Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 12

Das Leben ist schön.

Erstellt von Khun Han, 02.08.2009, 03:59 Uhr · 11 Antworten · 2.755 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Das Leben ist schön.

    Wenn ich vor unserer Ausreise gefragt wurde, was ich denn in Thailand machen würde, habe ich oft gesagt: „Leben! Mich um das Wichtigste im Leben kümmern, um das Leben selbst.“ Ich wollte meine wesentliche Existenz als menschliches Wesen nicht mehr länger auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Es ging mir auch um die Suche nach Gott und das Streben nach Erleuchtung. Darüber werde ich im Folgenden auch schreiben. Ich werde berichten, wie sich unser Leben hier gestaltet, werde über das Haus und den Garten schreiben, über das MooBan, die Nachbarschaft und das Leben unter den Einheimischen und wie ich mit der Sprache, dem Klima und dem Essen zurechtkomme und welche Gedanken ich mir über die Zukunft mache.

    Am besten beginne ich mit dem normalen Tagesablauf. Zwischen sieben und halb acht stehe ich gewöhnlich auf. Nichts drängt mich, kein Wecker, kein Termin, keine Arbeit. Meine Frau Deng steht meist um die gleiche Zeit auf. Seit vielen Jahren schlafen wir in getrennten Zimmern. Wir setzen uns auf die Veranda, die zur Straße hinausgeht, und trinken unseren Kaffee. Ich füttere die zahlreichen Minifische in der großen Schale mit Seerosen. Dazu läuft stets die gleiche CD mit Flötenmusik aus dem Norden. Diese halbe Stunde ist uns sehr wichtig. Oft ist da nur schweigende Kommunikation mit den Pflanzen und den Vögeln. Ich achte auf meinen Atem und spüre in die Natur hinein und bekomme oft meine inneren Impulse. Und wir besprechen die Pläne für den Tag oder was es sonst noch zu klären gibt. Ich habe mir angewöhnt, ihr nicht viele Fragen zu stellen, wenn sie sich z.B. wieder mal über die Familie aufregt. Wenn die Zeit reif, wird sie mir erzählen, was ich wissen muss. Während ich dann frühstücke, räumt Deng die Küche auf. Ich esse bewusst und mit Genuss und bin durch die großen Glastüren mit der Natur verbunden. Dann trinken wir wieder Kaffee auf der Veranda und sie raucht weiter eine Zigarette. Ich habe vor einem Jahr damit aufgehört.

    Es ist das ganze Jahr die gleiche Routine. Die Sonne ist lange aufgegangen und das Thermometer zeigt in der Regel um die 29 Grad. Wenn es in der kühlen Jahreszeit mal 24 Grad hat, ziehe ich meine Pantoffeln an und wir duschen mit warmem Wasser. Die Nachbarn sind zur Arbeit, es ist ruhig in der Straße. Nur die Vögel sind laut. Es ist nach acht, wenn meine Frau anfängt, sich um die Pflanzen im Garten zu kümmern und ich nach oben an den PC gehe. Auch hier der gleiche Ablauf: ich schaue nach emails und lese die Nachrichten aus Thailand und Deutschland -die Tagesschau läuft um diese Zeit ruckelfrei und in der Ausgabe der Schwäbischen Zeitung lese ich auch die Stadtnachrichten, den Wetterbericht und die Traueranzeigen- und dann sehe ich mir die neuesten Beiträge im Forum an. Es folgt die Morgentoilette, wobei das Duschen ein meditativer Akt ist. So zwischen halb neun und zehn beginne ich dann mit meiner täglichen Arbeit: ich säubere den Garten von heruntergefallenen Blättern. Alle 3-4 Tage gehen ich Wasser holen. Nein, nicht vom Dorfbrunnen. In der Nähe gibt es einen Automaten, wo man gefiltertes Wasser abfüllen kann, 1 Liter für 1 Baht. Wir verwenden es zum Kochen und Trinken und Zähneputzen. Das Wasser aus der Leitung behält trotz Filteranlage, die wir nicht haben, einen Beigeschmack.

    Wenn ich sonst nichts für meine Gattin zu erledigen habe, z.B. die Waschmaschine füllen oder ihr einen Kaffee bringen, zünde ich ein Räucherstäbchen vor dem Buddha an (das ist ein japanischer und der darf zur Dekoration auf der Veranda stehen, unterhalb Kopfhöhe), setze mich daneben und lese in einem Zenbuch. Dazu lasse ich ruhige Musik laufen und trinke etwas Sake oder Sato oder kalten Tee aus Zitronengras, den Deng selbst gekocht hat. Dann muss ich nur noch die Zeit bis zum Mittagessen überbrücken. Ich kann einen englischsprachigen Film im TV ansehen oder im Internet surfen. Falls jemand fragt, ob mir nicht langweilig ist: niemals. Langeweile entsteht nur, wenn man den gegenwärtigen Moment nicht annehmen kann, wenn man meint, woanders sei es interessanter. Welch ein Unsinn zu sagen: jetzt habe ich eine halbe Stunde Zeit verloren, weil ich einen Umweg fahren musste oder warten musste! Es ist immer Jetzt, immer Gegenwart. Allerdings kann man sich auch Zeit stehlen lassen, z.B durch zu viel Fernsehen. An Zeit bin ich in Thailand reich. Seit vielen Jahren trage ich keine Uhr und hier kümmert es mich nicht, wo ich um welche Zeit mich aufhalte. Ich lebe jeden Augenblick bewusst und zufrieden. Oft kommt es mir in den Sinn, wie glücklich ich doch bin. Das Leben ist schön.

