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Buddhadasa Bhikkhu

Erstellt von dutlek, 01.01.2010, 21:03 Uhr · 8 Antworten · 952 Aufrufe

  1. #1
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    Buddhadasa Bhikkhu

    Vor vielen Jahren gab mir ein Moench, der zu Besuch in einem der Tempel, der in unserer Naehe ist, war, ein Buechlein mit dem Titel Handbuch fuer die Menschlichkeit von Phut-tha-thad Phik-khu geschrieben. Hab es gerade wieder vor mir liegen, aber keine Lust es noch mal zu lesen. Stattdessen schreib ich hier mal was ueder ihn.

    Buddhadasa Bhikkhu sprechen die Farangs den Namen aus. Geschrieben in Thai = พุทธทาสภิกขุ und wird richtigerweisse Phut-tha-thad Phik-khu gesprochen.

    Viele seiner Texte wurden auch in Deutsch uebersetzt, daher will ich den Moench hier mal vorstellen. Obwohl viele Buddhismus Interessierte duerften ihn und seine Buecher ja sowieso kennen.




    Phut-tha-thad Phik-khu wurde am 27. Mai 1906 in Tambon Phum Riang, Ampoe Tschai-Jaa in Dschangwat Surat Thani geboren. Gestorben ist er am 25. Mai 1993 in Tschai-ja
    nach einigen Herzanfaellen. Da die Aerzte sein Leben noch retten wollten, was sie aber nicht schafften, wurde er am 8. Juli 1993 entgueltig fuer Tod erklaert.
    Er war einer der einflussreichsten Moensche des Theravada-Buddhismus.

    Ngueam Panid, so sein richtiger Name, war der aelteste von drei weiteren Kindern, die in Phum Riang, einer Kleinstadt in der Provinz Surat Thani lebten. Sein Vater war Thai-Chinese, seine Mutter Thailaenderin. In seiner Jugend schon interessierte er sich fuer den Buddhismus unterhielt sich gerne mit anderen ueber die Lehre.
    1926 ordinerte wurde er im Tempel seines Ortes. Er bekam den Namen In-tha-pan-joo (อินฺทปญฺโญ).

    Nicht lange als Moench lebend, ging er seinen eigenen Weg uns verband die Lehre mit den Vorkommnissen der Natur. Damit wurde er sehr beliebt und im ganzen Land bekannt.

    In Bangkok wollte er die alten Schriften studieren, erkennte aber, das dass nicht der richtige Ort war und kehrte nach ein Paar Monaten wieder in sein Dorf zurueck, wo er im Alleinstudium sein Wissen der alten Schriften vervollstaendigte. Ein Jahr spaeter ging er wieder nach Bangkok um die Pali-Sprache zu studieren. Bald beendigte er sein Studium und bestand die dritte Grund-Pruefung. Nach dem durchfallen der naechsten Pruefung ging er wieder in sein Heimatort zurueck.

    Im dortigen Wald fand er einen alten verlassenen Tempel, den er mit Hilfe einiger anderen Moenche wieder aufbaute und ihn Wat Suan Mok-Kha-Blaa-Raam (วัดสวนโมกขพลาราม) nannte. Oder kurz Suan Mok (สวนโมก)

    Die folgenden Jahre verbrachte er in absoluter Abgeschiedenheit, als Einsiedler lebend und ohne Kontakt zu irgend jemand anderen. Diese Zeit nutzte er zur Meditation und dem Studieren der Lehre (พระไตรปิฏก).


    Phut-tha-thad Phik-khu hat sehr viele Buecher geschrieben. Viele wurde auch in Deutsch uebersetzt. Einige Texte davon wie folgt zum downloaden und lesen.




  2.  
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  3. #2
    Avatar von dutlek

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Ueber das Wort "Mitleid" hat der Phutthathad Phikkhu folgendes zu erzaehlen.


