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Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedanken z

Erstellt von Samuianer, 25.10.2005, 07:19 Uhr · 12 Antworten · 8.559 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Samuianer

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    Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedanken z

    Spam und sonstige Störungen eines reibungslosen Diskussionens-Verlaufs sind bitte zu unterlassen.

    Auf Serge's Anregung eroeffne ich hier an dieser Stelle im Literarischen Forum ein neuen Thread zum Thema Budda - Buddhismus - bitte um moeglichst rege Beteiligung und Beitraege zum Thema!

    Danke!



    Von den Raederwerken:

    In der Geschäftigkeit des täglichen Lebens wird oft vergessen, dass es höhere Werte gibt als die alltäglichen, denen wir nachjagen. Vor allen Dingen passiert dies, wenn die Jagd so aufreibend ist, dass überhaupt keine Ruhepausen eintreten. Dann vergisst der Mensch vollkommen, um was es eigentlich geht.

    Es geht bestimmt nicht darum, mehr zu haben, oder mehr zu wissen. Mehr als wer? Der Nachbar? Oder jemand am anderen Ende der Welt? Oder derjenige, der bei uns im Haus wohnt? Mehr als gestern? Die ganze Jagd, die sich im weltlichen Leben abspielt und sich in der Schnelligkeit und Geschwindigkeit spiegelt, in der jeder vorwärtskommen will, ist ein Trugbild. Wo ist vorwärts? Die Welt ist rund. Unsere ganze Lebensdauer ist von Geburt bis Tod. Wenn wir älter werden, werden wir körperlich schwächer. Wo ist da vorwärts? Es geht höchstens rückwärts.

    Die meisten Menschen vergessen vollkommen, was wirklich wichtig ist. Selbst wenn wir es hören, ist es uns immer noch nicht klar, was im Mittelpunkt des Geschehens steht. Um was geht es denn eigentlich? Geht es darum keine Schmerzen zu haben? Oder geht es darum, besser meditieren zu können als unser Nachbar? Oder vielleicht besser als alle Anwesenden?

    Weiß eigentlich jeder, um was es geht?

    Buddhismus praktizieren ist eine der Möglichkeiten, um zu verstehen, wovon das menschliche Leben handelt.

    Es geht immer wieder um dasselbe, aber wir müssen uns hineinknien, in diesem Fall sogar wörtlich genommen. Wenn wir oberflächlich zuhören oder lesen passiert überhaupt nichts. Im Gegenteil! Erst einmal müssen sich Herz und Geist einig sein, dass die Jagd in der Welt auf keinen Fall bleibende Resultate bringen kann. Im Herzen ist es aber möglich, einen Weg zu finden, der alle Fragen beantwortet und der uns dann am Ende zeigt, wieso wir überhaupt auf der Welt sind.

    Wen das nicht interessiert, der braucht nicht zu meditieren. Da können wir unsere Zeit anders ver(sch)wenden. Wir können etwas lernen, womit wir Geld verdienen oder auf unsere Freunde Eindruck machen können. Mit Meditation werden wir nie Eindruck machen, höchstens auf uns selbst.

    Rabbi Hillel hat im 1.Jahrhundert unserer Zeitrechnung gesagt: "Wenn nicht ich, wer denn? Wenn nicht jetzt, wann dann?" Übermorgen oder Montag? Es gibt doch nur diesen einen Augenblick, und der ist jetzt.

    Hat irgend jemand von uns, oder sonst wo auf der Welt, eine schriftliche Garantie, dass er übermorgen - oder gar morgen - noch am Leben sein wird? Oder heute nacht? Das ist doch nichts wie eine Hoffnung; Natürlich eine berechtigte Hoffnung, wenn wir nicht todkrank sind, aber dennoch keine Garantie.

    "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

    Wir glauben, wir kämen mit einem Gutschein auf die Welt, wie man ihn im Warenhaus erstehen kann, und mit dem wir uns alles abholen können, was wir haben wollen. Alles müssen wir uns erarbeiten, jedes bisschen. Und wie erarbeiten wir uns den inneren Frieden?

    Indem wir immer wieder von den Sinnen loslassen.

    Was die Sinne uns bieten, ist nichts weiter wie ein Trug, eine Gaukelei, die leider jeder glaubt.

    Wenn wir eines Tages die Notwendigkeit erkennen, uns davon zu befreien, dann müssen wir uns immer wieder klar machen, dass es nicht darum geht, Angenehmes zu sehen, hören, riechen, schmecken, berühren und zu denken.

    Es geht darum, das tiefere Sein zu erfassen, das in allen von uns das gleiche ist.

    Der Buddha hat gesagt:
    "Das ganze Universum, ihr Mönche, liegt in diesem klafterlangen Körper und im Geist."

    Wenn die Menschen nicht mehr auf den ursprünglichen Lehrer hören, sondern ihren eigenen Vorstellungen folgen, geht vieles von der Eindeutigkeit der Lehre verloren. Aber wenn wir wieder zur Quelle, zum Ursprung, zurückkehren, dann sehen wir, es gibt nur eine einzige Quelle. Wenn wir uns dieser Quelle nähern, kommen wir der vollkommenen Reinheit näher, denn die Quelle ist ohne jegliche Unreinheiten, und enthält alles, was wir brauchen.

    :Auszuege aus Reden von Ayya Khema

    1949 wurde Ayya Khema amerikanische Staatsbürgerin und lebte als Ehefrau und Mutter zweier Kinder in Kalifornien.

    Auf ihren Reisen durch Asien kam Ayya Khema mit dem Buddhismus in Berührung.

    Nach Jahren der Ausbildung bei namhaften Lehrern in Burma, Thailand, Sri Lanka, USA und Australien begann sie 1975 Meditation und die Lehre des Buddha - in der Theravada Tradition - zu vermitteln.

    Inzwischen wurde sie in weiten Teilen der Welt eine gesuchte Meditationsmeisterin. 1978 gründete Ayya Khema unweit von Sydney das Waldkloster "Wat Buddha Dhamma". 1979 wurde sie in Sri Lanka als Nonne ordiniert. Zwei Jahre später gründete sie das "International Buddhist Women`s Centre" nahe Colombo.1984 schuf sie mit ihrem Frauenkloster und Meditationszentrum auf einer kleinen Insel - mit Namen "Parappuduwa Nuns Island" - im Südwesten Sri Lankas eine internationale Stätte für Studium und Praxis des Buddhismus. Auf Grund ihrer Inspiration entstand im Allgäu das Buddha-Haus sowie das erste buddhistische Waldkloster Deutschlands, mit Namen "Metta Vihara". Eine Woche vor ihrem Tod, am 2. November 1997, hat sie noch den "Orden der Westlichen Waldklostertradition" gegründet.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Aufgrund immer wieder auftauchender Missverstaendnisse und diverser "Privatinterpretationen", habe ich mir, in den letzten Tagen die Muehe gemacht eine "kurze" Einfuehrung uber den Buddhismus, seine verschiedenen Schulen und Zweige, wenn sie auch recht lang ausgefallen ist, zusammen zu stellen.

    Zum besseren Verstaendniss, nimm dir Zeit....

    :
    Buddhismus

    Die Schulen:

    Theravada
    Pali: Schule der Ältesten, ist die einzige noch verbliebene Schule des Hinayana, kleiner Weg, kleines Fahrzeug, welcher ebenso wie Mahayana - großer Weg, großes Fahrzeug - und Vajrayana Diamantfahrzeug - zu den drei Hauptzweigen des Buddhismus gehört.

    Er führt seine Abstammung auf jene Mönchsgemeinde, die Sangha, zurück, die zu den ersten Anhängern Buddhas gehörte. Der Theravada ist heute vor allem in Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Kambodscha, Laos und teilweise auch in Vietnam verbreitet.

    Zur Unterscheidung:

    Hinayana & Mahayana

    Hinayana bedeutet wörtlich übersetzt "Kleines Fahrzeug". "hina" - also "klein" bezieht sich auf die Motivation für den Weg. Aus der Erkenntnis des Leids (1. Edle Wahrheit) wünscht sich der Übende, Erlösung vom Leid zu erlangen. Wer diese Motivation für sich entwickelt, auch als "Entsagung" bezeichnet, wird gemäß Mahayana zum Hinayana gezählt. Dies deshalb, weil der Wunsch sich nur auf ein Lebewesen bezieht und somit im Vergleich zum Leid der vielen Lebewesen eine kleine Motivation ist.

    Jemand der sich wünscht, dass alle Wesen Leiderlösung erlangen und dafür die persönliche Verantwortung übernimmt, hat eine größere Motivation und zählt zum Mahayana. Der Wunsch nach Leiderlösung bezieht sich im Mahayana also auf alle Lebewesen, einschliesslich die eigene Person. Das Wohl der eigenen Person wird allerdings dem Wohl aller anderen untergeordnet.

    Das Ideal des Boddhisattva

    Der Weg des Mahayana hat zwei Linien, die Linie des Tiefgründigen Weges über Nagarjuna und die Linie des Weiten Weges über Asanga.

    Ersterer betont die Leehrheit, Shunyata, zweiterer das Entwickeln der altruistischen Motivation Bodhicitta und das Verhalten eines Bodhisattvas. Anhänger des Mahayana sagen, diese Belehrungen seien bis dahin nur im Geheimen weitergegeben worden, da die Zeit für ihre Verbreitung noch nicht gekommen sei.

    Das späte Hervorbringen der Lehren ist auch mystisch beschrieben: Nagarjuna hat die Lehren zur Leerheit bei den Nagas mittels seiner tantrischen Kräfte geborgen und Asanga nach zwölf Jahren Rückgezogenheit und dem Entwickeln wirklichen Mitgefühls, erhielt die Lehren direkt von Buddha Maitreya.

    Gemäß der Ansicht, dass Buddha direkt Unterweisungen für Schüler mit höherer Kapazität auch zu Lebzeiten gab, die anderen verborgen blieben, wird beschrieben, dass diese Lehren des zweiten Drehens des Rades der Lehre, später als die Mahayana-Tradition und der Bodhisattva-Pfad bekannt wurden. Die Lehren des ersten Drehens des Dharma-Rades, aus denen sich die Hinayana-Tradition (Kleiner Weg) entwickelte, sind ebenso Teil des Mahayana und dienen der individuellen Leiderlösung und werden auch von einem Anhänger des Mahayana praktiziert.

