben bei Vanida. Das Bild der Koenigsfamilie natuerlich, da will Sarinya wissen was das ist. Ich erklaere ihr das es mein Geschenk an ihre Eltern sein wird, und sie laechelt. Und ihr Laecheln kommt von ganz weit innen, ein sehr ehrliches und dankbares. Tippa sagt ihr, das ich es ausgesucht habe und es meine Idee war. Da legt mir Sarinya ihre rechte Hand auf die Brust "Khun dschai dii, please take care of my little sister", ich muss etwas verlegen laecheln. Die Kurzen huepfen um uns rum, verabschieden ihre Tante und den riesigen Farang.

    Wir gehen rueber in die naechste Soi zu Vanida. Trotzdem es bereits dunkel geworden ist liegt die Temperatur immer noch bei 28 °C, und die paar hundert Meter bringen mich ins Schwitzen. Oh man, ein Koenigreich fuer ein Aircon-Taxi. Oben in der Wohnung angekommen wuerde ich am liebsten gleich wieder duschen. In Deutschland wird staendig ueber den hohen Wasserverbrauch gejammert, hier in Thailand kann es gar nicht genug Wasser sein. Darueber sollten die schwachsinnigen Oekospinner mal nachdenken.

    Vanida erwartet uns natuerlich schon, und so wie es ihre Art ist mit einem Essen. Sie hat eingekauft, Huehnerspiesse und mit Leber, und welche mit rosa Baellchen drauf, die riechen nach Fisch oder Krabbenzeug. Fuer mich Pat Thai mit Gemuese, dazu extra etwas Tofu. Verschiedene Dips und Erdnusssosse. Ausserdem ist Tutu zu Besuch gekommen. Ich sage Tippa sie soll sich an ihrer Freundin ein Beispiel nehmen, aber sie hat fuer heute Abend schon genug input bekommen und winkt muerrisch ab, nicht ohne mich kurz danach trotzdem zu streicheln. Die drei tauschen aus, was Tippa sich alles hat anhoeren muessen von ihrer Schwester. So langsam wird ihr wirklich bewusst, das sich ihr Leben deutlich aendern wird. Wenn sie diesen Weg ernsthaft beschreiten moechte, aber es scheint ihr fester Willen zu sein.

    Ich zappe durch die Programme, bleibe bei CNN haengen waerend die Maedels ihre eigenen Dinge lautstark diskutieren. Die Amis halten ein grosses Manoever in der Wueste von Saudi Arabien ab. Wie lassen die es nur zu, das sich die Unglaeubigen dort so breit machen? Der Krieg scheint immer naeher zu ruecken. Nach ein paar Minuten habe ich genug von der Propaganda und schalte auf einen thailaendischen Kanal, bei dem gerade eine soap mit Polizisten laeuft. Verstehe zwar kein Wort, aber es passt zur Hintergrundberieselung durch die Maedels die in meinem Ruecken auf dem bereits wieder ausgerollten Futon sitzen. Verspuere irgendwann die Haende von Tippa auf meinen Schultern, und wie sie mir den Nacken massiert. Drehe mich nach ein paar Minuten um und sehe, das es jedoch Vanida ist und mich dabei anlaechelt.

    Sie fluestert mir etwas ins Ohr, am liebsten wuerde ich ihr in den Hals beissen so lecker riecht sie nach frischem parfuemierten Olivenoel in ihren Haaren. "You must take care of Tippa, and speak to her parents" "Yes beauty, exactly this I will do in Chiang Mai", unsere Koepfe beruehren sich und reiben aneinander. Herrje, wenn ich Dich am Anfang meiner Reise kennengelernt haette, dann waere vieles sehr viel einfacher gewesen und ganz anders gelaufen.

  4. #123
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Tutu verabschiedet sich, sie muss morgen sehr frueh raus. Wir zwar auch, ich habe noch das erschreckende "Thii sii" von Tippa im Ohr, aber dennoch moechte ich gerne nochmal runter zum Fluss. Meine Freundin will mich nicht wieder alleine losziehen lassen, also kommen sie und Vanida mit. Sie haben wohl die durchaus berechtigte Sorge, das ich wieder mit einer Faehre ueber den Chao Phraya schippern will. Am Pier stehen wir mit einigen Leuten, die eines der letzten Linienboote besteigen moechten und blicken ueber das breite Wasser. Wie schoen Bangkok bei Nacht ist haut mich jedesmal um, auch die Maedels erfreuen sich an dem modern-romantischen Anblick. Es muss schon toll sein hier zu wohnen.

    Als ein Boot anlegt und die Leute zusteigen kann ich mir einen Scherz nicht verkneifen, ganz unauffaellig reihe ich mich ein und schleiche mich davon Richtung Anlegestelle. Bin schon zehn Meter weit gekommen, aber nach wenigen Sekunden ertoent ein "Uii Koja! No!" und Tippa kommt mir hinterher, ich muss grinsen weil sich mehrere Leute umdrehen zu ihr. Der Fluchtversuch war erfolglos "Hey, phom tam joking" bleibe stehen und brav mache ich wieder kehrt. Sie laesst einen schnellen Schwall an thailaendischen Worten auf mich einprasseln, gespielt erbost. Die Umstehenden laecheln uns an, einige nicken mir zu und grinsen dabei breit. Zur Sicherheit ergreift Tippa meine Hand und zieht mich aus der Warteschlange weg vom Fluss, immer noch vor sich hin schimpfend. "O.K. ba, bai baan", dabei muss sie selbst anfangen zu lachen. Vanida schaut uns an und muss auch lachen, Tippa ist so fair mir gegenueber es ihr auf englisch zu erklaeren "Koja everytime make jokes like this. Since we met us. He is bababobo, uii" Als die Leute eingestiegen sind und das Boot abgeelgt hat nehme ich sie in den Arm "Tirak, I make it for us. So that you does not forget me" Sie legt ihren Kopf an meine Brust "I never forget you, I love you so much" Sie drueckt mich dabei so fest, das die gerade erst wieder zusammengewachsenen Rippen schmerzen und ich sie etwas bremsen muss. Dabei schaue ich Vanida an und glaube in ihren Augen den Wunsch zu erkennen, an Tippas Stelle zu sein. Sie hat ein etwas trauriges Laecheln im Gesicht.

    Wir machen uns auf den Rueckweg, als wir an einer Garkueche vorbei gehen, wird Tippa ploetzlich angesprochen aus dem kleinen Laden heraus. Grosse Freude, als sie und die Bedienung sich in die Arme fallen. Natuerlich muessen wir nun erstmal einkehren. Es ist eine ihrer alten Freundinnen, und die beiden schnattern wie zwei thailaendischen Gaense die sich ewig nicht gesehen haben. Ich werde gefragt was ich essen moechte, aeussere meinen Wunsch nach etwas vegetarischem. Die Bedienung versteht nicht, aber wofuer bin ich mit den beiden unterwegs. Nach drei Minuten habe ich Kao pad pak vor mir, die Maedels nehmen eine Suppe als Nachtmahl. Ein grosser Plastikkrug mit Wasser wird gebracht, dazu drei Glaeser. Eine Gelduebergabe dafuer wird kategorisch abgelehnt, ich mische mich nicht ein. Als Tippa von mir erzaehlt werde ich erst aufmerksam, dann sehr freundlich gemustert und die Bedienung streicht mir ueber den Ruecken und sagt etwas zu mir. Da sie und Tippa weiterreden frage ich Vanida, was sie gesagt hat, denn ihr schnelles Thai habe ich nicht verstanden. "She speak you are the right one for Tippa. You know, same same I think" guckt sie mich wieder traurig laechelnd an. Unter dem Tisch spuere ich ploetzlich ihren Unterschenkel an meinem, ganz zart und fast wie zufaellig. Aber es waere genuegend Platz gewesen, kein Zufall und sie zieht auch nicht zurueck sondern drueckt vielmehr noch etwas fester. Ich bin froh, das ich lange Hosen an habe, denn ihre nackten Waden, ihre samtweiche Haut zu spueren haette mich noch nervoeser gemacht. Fuer eine Sekunde zeigen wir uns mit den Augen unsere Zuneigung und Lust, dann muss ich woanders schauen damit es niemandem hier auffaellt.

    Zum Glueck faellt gerade das Stichwort Chiang Mai, die Bedienung schaut mich mit grossen Augen an. Ich bestaetige unbeholfen "Khap, phrung nii rot fai pai Chiang Mai. Bai baan phoo maeae Tippa" Na da gehts los, alle in der Garkueche freuen sich, das der farang versucht thai zu sprechen, sogar Tippa schaut mich etwas ueberrascht an ob den zwei Saetzen. Wieviel versteht der denn nun wirklich von dem, was wir sagen? Ich schiebe gleich grinsend nach "Mai mai, phom phuut passaa thai nit noi" Mit der rechten Hand mache ich eine Bewegung, als wuerde ich den Reissverschluss meines Mundes schliessen. Egal es ist zu spaet, ich habe allem Anschein nach wieder ein paar Steine ins Brett gekloppt. Denn die Bedienung bringt mir ein Bier, labert mich zu obwohl ich davon eigentlich nur ´farang´ und ´phuut thai´ verstehe. Eine Quasselstrippe, die noch schneller sprechen kann als Tippa wenn sie richtig sauer ist. Aber es wird mal wieder deutlich das sich Thais sehr darueber freuen, wenn ein Auslaender es wenigstens versucht etwas in ihrer Sprache zu kommunizieren. Sowas oeffnet Schranken und Herzen, ich habe es schon so oft erlebt.