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Nach dem Mittagessen mache ich mein gewohntes Schläfchen. Zuvor ein kurze Meditation auf dem Bettrand. Wenn wir nicht ausser Haus gehen, surfe ich im Internet, helfe im Garten, indem ich z.B. den Wasserschlauch ausrolle, mit dem Deng den Garten gründlich gießt, lese, sehe fern oder besuche meinen deutschen Nachbarn. So ein Tag zuhause hat den Vorteil, dass wir Geld sparen. Eigentlich hätte ich mehr zu tun: emails und Briefe schreiben oder die Thaischrift und -sprache lernen. Aber mir geht es wie dem Zenmönch Ryokan, der im Spiel mit den Kindern oder in der Betrachtung der Natur vergaß, was er eigentlich vorhatte.

    Um halb sieben wird es dunkel, das ganze Jahr über. Die Strassenbeleuchtung geht an und brennt die ganze Nacht. Ich lese nochmals online die Nachrichten und die Neuigkeiten im Forum. Deng muss ab halb neun ihre Seifenopern sehen und ich muss ihr Gesellschaft leisten und ihr die Beine massieren und die Füsse kratzen. Seit ich einem Member ein gebrauchtes Notebook abgekauft habe, kann ich dabei bei youtube Filmchen und Serien ansehen, von Kulenkampf und Loriot, Karl Valentin und Stan und Olli bis zu switch, den Simpsons und Dittsche. Vor elf gehen wir dann zu Bett. Natürlich verlaufen nicht alle Tage so. Dies kann nur ein Abriss sein, ein Einstieg. Im Folgenden werde ich Manches ergänzen und erklären. Zunächst möchte ich meine innere Verfassung verdeutlichen.



    Am Eingang des Zentempels Eheji steht. “Nur wem die Frage nach Leben und Tod bedeutsam ist, möge hier eintreten.” In diesem Sinn ist auch nicht für Jeden interessant zu lesen, was meine Ansichten über Religion und Gott sind. Für mich aber bilden sie die Richtlinien meines Handelns und täglichen Lebens. Und sind mit der Grund, warum und wie ich hier lebe.

    Als Kind las ich gerne Märchen, die ja auch oft geistig-seelische Entwicklungsgeschichten darstellen, und trug sie meinen Freunden vor. Im katholischen Internat suchte ich nach Antworten auf die Fragen nach Gott und dem Woher und Wohin. Am Ende der Schulzeit beschloss ich, zuerst den Sinn des Lebens zu suchen und flog mit einem One-way-ticket nach Indien, zwanzigjährig und ohne die Absicht wiederzukehren. Wenn ich den richtigen Meister gefunden hätte, wäre ich bei ihm im Dschungel geblieben. Ich traf viele heilige Männer, weilte an vielen heiligen Orten und in bekannten Klöstern. Ich betete zum elefantenköpfigen Ganesha und zu Shiva, war Gast in der Gurdwara der Sikkhs und nahm an Zeremonien teil in Tempeln von Hindus und Buddhisten. Ich saß zu Füßen von Sai Baba, lernte Vipassana-Meditation bei Goenka, und hörte Krishnamurti. Eine Zeit lang reiste ich umher, nur mit zwei gelben Tüchern bekleidet. Als ich so in Bangalore auf den Bus wartete, kam eine Frau und wusch mir die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Ein paar Tage später traf ich Yogi Ramsuratkumar, zu dem ich dann ein zweites Mal nach Indien ging. Als wir uns die Augen blickten, war es so, als ob wir uns seit Urzeiten kennen. “Do you know me?” “Your are myself, nothing else.”, sagte er.

  4. #3
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Stets war für mich außer Frage, dass meine persönliche Suche verbunden ist mit der Entwicklung der Menschheit, die daran ist, einen Evolutionssprung zu machen. “Ich suche den Neuen Menschen.”, sagte ich in Tokio zum Zenmeister Omori Sogen, der mir in vollem Ornat eine Audienz gewährte. “Sei es selbst!” übersetzte der junge, dolmetschende Amerikaner seine Antwort. Damals war mir das Zenkloster zu fremd. Doch Pater Enomya Lasalle versuchte vergebens, mich auf dem katholischen Pfad zu halten. In Deutschland, verheiratet, las ich ein Buch ums andere, meditierte für mich und ging viele Wege. Oft meinte ich den richtigen Weg gefunden zu haben und war Feuer und Flamme. Doch dann fehlte etwas. Einige Jahre war ich Teil der Gemeinschaft der Urchristen mit ihren Propheten. Angesprochen war ich aber schließlich mehr von Texten des Zen und des Taoismus. Falun Gong war mir dann zu chinesisch und die Übungen zum Teil eine Qual für den Körper. Wer den Körper quält, quält auch den Geist. Ich halte nichts von strengem Sitzen, Ritualen und Vorschriften. Man kann nicht durch Stemmen in den Gurt das Auto zum Laufen bringen. Meditation gelingt oder sie gelingt nicht.

    Letztlich war ich der Ansicht, dass Jesus und Buddha die gleichen Erfahrungen gemacht hatten und es nur meiner Erleuchtung bedarf, diese Erkenntnisse der Welt neu zu vermitteln. Die Zeit wurde reif, den Weg konsequent und ohne Bindungen zu gehen. Zeit zum Ausstieg aus diesem Hamsterrad, aus dieser Welt, die seit Kindheit über Schule, Beruf und Medien versucht hatte, mich (uns alle) anzulügen und zu versklaven. Ich vertraute mich dem Leben an und wanderte aus. Ich hatte und habe nun viel Zeit und konnte viele (innere) Bindungen auflösen. Nur wenn alte Vorstellungen aufgegeben werden, können neue, höhere Erkenntnisse eintreten. Ich spürte Frieden und Freiheit und bekam tiefe Empfindungen. Nach einigen Monaten stellte sich das Gefühl ein, angekommen zu sein, in diesem Land, auf diesem Planeten, in diesem Körper. Auf einer Busfahrt war ich ganz im gegenwärtigen Moment, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Nichts fehlte, keine Sorgen waren da.

