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Die Fragen...

Erstellt von hello_farang, 17.07.2007, 02:32 Uhr · 176 Antworten · 22.505 Aufrufe

  1. #1
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Die Fragen...

    Die Schatten der Gitter vor dem Fenster scheinen durch den Vorhang, und tanzen danach ueber meine Beine. Vermischt mit den kleinen Fliegen, die immer wieder aufs Neue meine Wunden ansteuern, und der fast unertraeglichen Hitze verschwimmen sie zu einem surrealen Traumbild. So muessen sich die gefangen genommenen GIs in Vietnam gefuehlt haben denke ich. Mal bellt ein Koeter, oder ein Hahn kraeht, ein paar Motoren brausen vorbei, wo bin ich? Ich hoere Kinderlachen, und fremde Stimmen.

    Ganz langsam komme ich zu mir und merke, das ich ...... muss. Bloss wo bin ich? Wie in einem schlechten Traum, aus dem man nicht aufwachen kann, versuche ich aufzustehen. Nichtmal aufrichten kann ich mich vor Schmerzen in Schulter und Brustkorb, aber immerhin bin ich nach dem Versuch sehr wach. Die verdammten Fliegen steuern wirklich immer wieder meine Schulter und mein Gesicht an, ich will sie wegscheuchen. Die Handbewegung mit dem linken Arm sticht, als wuerde man mir ein Bayonet in die Schulter treiben. Ein Hustenanfall laesst meine gebrochenen Rippen huepfen, und das kaputte Jochbein knacken. Ich sinke schweissgebadet sofort wieder zurueck auf die Madratze. Stelle mir die Frage, wie kaputt ich eigentlich bin? Ziemlich anscheinend.

    Der naechste Plan ist, das ich mich seitlich nach rechts wegrolle, um irgendwie aufstehen zu koennen.
    Schwung rechts rum, wieder sticht mir jemand ein Messer in die Schulter, was ist das verdammt?! Als ich die Decke beiseite ziehe sehe ich es, ein offenenr Schluesselbeinbruch. Der zerbroeselte Knochen sticht duch die Haut und man kann ihn bewundern. Die Kombination von getrocknetem Blut und weissem Knochen ist heftig, ich beginne schon wieder wegzurutschen. Aber ich will aufs Klo, egal wie.

    Mit viel gutem Willen schaffe ich es, mich auf die Seite zu rollen und dann aufzusetzen. Eine grosse graue Spinne mit ihren langen dicken Beinen fluechtet vor meinem Koerper die gegenueberliegende Wand entlang. Ich schaue ihr dabei zu, mein Gott wie haesslich sie ist Die vielen winzigen Fliegen setzen sich sofort wieder auf die offenen Wunden, aber es ist mir egal. Auch die kleinen Ameisen, die sich an und auf meinem offenen Knie befinden, nehme ich nur schemenhaft wahr.

    Jetzt aufstehen, komm das muss doch klappen. Der Versuch schlaegt fehl, und ich krache zurueck auf die Madratze. Das Blut kommt aus der Schulter gesuppt, die Fliegen freuen sich und tanzen. Mir wird fast schlecht und ich hoere nur noch ein Pfeifen im Kopf. Na Halleluja, du hast das grosse Los gezogen oder was? Irgendwie muss ich aber bei der Aktion die Tuer erreicht und aufgerissen haben, denn ploetzlich beginnt der Vohang am Fenster an zu wehen, und ich bekomme frische Luft in den Ruecken geblasen.Mit erneutem Mut und Willen richte ich mich auf, und stehe irgendwann. Die verdammten Beine funktionieren also noch, denke ich dabei.

    Wackelig wie ein Kleinkind steuere ich auf die nur knapp zwei Meter weit entfernte Tuer zu, muss mich dabei aber an der Wand abstuetzen. Schlage mit dem Kopf gegen die Wand, es zerreisst mir schier den Kiefer. Alter, da haste letzte Nacht aber einen heftigen Stunt hingelegt, und wo verdammt nochmal bist Du ueberhaupt?!
    Ich raffe mich zusammen, und oeffne die Tuer ganz, und blicke auf eine Mauer. Es ist der Gang durchs Haus, was mir aber nicht ganz klar ist. Ich sehe nur unverputzte Betonsteine, und halte darauf zu. Und schlage wieder ein, lande danach dumpf auf einem gekachelten Boden. Die gebrochenen Rippen nehmen mir den Atem, wie gerne wuerde ich jetzt einfach nur liegenbleiben.

    Von irgendwoher hoere ich ein besorgtes "Koja?" Es ist die Freundin meines brothers, ihr Name ist Puu. Ich bin ihr quasi vor die Fuesse gefallen, auch wenn es fuer mich eine halbe Stunde gedauert hat. "Hong nam" wimmere ich, und sie versteht sofort. Sie zieht mich ueber die Kacheln in Richtung des Klos. Aufstehen kann ich nicht mehr, das merkt sie sehr schnell. Immer noch kreisen diese verdammten Fliegen ueber mir.

    Ich schaffe es irgendwie wieder auf die Beine zu kommen, um mich danach direkt wieder hinhocken zu duerfen. Ueber das Loch, welches das Klo darstellt. Mit dem Ruecken pralle ich gegen die Wand, und erst jetzt merke ich, das ich gar keine Hose an habe. Wieder probiere ich aufzuwachen, aber es klappt nicht. Voellig neben der Kappe versuche ich, das Ritual mit der Wasserschuessel hinzubekommen, nachdem ich gekackt habe. Mit aeusserster Konzentration gelingt es mir auch, und ich krieche aus dem Badezimmer. Puu hakt mich unter und bringt mich zurueck in mein Zimmer.

    Zum ersten Mal sehe ich aus dem Fenster, welches sich direkt gegenueber der Tuer befindet. Puu hat den Vorhang beiseite geschoben, um frische Luft herein zu lassen. Ich sehe eine Hauswand, und drei oder vier Kindergesichter, die von aussen durch die Gitterstaebe gucken. Na toll denke ich, du bist halbnackt, voellig kaputt, und die Goeren glotzen dich an? Ich muss grinsen, was mir jedoch sofort wieder vergeht bei den Schmerzen des gebrochenen Jochbeins.

    Woher Puu die Medizin hat weiss ich nicht, aber sie traeufelt mir eine Art Jod auf die offenen Wunden. Die Drecksfliegen scheint das aber nicht zu stoeren, denn sie schwirren weter munter auf meinen Wunden rum. Ich frage nach einem Mokitonetz, "!No have!". Ich frage nach einem Ventilator, "No have!" Ich bin bedient.

    [hr:d74132af23]
    Dieser Thread ist der Geschichte vorbehalten. Die Diskussion findet in diesem Thread statt.

  2.  
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  3. #2
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Lek kommt mit dem Pickup seines Bruders. Ich ziehe mir die Shorts an, und streife vorsichtig ein Hemd ueber. Die Kabine des Toyota ist auf 18°C runtergekuehlt. Normalerweise kann ich sowas nicht leiden, aber jetzt ist es eine Erloesung. Von Lek bekomme ich noch einige Paracetamol Tabletten, dann fahren wir los nach Patong.

    Zum zweiten Mal innerhalb von 12 Stunden ins Patong Hospital. Letzte Nacht hat man mich dort nach dem Motorradunfall notduerftig zusammengeflickt, aber der Schluesselbeinbruch hat sich wieder geoeffnet. Lek faehrt einen Schlenker durch Kata, um mir den Unfallort zu zeigen. "You see, here you crash. Do you remember?" Ich verneine, kann mich an nichts erinnern. Aber deutlich sind Schleifspuren auf dem Beton zu erkennen, ein kaputter Spiegel liegt am Strassenrand neben einigen Plastiksplittern. "From this bar a farang came with his motobike and hit you" er zeigt nach rechts. Mein Streckverband laesst es nicht zu das ich hingucken kann, ohne den ganzen Oberkoerper mitzudrehen wie ein Roboter. Ich erkenne die Bar wieder, auch wenn sie jetzt ganz anders wirkt als letzte Nacht.

    Meine Erinnerung an den gestigen Abend setzt erst da ein, als ich auf der Strasse liegend wieder zu mir komme. Um mich herum viele Thais, Lichter und laute Musik. Ernste und interessierte Blicke ruhen auf mir, waerend ich mich aufsetze. Lek ist neben mir und freut sich, das ich aufgewacht bin. Zwei Sanitaeter und mehrere Polizisten erkenne ich an ihren Uniformen. Das Motorrad liegt ca. 10 Meter entfernt auf der Fahrbahn Richtung Karon. "Verdammt" denke ich, irgendwas muss eben passiert sein?
    Einer der Polizisten fragt mich nach der ID und driving licence. In Zeitlupe reiche ich ihm beides rueber, waerend die Sanis mit meinen offenen Knien beschaeftigt sind. Ich sehe wie sie den Dreck herauspopeln, aber es tut merkwuerdigerweise nicht weh.
    Der Polizist gibt mir meine Dokumente zurueck, und unterhaelt sich danach mit Lek. Lek gestikuliert zur Bar, dann zu mir, dann die Strasse entlang, scheint dem Tamruat den Unfallhergang zu erklaeren. Einige Thais diskutieren mit, und scheinen Leks Schilderungen zu bestaetigen, denn alle machen aehnliche Armbewegungen. Ein aelterer Tourist spricht mich in gebrochenem Englisch an, ob er helfen koenne. Ich antworte auf deutsch, das dies nicht noetig ist. Er wechselt im meine Muttersprache, ein Berliner! "Ick habs zwar nich jesehn, aber jehoert. Hier von der Bar startete ein schweres Motorrad, dann hats ooch schon jekracht. Der Typ ist uebrigens einfach weiter jefahrn." Ich danke ihm, er hakt nach: "Mensch Junge, Dein Jesicht sieht jaa nich jut aus. Wieso haste denn keenen Helm jetragn?" Ich erwiedere, das ich es nicht weiss. Und das er nicht weiter fragen soll, weil ja die Polizisten daneben stehen. Noch mehr Stress brauche ich momentan nicht. Er versteht, gibt mir seine Handynummer, und ist verschwunden. Alles laeuft nach wie vor in slow motion ab, die Geraeusche sind in Moll, ich merke das es mich arg erwischt hat.

