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Der Unfall...

Erstellt von waldi, 20.11.2003, 21:11 Uhr · 3 Antworten · 1.415 Aufrufe

  1. #1
    waldi
    Avatar von waldi

    Der Unfall...

    @ll

    es gibt wieder mal eine kleine Anekdote aus dem Leben.

    Es ist wieder eine Real Story, nicht fiktiv oder erfunden. Lediglich die Namen, div. Örtlichkeiten, etc. wurden wie immer durch fiktive ersetzt.

    Wünsche viel Spaß – ich denke, die Geschichte wird nur 3 Teile haben und wird relativ schnell fertig geschrieben sein... also keine langen Lesepausen...

    Gruss

    Waldi

  2.  
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  3. #2
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: Der Unfall...

    21. Der Unfall



    Teil 1 von 3:

    Sepp saß, wie meist um diese Zeit, in der Weapon Bar in Karon Beach. Wir hatten uns um 18.00 Uhr verabredet. Als ich mit meiner Suzuki Crystal vor der Kneipe einparkte, war Sepp gerade mit Tum, der Besitzerin, in ein sehr intensives Gespräch vertieft.

    Touristen waren um diese Zeit wenig anwesend, aber dafür mindestens zwanzig Service Damen. Die meisten kannten wir natürlich, und heute waren einige der Mädls, wieder besonders nett anzuschauen. Ket, die Ex-Freundin vom Nürnberger Micha, glänzte wieder mit einen hautengen Minirock der kürzesten Sorte, man könnte dieses Teil auch als breiteren Gürtel bezeichnen. Ihre perfekte Figur sah wieder mal atemberaubend aus. Keine Touristen (auch wenige Expats) errieten das richtige Alter dieser Superbraut. Vom Äußeren sah Ket wie neunundzwanzig aus, in Wirklichkeit war sie einundvierzig. Sie und Miss Nok waren die absoluten Zugpferde der Weapon Bar. Miss Nok war auch schon so um die vierzig, aber durch ihre professionellen Make Up Künsten sah sie auch viel jünger aus. Diese beiden Damen schafften es immer wieder, sich selbst so herzurichten, das sie zwar auf hundert Meter als Service Damen zu erkennen waren, aber sie wirkten niemals billig, sondern sehr elegant und überirdisch 5exy. Ich selbst hatte mit beiden niemals das Vergnügen, und inzwischen kannten wir uns zu gut, und somit war auch nicht mehr daran zu denken. Außerdem war mir ein freundschaftliches Verhältnis wichtiger und die beiden Damen waren sowieso der gehobenen Preisklasse (also nichts für einen Expat) zuzuordnen.

    Ket war auch Mitbesitzerin eines traditionellen Massage Saloon in Chalong, und fuhr einen Toyota Micra. Miss Nok war auch übermäßig intelligent und spekulierte an der Börse. Das ist wirklich kein Witz (ich lachte auch, als ich dies das erste mal hörte, wurde aber später nachweislich eines besseren belehrt), ich weiß sehr gut, das die meisten Thaikenner da skeptisch sind, aber diese beiden Damen waren das Paradebeispiel, das es durchaus Damen gibt, die sich um ihre Zukunft Gedanken machten. Mit Heiraten eines Farangs hatten beide überhaupt nichts am Hut, sie hatten beide ihre langjährigen, betuchten Stammfreier, die jedes Jahr mehrmals kamen. Miss Nok hatte sogar einen sehr reichen Araber aus Dubai an der Angel. Dieser Araber wohnte immer in einer Suite im Arcadia Hotel und buchte sie immer für eine Woche. In dieser Zeit verließen sie nie das Hotel. Einmal zeigte mir Miss Nok hundert Tausend Baht in bar, die sie kurz vorher, nach so einer Woche, zugesteckt bekam. Was sie dafür tun musste, sagte sie mir auch, aber das muss nicht unbedingt niedergeschrieben werden.

    Die Weapon Bar ist sowieso nichts für Geizhälse. Tum, die Chefin, verlangt 1.600 Baht Barfine und die Mädls wissen auch sehr genau, welchen Preis sie aufrufen können. Normalerweise wird das Geschäft im hinteren Bereich der Weapon Bar abgeleistet. Die wenigsten lösen eine Service Kraft da aus.