  5. #4
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Mein Bestreben wurde, die Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind. Dazu musste ich nur das Denken aufgeben und mein Ego. Die erste Übung war, den Gedanken keine Vergangenheit zu geben. Sie nicht weiter zu verfolgen, sie fallen zu lassen wie eine abgeschnittene Scheibe Wurst. Die zweite Übung, die mir einfiel, bestand darin, mit allen Sinnen die Welt wahrzunehmen, wie ich sie jetzt, in diesem Augenblick erleben durfte, ohne weiter darüber nachzudenken. Wie ein Kind, das staunend alles zum ersten Mal sieht und sich mit allem verbunden fühlt. Dann übte ich mich in der Vorstellung, dass die Gedanken wie in einem Sack um mich herum sich ansammelten und ich den Sack über mir öffnen und die unnötigen Gedanken entweichen lassen konnte. Plötzlich trat etwas ein, was ich als Durchschreiten eines Tores bezeichnen würde, als eine Wiedergeburt. Ich dachte meine Gedanken in Gegenwart des göttlichen Du. Und wie lächerlich mir meine Gedanken vorkamen! Leicht konnte ich sie fallen lassen.

    Bis dahin hatte ich mir das Göttliche als vollkommene Reinheit und vollkommene Liebe vorgestellt. Wobei Reinheit besonders Freiheit von allen Bindungen darstellt und die Liebe so vollkommen ist, dass es keinen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt gibt, also Einheit bedeutet. Das heißt, ich strebte mehr die Verwirklichung des Göttlichen in seiner überpersönlichen Form an. Jetzt geht es mir einzig darum, mit Gott als Persönlichkeit, als Vater vereint zu sein, Seinen Willen zu erfüllen. Nicht um Erleuchtung. Ich trete ein in das Königreich Gottes, finde zur Religion von Jesus. Nicht die Religion ist gemeint, die Paulus und Andere über Jesus geschaffen haben, als eine Mischung aus Synagogen-Judentum, Mysterienkulten und griechischer Philosophie. Ich möchte diese meine (Jesu) Religion in einem Satz ausdrücken: Gott ist mein Vater und wir sind Geschwister. Diese Erkenntnis sich bewusst gemacht führt zu immer weiterer und tieferer persönlicher Erfahrung und geistiger, seelischer und sozialer Reife. Auf diesem Grundsatz können in Partnerschaft und Familie, zwischen Völkern und Kulturen Frieden und Fortschritt entstehen. Diese Religion gehört nicht in die Hände von Priestern, ein Berufsstand, der meist von alten, machthungrigen Männern ausgeübt wird, die bestimmen wollen, wie andere zu denken und zu leben haben, wie Frauen sich benehmen und kleiden sollen und welche Strafen für Zuwiderhandlungen gelten sollen. Diese Kaste wird in Zukunft nicht nur überflüssig sein, sondern zu den verachteten und verfolgten Gruppen gehören.

    Mehr ist nicht nötig. Alle anderen Themen gehören zur Philosophie und jeder mag glauben, was er möchte. Wiedergeburt? Mir gefällt der Satz: „Ich glaubte auch einmal an Wiedergeburt. Aber das war in einem früheren Leben.“ Buddha weigerte sich, Fragen zu beantworten wie, ob die Welt endlich sei oder nicht, ob es einen Gott gibt oder nicht. Wie ist das mit dem Tod und dem Leben danach? Der Kaiser Gyozei fragte den Zenmeister Gudo, wohin der erleuchtete Mensch nach dem Tod gehe. “Ich weiß es nicht”, antwortete Gudo. “Warum weißt Du das nicht?” - ”Weil ich noch nicht gestorben bin!” Im übrigen ist die Angst vor dem Tod die Angst vor dem Leben, beruhend auf der Weigerung, den Augenblick so anzunehmen, wie er ist. Wenn Gott mein Vater ist, wovor sollte ich Angst haben und um was sollte ich bitten? Ich denke: „Mein himmlischer Vater!“ und bin sogleich ausgerichtet und voll Vertrauen und dem Gefühl geliebt zu sein. Das kann ich immer und überall tun, wenn ich allein bin oder im Gespräch mit Anderen. Ich bin deswegen kein Heiliger, sondern ein Mensch, der heiter und frei lebt und in tiefem Frieden und nicht unterscheidet in Glück oder Leiden. So wie es ist, so ist es gut. Jeder Augenblick kann Anbetung sein und Antwort Gottes zugleich. Es kommt von allein, dass man die Dinge so sieht, wie sie sind. Nirwana wird erreicht als Erlöschen blinder Leidenschaften und das Erwachen zu dem, was wahr und wirklich ist.

  6. #5
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Unser Haus ist einen Kilometer vom Eingang des MooBan entfernt und von dort sind es nochmals 1,5 Kilometer bis zur sechsspurigen Hauptstraße. Dort gibt es alles: Geschäfte, Arztpraxen, ein Krankenhaus und tägliche Märkte. Wenn wir zum Einkaufen gehen, fahren wir entweder mit Pok, Dengs Sohn, oder wir bestellen uns ein Taxi, d.h. wir bitten die Wächter eines zu rufen. Ich habe zwar einen thailändischen Führerschein, ausgestellt durch Umschreiben des internationalen, aber Fahren traue ich mich im Stadtverkehr nicht. Die Führerscheinkarte dient mir jedoch als Ausweis und ich zahle damit Eintrittspreise für Einheimische und nicht für Touristen. Zum Beispiel im Khao Yai Nationalpark nur 40 Baht statt 400.

    In der Umgebung gibt es viele Schulen und Hochschulen und so leben hier zahlreiche junge Menschen. Deswegen findet man viele Frisörläden, Internetcafés, Musikkneipen und Shops zum Drucken. Wir gehen auf dem Wochenmarkt oder in den Filialen der großen Handelsketten einkaufen und essen an der Straße von den Garküchen. Oder wir fahren zu den großen Einkaufszentren mit ihren vielen Geschäften, Restaurants und Kinos, also Seacon-Square, Seri-Center, Fashion Island, Mall Bangkapi oder Central Bang Na. Wenn wir zu zweit fahren, benutzen wir manchmal den Bus, aber zurück mit den vielen Tüten und Bierkartons nehmen wir ein Taxi. Von der Hauptstraße bis zum Haus müssten wir eh eines für 50 Baht benützen. Zum Laufen ist es zu heiß und ein Teil der Nebenstraße ist recht eng und die Fahrweise der Motorradtaxis ist uns zu gefährlich.