    Die Art von Metta, die ihr noch nicht kennt


    Der Hauptgrund, um über Metta (เมตตา = Mitgefühl, Freundlichkeit, Liebe) zu sprechen, ist, daß es sich hier um etwas handelt, das für menschliche Wesen sehr wichtig ist, denn wenn es uns selbst oder im Umgang mit anderen an Metta mangelt, ist es unmöglich, das Glück zu finden. Manche nennen den Buddhismus eine Metta-Re-ligion, tatsächlich aber lehrt jede Religion Metta, legt großes Gewicht darauf und betont nachdrücklich dessen großen Stellenwert. Metta ist die Grundlage für Glück und Frieden. Darüber wollen wir nun sprechen, insbesondere über die Fragen, was Metta eigentlich ist und wo es herkommt. Ein Beispiel, das immer wieder angeführt wird, um dieses Thema leichter verständlich zu machen, ist das Metta, das eine Mutter ihren Kindern entgegenbringt. Wo kommt es her,aufgrund welcher Ursachen entsteht es? Und dann ist da das Mitgefühl des Buddha gegenüber allen Wesen, wo kommt das her? Wenn wir genau hinschauen, ist es ganz einfach zu erkennen, daß das Metta, das eine Mutter ihren Kindern gegenüber hegt, aus dem Selbst oder von der Selbstsucht herrührt.

    Das Metta des Buddha hingegen entstammt der Selbstlosigkeit, es entsteht aufgrund absoluter
    Nicht-Selbstsüchtigkeit. Da die eine Art des Metta aus der Selbstsucht und die andere aus der
    Selbstlosigkeit entspringt, und sie sich also diametral gegenüber stehen, wieso haben sie
    denselben Namen? Will uns hier jemand auf den Arm nehmen? Das wollen wir uns genauer ansehen. Metta mit Asavas und Metta ohne Asavas
    Das Metta einer Mutter zu ihren Kindern entsteht aus der "Liebe", die sie "den ihren" gegenüber empfindet, und diese wiederum entsteht aus Eigenliebe. Dies muß als die Art von Metta bezeichnet werden, die aus dem Selbst und dem Anhaften daran entsteht.


    Das Metta des Buddha hingegen kommt aus dem Nicht-Anhaften am Selbst, aus dem
    Nichtvorhandensein eines Selbst, aus der Selbstlosigkeit - und ist deshalb eine absolute,
    rückhaltlose Liebe ohne Erwartungen. Diese beiden Versionen von Metta unterscheiden sich sowohl in der Art als auch im Umfang so sehr, daß man sie nicht vergleichen kann. Daher ist das Thema Metta ziemlich kompliziert. Es spielen hier viele Faktoren eine Rolle, und wir müssen es noch genauer betrachten, um es verstehen und Nutzen daraus ziehen zu können.

    Das Metta einer Mutter ihren Kindern gegenüber ist zum größten Teil instinktiv. Sie fühlt es
    aufgrund einer instinktiven Anlage, die über die Generationen hinweg vererbt wurde. Wenn dann die Kinder dieser Mutter selbst Mütter werden, werden auch sie wegen dieses instinktiven Gefühls ihre Kinder lieben und auch sie werden diese Anlage der nächsten Generation mitgeben. Aber in diesem ganzen Prozess werden wir nie feststellen, daß sich die Selbstsucht in irgendeiner Art und Weise verringert, sondern es wird sich immer um das Metta handeln, das aus der Selbstsucht - beziehungsweise aus den Kilesas, den Herzenstrübungen - erwächst. Das Metta des Buddha kennt keine Selbstsucht und keine Herzenstrübungen, deshalb würde ich gerne um der Unterscheidung willen zwei neue Begriffe einführen: Metta mit Asavas (Einflüssen) und Metta ohne Asavas.