    Ich setzte mich zu Sepp und wir unterhielten uns über die neuesten Gerüchte auf Phuket. Da ich heute, einen sehr gut bezahlten Auftrag, eines Hotels in Patong Beach, an Land gezogen hatte, wollte ich etwas mit Sepp feiern.

    Inzwischen war es 19.00 Uhr und der tägliche Touristenstrom in der Patak Road, Richtung Kreisel, begann sich, in Bewegung zu setzen. Es war eine Lieblingsbeschäftigung von uns, den vorbeilaufenden Touristen zuzusehen bzw. sie zu beobachten. Wir mussten nicht lange warten, bis wieder ein klassischer Fall, an unseren Augen, vorbei zog. Er, so an die dreißig, normal gebaut, sie, auch so um die dreißig, aber einen Hintern in der Größe einer dreieinhalb Zimmer Wohnung. Vermutlich, erkennbar durch ihre hellhäutige Haut und der naturblonden Haare, irgendwoher aus Skandinavien.

    Er, als hätte er gerade eine göttliche Erscheinung, gaffte mit starren, blutleeren Augen auf die durchaus appetitlichen Häppchen, die um uns rumturnten. Durch ein aggressives Ziehen an seinem Arm wurde er von seiner Dreieinhalb Zimmer Begleitung unsanft aus seinen Träumen gerissen. Ich bin mir hundert Prozent sicher, das viele dieser Männer dachten: „Warum bin ich bloß mit meiner Alten hierher gefahren?“ Ich weiß nicht, wie oft wir, genau solch eine Situation erlebt hatten, aber es war sehr oft.

    Sepp erzählte mir, das Sarinee heute, zwischen Kata Beach und den Chalong Kreisel, ihren neuen Sing a Song eröffnet. Sarinee kannten wir schon länger, sie kam mit ihren Thai Ehemann aus Trang, vor rund zwei Jahren, nach Phuket. Anfangs arbeitenden beide in einem Hotel, am Kata Noi Beach.
    Ihr Mann, Tschip, orientierte sich recht schnell an den überaus großzügigen, weiblichen Überangebot. Natürlich nicht an den unzähligen Touristenbars, sondern in den Sing a Songs, die hauptsächlich von den Einheimischen, den auf Phuket arbeitenden, männlichen Thais und manchmal von den Expats, besucht werden. Dies blieb Sarinee natürlich nicht lange verborgen und sie schmiss Tschip vor einem guten Jahr unverzüglich aus der gemeinsamen Wohnung. Das war nicht weiter schlimm, da sie keine Kinder hatten, außerdem wäre dies auch kein wirklicher Grund.

    Danach hatte Sarinee eine kleine Bar, in der Nähe des Golden Sand Hotel, in einer Seitenstrasse. Diese lief aber überhaupt nicht gut, sodass auch die Chefin mit manchen Gästen mitging. Nach ein paar Monaten war aber Schluss, und Sarinee schloss ihre Bar wieder.

    „Natürlich müssen wir dahin“, entgegnete ich Sepp. Wir tranken noch unser Carlsberg Bier (Chang Bier gibt es in der Weapon Bar nicht) aus, und machten uns, mit unseren Flitzern, auf dem Weg nach Chalong. Schnell fanden wir diesen Sing a Song (rd. 200m vorm Kreisel auf der linken Seite) und wurden sehr freundlich von der frischgebackenen Chefin empfangen.

    Es waren so sieben Service Damen mit mehr oder weniger Gesangskünsten anwesend, natürlich alle aus der Gegend von Trang.

    Sarinee gab uns, zur Feier des Tages, eine Flasche Sangthip mit Soda und Eis aus. Wir hatten eine Menge Spaß und unser Alkoholspiegel stieg unaufhaltsam von Minute zu Minute.

    Nach zwei Stunden machten wir uns wieder auf den Weg und wollten einen kurzen Abstecher in der Phuketaner Bar, ganz in der Nähe von Marios Bakery, machen. Wir wussten zwar, das wir viel zu früh da auftauchten (es war vielleicht erst 22.00 Uhr), aber auch hier kannten wir die meisten Leute. Sepp und ich testeten hier, in der Vergangenheit, die eine oder andere Service Dame, auch sehr intensiv.
    Es war aber wirklich wenig los, die Service Damen gingen uns ganz schön auf die Nerven, sodass wir recht schnell wieder abhauten.