    Aus der Bar wird Eis gebracht, welches einer der Sanitaeter in einen Plastikbeutel fuellt und mir damit die linke Gesichtshaelfte kuehlt. Erst jetzt merke ich, das ich in einer grossen Wasserlache sitze, und meine Klamotten teilweise auch nass sind. Drehe mich zu Lek und frage ihn, wieso? "They give water for wakeup" erklaert er mir. Aha, und ich dachte schon ich haette mich eingepisst.
    Lek hat mittlerweile einen Freund angerufen, der TukTuk Fahrer ist. Dieser kommt an und parkt neben mir. "Hello, I am Kob. A brother from Lek. We go hospital now" Ich muss laecheln: "Phom tschueue Koja and I am also a brother from Lek" Es kommt zu einer kurzen aber heftigen Diskussion zwischen den Sanis und Kob und Lek, es geht wohl um den Transport ins Krankenhaus. Mir egal, ob nun auf der Ladeflaeche eines Pickup mit Rotlicht oder im roten TukTuk, hauptsache ab ins Krankenhaus. Natuerlich setzen sich Kob und Lek durch, und so werde ich von ihnen vorsichtig aufgerichtet und zum TukTuk gefuehrt. Lek setzt sich mit nach hinten, steckt mir eine Krong Thip an und reicht sie mir rueber. Ich nehme einen tiefen Zug, und muss husten. Ein stechender Schmerz im linken Brustkorbbereich. Na das kennste doch schon, Rippenbruch. Der zweite Zug geht schon besser, aber ich merke, wie mir die Fluppe einfach aus dem Mund rutscht, ich kann sie nicht aufhalten auf ihrem Weg auf den Metallboden es TukTuk. Einige Funken spruehen ab von der Glut, und auch wieder wie in Zeitlupe rollt das glimmende weisse Etwas durch den Einstieg auf die Strasse. Lek schaut mich sorgenvoll an, seine Augen betrachten meine linke Gesichtshaelfte. Den Eisbeutel habe ich fuer die Kippe aus der Hand gelegt, und so kann Lek sehen was da nicht stimmt. Mir haengt der linke Mundwinkel herunter, darueber Schnitt- und Schuerfwunden, alles dick angeschwollen.

    Die Fahrt dauert ewig, wenn ich mal meinen eigenen Fahrstil zu Grunde lege. Kata-Patong geht mit einem schnellen Bock in ca. 15 Minuten, das weiss ich. Kob braucht bei seiner Schleichfahrt locker 45 Minuten. Aber vielleicht auch gut so, denke ich. Denn selbst der kleinste Ruckler verursacht hoellische Schmerzen im Brustkorb.
    Irgendwann sind wir endlich am Patong hospital, ich schleppe mich unterstuetzt durch die brothers in die Aufnahme. Die Uhr zeigt mir, das es bereits 02:35 ist, mitten in der Nacht. Ich bin der einzigste Gast, der Arzt muss erst geweckt werden. Wie ueberall auf der Welt werden erstmal meine Personalien aufgenommen. Ich bewundere dabei nur die unglaubliche Schoenheit der Nachtschwester. Sie erinnert mich an die Stewardess bei Al Italia auf meinem ersten Rueckflug. Beide Prototypen eines thailaendischen Supermodels, die man am liebsten sofort heiraten moechte.

    Der Arzt ist wach, ich werde im Rollstuhl zur Untersuchung und Versorgung geschoben. Doc hat ein rotes gebluemtes Hemd an, und eine weisse Hose. Sieht aus wie ein thailandischer Thomas Magnum. Lek ist mit im Zimmer, waerend Kob mit der Nachtschwester am Empfang turtelt.
    Die Untersuchung faellt schnell und sachlich aus. Ein paar Griffe hier, ein paar dort, dabei immer die Frage und Antwort :"Does it hurt?" "Yes!" Ich werde zum Roentgen geschoben. Der Raum sieht aus wie aus den Anfaengen des letzten Jahrhunderts, oder wie die Tierklinik der Charite. Rostiges Eisen, uralte Geraete im Design der 1950er, es stinkt erbaermlich nach Desinfektionsmitteln. Die wollen mich jetzt doch nicht etwa notschlachten?!
    Die Schulter wird geroengt, das Jochbein und die Rippen jedoch nicht. Gut, das Jochbein sieht man eh nicht mehr, alles zugeschwollen. Aber in Deutschland haette man auch das bestimmt gecheckt. Eine andere Schwester legt mir den schweren Bleischutz um die Hueften, ´na wenigstens das´ denke ich. Danach werde ich wieder zurueck zum Arzt geschoben, vorbei an Kob und der suessen Schwester, die beiden unterhalten sich praechtig. Tja, khon thai mueste man sein, und nicht wie ein Depp im Rollstuhl sitzen. Ein paar Minuten spaeter bekommt der Arzt das Roentgenbild, betrachtet es aufmerksam, und schreitet dann zur Tat. Mit einem kraeftigen Druck schiebt er den zerbrochenen Knochen in Position, fragt mich kurz, ob ich eine Spritze will. Ich verneine, denn es ist mir voellig egal. Mittlerweile sind die Schmerzen dauerhaft, das Adrenalin laesst nach. Acht schnelle Stiche, und die Wunde ist geschlossen. Lek erklaert im waerenddessen, wie der Unfall abgelaufen ist, und anscheinend auch, das ich Probleme im Kopfbereich habe. Der Arzt sieht sich die Schwellung an, veranlasst eine weitere Saeuberung der Wunde, und verabschiedet sich dann.

    Ich werde wieder raus geschoben, die Nachtschwester kassiert das Geld fuer die Behandlung, und gibt mir drei Tuetchen mit Medikamenten. Rote, gelbe, blaue, eine bunte Mischung an pain killern und Trombosmittel. Lek laesst sich auch erklaeren, welche wann und wie oft. Der ganze Rummel hat mich 1080 Baht gekostet, inclusive Roentgen und Medizin. Mit dem Rollstuhl gehts zurueck zum TukTuk von Kob, wo ich Platz nehme. Lek zuendet mir wieder eine Kippe an, ich rauche sie genuesslich und ohne zu husten. Der Weg zurueck nach Chalong ist wieder lang, denn Kob faehrt nicht nur langsam, sondern nimmt auch noch zwei Passagiere auf. O.K., er muss Geld verdienen, ist klar. Die beiden sind ein schwedisches Paerchen, und ziemlich entsetzt ob meinem Anblick. Aber wir unterhalten uns recht locker auf englisch, und sie verstehen warum ich so aussehe wie ich gerade aussehe. Sie steigen in Karon aus, und bezahlen die ueblichen 500 Baht.
    Waerend wir weiter nach Chalong ueber die Berge tuckern, frage ich Lek, was ich Kob geben kann fuer die naechtliche Nottour. Lek meint nur, ich soll es ihm ueberlassen, evt. etwas Benzingeld. Ich kann es mir aber nicht nehmen lassen, Kob am Ziel -Leks Wohnung- erstmal 1000 Baht anzubieten. Er ist fast veraergert, denn es war fuer ihn eine Frage der Ehre. Ich bestehe darauf, ihm zumindest den Sprit, und seinen Verdienstausfall zu ersetzen. Mit viel gutem Willen einigen wir uns schliesslich auf 600 Baht, denn ich will nicht, das er wegen mir Miese hat.

  4. #3
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Lek steuert den Toyota direkt vor den Eingang zum Krankenhaus.
    Ich steige mit ihm aus, und gehe hinein. Die huebsche junge Schwester hat sich in den paar Stunden in eine dicke Mittvierzigerin verwandelt, ich bin enttaeuscht. Ausserdem schein gerade Sprechstunde zu sein, denn der Wartesaal ist brechend voll. Mit Thais, aber auch mit bestimmt 40% farangs, die alle irgendwelche Brueche und Abschuerfungen haben. "Motocyce accident?" frage ich Lek grinsend, waerend ich auf die Europaeer zeige. Er muss anfangen zu lachen.

    Ob die Aerzte in Thailand auch 24 Stunden Bereitschaft schieben muessen weiss ich nicht, aber jedenfalls bekomme ich wieder meinen Thomas Magnum. Er erinnert sich, das ich doch vor einigen Stunden schonmal vor Ort war?! Mit viel Muehe ziehe ich mir das Hemd aus, und zeige ihm seine aufgeplatze Naht, und die hervorstehenden Knochen. "Do you take Paracetamol?" fragt er, ich sage ja. Er also wieder ohne Spritze die Knochen erneut in Position gedrueckt, der Streckverband wird straffgezogen, man knackt das! Er naeht mir die offene Stelle nochmals zu, diesmal mit 10 Stichen. Ausserdem bekomme ich noch eine antiseptische Salbe auf die linke Gesichtshaelfte. Irgendwie scheint er nachts nicht ganz so aufmerksam gewesen zu sein. Oder war ich es? Am Ausgang muss ich dafuer 682 Baht bezahlen, incl. weiterer Medikamente und einigen Pflastern. Lek steuert erstmal einen Imbiss an, wechselt mit der Politesse ein paar Worte, und wir gehen essen. Zwar faellt mir die Haelfte davon wieder aus dem Mund, weil ich nicht zubeissen kann, aber egal. Ich bestelle ein Bier, das kann ich wenigstens problemlos reinlaufen lassen.

    Ab 14:00 Uhr muss Lek arbeiten, also liefert er mich zuhause ab. Vorher machen wir noch einen Zwischenstop im ´Karon Seaview´, um dort meine Sachen abzuholen und zu bezahlen. Das wird aber zu einer ziemlichen Aktion, denn Lek hat dort vor einigen Jahren mal gearbeitet, sich seinerzeit jedoch mit dem Koch gepruegelt. Resultat war Kuendigung und ein Hausverbot, was natuerlich durch unsere Aktion ausgehebelt wird. Dauert keine fuenf Minuten, nachdem der Pickup neben meinem Bungalow geparkt hat, und der alte Chef steht in der Tuer. Wueste Beschimpfungen in Richtung Lek, irgendwie gar nicht thaistyle. Lek erwidert etwas, dabei auf mich zeigend. Ungeruehrt packt er meine Habseligkeiten zusammen und wirft sie auf die Ladeflaeche. Vorne am Restaurant steige ich aus und bezahle meine bisherigen Tage, und hole den Kram aus dem Safe, Flugticket, das Adressbuch, Bargeld und so.

    Angekommen in Chalong trinken wir jeder noch ein Chang, und unterhalten uns. Ich schaue mich um und sehe, das Lek und seine Frau in einer kleinen Siedlung bei Chalong wohnt. Jede Familie hat gerade mal 60 qm, also zwei Zimmer, ne Kueche, ein winziges Klo, und das wars. Alle hier arbeiten im Tourismus, der eine -wie Lek- ist Kellner, die andere Putzfrau, und es gibt einen Tauchlehrer. Natuerlich auch TukTuk-Fahrer wie Kob, und den Supermarktbetreiber khun Soong. Nach und nach lerne ich sie alle kennen, denn sie kommen bei uns vorbei und erkundigen sich nach dem farang. Lek erzaehlt wieder und wieder die Story von dem Unfall, ich blicke dabei wortlos in die Runde. Khun Soong treffe ich da zum ersten Mal, und erkenne sofort sein liebes Wesen. Er hat mir einen Beutel mit Eis gebracht, den ich mir sofort aufs Gesicht druecke.

