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Der wütend vor dem Büffel steht.....

Erstellt von mikka, 28.06.2004, 20:06 Uhr · 9 Antworten · 1.052 Aufrufe

  1. #1
    mikka
    Avatar von mikka

    Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Eigentlich hat das Thema mit Thailand nichts zu tun, aber ich wurde gefragt ob ich die "Story" nicht hier hin stellen will, also auf eigene Gefahr hin tue´ich es mal.

    Bevor ich auf den Titel eingehe einige kurze Infos:
    Ich bin Jahrgang 58, geboren in Deutschland und aufgewachsen ebenso, halt so ganz normal auf einem Dorf am Rhein.
    Einziger Unterschied zu meinen Altergenossen - mein Vater war bei der US-Armee stationiert, leider habe ich ihn kaum noch in Erinnerung, einige markante Szenen ausgenommen, daß letzte bewußte sehen aus meiner Sicht war mit 10 als er zu einem kurzen Urlaub aus Vietnam hier war, im Jahr darauf wurde er vermißt und 2 Monate später kam die Nachricht, daß er bei einem Hubschrauberabsturz über Feindgebiet gefallen sei.
    Wie gesagt ich war noch jung, meine Mutter heiratet später einen Deutschen der mich wie sein Sohn aufzog und die Erinnerungen verblassten mit der Zeit - wurden verdrängt.
    Anfang der 80er war ich mehrmals im Jahr in den Staaten, als Ausgangsbasis diente der Wohnort meiner Tante (der Schwester meiner Mutter), die in Arizona lebte - irgendwann kam dann mal die Aussage "Du wirst Deinem Vater immer ähnlicher" - was mich ein wenig verwunderte ich sah meinem "Vater" überhaupt nicht ähnlich - und nach einer wilden Nacht - Big Party, hatten eine komplette Mariachi-Band aus einer Bar mit nach Hause genommen,
    kam mein Onkel auf die glorreiche Idee "Hey Mike let´s visit your Grandpa" . Da der Tequila doch schon einige Wirkung zeigte verschoben wir den Besuch auf den Nachmittag - war ja ein weiter Weg nach germany - kurz nach Mittag (bin gegen 8 Uhr umgefallen) die Stimme des "Drill-Sergeant" - Wake up - we must go - mit dem rechten Auge musterte ich ihn, als ich den Gürtel mit dem 45er sah, wußte ich, er meinte es ernst, dieses seltsame Gesetz, jeder freie Mann kann eine Waffe tragen nahm er bitterernst - er ging (außer zum bowlen) nur mit dem Elefantentöter weg. Ins Auto (ein Douge Charger mit fast 300 Pferden unter der Haube) los, auf den Highway und - nicht Richtung Flughafen ?? Raus, in Richtung Reservat, die Countrymusik quäkte und ich mußte mir einen Vortrag über die Ureinwohner Amerikas anhören - nicht weiters schlimm, aber die Spätfolgen der Big Party, die Countrymusik, alle Scheiben untern, Aircondition aus, Folge der Vortrag wurde im "Kasernenton" gehalten, halt so als müßte er die "Rede" vor einigen Hunderten Rekruten halten und der Allerletzte sollte sie ja auch verstehen.
    Nach 2 Stunden kamen wir im Reservat an - meine körperlicher Zustand sowieso nicht beim Besten, die Moral gebrochen.
    Also standen wir da, mitten in der Wüste, um uns herum einige heruntergekommene weiße Häusch´en, ein Drugstore, vor dem einige Besoffene herumlungerten. Ich hatte zwar schon einiges gehört, hatte es aber noch nie gesehen - irgendwie absolut deprimierend.
    Ich sagte also "schön das wir hier sind, aber 1. liegt Deutschland in einer anderen Richtung und Dein Großvater ist ja schon lange in den ewigen Jagdgründen (Bob war ein Navajo), mir ist absolut
    k...elend also lass uns wieder gehen.
    Die Antwort war kurz und bündig: "I say we want to visit you grandpa - he lives in the third house left side".
    Das wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht, beide -mein Vater und mein Onkel stammten aus dem gleichen Reservat, waren gemeinsam in die Armee gegangen, waren beide in Deutschland, hatten Schwestern kennen gelernt und......

    na ja, irgendwie war mein "Weltgefüge" etwas ins schwanken gekommen (lag vielleicht auch an den Nachwehen der Party), auf jeden Fall war mir absolut nicht gut.