    Wir fuhren in das Kata Barcenter und setzten uns in die Bar von Jaclyn. Das ist die beste und erste Bar in diesen Barcenter. Jaclyn ist mit einen Amerikaner verheiratet, lebte auch sehr lange mit ihm in San Francisco, sprach hervorragendes Englisch mit kalifornischen Akzent, und sah natürlich grandios aus. Der Amerikaner arbeitete als Ingenieur auf den verschiedensten Ölplattformen im indischen Ozean und war immer 4 Wochen auf Urlaub in Phuket und dann wieder 2 Monate auf der Ölplattform. Mit Farangs ging sie für Geld natürlich nicht, das hatte sie überhaupt nicht nötig. Trotzdem war sie manchmal, wenn ihr ein junger Farang vom Äußern gefiel, nicht abgeneigt. Dies hatte dann aber den westlichen „One Night Stand“ Charakter und Geld spielte überhaupt keine Rolle.

    Bei Jaclyn wird auch die beste Musik (klassischer Rock, 70er, 80er Jahre) aufgelegt, sodass wir sehr oft da waren, und wir zu den Stammgästen gehörten. Wenn die Mädls nicht gerade mit welchen Blödmännern beschäftigt waren, saßen sie bei uns am Tisch, und tranken den einen oder anderen Whiskey mit.

    Die Stimmung war hervorragend, so blieben wir bis 01.00 Uhr. Inzwischen waren wir ganz schön besoffen. In der Regel verschwendeten wir nie einen Gedanken daran, das Mopedfahren im stark alkoholisierten Zustand, eigentlich ganz schön dämlich und dumm ist.

    Wir starteten und im Karon Center, in der sogenannten Schweinestraße, legten wir noch einen kurzen Stop beim Jeap, der Backgammon Profi, ein. Danach wollten wir ins Kon Tai Pub zum Absacken und eventuell ergibt sich ja noch etwas. Das Kon Tai Pub war zu dieser Zeit der angesagteste Laden im Umkreis von Karon bzw. Kata Beach. Ab 02.00 Uhr morgens ist da ein Überangebot von Service Damen, welches sich viele Männer in ihren kühnsten Träume nicht vorstellen können.

    Wir verließen die Schweinestrasse um circa 01.45. Sepp hatte damals noch die Angewohnheit im Suff so richtig Gas zu geben. Ich war genauso doof und folgte ihm rasend schnell. Während mir eine frische Brise Meeresluft um die Nase blies, wurde mir erst so richtig bewusst, wie besoffen ich eigentlich war. Egal, wird schon nichts passieren, beruhigte ich mich.

    Wir fuhren die Strandstraße entlang, die Straßenbeleuchtung war mal wieder kaputt, und somit war es finsterste Nacht. Am Phuket Arcadia, ein fünf Sterne Bunker, vorbei, und wir waren guter Dinge und freuten uns schon auf das Kon Tai Pub.

    Wir waren so dreihundert Meter vom Karon Kreisel entfernt, da passierte es.

    Ich sah, wie Sepp ein sehr langsam fahrendes Tuk Tuk überholte, und ich hinterher. Dann machte ich einen sehr schwerwiegenden Fehler und scherte, nachdem ich das Tuk Tuk überholt hatte, wieder links ein und plötzlich machte es einen derart lauten Knall, und plötzlich war es sehr, sehr still.

    Sepp machte diesen Fehler nicht, er blieb auf der Überholspur, und fuhr auch noch an den unbeleuchteten Müllwagen, der ganz links parkte, gekonnt vorbei. Mir war das nicht vergönnt und ich klebte zwischen der hydraulischen Hebevorrichtung und der großen Öffnung des Müllschluckers, am Ende des Trucks.

    Bis heute weiß ich nicht genau, wie dieses Malheur passieren konnte – ich kann mich wirklich nur mehr an das Tuk Tuk und den lauten Knall erinnern. Das da ein unbeleuchtetes Müllauto stand, wurde mir erst klar, als ich wieder aufwachte. Laut Sepp war ich einige Minuten bewusstlos, aber genau konnte er es auch nicht sagen, da er erst am Parkplatz vom Kon Tai Pub merkte, das ich nicht mehr hinter ihm war. Er fuhr dann die Strecke zurück und fand mich dann schließlich auch sehr schnell.