    Pok hat seine Arbeit am Flughafen mit einer Kollegin so geteilt, dass er von Montag bis Mittwoch frei hat. Dafür arbeitet er samstags und sonntags 14 Stunden. An seinen freien Tagen machen wir häufig Ausflüge. Zwar kann es Nachmittag werden, bis wir losfahren, aber in 1,5 Stunden sind wir am Meer. Wir essen Pizza in Pattaya oder Meeresfrüchte am Strand von Bangsaen. Wir besuchen Tempel und Märkte in Bangkok und Umgebung, etwa in Ajutthaya, Chachengsao und Ampawa. Eine Attraktion in Ampawa sind die Kolonien von Leuchtkäfern, die man bei der abendlichen Bootsfahrt besichtigen kann. Bis nach Sarahburi zu den Wasserfällen und dem Stausee oder nach Nakhon Pathom gehen diese Halbtagesreisen, die immer mit dem Besuch eines guten Restaurants verbunden werden. Es ist schön, dort zu leben, wo andere Urlaub machen.Aber Urlaub machen wir auch. Dreimal waren wir schon einige Tage in Chiangmai und am Meer in Cha-Am. Besonders die Reisen in den Norden sind sehr schön. Ich brauche mich um nichts zu kümmern und es gefällt mir so gut, dass ich mir vorstellen kann, dort zu leben.

    Wenn wir in die klimatisierten Einkaufszentren gehen, tun wir dies auch zur Entspannung. Während Deng auf Shoppingtour ist, lasse ich mich manchmal massieren oder sehe einen Film an. Sie muss dafür regelmäßig Pflanzenmärkte besuchen und Pflanzen kaufen. Jedes 2. oder 3.Wochenende sind wir so auf dem Chatuchak 2 in Minburi. Die Händler kennen sie und grüßen sie freundlich, ebenso die Verkäufer auf dem Wochenmarkt in unserer Straße. Ich bin gerne in der Menge der Menschen und fahre gerne über Land. Selbst auf Wegen, die wir häufig befahren, gibt es immer etwas Neues zu entdecken, ein neues Geschäft, ein neues Restaurant oder ein neues Schild. Dabei habe ich das Gefühl von unendlichen Möglichkeiten, von Leichtigkeit und Freiheit. Keine Uhrzeit grenzt mich ein und kein Rückflugstermin aus diesem Urlaubstraum droht. Ich fühle und benehme mich auch nicht wie ein Tourist. Zu hause habe ich nur kurze Hosen an und wenn es heiß ist, kein Hemd dazu. Aber wenn ich das MooBan verlasse, trage ich ausschließlich lange Hosen und ein sauberes Hemd. Es hat auch etwas mit dem Respekt den Einheimischen gegenüber zu tun. So gern ich aber unterwegs bin, so gern kehre ich auch in die Oase der Ruhe, ins MooBan, in unser Haus zurück.


  7. #6
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Bei der Planung der Auswanderung stand für uns fest, dass wir in Bangkok auf den Namen des Sohnes ein Haus mit Garten kaufen und mit ihm zusammen wohnen. Wir rechneten mit 1,5 Millionen. Es wurden viel mehr, aber das ist es wert. Das Moo Ban umfasst von der Planung her über 1000 Häuser. 70% davon sind bereits erbaut und 2/3 davon sind verkauft. Es ist ruhig, sicher und sauber. Und grün angelegt, wie ein Ressort. Wenn man nach der Einfahrt über die hohe Brücke fährt, die den Klong überspannt, überrascht der Anblick des großen Sees mit Promenadewegen, Rasen und Palmen. Eine Schar Gipsgänse watschelt am Ufer. Vor dem Verwaltungsgebäude befindet sich der Swimmingpool, in den sich ein breiter Wasserfall ergießt. Dahinter ragt die goldglänzende Chedi des nahen Wats auf. Es gibt Saunen und einen Fitnessraum, Kinderspielplätze und zwei Tennisplätze. Die Straßen sind breit und führen vorbei an Parklandschaften mit weiteren Spielplätzen, Trimmdichpfad, Basketballplatz und zwei kleineren Seen mit Seerosen und Fischen. Wege und Pavillons laden zum Verweilen ein.













    Die Bewohner tauschen sich in einem eigenen Internetforum aus und treffen sich am See zu Festlichkeiten, wie Loi Kratong oder der Neujahrsspeisung der Mönche. Ständig sind Gruppen von Gärtnern und Straßenkehrern unterwegs. Täglich wird unsere Straße gefegt und zweimal wöchentlich ist Müllabfuhr. Die Wächter werden gedrillt und patrouillieren auf Rädern; Schlagstock, Handschellen und Sprechfunk gehören zu ihrer Uniform. Eigentlich ist es schon mehr eine Überwachung wie eine Bewachung. Bevor noch ein Taxi oder ein fremdes Auto am Haus eintrifft, ist der Wächter schon da und gibt laut sprechend Rückmeldung an die Zentrale am Tor. Dort wurde der Ausweis einbehalten und eine abzustempelnde Karte ausgegeben und bei der Ausfahrt wird der Kofferraum kontrolliert. Dennoch haben manche Eigentümer jedes Fenster vergittert. Vielleicht weil sie es so gewohnt sind und sie sitzen auch lieber vor dem Sofa auf dem Boden oder benützen statt der Haustüre den Eingang über die Veranda ins Wohnzimmer. Die kleineren Häuser haben gar keine Haustüre. Vielleicht hat es auch mit Feng Shui zu tun, denn die Haustüre, die Küchentür und der hintere Ausgang sind fast auf einer Linie.

