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In der Uckermark

Erstellt von MadMovie, 23.09.2011, 01:35 Uhr · 25 Antworten · 5.159 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von MadMovie

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    Ein Fahrstuhl für Schiffe

    Wir verließen für einen Abstecher die Uckermark und erreichten über Eberswalde und ein paar Serpentinen, die man so in der norddeutschen Tiefebene eher nicht erwartet hätte den Landkreis Barnim und die Ortschaft Niederfinow. Der Oder-Havel-Kanal (einst Hohenzollern-Kanal genannt) muss hier einen Höhenunterschied von 36 Metern überwinden und dies wurde zunächst durch eine vierstufige Schleusentreppe realisiert. Erste Planungen für ein Schiffshebewerk gab es bereits in den Jahren 1906, 1912 und 1914, aber der I. Weltkrieg und die darauf folgenden politischen Unruhen verzögerten eine Entscheidungsfindung. Erst 1923 prüfte man alle bisherigen Vorschläge neu und von 1927 bis 1934 wurde für etwa 27,5 Millionen Reichsmark das heutige Schiffshebewerk Niederfinow erbaut.



    Es ist ein „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ (so der 2007 verliehene Titel ) und unterliegt der „Haager Konvention zum Schutz von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten“. Davon haben die Russen zwar 1945 noch nichts gewusst, aber das Schiffshebewerk dennoch nicht demontiert und eingeschmolzen – wie so manche Bahnschiene in Ostdeutschland…



    Nach etwa 400 Meter Wanderung ist man an der Schiffsanlegestelle für eine Tour mit dem „Fahrstuhl für Schiffe“



    Dieses Foto beweist nur einmal mehr, wie fies das Wetter an dem Tag im September 2011 war, den wir uns für eine Besichtigung ausgesucht hatten…



    Nach der Einfahrt in den Trog werden die Tore geschlossen und der Wasserstand zwischen Kanal und Trog angepasst



    Und schon geht es los mit der Fahrt nach oben – der Wartungsmechaniker ist zwar in Eile, aber es gab keine besonderen Vorkommnisse





    Oben angekommen das gleiche Prozedere: Tore öffnen, Wasserspiegel angleichen und weiter geht es…Das Ganze dauerte nur wenige Minuten…


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  2.  
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  3. #12
    Avatar von HPollmeier

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    Zitat Zitat von MadMovie Beitrag anzeigen
    2005 habe ich hier einen Bericht über den Bayerischen Wald eingestellt und wurde dafür von einigen wegen mangelndem Thailand-Bezug kritisiert.
    Das sind meist Schwätzer, die keinen eigenen vernünftigen Beitrag fertigbringen - nicht einmal über Thailand. Laß Dich dadurch nicht beirren, denn Du machst das ganz hervorragend!

    Und da ich weiß, wieviel Arbeit in einer solchen Sache steckt, sollten sich diese Quasselmäuler eigentlich schämen.

    Gruß
    Heinz

  4. #13
    Avatar von MadMovie

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    In der Uckermark

    Ein Fahrstuhl für Schiffe II



    Blick vom Oberdeck auf die verregnete Landschaft am Oder-Havel-Kanal



    Ebenfalls auf der Fahrt zurück in niedere Gefilde: Unser Schwesternschiff. Obwohl von diesen Ausflugsschiffen mehrere in den Trog des Fahrstuhls passen (Schiffe bis 84 m Länge und 2 m Tiefgang), genügt das alte Schiffshebewerk nicht mehr den modernen Anforderungen des umweltfreundlichen Güterverkehrs auf den Wasserstraßen.
    Daher wurde 1997 der Bau eines neuen „Fahrstuhls für Schiffe“ beschlossen, 2006 begannen die Erdarbeiten und 2009 erfolgte die offizielle Grundsteinlegung durch Ministerpräsident Matthias Platzeck.

    Die Baukosten werden auf 285 Millionen € beziffert und es soll 2014 fertig sein. Der Trog wird dann eine Länge von 115 m haben (moderne Lastkähne sind etwa 110 m lang) und vier Meter tief sein.
    Bis etwa 2025 sollen beide Schiffshebewerke parallel betrieben werden.

    Bei dem mehrfach beklagten schlechten Wetter sind wir natürlich nicht zur Baustelle gewackelt, sondern flüchteten in das trockene Informations-Zentrum.





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  5. #14
    Avatar von MadMovie

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    In der Uckermark

    Die Sage vom Paschenberg

    Zum Kaffeetrinken wurden wir in das Panoramarestaurant Carlsburg kutschiert. Dieses liegt in der Nähe von Falkenberg/Mark.

    www.Carlsburg.de - Historisches Panoramarestaurant und Erlebniswelt der Geschenke

    Interessant, dass dort in der eher nicht so bekannten Location auch bekannte Kabarettisten wie Arnulf Rating auftreten. Das Programm liest sich fast wie bei einigen Berliner Spielstätten.