    Ich saß am Straßenrand und fühlte mich eigentlich gar nicht so schlecht. Natürlich hatte ich einen Schock vom feinsten und das ganze Blut, das von meiner Schläfe runtertropfte, nahm ich gar nicht so richtig wahr.

    Sepp sah mich und kümmerte sich sogleich um mich. Für die anwesenden Thais war das natürlich wieder ein Volksfest und sie amüsierten sich über diesen dummen Farang und über das total zerstörte Moped. Die Suzuki Crystal konnte nur mehr auf eine Ladefläche eines Pick Up’s geworfen werden, an eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken. An dem Müllauto war natürlich keinerlei Schaden, wie auch? – die ganze Vorrichtung ist ja komplett aus sehr harten Stahl. Da ich natürlich, wie immer, keinen Sturzhelm trug, bremste ich mit meinen Kopf bzw. Körper.

    Mit meinen T-Shirt als provisorische Mullbinde, versorgte Sepp erst mal meine starkblutende Wunde am Kopf. Da ich unter starken Schock stand, war mir die schwere Verletzung über meinen linken Auge gar nicht bewusst. Sepp wollte mich sofort ins Phuket International Krankenhaus bringen, aber ich winkte gelassen ab und wollte mich partout nicht ins Krankenhaus bringen lassen. Indianer kennen keinen Schmerz, war damals unsere dümmliche Devise. Ist ja alles nicht so schlimm, ein paar Pflaster und in ein paar Tagen ist die Welt schon wieder in Ordnung.

    Ich konnte Sepp überzeugen, das er mich lediglich nach Hause fahren sollte. Nach einer kurzen Diskussion gab er nach und brachte mich auf seinen Sozius nach Hause.

    Ich wohnte zu dieser Zeit alleine in meinen Haus und als erstes begab ich mich mal ins Bad und versuchte meine klaffende Wunde am Kopf zu versorgen. Ich sah schon, das ein zwölf Zentimeter langer und sehr tiefer Schnitt über meinen linken Auge war, aber ich beruhigte mich selbst und so richtig schlecht ging es mir auch nicht. Im Gegenteil, ich verspürte keinerlei Schmerzen! Die ganzen Abschürfungen und Prellungen am ganzen Körper nahm ich gar nicht wahr. Der Alkohol und der Schock unterdrückten alles.

    In meinen Suff legte ich mich einfach ins Bett und schlief ein.

    So gegen sechs Uhr wachte ich mit höllischen Kopfschmerzen auf und wusste erst mal nicht, was überhaupt los sei. Dann schoss mir der laute Knall, wieder wie ein Blitz durch meinen sehr schmerzenden Kopf. Ich stand auf, und wunderte mich schon über das ganze Blut im Bett. Das ganze Haus war am Boden überseht von getrockneten Blutlachen. Was habe ich da letzte Nacht wieder angestellt? Ich erreichte das Bad und riskierte einen Blick in den Spiegel.

    Mich traf fast der Schlag und ich war einen Herzinfarkt nahe.

    „Wer, bitteschön, ist diese Fratze da im Spiegel, dieser Zombie, dieser Mutant, wer zur Hölle ist das???“

    Jetzt wurde mir so richtig schlecht und mir wurde schlagartig bewusst, das ich sofort ins Krankenhaus muss.

    - Fortsetzung folgt -


  4. #3
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: Der Unfall...

    Teil 2 von 3:

    Ich rief sofort Sepp am Handy an und nach dem fünften mal Läuten hob er auch ab. „What the hell....?“, war seine nicht so frische Antwort. „Komm schnell, du musst mich mit dem Suzuki Jeep ins Krankenhaus bringen. Ich schau aus wie ein Zombie. Da muss einiges wieder gerade gebogen werden!“ antwortete ich ihm aufgeregt.

    Nach zehn Minuten war er da, auf Sepp konnte man sich immer verlassen, eine nicht unbedingt herausragende Eigenschaft so mancher Expats! Natürlich hatte er auch noch genug Restalkohol in der Birne, aber darauf konnten wir jetzt wirklich keine Rücksicht nehmen.