    Zu den Lehren des Dritten Drehen des Rades des Dharma (es gibt insgesamt drei Lehrzyklen, die als Räder bezeichnet werden), zählen das Vajarayana und die Erklärungen zur Buddha Natur, dargelgt z.B. im Uttara Tantra Shastra.

    Das Vajrayana

    Das Vajrayana wird – neben dem Hinayana und dem Mahayana – gewöhnlich als die dritte große Hauptrichtung des Buddhismus bezeichnet.

    Trotz spezifischer Eigenheiten ist das Vajrayana dem Mahayana zuzuordnen und kann von diesem nicht losgelöst betrachtet werden.Das Vajrayana, vajraya-na, »Diamantfahrzeug«; tibetisch: Dorje Tegpa, ist eine Form des tantrischen Buddhismus - Tantrayana -. Dieser wird in seiner tibetischen Form auch Lamaismus genannt, da in dieser Variante des Buddhismus der Lama (Lehrer) von zentraler Bedeutung ist.

    Diese Bezeichnung impliziert allerdings, dass die Stellung des Vajrayana-Meisters eine tibetische Entwicklung sei, obwohl der tibetische Vajrayana sich als direkte Fortführung des ursprünglichen, indischen Vajrayana versteht - einschließlich der Bedeutung des Lehrers.

    Tantra - Tantrayana - Tantrismus

    Sanskrit: tantra, "Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang"
    ist eine in Indien entstandene esoterische Form des Hinduismus und später des Buddhismus - Vajrayana - innerhalb der nördlichen Mahayana -Tradition. Die Ursprünge des Tantra beginnen im 2. Jahrhundert, in voller Ausprägung liegt die Lehre jedoch frühestens ab dem 7./8. Jahrhundert vor. Im Buddhismus ist auch der Begriff Tantrayana gebräuchlich - Tantraya-na, "Fahrzeug der Tantra-Texte"
    .
    Tantrische Praktiken

    Zu den besonderen tantrischen Mitteln gehören neben der Meditation und Visualisierung auch das Rezitieren von Mantras (Lautformeln) und weitere Übungen, zu denen Rituale, Einweihungen und Guru Yoga - Einswerden mit dem Geist des erleuchteten Lehrers* - gehören.

    Der tibetische Buddhismus legt dabei besonderen Wert auf direkte Übertragung und Unterweisung von Lehrer zu Schüler.

    Die Hauptelemente des Tantrismus sind:

    * Die Darstellung und Vergegenwärtigung geistiger Prinzipien mittels 5exueller Symbolik, da angenommen wird, die Polaritäten aktiv und passiv, bzw. männlich und weiblich bildeten durch ihre Wechselwirkung das Universum (Shiva und Shakti)
    * Das System feinstofflicher Energiezentren (Chakras) und-kanäle (Nadis) auf denen die yogischen und meditativen Praktiken basieren, wie z.B. das körperliche Kundalini-Yoga, die Visualisation von Gottheiten oder zu diesem Zweck gar die 5exuelle Vereinigung.
    * Die Arbeit mit geometrischen Symbolen wie Mandala und Yantra (visuelle Objekte) als Ausdruck des Makro- und Mikrokosmos
    * Das Arbeiten mit Mantras (Lautsilben)) und Mudras (Gesten u. Stellungen)
    * Die Transformation der Körperzentren in geistige Orte durch Mantras (bestimmte Chants - Lautsilben) und Mandalas - (rituell - "magische" Symbole)
    * Das Einfließen magischer Vorstellungen - Visualisierung


    Der Tantrismus ist meist, aber nicht ausschließlich, mit dem Shaktismus, der Verehrung der Göttlichen Mutter, Shakti, verbunden, die Ausdruck der schöpferischen Kraft Gottes ist, mithin der Schöpfung selbst.

    Im Gegensatz zum reinen Advaita Vedanta, der die Schöpfung als Illusion - [i]Maya[i] - betrachtet, sieht der Tantriker diese als Ausdruck der Kraft Gottes - Shakti, der Göttin - an und verehrt diese als Maha-Maya.

    Der Tantriker sieht die Sinneswelt nicht als negativ an, sondern benutzt diese, um zur Vereinigung mit dem Göttlichen zu gelangen. Die Göttliche Mutter selbst ist im menschlichen Körper als Kundalini-energie vorhanden, die an der Basis der Wirbelsäule eingerollt liegt und, zum Leben erweckt, aufsteigt, um auf ihrem Weg die verschiedenen Chakren - subtile Energiezentren - zu öffnen und schließlich im obersten Chakra, dem Sahasrara, mit Shiva, dem männlichen Aspekt Gottes, dem Noumen, vereint zu werden.

    Alle Hauptgötter wohnen im menschlichen Körper, meist im Zentrum der Chakren. So wie Shiva und Shakti im Ardhanarishvara (halb Mann, halb Frau) vereint sind, so ist auch die rechte Hälfte jedes Menschen männlich und entspricht Shiva, während die linke Hälfte der Shakti entspricht.

    *Dakini:

    Eine Dakini Sanskrit: "Himmelstänzerin"
    ist ein tantrisches Geistwesen des antiken Indiens, welches nach der Mythologie die Seelen der Toten in den Himmel bringt. Dieses Wesen existiert weiter als buddhistische Figur im tibetischen Buddhismus.

    Die Dakini ist ein weibliches Wesen mit einem sehr wandelbaren, teils auch wildem Temperament, welches als Inspiration für die spirituelle Praxis agiert. Das männliche Pendant bezeichnet man im Sanskrit als Daka.

    Dakinis können mit Elfen und Engeln verglichen werden, haben im Gegensatz zu diesen jedoch durch ihre Gesten ein erschreckendes Erscheinungsbild. Sie repräsentieren die Ermutigung und Inspiration für den spirituellen Weg und überprüfen zugleich den spirituellen Fortschritt der Dharma - Praktizierenden.

    Ursprünge:

    Gemäß einer Legende brachten in früheren Zeiten die Mitglieder der indischen Herrscherkaste und der Adelsfamilien ihre Verstorbenen weit in den Norden, zu einem Dakini-Schrein. Dieser war am Fuße des Himalaya gelegen. Andere Legenden aus Tibet beziehen sich auf einen Mythos, nachdem die Dakinis zunächst in weit entfernten und menschenlehren Gebieten erschienen sind.

    Es gibt jedoch auch Vermutungen, wonach die Dakinis und Dakas in früheren Zeiten Schamaninnen und Schamanen waren, die sich mit Hilfe von ekstatischen Tänzen in Trance versetzten und auf diese Weise Reisen in andere Welten unternehmen konnten. Auf ihre während des Tanzens unternommenen Reisen durch den Himmel bzw. in die himmlischen Sphären, bezieht sich dann möglicherweise auch ihre Bezeichnung "Himmelstänzer(in)".

    Tantrische Vereinigung

    Bei der tantrischen Vereinigung kann eine "menschliche Dakini" als Praxisgefährtin mit einbezogen sein. Sie ist meist im Tantra Yoga geübt und stellt zugleich auch die Verkörperung einer echten Dakini dar, da bei diesen Praktiken die spezifisch tantrische reine Sichtweise des Praktizierenden von großer Bedeutung ist. Die Praxispartner erhöhen durch die geschlechtliche Vereinigung die Intensität der in den körperlichen Energiebahnen fließenden Energien.

    Dakas und Dakinis helfen, sich zur selben Zeit auf die spirituellen Freudenerfahrungen und zugleich auf Arbeit mit den durch die Vereinigung erweckten Energien zu konzentrieren. 5exuelle Freudenerfahrungen werden dabei in den tantrischen Pfad integriert.

    Diese Praktiken sind daher immer im Zusammenhang mit dem tantrischen Übungsweg eines Vajrayana-Praktizierenden zu sehen und sind kein, bloß auf 5exuellen Genuss ausgelegter Selbstzweck.

    Eine Ermächtigung und mündliche Unterweisungen zu diesen Praktiken durch einen befähigten tantrischen Meister sind unerlässliche Voraussetzungen, da die Arbeit mit den durch die tantrische Praxis erweckten körperlichen Energien gefährlich sein kann.

    * Maithuna
    (ritualisierter Geschlechtsakt aus dem Tantra/Tantrismus/Tantrayana)

    Insbesondere wegen des Maithuna ist Tantra in Verruf geraten und wird im Westen fälschlicherweise fast ausschliesslich mit 5exualpraktiken identifiziert.

    Es ist jedoch zu beachten, dass diese Praktiken nur von bestimmten Sekten, den Vamacharas, und auch dort nur von bestimmten Übenden, den Viryas, in einem bestimmten rituellen Zusammenhang ausgeübt werden.

    Ähnliche Praktiken werden teilweise auch in China in den monastisch daoistischen Quanzhen-Orden praktiziert und vereinzelt in der tantrischen Form des tibetischen Buddhismus.

    Im sogenannten "linkshändigen Tantra", dem Vamacara, werden die fünf vedischen Reinigungsartikel bewusst umgekehrt, in der Verehrung der fünf M´s, den pañca-maka-ra:

    * Matsya [oder Mi-na] (Fisch)
    * Ma-msa (Fleisch)
    * Madya (Wein)
    * Mudra- (getrocknete Körner)
    * Maithuna (ritualisierter Geschlechtsakt)


    Die drei Klassen von Dakinis:

    Nach dem Stand ihrer spirituellen Entwicklung können drei unterschiedliche Klassen von Dakinis unterschieden werden:

    1. Die unterste Klasse der Dakinis ist noch nicht erleuchtet und ist Menschen gegenüber entweder feindlich oder freundlich gesonnen.
    2. Die mittlere Klasse der Dakinis ist mit 24 heiligen Orten in Indien und Tibet verknüpft und kann nur von spirituell entwickelten Menschen wahrgenommen werden. Die 24 Orte stehen auch in Beziehung zu Aspekten des feinstofflichen Körpers und werden in bestimmten tantrischen Meditationen visualisiert.
    3. Die höchste Klasse der Dakinis sind spontan erleuchtete Wesen und Ausstrahlungen des Dharmakayas.


    Die Dakini im inneren Erleben

    Man kann die Dakinis nicht nur als mythologische Wesen, sondern auch als Symbole für die inneren, psychologische Prozesse des Einzelnen verstehen. Somit symbolisieren sie alle Inspirationen, die anregen, auf dem Weg des Buddha-Dharma weiter voranzuschreiten.