    Das mit Asavas verbundene Metta liebt auf selbstsüchtige Weise und führt immer zu Leid. Es ist immer eine Ursache für Dukkha, für Sorgen und Angst, für Schmerz und Pein. Nicht nur, wenn dem Geliebten etwas zustößt, sondern schon, wenn ihm etwas zustoßen könnte. Die Mutter, die ihren Kindern Metta entgegenbringt, ist innerlich immer erschüttert oder in Aufruhr, wenn die Kinder unglücklich sind, aber auch wenn sie glücklich sind.
    Das Metta des Buddha hingegen hat keine Asavas, es wurzelt nicht in den Herzenstrübungen und erzeugt deshalb keine Qual oder Dukkha. Es läßt nicht einmal Mögen oder Nicht-Mögen
    entstehen. Ob der, die oder das Geliebte glücklich ist oder leidet, erschüttert den Buddha in
    keiner Weise. Es handelt sich hier um zwei völlig verschiedene Dinge, da die eine Art von Metta mit Asavas behaftet ist und zu weiteren Asavas oder Kilesas führt, wogegen die zweite Art völlig frei davon ist. Wir sollten hierbei nicht vergessen, daß - auch wenn es sich um "kleinere" oder "gute" Herzenstrübungen handelt - die Arten von Anhaften, die am Guten und Positiven hängen, doch immer noch als Kilesas gelten müssen.

  4. #3
    Avatar von dutlek

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Die Ausdrücke, "Metta mit Asavas", oder "Metta ohne Asavas" findet man nicht in den Pali-Texten. Wir haben zwar andere Wörter gefunden, bei denen diese Unterscheidung gemacht wird, wie etwa Sammaditthi (Rechte Anschauung) mit und ohne Asavas, aber im Zusammenhang mit Metta haben wir diese Begriffe selbst erfunden, um das Verständnis zu erleichtern. Natürliches, instinktives Metta Für die instinktive Art von Metta gibt es als Beispiel die nette Geschichte einer Hündin, die zwei mutterlose Hundebabies annahm und ihnen erlaubte, an ihren Zitzen zu saugen bis Milch kam, obwohl sie nicht geworfen hatte. Die Hündchen waren nicht ihre eigenen aber sie liebte sie sehr und kümmerte sich um sie und verteidigte sie, als wären sie es. Erstaunlich! Normalerweise tolerieren oder akzeptieren Hundemütter keine fremden Babies, sondern verbeißen sie. Auch das geschieht auf Veranlassung des Selbst, denn auch Hunde haben eines. Wie sollen wir also das Verhalten dieser Hündin, die fremde Hundebabies aufzog, als wären es ihre eigenen, einordnen? Es als die gewöhnliche Selbstsucht einer gewöhnlichen Mutter zu Asava ist die Bezeichnung für die "Einflüsse", die aus den tieferen Schichten des Geistes, in denen sich die Ablagerungen unserer Tendenzen und Gewohnheiten befinden, auf unser Denken und Handeln Einfluß nehmen. Bezeichnen, wäre nicht ganz passend, aber wir können auch nicht sagen, daß dieser Hund völlig selbstlos wäre. Bitte denkt darüber nach.

    Ich persönlich denke, daß es sich um eine bestimmte instinktive Qualität handelt, die in der natürlichen Anlage der Mütterlichkeit begründet liegt. Man sieht ein Hündchen oder ein Baby und ein Gefühl der Mütterlichkeit entsteht und man liebt dieses Hündchen oder Baby, auch wenn es nicht das eigene ist. Gewöhnlich können Menschen gar nicht anders, als daß ihnen jemand leid tut, den sie in Schwierigkeiten stecken sehen. Manchmal helfen wir sogar anderen, obwohl wir uns selbst nicht helfen können. Wir können diese Art der Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft die gewöhnliche, natürliche Art von Metta nennen. Es ist das Metta, das instinktiv entsteht, und nicht die Art, die aus der Selbstsucht kommt. Es bedarf eines gewissen Maßes an Nicht- Selbstsüchtigkeit, um anderen, die sich in Schwierigkeiten befinden, zu helfen, auch wenn sie mit uns nicht verwandt oder verschwägert sind.