    Zum Abschied haue ich noch ein "Chock di na khrap tuk khoon. Sawat dii khrap" raus, was eine vielstimmige Erwiderung des Grusses zur Folge hat. Und sie freuen sich, ihr Laecheln und Lachen ist keine Belustigung ueber meine garantiert fehlerhafte Aussprache. Tippa und Vanida reden auf dem Rest unseres Heimweges auf mich ein, wieso ich denn nicht mehr thai sprechen wuerde? "Because I can not" versuche ich ihnen zu erklaeren, selbst wenn das nicht ganz stimmt. Ein paar mehr Saetze sind schon noch drin, aber es ist fuer mich sowohl vom Wortschatz als auch von der Grammatik und der fuenf Tonhoehe her sehr viel einfacher, englisch zu reden. Ich beginne ja auch schon wieder, ab und zu auf englisch zu traeumen. Ich verspreche ihnen aber, nun verstaerkt mein Woerterbuch thai-deutsch-thai einzusetzen, um neue Vokabeln zu lernen.

    Vanida ist es, die mich zuhause nach dem Buch fragt, also hole ich es aus der Reisetasche. Sie schaut es sich ein paar Minuten an, dann sagt sie das erste Wort auf deutsch und grinst mich an. Oje, ich ahne das wird doch noch ein langer Abend. Alles ist in beiden Sprachen sowie in Lautschrift erklaert, in mehrfacher Gliederung. Also kann jeder versuchen, das passende Wort herauszusuchen und es korrekt auszusprechen. Wenn man sich nicht versteht, dann zeigt man drauf und kann lesen was gemeint ist. Absolut coole Idee und eine wahre Fleissarbeit des Autoren, es hat mir bereits oft gute Dienste erwiesen. Und es sieht bereits deutlich danach aus, neu ist etwas anderes. Zwar nur Vokabeln, die Grammatik faellt hinten runter, aber egal. Sanuk maak maak, und durchaus sehr hilfreich.

  5. #124
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Immer wenn ich in der Horizontalen liege werde ich entweder schlagartig muede und schlafe ein, oder ich werde geil. Diesmal werde ich sehr muede, obwohl die Maedels probieren mehr und mehr Woerter auf deutsch zu sagen und ich ihnen bei jedem erklaeren soll, wie sie es richtig aussprechen muessen. Boah, und das am Abend bevor wir in den Norden fahren um so eine unchristliche Zeit. Haette ich das mit dem Buch mal vor zwei Tagen erwaehnt, naja bin selber Schuld. Meine Augen sind bereits geschlossen, ich gebe nur noch Antworten die immer leiser werden. Merke wie mich die Schlaflaeuse beissen, der Sandmann kommt, ich wegpenne. Die Stimmen von Tippa und Vanida bekommen einen Hall und scheinen sich immer weiter zu entfernen.

    Ploetzlich klingelt ein Wecker, ich schrecke hoch. Ja haben die mir das Ding ins Ohr gepfropft? Blicke unglaeubig neben mich. Tippa pennt, aber in der Kueche ist bereits Licht an und Vanida wirbelt herum. Es duftet nach diesem leicht suesslichen Klebreis, den ich so gerne mag. Setze mich auf, jetzt bloss nicht wieder die Augen zumachen sondern aufstehen. Greife neben mich und ruettele an Tippa, die nicht reagiert. Also ziehe ich unsere Decke weg und raune "Los, steh uff!" Sie fragt nur "What?" und versucht sich die Decke wieder ueber den Koerper zu ziehen. Klappt nicht, sie greift ins Leere also wird sie wach. Na sag mal, wofuer habt ihr denn heute Nacht deutsch gelernt? Habe doch eben ganz deutlich gesagt "Steh uff!" Bin wie geraedert, warum muessen wir es auch jedesmal uebertreiben? Aber ich kenne mich, das einzige was jetzt hilft ist aufstehen und den Kreislauf wieder auf Touren bringen. Also hoch vom Futon, vorbei an Vanida ins Badezimmer und ab unter die Dusche. Die Bettdecke ziehe ich sicherheitshalber auf die Couch, damit Tippa nicht wieder einpennt sondern ihr kalt wird. Vanida frage ich "Thii sii mai khrap?" Sie lacht "No, its 3.30 now" Na super, wie sind die denn drauf? Da haette ich doch noch so schoen eine halbe Stunde ratzen koennen, nun ist es zu spaet dafuer.

    Ihr niedlicher verlockender Anblick entgeht mir, ich wanke ins Badezimmer und drehe die Dusche auf. Kalt, was in Thailand sehr relativ ist aber dennoch erfrischend. Durch die angekippten Lamellenglasscheiben weht ein Wind, der die Sache noch kaelter macht als noetig. Aber ich werde wach, greife nach dem Duschgel und seife mich ein, lasse das kuehle Nass auf mich niederprasseln. Schaue dem Schaum zu, wie er krampfhaft versucht, in der kleinen Oeffnung im Boden zu verschwinden. Nein ihr Blasen, ihr werdet es nicht alle gleichzeitig schaffen! Beim steigen aus der Duschwanne packe ich mich fast aufs Maul, denn meine Fuesse sind noch voll von der schmierigen Duschlotion die meine Haut verlaesst. Adrenalin schlaegt hoch, blitzschnelle Reaktion ist angesagt und schlagartig bin ich wach. Verdammt nochmal, was geht ab? Die drei Bierchen gestern koennen es nicht sein, eher die komplette Uebermuedung nach fast zwei Tagen durchmachen. Blicke in den Spiegel, ist eine Rasur noetig? Bin zwar nicht der Meinung, aber ich frage vorsichtshalber gleich mal die Maedels. Bin zum Glueck niemand, der unter dicken Augenringen leidet, aber so richtig entspannt sieht meine Fresse noch nicht aus. Probiere etwas Augentraining, links und rechts abwechselnd angespannt blinzeln, haue mir ein paarmal mit den flachen Haenden ins Gesicht um Farbe reinzubringen. Mit einem Handtuch um die Huefte verlasse ich den Ort der Erfrischung.

    Tippa ist natuerlich wieder eingepennt. Aber Vanida weckt sie bereits, irgendwie hat sie die besseren Argumente als ich denn sie wird wach und steht auf. Auch ihr ist anzusehen das Morgenstund nicht ihr Ding ist, ich schiebe sie ins Bad. Sie will das ich mitkomme, faengt an mein Handtuch zu befummeln. Ich sage ihr "Mai dschab!", haue ihr auf die Finger, was sie laecheln laesst. Na immerhin eine erste Reaktion. Dann stelle ich sie unter die Dusche und drehe grinsend auf, den kalten Hahn. Blicke aus einer anderen Welt, einer anscheinend schmerzhaften und furchteinfloessenden treffen mich fuer einen Moment, dann ist sie voll da. Faengt an zu zetern, dreht an den Haehnen bis die Temperatur stimmt. Laesst dabei pausenlos Flueche ab, zieht sich ihr durchnaesstes T-Shirt und die kurze Hose aus. Ich stehe fuer ein paar Momente vor ihr und betrachte ihren wundervollen nackten nassen schlanken Koerper, dann gehe ich rueber ins Wohnzimmer und ziehe mich an.

    Der Tag faengt gut an, hoffentlich geht das so weiter. Vanida verteilt den Klebreis in drei groessere Schuesseln, steckt in jeden davon einen chinesischen Loeffel, und stellt sie neben dem Herd auf den Tisch. Ich wundere mich wieder einmal, wie die Thais die Menge nach dem Kochen so genau einschaetzen koennen, denn im Topf bleibt nichts uebrig aber die drei Schuesseln sind gleichmaessig voll.

    Nun erst fasse ich sie um ihre Huefte und ziehe sie liebevoll zu mir, um "Guten Morgen" zu sagen auf meine Art. Ihr Busen tut gut auf meiner Brust, sie presst sich an mich als moechte sie nicht das ich gehe. Ich lasse sie jedoch los und frage, wie das jetzt mit der Speisung ablaufen wird? Sie wird ernst, und erklaert es mir. Wir muessen uns hinknieen, den Moenchen etwas Reis in die Schalen geben und uns nach dem kurzen Gebet und Segen der Moenche mit einem Wai bedanken. Am besten soll ich ihr und den Nachbarn einfach zuschauen und es nachmachen. Es wird alles sehr schnell gehen. Ich bin gespannt, habe ich noch nie mitgemacht. Aber da ich keinerlei Beruehrungsaengste mit der Kultur und dem Glauben hier habe, sehe ich es ganz gelassen.