    Diese sind nicht immer nur angenehmen, sie können auch plötzlich und in beängstigender Weise das jeweilige Weltbild auf den Kopf stellen und die begrenzenden Fesseln und Mauern zerschlagen. Wie diese "Befreiungsschläge" dann empfunden werden, hängt von der jeweiligen Bereitschaft ab, sie anzunehmen und zu integrieren.

    Da die Dakinis frei von jeglicher Konvention sind, scheuen sie sich nicht, auch die ungewöhnlichsten Wege zu beschreiten, um aufzurütteln und zu helfen. Gewisse tantrische Meditationen Sadhanas verbinden durch Visualisation die Praktizierenden mit den inspirierenden Energien der jeweiligen Dakini.


    Die Dakini im äußeren Erleben

    Um eine Dakini zu erleben, muss nicht nach der Erscheinung dieser übersinnlichen Wesen gesucht werden. Es kann auch einfach bedeuten, einen Menschen gleich welchen Geschlechts zu finden, der uns im Alltag wie eine Dakini auf unserem spirituellen Weg unterstützt und uns führt.

    Bön

    :tibetisch transliteriert: Bon war die vorherrschende Religion in Tibet, als im 8. Jahrhundert der Buddhismus ins Land gelangte. Sie war von schamanistischen und animistischen Glaubensvorstellungen geprägt. Für die Anhänger bedeutet das Wort "Bön" soviel wie "Wahrheit", "Wirklichkeit" und "Wahre Lehre", also dasselbe wie für tibetische Buddhisten Vajrayana der Ausdruck "Chö".

    Die Lehren dieser Schule umfassen mehr als 200 Werke. Darunter finden sich Schriften zu Philosophie, Heilkunde, Metaphysik und Kosmologie.

    Insbesondere die philosophischen Grundlagen stehen denen der Buddhisten nahe. Lehren über Karma - Das Gesetz von Ursache und Wirkung - und über Mitgefühl lösten die Glaubenselemente des Alten Bön ab. Die Gottheiten des Alten Bön wurden im Sinne von Meditations-Gottheiten (Yidam-Gottheiten) integriert oder als Schützer der Lehre eingebunden.

    Die Lehren des Yungdrung-Bön teilen sich auf in die sog."Neun Wege", "Vier Pforten und eine Schatzkammer" und in die "Äusseren, Inneren und Geheimen Unterweisungen".

    Der letzte Teil der Lehren teilt sich auf in Sutra, Tantra und Dzogchen, ganz ähnlich derer, die auch in der Nyingma -Schule des tibetischen Buddhismus zu finden sind. Es gibt aber Hinweise, dass Dzogchen, die Lehren über die "Grosse Vollkommenheit", bereits vor Einführung der buddhistischen Lehren in Tibet, in Zhang Zhung existierten.

  4. #3
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Die Fortsetzung:

    Ich hoffe mit dieser Form der Zusamenfassung, niemanden zu langweilen (aufhoeren zu lesen) halte es jedoch fuer unabdingbar notwendig diese Zusamenfassung so gruendlich wie moeglich zu halten um eventuelle Missverstaendnisse und Fehlinterpretationen, moeglichst von vornherein auszuschliessen. Nehme trotzdem Nach und-Verbesserungen sowie Hinweise auf moegliche Fehler, gern zur Kenntniss!

    Hier zur "Einleitung" ein Wandgemaelde dass das Rad des Lebens darstellt, aus dem von Bikkhu Buddhadasa gegruendeten "Suan Mokh" - Chaiya - Surrathani.



    Die ´Nabe´ dieses ´Rades´, zugleich auch die ´Energie´, sprich Antriebskraft, bilden ein Schwein (Gier), ein Hahn (Zorn) und Schlange (Hass)....


    Entwicklung des Buddhismus

    Drei Monate nach dem Tod des Buddha traten seine Schüler in Rajagarha (heute Rajgir-Indien) zum ersten Konzil zusammen um den Dhamma - die Lehre und die Vinaya - die Mönchsregeln zu besprechen und gemäß den Unterweisungen des Buddha festzuhalten.

    Die weitere Überlieferung erfolgte mündlich.

    Etwa 100 Jahre später fand in Vesali das zweite Konzil statt. Diskutiert wurden nun vor allem die Regeln Vinaya der Mönchsgemeinschaft - Sangha da es bis dahin bereits zur Bildung verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichen Auslegungen der ursprünglichen Regeln gekommen war.

    Während des zweiten Konzils und den folgenden Zusammenkünften kam es zur Bildung von bis zu 18 verschiedenen Schulen - Nikaya-Schulen die sich auf unterschiedliche Weise auf die ursprünglichen Lehren des Buddha beriefen. Daneben entstand auch die Mahasanghika, die für Anpassungen der Regeln an die veränderten Umstände eintrat und als früher Vorläufer des Mahayana betrachtet werden kann.

    Im 3. Jahrhundert v. Chr. trat in Pataliputra - heute Patna, unter der Schirmherrschaft des Königs Ashoka und dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa, das 3. Konzil zusammen. Ziel der Versammlung war es, sich wieder auf eine einheitliche buddhistische Lehre zu einigen. Insbesondere Häretiker sollten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und falsche Lehren widerlegt werden.

    Im Verlauf des Konzils wurde zu diesem Zweck das Buch Kathavatthu verfasst, das die philosophischen und scholastischen Abhandlungen zusammenfasste. Dieser Text wurde zum Kernstück des Abhidhammapitaka, einer philosophischen Textsammlung.

    Zusammen mit dem Suttapitaka, den niedergeschriebenen Lehrreden des Buddha, und dem Vinayapitaka, der Sammlung der Ordensregeln, bildet es das in Pali verfasste Tipitaka - sanskrit: Tripitaka, "Dreikorb", auch "Pali-Kanon", die älteste große Zusammenfassung buddhistischen Schriftgutes.

    Nur diese Schriften wurden vom Konzil als authentische Grundlagen der buddhistischen Lehre anerkannt, was die Spaltung der Mönchsgemeinschaft besiegelte.

    Während der Theravada, die Lehre der Älteren, sich auf die unveränderte Übernahme der ursprünglichen Lehren und Regeln einigte, legte die Mahasanghika keinen festgelegten Kanon von Schriften fest und nahm auch Schriften, deren Herkunft von Buddha nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten, in ihre Lehren auf.


    Nach dem Ende des 3. Konzils brachten Mahinda und Sanghamitta, Sohn und Tochter Ashokas, das Tipitaka nach Sri Lanka, wo der Text bis heute vollständig erhalten wurde.

    Sie wurden als Missionare auf die Insel gesandt und tatsächlich wurde der Theravada schon bald die Staatsreligion des Königreichs. Von Sri Lanka aus wurden in der Folge Missionare in das Gebiet des heutigen Myanmar, damals ein Königreich der Mon, geschickt. Überlieferungen datieren diese Missionierung auf die Zeit der Regentschaft König Ashokas, also das 3. Jahrhundert v. Chr.. Gesichert ist das Auftreten des Theravada in dieser Region ab dem 5. Jahrhundert.

    Von dort wurde er auch weiter östlich, im Gebiet des heutigen Thailand, verbreitet. Wiederum berichten Überlieferungen von frühen Missionaren des Ashoka, die nach Nakhon Pathom, einer der ältesten Städte Thailands und damals von Mon bewohnt, gekommen waren und von dort das Land bereisten. Funde belegen eine Verbreitung ab dem 6. Jahrhundert.

    Die Thai, die bereits seit dem 6. Jahrhundert aus dem südlichen China kommend nach Südostasien eingewandert waren, übernahmen den Theravada von der dort ansässigen Bevölkerung. Als sie im 11. und 12. Jahrhundert schließlich in die Ebene Zentralthailands vordrangen und ihre ersten Königreiche, Sukhothai und später Ayutthaya gründeten, war der Theravada Staatsreligion.


    Der Dreikorb ist die älteste und wichtigste Sammlung von Dialogen und Lehrvorträgen des Buddha

    Der Dreikorb setzt sich aus drei Einzelwerken zusammen:

    * Lehrreden Buddhas - Suttapitaka
    * Ordensdisziplin für Mönche und Nonnen Vinayapitaka
    * scholastische Ausführungen Abhidhammapitaka

    Der Kanon wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. (etwa 80 v. Chr. bei Matale, Sri Lanka) schriftlich niedergelegt und bildet die Grundlage des Theravada, der ältesten und heute zugleich einzig überlebenden Schule des alten Buddhismus.

    Da es darüber hinaus auch die Basis für alle anderen buddhistischen Schulen ist, hat die Sammlung z.T. auch unterschiedlich Namen:

    * Tripitaka - Sanskrit: »Dreikorb«
    * Tipitaka - Pali: »Dreikorb«

    Leiderlösung und Erleuchtung

    Leiderlösung findet gemäß des "Ersten Drehens der Lehre" durch den Buddha - zusammengefasst in den Vier Edlen Wahrheiten - durch das Verlöschen der Kleshas - Geistesplagen oder Geistesgifte - wie Wut, Begierde, Nichtwissen etc. statt.

    Mit diesem Erlöschen der geistigen Gifte, den Ursachen der Leiden - 2. Edle Wahrheit - durch das praktizeren des Achgliedrigen Heilsweges - 4. Edle Wahrheit - erlangt man Nirvana, die endgültige Befreiung vom Leiden - 3. Edle Wahheit.

    Wer das erlangt, hat die "Hindernisse zur Befreiung vom Leid" überwunden und erfährt gemäß der buddhistischen Lehren den beständigen Frieden der Befreiung.

    Solche Wesen werden als Arhats bezeichnet. Mit dieser Befreiung, auch als "Erleuchtung" bezeichnet, sind aber gemäß Mahayana nicht die "Hindernisse für die Allwissenheit" beseitigt, die nur ein Buddha überwunden hat.

    Diese Allwissenheit ermöglicht es dem Buddha, allen Lebewesen wesentlich besser helfen zu können. Ein Buddha kennt gemäß Mahayana die Anlagen, das Karma und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Lebewesen und kann ihnen dadurch wesentlich besser helfen als ein Arhat, der keine Allwissenheit erlangt hat.