    Lohnsklaven Metta
    Manchmal glauben wir aufgrund unserer kulturellen oder religiösen Prägung, daß es von sozialem Wert ist und unser Ansehen hebt oder, daß wir uns religiösen Verdienst oder
    Segnungen einhandeln, wenn wir denen helfen, die Schwierigkeiten haben oder leiden. Dies muß "Lohnsklaven Metta" genannt werden. Bitte betrachtet das sehr genau, hier handelt es sich nicht um wirkliches Metta, denn man handelt um einer Bezahlung oder Belohnung willen. Diejenigen, die sich am stärksten um diese Art Metta bemühen, sind die "Munis" und "Rishis", die im Wald sitzen und dort Metta üben. Diese Form der Metta-Meditation ist nur für sie selbst, damit sie sich den Eintritt in die Brahmawelt erkaufen können. Es ist keine reine Art von Metta, und obwohl sie es sehr ernst damit nehmen, so müssen wir es doch Lohnsklaven Metta nennen.

    Wenn wir von dem Metta sprechen, das von der Selbstsucht verursacht wurde, wie bei der Mutter, die ihre Kinder liebt, oder wie bei der Art der Metta-Meditation, von der wir uns wundervolles erhoffen, so muß dieses als Metta betrachtet werden, das aus der Eigenliebe des Selbst entsteht. Das Selbst verursacht oder es verhindert und zerstört Selbstsucht. Hier wenden wir uns nun der Tatsache zu, daß das Selbst, sobald wir daran haften, zu Selbstsucht und damit zur Abwesenheit von Metta führt. Auf diese Weise entstehen Neid und Eifersucht und es kommt zum Ausnutzen anderer. Ja wir töten sogar aus diesem Grund, denn die Selbstsucht erschafft jene, die wir als in Opposition zu uns selbst stehend betrachten.

    Alle von Euch haben wahrscheinlich davon gehört oder es in der Zeitung gelesen, daß Mütter ihre Kinder umgebracht, sie auf einem Abfallhaufen ausgesetzt oder sie verkauft haben. Ihre Anlage zur Mütterlichkeit ist völlig verschwunden und das nur wegen einem Selbst das fehlgegangen ist, in die dem Metta entgegengesetzte Richtung. Ihr Selbst hat sie nicht zu der Liebe geführt, die eine Bindung ans eigene Kind entstehen läßt. Es gibt jedoch auch ein Selbst, das ein anderes Ergebnis zeitigt, das Selbst, das Metta verursacht.

    Echtes Metta besteht zwischen Kameraden in Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Hier sehen wir nun in der anderen Ecke das Selbst, das durch die Macht des Erkenntnisweges in seine Grenzen verwiesen wurde. Hierbei handelt es sich um jene Art der Erkenntnis, die durch eine hohe Entwicklung des spirituellen Weges entsteht. Sie schränkt das Selbst und die Selbstsucht ein und schafft sie aus dem Weg, damit Metta zurückkehren kann. Metta kehrt in den Geist zurück, wann immer wir die Selbstsucht loswerden können. Dann kommt es zu dem Gefühl der Liebe zu Freunden, Liebe zu allen Wesen, zu allen Kameraden, die mit uns Geburt, Alter, Krankheit und Tod teilen. Solange das Selbst noch am kochen ist, will es niemand als Kamerad im Geborenwerden, Altern, Krankwerden und Sterben anerkennen. Es ist blind, es gestattet sich nicht, diese Dinge zu erkennen. Aber ist die Selbstsucht erst einmal weg, und das Selbst abgekühlt, steigt Metta wieder im Geist auf und mit ihm kommt das Gefühl der Verbundenheit mit unseren Freunden. Jedoch geht mit der Tatsache, daß wir mit allen Wesen auf der Welt durch die Gemeinsamkeit von Geburt, Alter, Krankheit und Tod auf kameradschaftliche Weise verbunden sind, auch eine Verpflichtung einher. Wenn wir unsere Freunde lieben, müssen wir versuchen, das Selbst los zu werden und die Selbstsucht zu zerstören, um echtes Metta entstehen zu lassen, das von so großem Wert und Nutzen ist.
    Wenn Selbst und Selbstsucht verschwunden sind, und kein Anhaften mehr besteht, entfaltet sich Metta automatisch in seiner höchsten und reinsten Form. Wie zum Beispiel das Metta der Buddhas und Arahants, das nicht das Geringste mit dem Metta der Selbstsucht zu tun hat.