    Fast den gesammten Tag ueber herscht Ruhe, bis auf die verdammten Koeter und Huehner. Man muesste die Biestern mit einem Knueppel verpruegeln, damit sie endlich mal die Schnauze halten. Ich liege wieder in dem Zimmer mit dem Vorhang und den Gitterstaeben, es ist alles wie heute vormittag. Ich sehe nichts, aber hoere die Stimmen, die Motoren, und die Viecher. Wegpennen, wieder aufwachen, erneut einschlafen, wieder wach werden, es nimmt kein Ende. Zwar liegt neben mir nun das Handy, aber ich kann die angezeigte Zeit nicht recht realisieren. Ist mir auch voellig egal, "Bleierne Zeit". So ist sie also, die Zeit die nicht vergeht.

    Irgendwann kommt Puu ins Zimmer, leise und schuechtern. Sie hat mir eine Tofu-Gemuese-Suppe gekocht, und stellt sie mir hin. Ich versuche zu laecheln, es gelingt mir nicht. Von jedem Loeffel, den ich nehmen will fliesst die Haelfte wieder aus meinem Mund. Und ich merke, das dies ein ernstes Problem ist. Nicht beissen koennen, noch nichtmal Suppe schluerfen, na das kann ja heiter werden. Mir kommt der Berliner von heute Nacht wieder in Erinnerung: "Wieso haste denn keenen Helm jetragn?", ja wieso nicht? Urlaub, Leichtsinn, Freiheit. Ein Integralhelm mit deutscher DIN-Norm waere schoen gewesen, aber diese Calikmero-Eierschale, wie sie bei geliehenden Bikes dazugehoeren, haette auch nicht geholfen. Deshalb habe ich ihn gar nicht erst aufgesetzt.

    Ich versuche mich zu erinnern an den Unfall, aber es klappt nicht. Ich sehe mich noch den Berg von Chalong runterbrausen, die Einfahrt nach Kata, aber dann reisst der Film ab. Ausgeblendet, einfach weg. Gedanken wie "Na waeren wir da und da mal besser geradeaus gefahren" und "Haettest Du mal das Geschwindigkeitslimit in Kata eingehalten" gehen mir durch den schmerzmittelgeschwaengerten Kopf. Ich finde aber keine Loesung und penne wieder weg.

    Khun Soong steht ploetzlich im Raum, ich blinzele ihn an. Er hat einen Standventilator dabei, dessen Stecker Puu in die Steckdose drueckt. Das Teil setzt sich in Bewegung, es ist eine unglaubliche Wohltat als der kuehlende Luftzug mich umstroemt. "Khob khun krap!" laechele ich ihn muede an, der Vorhang am Fenster beginnt sein gleichmaessiges Spiel im elektronischen Wind, ich schaue zu und ueberlege, wo jetzt wohl die verdammten Scheissfliegen geblieben sind, denn sie sind ploetzlich weg. So ihr Drecksfiecher, von meinem Blut ernaehrt ihr euch jedenfalls nicht mehr. Zufrieden schlafe ich ein.

  5. #4
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Lek schleicht sich ins Zimmer, ich werde davon wach und beobachte ihn. Es muss spaet sein, denn er arbeitet immer bis 1 Uhr im Restaurant in Kata. Aus dem Schrank holt er eine Plastikflasche hervor, zieht davon etwas ab und fuellt dieses mit etwas aus der auch dem Schrank entnommenen kleinen Tuete. Ich sehe, wie das Feuerzeug aufbltzt, hoere ein dumpfes Blubbern, und muss anfangen zu lachen. Er zieht sich ne Bong rein, und dummerweise hat er das Teil in meinem Zimmer versteckt vor seiner Frau. Erstmal bekommt er einen riesen Schreck, dann muss er auch lachen. "You want?" "Sure, brother" antworte ich. Mir zerreisst es zwar fast die Lunge bei dem Stoff, aber er wirkt - schnell. Wir sitzen noch eine Stunde beisammen, unterhalten uns, rauchen jeder zwei weitere Koepfchen, und teilen uns eine grosse Flasche eiskaltes Bia Chang.

    Ich muss pinkeln, Lek meint "Me too, lets go" Ich denke, wir sollen zusammen aufs Klo?! Er hilft mir auf, und wir gehen Richtung Toilette. Da meint er aber lachend: "No, we use the big one" und zeigt auf die Ausgangstuer in der Kueche. Es muss bestimmt vier Uhr morgens sein, draussen ist es stockdunkel. Keine Strassenlaternen oder Neonwerbung hier in der kleinen Siedlung. Man sieht einen umwerfenden Sternenhimmel. Nach zwanzig Metern stellen wir uns nebeneinander an den Strassenrand, und pinkeln in die Botanik. Ganz wohl ist mir dabei ja nicht, nur mit Flip-Flops an den Fuessen. Wie war das mit Thailand und Schlangen? Um die wilden Koeter mache ich mir weniger Sorgen, denn Leks Hund Bui ist mitgekommen. Wir stehen noch eine ganze Weile da und betrachten still den naechtlichen funkelnden Himmel.

    Bui ist irgendwohin in die Dunkelheit verschwunden. Wir schlendern zurueck zum Haus, und gehen in mein Zimmer. Lek haut sich neben mir auf den Boden, schnappt sich vorher noch eine Decke und ein Kissen aus dem Schrank, in dem er die Blubber verstaut hat. Irgendwie kommen wir nicht Recht zur Ruhe, Lek holt uns noch ein Bier aus dem Kuehlschrank, und wir quatschen bis zum Morgengrauen. Viel ueber Deutschland, aber auch ueber sein frueheres Leben als ein Klosterkind. Ich finde es sehr interessant, mal aus erster Hand etwas ueber das Schicksal dieser Kinder zu erfahren.

    Lek kommt aus einem kleinen Dorf 50 Kilometer suedlich von Surat Thani, seine Eltern arbeiten auf einer Kautschuk-Plantage. Das Geld reicht nicht, den fuenf Kindern allen einen Schulbesuch zu ermoeglichen. So kommt Lek mit vier Jahren ins Wat des Dorfes. Dort bekommt er etwas zu essen, und eine schulische Grundausbildung. Ein strenger Tagesablauf bestimmt sein Leben und das der anderen Kinder. Er zeigt mir seine Halskette, an der sich neun Amulette befinden. Eines davon ist das Bild seines Abtes damals, es ist ein aelterer ernst blickender dicker Moench. Aber er strahlt eine grosse Wuerde uns Sympathie aus.
    Die Klosterkinder sind im Dorf wenig angesehen, oft pruegeln sie sich mit anderen Kids, um sich auf diese Art zu behaupten. Das gibt dann natuerlich jedesmal Aerger im Wat, und setzt Strafarbeiten. Die Kinder haben kein Taschengeld, niemand der ihnen mal ein Eis kauft. Was sie an Geld haben, das erbetteln sie sich von den Besuchern des Wat. Lek bleibt zehn Jahre im Kloster, und arbeitet dann mit seinen Eltern und Geschwistern auf der Plantage.

    Puu weckt uns mit zwei Sorten Fruehstueck, um zehn Uhr, viel zu frueh wie ich finde. Auch Lek ist noch sehr muffelig und raunzt seine Frau an. Die Reissuppe mit Gemuese versuche ich trotzdem reinzuschluerfen, was mir sogar recht gut gelingt. Anschliessend zaehlt Puu mir meine Ibuprofen 400, Cloxa 500, und Paracetamol ab, und bringt mir dazu ein Glas Wasser. Ich schlucke das Zeug runter, von den Paracetamolpillen nehme ich gleich noch eine extra.

    Lek lassen wir noch etwas weiterpennen, er ist eh zu nichts zu gebrauchen mit der Laune. Ich gehe nach draussen, vorne raus und nicht hinten durch die Kueche wie letzte Nacht. Bui ist wieder aufgetaucht, liegt auf der Terasse im Schatten. Sein Schwanz beginnt traege zu wedeln, als er mich erblickt. Streichel ihm kurz den Kopp, dann setze ich mich auf die gekachelte Betonbruestung zur Nachbarwohnung, lehne mich gegen die Hauswand, und lege muehsam die Beine hoch.

    In Ruhe betrachte ich zum ersten Mal die Siedlung richtig. Eingeschossige Flachdach-Wohneinheiten, drappiert in einem eckigen U. In der Mitte stehen einige Autos und Mopeds. Lek und Puu haben haben die allererste Wohnung, direkt an der Strasse. Schraeg gegenueber ist der kleine Supermarkt von Khun Soong, er sitzt vor seinem Laden und winkt mir laechelnd zu als er mich sieht. Ich winke zurueck. Er bastelt gerade an einem Drachen fuer die Nachbarskinder. Es ist Wind aufgekommen, und einige Kids rennen bereits mit ihren Drachen an der Schur lachend ueber die staubige Strasse. Vorwaerts rennen, den Blick nach hinten oben, ich frage mich wie lange das wohl gutgeht. Und da passiert es auch schon, einer der Stoepsel mault sich auf. Sein Drachen kommt runter, landet aber sanft im Gruenen. Der Kurze beginnt zu weinen, die anderen Kinder kommen hinzu und troesten ihn. Khun Soong holt Jod und ein Pflaster aus dem Laden, und verarztet das kleine aufgeschuerfte Knie. Und er gibt dem Unfallopfer noch einen Lutscher, keine fuenf Minuten spaeter flitzt der Kleine wieder mit seinem Drachen rum und lacht.

    Zwei Muetter haengen ihre Waesche auf, lachen miir zu quer ueber den Platz, ihre kleinen Kinder sitzen daneben und buddeln dabei im Sand. Alte Frauen kommen vom Markt, der einen Kilometer entfernt ist und laecheln mich auch an. Plastiktueten voll Fruechten und Gemuese tragend. Keine von ihnen spricht englisch, aber zwei kommen heran und schenken mir drei Bananen und eine Art kleine Melone. Sie betrachten meine Wunden, und besprechen sie. Also sie "reden mit den Wunden", und pusten sie an. Dann laecheln sie mich an, sagen etwas auf thai was ich nicht verstehe, und gehen nach Hause.

    Bui guckt mich fragend an, er steht anscheinend auf Banane. Ich schaele eine und werfe ihm die halbe rueber, die andere Haelfte esse ich selber. Kein Schnorrerkoeter faellt mir auf, denn nach der halben Frucht ist er zufrieden, schaut mich entspannt an, und legt sich wieder hin.

