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Büsum an der Nordsee

Erstellt von Doc-Bryce, 26.08.2009, 11:14 Uhr · 33 Antworten · 6.037 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Büsum an der Nordsee

    Hallo!

    12. 2 Friedrichstadt



    Aber folgen wir unserem Reisebegleiter A. Rumler durch die Stadt:



    Planmäßig ließ der tolerante Herzog Friedrich III. von Gottorf 1621 nach Entwürfen des niederländischen Baumeisters Henry Rytenstein an der Mündung der Treene in die Eider




    die Stadt anlegen, um während des Dreißigjährigen Krieges wegen ihres Glaubens vertriebenen holländischen Remonstranten eine neue Heimat bieten zu können - galten die Emigranten doch als geschickte Handwerker und tüchtige Kaufleute. Nach und neben Glückstadt blieb Friedrichstadt die einzige Stadtgründung der Neuzeit in Schleswig-Holstein. Kühne, im Wortsinn weit reichende Pläne verfolgte der Herzog: Mit Persien und Rußland wollte er Handel treiben. Dazu konnte ihm ein weltoffener Hafen nur recht sein. Deshalb gewährte er Asyl zu einem Zeitpunkt, als anderenorts noch Prozesse gegen angebliche Hexen und Ketzer geführt, Andersdenkende gefoltert und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Schwere Schäden und Verluste erlitt Friedrichstadt, als dänische Truppen es 1850 gegen Belagerer der schleswig-holsteinischen Befreiungsarmee verteidigten.




    Noch heute atmet der Ort das Flair einer beschaulichen Renaissance-Kleinstadt der Niederlande aus dem 17. Jh., wie er zwischen bei den Sielzügen der Treene angelegt wurde. Bei Grachtenrundfahrten kann man deshalb ihre Fassaden Revue passieren lassen oder per Tret- wie auch Ruderboot selbst auf Erkundungsstörn gehen.


    Gruss
    Heinz

  2.  
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  3. #32
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Büsum an der Nordsee

    Hallo!


    12. 3 Friedrichstadt




    Im Zentrum liegt der fast quadratische Markt mit neugotischem Brunnen des Heinrich Rohardt (1879), Verse von Klaus Groth zieren ihn.



    Nach 1850 mußte man auch das Rathaus mit seinem Doppelgiebel neu aufbauen.




    Ost- und Westseite des Marktes entsprechen in ihrem Stil weitgehend der ursprünglichen Architektur,





    neu aufgeführte Fassaden hat man unter Verwendung originaler Bauteile errichtet. Über den Mittelburggraben führt die Große Brücke (1705, später erweitert).




    Kleine gelbe Ziegel und Zierelemente aus Sandstein prägen die Lutherische Kirche; Jacob van der Meulen entwarf sie 1643 nach niederländischen Vorbildern, während Zacharias Hübener als Bildhauer die bauplastische Gestaltung übernahm und Tobias Wendler 1762 den charakteristischen Turm aufrichtete, ihn mit oktogonaler Laterne über Uhrengeschoß und flacher Haube bekrönte.


    Ein Hauptwerk des Rembrandt-Schülers Jürgen Ovens, der zwanzig Jahre bis zu seinem Tod (1678) in Friedrichstadt lebte, dient als Altargemälde: die Beweinung und Salbung Christi im Stil niederländisch-flämischen Barocks (1675). Dem 15. Jh. entstammt noch die hochgotische Marmortaufe aus Namur. Im frühen 17. Jh. stellten Künstler des Ringering-Umkreises die prachtvolle Schnitzkanzel in Formen der Spätrenaissance her, Doppelpilaster sowie Figürchen Christi, der Apostel und christologische Reliefs zieren den Korb. Arme und Kreuz des eindrucksvollen spätgotischen Holzkruzifixes des frühen 16. Jh. sind ergänzt.


    Zeitweilig bekannten sich die Bürger in Friedrichstadt zu sieben verschiedenen religiösen Gemeinschaften und lebten friedlich miteinander, bis heute übrigens; eine Art praktizierter Utopie. Im Stadtbild drückt sich diese Liberalität darin aus, daß nicht die Kirche einer Religion dominant ins Zentrum gesetzt ist, sondern der gemeinsame Markt, ringsum sind die Gotteshäuser gleichberechtigt angeordnet.

    file://localhost/Users/hpolly/Desktop/Schleswig-Holstein.doc - http://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Christophorus-Kirche_(Friedrichstadt)


    Gruss
    Heinz

  4. #33
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Büsum an der Nordsee

    Hallo!