  5. #4
    Avatar von dutlek

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Laßt uns noch einmal den Unterschied zwischen dem Metta, das eine Mutter ihren Kindern gegenüber hegt, und dem Metta, das ein Buddha allen Wesen entgegenbringt, herausstreichen. Hier handelt es sich um zwei völlig verschiedene Dinge. Eine Art erwächst aus der Selbstsucht und die andere aus der völligen Abwesenheit der Selbstsucht. Wenn die Selbstsucht vollständig vernichtet wurde, gibt es keinen Grund mehr Metta zu "machen". Der Buddha und die Arahants müssen sich nicht vornehmen, nett, freundlich oder liebevoll zu sein, sie sind es einfach. Es ist das natürliche, automatische Wirken von Metta ohne jeden Vorsatz, ohne jegliche Willensanstrengung, das sich bei ihnen entfalten kann, weil Selbst und Selbstsucht nicht mehr im Weg stehen. Weltliches und transzendentes Metta
    Wir haben gesehen, daß das Ego, das Selbst, die Selbstsucht in vielen Formen und Variationen auftreten, daß sie viele Spielchen und Rollen auf vielerlei Art und Weise spielen. Diese Dhammas können Liebe erzeugen, aufgrund von Selbstsucht oder sie verhindern, aufgrund von Selbstsucht. Aber wenn die Selbstsucht beendet ist entsteht automatisch intentionslose Liebe.

    Dies ist eine völlig andere Art von Metta die wir "Lokuttara Metta" nennen können. "Lokuttara" bedeutet über oder jenseits der weltlichen Bedingtheit. So haben wir nun noch ein Begriffspaar um die zueinander in Opposition stehenden Arten von Metta zu beschreiben. "Lokia Metta", also Metta das mit der Welt verbunden ist oder weltliches Metta und "Lokuttara Metta" das nicht länger in der weltlichen Bedingtheit verhaftet ist. Dieses Gegensatzpaar entspricht dem das wir Metta mit Asavas und Metta ohne Asavas genannt haben.

    Das Selbst los zu werden, beziehungsweise kein Selbst mehr zu besitzen bedeutet Arahant zu sein. Wenn man das Selbst nicht loswerden kann und es entsprechend der Bedingtheiten aufsteigt und vergeht ist man eine gewöhnliche Person. Und wenn man dem Selbst einfach erlaubt zu verwildern und Amok zu laufen, ist man ein wildes und bösartiges Tier. Was klar und sofort einsichtig ist, ist, daß das Selbst aufgrund der Macht der Herzenstrübungen, aufgrund der Macht der Ignoranz, Avijja, existiert. Deshalb gibt es ein Selbst das dumm und niedrig ist und nur an sich selbst denkt. Dieses kann sich jedoch aufgrund von Belehrung zu einem intelligenten Selbst entwickeln, das weiß wie es das den Herzenstrübungen unterworfene Selbst so fördern, reinigen, entwickeln und an höhere geistige Ebenen anpassen kann, daß die Selbsttrunkenheit, Eigenliebe oder Selbstsucht aufhört. Dadurch wird es mit Hilfe von Geistesgegenwart und Weisheit zu einem weisen, menschlichen Selbst. Wenn wir mit diesem Selbstmanagement noch weiter gehen wollen, dann müssen wir das Selbst zur Strecke bringen und es ganz und für immer loswerden.