    Lege meine Gebetskette um, gruesse sie und das Amulett daran wie jeden Morgen dreimal und meditiere ein paar Minuten alleine. Tippa kommt zwar aus dem Bad, aber als sie sieht das ich gerade in der Sammlung auf den Tag vertieft bin, ist sie sehr ruhig und zieht sich sofort zurueck. Vanida sieht das zum ersten Mal, und als ich meine Augen wieder oeffne bekommt sie einen richtigen Schreck, denn ich knie so, das sie mir direkt ins Gesicht schaut. Ihr Blick in meine Augen, die verklaert sind, und wie aus einer anderen weiteren Wirklichkeit zu stammen scheinen macht ihr Angst. Der Moment des fremden Blicks ist zwar stets nach wenigen Sekunden verflogen, aber ich komme aus einer anderen Realitaet.

    Tippa hat mir schon gesagt, sie haette den Tod in meinem Blick gesehen, ihn gespuert wie er von mir abstrahlt in solchen Momenten und den Raum um uns herum verlaesst. Und in der Tat, jeden Morgen meditiere ich ueber den Tod, ueber meine Eltern, ueber tote Freunde, natuerlich den LekLai der mich schuetzen moege, ueber die Situationen in denen ich dem Tod selbst ins Auge geblickt habe. Und tauche daraus auf in einem Wissen, das der Tod ein Teil des Lebens ist und jeden jederzeit ereilen kann, ich bin stets vorbereitet auf den Tod. Und ich meditiere darueber, das er mich und meine Leute verschonen moege an diesem Tag. In dieser vielleicht halben Minute danach muss ich einen ganz besonderen Blick haben, auch Tippa will ihn nicht sehen. Sie fuerchtet sich davor. Sogar Nong Nueng, dem Miltaerpolizisten, war es nicht geheuer am Morgen nach unserer langen Nacht in der Kaserne. Das gibt sich nach ein kurzer Zeit wieder, ich spuere es ja selbst. Aber eine Tiefenmeditation ist etwas, was jemanden einstellen kann auf das Leben. Und zu einem fremden Wesen machen fuer seine Mitmenschen.

    Ich kann und werde mich dafuer niemals bei irgendwem entschuldigen, der oder die es miterlebt. Aber vor allem ueberall in Thailand habe ich genau dieselben Erfahrungen gemacht, wenn jemand mit im Raum war waerend ich in dieser Art von Kontemplation versunken bin, andere Welten besucht habe, und dann wieder zurueck auf die Erde kam.

  6. #125
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Die Moenche kommen um kurz nach 5:00 Uhr. In der Soi warten ungefaehr zwanzig Leute kniend auf sie, die meissten davon sind Frauen mit einem Gefaess vor sich. Die Moenche gehen in einer Reihe, rezitieren Texte, und halten kurz ihre Bettelschalen hin, lassen sich etwas Nahrung hineingeben. Danach rezitieren sie weiter und gehen zur naechsten Spende. Kein laecheln, kein Dank, es ist wie selbstverstaendlich. Nur die Frauen und wenigen Maenner die Nahrung geben erbieten jedem der Moenche einen Wai. Auch als sie bei uns sind, es wird sich nicht gewundert das ein farang vor ihnen kniet, keine Reaktion in den Gesichtern der Moenche.

    Unsere Reisschuesseln sind leer, und wir gehen wieder nach oben. Es wird Zeit sich aufzumachen Richtung Bahnhof. Vanida muss gestern Abend noch einen Taxifahrer angerufen haben, denn er wartet bereits auf uns als wir mit unseren Reisetaschen und den Geschenken nach unten kommen. Den Buddha, den ich gesten unbemerkt kaufen konnte habe ich Vanida auf ihren kleinen Altar gestellt, sie hat es nicht gesehen. Soll ja auch eine Ueberraschung sein.

    Wir verstauen die Sachen im Kofferraum, und fahren zu dritt zum Hualampong, Vanida will uns unbedingt zum Zug bringen. Sie hat bereits ihre Studentenuniform an, denn um 8:00 Uhr beginnen ihre Vorlesungen. Sie sieht echt niedlich aus in dem schwarz-weissen Dress. Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, Tippa bezahlt den Taxifahrer waerend ich die Taschen aus dem Kofferraum nehme und auf den Gesteig stelle, mir eine Kippe anstecke. Zwar nur ein paarmal schnell ziehen, denn drinnen darf man nicht rauchen und es ist bereits viertel vor 6. Vanida ist schon reingegangen, kauft uns ein paar Getraenke und etwas zu essen im Supermarkt. Tippa draengelt, sie will den Zug nicht verpassen, aber ich bleibe entspannt. Der faehrt erst in 20 Minuten, und wird bestimmt nicht ohne uns losfahren. Sie geht trotzdem vor, ist zu unruhig. Schmeisse meine Kippe in den grossen Aschenbecher, und folge ihr. Auf den Bahnsteig kommt sie sowieso nicht ohne mich, denn ich habe die Tickets einstecken. Drinnen ein reges Treiben, mindestens 50% sind Touristen die wie wir in den Norden oder vielleicht auch runter nach Surat wollen.

    Vanida traegt die frischen Einkaeufe bis zum Gitter, welches den Wartebereich vom Bahnsteig trennt. Wir verabschieden uns thailaendisch kurz und knapp, ich gebe ihr wenigstens die Hand und bedanke mich. Kuessen und umarmen ist nicht angebracht hier. Der erste Kontrolleur am Einlass guckt auf die Tickets und wundert sich. Verdammt, das sind die Rueckfahrscheine, hier haste die richtigen. Er laechelt und deutet auf die Mitte des Zuges. Im Laufschritt und vollgepackt also ueber den Bahnsteig, vorbei an zwei Getraenkehaendlern und Bahnhofspersonal zu unserem Waggon. Um punkt 6:00 Uhr sehe ich auf die Uhr die ueber uns haengt und wir steigen ein. Siehste Schatz, hat doch prima geklappt.

    Meine Freude ist gross als ich feststelle, das unsere Plaetze auf der rechten Seite sind. Dann koennen wir prima gucken wenn es in die Berge geht. Der Zug faehrt da meisstens auf der linken Talseite und man hat dementsprechend einen super Ausblick in den Dschungel. Draussen ertoent ein Pfiff, es ruckelt heftig und der Zug setzt sich in Bewegung. Hin und her schwankend geht es raus auf die Strecke ueber zig Weichen. Wir verstauen unser Zeug, sagen unseren Nachbarn hallo. Neben uns sitzt ein Farang-Paeaerchen, sehen nach den typischen Backpackern aus. Auch im naeheren Umfeld viele Farangs, aber auch eine Truppe junger Thais, und eine thailaendische Familie mit zwei Kindern. Die Kurzen sind ganz aufgeregt, wissen nicht ob sie nun rausgucken sollen oder doch die ganzen freakigen Farangs bestaunen.

    Ich schaue gleich mal nach was Vanida uns eingekauft hat. Wasser, red Fanta, Muffins, und ganz unten in der Tuete finde ich drei Dosen eiskalte Chang. Ach sie ist ein Schatz, ich ziehe mein Handy hervor, waehle ihre Nummer. "Wadii Vanida, khoop khun na krap for the beer!" grinse ich. Sie lacht zurueck "Phii Koja, I know you. Mai mii panhaa. Everything is fine?" "Khrap, khon wing rot fai" Sie lacht, ich spreche also lieber englisch weiter "Sweethaert, we see us in three days, bye bye" "Khaa" haucht sie ins Telefon "I pick you up when you arrive Bangkok" Tippa wink, sie will auch noch mit ihr sprechen, also rufe ich Vanida zu "Stop, Tippa want speak with you", reiche das Handy rueber.

    Waerend die Maedels miteinander quasseln schaue ich aus dem Fenster und betrachte die aermlichen Huetten, die an uns vorueberziehen. Kinder und Erwachsene winken dem Zug zu, der langsam an ihren spartanischen Holz- und Wellblechbehausungen vorbeirollt. Im Gang schnarren die Ventilatoren und drehen sich, von Zeit zu Zeit kommt ein Windstoss. Ich krame meine Kippen hervor, der Typ neben mir fragt mich auf englisch, ob man hier rauchen darf? "No, but we can go the door, no problem" Er ist sofort sichtlich erleichtert mit dabei. Tippa hat es nicht mitbekommen und guckt mich fragend an als ich aufstehe. Halte Zigaretten und Feuerzeug hoch "Tirak, phom tham suup buri" Sie macht einen Kussmund und redet dann weiter mit Vanida. Na mach mal, ist ja meine prepaid card die du da leerlaberst.