    Im Restaurant war übrigens auch schon Theodor Fontane Gast.

    Der Paschenberg ist nur 86 m hoch – das ist zwar gemessen an „richtigen“ Bergen ein Witz, da aber die Tiefebene der Oder gleich daneben liegt, kommt man sich vor wie im Schwarzwald…







    Die Oderflut 1997 reichte bis auf die ausgedehnten Wiesen nahe des Paschenberges



    Unsere Reisegruppe beim Kaffeeplausch – die Carlsburg sieht von außen eher unscheinbar aus – aber es können mehrere Reisegruppen dort gleichzeitig speisen - dies ist nur ein Raum. Es gibt auch noch einen umfangreichen Verkauf von Keramik für Haus und Garten; da ich „Tragesel“ für Schwester und Frau spielte, konnte ich nicht auch noch fotografieren.

    Zum Schluss bin ich euch noch die Sage vom Paschenberg schuldig: Ein Mönchlein und der Teufel persönlich spielten einst auf dieser Anhöhe Würfeln…
    Wie das Würfelspiel ausging, lest ihr hier:

    Die Sage vom Paschenberg


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  6. #15
    Avatar von MadMovie

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    In der Uckermark

    Es klappert die Mühle am rauschenden Bach

    Die grauen Wolken hatten sich verzogen und so ging es bei feinstem Spätsommerwetter tags darauf – diesmal mit den eigenen PKW’s – Richtung Nordwesten. Meine Frau hatte noch etwas vergessen, so dass wir hinterher düsen mussten – aber Boitzenburg ist ja von Gerswalde aus nun wirklich nicht schwer zu finden.

    Erster Besichtigungspunkt war die Mühle am ehemaligen Kloster Boitzenburg. Das Kloster ist schon lange verfallen, aber die Mühle (vier Mal abgebrannt) hat die Zeitläufe überstanden und wurde immer wieder aufgebaut.

    Das Museum Klostermühle in Boitzenburg

    Wir waren zwar angemeldet, aber der Müller hatte noch mit einer Schulklasse zu tun (mit für den ländlichen Raum Brandenburgs überraschend vielen Kindern mit Migrationshintergrund)





    Der Müller redete in der Folge unablässig wie der draußen vorbei rauschende Bach, so dass wir gar nicht dazu kamen, nach dem Namen der Holzskulptur zu fragen…



    …für einen Zwerg zu groß, für einen Troll zu klein…



    Der Autor ist nicht im Bild, weil er neben der komischen Holzfigur attraktiver wirkt, sondern weil im Vordergrund typische Gerätschaften liegen: Das vom Bauer angelieferte Korn wurde von einem Müllerknecht (oder Azubi) in den Scheffel geschüttet und der Müller strich es glatt und rief „Gestrichen voll!“ Ein Scheffel konnte je nach kleinerem oder größerem Staat im damaligen Deutschland etwa 55 Liter (Preußen) oder 222 Liter (Bayern) bedeuten.

    Daneben liegt ein Kerbholz. D. h., der Bauer musste unterwegs im Wald einen geeigneten Stock suchen und diesen längs spalten. Bei Anlieferung einer Fuhre Korn wurde der gekerbt und eine Hälfte (versehen mit dem Wappen bzw. Namenssymbol des Bauern – Schreiben konnte kaum einer) verblieb beim Müller. Der Beauftragte des örtlichen Grafen/Fürsten kontrollierte, wie viele Fuhren Hinz und wie viele Kunz angeliefert hatte. Deshalb bedeutete „Etwas auf dem Kerbholz haben“ zunächst etwas Positives.

    Nun stellte ein Cousin die berechtigte Frage, die auch mir auf der Zunge lag, wie dann im Laufe der Zeit das Sprichwort negativ belastet wurde. Nun, so ein Kerbholz hatte auch der Wirt und eine Hälfte hatte der häusliche Drachen des Bauern zu Hause – häufige Zecherei=weniger Geld für Haushalt und Kinder – alles klar?



    Spartanische Unterkunft eines Müllerknechtes vor über 100 Jahren. Der Müller wohnte natürlich komfortabler…

    Ein Teil des Museums beinhaltet völlig untypisch für eine Mühle eine Sammlung alter Radios und Magnettonbandgeräte – darunter einen Original-Volksempfänger („........-Schnauze“) und eines der seltenen batteriebetriebenen Mini-Tonbandgeräte aus der DDR „Bändy“. Meine Schwester hatte eines in den 60er Jahren und sagte, es funktionierte nie so richtig. Die Entwicklung bei der Speicherung von Musik vom Magnettonband bis zum Computer ist rasant…

    Jetzt habe ich so viel geschrieben, wie der Müller geplappert hat…


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  7. #16
    Avatar von MadMovie

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    In der Uckermark

    Wanderung rund um die Klostermühle







    Das Plastikrohr passt nicht so recht zu einer Museumsmühle



    Vor den Ruinen des Klosters wird im Sommer Theater gespielt – die Bühne wurde gerade abgebaut.
    Der Eichenhain dahinter ist rund 800 Jahre alt…


    wird fortgesetzt mit Schloss Boitzenburg...