    Metta hat drei Ebenen.
    Ein anderer Weg um das gleiche auszudrücken, ist es zu sagen, daß es ein Selbst gibt das selbstsüchtig ist, dies ist das niedrigste, das gewöhnlichste. Dann gibt es das Selbst das nichtselbstsüchtig ist, dies ist das Selbst der Geistesgegenwart, der Intelligenz, der Weisheit. Und schließlich gibt es ein hervorragendes, erhabenes Selbst, das selbstlos ist, dies ist das Selbst, das kein Selbst ist, das Selbst das an nichts und niemand als einem Selbst haftet. Eigentlich kann man dieses Selbst gar nicht mehr Selbst nennen. Bitte beachtet, daß die Sache mit dem Selbst ziemlich kompliziert ist weil es diese verschiedene Ebenen des Selbst und damit auch verschiedene Ebenen von Metta gibt. Es ist nicht leicht zu verstehen, denn nicht nur wenn wir Böses tun steckt das Selbst dahinter sondern auch wenn wir Gutes tun und spirituellen Verdienst ansammeln tun wir das mit Selbstsucht. Und sogar wenn wir am Guten und Bösen das Interesse verloren haben und das Selbst ein für alle mal ausschalten wollen geistert die Vorstellung eines Selbst immer noch durch unseren Kopf.

    Sauberes Metta und unsauberes Metta.
    Wenn wir es auf eine andere Weise betrachten können wir sagen, daß das selbstsüchtige Selbst eine Art Metta erzeugt das von den Herzenstrübungen verunreinigt ist, und daß das selbstlose Selbst zu einer Art Metta führt die sauber ist. Das Metta des Selbst muß als unrein angesehen werden, während das Metta der Weisheit die aus der Erkenntnis des Nicht-Selbst geboren wurde, sauber ist. Das natürliche Metta der Tiere wie es bei der Liebe einer Mutter zu ihren Kindern zu Tage tritt, entstammt der natürlichen Selbstsucht und ist nicht besonders sauber. Wenn es sich jedoch um das Metta eines Selbst handelt, das geschult und entwickelt wurde, dann ist es entsprechend sauberer.

    Damit wir Metta als Zuflucht oder Stütze verwenden können, müssen wir es läutern und reinigen.Wir müssen das Metta baden und sauber schrubben mit Hilfe von Intelligenz, Achtsamkeit und Weisheit. Dann wird es rein von Selbstsucht sein und zusammen mit der Kraft der Weisheit hilft es uns alle Dinge als Nicht-Selbst zu sehen. Wir hoffen, daß ihr aufgrund dieser Ausführungen euch selbst ein bißchen besser versteht und erkennen könnt, mit welcher Art von Metta ihr es zu tun habt. Ist es das Metta das aufgrund der Selbst-Vorstellung entsteht oder ist unser Metta frei von Selbstsucht? Oder anders gefragt, mit welcher Art von Selbst habt ihr es im Moment zu tun, handelt es sich um ein verunreinigtes Selbst oder um ein Selbst geleitet von Geistesgegenwart und Weisheit? Wenn es sich um dass Selbst der Herzenstrübungen handelt, dann ist es nicht sauber und hat eine Menge Probleme. Wenn es sich aber um das Selbst der Intelligenz handelt werden die Probleme weniger sein und die Verunreinigungen geringer. Aber es ist noch nicht völlig rein, weil immer noch ein Anhaften am Selbst vorhanden ist. Am Besten ist es wenn wir noch einen Schritt weiter auf eine höhere Ebene machen, wo wir die Selbst-Idee beenden können und Weisheit ihre höchste Ausbildung erfährt. Dies ist die höchste Form der Weisheit im Buddhismus, die, weil unbelastet von jeglicher Selbstsucht, alles als natürliche Elemente (Dhammas) sieht die keines Selbst bedürfen und die in ihrer Leerheit keine Bürde sind und kein Problem darstellen.

    [hr:88063b3d1e]
    Zum Abschluss ein Zitat, das in dem mir vorliegenen Buch steht.

    "Der Mensch ist eine Marionette der Natur,
    die wahrnimmt und denkt
    und sich törichter Weise einbildet,
    jemand zu sein"
    [hr:88063b3d1e]

  6. #5
    Avatar von Baumi

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Hallo Dutlek,

    vielen Dank auch von mir fuer diese Texte!