    Unser Nachbar fragt mich, woher ich komme als wir zur Tuer gehen. Deutschland, Berlin. Er und seine Freundin sind aus Manchester, und erst seit einer Woche im Land. Ich grinse ihn an und sage, das man das sieht. "What? You see we are Mancs?" "No man, but your white skin and burned neck shows me you are in Thailand since a short time" "Yes, we came last week from England for two month traveling around" "Where do you go now?" "First Chiang Mai, then golden triangel, later to Laos and Cambodia. And you?" "Oh, we go Chaing Mai for visiting the parents of my girlfriend for three days" "Did you speak thai with the girl? Is this your girlfriend? She´s very beautyful" "Three times yes. But I speak thai only just a little bit" Ich habe die Tuer geoeffnet und mich auf den Boden gesetzt, die Fuesse auf den Trittstufen aus Metallgitter, er bleibt lieber stehen, denn es ist ihm nicht ganz geheuer obwohl der Zug fast in Schrittgeschwindigkeit durch Bangkok tuckert. Immer wieder winkende Kinder, oder ein Hund bellt den Zug an. Ich winke den Kids zurueck, rufe ihnen mal ein "Sawat dii khrap" zu und laechele.

    Der Schaffner kommt aus dem Waggon hinter uns, blickt kurz und fragt nach den Tickets. Das wir an der offenen Tuer rauchen obwohl es verboten ist die Tuer zu oeffnen und im Zug zu rauchen, das interessiert ihn nicht. Ich deute nur gelassen aufs naechste Abteil. Aber er wird mich jetzt bestimmt nicht dazu bewegen koennen aufzustehen. Bevor der Englaender etwas sagen kann ist der Schaffner auch schon wieder verschwunden. Ich sehe sein verdutztes Gesicht, seine Kippe hatte er erschrocken rausgeworfen. Grinse, halte ihm meine Packung Krong Thip hin, und wir rauchen gleich noch eine. "Hey man this is Thailand. No stress..."

  7. #126
    hello_farang
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    Re: Die Fragen...

    Wir gehen zurueck zu unseren Plaetzen, meiner ist jedoch besetzt von einer huebschen jungen Dame die telefoniert. Ich stehe da und hebe fragend die Arme, wie soll ich jetzt verstehen? Tippa schaut mich an, unterbricht kurz das Gespraech "Arai?", na immerhin hat sie jetzt ihr eigenes Handy in Gebrauch. Meines liegt neben den abgelochten Tickets auf dem Tisch zwischen den Sitzen. "Phom phuut gap tamruat!", zeige dabei auf das Ticket und ihren Sitzplatz. Sie lacht nur, nimmt das Telefon wieder ans Ohr und petzt natuerlich gleich, das ich einen Spass mit ihr mache. Setze mich, mit einer Handbewegung und Mimik frage ich, wer dran ist. Sie haelt kurz das Mikro zu "My sister", dann redet sie weiter.

    Naja, ist auch egal ob ich vor- oder rueckwaerts fahre. Immerhin kann ich nun sehen, das die Truppe Thais bereits mit der ersten Flasche Whiskey begonnen hat, ich grinse ihnen zu. Auffordernd wird mir ein Glas hingehalten. Nee Jungs, fuer Schnaps ist es mir nun wirklich noch etwas zu frueh. Aber ein Fruehstuecksbierchen, das waere was. Die werden doch sonst eh alle nur warm, noch ist es geniessbar. Also fummele ich eines aus der Einkaufstuete, biete es dem Englaender an. Der greift zu, waere ja auch gelacht, ich hole noch eins raus und wir prosten uns zu. "Hello, I´m Kolja" "Hi, Mike", auch den Thais proste ich zu, die sich freuen. Mir schwant schon boeses, aber ich verstehe auch warum sich Tippa umgesetzt hat.

    Endlich legt sie auf, beugt sich zu mir vor und floetet "Sorry, you have no more limit on your card now" und tippt verlegen auf mein Handy "I phone to much" Ich grinse sie an "Mai mii panhaa, therefore you are a girl" Sie laechelt, freut sich aber gleich ueber die gute Neuigkeit: "I ordered for you a breakfast without meat, o.k.?" Klar ist das o.k., bin gespannt was das bedeuten wird. Wir ziehen uns die Schuhe aus und legen die Fuesse hoch, jeweils neben den Hintern des anderen. Nachdem das Bierchen alle ist, ist etwas chillen angesagt bis zum Fruehstueck. Irgendwie war das heute schon alles ziemlich frueh. Lehne meinen Kopf gegen die seitliche Kopfstuetze und blicke auf die nun schneller vorbeifliegende Landschaft, nicke ein. Irgendwann werde ich kurz wach, weil Tippa ihre Beine auf meine legt, ja mach mal. Immer schoen sie zu spueren.

    Das naechste Mal werde ich wach, als es nach Essen und Kaffee duftet, der Kellner ist im Waggon. Ich streichele ueber ihre Beine um Tippa zu wecken, sie macht gerade die Augen auf als wir unsere Tabletts bekommen. Er fragt uns, ob Kaffee oder Tee, ich sage Kaffee, Tippa lehnt beides ab. Ich sage nochmal "Two Coffee please", denn ich nehme natuerlich auch ihren. Ist ja schliesslich alles mit drin im Preis. Bin echt angenehm ueberrascht, der Thai hat mir Toast, Ruehreier, Kaese, Butter, und Marmelade gebracht, dazu noch Orangensaft. Die kleinen Wuerstchen bei Tippa sehen aus wie die roten Technowuerste aus Daenemark, kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ihr scheinen sie aber zu schmecken, nur mit dem Toast kann sie nichts anfangen. Um so besser, mehr fuer mich und schwupps, sind die Scheiben auf meinem Teller gelandet. Dafuer holt sie die Muffins aus der Einkaufstuete, und steckt da jeweils eine der kleinen fiesen Wuerste rein, ja klar. Bin froh, das ich es nur mitanschauen muss und nicht selber essen. Der Kaffee ist heftig, schmeckt nach nichts als heissem Wasser, ist nur mit viel Zucker zu ertragen. Aber der O-Saft ist lecker, wenn auch bestimmt aus dem Tetrapak.

    Nach einer halben Stunde raeumt der Kellner ab, aber da bin ich bereits wieder eingedoest. Ab und zu blicke ich mal auf, um gleich wieder zu schwaecheln. Irgendwann greife ich mir die Unterschenkel von Tippa, streichele sie etwas und halte sie fest. Erst als der Zug haelt, ich kann nicht erkennen wo, werden wir wach. Tippa macht das Fenster runter und spricht mit den fliegenden Haendlerinnen auf dem Bahnsteig, reicht ein paar Baht raus und mir Tueten mit unbekanntem Inhalt herein. Der ganze Stop dauert vielleich fuenf Minuten, aber der Tisch zwischen uns ist wieder gut gefuellt. Huehnerspiesse waren klar, aber es gibt auch drei Beutel mit Fruechten drin, die ich nicht zuordnen kann ausser die Ananas. Und irgendwelcher Suesskram. Jedefalls Vegi, also lasse ich es mir schmecken. Die gruenen harten Fruchtscheiben sind unheimlich sauer, aber Tippa lacht nur und oeffnet mit schnellen Fingern das dazugehoerende kleine Beutelchen mit einer Gewuerzmischung. Tupft ein Stueck Gruenzeug rein und fuettert mich damit. Auf einmal ist es nicht mehr sauer, sondern sauer-megascharf. Na halleluja, das ist ja lecker. Irgendwas zwischen Apfel und unreifer harter Birne, sehr knackig und erfrischend. Irgendwann brennt mir aber die Fresse von der scharfen Mischung, ich probiere es mit den Ananasscheibchen auszugleichen, vergeblich. Also wuehle ich in der Tuete von Vanida, und finde das letzte Bier. Als ich es in der Hand halte merke ich schon, das es bereits Umgebungstemperatur angenommen hat, und die liegt im Abteil bei gefuehlten 30°C. Egal, wenns schoen macht, ich lasse es fast in einem Zug in mich reinlaufen und das Feuer in meinem Rachen erlischt endlich.

  8. #127
    hello_farang
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    Re: Die Fragen...

    Der Schaffner kommt durch und ruft die naechste Station aus "Chumsaeng". Die Bierchen druecken etwas auf die Blase, also gehe ich zum Klo. Ein Blick hinein ueberzeugt mich jedoch, das ich in die schwappende und uebel riechende Bruehe auf dem Boden nicht treten moechte. Egal, kommt ja gleich der Bahnhof. Oeffne schonmal die Tuer um zu sehen, ob es da ein Toilettenhaus gibt. Es gibt eins, wie schoen, alles ist besser als das versiffte Ding im Zug.