    Die Häuser unterscheiden sich nur gering in Größe und Form. Es gibt welche mit 2 Schlafzimmern und 3 Bädern und solche mit 3 Schlafzimmern und solche mit noch mehr. Die Grundstücksgröße ist dabei fast gleich. Die Preise variieren von 3.59 bis 8 Millionen Baht. Alle Grundstücke sind mit Sträuchern und sechs Bäumen bepflanzt und mit Rasen und Bepflasterungen angelegt. Eine Holzschaukel gehört zur Ausstattung. Nach einem Jahr wird das Haus neu gestrichen. Anbauten sind möglich. Aber keiner macht eine Motorradwerkstatt oder Müllsammelstelle auf. Leider steht auch der einzige kleine Laden zum Verkauf. Wir haben die Hausrückseite überdacht und befließt und unser Tor öffnet sich elektrisch. Sehr viele Bewohner arbeiten am Flughafen oder bei einer Bank oder haben außerhalb ein Geschäft. An den mit roten Lämpchen beleuchteten, am Boden stehenden Altären erkennt man, dass viele chinesischer Abstammung sind. Ich weiß noch von einem Engländer und einem Australier, doch Kontakt habe ich nur zu den beiden Deutschen, die für Ihre Freundinnen Häuser gekauft haben. Einer ist nur zeitweise hier, da er in Shanghai arbeitet, und der andere war in Singapur tätig und wohnt nun in der gleichen Straße.

  8. #7
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Die Häuser weisen zwar ein paar bauliche Sünden auf wie Fenster, die nicht zu öffnen sind, oder kleine Balkone, die nicht begehbar sind, und der Boden drumherum hat sich auch einige Zentimeter abgesenkt, aber die handwerkliche Ausführung ist nicht schlecht. Die Maurer, Maler und die anderen Handwerker sind übrigens junge Birmesen, die ein Haus nach dem anderen hochziehen und am Rande des Moo Ban kampieren. Die Verwaltung wird gerufen, wenn was kaputt geht und sie kümmert sich darum, dass gegen Moskitos und Ameisen gesprüht wird. Es gibt schriftliche Mitteilungen über solche Vorhaben oder eben Festlichkeiten oder z.B. wann der Strom abgestellt werden muss. Samstags werden die Autos gewaschen oder der Rasen gemäht. Eigentlich werden in der Regel ein paar Gärtner damit beauftragt. Ab 17 Uhr, wenn es nicht mehr so heiß ist, fahren die Leute mit ihren Kindern auf Fahrrädern herum und besichtigen die Nachbarschaft. Einige joggen und führen ihre Hunde spazieren. Nachts hört man neben Grillen und Zikaden und manchmal Fröschen nur selten einen Hund oder ein aufsteigendes Flugzeug. Der Flugplatz ist lediglich 10 Minuten entfernt, doch das Moo Ban liegt abseits der Flugschneise. Laut ist bisweilen der Motor eines Bootes auf dem Klong und das Singen der Mönche im Wat um 4.15 Uhr.




    Ich kenne die Namen unserer Nachbarn nicht und werde selbst nur Mister oder Lung, Onkel genannt. Wir verwenden Umschreibungen. Da ist „Exercise“ mit seinem Hündchen und seiner neugierigen, indonesischen Frau, weil er immer fragt: „Did you exercise today?“. Uns gegenüber wohnt Wiwi, ein Bankangestellter, benannt nach dem Ton seines Autos beim Auf- und Abschließen. Seine drei Kinder, von denen der Jüngste meist bei den Großeltern lebt, grüßen immer ganz laut. Daneben wohnt Kopftuch. Die sind Muslims, aber nur die Frauen, die zu Besuch kommen, tragen Kopftücher. In drei Häusern neben uns wohnen eine Familie, also ein älteres Ehepaar und ihre beiden Töchter mit ihren Männern. Die Oma muss zur Dialyse und kommt gern auf ein Schwätzchen zu uns in den Garten. Sonst ist es nicht üblich, dass man sich besucht. Nur Phüng, Biene, und ihr Mann im Haus schräg gegenüber hatten wir einmal zum Essen bei uns eingeladen. Wir sehen und sprechen uns fast täglich, sie nehmen uns gelegentlich mit dem Auto mit und wir passen auf ihren lieben Hund auf. Sie arbeitet als Fluglotsin und er ist Ausbilder bei der Luftwaffe, glaube ich. Beide sind jung und sehr fleißig und nett. Zu denen vom „grünen Haus“ haben wir keinen Kontakt. Neben uns ist erst vor kurzem, obwohl die große Hauseinweihungsfeier schon vor langer Zeit war, eine Dame eingezogen mit dem Mädchen, das ein Junge sein will, und dem Jungen, der ein Mädchen sein will. Es gibt da noch eine Bettlägerige, die wir nie gesehen haben. Ein burmesisches Hausmädchen haben sie auch. Und den deutschen Nachbarn besuchen wir manchmal auf ein Bier oder nen Kaffee. Vor ein paar Tagen machten wir mit ihnen Urlaub in Chiangmai.

    Außer dass wir jeden Morgen vor dem Haus unseren Kaffee trinken können und den ganzen Tag barfuss laufen können und es stets zur gleichen Zeit dunkel wird, leben wir nicht viel anders, höchstens schöner, besser und leichter als zuvor in Deutschland. Wir hatten ja viel im Container mitgebracht. Waschmaschine, Küchengeräte, Bilder, Bücher und CDs und so weiter, selbst den Brunnen und die Laternen aus Granit aus unserem Japangarten. Die Zimmer sind alle tapeziert, der Fernseher steht in der Schrankwand und gekocht wird auch oft deutsch. Wir bereuen den Hauskauf nicht. Es war richtig, von hier aus unser neues Leben gestartet zu haben. Dass wir das Haus nun verkaufen möchten, hat Gründe, die ich später darlegen werde. Interessierte Member können sich also an mich wenden.