    Man unterscheidet die Erleuchtung des Shravakas (Hörers), des Pratekyabuddhas - erlangt Erleuchtung ohne sich auf eine Lehrer zu stützen aus sich selbst heraus - und eines Buddhas. Nur in der letzteren Erleuchtung sind die "Hindernisse für die Allwissenheit" beseitigt.

    Die Erleuchtung eines Buddha wird deshalb im Mahayana als "Volle Erleuchtung" bezeichnet. Für alle drei Arten der Erleuchtung gibt es Pfade. Der Pfad zur "Vollen Erleuchtung" wird im Mahayana dargelgt und schließt den Pfad des Shravakas - also den Achgliedrigen Heilsweg - mit ein.

    Eine Person die dem Mahayana folgt, muss ebenso Nirvana erreichen, dies erlangt sie auf der Ersten Ebene eines Bodhisattvas, bzw. dem 3. der Fünf Pfade, dem "Pfad des Sehens".

    Bodhisattva:

    Der Bodhisattva - Weg wird in Fünf Pfaden oder zehn Ebenen dargestellt. Die erste der zehn Ebenen betritt ein Bodhisattva nachdem er die Leerheit - Shunyata - realisiert hat und ein Arhat wurde.

    Verehrt werden besonders der Bodhisattva Avalokiteshvara - Sanskrit: der Herr, der den Schrei der Welt hört, der oft in tausendarmiger Gestalt dargestellt wird und der Bodhisattva Manjushri.
    Beide, so heisst es, haben den schäfergleichen Bodhicitta entwickelt und verharren auf der 10. Stufe eine Bodhisattvas.

    Die tausend Arme des Bodhisattva Avalokiteshvara symbolisieren seine/ihre Fähigkeit, in unglaublicher Fülle mitfühlend zu handeln. Betont werden im Mahayana die Acht großen Bodhisattvas: Avalokiteshvara, Manjushri, Vajrapani, Ksitigharba, Samantabhadra, Akhashagharba, Sarvanivaranaviskambini und Maitreya. Ksitigharba spielt z.B. im chinesischen Mahayana Buddhismus eine große Rolle. Avalokiteshvara findet man in weiblicher Form im Japanischen Mahayana Buddhismus.

    Es gibt 18 Haupt- und 46 Nebengelübde der Bodhisattvas

    Sie beginnen mit Kernsaetzen wie:

    1.) Aus Verlangen nach Profit und Respekt uns selbst loben und andere tadeln/herabsetzen.

    und enden mit

    46.) Falls du übersinnliche Kräfte hast, diese, wenn sie benötigt werden, nicht anwenden.


    Asangas Rat zu den Gelübden

    In Asangas Urtext zur Mahayana Ethik ist folgendes zu finden:

    Für alle Bodhisattva Regeln gilt: Man ist relativ ohne Fehler, wenn der eigene Geist verzweifelt ist, man durch Gefühle des Leids schwer unter Druck ist oder die Bodhisattva Ethik nicht genommen hat. Nichts im Bodhisattva Weg ist von vornherein ein Fehler.

    Asanga zitiert Buddha:
    "Wisse, dass sich die Fehler eines Bodhisattvas, am meisten aus Abneigung heraus entwickeln, als aus verlangender Anhaftung."

    Ist der Bodhisattva durch Liebe und Mitgefühl motiviert, ist alles die Handlung eines Bodhisattva, trägt er aber Hass in sich gegenüber den Wesen, kann er weder für sich, noch andere Gutes tun.

    Asanga summiert:

    Hass in sich zu haben sei nicht die Übung eines Bodhisattvas, ihm zu folgen, wird der Bodhisattva tun, was er nicht tun sollte und daraus kommt letztlich der Fehler in der Ethik.


    Die Ablehnung der Theravadins gegenüber den Mahayana Schriften wird ausführlich im 9. Kapitel des Bodhicharyavatra von Shantideva (ab Vers 49) diskutiert. Er begegnet dieser Ablehnung u.a. damit, dass die Pali Schriften auch später - ca. 500 Jahre nach Buddhas Tod - entstanden und man folglich auch die Pali Schriften ablehnen müsste.

    Verbreitung:

    Heute sind Richtungen des Mahayana besonders in Japan, Tibet, Bhutan, der Volksrepublik China und Korea verbreitet, teilweise auch in Vietnam, der Mongolei und dem asiatischen Osten Russlands.

    Heute noch wirksame Schulen des Mahayana in Japan sind:

    * Amitabha-Buddhismus, Reines Land
    * Nichiren
    * Nichiren Shoshu
    * Nipponzan-Myohoji
    * Reiyukai
    * Rissho Koseikai
    * Soka Gakkai
    * Tendai
    * Shingon
    * Zen

    Zen und Tendai haben sich historisch aus dem chinesischen Chan-Buddhismus und dem Tiantai-Zong entwickelt.

    Eine Weiterentwicklung des Mahayana findet sich im Vajrayana - tibetischer Buddhismus, der den Bodhisattva-Pfad des Mahayana mit tantrischen Methoden ergänzt. In Tibet haben sich vier heute noch bestehende Schulen entwickelt:

    * Nyingma - auch in Nepal, Bhutan und Sikkim
    * Kagyü - auch in Bhutan, Sikkim und Burjatien
    * Sakya -auch in Nepal
    * Gelug - auch in der Mongolei und Burjatien

    In China ist diese Form des Buddhismus in der Schule Mizong oder Zhenyan zu finden. In Japan wird er als Shingon übertragen.


    Wechselseitiger Einfluß mit europäischen Kulturen:

    Eine gegenseitige Beeinflussung des asiatischen Mahayana und der Gnosis sowie des Neuplatonismus, die etwa zur gleichen Zeit im griechisch-römischen Kulturraum aufblühten und das Christentum merklich beeinflussten, ist denkbar.

    Ein möglicher Verbindungsweg ist hierbei die Seidenstraße; viele heute islamische Länder dieser Region waren einst griechisch und/oder buddhistisch geprägt. Allerdings gibt es in diesem Bereich nur wenig gesicherte Erkenntnisse; die Tendenz zu fiktiver Geschichtsdarstellung im Mahâyâna erschwert solche Forschung.

    Die Formel der Bedingten Entstehung lautet in Kürze:

    Durch 1. Unwissenheit avijjá bedingt sind 2. die Karmaformationen sankhára, dadurch 3. das Bewußtsein viññána (im nächsten Leben), dadurch 4. das Körperliche und Geistige náma-rúpa, dadurch 5. die sechs Grundlagen áyatana der geistigen Vorgänge, dadurch 6. der Bewußtseinseindruck phassa, dadurch 7. das Gefühl vedaná, dadurch 8. das Begehren, dadurch (9.) das Anhaften upádána, dadurch 10. der Werdeprozeß bhava[i/], durch den (karmischen) Werdeprozeß 11. die Wiedergeburt játi, dadurch 12. Altern und Sterben usw. jará-marana usw.
    :
    Erklärung des Buddha anhand des Lebensrades:
    (siehe Bild oben)

    Der Paticcasamuppada, auch als Konditionalnexus verstanden, wird bildhaft in einem großen Kreis dargestellt, dem Lebensrad, der aus zwölf Faktoren besteht.

    Wie beginnen wir? Mit avijja - Unwissenheit, Verblendung, Ignoranz.
    Wenn wir Weisheit erlangt hätten, wären wir nicht hier. Das Rad zeigt allerdings nicht den letztendlichen Anfang, den Beginn von samsara. Es zeigt das gegenwärtige Leben, das Leben, das wir jetzt leben, und seine Beziehung zur Vergangenheit und Zukunft.

    1. Unwissenheit avijja:

    Ist der erste Faktor.
    Unwissenheit von was? Bezüglich der Vier Edlen Wahrheiten, des Paticcasamuppada, unserer eigenen Vergangenheit und Gegenwart. Wenn wir wirklich die Vier Edlen Wahrheiten realisieren würden, müssten wir Weisheit und Nibbana erlangen.

    Der Kreislauf des Paticcasamuppada behandelt nur weltliche Zustände, weil wir ja noch weltliche Wesen sind, und keine überweltlichen, in denen Nibbana das Objekt des Bewusstseins ist.

    Als “gemeine Weltlinge” kreisen wir Runde um Runde im Strudel, ohne den Ausweg zu finden.
    Um den Ausstieg zu entdecken, müssen wir die [u]Vier Edlen Wahrheiten
    kennen. Die Wahrheit vom Leiden hat jeder schon vom Beginn seines Lebens an im Mutterleib erfahren.

    Die Wahrheit von der Ursache des Leidens: die Ursache ist Begehren, Verlangen nach Existenz, Gier nach diesem und jenem. Die Wahrheit vom Ende des Leidens, von der Befreiung von Leiden: das ist Nibbana.

    Die Wahrheit vom Weg, der zum Ende des Leidens führt: das ist der Achtfache Pfad. Wenn man die Vier Edlen Wahrheiten wirklich kennt, nicht nur theoretisch, sondern voll realisiert, kann man aus dem Kreislauf herauskommen.

    2. Aktivitäten - sankhara:

    Nach Unwissenheit kommt in dem Kreislauf als nächstes sankhara. Sankhara wird verschieden übersetzt - wörtlich heißt es Tun, Handeln. Gemeint sind Aktivitäten, vor allem geistige.

    Aufgrund von Unwissenheit begehen wir manchmal gute Handlungen, aber meistens schlechte, denn meistens handeln wir aus den Wurzeln Gier und Hass. Aus Verblendung sehen wir nicht, was richtig und falsch ist. So handeln wir aus blindem Nicht-Wissen heraus meist unheilsam, normalerweise aus einem Mögen und Wünschen heraus, das bedeutet auf der Grundlage von Gier.

    Wir werden von Gier geleitet. Wir mögen ständig dieses und jenes und das andere, die ganze Zeit wollen und begehren wir. Und warum? Wegen unserer Unwissenheit, weil wir das Resultat von Gier nicht verstehen, den Einfluss oder die Kraft von Gier nicht kennen. Wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, sind wir enttäuscht, frustriert, werden ärgerlich und wütend.

    Insgesamt sind es zwölf Faktoren im Kreislauf des Paticcasamuppada und drei Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als Beginn haben wir Unwissenheit - avijja erwähnt. Auf gute Resultate hoffend, handeln wir - das ist sankhara.