    Der Zug hat noch nicht angehalten, da springe ich ab und gehe 30 Meter zurueck zu den Erleichterung versprechenden Piktogrammen an dem Steinhaeuschen. Bin gerade fertig mit pinkeln und wasche mir die Haende, schippe mir etwas Wasser ins Gesicht und reibe es mir in die Haare, da hoere ich den Pfiff. Au Backe, jetzt aber schnell. Als ich rauskomme hat sich der Zug bereits langsam in Bewegung gesetzt, aber ich sehe unseren Schaffner noch auf dem Bahnsteig stehen. Er winkt ich solle einsteigen, haette er gar nicht gebraucht. Denn Tippa lehnt aus dem Fenster und fuchtelt mit den Armen "Uii Koja, leo leo!", ausserdem sehe ich Mike an der offenen Tuer stehen der auch ruft und dabei grinst. Ein paar weitere thailaendische Koepfe gucken aus den Fenstern, rufen etwas. Ich muss Fersengeld geben, merke aber sehr schnell, das ich Mike und die Tuer nicht mehr erreichen werde. Also kurze Planaenderung, ich orientiere mich zu einer Tuer des Waggons hinter unserem, die Thais auf dem Bahnsteig die ihren Leuten nachwinken umkurve ich so gut es geht, einige treten auch schnell zurueck als ich an ihnen vorbei renne und machen mir Platz. Greife die Stange am hinteren Eingang und springe auf das Trittbrett. Von innen wird die Tuer geoeffnet, ein Thai lacht mich an, ich bedanke mich und bin wieder Passagier. Kann ja niemand ahnen, das der Zug auch hier nur fuenf Minuten anhaelt.

    Durchquere das Abteil, was etwas dauert weil sich Zugestiegene gerade einrichten und den Gang mit ihrem Gepaeck versperren. Irgendwie wurschtel ich mich japsend durch, schiebe die Tuer auf und befinde mich nun zwischen den Waggons auf hin und her ravenden Metallplatten, cool. Dann oeffne ich die naechste Tuer, und bin wieder in meinem Abteil. Mit Mike rauche ich erstmal eine, dann will ich zu Tippa gehen. Aber sie kommt zu uns, sieht ziemlich gestresst aus "Koja, everytime you make things like this, why?" Ich weiss es nicht, liegt mir wohl im Blut. Als Antwort auf ihre Frage oeffne ich die Klotuer neben uns und grinse hinein. Sie sieht es, und knallt die Tuer wieder zu mit einem angewiderten Blick. Frage sie "Kautschai mai khrap?" "Khaa" und legt ihre Arme um mich, drueckt mich wie einen entlaufenden jungen Hund den sie endlich wiedergefunden hat. "Khun ba!", dabei boxt sie mir in die rechte Seite. Ja Schatz, ich weiss, wir kuessen uns weil ja nur Mike neben uns steht.

    Als wir ins Abteil gehen klatscht die Thaitruppe mit dem Whiskey Beifall und lacht, sie waren wohl die Koepfe die ich kurz wahrgenommen habe. Mache das Victoryzeichen mit beiden Haenden und grinsend setze ich mich. Man, das war ganz schoen anstrengend, 80 Meter ueber den Bahnsteig zu rennen, mir perlt der Schweiss von der Stirn. Zwei der Jungs kommen zu uns, diesmal kann und darf ich den angebotenen Schnaps nicht ablehnen. Tippa grinst nur und schuettelt den Kopf. Gerne wuerde ich jetzt richtig feiern mit den Jungs und mich zu ihnen setzen, jedoch in Chiang Mai muss ich fit sein fuer die erste Begegnung mit Tippas Eltern. Die Erklaerung lassen sie gelten, aber dafuer muessen nun Mike und seine Freundin dran glauben und rueber zu den Thais.

    Von hinter uns kommt ein Rasta, und hockt sich auf die Armlehne der Freundin des Englaenders, fragt auf deutsch was denn los war? Ich schildere ihm kurz die Situation und er zeigt uns lachend seine Zaehne. "Habe eben nur mitbekommen, das ploetzlich einige Leute aus den Zugfenstern gerufen und gelacht haben?!" Verdammt, waere das jetzt keine Dienstreise, ich wuerde mich so richtig schoen gehen lassen und in Chiang Mai breit wie Bolle aus dem Zug stuerzen. Er stellt sich als Ralf aus Guetersloh vor, ich gebe mich auch zu erkennen und sage ihm wie meine Freundin heisst. Er fragt mich, ob ich Bock habe einen kleinen zu rauchen? Klar habe ich Bock, das ist im Zug aber nicht ganz ungefaehrlich, denn schliesslich sind auch einige Polizisten mit im Zug, und der eine vorhin sah nicht so aus als wuerde er allzuviel Spass verstehen. "Der ist am Bahnhof wieder nach hinten gegangen, hat nur die Thais da drueben ermahnt keinen Bloedsinn zu machen..." Gut, also wieder ab zur Tuer, diesmal oeffnen wir aber gleich beide Tueren, links und rechts um genug Frischluft zu erhalten und der Qualm schnell abzieht. Tippa kommt mit, einer Tuete ist sie auch nicht abgeneigt. Ausserdem hat sie vermutlich Angst, das ich gleich wieder irgendwelchen Unsinn anstelle. Ralf hat bereits einen vorgerollt, flammt ihn an und der suessliche Geruch von Gunja erhebt sich. Zwar ...... wir an der offenen Tuer, aber dennoch schaut immer einer von uns durch die Glasfenster der Tueren zu den Abteilen, ob ein uniformiertes Problem auf zwei Fuessen naht. Aber es kommen nur ein paar Thais durch, die keine Notiz von uns und der teuren Luft nehmen.

    Tippa scheint auch ihm sehr zu gefallen, wie sollte es auch anders sein. Sie unterhalten sich auf englisch und etwas thai, mehr als ich kann er von der Landessprache jedoch auch nicht. Kaum ist der erste Stummel raus in die Natur geflogen fragt er "Na, gleich noch einen Nachbrenner starten?" und zieht aus seiner Hemdtasche den naechsten hervor. Tippa lehnt kichernd ab, ich meine nur "Eh ich mich schlagen lasse...", also qualmt es nach einer Minute schon wieder. Ralf und ich stellen uns auf das linke Trittbrett, jeder hat eine Hand an der Griffstange, waerend Tippa uns zu den Abteilen hin absichert und Schmiere steht. Rauchen und geniessen die Landschaft, geniessen es hier im Land zu sein und das alles so einfach sein kann. Da ruft Tippa ganz aufgeregt "Koja, deg soeoef!" Na der raucht doch selbst so wie er aussieht und drauf ist. Der Rasta fragt mich was sie gesagt hat? "Der Kellner kommt, halt mal die Tuete dezent beiseite" Ich zuende mir sicherheitshalber schnell eine Krong Thip an, um etwas im Mundwinkel zu haben wenn er an uns vorbeilaeuft. Hat einen Korb mit Getraenken im Arm, fragt hoeflich laechelnd ob wir was haben wollen. Ausserdem sind seine Augen mehr auf Tippa als auf uns gerichtet. Sage ihr, sie soll mal zwei Bier kaufen, was sie nicht macht sondern drei nimmt. Dann schunkelt er weiter ins Abteil, hat nix gemerkt. Als die zweite Tuete durch ist machen wir die Tueren wieder zu und gehen zurueck.

    Bei der jungen Thaitruppe bleiben wir stehen, machen unsere Bierchen auf, auch Tippa trinkt ihres. Die Komplimente zweier aus der Gang an sie bedenke ich mit einem "Ho Ho Ho" und grinsendem Zeigefingerschuetteln. Sie laechelt und umfasst meine Huefte, bleibt dicht bei mir. Trotzdem eine lustige Unterhaltung, waerend der ich dann doch nochmal am Glas der Jungs nippen muss. Ein paar Soldaten aus Bangkok, die auf Urlaub nach Hause fahren und es gebuehrend feiern. Wer sollte ihnen hier auch etwas verbieten, aber sie benehmen sich und sind einfach nur gut drauf. Der grimmige Polizist wuerde sofort die MP holen lassen zum naechsten Bahnhof, wenn etwas aus dem Ruder laeuft, und dann waere der Heimaturlaub futsch.

    Geh mit Tippa durchs halbe Abteil wieder zu unseren Plaetzen, die Leute auf der rechten Seite schauen mich an und haben ein Grinsen im Gesicht. Verdammt, haben die etwa alle zugeguckt? Ich nicke ihnen laechelnd zu, Tippa meint "Uii Koja, you see all people know?" Ja, was muss Du denn auch so rumbruellen? Als sie sich setzen will fasse ich ihr schnell an den Po, und lasse noch einen Klaps folgen. Nachdem wir unsere Biere ausgetrunken haben, klappen wir den Tisch zusammen und schieben ihn in die Seitenwand unter dem Fenster um etwas mehr Platz zu haben. Frage sie, ob uns eigentlich jemand abholt in Chiang Mai, oder wir selbst zusehen muessen wie wir vom Bahnhof in die Stadt kommen? Nein, ein Nachbar ihrer Eltern soll uns abholen mit seinem Pickup, sie muss ihn bloss eine Stunde vor Ankunft anrufen.

  9. #128
    hello_farang
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    Re: Die Fragen...