    12. 4 Friedrichstadt


    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrichstadt

    Zum Flanieren lädt der Mittelburggraben ein.


    Der Gründungszeit der Stadt entstammt das giebellastige Eckhaus zum Wester-Sielzug (Am Mittelburgwall Nr. 52).



    Auf der anderen Seite des Mittelburggrabens liegt das eleganteste Bürgerhaus der Stadt: die Alte Münze, 1626 für den herzoglichen Statthalter Adolph van Wael erbaut, heute ein Museum.



    Sandsteinzierat belebt den Giebel, dessen Erdgeschoß durch Fenster und Einfahrt fast als Fläche aufgelöst scheint. Der ältere Querbau diente seit 1652 als Betsaal der Mennoniten. Das eingeschossige Traufenhaus ziert Amsterdams Stadtwappen, nennt sich die Stadt doch gern >Klein-Amsterdam< (oder auch >Venedig des Nordens<).



    Gegenüber weist auch das stattliche Treppengiebelgebäude noch sein ursprüngliches Erscheinungsbild traditioneller Kaufmannshäuser auf, innen lädt die >Holländische Stube< ein zu Speis und Trank.




    An die Beschließung der Stadt 1850 erinnern die historischen Kanonen – die ich allerdings nicht gefunden habe.


    Wahrscheinlich ließ sich der Remonstrantenprediger und Weinhändler Godefridus Paludanus 1637 das prächtige Eckhaus mit Stufengiebel und Sandsteinvoluten errichten, Löwenkopfreliefs und ein Weinkübel mit Traube


    zeichnen die Front aus; in der Stadt wird es nur Paludanushaus genannt (Prinzenstr. 28).




    Gruss
    Heinz

  5. #34
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Büsum an der Nordsee

    Hallo!

    2. 5 Friedrichstadt


    Auch ein Blick in die Westerhafenstraße lohnt sich: hier haben sich Häuser aus den Pioniertagen der Stadt erhalten.


    Die Treppengiebelhäuser des frühen 17. Jh. kommen dank der Restaurierungen wieder gut zur Geltung (Prinzenstr. Nr. 19, 23 von 1624).


    Ein ganzer Zoo in Form adretter Hausmarken kennzeichnete früher Wohnungen: Hirsch (Nr. 12), Schimmel (Nr. 10), Stier (Nr. 6), Lamm (Nr. 3) oder eine Ente (Fürstenburgwall Nr. 9).


    Hier zeigt die Hausmarke das Stadtwappen Amsterdams


    Auf herzogliche Anweisung wurde das stattliche Fünfgiebelhaus mit seinem reizvollen Wechsel verschiedenfarbiger Ziegel 1625 errichtet (Fürstenburgwall Nr. 11 bis 13).



    Ganz schlicht ist der neogotische Bau der katholischen St. Canutus-Kirche ausgefallen (1853), deren spätgotisches Kruzifix dem Stil nach in einer französischen Werkstatt gefertigt sein könnte. Die barocke Apostelfolge entstand im 17. Jh.


    Parallel zur Prinzenstraße führt die Prinzess Straße zum Markt.


    Nach der Zerstörung ihrer Vorgängerin 1850 mußte die Remonstrantisch-Reformierte Kirche neu errichtet werden.


    Das besorgten 1852-54 Pastor Mensinga und Johann Friedrich Holm in Form eines nahezu quadratischen spätklassizistischen Saalbaus,



    dessen Wände außen wie innen fast gleich durch korinthische Pilaster gegliedert sind. Einen markanten Akzent setzt die offene Laterne des Turms im Stadtbild.






    Gruss
    Heinz


    Damit ist die Reihe zunächst abgeschlossen; später werde ich evtl. Bilder aus dem Osten und Süden von Schleswig-Holstein zeigen.

    In Zeiten der Wirtschaftskrise vermeiden viele Bürger ohnehin Urlaubsreisen oder wenden sich von Fernreisen wieder dem eigenen Land zu.

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