    Er kam in mein Wohnzimmer, sah überall das viele Blut am Fußboden, dann sah er mich und sein Gesichtsausdruck war mir Antwort genug. Mein Kopf war inzwischen auf der linken Seite so stark angeschwollen, das es unmöglich war, das linke Auge auch nur ein wenig zu öffnen.

    Ich hatte auch schon ein paar Sachen in einer kleinen Reisetasche zusammengepackt.

    Schnell fuhren wir über den Chalong Kreisverkehr, Richtung Phuket International Hospital.

    Anmerkung vom Autor: Das Phuket International Hospital liegt schräg gegenüber vom LOTUS auf der Hauptstraße, Autobahn - Richtung Chalong. Es ist mit dem Bangkok Phuket Hospital auf internationalen Standard und durchaus vergleichbar mit europäischen Krankenhäusern. Fast alle Ärzte hier, haben irgendwo in der westlichen Welt studiert und sind somit bestens ausgebildet. Natürlich sprechen alle Ärzte gutes Englisch und eine deutschsprachige Kontaktperson (ein Schweizer) arbeitet da auch. Im Bangkok Phuket Hospital gibt es zum Beispiel auch eine Diplom-Krankenschwester in der Verwaltung, welche ihre Ausbildung im Ebersberger Krankenhaus (Nähe München) gemacht hatte. Sie ist eine geborene Thailänderin spricht übrigens auf Wunsch feinsten bayrischen Slang.
    Diese beiden Krankenhäuser sind aber für Normalo Thais nicht verfügbar, da sie niemals die Behandlungskosten bezahlen können. Die 30 Baht Theorie vom PM Thaksin greift hier sicher nicht.
    Für Normalos bzw. Einheimische, die kein oder wenig Geld haben, gibt es das Königs Krankenhaus, das Phya Thai Hospital in Phuket Town. Ich war da einmal jemanden besuchen und glaubt mir – ihr wollt nicht wirklich wissen, wie es da abgeht.

    P.S: Trotzdem MUSS bei allen Thai Krankenhäusern die finanzielle Seite bzw. der Versicherungsschutz vorher geklärt sein!!!


    Dort angekommen, wurde ich erst mal in die Notaufnahme, mittels eines alten Rollstuhles, geschoben. Sepp wusste, das ich hier bleiben musste und verabschiedete sich wieder, er wollte mich dann später wieder besuchen.

    Der ganz normale Krankenhaus Alltag ist der, das, bevor überhaupt irgendwas unternommen wird, die Frage nach der Versicherung, bzw. nach den finanziellen Mittel, ob die Behandlung überhaupt bezahlt werden kann. Wenn man bewusstlos eingeliefert wird, wird normalerweise mit der weiteren Behandlung gewartet, bis man aufwacht und die finanzielle Frage geklärt ist. Keine Angst, sterben lassen sie auch niemanden, aber es wird mit hundertprozentiger Sicherheit keine Operation oder teure Behandlung eingeleitet, solange die Bezahlung nicht gewährleistet ist – Da kann sich jeder sicher sein! Lebensbedrohliche Sachen werden natürlich schnell erledigt, aber wie gesagt, da kann es schon mal passieren, das ein eventuell noch rettbares Bein einfach mal schnell abgeschnitten wird.

    Anmerkung vom Autor: Es ist erstaunlich und ihr würdet es nicht glauben, wie viele westliche Ausländer in Thailand rumhüpfen, ohne den geringsten Versicherungsschutz. Ein sehr guter Freund von uns hatte vor einigen Jahren einen schrecklichen Motorrad Unfall, bei dem er fast gestorben war. Erst durch das beherzte Eingreifen bzw. eine Depositzahlung von 200.000 Baht seiner Freundin (Sie hatte eine sehr gut gehende Bar in Karon Beach) wurde er operiert, und somit dem etwas später, sicher eintreffenden Tod, entrissen. Natürlich hatte dieser Dummkopf auch keine Versicherung. Seine Chancen damals standen 50/50 und die Ärzte hatten ihn soweit wieder hinbekommen. Ok, es fehlt ihm jetzt die Milz und ein Stück vom Magen, aber ansonsten ist er pudelgesund. Und durch eine Sicherheitsschleuse am Flughafen wird er auch nie wieder unbemerkt gehen können, weil er zwei Kilo Eisen in allen möglichen Gelenken hat. Die gesamte Behandlung dauerte fast ein Jahr, 3 Monate Intensivstation, danach ein halbes Jahr im Rollstuhl, aber inzwischen fühlt er sich wieder gut. Die ganze Gaudi kostete ihm um die 900.000 Baht.