    Noch immer faehrt der Zug durch flaches Land, Reisfelder und Vegetation, am Horizont saeumen Kokospalmen das Bild. Ab und an ueberqueren wir eine Strasse, wo ein Ding-Dong akustisch Gefahr anzeigt. Vorne an der Schranke warten die Mopedfahrer, dahinter Autos und LKWs. Tippa haengt halbwegs in den Seilen, dreimal an der Tuete ziehen und ein Bierchen drauf macht sie doch sehr entspannt. Wieder legt sie ihre Beine auf meine, ich massiere sie etwas und sie zupft an meinen Haaren am Unterschenkel rum. "Same same ling, but oon num" kichert sie, weil sie die Haare kitzeln als sie mit dem Unterarm darueber streift. Ja ich weiss, wie ein Affe, danke dafuer, also kneife ich sie. Sie wehrt sich nicht, sondern schaut erfreut und erwartungsvoll. Kann nur mit dem Kopf schuetteln, ja wo denn, etwa auf dem Klo? Sie muss laut loslachen, beugt sich nach vorne und gibt mir einen Kuss waerend sie meinen Nacken umfasst und fluestert "No but I´m horney now" Den Blick kenne ich nur zu gut, aber es gibt hier keine Moeglichkeit ihr ihren Wunsch zu erfuellen. Dann lehnt sie sich wieder zurueck, und geniesst meine Massage ihrer Beine laechelnd und mit geschlossenen Augen, schlaeft ein.

    Ich schaue aus dem Fenster, ab und an auch auf Tippa und in die Runde. Ueberlege wie man es wohl hingekommen koennte im Nighttrain zurueck nach Bangkok. Es ist natuerlich strikt verboten, zu zweit in einem Bett zu liegen. Vielleicht koennen wir die 2te Klasse Tickets noch gegen erste Klasse tauschen? Dann haetten wir ein kleines Abteil mit riesigen Betten fuer uns alleine. Ich muss sie unbedingt danach fragen wenn wir in Chiang Mai sind.

    Die Stimmung im Abteil wird immer ausgelassener, staendig kommen Leute vorbei, auch aus anderen Waggons die nur mal durch den Zug laufen wollen. Denke drueber nach auch mal loszulaufen, aber ich reisse mich zusammen. Leider gilt es heute, Prioritaeten zu setzen. Der gimmic in Chumsaeng, die Tueten und Bierchen waren genug. Also betrachte ich die Landschaft, die sich ganz langsam zu aendern beginnt. Die Felder weichen Plantagen und die Siedlungen werden weniger. Wir kommen an den Fuss der Berge, alle paar Kilometer wird der Wald etwas dichter und rueckt naeher an die Bahngleise heran. Der Zug wird kaum merklich langsamer, um so steiler es wird. Von Zeit zu Zeit gehe ich mal eine rauchen, sitze an der offenen Tuer und lasse meine Beine rausbaumeln. Es wird kuehler.

    Die Soldaten sind auch ruhiger geworden, der Whiskey hat bereits drei von ihnen in den Schlaf geschickt. Unterhalte mich etwas mit Mike und seiner Freundin, der Rasta kommt nochmal vorbei und zwinkert mir zu, ich folge ihm. Mike kifft nicht, begleitet uns aber. Ralf hat ein richtig dickes Ding gerollt, ich sage ihm das ich die letzten zwei Stunden seit dem Doppelschlag nur vor mich hingeglotzt habe und voellig stoned bin, Tippa pennt seitdem. Er grinst "Geht mir genauso, das Zeug ist unglaublich" "Wo haste das besorgt?" will ich wissen "Bangkok, hat mir ein Freund dort besorgt. Ist jetzt aber leider alle. Hoffentlich bekomme ich schnell Nachschub in Chiang Mai?" Ich muss lachen "Na klar man, von dort aus der Gegend wird es doch nach Thailand importiert. Das meisste Thaigrass ist bereits laengst aus Myanmar und Laos" Er nickt bekifft, ich warne ihn "Aber wenn du da unterwegs bist haste besser nichts dabei, denn es gibt sehr viele Polizeikontrollen und Strassensperren. Die checken auch Reisebusse durch, nicht nur Autos. Immer nur dort was holen, wo du gerade bist und auch nur soviel, wie du gerade brauchst" Wir waeren keine anstaendigen ......, wenn wir Mike nicht mindestens zweimal fragen wuerden ob er doch mal ziehen will? Beim dritten Mal greift er zu, muss aber nach dem ersten Zug fuerchterlich anfangen zu husten, seine Birne wird knallrot und wir Deutschen lachen uns fast kaputt. Na, das ist jetzt auf alle Faelle im Kreislauf. Fast ist er ja etwas zu beneiden um den schoenen megaflash. Haben ihn ab dann immer genau im Auge, und lassen ihn nicht in die Naehe der offenen Zugtuer. Gemeinsam geht es dann zurueck, wir liefern ihn bei seiner Freundin ab, ich kann mir das Lachen nur sehr schwer verkneifen, Mike wird gut schlafen bis Chiang Mai. Gehe noch mit Ralf die paar Reihen weiter, setze mich zu ihm und einer Frau, mit der er anscheinend unterwegs ist. Zumindest sind sie sehr herzlich miteinander, eine Franzoesin namens Julie. Frage ihn, ob er schon weiss wie sie vom Bahnhof in die Stadt kommen? "Ja, ihr Freund holt uns ab, kein Problem. Und ihr?" "Wir werden auch abgeholt, wenn Tippa rechtzeitig wach wird und anruft, aber dafuer werde ich schon sorgen" Er deutet nach vorne "Ach Deine Freundin? Man, die ist ja richtig suess!" "Yau, aber ich doch auch...", wir lachen uns an. Verabschiede mich bis nachher mit dem Hinweis "Nicht das sie aufwacht und denkt, ich bin schon wieder ausgestiegen. Und danke vielmals fuer den guten Rauch!", er lacht und winkt mir hinterher "Bis spaeter!"

    Mike und seine Freundin pennen, Tippa auch. Ich setze mich, nehme vorsichtig ihre Beine und lege sie auf meine, da wird sie wach. Voellig verpeilt will sie sich in ihrem Bettchen umdrehen, nur mit dem Problem das sie auf einer Sitzbank des rapid train liegt. Um ein Haar waere sie dabei abgerutscht und auf dem Boden gelandet. Blickt kurz auf, schiebt sich zurueck auf das Kunststoffpolster und pennt wieder ein. Als ich meine Hand in ihr linkes Hosenbein stecke um ihre Haut zu streicheln laechelt sie. Dann gucke ich wieder aus dem Fenster, ach Schatz du verpasst diese grandiose Natur da draussen.

    Mittlerweile sind wir richtig in den Bergen, unter uns breitet sich der Dschungel aus in seinem gefaehrlich geheimnisvollen Gruen. Ich glaube, hier wuerde ich alleine ausgesetzt keine drei Tage ueberleben. Obwohl ab und zu mal eine schwache Rauchsaeule die Existenz von anderen Menschen verspricht. Aber die gruene Hoelle sieht heftig und gleichzeitig so atemberaubend schoen aus. Wie haben das wohl die GIs damals in Vietnam empfunden? Oder die Kriegsgefangenen der Japaner, als sie die Eisenbahntrasse bei Kanchanaburi rueber nach Myanmar beissen mussten? Kein Bierchen, nix zu ......, keinen ewig knatternder Fan ueber sich, und vor allem keine huebsche Frau vor sich, deren Gesicht ich nun ganz genau betrachte - am liebsten malen wuerde.

    Ich praege mir ihr Gesicht ein, ihre langen Haare die ihr ueber die Wange gefallen sind und blau-schwarz schimmern. Ihre geschlossenen Augen, die kaum wahrnehmbaren Zuckungen unter den Lidern waerend sie traeumt, ihre schmalen feinen Augenbrauen. Den nur leicht geoeffneten Schmollmund. Allein von ihrer kleinen perfekten Nase muesste man einen Abdruck machen und in Bronze giessen lassen. Wie schoen sie doch ist.

  10. #129
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    In Nakhon Lampang ist mir klar, das wir deutlich Verspaetung haben. Wie die das immer schaffen ist mir ein Raetsel. Es sind noch ueber 120 Kilometer bis nach Chiang Mai, aber schon kurz vor 16:00 Uhr. Normalerweise dauert die Fahrt nach Fahrplan zehn Stunden. Tippa ist wieder frisch, und kauft uns etwas zu futtern als die Verkaeuferinnen durch den Zug kommen. Ich bekomme nur Obst und Reis, denn anderes vegi food haben die Damen nicht im Angebot. Nach ein paar Minuten riecht es im ganzen Abteil nach frisch gegrillten Huehnerspiessen, Leberspiessen, Fisch und Krabbenbaellchen, und Papayasalat, eben den ueblichen Snacks die ein normaler Mensch in Thailand kauft und isst. Ich grinse rueber zu Mike und seiner Freundin, er schuettelt mit dem Kopf um wach zu werden. "What you want, you slept like a baby man?!" frage ich ihn. Er blickt mich ziemlich zerstoert an "No man, this was heavey..." Ich lache und er muss auch grinsen. War ja seine Entscheidung an dem Joint zu ziehen, nicht meine. Als der Getraenkeverkaeufer kommt kaufe ich ein Bier und fuer Tippa ne Fanta. Mike nimmt zwei Bier fuer sich, und eins fuer seine Freundin. Wir prosten uns zu, und es geht ihm schlagartig besser.