    Kob kommt auf seinem Moped vorbei, haelt an als er mich sieht. "Sabai dii mai? How are you?", ich mache eine zweifelnde Bewegung mit der rechten Hand. Alle koennen natuerlich den Streckverband und die roetlich-blaue Desinfektionsfluessingkeit auf meiner Schulter sehen, da ich kein Hemd anhabe. Mein Gesicht hat sich mittlerweile auch etwas verfaerbt, ein dunkler Bluterguss bildet sich rings um das linke Auge. Kob steigt vom Moped, guckt aengstlich in die Wohnung, ob Puu gerade rauskommt, und drueckt mir dann etwas in die Hand. "For my brothers". So schnell das eben ablief, so schnell sitzt er auch schon wieder auf dem alten Toeff. "I must work now. See you tonight. We make birthday party", und weg ist er. Ich oeffne meine Hand und sehe was ich erahnt habe, ein 200-Baht-Gunja-Paeckchen. Ich muss grinsen, man bekommt das Zeug hier also auch geschenkt?!

    Ich gehe wieder rein, es wird Zeit fuer die naechste Runde Pilleneinnahme. Lek ist mittlerweile wach, und duscht gerade. Puu gibt ihrer drei Wochen alten Tochter die Brust, ich verziehe mich in mein Zimmer. Lek kommt rein, bester Laune und nur mit einem Handtuch um die Hueften. "How are you brother?" grinst er mich an. "I am fine, here a surprise from Kob", dabei werfe ich ihm das Paeckchen zu. "Tonight birthday party he told me" "Yes, his brother ist sixteen now. We make big party". "So what kind of gift can I bring?" frage ich. Er lacht wieder, "Lau khaoo nueng kuat". Gut, hier sind wir in Thailand, also gehe ich rueber zu Khun Soong und besorge zwei Flaschen Reisschnaps, eine fuer mich und eine fuer Lek als Geschenke. Khun Soong muss lachen "Birthday party tonight?", ich grinse ihn an und erwidere "Khrap, the son from Kob." "We see us tonight". Ich habe mein Geld vergessen, es interessiert ihn nicht. Er laechelt nur ´bezahl doch irgendwann´.

  6. #5
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Zwanzig Minuten sitzen wir noch beisammen, ich betrachte wie er einen Drachen zusammenbastelt. Alles Handarbeit, kein Bausatz. Die Leisten aus Teilen von Palmwedeln, die Bespannung aus duennem farbigen Papier. Die Strippe eine Art duenne Anglerschnur. Den Schwanz zieren bunte Lolliverpackungen, die Khun Soong gesammelt hat.

    Ich merke, das ich mich besser erstmal hinlegen sollte. Die Gehirnerschuetterung ist doch ziemlich heftig ausgefallen. Schliesslich hat es mich bei ca. 60 km/h ausgehebelt, und ich bin voll auf Schulter und Kopf geknallt, das Bike dabei ueber mir. Ich wackele rueber in die Wohnung, die Sonne ballert wie irre. Puu beaeugt die zwei Flaschen Reisschnaps kritisch. Fragt mich, ob ich etwas essen moechte? Nein, khoop khun krap, Later. Phom nueai.

    Lek kommt mit nach hinten ins Zimmer, und geht an den Schrank. Ich muss gequaelt laecheln, denn mir ist klar was gleich passiert. Gehe nochmal zum Kuehlschrank, um mir eine Flasche Wasser und Eis fuers Gesicht zu holen. Lek hackt auf einem Holzbrett etwas von dem neuen Stoff klein, vermischt ihn mit wenig Tabak. Es blubbert, und der Raum fuellt sich mit suesslich-wuerzigem Rauch. "Lek, nit noi!", er macht mir ein halbes Koepfchen klar, waerend ich mir eine Paractamol einwerfe. Ohne zu husten ziehe ich dem Kopf rein, das reicht mir aber auch, und ich lege mich hin. Lek genehmigt sich noch eine Droehnung, dann verstaut er alles wieder im Schrank. Er muss los zur Arbeit "We see us tonight at the party, o.k. brother" Ich nicke ihm mit geschlossenen Augen zu, und schlafe ein.

    Schweissgebadet wache ich auf, keine halbe Stunde spaeter. Der verdammte Ventilator, ich habe vergessen ihn einzuschalten. Quaele mich also wieder hoch, druecke auf den Knopf, und es wird schlagartig kuehler. Fuer die naechsten zwei Stunden traeume ich wirres Zeug, wache mehrmals auf und nuckel kurz an der Wasserflasche, dann nicke ich gleich wieder ein. Mein Handy klingelt und reisst mich aus dem Schlaf. Es ist Malte, ein Kumpel aus Berlin. Ich hatte ihn wohl nach dem Unfall angerufen, oder Lek. Er erkundigt sich, wie es mir geht und wo ich bin. "Bei Lek zuhause, die beiden versorgen mich. Sieht alles nicht wirklich gut aus, aber die Schmerzmittel machen es irgendwie ertraeglich" Er meint, das er in 12 Tagen nach Thailand kommt, und sofort nach Chalong runterfaehrt. Auch er ist ein brother von Lek und Kob, die drei kennen sich schon mehrere Jahre sehr gut. Ich soll mich entspannen und erholen, na zu Hoechstleistungen bin ich momentan eh nicht zu gebrauchen. Ich lege auf, nachdem er mir Gruesse an die beiden brothers ausgerichtet hat.

    Ich quaele mich mal wieder aufs Klo. Merke dabei, das ich stinke wie ein Schmerzmittel-Bonbon. Also nehme ich gleich noch eine Dusche, die Bewegungen dabei sind ziemlich schmerzhaft. Aber das kalte Wasser, das frisch riechende Duschgel, das bringt mich auf Trab. Ich bekomme Hunger. Als haette Puu es geahnt, steht sie schon am Wok, als ich das hong nam verlasse. Es duftet nach Chili und Knoblauch und Kokosmilch. Ziehe mir neue Klamotten an, zum Glueck habe ich zwei Tage vor dem Crash die fuenf Hemden gekauft, denn ein T-Shirt anziehen ist unmoeglich.

    Gehe nach vorne auf die Terasse, Puu bringt mir eine Schuessel mit Reis, angebratenem Tofu und einer umwerfend leckeren milden Chili-Curry-Sosse. Loeffele hungrig alles weg, auch wenn mir dabei wieder die Haelfte aus dem Mund zurueck in die Schuessel faellt. Beissen ist nicht drin, es ist mehr ein Schlingen. Der zerteilte Jochbeinknochen knackt im Kopp, es tut hoellisch weh. Schmeisse danach erstmal eine Runde Pillen ein, trinke dazu eine Flasche Wasser. Puu kommt wieder mit dem Jod und pinselt mein Gesicht und die Knie ein. Ja sag mal, ist da auch Chili drin, es brennt saumaessig. Den Eisbeutel lasse ich kreisen, mal die Schlaefe, mal die Knie, das wirkt lindernd.

    Khun Soong bezahle ich den Schnaps, nehme gleich noch zwei Flaschen Wasser, zwei Bierchen, und einen Beutel Eis mit. Das Wasser und das Eis plus eine Flasche Bier landen im Kuehlschrank. Mit denm kalten Chang setze ich mich wieder auf meine Betonbruestung. Stecke mir ne Kippe an und oeffne das Bier mit dem Feuerzeug. Mal einen Schluck, dann die Flasche abwechselnd auf die Knie gedrueckt, und an die Schlaefe. So troedelt der Tag dahin. Puu kommt mit ihrer kleinen Tochter raus, packt sie in eine Art Wippliege, und bewegt diese mit dem Fuss. Dabei naeht sie einige Risse in Leks Klamotten. Drei Nachbarinnen kommen vorbei, und knuddeln erstmal die Kleine. Sie wacht auf und beginnt zu kraehen, beruhigt sich aber schnell wieder auf Muttis Arm.

    Dann erkundigen sie sich nach meinem Zustand, meinen das mein Auge gar nicht gut aussieht. Klar, wie auch nach fuenf Runden im Ring mit Dr. Klitschko? Dabei faellt mir das alte Hausmittel von Boxern ein, wieso bin ich nicht schon vorher darauf gekommen?! Ich humpele rein, gehe aufs Klo, und fummel meine Zahnpasta aus dem Koerbchen an der Wasserwanne. Kein Spiegel hier, also gehe ich zurueck nach vorne ins grosse Zimmer, wo einer haengt. Ich schmiere mir etwas Zahnpaste auf die Schwellung und den Bluterguss. Die Maedels haben mir dabei zugesehen, eine meint: "Oh, same same muay thai!" Ich ueberlege kurz, dann muss ich laecheln. Klar, die Jungs hauen und treten sich ja windelweich. Sie scheinen den Trick mit der Zahnpasta also auch zu kennen. Hilft zwar nicht bei offenen Wunden, aber Prellungen und Bluterguesse zieht die Zahncreme innerhalb von zwei bis drei Tagen aus dem Koerper. Man muss sie ofters mal abwaschen und erneuern, dann funktioniert es.

    Sehe jetzt natuerlich noch kurioser aus, aber egal. Bui schnuppert an meinen weissen Fingern, ich gebe ihm eine leichte Rechte auf den Kopf und er zieht ab. Das Bier hat in den 5 Minuten schon wieder Koerpertemperatur erreicht, also nochmal rein, ein Glas und Eis holen. Dabei sehe ich, das im Kuehlschrank noch etwas von dem leckeren Essen steht. Aber erstmal das Bier wegmachen. Als das alle ist gehe ich nochmal zurueck in die Kueche, und hole mir das Essen. Klar es ist kalt, mir egal. Puu springt sofort auf, nimmt mir die Schuessel aus der Hand "Kolja baa" und verschwindet in der Wohnung. Drei Minuten spaeter kommt sie wieder raus, die Schuessel dampft. Mit einem Blick des Nicht-Begreifens reicht sie mir das Essen wortlos rueber. Die Damen lachen sich kaputt, auch ich muss muede laecheln. "Khoop khun krap!" Diesmal gebe ich mir viel Muehe, nicht wieder zu sabbern beim futtern, es klappt so lala. Ich bin stolz, es ist die erste Mahlzeit, die ich nach dem Unfall komplett aufesse. Man Puu, das kannste mir jetzt jeden Tag kochen, so lecker! Wieso ist sie eigendlich Naeherin, und keine Koechin? frage ich mich.

  7. #6
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Ich schlafe noch ein paar Stunden, gehe dann nochmals duschen. Schiebe mir Tabletten und eine Banane rein.

    Lek muss ja arbeiten, Puu will nicht mit rueber, also humpele ich alleine los, entlang den Wohnungen bis zu Kobs Bleibe. Bui begleitet mich dabei, vielleicht faellt fuer ihn ja was ab auf der Party. Maedels sitzen in der Wohnung, die Karaokemaschine laeuft, und es wird viel gelacht. Draussen sitzen die Maenner, und das Geburtstagskind mit seinen Kumpels. Ich gebe Kob die beiden Flaschen Reisschnaps, er freut sich. Die Maenner haben eine leere Jack Daniels Flasche mit kleinen Stoecken und Wurzelstuecken gefuellt, nun wird mein Schnaps reingegossen und eine kleine Schale Honig nachgefuellt. Es dauert keine Stunde, und die durchsichtige Fluessigkeit verfaerbt sich braun.

