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Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

Erstellt von i_g, 25.10.2009, 21:49 Uhr · 26 Antworten · 2.995 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von Joerg_N

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Ich glaube 5extourismus bezieht sich eher auf Bezahl5ex,
    und dann wird es meisst mit, fuer uns "exotischen " Laendern
    in Verbindung gebracht

  2.  
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  3. #22
    Avatar von Thaimax

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Zitat Zitat von Extranjero",p="789165
    Hinter dem Begriff 5extourismus steckt ein ekliger Rassismus und sonst gar nix. Denn es wird ein Unterschied konstruiert ob jemand im gleichen Kulturkreis bleibt oder nicht und letzteres als negativ hingegstellt.
    Das würde ich auch so sehen.

    Es suggeriert eine Überlegenheit der eigenen Ethnie, und eine überlegene, moralische Instanz gegenüber den betroffenen Ländern. Man tut so, als ob diese dumm und leicht ausnutzbar wären, von den Herrenmenschen.

    Eigentlich eh nicht so schwierig zu erkennen, wenn man nicht in irgendwelchen Denkschemata gefangen ist.

  4. #23
    Avatar von Micha

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Zitat Zitat von Extranjero",p="789165
    Hinter dem Begriff 5extourismus steckt ein ekliger Rassismus ...
    Da ist gewiss was dran.
    Nur, warum sollte das eine das andere ausschließen?
    Zitat Zitat von Extranjero",p="789165
    ...und sonst gar nix.
    Erwähnte Missgunst findest Du auch bei Situationen (siehe mein Beispiel im vorigen Beitrag), die mit Rassismus nichts und wieder nichts zu tun haben.

    Denn würden sich die Männer vorwiegend mit älteren und gleichaltrigen und nur mäßig attraktiven Asiatinnen abgeben, hätte das Thema 5extourismus bei weitem nicht den Stellenwert.

    Andererseits wird sich auch unter Einheimischen aus ein- und demselben Kulturkreis das Maul zerrissen, wenn Mann eine Frau hat, die wesentlich jünger und attraktiver ist als einer selbst. Einziger Unterschied, aufgrund des Mangels (im Land mit den ältesten Frauen der Welt) findet man letzt genannte Kombination vergleichsweise selten.

  5. #24
    Avatar von Joerg_N

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Zitat Zitat von Micha",p="789179
    aufgrund des Mangels (im Land mit den ältesten Frauen der Welt) findet man letzt genannte Kombination vergleichsweise selten.
    Das muesste dann aber Japan sein - mit den aeltesten Frauen

  6. #25
    Avatar von Micha

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Zitat Zitat von Joerg_N",p="789182
    Das muesste dann aber Japan sein - mit den aeltesten Frauen
    Japan ist in diesem Punkt - als einziges Land der Welt - mit Deutschland etwa gleichauf. Ob sie zudem in Japan auch noch einen vergleichbaren Männerüberschuss haben weiß ich nicht.

    Wie auch immer, Mann muss schon lange und intensiv suchen, um eine aus Männersicht vergleichbar ungünstige Bevölkerungsstruktur vorzufinden wie in Deutschland.

    Thailand ist da vergleichsweise immer noch ein Paradies.

  7. #26
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Hallo zusammen,

    um gegenueber diesem Thema - insofern passt der alte Artikel in diese Diskussion - den Blick zu schaerfen, haben wir uns vor Jahren ein ganz bestimmtes Buch vorgenommen. Wir werden feststellen, Literatur kann heftig sein, Literaturkritik sogar verletzend.

    Kaum ein Buch hat in den letzter Zeit die Gemueter so erhitzt wie Houellebecq’s "Plattform".

    Wir haben versucht, Pro und Contra – ohne Anspruch auf Vollstaendigkeit – abzuwaegen. Was Houellebecq’s Sprache kaum schafft, seine Kritiker bringen es:

    Sie bereichert unseren Wortschatz!