    Diese beiden Momente gehören der Vergangenheit an, und sie haben uns hierher in diese Welt gebracht. Die Ursache, dass wir hier sind, war gutes Karma - kamma in der Vergangenheit, waren heilsame Handlungen, die wir früher begangen haben, z.B. Geben, Essen-Spenden, Einhaltung ethischer Regeln oder ein paar heilsame Gedanken.

    3. Wiedergeburtsbewusstsein - vinnana:

    Aufgrund von sankhara entsteht der dritte Faktor - vinnana, Wiedergeburtsbewusstsein in dieser Welt. Vinnana gehört zur gegenwärtigen Zeitperiode, und zwar in den Bereich der Resultate, da es als Ergebnis, als Auswirkung von vergangenem avijja-sankhara entsteht. Vinnana meint hier nicht alle Arten von Bewusstsein, sondern das Wiedergeburtsbewusstsein nach dem Tod, welches das gegenwärtige Leben mit dem vergangenen koppelt.

    4. Geist und Körper - nama und rupa:

    Bewusstsein kann nicht für sich alleine bestehen, es ist immer mit einigen Geistesfaktoren - cetasika verbunden, die mit ihm zusammenwirken. Und da Bewusstsein Geist ist, kann es nicht alleine existieren, es braucht einen Körper als Ergebnis vergangener Handlungen. So haben wir Geist und Körper, nama und rupa, den vierten Faktor des Kreises.

    5. Sechs Sinnesgrundlagen - salayatana:

    Aufgrund von Geist und Körper finden sich fünftens die sechs Sinnesgrundlagen - salayatana. Dabei gibt es fünf äußere Sinnesgrundlagen: Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck- und Körper- bzw. Tastgrundlage. Sie werden auch Tore - dvara genannt, weil es zwei Richtungen gibt. z.B. nehmen wir durch das “Augen-Tor” ein sichtbares Objekt auf und lassen es auch durch das "Augen-Tor" wieder los, und deshalb hat das Auge zwei Funktionen: Kommen und Gehen. Es ist eine “Grundlage”, weil darauf Bewusstsein funktionieren kann.

    Die sechste Sinnesgrundlage ist eine innere Grundlage bzw. ein inneres Tor: das “Geist-Tor. Es stellt zugleich unsere Lebenslinie - bhavanga dar, die uns von Geburt zu Geburt führt, die Runde um Runde diesem Rad folgt. Als physische Grundlage für das Denken wird das Herz genannt.

    6. Kontakt oder Sinneseindruck - phassa:

    Entsprechend dieser sechs Grundlagen kommt es zu Kontakt phassa, dem sechsten Faktor des Kreises, auch als Eindruck oder Auftreffen bezeichnet: Kontakt zwischen einem äußeren Sinnesobjekt und dem zugehörigen Sinnesorgan.

    Beispielsweise entsteht zwischen einem sichtbaren Objekt und dem Auge bei richtiger Entfernung und genügend Licht Kontakt, das sichtbare Objekt trifft auf die Sinnesgrundlage des Auges. Entsprechend verhält es sich mit einem Geräusch und der Hör-Grundlage des Ohres. Im Abhidhamma ist das genau erklärt.

    Abhängig von den fünf Sinnestoren und dem Geist-Tor haben wir Kontakt. Wenn irgend etwas den physischen Körper berührt, dann entsteht Kontakt durch das Körper-Tor - Berührung.

    7. Gefühl vedana:

    Aufgrund von Kontakt fühlt man nun, Gefühl vedana entsteht, der siebte Faktor. Wenn Kontakt z.B. mit einem Berührungsobjekt durch das Körper-Tor stattfindet, fühlt man. Wenn die Berührung sanft ist, mag man ein angenehmes Gefühl empfinden, wenn sie grob ist, ein unangenehmes. Oder Gefühl ist neutral.

    Avijja-sankhara betraf die Vergangenheit. Die fünf Faktoren von Wiedergeburtsbewusstsein vinnana bis einschließlich Gefühl vedana gehören der Gegenwart an.

    Aufgrund der Vergangenheit werden wir in diesem Leben geboren mit Wiedergeburtsbewusstsein, Geist und Körper, und den sechs Sinnesgrundlagen, durch die Kontakt und deshalb Gefühl entsteht. Diese fünf sind also das gegenwärtige Resultat aus unseren vergangenen, aus Unwissenheit begangenen Handlungen.

    8. Begehren Tanha:

    Bei angenehmem Gefühl entsteht Mögen und Begehren tanha, der achte Faktor des Kreises. Ohne Gefühl kann keine Gier entstehen. Wenn wir z.B. etwas Angenehmes sehen oder hören, mögen wir es und müssen es unbedingt haben, meinen, nicht ohne es sein zu können. Begehrliches, meist egoistisches Verlangen entsteht.

    Der Paticcasamuppada lehrt generell, dass Gier aus Gefühl entsteht - aber wie verhält es sich bei unangenehmen Gefühlen? Wie können wir Gier nach etwas haben, wenn wir es nicht mögen?

    Der Visuddhimagga erklärt das an einem Beispiel: Wenn wir krank sind und starke Schmerzen haben, kommt trotzdem Gier auf, weil wir nämlich das Verlangen haben, diesen Schmerz loszuwerden.

    So folgt auf angenehme und unangenehme Gefühle in jedem Fall Begehren.

    Manche arme Menschen möchten reich sein - das ist Begehren. Reiche Menschen möchten noch reicher sein - also Gier bei den Armen, Gier bei den Reichen. Je mehr man bekommt, desto mehr wünscht man, wird gieriger und gieriger. Dieses Begehren im gegenwärtigen Leben gehört nicht mehr zum Resultat-Bereich.

    Wir kommen jetzt zu einer neuen Sache, zu einer frischen Aktivität, die das tut, begeht, produziert, was die Ursache für unsere Zukunft ist und als Ergebnis unsere Zukunft hervorbringen wird. Mit tanha beginnt hier der gegenwärtige, verursachende Bereich. Wenn wir versuchen wollen, aus dem Kreislauf des Lebensrades auszusteigen, müssen wir hier ansetzen und frei von Begehren werden.

    9. Anhaftung upadana:

    Wenn erst einmal Begehren entstanden ist, dann folgt als neunter Faktor Anhaftung upadana. Der Unterschied zwischen tanha (Begehren, Gier) und upadana (Anhaftung) ist, dass tanha erst ein gewöhnlicher, schwacher Wunsch ist, während das Begehren in upadana überwältigend wird und so tief verwurzelt ist, dass wir anhaften.

    10. Werden bhava:

    Auf Anhaftung folgend entsteht Werden bhava, der zehnte Faktor. Wir beginnen damit, neue, frische karmische Energie für zukünftige Leben zu erwerben. Bhava hat zwei Aspekte: kamma-bhava, Handlung, die Resultate akkumuliert, und upapatti-bhava, das Resultat, das zu einer Wiedergeburt tendiert.

    Mit anderen Worten: Aufgrund unseres Begehrens und unserer Anhaftung agieren wir jetzt, üben gegenwärtige Handlungen aus kamma-bhava, das heißt, wir bereiten die zukünftige Geburt bzw. Wiedergeburt vor [i]upapatti-bhava[/i.

    Tanha, upadana und bhava gehören zur Zeitperiode der Gegenwart, aber nicht als Ergebnisse vergangener Taten, sondern als gegenwärtige Taten, die die Zukunft bedingen und entstehen lassen.

    11.Wieder-Geburt - jati

    Unser gegenwärtiges Handeln bereitet unsere künftige Wieder-Geburt jati vor, den elften Faktor. Wenn wir dieses Leben beendet haben, dann wird als zukünftiges Ergebnis die nächste Geburt kommen.

    Was aber dabei geboren wird oder entsteht, sind nichts anderes als die fünf Faktoren, die im Diagramm als Resultate in der Gegenwart bezeichnet sind: Wiedergeburts - Bewusstsein, Geist & Körper, Sinnesgrundlagen, Kontakt und Gefühl. Die Kombination dieser fünf, wird Mann oder Frau genannt. Und diese fünf werden geboren, sterben und werden wiedergeboren, unaufhörlich.

    12. Alter und Tod - jaramarana:

    Alter und Tod [i]jaramarana/i], der zwölfte Faktor, ist das Ende des Lebens. Ganz natürlich folgen darauf Sorge, Jammer, Schmerz, Kummer und Verzweiflung soka, parideva, dukkha, domanassa, upayasa.

    5 . Der Aussteig aus dem Lebensrad:

    Dies ist nur eine kurze, grobe Übersicht. Zum Schluss möchte ich auf die wahre Lehre des Buddha hinweisen: den Ausstieg aus diesem Lebensrad. Wenn wir dem Rat des Buddha nicht folgen, werden wir weiter und weiter kreisen, ohne Ende. Die große Illusion zu entlarven, ihr die Maske zu entreißen, ist die Aufgabe des Menschen - deshalb hat der Buddha uns geraten, uns von unserer Unwissenheit zu befreien, unsere Masken der Verblendung und Illusion abzulegen.

    Inmitten der weltlichen Dinge im Gleichgewicht zu stehen - das ist der Weg des Buddha. Das Leben zu kontemplieren, aber nie im Strudel des Lebens verstrickt und gefangen zu sein - das ist das Gesetz des Buddha.

    Das weltliche Leben zu verlassen und in ein höheres, spirituelles zu gehen - das ist der Ratschlag des Buddha.

    In der Realität aufzugehen, im höchsten Glück von Nibbana - das ist das Ende des buddhistischen Lebensweges.

    "Moegen alle Lebewesen gluecklich und friedfertig sein!"


  5. #4
    Avatar von Taoman

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Buddhismus

    20 weitverbreitete Missverständnisse

    Das Interesse am Buddhismus ist groß und das Literaturangebot über diese fernöstliche Lehre ausgesprochen umfangreich. Dennoch sind vertiefte Kenntnisse über den Buddhismus nicht weitverbreitet und wird bestehendes Wissen oft überlagert von Fehlinterpretationen und Missverständnissen. Dabei muss gesehen werden, dass zu deren Verbreitung mitunter selbst buddhistische Gelehrte und Autoren beitragen, indem diese sich allzu unbefangen einer Terminologie bedienen, die christlich-abendländischen Denkvoraussetzungen zugrunde liegt und daher den buddhistischen Sinngehalt nicht immer korrekt wiedergibt.

    Nachfolgend soll versucht werden, einige Missverständnisse zu erhellen und aus ihrer verfremdenden westlichen Wahrnehmung herauszulösen.