    Eine sehr hübsche Krankenschwester mit sehr modernen Brillengläsern empfing mich in der Notaufnahme und blickte mich erst mal ganz komisch an. „Don’t worry, I’ m really human“, waren meine ersten Worte zu ihr.

    Ihre ersten Worte waren: „Sir, have you ever been here before? ...if yes, please show me your health card”. Ich war in diesem Krankenhaus schon öfters, und jeder, der hier schon mal behandelt wurde, hat eine, in Plastik eingeschweißte Patienten Karte. Damit konnte sie auf das Patientenblatt zurückgreifen und somit war auch der Versicherungsschutz geklärt.

    Ich war schon seit einiger Zeit bei der New Hampshire Insurance (ein UK / Thai Zusammenschluss) als Privatpatient (was anderes gibt’s für uns eh nicht, außer privat) bei stationären Problemen bis 3 Mio. Baht versichert. Einen ambulanten Versicherungsschutz hatte ich nicht, wozu? – die kleinen Wehwehchen bezahlt man in cash, kostet meist eh fast nix. Ich trat mit 33 Jahren in diese Versicherung ein und mein jährlicher Beitrag war 15.000 Baht, inkl. einer Lebensversicherung, die bei Tod 1 Mio. Baht an meinen Bruder auszahlen würde. Krankenhaustagegeld war auch inbegriffen. Selbstverständlich verlangen die Versicherungsunternehmen in Thailand vor Abschluss, einen HIV sowie Hepatitis Test, und eine allgemeine Routine Untersuchung. Auf die Blutwerte wird auch besonderer Wert gelegt.

    Nachdem nun das leidige Thema mit der Bezahlung geklärt war, wurde ich auf eine Liege gelegt und ein Arzt wurde gerufen. Der kam auch relativ schnell und begutachtete mich.
    „Motorcycle Accident, yes?“ „Yes“, sagte ich kurz angebunden.

    „Warum ich denn so spät komme?“, wollte er wissen. „Na ja, ich hatte vorher keine Zeit“, scherzte ich mit ihm. Er meinte, das ich wahnsinniges Glück hatte und er die Wunde über meinen Auge nähen muss. „Na klar“, sagte ich, inzwischen schon leicht genervt, weil mein Kopf immer mehr weh tat, sein Rumdrücken der offenen Wunde über dem Auge war nicht gerade angenehm. Dann bekam ich eine Betäubungs- Spritze in den Kopf, feine Sache.

    Er nähte meine Wunde über den linken Auge mit vierunddreißig Stichen. So gekonnt, das heute, einige Jahre später, wenig zu sehen ist. Natürlich sieht man noch eine 10cm lange, leichte Narbe, die ist geblieben, aber im Normalfall fällt sie fast überhaupt nicht auf. Außerdem habe ich noch zwei weitere Narben im Gesicht, von anderen Missgeschicken in meinem Leben.

    Dann wurden meine Abschürfungen am ganzen Körper verarztet. Überall wurde es nun schön langsam blau, grün und gelb unter einigen Körperteilen. Mein Bauch, mit dem ich wohl auf den Schalthebeln der Hydraulikanlage gelandet bin, sah aus, wie ein Platz, der gerade von einem Twister (Tornado) heimgesucht worden ist.
    Danach wurde eine Computertomografie meines Schädels gemacht, aber außer einer schweren Gehirnerschütterung, konnten sie nichts feststellen. Geröntgt wurde ich nicht, aber ich hatte mir eh nix gebrochen, das hätte ich schon längst gespürt. Ich wurde auf mein Zimmer gebracht und legte mich nun ins Krankenbett. Andauernd war meine bebrillte Krankenschwester bei mir und umsorgte mich überaus zuvorkommend.

    Ich bat sie um ein Schlafmittel, aber dieses verwerte sie mir. Irgendwann schlief ich ein.