  9. #8
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Das Leben ist schön. Und ich versuche es aus einem kosmischen Blickwinkel zu sehen und zu leben. Das bedeutet für mich vor allem zweierlei. Neben der Erkenntnis, dass Alles endet (auch unser irdisches Leben) und sich wandelt, gibt es da einmal die Tatsache, dass das Leben immer nur im jetzigen Moment stattfindet. Es gab keine Zeit und es wird keine geben, die nicht Jetzt ist. Wir wollen nur immer diesen Moment vermeiden, aus ihm fliehen und meinen irgendwo und irgendwann ist es schöner und besser. Ich will diesen Aspekt nicht weiter ausführen. Der geneigte Leser kann nach Eckart Tolle („Jetzt – die Kraft der Gegenwart“) googeln. Zum Zweiten besteht da die Möglichkeit zu spüren, dass Derjenige, der in diesem Augenblick die Welt und sich selbst wahrnimmt, in sich ganzheitlich und vollkommen ist. Man will uns nur weismachen, dass wir unvollkommene Menschen sind und dies und das brauchen, dass die Matrix real ist. Das alles hat mit Glauben und Philosophie nichts zu tun. Es kann erfahren werden. Um die Worte von Bodhidhrma zu benutzen: Offene Weite – nichts von heilig.

    Es fällt mir leichter, immer mehr nach diesen Prinzipien in Thailand zu leben, als zuvor in Deutschland. Abgesehen davon, dass ich nicht um Geld arbeite und ich viel Zeit habe, geht hier manches viel lockerer und angenehmer vonstatten. Es ist immer warm und grün. Ich bin von vielen schönen Menschen in leichter Sommerkleidung umgeben. Meistens sind sie schlank und haben lange, schwarze Haare. Wirkliche Engelsgesichter trifft man unvermittelt überall. Das hat mit Begehren nichts zu tun. Es macht einfach glücklich und gibt Energie, ein schönes Gesicht zu sehen oder das ungezwungene Verhalten von Kindern zu beobachten. Und die Menschen lachen und scherzen gern miteinander. Wenn ich ihnen auf dem Markt oder auf der Straße oder im Kaufhaus begegne, lächle ich. Und sie lächeln zurück und manchmal wird ein Anlachen daraus. Ein Nicken mit dem Kopf und es ist Verstehen da. Diese Erfahrungen werden mir auch bleiben, wenn ich aus irgendeinem Grund gezwungen sein sollte, wieder (für einige Zeit) in Deutschland zu leben. Ich kann mich also frei und ungezwungen bewegen. Keiner dreht sich nach mir um. Die meisten könnten sowieso nicht mit mir reden. Die Weißen, die mir begegnen, wollen in der Regel keinen Kontakt.

    Eigentlich hatte ich vor, Thailändisch auf einer Schule zu lernen. Es ist aber nicht zuletzt eine Frage der Entfernung und des Geldes. Um ehrlich zu sein – ich habe genug Bücher und Software zum Selbstlernen, aber ich bin zu faul dafür. Meiner Frau ist gar nicht so viel daran gelegen, dass ich die Sprache beherrsche. In den über drei Jahrzehnten unserer Ehe habe ich soviel mitbekommen, dass ich mich ohne Scheu bewegen kann und das Nötigste sagen kann und meist verstehe, worüber geredet wird. Anfangs hat es mich auch gestört, dass mehr über mich als mit mir geredet wurde und Entscheidungen über meinen Kopf gefällt worden sind. Aber genau so dürfte es für unsere Frauen in Deutschland sein. Ich muss auch nicht zu allem etwas sagen oder alles hören. Irgendwann werde ich anfangen, die Schrift zu erlernen und dann die Wörter. Die Sprache selbst erscheint mir nicht so schwierig. Wort für Wort übersetzt würde Thai so klingen, wie viele früher mit Gastarbeitern geredet haben. Ich habe auch die These, dass die Thais mitunter aufgrund ihrer sprachlichen Möglichkeiten so sind wie sie sind. Es muss einfach Vieles zweideutig und vage bleiben. Und ganz verstehen werde ich das Volk nie richtig. Sie denken einfach anders und ihre Gedankengänge nachzuvollziehen ist nicht immer möglich. Manchmal komme ich mir wirklich vor wie mitten im Dschungel unter Eingeborenen, besonders bei religiösen Feiern und bei ihren vielen Tabus und Verhaltensvorschriften.

  10. #9
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    An das oft schwül heiße Klima kann man sich gewöhnen. Der Haut und den Gelenken tut es gut. Man ist eben schnell bei leichter Tätigkeit oder nur beim Aufenthalt im Freien durchgeschwitzt bis auf die Unterwäsche. Das Thermometer steht meist schon morgens bei über 30 Grad, gefühlt sind es fünf, sechs Grad mehr. Drei bis fünf mal Duschen am Tag ist keine Seltenheit. Ventilatoren laufen im Haus die ganze Zeit. Die Klimaanlagen sind meistens nur kurz am Abend an oder wenn Besuch da ist oder wenn Deng gerade bügelt. Der Garten muss regelmäßig gegossen werden, doch die Wasserrechnung von vier bis fünf Euro im Monat übernimmt der Staat.