    Viele fremde Gesichter, denen ich nicht unbedingt gerne alleine in der Dunkelheit einer Seitenstrasse von Bangkok begegnen moechte. Aber nette Kerle, eben die TukTuk-Mafia von Karon und Patong. Alle scheinen meine Story bereits zu kennen dank Kob und Lek, zwei sagen mir sogar, das sie vorgestern an mir vorbei gefahren sind. Einer von ihnen kommt anscheinend dann vorbei, als ich noch bewustlos auf der Strasse liege. Er erklaert den anderen, das ich wie tot dagelegen habe. Und alle sind sich einig darin, das es ein grosses Glueck fuer mich ist, Lek als brother zu haben. Ich kann dem nur zustimmen, nicht ohne Kob dabei auf die Schulter zu klopfen.

    Wir leeren gemeinsam drei oder vier Flaschen Bier, dann jedoch scheint es Zeit zu sein fuer den angesetzten Wurzeltrunk. "No pain!" meint einer, guckt mich dabei mit glaesernen Augen begeistert an. ´Klar, der Fusel verteibt jeden Schmerz´ denke ich bei mir, und das Glas neben der Flasche wird gefuellt. Jeder nimmt einen Schluck und reicht es dann weiter. Es schmeckt suesslich, und nach Holz. Ueberhaupt nicht mehr der zum Wuergen anregende Geschmack von warmen Lau Khoo.

    Lek kommt gegen 1, so wie letzte Nacht. Aber diesmal hat er schon gut einen im Schacht. Er erklaert mir, das er wenig zu tun hatte und deshalb mit ein paar Touristen Pool gespielt hat. Natuerlich hatte er immer gewonnen, jedesmal ein Bier und ein paar hundert Baht. 800 hat er an dem Abend nebenbei gemacht, ist stolz und dicht wie Oskar. Er faehrt auch gleich zur Party, haelt nicht erst bei sich an. Puu wuerde eh nur wieder Aerger machen. In seinem Ueberschwang schnappt er sich das Wurzelglas, nimmt einen Schluck, und haut mir danach auf die linke Schulter mit dem Spruch "This ist medicine. No more pain".

    Ich denke noch, das haste eben doch schonmal gehoert, dann zucke ich zusammen, er hat voll auf das gebrochene Schluesselbein geschlagen. Merkt es auch im selben Moment, aber schon ich sacke zusammen, mir wird schwarz vor Augen. Ein paar Minuten spaeter bin ich wieder da, wieder sind Hemd und Hose nass. "Water, only water" meint Kob, der mich von hinten stuetzt. "First aid thaistyle, mai khrap?" kann ich zuruecklaecheln, eine Lachsalve der Umsitzenden ist die Folge. Lek ist das alles unglaublich unangenehm, er entschuldigt sich oft bei mir. Ich erklaere ihm, das er aufhoeren soll damit, und das es egal ist. "Whats about this pain killer?", ich deute auf die Pulle mit der braunen Fluessigkeit darin. Lek schuettelt die Flasche auf, schenkt neu ein, und reicht mir dann das Glas. Einen und noch einen Schluck nehme ich, dann will ich aber doch besser nach Hause. Lek und Kob kommen mit, Bui auch. Ich gehe langsam, nicht die Beine tun weh sondern die Schulter. Oje mein Freund, da haste aber maechtig draufgekloppt? An Leks Wohnung setze ich mich erstmal auf die Bruestung, muss durchschnaufen und eine rauchen.

    Die Jungs helfen mir rein, Puu brabbelt Lek aus dem Bett heraus an, was er jedoch nicht weiter beachtet. Wir verschwinden in meinem Zimmer, Kob stellt als erstes mal den Ventilator an. Ich will nochmal pinkeln, reisse mich los und turne durch die Kueche ins ´big one´. Die Huehner hinter der Tuer bekommen einen Schreck und fangen an zu gackern. Schnauze ihr Mistviecher. Die Sterne von gestern sind noch da, aber sie bewegen sich in schlaengelnden Bahnen nach links und rechts. Bleib in deinen Flip-Flops, man das braune Wurzelzeug dreht aber?! Bui scheint mich als sein neues Herrchen adoptiert zu haben, denn er steht wieder neben mir und guckt mich dumm und gelangweilt an. Kob kommt hinterher, tritt den Koeter recht unsanft beiseite, was der aber nur mit einem leisen Jaulen beantwortet.

    "Koja, you are fine brother?" "I am fine, thanx. But make slowly". Kob hakt mich unter, ich kann aber alleine gehen und schuettel ihn ab. Seine Hand bleibt trotzdem an meiner rechten Schulter, immer in Bereitschaft. Gemeinsam geht es zurueck durch die Kueche, der Koeter bleibt natuerlich draussen stehen wie doof.

    Lek hat im Zimmer schonmal etwas vorbereitet, ich will noch ne Pulle Wasser haben. Kob holt eine aus dem Kuehlschrank. Das Bier hat Lek bereits hervorgezaubert. Wir teilen uns das Bier, und die bestimmt sechs Koepfchen. Dann lassen sie mich endlich schlafen, ich penne wie ein Stein bis morgens frueh.

  8. #7
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Mein Kopf und der Magen sind in Ordnung, keine Probleme. Aber die Schulter tut weh. Ich erinnere mich an den freundschaftlich gemeinten Schlag von Lek, und meine Auszeit danach. Das Handy zeigt mir 8:17 an. Benommen schaue ich mich um, fummel aus den Plastiktueten je eine Pille heraus, und schnappe mir die Wasserpulle.
    Der Streckverband hat sich gelockert, ich komme nicht richtig an die Zurrgurte. Puu ist bestimmt schon wach, also gehe ich nach vorne. Sie sitzt auf der Terrasse und unterhaelt sich mit ihrer Nachbarin. Die beiden waschen Waesche in Plastikschuesseln. "Wadii" begruesse ich die Damen, dann versuche ich Puu klarzumachen, das sie bitte die Gurte an meinem Ruecken fester ziehen soll. Sie spricht fast ueberhaupt kein englisch, aber die Nachbarin versteht was ich moechte, und uebersetzt. Puu zurrt so lange an den Gurten, bis der Verband wieder richtig stramm sitzt. Erleichterung, denn ist er zu locker, dann haengen die Schultern nach vorne und die Knochenspitzen stechen ins Fleisch.

    Ich zuende mir die vorletzte Krong Thip an, man da haste gestern Abend also fast eine Packung weggeraucht? Obwohl, bestimmt haben die anderen Gaeste tatkraeftig dabei mitgeholfen. "Gaafaeae?" "Khrap" Sie geht rein und macht mir eine Tasse Nescafe mit Zucker. Ach das tut gut, heisser Kaffee am kuehlen Morgen, mit dem Ruecken an der kalten Hauswand lehnend. Es muss heute Nacht geregnet haben, denn der ganze Parkplatz ist verschlammt, Pfuetzen stehen in den Schlagloechern. Ein paar Kids sausen auf Fahrraedern durch, sauen sich lachend ein.

    Ich schluepfe in meine Flip-Flops, und eiere durch den Matsch rueber zum Supermarkt. Kaufe Wasser, zwei Packungen Kippen, Chips. An der Kasse sitzt Khun Soongs Frau. Daher frage ich nach Khun Soong. Sie laechelt nur "Mau mau" und macht die internationale Geste fuer schlafen. "Me too" und zeige Richtung Wohnung.
    Stelle die Flip-Flops ab, putze mir die Fuesse auf dem nassen Lappen an der Haustuer, den Puu hingelegt hat. Gehe aufs Klo, futter ein paar Chips, und verschwinde nochmal im Bett. Gegen 11 wache ich auf, denn es beginnt zu donnern und schuetten. Die schweren Tropfen haemmern auf das Moskitonetz am Fenster, zerstaeuben und kommen bis zum Bett. Ich schliesse das Fenster, auch wenn der Wind und die Gischt erfrischen sind. Das ermuntert mich zu duschen, dann ziehe meine Shorts an, und gehe nach vorne auf die Terrasse. Die ist ueberdacht, man kann also ganz entspannt da sitzen und den Wolkenbruch betrachten.

    Beim Weg durch die Wohnung faellt mir auf, das Lek anscheinend immer noch nicht wieder aufgetaucht ist. Ich frage Puu, sie zeigt nach links "Baan Kob". Da man alle Terrassen entlang bis nach hinten sehen kann, erblicke ich die beiden und winke. Sie geben Zeichen, ich soll rueberkommen, also nehme ich mir den Schirm und marschiere durch den Regen zu Kobs Wohnung. "How are you brother?" werde ich von ihnen empfangen, wobei Lek etwas beaengstig Richtung meiner Schulter guckt. "Sabai sabai", ich setze mich hin. Lek rueckt mir naeher um die Schulter zu begutachten "Oh, mai djab!" Die beiden lachen, ich natuerlich auch. Bui schaut mich grinsend an, wedelt mit dem Schwanz, und weiss nicht genau, ob er nun besser liegen bleiben soll oder rankommen. Man sieht ihm seinen Zweifel an, ich erloese ihn davon mit einem "Bai!" Viel zu nass der Koeter, ich will ihn jetzt nicht streicheln.

    Die Jungs futtern irgendwelche Insekten mit Reis, das gab es gestern Abend auch schon. Ich halte mich lieber an die leckeren geroesteten Erdnuesse, die Kobs Freundin bringt. Sie stellt mir auch ein Glas hin, Kob schenkt ein bevor ich abwinken kann. Chang am Vormittag, oje? Pling Pling, zwei Eiswuerfel aus dem Isoliereimer landen in meinem Glas. "You must work" frage ich, "No, today holiday" lachen mir die beiden gleichzeitig zu. Wir reden, essen, aber ich belasse es bei dem einen Glas Bier. Ist eh die letzte Flasche gewesen. Lek fragt mich, ob ich mit auf den Markt kommen moechte, die drei wollen bald los um Essen einzukaufen. Ich bin mir nicht sicher, ob das so toll ist fuer meine Schulter und Rippen, und erkundige mich, wie sie da hinfahren. "By motorbike", ich habs mir gedacht. "We drive slowly, no problem", na gut ich riskiere es.