    Die Zimmer im Phuket International Krankenhaus sind vergleichbar mit erste Klasse Zimmer in Deutschland. Einzelzimmer, Klimaanlage, Kabel TV, Radio, Telefon, eigene Sitzecke für Besucher, eigener Balkon, Farang Essen auf Wunsch, usw. usw. Die Kosten für so ein Zimmer waren damals 1.600 Baht pro Nacht und wird zu 100% von der Versicherung übernommen. Ich erhielt sogar ein Krankenhaustagegeld von 1.700 Baht täglich. Ich verdiente sogar Geld!

    In Thailand ist es auch ganz normal, das sich Verwandte od. Freunde um den Kranken 24 Stunden kümmern, diese schlafen auch im Krankenhaus neben ihren Liebsten, meist am Boden, ansonsten auf der Couch. Es gibt keine geregelten Besuchszeiten, wie bei uns. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Ich durfte auch mal einen anderen Freund von mir, sogar auf der Intensivstation, besuchen. Die Thais sehen dies nicht so eng.

    Um 17.00 Uhr wachte ich das erste mal auf. Es ging mir eigentlich immer noch nicht allzu schlecht und so ging ich mit dem komischen Sack auf diesen seltsamen, fahrbaren Gestell, der mit Hilfe eines Schlauches in meiner Vene im Arm angestöpselt war, auf den Balkon, um eine zu rauchen. Irgendwie schafften mich dann die Medikamente doch, ich hing ja auch am Tropf. Ich legte mich wieder ins Bett und schlief sofort wieder ein.

    Der nächste Tag war die Hölle.

    - Fortsetzung folgt -


  5. #4
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: Der Unfall...


    Teil 3 von 3:

    Ich wachte auf und dachte: „Shit, ich bin gelähmt!“

    Nur unter größten Schmerzen konnte ich mich bewegen. Natürlich war ich nicht gelähmt, aber die Prellungen und Zerrungen am ganzen Körper zeigten jetzt ihre ganze Wirkung.

    Ich versuchte, mich aufzurichten, alleine für diese leichte Bewegung brauchte ich einige Minuten.

    Der Stationsarzt erschien und fragte mich wie es mir geht: „Na ja, nicht so gut, mein gesamter Körper tut mir weh“. „Ja, aber das ist normal“, entgegnete er mir. Die Visite dauerte keine zwei Minuten, aber was sollte er auch groß untersuchen, ich wusste ja selber, was mein Problem war.

    Mein gesamter Körper war blau, grün und stellenweise auch gelb. Die Schwellung am Kopf hatte etwas nachgelassen und langsam nahm mein Gesicht wieder menschliche Züge an.

    Ich konnte meine Nikotinsucht einfach nicht unterdrücken! Ich versuchte auf den Balkon zu gelangen. Für die wahnsinnige Strecke von drei Meter brauchte ich genau zwölf (!) Minuten. Diese Schmerzen wünsche ich niemanden!

    Sepp und Toi, meine Ex, kamen auf Besuch.

    Also, eines muss man Thais lassen, wenn du mal wirklich ein Problem hast, und nicht der letzte Ars... bist, werden sie dir immer helfen bzw. sich um dich kümmern. Zwischen Toi und mir war es schon einige Zeit vorbei (auch nicht nur im Guten) und trotzdem besuchte sie mich, als wenn es das normalste der Welt ist.

    Anmerkung vom Autor: Ich war später noch zweimal im Krankenhaus. Meine damalige Freundin wachte fast rund um die Uhr neben meinen Bett und kümmerte sich rührend um mich.

    Sepp erzählte mir, das sich mein Unfall natürlich sehr schnell rumgesprochen (wie alles auf der Insel) hatte, und das mir alle gute Besserung wünschten. Die Suzuki Crystal kann man auch wieder reparieren. Unser Werkstattmeister erledigt dies schon.

    Die nächsten zwei Tage bemühte ich mich wirklich nur im äußersten Notfall (Toilette und Rauchen) aus dem Bett. Es war keine schöne Zeit.

    Nach vier bis fünf Tagen konnte ich mich wieder relativ gut, aber sehr langsam bewegen und die Schmerzen ließen nach, natürlich durfte ich keine schnellen oder unüberlegten Bewegungen machen, aber es ging wieder aufwärts. In dieser Zeit besuchte ich auch die Cafeteria im Krankenhaus. Nun kam ich auch mit anderen Farang Patienten in Kontakt.