    Zu dem Haus hin, geklopft, Tür auf und hinein gezogen worden,
    Bob stand vor mir und redete in einer seltsamen Sprache auf eine Gestalt die am Ende des Raumes - das Häusch´chen hatte nur einen Raum ein. Dort saß ein sehr alter Mann, lange, schlohweiße Haare, eine dieser "Maiskolbenpfeifen" im Mundwinkel und hörte sich ohne Regung Bob´s "Rede" an, die -was mich sehr verwunderte- sehr leise und fast "ehrfurchtsvoll" gehalten wurde, so kannte ich ihn gar nicht ?? Nach einigen Minuten -mir kamen sie wie Stunden vor- kam eine Reaktion, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand machten eine Bewegung Richtung Tisch und Stühle und wir setzten uns (Gottseidank). Der Alte hatte bis jetzt keine Miene verzogen, einzig seine Augen zeigten, daß er am Leben war - aber wie, ich hatte das Gefühl auf einem "Seziertisch" zu liegen, kennt ihr das Gefühl, wenn sich die Nackenhärchen langsam aufstellen ?
    Nach einigen Stunden (es waren nur Sekunden vielleicht Minuten) sagte der Alte endlich etwas in dieser merkwürdigen Sprache, Bob übersetzte "er will Dich sehen" Er muss die Fragezeichen gesehen haben, schließlich saß ich nur 1-2 m entfernt vor ihm - "er will Deine Augen sehen", ich also etwas näher, die Brille von der Nase und habe ihm in die Augen gesehen - er lehnte sich zurück und zum erstenmal sah ich eine Regung in diesem altem, faltigen Gesicht, ein kurzer Satz kam aus seinem Mund und Bob übersetzte "Du hast die Augen seines Vaters" und die Fragezeichen waren wieder da. Bob sagte weiter: "Sein Sohn hatte die Augen seines Vaters und Du hast sie auch - damit hat er Dich als Sohn seines Sohnes anerkannt - Gratulation"
    Wir blieben etwa 3 Stunden, der Alte redete viel, seine Kindheit und seinen Vater -meinen Urgroßvater- dessen Name Bob mit "der wütend vor dem Büffel steht" übersetzte, aus einem kleinen Beutel holte er einige seltsame Dinge hervor -Medizin- und auch einige Haarbüschel mit getrockneter Haut daran - Beutestücke seines Vaters von Bleichgesichtern, die dieser mit dem "Hackebeilchen" erlegt hatte, über meinen Vater sprach er nicht - wie Bob mir später sagte hatte er ihn "verstossen" da er eine Weisse zur Frau genommen hatte und es hatte ihn auch sehr gewundert, daß er mich als Enkel anerkannt hatte.
    Gegen Abend verabschiedeten wir uns und ich bat Bob ihm zu sagen, daß es mir sehr viel bedeuted hatte ihn kennen zu lernen.
    Er nickte und lächelte ein kurzer Satz "er wird dem der mit dem Pferd am Himmel reitet meinen Namen sagen"- ein richtiges Lächeln und wir gingen.
    Erst später, wieder unterwegs erfuhr ich dann, daß er perfekt Englisch sprach, aber seit sein Sohn gegangen war nie mehr gesprochen hatte - nur noch Navajo.
    Es war das Erste und Letzte mal, daß ich ihn gesehen habe, ein paar Wochen nach meiner Abreise ist er gestorben - etwa 90 Jahre alt, genau wußte es niemand.

    Noch eine Anmerkung; ich sehe keineswegs aus als wäre ich ein Halbblut, aber die Gene sind bei meiner Tochter "voll durchgeschlagen" Blauschwarze Haare (ihre Mutter war blond, meine Schwarz) und sieht von Natur aus als läge sie jeden Tag unter der Sonnenbank. Bob sagt jedesmal, "schau dir das Foto deiner Großmutter an (aufgenommen um die 1900) was siehst Du ? - Deine Tochter......

    Etwas ausgefallen aber vielleicht interessierts ja ?

    mikka

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Ampudjini

    Registriert seit
    03.04.2002
    Beiträge
    2.482

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Ja, es interessiert.
    Mich zumindest.

  4. #3
    Avatar von FarangLek

    Registriert seit
    05.04.2004
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    1.335

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Mich interessiert es auch.
    Ich habe schon viel von dem Navajo-Reservat in Arizona gehört.
    Gibt auch viele Probleme dort. [Alkohol, Arbeitslosigkeit]
    Das Schicksal der Indianer war und ist schon traurig, aber die Geschichte ist wirklich imposant.

    Danke


    falang-lek

  5. #4
    woody
    Avatar von woody

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Hallo mikka, Du kannst stolz darauf sein, einen solchen Vorfahren zu haben, ich beneide Dich.
    gruss woody

  6. #5
    Avatar von Lao Wei

    Registriert seit
    03.02.2004
    Beiträge
    790

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Tolle story!!!

    Was hast du mit den geerbten Skalps gemacht? Haengen die jetzt an deinem Guertel?

  7. #6
    mikka
    Avatar von mikka

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    @ Lao Wei

    leider nein - aber wenn ich an so manche Zeitgenossen denke, die ich so im Laufe der Jahre kennen gelernt habe, dann hätte ich mir schon manchmal gewünscht ich hätte damals Navajo verstanden - so über die Technik, wie man das genau durchführt - dann hätte ich bestimmt manchmal meine eigenen erbeutet ;-D

    Gruß
    mikka

  8. #7
    Avatar von Lao Wei

    Registriert seit
    03.02.2004
    Beiträge
    790

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Zitat Zitat von mikka",p="146827
    @

    dann hätte ich bestimmt manchmal meine eigenen erbeutet ;-D
    Als Perueckenmacher waere ich steinreich geworden und muesste nicht meinen Reis in China verdienen.

  9. #8
    Harry55
    Avatar von Harry55

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    @Mikka,
    danke für die Geschichte!
    Habe selbst schon im Navajo-Reservat übernachtet (1993) und besuchte letztes Jahr ein Dakota-Reservat (Pine Ridge) sowie Wounded Knee.
    Gruss, Harry55

  10. #9
    woody
    Avatar von woody

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    Harry, warst du auf den Spuren deines berühmten Landsmannes Karl May ;-D ?

  11. #10
    Harry55
    Avatar von Harry55

    Re: Der wütend vor dem Büffel steht.....

    @woody,
    nein, mein Begleiter der "Baron" war und ist Karl-May-Fan.
    Ich bewundere die Fabulierkunst von K. May, aber ich habe deutlich mehr gesehen von America, als der berühmte Sachse (ich bin Brandenburger). - Und Thailand?? Meine Freundin kommt von da - man muss es lieben!
    Gruss, Harry55

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