    10 Minuten spaeter sitzen wir auf den Ladybikes, ich bei Lek hinten drauf. Zum Glueck hat es aufgehoert zu regnen. Und wirklich, fast in Schrittgeschwindigkeit geht es durch die Schlagloecher bis vor zur betonierten Strasse. Von da ab auch nur gemaessigtes Tempo, ab zum Foodmarket von Chalong. Wie immer auf solchen Maerkten gibt es einfach alles. Stinkende Fische, frisches Gemuese, Fleisch, Fruechte alles Art, Garkuechen, Insekten, Reis mit Ameiseneiern in Palmblaetter gewickelt, Garnelen, Gewuerze, Nuesse, es ist eine Reizueberflutung -optisch wie kulinarisch. Ein Gewusel und Gefeilsche, ich merke das ich anscheinend der einzigste farang am Ort bin, denn die abgespannten Planen ueber den Staenden haengen tief. Immer wieder muss ich mich buecken, um nicht dagegen zu laufen, meine Rippen freuen sich nicht besonders darueber. Die Menschen um mich herum nehmen kaum Notiz von mir, kurz hingucken tun sie aber doch. Laecheln wohin ich schaue. Zum Glueck habe ich 420 Baht in der Tasche, und kann mich durchsetzen, das ich den Einkauf mitfinanzieren werde. Und ich habe nochmal Glueck, denn als Unfallopfer muss ich nichts tragen. Irgendwann erspaehe ich gelbe butterstueckgrosse Klumpen, steuere sofort darauf zu. "Touhu mai?" frage ich "Khaa". Tofu, super, sofort werden drei Stueck davon gekauft. Auch an dem Stand mit Chilipulver-Mischungen kann ich nicht vorbei, ohne die verschiedenen Abstufungen im Schaerfegrad durchzuprobieren. Ich entscheide, das dunkelrote Zeug muss es sein, denn es ist am schaerfsten.

    Bevor es wieder auf den Heimweg geht setzen wir uns an einer Garkueche. Alle bestellen, und Lek ordert fuer mich Khauu pad pak. Ich schiebe sicherheitshalber nach "Mai sai nam plaa!" Lek erklaert der niedlichen Bedienung, das ich Vegetarier bin, sie fragt ob ich Ei esse. Ich nicke, khrap. Sie schwebt davon, und kommt nach wenigen Minuten mit vielen Tellern wieder, muss zweimal laufen. Zum Schluss stehen fuenf verschiedene Gerichte, zwei Schuesseln Reis, und mein Extrawunsch auf dem Tisch. Das grosse Fressen beginnt. Ich merke gleich, die Koechin hat sich nicht getraut, den farang zu verschaerfen. Also aus dem Prik pon Topf erstmal vier gehaeufte Loeffel ueber den gebratenen Gemuesereis, der vorher aber auch schon sehr lecker ist. Selbst Lek staunt ob meinem Nachwuerzen "Ui, pet maag maag!" "Khrap" grinse ich zurueck "Aroi dii!". Mir treibt es zwar die Schweissperlen auf die Stirn, und ich muss ein paarmal in eine der Reisschalen greifen um den Brand zu daempfen, aber genau das mag ich so an der thailaendischen Kueche. Zusammen mit zwei kleinen Chang und einer Pepsi kostet es 160 Baht, ich gebe 180.

    Gut gestaerkt werden die diversen Plastiktueten mit den Einkaeufen aufgenommen, und quer durch den Markt zu den Bikes getragen und drangehaengt. Na das wird bestimmt lustig auf der Fahrt. Wie vorhin geht es jedoch in langsamer Geschwindigkeit wieder zurueck in die Siedlung. Keine Tuete reisst, nichts faellt runter. Ich kann keinen Beutel festhalten, denn mit links geht eh nichts, und mit der rechten Hand muss ich Leks Schulter im Griff haben.

    Wir halten vorne bei Leks Wohnung, und steigen alle ab. Puu sitzt mit ihrer Tochter auf dem Arm auf der Terrasse, und muss laecheln. Der Einkauf wird begutachtet und aufgeteilt, Kobs Feundin bingt einiges davon nach hinten zu ihrer Wohnung, kommt dann aber wieder. Die Maedels verschinden in der Kueche, Lek kuemmert sich um seine Tochter, Kob und ich gehen rueber zu Khun Soong. Der ist mittlerweile erwacht, sitzt aber nur vor seinem Laden, ohne Drachen zu basteln. Der Gute sieht wirklich noch etwas mitgenommen aus. Wir laden ihn und seine Familie zum Essen ein, kaufen drei grosse Chang und etwas Eis.

    Als das Essen auf der Terrasse drappiert wird, kommen Khun Soong und seine Frau mit dem Sohn rueber. Schliessen muessen sie ihren Laden deshalb nicht, es sind ja nur ein paar Meter, und soviel Kunden am Tag hat er nun auch nicht. Zweimal steht er auf, weil jemand etwas haben moechte, ein paar Kiddies holen sich einen Lutscher, kommen aber zu uns um sie zu bezahlen. Puu und Kobs Freundin schieben ihnen dabei etwas zu essen in den Mund, die Kurzen stehen da und lassen sich gerne fuettern. Ich muss laecheln bei den Bildern. Wir sitzen fast eine Stunde beisammen. Khun Soong erzaehlt seiner Frau und Puu nochmal die Geschichte, wie mir Lek gestern auf die Schulter gehauen hat. Allgemeine Heiterkeit, nur Puu ist etwas aergerlich auf Lek. Ich kann sie aber mittels dolmetschen davon ueberzeugen, das alles halb so wild ist. Kommt vor, mai mii panhaa.

  9. #8
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Ich nehme meine Tabletten, Puu kommt wieder mit dem Chili-Jod, mittlerweile habe ich mich dran gewoehnt und laechele bei den Schmerzen als sie es mir auf die Wunden tupft. Die Maedels kuemmern sich danach wie selbstverstaendlich um den Abwasch, waerend wir Kerle uns in Kobs Wohnung absetzen fuer einen Nachtisch. Der Koeter trabt uns natuerlich wie immer nach, und wie immer wedelt dabei sein Schwanz.

    Kob hat keine Plasikflasche als Blubber, sondern ein langes Bambusrohr. Das sieht nach einer Massnahme aus, oha. Die Zeremonie des Gunja-Hackens-und-mit-Tabak-mischens dauert bestimmt zehn Minuten, alles ganz entspannt und ruhig. Ich bestehe immer auf nur einem halben Kopf, aber das Zeugens hat es in sich. So sehen hier also thailaendische holidays aus, alles klar. Was solls, ich bin ja selbst im Urlaub. Nach einiger Zeit gehen wir raus auf die Terrasse, setzen uns hin und chillen. Kob legt eine Reaggea-CD ein, leise unterstuetzen uns Peter Tosh und Bob Marley beim stoned sein. Von Zeit zur Zeit nehmen wir mal eine Tasse Wasser aus dem Isobottig, knabbern Nuesse und Chips, rauchen eine Kippe und schnipsen die Fluppe danach gelangweilt aber zufrieden in den Matsch vor der Wohnung.

    Jedesmal zuckt Bui dann schnell mit dem Kopf in Richtung des fliegenden Objekts, moeglichweise ist es ja was zu fressen. Ich koennte dem Koeter den ganzen Tag zusehen. Und den Kiddies, die nun auf dem Parkplatz im Innenhof Fussball spielen. Staendig bleibt der alte Ball in einer Pfuetze haengen, oder springt auf dem welligen Boden in eine unvorhersagbare Richtung. Frauen waschen Geschirr oder Waesche, jemand schraubt an seinem alten Moped, hier und da wird ein Schwaetzchen gehalten. Alle kommen heraus und geniessen die Abkuehlung nach dem Regen, sind entspannt. Es vergeht bestimmt eine Stunde, dann holt Kob ein Glas mit dem Wurzelschnaps von gestern. Das Zeug ist mittlerweile fast schwarz und riecht richtig intensiv nach Holz. Der Trunk macht die Runde, auch zwei weitere Nachbarn nehmen davon einen Schluck im Vorbeigehen. Wirken tut es wie ein belebender Magenbitter, allmaehlich kommen wir wieder in die Spur.

    Lek und Kob sind sich einig, das wir hoch zum Rasta Viewpoint ueber Kata und Karon fahren. Dorthin, wo man auf einem Bambusgestell ueber den Felsen sitzt, unten den Fuessen auf den zwei Stangen liegen in zehn Metern Tiefe zig Sandalen, Flaschen, Basecaps und so. Ich kenne die location von einem Zwischenstop dort. War wunderschoen, ich genoss den Ausblick bei einer roten Fanta und einigen Krong Thip. Kob hat sein TukTuk nicht am Start, das faehrt heute und morgen ein anderer. Also wollen die Jungs mit den Mopeds los, ist mir klar bei der geilen Strecke.

    "Jaa gaeae puat", ich brauche vorher meine pain killer. Die Hitze ist schon wieder heftig, die Regenwolken haben sich ins nichts aufgeloest und der Wind gelegt. Lek und ich gehen nach vorne, ich muss gleich mal aufs Klo, und kippe mir danach ein paar Kellen Wasser ueber den Koerper. Etwas Deo unter die Achseln reiben, dann ein frisches Hemd und ne lange Hose anziehen. Habe nur noch 200 Baht Bargeld, also sage ich Lek, das wir noch zu einem ATM muessen. "No problem, we go to Kata first. My restaurant you know" ruft er mir zu als er im hong nam verschwindet, um ebenfalls zu duschen. Ich schmeisse ein paar Pillen ein, stecke sechs weitere in einen kleinen Plastikbeutel und diesen in mein Portemonait. Das wandert in die Gesaesstasche. Mit den Treckingschuhen und einem Paar schwarzer Socken in der Hand gehe ich vor auf die Terrasse. Setze mich auf meine Bruestung, ziehe Struempfe und Schuhe an. Komisches Gefuehl, nach fast einer Woche nur barfuss oder in Flip-Flops.

    Ohne das wir es abgesprochen haben, Lek kommt auch in langer dunklen Hose und mit Slippern in der Hand raus, die Socken hat er bereits an. Sein T-Shirt erkenne ich sofort wieder, es das Ayrton Senna Teil, was ich ihm vor einem Jahr geschenkt habe. Er hat es noch, und ich grinse ihn an.

    Lek ist ein grosser Formel 1 Fan, aber erst seit zwei Jahren. Als ich ihm das gute Stueck gegeben habe, habe ich ihm auch erklaert wer Ayrton war, wie er gestorben ist. Und was er in seiner Heimat Brasilien fuer so viele Menschen getan hat neben den Rennen. Hat Lek tief bewegt, denn er kannte ihn nicht. Wir sind damals sogar in einen Internetshop gegangen, nur um uns Infos und Filme ueber Ayrton reinzuziehen.

    "My lovely shirt" beantwortet er mein Grinsen, und wirklich: Es ist zwar etwas ausgeblichen vom vielen tragen in der Sonne Suedostasiens, aber frisch gewaschen und gebuegelt. ´Na brother, wenn Du wuesstest was ich fuer Dich in meiner Reisetasche habe´ denke ich bei mir. Bin ganz kurz davor, nach hinten in mein Zimmer zu gehen und ihm das Geschenk jetzt schon zu schenken. Aber nach dem Unfall und der unglaublichen familiaeren Aufnahme und Pflege hier bekommt er es erst, wenn ich wieder weiterziehen werde. Reiche ihm die Packung Krong Thip rueber, in der halbvollen Packung steckt auch das Feuerzeug, und wir qualmen jeder eine.