    Buddhisten glauben an Buddha

    So wie Christen an Jesus, den Erlöser und Sohn Gottes, glauben, so glauben offenbar auch Buddhisten an Buddha, den Begründer der nach ihm benannten Heilslehre. Diese auf dem christlichen Glaubensverständnis basierende Auffassung ist jedoch falsch. Buddha forderte keinen Glauben, sondern Einsicht und Erkenntnis. Folgerichtig hat Buddha auch den Glauben an seine Person oder Lehre verworfen. Nicht das, woran man glaubt, sondern das, was man durch eigenes Bemühen in sich selbst realisiert, führt zur Befreiung aus dem Dunkel der Unwissenheit. »Glaube« hat im Buddhismus allenfalls die Bedeutung von Vertrauen (shraddhâ) in den von Buddha gewiesenen Weg und hat seine Berechtigung allein im Sinne einer Vorwegnahme des Gehörten, das es dann aber durch eigenes Erwägen auf seine Richtigkeit zu überprüfen gilt. Der Buddhismus ist eine Erkenntnislehre, keine Glaubensreligion.

    Buddhisten beten zu Buddha

    Buddha genießt hohe Verehrung, die vor allem in einer reichhaltigen Ikonographie zum Ausdruck gelangt. Richtig ist, dass der Buddhismus anfänglich eine bildlose Religion war. Im Laufe der Jahrhunderte gewann die Buddha-Verehrung jedoch zunehmend an Einfluss. Diese beinhaltet jedoch keine Anbetung, da Buddha kein göttliches Wesen ist und ihm auch keine heilsvermittelnde (erlösende) Funktion zukommt. Die Buddha-Verehrung ist ein Ausdruck der Verehrung für das Erleuchtungsprinzip und keine Fürbitte, wenngleich in der volksreligiösen Praxis die »Gläubigen« von Buddha auch direkte Gunst und Hilfeleistung erhoffen.

    Im Buddhismus muss man meditieren, um erlöst zu werden

    Die Meditation ist keine notwendige Voraussetzung für die Heilsgewinnung. Die meditative Verinnerlichung will lediglich Körper und Geist beruhigen und den Weg ebnen für jene spirituelle Erfahrung, die von den Zwängen des Daseins befreit. Im Buddhismus geht es nicht um »Erlösung« (aus Sünde und Schuld), sondern um Einsicht, Erkenntnis und ein Sich-Löslosen aus allen an die Welt bindenden Verhaftungen. Meditation meint Vergegenwärtigung und damit immer auch Achtsamkeit, die es aber auch und vor allem im praktischen Alltag zu üben gilt. Das Heil lässt sich nicht ausschließlich in meditativer Versenkung erreichen, sondern in einer bewussten und achtsamen Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Eine meditative oder spirituelle Haltung sollte mithin in allen Verrichtungen zum Tragen kommen und nicht Gegenstand einer vom Alltagsleben losgelösten Übung darstellen. Somit kann man auch ohne meditative Fähigkeiten den Prinzipien der Lehre nachleben und vermag die Meditation nicht den höchsten Rang im spirituellen Wertesystem für sich zu beanspruchen.

    Der Buddhismus ist eine esoterische und mystische Religion

    Esoterik meint eine nur für Eingeweihte bestimmte Lehre, zu der Außenstehende keinen Zugang haben. Die Lehre Buddhas beinhaltet jedoch keine Geheimnisse, in die nur ein bestimmter Kreis von Auserwählten Einblick erhält. Der Buddhismus ist exoterisch, für alle bestimmt und allen verständlich. Wenn einige Schulen des Buddhismus (vor allem des Vajrayâna) esoterische Lehren und Praktiken aufweisen, so gehört das nicht zum Gesamtgut aller Buddhisten. Der Buddhismus ist auch keine mystische Religion, in der es gilt, eine persönliche Verbindung mit dem Göttlichen oder einer überseienden Sphäre herzustellen. Der Buddhismus ist gottfrei, also kann es nichts geben, zu dem sich eine mystische Verbindung herstellen ließe. Die Gleichsetzung des Buddhismus mit Esoterik und Mystik ist das größte aller Missverständnisse, das allerdings auch aus der großen Esoterik-Begeisterung der westlichen Welt reichlich Nahrung erhält.

    Der Buddhismus kennt viele Götter

    Ist im Buddhismus von »Göttern« die Rede, so sind damit nicht der natürlichen Gesetzmäßigkeit entbundene himmlische Wesen gemeint. Göttliche Existenz – sofern man sie überhaupt gelten lassen will – ist eine aufgrund positiven Karmas erzeugte Existenzweise und wie jede Existenzform weder absolut noch ewig. Auch Götter müssen, nachdem sie ihr gutes Karma abgetragen haben, dereinst wieder aus ihrer Daseinsform abtreten; sie sind wie alle Existenzweisen dem Samsâra zugehörig und in den Kreislauf der Wiedergeburten eingebunden. Auf den Menschen haben Götter keinerlei Einfluss und ihre Anrufung wäre deshalb sinnlos. Der Buddhismus kennt keine absolut erhabene Gottheit und ist demnach eine atheistische Religion. Und auch die im Mahâyâna gelehrte Transzendenz des Buddha-Prinzips (Trikâya-Lehre) lässt sich mit keiner göttlichen Konzeption in Zusammenhang bringen. Die doketische Buddha-Interpretation impliziert keine Göttlichkeit Buddhas und seiner im Sinne der Emanation gedachten Aspekte meditativer Erfahrung. Der Buddhismus ist gottfrei, mögen auf der Ebene möglicher Existenzformen auch noch so viele Wesen ein »göttliches« Dasein beanspruchen.

    Der Dalai Lama ist ein Gottkönig

    Der Dalai Lama ist das Oberhaupt der Gelugpa-Schule des tibetischen Buddhismus und zugleich das weltliche Oberhaupt Tibets. Er gilt als eine Reinkarnation des transzendenten Bodhisattva Avalokiteshvara. Damit ist er in der geistlichen Hierarchie dem Pantschen Lama sogar nachgeordnet, der als eine Emanation des transzendenten Buddha Amitâbha verehrt wird. Der Bodhisattva Avalokiteshavara ist kein Gott und folglich ist der Dalai Lama auch kein »Gottkönig«. Der Dalai Lama ist auch kein buddhistischer »Papst«; er ist nicht einmal das geistliche Oberhaupt aller tibetischen Buddhisten, sondern nur der vorerwähnten Gelugpa-Schule.

    Der Buddhismus lehrt, dass alles nur Leiden sei

    Diese Aussage ist an sich richtig, kann dennoch aber zu falschen Annahmen verleiten. In buddhistischer Sicht ist die Welt insofern gleichbedeutend mit »Leiden«, als sie vergänglich ist. Leiden = Vergänglichkeit ist die Grundkonstante allen Daseins. Somit wird auch das Leben als leidvoll beschrieben, doch ist mit dieser Feststellung keine Verneinung des Lebens gemeint, das ja auch mit vielen angenehmen Seiten verbunden ist. Leiden ist auch keine Prüfung, Heimsuchung oder Strafe Gottes. Es ist ein Ausdruck für die Impermanenz aller Existenz, doch immer nur insoweit, als wir uns an ephemere (vergängliche) Dinge und Zustände binden. Für den, der sich aus allen leidvollen Verhaftungen zu befreien vermag, besteht kein Leiden mehr. Leiden ist demnach ein relativer Ausdruck für die ichhafte Verstrickung in die Daseinswelt, für den nicht befreiten, von Illusionen geblendeten Geist.

    Die Lehre vom Leiden ist pessimistisch

    Im Buddhismus meint »Leiden« kein Elendsdasein, keinen Weltschmerz, keine abgrundtiefe Tristesse. Leiden ist ein Ausdruck für die Grundbefindlichkeit aller Daseinsphänomene und damit mehr als nur physische und mentale Drangsal. Leiden ist ein Tatbestand, ein Naturgesetz gewissermaßen. Der Ausdruck »Leiden« meint keinen Pessimismus und keine Verneinung auch angenehmer und freudvoller Zustände. Leiden erwächst aus dem Begehren; es ist die trügerische, unreflektierte und zumeist auch achtlose Haltung gegenüber dem Dasein, die zwangsläufig zu leidvollen Erfahrungen führt.

    Die Lehre vom Karma ist fatalistisch

    Fatalismus meint die völlige Ergebenheit in die als unabänderlich hingenommene Macht des Schicksals. In dem (falschen) Glauben, dass das Karma unser Schicksal bestimmt, ist eine fatalistische Grundhaltung demnach mitenthalten. Für den Buddhisten ist Karma jedoch nicht Schicksal, also keine Vorherbestimmung, auf die wir keinen Einfluss haben. Der Buddhismus lehrt keine schicksalhafte Fügung, keine vorausbestimmte und unveränderliche Prägung, sondern Wirkungen, die sich allein aus unserem Tun und Lassen automatisch ergeben. Für die positiven oder negativen karmischen Folgen seines Handelns ist jeder selbst verantwortlich, womit jede fatalistische Unterstellung entfällt.

    Karma ist eine Strafe für schlechtes Handeln in einem früheren Leben

    Karma bedeutet Tat oder Handeln, gleichzeitig aber auch die aus einer Tat oder Handlung sich ergebende Folgewirkung (Gesetz von Ursache und Wirkung). Jedes positive oder negative Tun führt somit aufgrund der bedingenden Verursachung zwangsläufig zu ebensolchen Ergebnissen. Das Motiv von Lohn und Strafe fällt dabei außer Betracht. Die Verbrennung, die sich aus dem Anfassen eines heißen Gegenstandes ergibt, ist auch keine Strafe, sondern die logische Folge einer unbedachten Handlung. Karma vergilt nicht, sondern misst zu. Wir werden nicht für diese oder jene Tat belohnt resp. bestraft, sondern durch sie konditioniert.