    Tippa spricht mit dem Zugbegleiter und fragt ihn, wie lange es noch bis Chiang Mai dauert? Danach telefoniert sie mit dem Nachbarn von ihren Eltern, sagt ihm das es fruehestens 18:00 Uhr werden wird. Mike und seine Freundin gucken fragend. Also uebersetze ich, das wir erst in zwei Stunden in Chiang Mai sein werden, eher noch spaeter. Sie machen nervoese Gesichter, haben ja bereits das Hotel gebucht. Ich frage sie, ob sie eine Telefonnummer von ihrem Hotel haben? Die Freundin kramt einen Zettel aus ihrer Handtasche hervor und gibt ihn mir. Ich reiche ihn rueber an Tippa und bitte sie, dort anzurufen. Als die Rezeption rangeht reicht sie das Handy weiter an Mike, der die Verspaetung durchgibt und darum bittet, man solle ihr Zimmer freihalten. Sie wuerden bestimmt kommen, bloss spaeter als angekuendigt. Er legt auf und ist erleichtert, bedankt sich bei uns.

    Der Sonnenuntergang ist unglaublich, die Landschaft wird zum Scherenschnitt aus unzaehligen Baeumen und Blaettern, die Wolken leuchten fuer ein paar Minuten rot auf, dann ist es schlagartig stockdunkel. Ich liebe es, nicht diese ewige Daemmerphase wie bei uns, sei es morgens oder abends. Nein in Thailand heisst es Licht an, Licht aus.

    Wir kommen nach Lam Phun, also sind es nur noch 20 Kilometer bis zu unserem Ziel. Tippa ruft den Bekannten nochmal an, er ist bereits am Bahnhof und wartet auf uns. Sie sagt mir das er phii Chang heisst. Im ganzen Abteil beginnen die Leute ihre Sachen zusammenzuraeumen, Schuhe anzuziehen, ihr Gepaeck schonmal den anderen in den Weg zu stellen. Man koennte denken gleich erwartet uns eine schnelle Notfall-Evakuierung des Zuges, und jeder will als erster an der Tuer sein. Ich schaue mir das belustigt an, und nach fuenf Minuten stehen sie alles da mit ihren Taschen und Koffern und Rucksaecken. Anstatt wie Tippa und ich einfach ruhig sitzenzubleiben und abzuwarten, bis der Zug angehalten hat. Denn wenn es ueber die Weichen in den Bahnhof geht, dann wird es gleich nochmal maechtig schaukeln. Und siehe da, als es soweit ist knallen sie links und rechts gegen die Armlehnen, hauen sich die Koepfe an, die uebereinander gestellten Rucksaecke fallen um. Voelliges Chaos, immer wieder ein grosser Spass. Als ungefaehr die Haelfte der Passagiere draussen ist stehen wir auf, nehmen unsere Taschen und gehen langsam und ohne Stress zur Tuer. Draussen auf dem Bahnsteig sage ich Ralf tschuess, wir wuenschen uns noch schoenen Aufenthalt und gute Reise. Das englische Paar ist mit uns ausgestiegen, und blickt sich nach dem Taxistand um. Auch wir verabschieden uns.

    Als ich zu Tippa schaue sehe ich sie schon mit dem Bekannten reden, stelle meine Tasche zu ihrer, lege das Bild vorsichtig drauf. Dann begruesse ich ihn mit einem Wai und "Sawat dii khrap phii Chang. Phom tschueue Koja" Er erwidert meinen Gruss, haengt noch ein "Welcome to Chiang Mai" mit dran. Auf dem Weg zu seinem Auto unterhalten wir uns kurz, ob er schon lange wartet? "No problem" lacht er. Ein netter gemuetlicher Herr um die Fuenfzig, kleines Baeuchlein, gut aber laessig gekleidet. Auf Anhieb sind wir uns sympatisch, er scherzt mit Tippa, freut sich ganz offensichtlich, sie mal wiederzusehen. Sein Auto ist ein fetter Pickup mit Einzelkabine, unsere Sachen landen auf der Ladeflaeche, ich soll vorne einsteigen was ich jedoch wieder einmal dankend ablehne. Tippa erklaert ihm das ich immer lieber hinten sitze, es sehr mag. Also steigt sie zu ihm und ich mache es mir auf der Ladeflaeche bequem. Ganz langsam geht es vom Parkplatz zur Strasse in die Stadt, da sehe ich Mike und seine Freundin, die etwas ratlos dastehen und auf ein freies Taxi warten. Also klopfe ich an der Seitenscheibe, Tippa oeffnet sie "What?" "Tirak look" und deute auf die beiden "Maybe we can take them to the city?" Sie fragt ihren Bekannten, er stoppt. Ich huepfe runter und laufe zu den Englaendern, "You want come with us? Free lift to the city" Das lassen sie sich nicht zweimal sagen, wuchten ihre viel zu schweren Rucksaecke auch hinten drauf. Inzwischen hat Tippa anscheinend mit unserem Fahrer gesprochen, denn als sie vorhin die Nummer des Hotel gewaehlt hat, hatte sie gesehen das sie zum ´Chiang Inn´ wollen. Das liegt fast direkt auf unserem Weg auf die andere Seite der Stadt. Phii Chang wird nochmal begruesst, diesmal auf englisch, und bekommt auch gleich ein Vorab-Thank you very much. Er lacht nur wieder.

    Als wir drei hinten Platz genommen haben schaut er sich nochmal um und blickt durch die Heckscheibe, hebt den Daumen als Frage ob es losgehen kann? Ich nicke ihm zu, dann geht es weiter. Die 1006 ist stadteinwaerts ziemlich voll, also brauchen wir ca. 25 Minuten bis zum Hotel. In der Zeit geniessen wir die frische warme Luft, endlich raus zu sein aus dem Zug und wieder thailaendisches Verkehrschaos um uns zu haben. Bunte Lichter, Neonwerbung, das Gehupe der Mopeds und Autos ist wie Musik. Garkuechen, Geschaefte, merry X mas und Happy New Year Plakate, ueberall Menschen. Was fuer ein wunderbarer Kontrast zu dem 12-stuendigen Sitzen im Zug, soviel Spass es auch gemacht hat. Fast im Schritttempo geht es die Hauptstrasse entlang.

    Schon nach wenigen Minuten dreht sich Tippa zu uns um, grinst und haelt etwas in der Hand nahe am Mund, im naechsten Moment ertoent ihre Stimme ueber uns "Are you happy?" Wir zucken zusammen, sie laesst den Knopf des Mikrofons gedrueckt damit wir das Lachen der beiden in der Fahrerkabine hoeren koennen. Phii Chang hat kleine Boxen zur Musikbeschallung oben am Ueberrollbuegel angebracht fuer seine Familie, wie ich spaeter erfahren soll. Damit sie hinten auch Musik hoeren koennen, ausserdem ein Mikrofon angeschlossen um mit ihnen zu reden wenn er vorne in seiner Eisbox sitzt und faehrt. Dann legt Tippa seichten Thai-Techno ein, wir grinsen und klatschen Beifall. Im Rueckspiegel kann ich Phii Changs Augen erkennen, die durch sein Grinsen zu schmalen Schlitzen geworden sind.

    Mike und seine Freundin sind gluecklich und staunen. Ich meine zu ihnen "This is Thailand, Sanuk maak maak, have fun a much as you can" und freue mich. Wir tanzen mit den Oberkoerpern, und vom Buergersteig aus wird uns zugewunken, einige tanzen auch kurz mit und laecheln breit. Ach ist das geil, am liebsten wuerde ich die ganze Nacht so durch die Gegend fahren.

  11. #130
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Als wir vor dem Chiang Inn halten, ertoent die Stimme von pee Chang "First stop the Chiang Inn Hotel". Habe ihnen kurz vorher gesagt, das sie auf gar keinen Fall Geld zuecken sollen. Lachend steigen wir ab und er mit Tippa aus. Die Englaender nehmen ihre Rucksaecke, und bedanken sich vielmals bei dem netten Thai der sie mitgenommen hat. Die Freundin von Mike strahlt ueber das ganze Gesicht, ich glaube am liebsten wuerde sie pee Chang jetzt kuessen. Sie kann sich eine Umarmung aber nicht verkneifen, er grinst und freut sich. Wir verabschieden uns nochmal, und das herzlich. Dann steige ich wieder auf, klopfe leicht aufs Dach und es geht zurueck in den Verkehr.