    Es ist mir schon oefter aufgefallen, dass die deutsche Transliteration nicht in der Lage ist, die thai Ausprache befriedigend wiederzugeben.

    Geschrieben in Thai = พุทธทาสภิกขุ und wird richtigerweisse Phut-tha-thad Phik-khu gesprochen.
    Ein Vorschlag zur Verbesserung: Warum nicht lange Vokale doppelt schreiben und sich damit darauf einigen, dass einfache Vokale kurz gesprochen werden?

    Phut tha thaad Phik khu

    Das waere ein erster Schritt, wie Du es uebrigens bei Wat Suan Mok-Kha-Blaa-Raam (วัดสวนโมกขพลาราม) auch gemacht hast.
    Ein zweiter Schritt koennte sein, Akzentzeichen fuer die Tonhoehe hinzuzufuegen.

    Etwa âa fallender langer Ton
    à tiefer Ton
    á hoher Ton
    ǎ steigender Ton
    a neutraler Ton
    Dann koennte man Phút thá thâad Phík khù schreiben. Diese Akzentzeichen lassen sich z.B. bei Word als „Symbol“ oder „Sonderzeichen“ einfuegen. (Falls diese Aussprache so nicht korrekt ist, bitte ich um Berichtigung)

    Ich persoenlich wuerde auch von der offiziellen Thai zu Englisch Transliteration abweichen und „k“ fuer aspiriert und „g“ fuer unaspiriert nehmen, anstelle des offiziellen „kh“ und dann „k“ fuer g. Aber daran haben sich ja schon viele –sicher nicht alle, vor allem die ‚Anfaenger‘ nicht- gewoehnt.
    Dass in der Folge die Pii Pii Inseln –offiziell Phi Phi geschrieben- immer wieder von solchen wie Fie fie ausgesprochen werden, scheint da ebenfalls kein Umdenken zu verursachen.
    Auf englisch ist sogar nicht nur Ph = F sondern auch Th keineswegs aspiriert sondern ein ganz eigener Ton. Die sind mit der offiziellen Transliteration sogar noch schlechter bedient.
    Aber das ist ein anderes Thema.

    Dass nun die korrekte Thai Aussprache etwa die korrekte Aussprache in Sanskrit widerspiegelt, daran habe ich –ohne es genau zu wissen- meine ernsten Zweifel.

    Ich finde es schade, dass ich noch keine Lautschrift gefunden habe oder dass eine solche nicht benutzt wird, mit der man diese buddhistischen Fachwoerter, wie Metta oder Asava in einer halbwegs dem indischen Originalklang entsprechenden Aussprache aeussern kann.

    Diese Unsicherheit ueber die richtige Aussprache ist m.M. nach ein grosses Hindernis bei der Verbreitung dieser Lehre, weil man sich einfach nicht gerne laecherlich macht, indem man sein Wissen ueber Dinge zum besten gibt, deren richtige Aussprache man noch nicht mal kennt.

    Dann sagt man lieber nichts, denn nichts waere peinlicher, als nach einem solchen 'Wort zum Sonntag' von einem Zuhoerer ueber die korrekte Aussprache dessen belehrt zu werden, was man gerade noch so 'wissend' von sich gegeben hat.

    Die Konsequenz ist, dass vieles, was gut und hilfreich in bestimmten Situationen ausgesprochen werden koennte nicht gesagt wird und man sich lieber auf schriftlichem Wege „unterhaelt“, weil man sich die Schreibweise ja abgucken und lernen kann.

    Ich finde es etwas schade, die Ohren als Instrument zur Aufnahme der Lehre so leichten Herzens auszusperren ebenso wie das Miteinandersprechen ueber diese Dinge, die vielleicht manchem wichtig sind.