    Mit einer Unannehmlichkeit muss auch zurechtkommen: den winzigen Tierchen, den Moskitos und den Ameisen. Trotz Fliegengitter und dem schnellen Zumachen der Türen gelangen sie ins Haus und trotz Eincremen und Abwehr durch Spray und elektrischem Fänger wird man gestochen. Vor allem an den Füßen und Beinen ist man häufig am Kratzen. Anfangs waren die Ameisen nicht aus dem Haus zu kriegen. Doch Sauberkeit im und ums Haus und gelegentliches Sprühen im Moo Ban reduzieren die Kleinen, von denen es verschieden Arten gibt, z.B. ganz winzige oder rote, die schmerzhaft beißen. Kundschafterameisen sind ständig unterwegs. Und hüpfende Spinnen sind auch recht zahlreich. Die Termitensicherheit für das Haus ist schriftlich garantiert. Überhaupt leben wir das ganze Jahr mit den Tieren. Es gibt Schmetterlinge und fingerdicke Raupen, kleine Tausendfüßler, doch leider keine Würmer. Der Biss der seltenen größeren Tausendfüßler kann schmerzhaft sein und sie werden deshalb gemieden. Ungefährlich sind die Eidechsen mit ihrem langen Schwanz. Sie klettern auf die Bäume und können sich farblich der Umgebung anpassen. Man erschrickt nur, wenn man sie in Augenhöhe trifft. Ein gestreifter kleiner Waran hatte sich auch bei uns eingenistet, lag aber dann überfahren auf der Straße. Die Wächter haben ihn aufgehoben und mitgenommen und vielleicht verspeist. Die kleinen Eidechsen gelten jedenfalls im Isaan als Delikatesse. Vor den anderen, bronzefarbenen werde ich gewarnt. Sie seien gefährlich.







    Ein Vielzahl von Vögeln bevölkert das Moo Ban, Spatzen und Tauben, die auch mal in unserem Baum brüten, und rabenartige oder elsterähnliche Vögel, die verschieden Laute draufhaben, und winzige mit gelbem Bauch, die am lautesten pfeifen. Es gibt noch Spechte und Möwen und Schwalben. Und oft fliegen Reiher und Störche über uns hinweg, auch mal mit einer Schlange im Schnabel. Ach ja, Schlangen gibt es in unserem Garten auch. Zweimal traf Deng auf eine kleine grüne Schlange und einmal schlängelte sich eine grausilbrige davon, nachdem sie gezischelt hatte, vielleicht eine Kobra, denn die Gegend um den Flughafen wird auch Kobrasumpf genannt. Man muss halt aufpassen, wo man hinlangt. Die wenigen Katzen, die rumlaufen, tun auch nichts gegen die Mäuse. Doch für die gibt es Fallen mit Klebstoff, an dem sie kleben bleiben.

    Eigene Tiere hatten wir auch: zwei süße Zwerghasen mit Hängeohren vom Chatuchak-Markt. Ausländische, die intelligenter als die einheimischen sind. Wir liesen sie auch im Freien laufen. Das Sauber machen blieb an mir hängen. Als wir dann für ein paar Tage weg fuhren und nachdem uns gesagt wurde, sie würden Schlangen anlocken, haben wir sie einem Wächter geschenkt. Der hat sie wohl gleich verkauft, obwohl er nach zwei Tagen kam und behauptete, eines sei krank gewesen und er habe es zum Tierarzt bringen müssen. Trotz meiner Bedenken steuerte Deng 1000 Baht für die Behandlung bei. Nach unserem Urlaub kam er wieder und wollte 500 Baht leihen. Als Sicherheit hinterlegte er seinen Ausweis als Wächter. Den haben wir heute noch.

    Und natürlich gibt es da die Jinjoks, die von abends bis morgens an der Wand kleben und umherhuschen und Moskitos jagen. Sie stoßen laute, zwitschernde Rufe aus. Immer wieder gelangt eines in das Haus, besonders die ganz kleinen, und sind dann sehr schlecht zu vertreiben. Sie sind ja harmlos und nützlich, aber sie hinterlassen überall kleine, schwarze Häufchen. Vor 2 Tagen ist mir eins auf die Schulter gehüpft. Soll Glück bringen, werde heute Lose kaufen.

  11. #10
    Avatar von Khun Han

    Registriert seit
    11.06.2006
    Beiträge
    318

    Re: Das Leben ist schön.

    Meine Frau lebte 32 Jahre in Deutschland und wenn sie sagt, in unserer Heimat war alles besser, dann meint sie dieses Land. Hier sieht sie vieles kritisch. Alles Gelump in Thailand, sagt sie, wenn mal wieder ein Kleidungsstück, ein Werkzeug oder ein Gerät kaputt geht. Sie schimpft über die steigenden Preise für Lebensmittel oder wenn sie für ihre Pflanzen in einem Geschäft mehr bezahlen sollte, als im anderen. Alles Gauner! Thai Leute haben nix im Gehirn! Reden nur über Belanglosigkeiten, denken nicht an die Folgen, übernehmen keine Verantwortung, sehen keinen Schmutz, lassen alles herunterkommen, können beim Essen nicht normal sitzen und spucken auf die Straße. Sie leidet darunter, nicht wie gewohnt aussprechen zu können, was sie denkt, und dass die Anderen nicht sagen, was sie wirklich beabsichtigen. „Das ist gut für Thai Leute, aber nicht für mich!“, sagt sie, wenn sie über den Markt geht. Das Thaiessen bekommt ihr oft nicht und während sie sich früher über meine Vorliebe für japanisches Essen mokierte, bezeichnet sie dieses nun als das einzig ihr bekömmliche. Da kann sie sich richtig satt essen.

    „Ich versteh´ kein Wort.“, meint sie, wenn ich sie bitte, mir die Nachrichten zu übersetzen. In vielen Dingen des öffentlichen Lebens ist sie unsicher. Es hat eine Weile gedauert, bis wir Bus und Minibus benutzen konnten. Jetzt ist stolz darauf und fährt gerne damit. Sie beklagt, dass alles schnell schimmelt und rostet, dass Lebensmittel schnell verderben und dass die Erde nicht gut ist, wenn ihre Pflanzen eingehen. Denn damit beschäftigt sie sich von früh bis spät, mit ihrem Garten. Da empfindet sie weder Müdigkeit noch Hunger. Zwischendurch kocht sie mir was zu essen oder trinkt einen Kaffee, den ich ihr bringe, aber sie hat keine Zeit, um in Ruhe eine zu rauchen. „Ich kann nicht sitzen.“ Die irgendwo im Boden steckenden Kippen sammle ich dann ein. Sie schneidet am Boden hockend mit der Schere das Gras, pflanzt laufend um, vermehrt die in über 200 Minitöpfen wachsenden Kakteen, stutzt Bäume, Sträucher und den Bambus, kümmert sich um die Bonsais und beklebt Steine mit Moos. In den Bäumen hängen unzählige Gefäße mit Efeu und Farnen, sowie wilde Miniorchideen auf Holzteilen, am Boden stehen Töpfe und Schalen in den verschiedensten Größen mit Orchideen und Kakteen und Minibäumchen, dazu bepflanzte Steine und Wurzeln und eine Vielzahl von Tonfiguren. All das muss natürlich gegossen, besprüht und gepflegt werden. Sie freut sich ungemein, wenn ihr Garten von Nachbarn und Passanten bewundert und gelobt wird. In der Tat finden ihn sogar Kinder schön. Oder ein Auto fährt vorbei und rückwärts zurück und die Beifahrerin sagt zu mir: „Your house is very nice.“






