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Das Freundschaftsessen

Erstellt von MrPheng, 27.06.2004, 22:40 Uhr · 2 Antworten · 943 Aufrufe

  1. #1
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Das Freundschaftsessen

    Die Einladung zum Reisessen, oder der defekte Reistopf!

    Meine Frau und ich sind keine religiösen Eiferer, aber die Feiertage werden bei uns streng beachtet Alle. An Feiertagen braucht man nicht zu arbeiten, und außerdem sorgen sie für Abwechslung in kulinarischer Hinsicht.


    Um nur mal ein Beispiel zu schildern:

    Am Longkran-Fest ist es geboten, bestimmte Speisen dreimal in eine schmackhafte Chillie-Sauce zu tunken, ehe man sie verzehrt. An Wochentagen tunkt man in der Regel nicht einmal, einmal. Was für ein Wunder, dass ich heute als es soweit war, an meine Frau die folgenden Worte richtete:

    "Ich habe eine großartige Idee Son. Wir wollen im Sinne unserer kultureller und traditioneller Überlieferungen einen Reisabend abhalten, zu dem wir unsere lieben Freunde Patham und Thum einladen. Ist das nicht die schönste Art, diesen Feiertag zu begehen?"

    "Wirklich?" sagte Son. „Noch schöner wäre es, von ihnen eingeladen zu werden. Ich denke gar nicht daran, eine riesige opulente Mahlzeit anzurichten und nachher stundenlang alles wieder sauberzumachen. Geh bitte zu Patham und Thum und sage ihnen, dass wir sie sehr gerne zum Reisabend eingeladen hätten, aber leider geht’s diesmal nicht, weil ... lass mich nachdenken ... weil unser elektrischer Reisdampftopf geplatzt ist, oder weil der Schalter, mit dem man die Hitze einstellt, abgebrochen ist und erst in zehn Tagen repariert werden kann, und deshalb müssen sie uns diesmal einladen ...

    Ich beugte mich vor dieser unwieder-sprechlichen Logik, ging zu Patham und Thum und deutete an, wie schön es doch wäre, den Reisabend in gemeinsamer familiärer Gemütlichkeit zu verbringen.
    Laute Freuderufe waren die Antwort.

    "Herrlich!" jubelte Thum. "Einfach wunderbar deine Idee!"
    Nur schade, dass es diesmal bei uns nicht geht. Unser elektrischer Reisdampftopf ist geplatzt, dass heißt, der Schalter, mit dem man die Hitze einstellt, ist abgebrochen und kann erst in zehn Tagen repariert werden. Das verstehst du doch Jak?

    Ich brachte vor Empörung kein Wort hervor.
    "Wir werden also zum Reisabend zu euch kommen", schloss Thum unbarmherzig ab. "Gut?"

    "Nicht gut", erwiderte ich mühsam. "Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam, aber auch unser elektrischer Reisdampftopf ist dahin. Eine wahre Schicksalsironie. Ein Witz der Geschichte. Aber was hilft es ...

    Patham und Thum wechselten ein paar stumme Blicke. "In der letzten Zeit" fuhr ich einigermaßen verlegen fort, "hört man immer wieder von geplatzten oder defekten Reisdampftöpfen. Sie platzen im ganzen Land. Vielleicht ist mit dem Elektrizitätswerk irgendetwas nicht in Ordnung."
    Langes, ausführliches Schweigen entstand....

    Plötzlich stieß Thum einen heiseren Schrei aus und schlug vor, unsere gemeinsamen Freunde Pooh und Milam in die geplante Festlichkeit einzubeziehen.
    Es wurde beschlossen, eine diplomatische Zweier-Delegation (rein männlich Art) zu Pooh und Milam zu entsenden. Ich machte mich mit Patham unverzüglich auf den Weg.

    "Hör zu, alter Junge", sagte ich gleich zur Begrüßung und klopfte Pooh freundschaftlich auf die Schulter. "Wie wär’s mit einem gemeinsamen Reisabend"?