    Wir umrunden die Altstadtmauer, welche von Scheinwerfern dezent angestrahlt wird und sehr beeindrucken ausschaut. Tippas Eltern wohnen in der Naehe der Uni auf der anderen Seite, es dauert nochmal eine halbe Stunde bei schoener Musik, und wir sind da. Nicht beim Restaurant, sondern beim Haus. Es stehen hier mehrere, bin gespannt welches es davon wohl ist. Und ob die Eltern uns bereits erwarten? Ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch, auch wenn ich ganz relaxed bin. Schliesslich kenne ich bisher nur ihre Toechter und die beiden Enkel. Ich huepfe von der Ladeflaeche und lass mich einfach ueberraschen. Nehme unser Gepaeck vom Pickup, und warte wohin sich Tippa dreht. Aber es ist schnell klar, denn aus dem rechten Haus kommt eine Frau auf uns zu, die aber unmoeglich ihre Mutter sein kann, denn dafuer ist sie viel zu jung. Tippa laesst ihre Tasche fallen und die beiden begruessen sich, es ist die Tochter der Schwester ihrer Mutter, wie sie mir erklaert wird. Auch eine huebsche Thai, mit kuerzeren Haaren. Die zwei Jungs die auf Tippa lachend und schreiend zurennen sind vermutlich ihre Kinder. Hoffe ich wenigsten fuer einen kurzen zweifelnden Augenblick, nicht das Tippa mir doch etwas verschwiegen hat? Tippas Cousine heisst Mali, ihre Jungs Lee und Bruce. Ich muss grinsen, Bruce Lee also? Ihr habt doch eine Macke, geile Idee seine Kinder so zu nennen. Brav begruessen mich die beiden vielleicht sieben- und achtjaehrigen mit einem Wai, um danach wie selbstverstaendlich gleich etwas auf thai zu fragen. "Phom mai kautschai. Khon phuut angrit mai khrap?" antworte ich, sie lachen, der aeltere fragt danach auf englisch wo ich herkomme? "From Bangkok" grinse ich, sie muessen wieder lachen so wie ihre Mutter. "Phom khon Joerman"

    Pee Chang verabschiedet sich, ich bedanke mich bei ihm "Khoop khun na khrap, laeaeu phop gan na", Tippa macht einen Wai vor ihm, spricht kurz ein paar Worte mit ihm waerend ich schonmal die erste Tasche und das verpackte Bild ins Haus bringe und im Flur abstelle. Die Jungs wollen wissen was das ist? "A gift for phoo maeae Tippa, you know ´gift´?" Beide schuetteln mit dem Kopf, gucken mich an. Ich ueberlege, was heisst Geschenk auf thai? "Khoong kwaan, kautschai mai?" probiere ich es. Treffe aber die aufsteigende Toene nicht richtig. Zum Glueck kommt ihre Mutti mit Tippas Tasche, und wir halten eine erste kurze Sprachuebung ab, solange bis ich es hinbekomme. Tippa selbst steht noch draussen und unterhaelt sich mit einigen Nachbarn, die ihre Ankunft wohl erwartet oder zumindest mitbekommen haben.

    Gehe zu ihr, als sie mich ruft. Mir ist klar, das ich jetzt erstmal wieder vorgestellt und begutachtet werde. Also gleich mal in die Offensive, "Sawat dii khrap tuk khon. Phom tschueue Koja" begruesse ich die Leute, vielleicht acht Maenner und Frauen. Wie immer freuen sie sich das ich etwas thai spreche. Eine schon ziemlich alte Frau kommt naeher, sie hat eine Brille auf und geht gebueckt. Schaut mich aus der Naehe an, und meint "Khun suung lae phoom. Khun loo" und noch etwas was ich nicht verstehe, dabei taetschelt sie mir den Bauch. Tippa und die anderen lachen, ich muss grinsen. Und als Tippa ihr erklaert "Pee, Koja mii faeaen", dabei meine Hand ergreift, lachen wieder alle, nette sympatische Nachbarn. Die alte Dame gibt auf, erzaehlt etwas auf thai und geht langsam die Strasse runter waerend einer der Nachbarn sie begleitet. Nachdem wir noch eine viertel Stunde mit den uebrigen geredet haben gehen wir ins Haus.

    Mali zeigt uns unser Zimmer im ersten Stock, dann bringt sie uns etwas zu trinken und wir setzen uns ins Wohnzimmer. Die Jungs haengen wie Kletten an Tippa, sie macht Faxen mit den beiden. Wird bestimmt auch mal eine tolle Mutti ueberlege ich, als ich sie betrachte wie sie mit den Kindern umgeht. Die Moebel im Zimmer sind alle aus dunkelrotem Massivholz geschnitzt, erinnern mich an die Sitzgelegenheiten auf dem Flughafen von Koh Samui. Organische Meisterwerke hier aus der Gegend, und super bequem. Ein mittelgrosser Wandaltar mit einigen Buddhastatuen und Bildern von Moenchen, frischen Lotusbluetenknospen und Schalen mit Wasser. Gegenueber haengen Fotos der Familie. Als Kontrast dazu ein riesieger Flachbildfernseher an der dritten Wand, darunter eine Hi-Fi-Anlage, auf der einige Mikrofone liegen. Hier wird also auch Karaoke gesungen, na hoffentlich komme ich drum herum selber singen zu muessen. Das waere besser fuer alle, da bin ich mir sicher.

    Wir unterhalten uns, ich gehe zwischenzeitlich mal kurz hoch in unser Zimmer und krame aus meiner Reisetasche zwei Werbetrucks einer fraenkischen Brauerrei hervor, die man immer beim Kauf einer Kiste dazu bekommt. Wieder unten halte ich sie hinter meinen Ruecken und frage die Jungs, welche Seite sie haben wollen "Left or Right?" Jeder entscheidet sich fuer eine Seite, ich gebe ihnen die Dinger. Grosse Augen, da steht ja was auf farang drauf? Sofort werden die Verpackungen zerrissen und die beiden rollen mit den Bierkutschen ueber die Kacheln. Habe 10 Stueck mitgenommen aus Deutschland, sowas ist immer ein schnelles nettes Geschenk fuer Jungs in dem Alter, ausserdem kostet es mich nichts.

    Kann mir irgendwann ein ausgiebiges Gaehnen nicht verkneifen, Mali fragt ob ich muede sei. "Phom nueai nit noi, mai mii panhaa", Tippa erklaert ihr das wir heute um 4:30 Uhr aufgestanden sind. Ich grinse, denn ich bin um halb Fuenf aufgestanden, sie hat ja noch eine halbe Stunde laenger gepennt. Meine Richtigstellung beantwortet Tippa erstmal mit einem Hieb auf meinen Oberschenkel, dann erzaehlt sie wie ich sie heute morgen unter die kalte Dusche gestellt habe. Mali lacht, findet das klasse. Fuer mich aber auch das Stichwort, ich muss dringend duschen und mich umziehen. Raus aus den Klamotten, den Dreck der Reise runterwaschen um wieder fit zu werden. Frage Tippa, ob oben oder unten, denn es gibt zwei Baeder in dem grossen Haus. "Khaang bon, upstairs", sie zeigt nach oben. Ihre Cousine sagt uns, das wir in einer Stunde zum Essen ins Restaurant der Eltern fahren wollen, ich gehe nach oben und stelle mich unter die Dusche.

    Das Bad ist groesser als das Zimmer, in dem ich auf Phuket bei Lek und Puu vor mich hingedaemmert habe nach dem Unfall, es ist unglaublich. Tippa hat nicht untertrieben als sie mir sagte, das ihre Eltern viel Geld haetten. Beim duschen ueberlege ich, wieso sie dann solch einen Bloedsinn gemacht hat, ihr Studium abgebrochen und lieber ein paar farangs ueber den Tisch gezogen hat. Klar ist das schnell und leicht verdientes Geld, aber wirklich Spass machen kann das doch nicht? Gut, sie hat zwischendrin ein paar nette Jungs gehabt, mit denen sie sanuk hatte wenn sie es wollte. Frage mich, wo ich mich da selbst einordnen kann und sollte? Um als Zeitvertreib zu gelten kennen wir uns bereits zu lange und vor allem viel zu gut. Und dafuer moegen wir uns auch zu sehr. Am 5ex kann es nicht liegen, den kann sie von anderen Maennern genauso gut oder besser haben, ich bin da eher Durchschnitt. Ist es die harte Schale mit dem weichen Keks? Nee, von der Sorte gibt es soviele Maenner wie Sandkoerner am Strand von Karon. Sie hat mehrfach von meinen Augen gesprochen, die sie so faszinieren, in den sie lesen kann aber dennoch nichts versteht. Stelle mir unmoegliche Fragen und merke, das ich sie liebe und mit ihr zusammenbleiben moechte. Und das ich mir ihrer ziemlich sicher bin, das Gefuehl hatte ich schon lange nicht mehr. Das ist schon laengst kein Urlaubsflirt mehr, sondern eine Beziehung geworden. Und das passiert mir als eingefleischtem Junggesellen?

    Grinsend geniesse ich es mal wieder alleine zu duschen, strecke das Gesicht zum Brausekopf hoch und lasse das Wasser auf mich herunterprasseln. Als ich mich abtrockne und im Spiegel betrachte faellt mir auf, das ich in Bangkok doch noch zum Friseur haette gehen sollen. Ein thailaendischer Polizeihaarschnitt ist das nicht mehr, aber mit der Buerste und etwas Olivenoel laesst sich doch Form reinbringen. Entscheide mich fuer die blauen Jeans, ein rotes T-Shirt, und drueber das weisse langaermlige Hemd mit den kaum sichtbaren hellblauen feinen Laengsstreifen. Dazu nehme ich die dunkelbraunen Slipper aus der Reisetasche, gehe nach unten und stelle sie in den Flur an die Tuer.

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