    Deng hat die Gabe, dass sie mit allen Menschen gleich welchen Standes kommunizieren kann, und die Leute sprechen gern mit ihr. Sie redet mit Nachbarn, burmesischen Arbeiterinnen und Marktfrauen, mit Kindern und Alten in der selben Weise und wo sie einmal war, wird sie herzlich wieder begrüßt. Einmal wurden wir auf einem Tempelfest von einer Frau freudig angesprochen. Wir konnten uns aber nicht an das pockennarbige Gesicht erinnern. Dann fiel uns ein, dass es unsere Straßenkehrern sein muss, von der wir immer nur die Augen gesehen hatten, da sie ja nur diese unbedeckt lässt, wie die meisten Frauen, die im Freien arbeiten. Die frühere hatte von uns 500 Baht geliehen, bevor sie am nächsten Tag versetzt wurde. In Deutschland wurde Deng von den Thais ältere Schwester genannt, hier ist sie meist die Tante, was ihr nicht so gefällt. Nur Poks Freunde nennen sie Mutter. Die kommen gern zu uns und lassen sich deutsch bekochen, d.h. Cordon Bleu mit Spagetti und Lasagne. Und wir fahren mit der Clique zum Tambun nach Korat oder Ratchaburi.

    Sonst trägt sie kein Geld ins Wat. Die haben genug! Oder: So ein Theater! Lieber gibt sie spontan, wo Hilfe direkt ankommt, so mal als sich 4 Jungs in einem Food Center einen Teller Reis teilten. Sie hat eine Abneigung gegen Scheinheiligkeit und übertriebene Frömmigkeit. Ihre Religiosität ist natürlich und liberal. „Jesus ist auch Gott!“ Zu Beginn unserer Ehe gehörten sonntägliche Kirchgänge mit den Eltern zum Alltag und sie begleitete mich zu Veranstaltungen der Urchristen. Ich kann mit ihr auch über meine geistigen Erfahrungen sprechen. Mit unserem Gemisch aus Deutsch, Thai und Englisch versuche ich meine Gedanken zu umschreiben, aber sie versteht mich auch so gut. Zu gut, denn sie kennt mich und hält mir gleich den Spiegel vor und verweist auf meine mangelnde Umsetzung.

    Und ich kenne sie und bin ihr deshalb auch nicht böse, wenn sie mal wieder anschnauzt. „Wenn der Krieg kommt, bist Du der Erste, der verhungert!“ schimpft sie, wenn sie meint, ich warte zu ungeduldig auf das Essen. Oft bin ich der Sündenbock, wenn sie sich über jemand oder etwas ärgert. Sie ist Schütze und eben gleich auf hundert. Wir lösen das dann meist schnell in Humor auf. Nur zweimal schwiegen wir uns einen Abend lang an. Auslöser waren lediglich schnippische Antworten. Beide male im Abstand von einem Jahr waren wir dabei mit dem gleichen, befreundeten Ehepaar unterwegs und hatten so Gesprächspartner. Doch sonst freuen wir uns über die gleichen Dinge, teilen die gleichen Ansichten und denken oft zur gleichen Zeit dasselbe.

    Mit ihrem in Bangkok lebenden Vater möchte sie keinen Kontakt. Der spielt nur den kranken und armen Mann und möchte ihr Geld. Zwei Brüder leben noch hier, die sie einmal im Monat besucht, und dabei erweist sie den Überresten ihrer Mutter im Wat Respekt. Beim Bruder in Sisaket waren wir einmal. Die Schwester ist in Deutschland geblieben. So ist ihre Familie keine große Belastung für uns. Die Zuwendungen halten sich in Grenzen. Ich wurde und werde stets mit Achtung und zuvorkommend behandelt. Zu ihrer Freude hat auch der in Deutschland wohnende Sohn nach Jahren wieder Kontakt zur Mutter aufgenommen.

    Deng ist 7 Monate jünger als ich, geht also auch auf die Sechzig zu. Für mich ist sie kaum älter als das Mädchen, als das ich kennen lernte. Nur auf Fotos lächelt sie weniger. Neben ihren häufigen Zahnschmerzen ist sicher eine gewisse Frustration daran Schuld. Diese resultiert aus den zuvor genannten Tatsachen sowie aus dem Ärger und der Enttäuschung, den sie über Pok und seine Freundin empfindet. Wenn ich über die Beiden schreibe, tue ich dies nicht, um sie in negativem Licht dastehen zu lassen, sondern um unsere Lebensverhältnisse darzulegen. Und weil ich glaube, dass viele von deren Eigenschaften typisch für die Bewohner des Landes sind.




Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Ganz schön was los in bangkok
    Von Jens im Forum Event-Board
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 28.02.12, 00:48
  2. Reaktionen zu Das Leben ist schön.
    Von Khun Han im Forum Literarisches
    Antworten: 119
    Letzter Beitrag: 31.08.09, 13:19
  3. Thailand ist schön aber...
    Von Palawan im Forum Sonstiges
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 28.10.05, 18:55
  4. Als Farang in Thailand leben ist schön, aber gibt es einen G
    Von thai norbert im Forum Ehe & Familie
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 20.05.03, 11:33