    Kob kommt, hat Dam auf dem Sozius. Die beiden steigen nicht ab und Kob laesst den Motor laufen. Ich nicke Dam kurz zu als Begruessung "Sabai dii mai?" Er lachelt ein "Sabai. How are you my friend?" zurueck. Deute auf Schulter und Rippen, und mache dabei wieder mal diese abschaetzende Handbewegung. Dam hat seinen nic nicht umsonst, denn er hat wirklich sehr dunkle Haut. Ein lieber Mensch, fast so klein wie Lek, aber einen Koerper wie ein fighter. Soweit wie ich ihn gestern Abend auf der Party verstanden habe ist er in Patong als Jetski-Guide taetig. Jedenfalls auch ein brother meiner brothers, und wirklich unheimlich nett. Erinnere mich auch gut an seine Freundin Ning, die gestern dabei war. Ich habe sie bestimmt hundert mal unauffaellig angeschaut, weil ich einfach nicht glauben konnte, das es eine so huebsche Thai gibt. Nicht nur betoerend schoen, sondern auch noch sehr locker und mit guten Englischkenntnissen.

    Lek und ich schwingen uns auf das rote Motocyce, es geht los. Puu ist angefressen, das sie wieder mal mit der jungen Tochter alleine zuhause bleiben muss. Neutrale Gesichtszuege, nix mehr sprechen, nur dasitzen. Die Koerpersprache kenne ich mittlerweile von thailaendischen Frauen. ´Die Maenner machen Party, und ich kann zusehen wie ich mit dem ganzen Alltag hier klarkomme´. Diskussion oder Beschwichtigung ist dann bereits unmoeglich, also gehts einfach los.

    Ueber den Betonweg geht es bis vor an die grosse Strasse. Kurz vor dem Kreisverkehr biegen wie ploetzlich ab nach recht, durch eine holprige Nebenstrasse. Zwar sehr langsam, aber dennoch haut es meine Schulter und die Rippen rauf und runter. "Oh, what you make?" frage ich Lek. Er antwortet "Tamruat. Police control at the circle. Sorry." Er hat keinen Helm auf, ich auch nicht. Gucke schraegt vor mich: Kob und Dam ebenfalls unbehelmt. Gut, dann macht die Umgehungsstrasse Sinn, aber bitte langsamer. Der Gedanke ist aber sofort verflogen, als mindesten fuenf oder sechs Koeter wild klaeffend links herausgeschossen kommen und uns sehr schnell naherkommend nachjagen. Ich klopfe Lek auf die Schulter "Leo leo!", er weiss selbst was er zu tun hat. "Jockey, we make Jockey now!" Eines der Schlagwoerter, die wir letztes Jahr ausgetauscht hatten, als ich zum ersten Mal auf seinem Motorrad ueber eine Sandpiste gefahren bin. ´Jockey´ bedeutet fuer uns, das man aufsteht und den Bock nur noch mit den Haenden und Fuessen lenkt, nicht mehr mit dem Hintern. Man steht auf den Rasten, und reitet die Buckel oder Duenen einfach ab.

    ...., mir ist sofort klar, das es sonst haessliche Wadenbisse setzen wird von den verdammten Dreckskoetern, und rufe Lek nur nochmals zu "Leo leo", da stehe ich auch schon auf den Fussrasten, und versuche mit meinen rechten Arm fest in seinen Nacken gepresst bloss nicht runter zu fallen. Lek steht auf, gibt Gas. Kob und Dam bereiten die Spur, ich sehe sie huepfen vor uns, und das in gleichem Tempo wild auf und ab. Also muessen Lek und ich schnell unterwegs sein, denn das Toeff vor mir donnert ueber die Piste und durch die Schlagloecher wie in einem Hollywood movie. Als wir die Territoriumsgrenze der Meute erreicht haben, stoppen die Koeter abrupt ab und bleiben bellend und schwanzwedelnd zurueck. Wir verlangsamen, obwohl wir uns nun logischerweise in einem neuen Revier befinden.

    Erreichen jedoch nach einem Linksschwenk wieder die Hauptstrasse, halten an. Die Jungs wollen sehen wie es mir geht. Ich bin in Ordnung, aber es tut weh. Die weitere Fahrt ueber den Berg und dann runter nach Kata ist langsam und entspannend. Etwas Rotes blitzt im Strassengraben auf, ich rufe Lek zu er soll anhalten und ein U-Turn machen. Der Gegenstand, den ich im Graben gesehen habe ist ein schicker Motorradhelm. Mittlerweile der fuenfte oder sechste, den ich auf Phuket finde. Lek klettert runter und holt das Edelteil hoch. Ein Helm in Form und Qualitaet der Tamruat oder Silver Shadow-Mieter, wieso laesst man sowas im Gebuesch einfach liegen wenn man es verliehrt? Fuer Lek und mich leider zwei bis drei Nummer zu gross, aber Kob passt er bestimmt gut. Wir nehmen den Helm natuerlich mit, auch wenn die Beiden vor uns bereits schon lange in Kata sein muessen bei ihrem Tempo.

  10. #9
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Wir rollen ganz entspannt weiter, ich frage Lek, wieso er an seinem Urlaubstag ins Restaurant muss? Er meint "Big boss speak one day free o.k., maybee two days. I must ask for tomorrow". "O.k. khrap, phom kautschai" Auf Hoehe des Kata Wat rufe ich ihm nochmal zu "Lek, stop!" Er faehrt links ran, ich steige ab und laufe einige Meter zurueck. Diesmal ist es ein Basecap, das am Strassenrand liegt. Rot, der Schirm weiss gerandet, auf der linken Seite ein kleines weisses Kreuz. Hinten ist rund ueber dem Groessenverstellriemen mit weissem Zwirn ´Switzerland´ eingenaeht. Nagelneu, sauber, voellig einwandfrei, kann keine Stunde dort liegen. Natuerlich wird das Teil auch mitgenommen, ich sammele Basecaps. Keine zwei Armlaengen davon entfernt liegt ein blauer Helm im Gebuesch, einer der etwas schlichteren Thaiausfuehrungen. Den schnappe ich mir auch, begutachte ihn und sehe, das er voellig in Ordnung ist. Natuerlich sind die typischen Kratzer zu sehen, wie sie entstehen, wenn man bei mindestens 70 km/h sowas verliert und es ueber den Asphalt schliddern laesst. Gehe zurueck zum Moped, Lek schaut mich grinsend an "You are a lucky boy!" "You too, brother. One for you, one for mee!" Ich reiche ihm den Helm, das Cap behalte ich. Setze es verkehrt herum auf, damit es durch den Fahrtwind nicht gleich wieder wegfliegt, Lek stuelpt sich den Helm ueber und freut sich. Weiter gehts bis zur Ampel, wir biegen vorher rechts rueber ab auf die Tanke, der Hobel hat Durst.

    Rein in die Thai Na road, runter bis an die Ecke Kata road, wo der ATM steht. Ich steige ab, Lek quatscht gleich wieder mit Bekannten dort. Fummele meine Thai Farmer Bank-Karte raus, und versenke sie in dem Schlitz der magic mashine, Geheimzahl eintippen, und ich ziehe 2000 Baht. Stecke alles zurueck ins Portemonait, schwinge mich hinter Lek wieder auf die Sitzbank, und wir fahren links runter am Club Med vorbei bis zur Bus- und Tuk Tuk Station. Wir parken, und gehen rueber. Lek stellt mich der Crew vor, kurze Begruessung. Kob ist nicht da, er muss erst noch Dam nach Patong bringen, weil der heute Nachmittag ran muss. Wir setzen uns in den Schatten des Wartehaeuschens zu den Tuk Tuk Fahrern. Die Unfallgeschichte macht erneut die Runde, einige neue Gesichter sind dabei und hoeren interessiert zu. Die anderen kenne ich schon von der Party bei Kob. Ab und zu steht einer auf und verlaesst die Runde, weil Kundschaft kommt.

    Kob fliegt ein, stellt sein Moped ab und kommt zu uns. Ich reiche ihm den roten Helm, passt genau auf seine dicken Kopp. Gebraucht, gefunden, mai mii panhaa, er freut sich wie Bolle. Lek geht ueber die Kreuzung in die Bar- und Restaurantstrasse, um sich bei seiner Chefin wegen morgen zu erkundigen. Dauert nicht lange, und wir sehen ihn laechelnd zurueck kommen "Tomorrow holiday". Prima, also dann nichts wie ab zum Viewpoint. Habe Hunger, und da oben gibts leckere Fruehlingsrollen.

    Auf der Fahrt die steile Strasse rauf sagt mir Lek, das die Chefin und Bam nach mir gefragt haben und mir gute Besserung wuenschen. Bam, seine suesse Kollegin, soso. Ein traumhafter hardbody, lange schwarze Haare, und ein Gesicht zum verlieben. Sie ist richtig gut drauf, spricht prima englisch und sogar ein paar Worte deutsch. Leider ist sie bereits mit einem Norweger zusammen, der zur Zeit aber in seiner Heimat arbeitet. Bei ihr koennte ich meinen Vorsatz fast vergessen, keine liierten Frauen anzubaggern. Wir haben uns schon oft lange unterhalten im Restaurant, und sie verzaubert mich immer wieder aufs neue. Lek weiss, das es zwischen uns knistert, und lacht "Hey brother, we go back restaurant later." "Oh fine, I miss her smile" "Tong come also, he want speak with us." Bam und Tong sind Geschwister, und durch ihre Vermittlung habe ich von Tong die Ungluecksmaschine geliehen. Also wir es wohl um die Schadensregulation gehen, na hoffentlich zu Thaipreisen.

    Oben am Viewpoint ist einiges los. Beim zweiten Blick erkenne ich, das wesendlich mehr Thais da sind als Touristen. Eine Party, deshalb wollten die brothers also her. Wir setzen uns an einen der Tische, gleich werden drei Glaeser und zwei grosse Chang ruebergereicht. Zu essen gibt es auch, aber leider alles mit Fleisch oder Fisch. Ich frage am Tresen, ob ich ein paar der vegetable spring rolls bekommen kann, na klar geht das. Nutze die Gelegenheit, mal schnell um die Ecke zu verschwinden um ins Gruene zu pinkeln. Schaue dabei uebers Meer weit unter mir, eine tolle Kulisse. Winzige Boote ziehen weisse Furchen durchs Wasser. Weiter draussen faehrt ein Kreuzfahrtschiff aus Richtung Patong kommend. Ich stecke mir ne Kippe an, stehe noch einen Augenblick da und geniesse die Aussicht, dann gehe ich zurueck.