  8. #17
    Avatar von MadMovie

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    In der Uckermark

    Ferienlager im Schloss



    Am Schlossteich von Boitzenburg



    Das Schloss von Boitzenburg wirkt mit seinen weißen Mauern auf den ersten Blick fast wie vom Märchenkönig Ludwig II. von Bayern erbaut…
    Noch deutlicher wird dies, wenn man zur Rückseite wandert…



    Vermutlich geht der Name des Schlosses auf Gerhard Boyceneburch zurück. Er besaß hier Land, welches er 1271 dem Zisterzienserkloster Marienpforte schenkte. Erste urkundliche Erwähnung fand das Schloss dann 1276, denn damals erhielten Dietrich von Kerkow, seine Söhne und Neffen die Burg Boitzenburg („castrum Bonceneborch“) mit den 10 dabei liegenden Dörfern von den Markgrafen Johann II, Otto IV und Konrad.

    Die Burg (bzw. das Schloss) wechselte öfter den Besitzer, bis es endgültig an die Familie von Arnim überging. Dazu gibt es eine hübsche Legende: Man erzählt sich, dass vor langer Zeit in Suckow ein Schäfer lebte, und der hieß Arndt. Eines Tages, als er am Uckersee seine Schafe hütete und ein paar weiße Strümpfe strickte, kam der Markgraf von Brandenburg angeritten. Er führte Krieg gegen die Pommern, hatte aber eine Niederlage erlitten und wollte sich nun durch die Flucht retten.
    Nun wollte er auf die andere Seite des Uckersees und von dort den Pommern in die Flanke fallen. Doch wo sollte er hinüber gelangen? Schäfer Arndt ging mit ihm ans Seeufer und zeigte ihm eine seichte Stelle. Der Markgraf ritt mit seinen Soldaten hindurch. Bald darauf schlug er die Pommern. Bei seiner Rückkehr traf er an der selben Stelle wieder den Schäfer. Er wollte ihn belohnen und bot ihm Geld an. Der Schäfer lehnte ab, und der Markgraf sprach dreimal: „Arndt, nimm!“ Als der Mann bei seiner Ablehnung blieb, sagte der Markgraf, er wolle ihn anders belohnen, und er verlieh ihm somit den Namen „von Arnim“.

    Quelle: Schlossgeschichte 1 - Urlaub Ferien Uckermark - Schloss Boitzenburg

    Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Familie ursprünglich aus Arnheim in den Niederlanden stammte. Und vom redseligen Müller wusste ich ja schon, dass ein von Arnim im 30Jährigen Krieg als Protestant auf der Seite des katholischen Heerführers Wallenstein kämpfte.
    Darunter hatte auch das Schloss zu leiden, denn es wurde von den Dänen und vor allem Schweden mehrfach angegriffen.

    In der Folge waren die von Arnim nicht nur kriegerisch sondern auch sozial engagiert: So gab es in Boitzenburg bereits 1710 eine Schulpflicht (also 53 Jahre vor der generellen Einführung in Preußen!) und seit 1829 Kindergärten – sollte auch mal erwähnt werden.
    Das Schloss, so wie es sich heute darstellt, wurde im Verlaufe von 500 Jahren mehrfach umgebaut und in den 1990er Jahren von Grund auf renoviert.

    Jetzt ist es in erster Linie ein Ferienziel für Kinder.



    Der Wächter des Burggrabens:



    „Das ist meine Kabeltrommel!“


    wird fortgesetzt...

  9. #18
    antibes
    Avatar von antibes
    Habe mir auf einer Karte die Regionen Brandenburgs angesehen. Jetzt bin ich im Bilde.

    Die Schloßanlage ist ja prächtig. Sehr schön.

  10. #19
    Avatar von HPollmeier

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    Zitat Zitat von MadMovie Beitrag anzeigen
    Ferienlager im Schloss


    Hallo MadMovie,

    ein sehr schönes Stimmungsbild, gerade für ältere Herrschaften - gelungener Aufbau, gute Perspektive usw.

    Gruß
    Heinz

  11. #20
    Avatar von MadMovie

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    Ich musste leider arbeiten (auch am Wochenende) - daher kommt der abschließende Teil erst Donnerstag dieser Woche...

    Zitat Zitat von HPollmeier
    ein sehr schönes Stimmungsbild, gerade für ältere Herrschaften - gelungener Aufbau, gute Perspektive usw.
    Vielen Dank! 06. 09. 2011, etwa 14:00 Uhr, Boitzenburg; Sony Cybershot DSC W5.
    Ich muss mal den älteren Herrn konsultieren, der mit mir da herum gelaufen ist - der hatte eine Spiegelreflex-Digicam dabei...

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