    Im Buddhismus kann man auch als Tier wiedergeboren werden

    Die Frage, ob man auch als Tier wiedergeboren werden kann, ist selbst unter Buddhisten umstritten, so dass hinsichtlich keine eindeutige Meinung besteht. Grundsätzlich herrscht die Auffassung, dass man sich in jenen Daseinszuständen verweltet, die man durch eigenes Wollen auch selbst verursacht hat - sei es als Mensch, Tier oder Geistwesen. Jede Wiedergeburt ist das Resultat eigenen Strebens; sie ist die natürliche Folge unseres Begehrens und damit weder Vergeltung noch Belohnung. Auf dem Wege durch den Samsâra (Werdekreislauf) wechseln wir immer wieder unsere Daseinszustände, weshalb es keine nur positiven oder negativen Fährten geben kann. Im Wissen um die Verbundenheit aller karmisch bedingten Erscheinungsformen sind Buddhisten somit aufgerufen, allen Wesen mit Respekt, Güte und Wohlwollen zu begegnen.

    Für Buddhisten ist der Tod kein Anlass zur Trauer

    Die Meinung, dass der Tod im Blick auf eine bevorstehende Wiedergeburt keinen Anlass zur Trauer bietet, ist ein weitverbreitetes Missverständnis. Genauso müssten auch Christen nicht traurig gestimmt sein, da auch ihnen eine Wiedergeburt (!) in Form der Auferstehung von den Toten am Ende der Zeiten (Jüngstes Gericht) verheißen ist. Tatsache ist, dass Buddhisten unter dem Verlust eines geliebten Menschen ebenso leiden wie alle Menschen auf dieser Welt. Dennoch sehen sie im Tod nicht jene Zäsur, die alles Leben zunichte macht und ist es richtig, dass die Vorstellung von der ständigen Wiederkehr eine gelassenere Einstellung auch gegenüber dem Tod ermöglicht. Im Buddhismus sind Leben und Tod nicht einmalige und zugleich entgegengesetzte Vorgänge, sondern sich ständig wiederholende Etappen auf dem langen Weg durch den Samsâra. Dadurch verliert der Tod weitgehend an Schrecken und ist er nicht jenes unheilvolle Ereignis, das allem Dasein ein unwiederbringliches Ende bereitet.

    Der Buddhismus lehrt die Seelenwanderung

    Gemeinhin werden die Worte Wiedergeburt (Reinkarnation) und Seelenwanderung als synonyme Begriffe aufgefasst. Da der Buddhismus aber keine Seele kennt, unterstellt er auch kein seelisches Prinzip, das von der einen auf die andere Existenz überwechselt. Hier nun stellt sich die Frage, was denn wiedergeboren werden soll, wenn es kein das irdische Dasein überdauerndes Etwas gibt, das fähig wäre, sich von dieser in jene Form zu begeben? Wiedergeburt im Buddhismus bedeutet (im Unterschied zur hinduistischen Seelenwanderung) keine substanzielle Transmigration, kein Übergehen einer Seeleneinheit von der Person A auf die Person B. Der Begriff der »Wiedergeburt« ist im Grunde falsch, denn wir werden nicht als gleiche Seinseinheit wieder geboren – weder physisch noch mental. Wiedergeburt im Buddhismus meint keine Wiederholung und kein Neuwerden, sondern eine den physischen Tod überdauernde Kontinuität bestehender psychischer Prozesse. Sie umschreibt die Reaktualisierung von noch nicht zum Versiegen gelangten geistigen Kräften oder energetischen Potenzen, die solange wirksam bleiben, als nach Verwirklichung drängende Energien (= Trieb nach Sein und Haben) vorhanden sind. Ist im Erlöschen aller Triebe nichts mehr vorhanden, woran sich das eigene Ich noch entzünden könnte, dann drängt sich ein Verbleib im Daseinskreislauf (samsâra), also ein »Wiedergeborenwerden« (Reaktualisierung), nicht mehr auf. Erreicht ist der Zustand des Nirvâna, das Verlöschen aller anhaftenden Begierden und Bindungen an die leidvolle Daseinswelt, womit der ständige Drang nach Aktualisierung des eigenen Ichs und damit alle leidvollen Erfahrungen einen Abschluss finden.

    Für die spirituelle Entwicklung ist man auf die Hilfe eines Guru angewiesen

    Guru ist die Sanskrit-Bezeichnung für den spirituellen Meister oder Lehrer, der uns vor allem in den tantrischen (esoterischen) Richtungen des Buddhismus, aber auch im Zen (hier Rôshi genannt) begegnet. In den genannten Strömungen vollzieht sich die spirituelle Schulung zumeist in der Form eines engeren Lehrer-Schüler-Verhältnisses. Generell besteht jedoch die Auffassung, dass auf dem spirituellen Weg ein Guru nicht wirklich notwendig ist. Der Buddhismus ist in erster Linie eine Selbsterlösungslehre, weshalb keine Unterstellung unter besonders qualifizierte Meister gefordert ist. Diese Haltung wird selbst von jenen Schulen vertreten, die sich auf eine Guru-Tradition abstützen. Jedes Lehrer-Schüler-Verhältnis hat demnach auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und des gegenseitigen Vertrauens zu beruhen und darf in kein Abhängigkeitsverhältnis führen.

    Das Nirvâna ist ein buddhistischer Himmel

    Der Buddhismus kennt kein nachtodliches Jenseits, in das der Verstorbene eingeht. Nirvâna ist kein Himmel, keine transzendente Jenseitssphäre, kein ewiges Sein. Nirvâna ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Welt. Nirvâna heißt »Verlöschen« und meint jenen Zustand, der eintritt, wenn alle an das Dasein fes.selnden Bindungen überwunden sind. Nirvâna ist keine Örtlichkeit ewiger Glückseligkeit, sondern ein Zustand der Zustandslosigkeit, das Ende allen Verlangens, die Beruhigung aller Unruhe des Geistes, der Abschluss des Wiedergeburtenkreislaufs, das Nichtverfügbare jenseits der verfügbaren Welt. Nirvâna lässt sich demnach nicht mit einem jenseitigen Paradies gleichsetzen.

    Um ins Nirvâna einzugehen, muss man als Mönch wiedergeboren werden
    Diese Meinung ist selbst unter Buddhisten verbreitet. Ihr liegt die Auffassung zugrunde, dass das Weltleben mit all seinen Implikationen der spirituellen Entwicklung hinderlich sei. Somit sei es nur möglich, in der völligen Loslösung von allen an die Welt bindenden Einflüssen die höheren Stufen spiritueller Entfaltung zu erreichen. Es steht außer Zweifel, dass ein von allen Bindungen befreites monastisches (mönchisches) Leben hierfür günstigere Voraussetzungen schafft. Dennoch bleibt Nirvâna etwas, das man in sich selbst realisieren muss und ist dieses nicht einfach in einem Klosterdasein verheißen. Nirvâna bedeutet »Verlöschen« und meint die endgültige Überwindung des leidvollen Daseinskreislaufs (samsâra) – eine Stufe, die potentiell jedem, ob Mönch oder Laie, offen steht. Im Übrigen ist es falsch, von einem »Eingehen« ins Nirvâna zu sprechen. Nirvâna ist keine Örtlichkeit, in die man eingeht und in der man verweilt. Es ist kein verfügbares Etwas, keine abgeschiedene Jenseitssphäre, sondern ein geistiger Zustand vollkommener Erkenntnis und der Überwindung des eigenen Ichs.

    Der Buddhismus ist eine nihilistische Lehre

    Nihilsimus [von lat. nihil = nichts] ist die Anschauung von der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit alles Bestehenden und Seienden; sodann jene Haltung, die alle Werte, Ideale und positiven Zielsetzungen verneint. Indem der Buddhismus die Vorstellung von festen Substanzen zurückweist und damit allem Sein die Grundlage entzieht, lässt sich eine Gleichsetzung von Nihilismus und Buddhismus herstellen. Der Buddhismus kennt keinen Gott, keine Schöpfung, keine Seele, kein Ich, kein Sein der Dinge und keine ewige Glückseligkeit. Er anerkennt aber eine dharma genannte (gottfreie) kosmische und sich selbst regulierende Ordnung, und der kennt ein alles bestimmendes Gesetz von Ursache Wirkung, das er karma nennt. Trotz der Negierung alles Seins behauptet der Buddhismus dennoch aber kein Nichtsein, denn ist das Sein nicht, dann ist auch das Nichts als sein Gegenteil nicht. Die Dinge sind und sind nicht. Das heißt: Die Dinge sind insofern, als sie aus bedingenden Verursachungen entstehen und in unserem subjektiven Bewusstsein vorhanden sind. Und sie sind nicht insofern, als ihnen als bedingt entstandenen Phänomenen kein Eigensein zukommt und sie Eindrücke der trügerischen Wahrnehmung sind. In der Sprache des Buddhismus sind die Dinge demnach »leer« (shûnya), d.h. ohne Substrat; sie sind wesenlos und Ein-Bildungen (Bild = Vorstellung) unserer kreativen Phantasie. Der Buddhismus lehrt somit keinen Nihilismus, sondern einen zwischen Bejahung und Verneinung stehenden »mittleren Weg«. Nicht nihilistisch ist der Buddhismus auch in der hohen Bewertung ethischer Prinzipien, in seiner Zielsetzung auf die Überwindung leidvoller Erfahrungen und im Streben nach Vollkommenheit und höchster Erkenntnis.

    Buddhisten müssen die Gebote Buddhas einhalten

    Der Buddhismus kennt keine imperativen Verhaltensvorschriften und damit auch keine Norm setzende Instanz. Die sittlichen Maßstäbe des Buddhismus (pañcashîla) [Abstehen von Lebensberaubung, Abstehen von Diebstahl, Abstehen von unreinem Lebenswandel, Abstehen von Lüge, Abstehen von sinnestrübenden Mitteln] sind nicht Gebote, die eingehalten werden müssen, sondern Verhaltensgrundsätze, die sich der, der sie befolgt, aus eigener Einsicht und Freiwilligkeit (= Autonomie) zu eigen macht. Ihre Respektierung erfolgt nicht aus einem geforderten Glaubensgehorsam, sondern aus der Überzeugung, dadurch eine heilsame Lebensgrundlage für sich selbst und andere zu schaffen.

    Buddhisten dürfen kein Fleisch essen

    Das oberste Prinzip buddhistischer Ethik besteht im Nichtschädigen von Lebewesen (ahimsâ). Dennoch besteht kein Verbot, tierische Nahrung zu sich zu nehmen, wenngleich die Umstellung auf vegetarische Kost der Grundhaltung des Nichtverletzens und der Güte zu allen Wesen mehr entspricht.