  7. #6
    Avatar von dutlek

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Zitat Zitat von Baumi",p="808057
    ...dass die deutsche Transliteration nicht in der Lage ist, ...
    Nun ja, nicht nur deutsch, das duerfte keine andere Sprache schaffen. Thailaendisch laesst sich nur ueber die eigene Lautschrift richtig darstellen. Nachzulesen in den Thailaendischen Woerterbuecher. Ich persoenlich halte ueberhaupt nix davon sich auf irgendeine Lautschrift zu konzentrieren oder zu verwenden.


    Warum nicht lange Vokale doppelt schreiben
    Ist auch nicht immer einfach. Z.B. bei สวน (=Garten) ist das auch ein langer Vokal. Muesste dann suauan geschrieben werden. Das Khaos waehre perfekt, oder...


    Akzentzeichen fuer die Tonhoehe hinzuzufuegen.
    Was ne Arbeit, das bei jeder Silbe/Wort zu machen. Es soll ja Thailaendisch gelernt werden und nicht die deutsche Lautschrift zu perfektionieren.

    von der offiziellen Thai zu Englisch Transliteration abweichen
    Auf eine Transliteration sollte man beim Lernen ganz verzichten.


    wie Metta oder Asava in einer halbwegs dem indischen Originalklang
    Jedes Buddhistische Land hat seine eigene Aussprache, die sich nach der jeweiligen Landessprache orientiert. Warum die alte Aussprache des indischen kopieren? Dann muesste man alt-Indisch lernen


    Aber das ist ein anderes Thema.
    Genau, kann man sich anderorts darueber unterhalten.


    Um wieder zum Thema zuruek zukommen.
    Ich habe ein relativ umfangreiches Woerterbuch von diesem Moench (was ich bis gestern nicht wusste ). Darin erklaert er bestimmte Woerter und wie diese im Bezug zum Buddhismus stehen. Mal sehen, ob ich da was passendes finde, was interessant sein koennte...

  8. #7
    Avatar von Baumi

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Ja, ok.

    Ich weiss ja auch, dass das vom Stand- oder Sitzpunkt eines Buddhas aus alles total irrelevant ist. Aber wenn man liest, dann hoert man doch oft seine eigene Stimme im Kopf vorlesen, oder?

    Nur meine Stimme ist total weg, wenn mein Auge Woerter trifft wie: Nibba - peyya, "Ru - pajha - na, Akiñcañña - yatana trifft. Da gaebe es noch Beispiele zu hauf. Wenn das so ist, warum werden denn diese Transliterationen der Originalwoerter ueberhaupt verwendet und nicht statt dessen eine rein deutsche und damit aussprechbare und verstaendliche Terminologie verwendet?

    Wie spricht man 2 ypsilone hintereinander aus?? wie ein "Paj" mit folgendem "ha" ??? wie ein doppel"ññ"??
    Was ist ein "dh" ?? "Th"kenne ich aus dem Englischunterricht aber "dh" ??

    Warum diese Tendenz, die Begriffe unfassbar zu machen? Ist das nicht genau das, was Buddha nicht braucht?

  9. #8
    Avatar von dutlek

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Zitat Zitat von Baumi",p="808298
    warum werden denn diese Transliterationen der Originalwoerter ueberhaupt verwendet
    Wohl deshalb, damit jemand, der eine Fremde Sprache nicht lesen kann, diese dann doch lesen kann. Aus unserer Sicht ist das die Thailaendische Schrift. Nur eine englische/deutsche oder sonstwas Lautschrift ist da meistens mehr hinderlich als nuetzlich.

  10. #9
    Avatar von Baumi

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    Re: Buddhadasa Bhikkhu

    Nee, ich meinte, wie werden diese Fachbegriffe ausgesprochen? Und warum hat sich noch keiner die Muehe gemacht, diese Lautschrift mal detailliert zu erklaeren.

    Oder vielleicht liege ich ja auch falsch und das gibt's schon irgendwo, dann waere ich dankbar fuer den Link.

    Ansonsten an die Expaedde: Mein Tip: Kniet Euch da rein und verschafft der Lehre des Buddha Anhaenger, indem ihr die Ohren auch ansprecht und nicht nur die Augen.