    Die Fruehlingsrollen stehen bereits auf dem Tisch, ein flache Schale voll mit bestimmt vierzig Stueck. Bekomme einen Schreck, hat er mich falsch verstanden? Die Teile sind jedoch fuer alle, und alles ist for free, wie Lek mit sagt. Ich schiebe mir sechs oder acht rein, mein Magen knurrt. Man sind die lecker, und die orange suesse Sauce dazu ist der Hit. Fingere danach drei Pillen aus der Plastiktuete, spuele sie mit einem Schluck Chang runter. Auch hier scheint man mich zu kennen, obwohl ich viele fremde Gesichter sehe. Mehrmals werde ich gefragt, wie es mir geht, und ich muss des oefteren mal mein Hemd oeffnen und die Schulter zeigen, und mein Jochbein wird sondiert. Zum Glueck hat der Trick mit der Zahncreme gut geklappt, die Schwellung im Gesicht ist fast weg, und auch der Bluterguss unterm Auge. Man kann deutlich sehen, das das Jochbein gebrochen ist und sogar ein Stueck davon fehlt bzw. zerbroeselt ist. Einer will es ganz genau wissen und bittet Lek, ob er mich fragen kann ob er einmal anfassen darf. Ich sage ja, er legt seine Hand aufs Jochbein, und ich wackele leicht mit dem Unterkiefer. Diese Bewegung reicht bereits , damit sich der kaputte Knochen knackend hin und her bewegt. Ein erfreutes Schaudern meines Gegenueber, also irgendwie stehen die Thais auf sowas?

    Das Geburtstagskind Daeng setzt sich zu uns, es ist der Besitzer des Restaurants am Viewpoint. Auch er moechte meine Einschlaege begutachten, jedoch ohne anzufassen. Ich gratuliere ihm zum Geburtstag, wir reden eine Weile, er erzaehlt, das Lek einer seiner besten Angestellten war bevor er in Kata angeheuert hat. Die beiden verbindet eine Freundschaft, das merkt man sofort. Irgendwie kommt mir das Gesicht bekannt vor, ich kann es nur nicht zuordnen und frage ihn. "Last year we play Pool together at the ´Sunset´ restaurant. You and Lek loose" "Oh yes, I remember! It was a funny night". Das Lek mal eine Partie verliert kommt so gut wie nie vor. An diesem Abend aber hatte er mich als Partner im Doppel, und den einarmigen Koch des Restaurants und unseren heutigen Gastgeber als Gegner.

    Den Koch werde ich sowieso nie vergessen, denn er kochte und spielte Billard mit seinem crassen handycap besser als alle. Gleich beim ersten Besuch im ´Sunset´ hatte mich Lek in die Kueche gefuehrt, damit ich mit dem Koch sprechen kann wegen den Vegiwuenschen. Der hat dabei rumgezaubert mit einem Arm und fuenf Woks, das es ein Vergnuegen war zuzusehen. Seinen linken Arm hat er bei einem Autounfall verloren. Noch viel unglaublicher als seine Kochkuenste war sein Billardspiel. Auch so ein Zocker wie Lek, und jeden Abend hat er Gaeste zu einem Spielchen um 100 Baht gebeten. Mit der Revange gab das mindestens 200 Baht plus, ich habe ihn nie verlieren gesehen. Und jedesmal hatten seine Gegner mindestens noch vier Kugeln auf dem Tisch zu liegen, als die Partie zu Ende war.

    Der Karaoke-computer hat den CD-Player abgeloest, zum Glueck muss ich nicht singen. Auch wenn einige fragen, nein der farang kann mit seinen Beschaedigungen nicht. Dennoch wie fast immer ein Ohrenschmaus, alle Thais scheinen sehr gut singen zu koennen. Vor allem Schnulzen ueber Liebe und Herzschmerz. Jack stiefelt ueber den Tisch, wir leeren gemeinsam mehrere Glaeser. Noch ein Bierchen, geroestete Erdnuesse, ich gehe diesmal aufs Klo um zu pieseln. Will mich frisch machen, wasche mir die Haende, begutachte mein Gesicht im Spiegel, reibe mir etwas Wasser in die Haare und bringe sie dann in Form mit meinem kleinen Kamm. Gehe zur Bambusplattform, von der man ueber Kata und Karon blicken kann. Die Sonne ist schon lange untergegangen, schraeg vor mir blinken die Lichter der zwei Orte. Bei einer Zigarette geniesse ich den Blick und das Gefuehl, das gerade ca. zehn oder mehr Meter unter mir in der Dunkelheit nichts als freier Fall ist. Ein frischer salziger Wind kommt vom Meer den Felsen hoch, vermischt sich mit dem Geruch der Vegetation. Ich sitze ganz rechts auf der Bank, also so weit vom Restaurant weg wie moeglich. Ein Paeaerchen kommt, und nimmt wenig neben mir Platz. "Hello" "Hello", weiter beachten wir uns nicht. Ein Feuerzeug leuchtet auf, und es beginnt nach gutem Grass zu riechen. Ich hoere das tiefe Einatmen, Luft anhalten, und dann das entspannte Ausblasen. Das Maedel haelt mir die Tuete hin, ich sehe eigentlich nur die Glut naeher kommen. "Do you want?" "Thanx" greife ich zu, und ziehe mir ein paar Inhalationen rein, reiche das Teil dann zurueck. So vergeht die Zeit, ich bekomme den Joint nochmal, ziehe zweimal, und gebe ihn im Aufstehen zurueck. "See you", auch wenn ich in der Dunkelheit gar nicht weiss, mit wem ich da eben gekifft hab, ist ja aber auch voellig egal. Am Tisch angekommen setze ich mich, Lek fragt wo ich war? Erklaere kurz, er grinst. Kob kommt auch gerade sehr zufrieden aussehend von hinter der Bar zurueck. Ich sehe auf auf meinem Handy, das es bereits halb Zehn ist. Lek und Kob wollen ebenfalls los, also machen wir uns auf den Weg nach Kata. Bam, wir kommen.

  11. #10
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Die Fragen...

    Die Fahrt runter an die Kueste ist ganz entspannt. Kob faehrt vor, er muss nochmal nach Chalong, will dann nachkommen. Lek und ich tuckern gemaechlich den Berg abwaerts. Eine Zeit lang kann man noch den Lichtkegel des aufgeblendeten Scheinwerfers von Kobs Motorrad durch die Nacht tanzen sehen, dann ist er fort. Mit dreissig km/h geht es gemuetlich um die Kurven, haben nun auch das Fernlicht an. In jeder Linkskurve scannt das helle Licht Strasse, Fels und Gruenzeug, in vielen Rechtskurve schiesst es ueber die Fahrbahn ins schwarze Nichts. Nichtmal die Sterne lassen sich dabei ausschalten, jedesmal ein umwerfender Blick uebers Meer unter fremden Firmament. Ich geniesse den lift. Ab und zu wechselt Lek auf Abblendlicht, immer wenn uns jemand entgegen kommt. Auch das sieht man bereits einige Kurven im voraus, so wie bei einer Nachtfahrt irgendwo auf Deuschlands Landstrassen. Beide ueberlegen, wielange es wohl noch dauern wird, bis man sich blendet. Einer gibt immer nach, und schaltet schneller ab. Ich muss grinsen, und freue mich.

    Unten in Kata biegt Lek einfach in die Restaurantstrassse ein, nomalweise ist sie abends ja total gesperrt fuer motorisierte Fahrzeuge, Ist ihm egal, schliesslich kennen ihn alle -ausser den Touris natuerlich, die auch ganz schoen dumm gucken. In Schrittgeschwindigkeit geht es bis zum Restaurant, Lek laesst die Maschine fuenf Meter vorher ausgehen, und wir rollen lautlos vor den ersten Tisch draussen auf der Strasse. Lek laechelt rueber, es ist die daenische Familie, die er schon gut kennt. Ich nehme mein schweizer basecap ab und gruesse auch "Good evening, how are you". Fuer uns werden am Tresen natuerlich erstmal zwei Singha geordert, ich kann meins gerade noch in ein kleines Chang umbestellen. Waerend Lek und die Daenen den Ausflug morgen planen, lasse ich die Blicke schweifen. Wo ist Bam?

    Sie kommt kurze Zeit danach mit fuenf anscheinend heissen Tellern voller Essen aus der Kuechentuer, bringt alles an den Tisch schraeg links hinter im Restaurant. Ich betrachte sie dabei. Sie hat sich heute mal zwei freche Zoepfe geflochen, je fast einen Meter lang, sieht absolut klasse aus, und 5exy. Damit die beiden schwarz-blauen Harastraenge nicht im Essen landen beim Servieren, geht sie etwas in die Knie waerend sie die Gerichte beim jeweiligen Gast abstellt. Die Frau hat Klasse, das mag ich so an ihr. Die Ehemaenner laecheln eh die ganze Zeit, sie sagt etwas was ich nicht hoeren kann, dann grinsen auch die Ehefrauen mit ihren geil gewordenen Ehepartnern.

    Sie nimmt noch einige Getraenkebestellungen auf, und kommt vor zum Tresen um diese weiterzugeben. Blickt in die Runde, sieht Lek und mich. Na das nenne ich doch mal ein perfektes freudiges Thailaecheln! Bam kommt sofort an den Tisch, eher sofort zu mir. Fragt natuerlich erstmal die grosse Runde, ob es schmeckt, aus acht daenischen Kaehlen ein zustimmender Satz, den ich auch mit leeren Mund von ihnen nicht verstanden haette. Die acht gehobenen Daumen und das achtfaches genuessliches Grinsen sind jedoch die Mimik-Uebersetzung der Antwort. Sogar die drei Kids sind zufrieden.

    Bam zieht sich einen Stuhl vom leeren Nachbartisch ran, setzt sich neben mich. Sie will gleich sehen, wie es mir geht. Ich soll mitkommen, damit die Wunde an der Schulter gesaeubert und mit Jod behandelt werden kann. Na den Einsatz dieses thailaendischen Jods kenne ich ja bereits seit ein paar Tagen, mai mii panhaa. Ich gehe brav mit, laechele dabei Lek nochmal etwas hilfos und fragend an. Der Sack grinst mir nur zu, so nach dem Motto "Have fun, anyway...!" Danke, Du bist mir ein brother...

    Die Knie werden versorgt, das Jochbein auch. Fuer die Schulter ziehe ich mir das Hemd aus, und sie tupft absolut smooth line darauf rum, klebt sanft ein grosses Pflaster drueeber. Solche Schwestern wuerde ich mir fuer ueberall und in allen Krankenhaeusern und Arztpraxen in Deutschland wuenschen...Mich zerreist es, ich bin wiklich kurz davor, sie richtig anzubaggeren. Aber ich weiss dabei auch, das es wesentlich entspannter und laengerfristiger sein wird, wenn wir einfach nur Freunde bleiben. Wir bleiben Freunde oder anders gesagt: Wir werden brother and sister- Den Kuss um das zu besiegeln, haette ihr Maenne nicht sehen duerfen.

    Gut, wo ist dein Bruder?

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