    "Großartige Idee, was?"
    "Wir könnten einen elektrischen Reisdampfkocher mitbringen, falls euer zufällig geplatzt sein sollte", fügte Patham vorsorglich hinzu. "In Ordnung? Abgemacht?"

    "In Gottes Namen." Pooh’s Stimme hatte einen leicht sauren Beiklang.
    "Dann kommt ihr eben zu uns. Auch meine Frau wird sich ganz bestimmt sehr freuen, euch alle zu sehen."

    "Pooh!" Eine schrille Weiberstimme schlug schmerzhaft an unser Trommelfell. Pooh stand auf, da er vermutete, dass seine Frau in der Küche etwas von ihm haben wolle, und entfernte sich. Wir warteten in düsterer Vorahnung.

    Als er zurückkam, hatten sich seine Gesichtszüge deutlich verhärtet.

    "Auf welchen Tag fällt eigentlich dieser Reisabend ?" fragte er.
    "Es ist der Vorabend des Longkran-Festes", erläuterte ich höflich. "Eine unserer schönsten kulturellen Überlieferungen."

    "Was für ein Schwachkopf bin ich doch!" Pooh schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. "Jetzt habe ich vollkommen vergessen, dass an diesem Tag unsere Wohnung saubergemacht wird. Und neu gestrichen. Wir müssen anderswo essen gehen. Möglichst weit weg. Schon alleine wegen des Gewürzgeruchs beim kochen."

    Patham sah mich an. Ich sah Patham an.
    Man sollte gar nicht glauben, auf was für dumme, primitive Ausreden ein Mensch verfallen kann, um sich einer freundschaftlichen Verpflichtung zu entziehen. Was blieb uns da noch übrig, als Pooh in die Geschichte mit den geplatzten Reiskochern einzuweihen?
    Pooh hörte gespannt zu.




    Nach einer kleinen Weile sagte er:
    "Das ist aber eine rechte Gedankenlosigkeit von uns! Warum sollten wir ein so nettes Paar wie Wirat und Doi von unserem Reisabend ausschließen?"

    Wir umarmten uns einander herzlich, denn im Grunde waren wir richtige Busenfreunde, alle drei. Dann gingen wir alle drei zu Wirat und Doi um ihnen unseren Plan für einen schönen, gemeinsamen Reisabend zu unterbreiten.

    Wirad und Dois Augen leuchteten auf.
    Wirad klatschte sogar vor Freude in die Hände:
    "Fein! Ihr seid alle zum Reisessen bei uns eingeladen!"
    Wir glotzten.

    Alle? Wir alle? Zum Reisessen? Nur so? Da steckt doch was dahinter!

    "Einen Augenblick", sagte ich mit gesammelter Stimme.
    "Seid ihr sicher, dass ihr auch eure Wohnung meint?"


    "Was für eine Frage!" "Und euer Reisdampfkocher funktioniert?"
    "Einwandfrei!"
    Ich war fassungslos. Und ich merkte, dass auch Patham und Pooh von Panik ergriffen wurden.
    "Die Wände!" brach es aus Pooh hervor. "Was ist mit euern Wänden? Werden die gar nicht gestrichen?"

    "Lasst die Dummheiten", sagte Wirad freundlich und wohl gelaunt.
    "Ihr seid alle zum Reisabend bei uns, und fertig."

    Völlig verdattert und konfus verließen wir Wirads Haus. Selbstverständlich werden wir zum Reisabend nicht hingehen.

    Irgendwas ist da nicht in Ordnung, und so leicht kann man uns nicht hineinlegen. Keinen von uns. Wir bleiben zu Hause. So, wie sich’s im Sinne unserer schönsten kulturellen Überlieferungen gehört!

    Jakraphong wünscht gute Nacht

  2.  
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  3. #2
    irrlicht
    Avatar von irrlicht

    Re: Das Freundschaftsessen

    schoene geschichte jak.
    inspired by ephraim kishon, nicht wahr?

  4. #3
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Das Freundschaftsessen

    ja, und schlimm?