    Da war eine Schwedin, die für ein schwedisches Reiseunternehmen auf Phuket arbeitete. Dieses arme Mädel hatte eine schwere Amnesie. Sie konnte sich an nichts mehr erinnern, sie wusste nicht mal, das sie in Thailand war. Sie wurde ein paar Tage später nach Schweden ausgeflogen.

    Roger, ein Engländer, wird mir auch immer in Erinnerung bleiben. Dieser Herr hatte eine Schlägerei mit anschließender Messerstecherei mit Thais. Aber auch ihn schusterten die Ärzte wieder zusammen. Sein Problem war nur, das sie ihm einfach auch eine Niere entfernt hatten, ob’s notwendig war oder nicht, konnte ihm aber kein Arzt schlüssig erklären.

    Aber das schwerste Los hatte Tom, ein einunddreißigjähriger Australier. Seine Freundin hatte ihm in der Nacht den Schnidelwutz mit einen scharfen Rasiermesser weggeschnitten (Leider kein Witz).
    Sie ertappte ihn einen Tag vorher mit einer anderen in ihren gemeinsamen Haus. Die Nacht danach kam sie besoffen nach Hause und schnitt dann an Tom herum, als er schlief. Trotz relativ schneller Hilfe und schnellen Transport in Hospital konnten die Ärzte sein bestes Stück nicht mehr annähen. Er war total fertig und sprach von Suizid. Irgendwie konnte ich ihn verstehen.

    Anmerkung vom Autor: Ich weiß, das wieder viele Thaikenner daran zweifeln werden, und diese Geschichte mit Tom als Räuberpistole abtun werden. Das ist ok, ich wäre froh, wenn ich auch noch so manche Meinungen teilen könnte, die manchmal in den verschiedenen Internet Foren vertreten werden. Leider spricht die blanke Realität eine ganz andere Sprache. Das werden viele, die vorhaben, irgendwann später länger in Thailand zu leben, sehr schnell merken.

    Ich fand dann auch noch eine richtig nette Beschäftigung. Ich setzte mich zu dem Wachmann, der bei der Notarztwagen Einlieferung seinen Tisch stehen hatte. Da kamen so im dreißig Minuten Takt die schönsten Motorrad Unfallopfer. Natürlich ausschließlich Ausländer, weil die Thais werden nach Phuket Town gebracht.

    Ich könnte jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, was ich da alles gesehen habe, aber ich mach es besser nicht. Ich kann zu diesen Thema nur eins sagen: Leute! ...kleidet euch richtig, wenn ihr Motorräder in Thailand benutzt, oder fährt nicht schneller wie dreißig km/h. Wenn man mal gesehen hat, wie Schürfwunden bis zum Knochen aussehen, überlegt man etwas mehr. Und, es kann wirklich jeden treffen, besonders die Spezialisten, die in ihren ganzen Leben noch nie Moped gefahren sind und in Thailand den erfahrenen Biker raushängen lassen wollen. Davon gibt es Leute ohne Ende und die sind für mich nur noch blöd. Es wird auch KEIN einziger Vermieter nach Fahrpraxis fragen, im Gegenteil, solche Kunden sind die liebsten. Warum? Ganz einfach, die Vermieter verdienen erst bei einen Unfall richtig Geld und seid euch gewiss, das sicher jeder Vermieter einen Kumpel im Braunhemd hat. Mit solcher Unterstützung, seitens des Vermieters, schaut ihr ganz schön alt aus.

    Heute sollte ich entlassen werden, ich war jetzt genau zehn Tage im Krankenhaus. Die Abwicklung der gesamten Kosten wurden in der Buchhaltung genau aufgeschlüsselt und betrugen 49.000 Baht. Meine Leistung, fand in Form einer Unterschrift, auf dieser Aufstellung statt. Ich brauchte keinen einzigen Baht dazuzahlen, meine Versicherung (mit der ich in all den Jahren wirklich sehr zufrieden war) übernahm die gesamten Kosten.

    Die Nachwehen, bis ich wirklich wieder hundert Prozent fit war, dauerten fast vier Wochen.

    Also Leute, beherzigt diese kleine Story und sauft nicht wie die Irren, wenn ihr Motorrad fährt!

    ENDE



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