    Zwischen Buddhismus und Hinduismus gibt es kaum Unterschiede

    Der Buddhismus ist aus dem Vedismus/Brahmanismus, der Vorstufe zum heutigen Hinduismus hervorgegangen (6. Jh. v.Chr.). Er steht demnach in einem ähnlichen Verhältnis wie das Christentum zum Judentum. Folglich bestehen zwischen Buddhismus und Hinduismus zahlreiche Gemeinsamkeiten. Zu diesen zählen die asketische Tradition, die Lehre von Karma und Wiedergeburt, das Prinzip des Nichtschädigens von Lebewesen, das Postulat religiöser Toleranz und anderes mehr. Dennoch bestehen zum Teil markante Unterschiede, die aufgrund des toleranten Klimas aber nicht sonderlich hervorstechen. So verfügt der Hinduismus über theistische wie auch nichttheistische Systeme, dieweil der Buddhismus im Ganzen gottfrei ist. Auch in den Vorstellungen vom Karma und der Wiedergeburt bestehen gewisse Abweichungen. Lehrt der Hinduismus eine Wanderung der Seele, so geht der eine Seele zurückweisende Buddhismus davon aus, dass die nachtodliche Wiederverkörperung ohne Übergehen einer seelischen Substanz sich vollzieht. Die Hindus kennen eine beamtete Priesterschaft (Brahmanen), der Buddhismus kennt eine solche nicht [Mönche und Nonnen sind keine heilsvermittelnden Priester]. Die hinduistische Sozialordnung ist durch das Kastensystem bestimmt, während der Buddhismus eine soziale Zuordnung nach Kasten ablehnt. Der Hinduismus ist eine Volksreligion und als solche nur in Indien und einigen angrenzenden Staaten verbreitet. Der Buddhismus ist eine Universalreligion, in der sich die Zugehörigkeit nicht auf eine bestimmte Ethnie beschränkt. Gemeinsam haben Buddhismus und Hinduismus ihre Nichtzugehörigkeit zum Typus der prophetischen Offenbarungsreligionen (wie Judentum, Christentum und Islam) und berufen sich beide auf keine göttliche und unfehlbare Offenbarung (Weisungen Gottes). In beiden Religionen ist das Postulat der Toleranz deshalb weit mehr hervorgehoben als in den westlichen Religionen. Buddhismus und Hinduismus kennen somit kein prophetisches »Entweder-Oder«, sondern lassen in allem ein »Sowohl-als-Auch« gelten.

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  6. #5
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Vielen Dank fuer die erlaeuternden und sehr ausfuehrlichen Ergaenzungen!

    Gibt es doch leider allzuviel Missverstaendnisse und Halbwahrheiten.

    :"Mehr Licht ins Dunkel!"

    ;-D



  7. #6
    Avatar von Taoman

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    .
    Unsere Sicht der Dinge
    Der Begründer der buddhistischen Überlieferung, der unter dem Namen Der Buddha oder "Der Erwachte" bekannt ist, verlangte von seinen Schülern keinen blinden Glauben, sondern hielt sie nachdrücklich dazu an, «meine Worte so zu prüfen, wie ein Schmied das Gold im Feuer prüft». Immer wieder fordern die buddhistischen Texte uns auf, das Gehörte sorgfältig zu erwägen, bevor wir ihm Vertrauen schenken.
    Wir sollten uns der buddhistischen Sichtweise hellwach und verantwortlich nähern und dabei unsere eigenen Gedanken und Gefühle von der Masse übernommener Annahmen trennen. Wir sollten uns bemühen, weder blind und fraglos zuzustimmen noch voreingenommen abzulehnen. Wir sollten diese Anschauung sorgfältig, aufmerksam und wohlwollend anhören und sie im Lichte unserer eigenen Einsicht, Intuition und Erfahrung bewerten.

    So unabdingbar eine solche kritische Einschätzung auch ist, sie ist nur ein erster Schritt. Kritische Überprüfung und intellektuelle Billigung genügen nicht. Der Buddhismus fordert Taten von seinen Anhängern. Sie sollen ihn in die Tat umsetzen, als Richtschnur ihres Handeins nehmen und sich zu eigen machen. Und selbst das genügt noch nicht. Die buddhistische Anschauung mag uns zwar befähigen, eine höhere und edlere Geisteshaltung zu erstreben und uns positiver zu verhalten, doch ist sie auf dieser Stufe noch nicht eigene unmittelbare Anschauung.
    Sie erscheint uns vernünftig, intuitiv bejahen wir sie, und unsere eigene Erfahrung bestätigt sie, aber eigentlich handelt es sich doch noch immer um eine äußere Einwirkung auf uns.

    So zielt die buddhistische Sicht der Dinge letztlich darauf ab, in den Menschen, die sich von ihr angesprochen fühlen, ein Sehvermögen heranzubilden, mit dem sie sich durch eigene Erfahrung von der Wahrheit dieser Sicht überzeugen können. Dann allerdings hat man in gewissem Sinne überhaupt keine Ansichten mehr, denn alle Ansichten sind nun durch direkte Schau abgelöst worden.

    Für den Buddhismus liegt das letzte Kriterium der Bewertung aller Ansichten darin, ob sie zur Transzendierung von Ansichten, also zu unmittelbarer Schau führen. Falsche Ansichten entstellen und behindern das Leben derer die sie hegen. Rechte Ansichten fördern zunächst die Entstehung einer immer positiveren Grundhaltung, vor allem aber führen sie schließlich zu jener direkten Erfahrung der Natur des Daseins, die wir "unmittelbare Schau“ nennen.


    Diese Schau bildet das Kernstück des Buddhismus, und für die Buddhisten war es Siddhartha Gautama, dem sie vor ungefähr 2500 Jahren in Nordindien als erstem zuteil wurde. Durch das Erlangen dieser Schau wurde er der Buddha. Er sah, daß jeder Mensch ein Buddha werden kann, und er widmete den Rest seines Lebens der Aufgabe, anderen zu helfen, zu dieser unmittelbaren Schau zu gelangen. Die Überlieferung, die wir als Buddhismus kennen, ist das beharrliche Bestreben der Nachfolger des Buddha, anderen Menschen diese Schau oder Vision der Wirklichkeit zu vermitteln.

    Die Vision des Buddha ist nicht an bestimmte Orte oder Zeiten gebunden, sondern heute so wichtig wie zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der langen Geschichte der von ihm begründeten Überlieferung. In den verschiedenen Kulturen und Zeiten wurde sie auf dem Wege ihrer Verbreitung fortwährend erneuert und fand neue Ausdrucksformen Die Tradition ist ein wahres Schatzhaus vielfältiger Formen, die sie im Laufe ihrer Übermittlung angenommen hat. Jede dieser Formen hatte ihre eigene Kraft, Menschen zur tiefgreifenden Wandlung ihrer selbst und ihrer Welt zu bewegen.

    Unsere Zeit ist von der Auflösung allgemein verbindlicher Werte gekennzeichnet. Wir stehen vor einem Schmelztiegel der Ansichten, über die es keine allgemeine Einigkeit gibt. Die zunehmend tonangebende Sichtweise ist die materialistische. Übernatürliches und Anderweltliches, Himmel und Hölle oder andere vorstellbare Seinsdimensionen spielen im bewußten Erleben der meisten Menschen heute kaum eine Rolle. Zweifellos sind viel Aberglaube und Unsinn verschwunden, doch bleiben wir mit drastisch verengtem Gesichtsfeld zurück.
    Flach und eindimensional ist diese Welt, in der wir unsere kurze Spanne zwischen Geburt und Tod verbringen. Viel von unserer Zeit ist angefüllt mit aufwendiger Haushaltsführung und dem Geschäft des physischen Überlebens - wenn auch in immer mehr Komfort und Bequemlichkeit. Was dann noch übrig ist an Zeit, widmen wir der Zerstreuung und Unterhaltung.

    All denen, die spüren, daß diese Sicht des Lebens etwas in ihnen unbeantwortet läßt, ist diese buddhistische Vision zugedacht.

    (aus dem Buch "Was ist Buddhismus?" von Alex Kennedy)

  8. #7
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Was waere demzufolge, fuer einen halbwegs gebildeten Menschen, die daraus zu schlussfolgernde Konsequenz?

  9. #8
    Avatar von Taoman

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Zitat Zitat von Samuianer",p="288999
    Was waere demzufolge, fuer einen halbwegs gebildeten Menschen, die daraus zu schlussfolgernde Konsequenz?
    Sich von allem befreien was den Blickwinkel einengt, unnötigen Ballast loslassen.
    Hinab ins "eigene Wesen" schauen und nicht bei anderen suchen.
    Die Dinge durch eigene Erfahrung überprüfen, versuchen zu verstehen.

    Buddhas Lehre orientiert sich an selbst gemachten Erfahrungen nicht an Dogmen!

  10. #9
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Wer hoert, wer riecht, wer sieht, wer ist durstig, wer ist hungrig, wer sitzt, wer empfindet?

    Still sitzen, beobachten - den Beobachter beobachten - ganz sanf nach innen und den Gedanken beobachten....

    Bis der Geist vollkommen still geworden ist.

    Wie der See im Wald, den Wald und den Himmel wiederspiegelt und in seinem Sein - nur See ist.

    Ganz still und klar.

    Die Freiheit unseres Seins ist die sicherste Zuflucht, die es auf dieser Welt gibt. Sind wir einmal mit dem natuerlichen Dasein in Beruehrung gekommen, leben wir, ohne weiterhin gegen irgendwelche Wiederstaende ankaempfen zu muessen.

    Mit offener Empfaenglichkeit fuer alle Aspekte der Erfahrung nehmen wir voll und ganz am Leben teil.

  11. #10
    Avatar von Samuianer

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    Re: Das Rad des Lebens - the wheel of Dhamma - einige Gedank

    Seit dem 17. Mai ist ein Junge ca.15 jaehrig, in einer Art Hoehle, die Baumwurzeln eines riesigen Banjanbaumes bilden, angeblich in tiefer Meditation versunken.

    10 000sende besuchen diesen Ort taeglich.

    Es wird davon ausgegangen das es sich um die Re-inkarnation des Gautama handelt....

    Angeblich hat er seit dem 17. Mai keinerlei Nahrung noch Getraenke zu sich genommen.

    Der Ort seiner Meditation wird ab Sonnenuntergang abgeschirmt, kein Mensch weiss was dann geschieht.



    Original oder Faelschung?Link:

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