    Buchbesprechung:

    Thailand – «Plattform» für 5extouristen
    © H. & R. Pollmeier

    Muß man hellhörig werden, wenn ein Reiseunternehmen - Schwerpunkt Thailand - Michel Houellebecqs Roman «Plattform» vorstellt?

    http://www.ctt-reisen.de/buchbesprechung_plattform.htm

    Der Apologet der Prostitution und des 5extourismus sagt in der Zeitschrift ´Lire´: "finde ich sehr gut und ich weiß, dass ich Recht habe. Das ist doch eine gar nicht so schlecht bezahlte Arbeit. In Thailand ist es sogar ein ehrenhafter Beruf, die Thailänderinnen sind nett zu ihren Kunden und verschaffen ihnen viel Vergnügen."


    Die Buchklappe

    "«Plattform» protokolliert erbarmungslos ein Leben: Tristesse, Liebesglück und tragischen Tod.

    Der Erzähler Michel ist Beamter im Kulturministerium. Vierzig, farblos, frustriert und nach Dienstschluss einsamer Peep Show Erotomane und Experte im TV-Zappen. Die Urlaubspauschalreise ins Traumland Thailand verspricht diesem »ziemlich mittelmäßigen Individuum« paradiesisches Glück und Erlösung: 5exgenuss mit Asiatinnen. Die Mitreisende Valérie, eine erfolgreiche Managerin in der Tourismusindustrie, lernt er erst nach der Rückkehr ins lieblose Paris wirklich kennen und mit ihr ein tiefes menschliches Glück voller Obsessionen, und ohne Bezahlung.

    Zusammen erfinden Valérie und Michel ein rettendes Programm für die Reisebranche, die Plattform zum Glück: Wenn mehrere hundert Millionen alles haben, bloß kein 5exuelles Glück, und mehrere Milliarden nichts haben als ihren Körper, dann ist das »eine Situation des idealen Tauschs«.

    Michel und Valérie wollen die verlorene Liebesfähigkeit des Westens in neuartigen Ferienclubs organisieren. Aber das gemeinsame Glück, nach dem Houellebecqs Erzähler Michel verzweifelt sucht, wird bei einem terroristischen Anschlag in Thailand von Islamisten zerstört."

    Dieser Schnelldurchlauf erlaubt einen treffenden Einblick in den Inhalt des Buches. Aber der Leser, der sich auf Houellebecq einläßt, sollte mehr darüber wissen, was ihn erwartet. Das ist allerdings zwiespältig, denn die Meinungen der Kritiker klaffen ‚bei diesem harten Brocken’ weit auseinander von überschwenglichem Lob bis zum Verriß nach Strich und Faden.

    Polemik in der Debatte

    Wie in einem literarischen Schisma sind schon die Rezensions-Schlagzeilen über Houellebecq derb:

    ‚Die Leere der ......’ Freitag 13, ‚Brutal, drastisch und vulgär’ Freitag 38, ‚Liebe ist kein Kitsch’ Welt am Sonntag, ‚Letzte Ausfahrt Bangkok’ taz, ‚Der große Jammer’ Die Zeit, ‚Begeisterung für .....’ literaturkritik.de, ‚........ion als Ausweg’ titel-magazin.de, ‚Schmusen mit dem Rüpel’ Die Zeit, ‚Erniedrigte und Beleidigte’ NZZ, ‚Die Zukunft gehört dem 5extourismus’ Berliner Zeitung, ‚Skandal-Roman: Der Mann als 5extourist’ zdf.de,

    die Pressestimmen selbst gehen noch heftiger zur Sache:

    - "Houellebecq ist ein Trüffelschwein für Verletzungspotenziale."
    "Manche Schriftsteller ernähren sich vom Unglück, andere von der
    Hoffnung; Houellebecq ernährt sich von der Kränkung." - Jens Jessen
    in der Zeit vom 07.02.2002.

    - "Einen 5extouristen als Identifikationsfigur gab es bisher nicht." -
    Julia Kospach & Robert Treichler in Profil vom 11.02.2002.

    - "Die 5exuelle Befreiung machte die 5exualität zu einem freien Markt
    mit Unterprivilegierten, die nie zum Zug kommen, und ewig
    Begehrten, die am permanenten 5exuellen Leistungsdruck scheitern.
    Quasi »over5exed and under......« verbringen alle
    ab 30 ihr Leben »in einem Zustand ständigen Mangels«. Als
    beziehungstherapeutischen Heilsweg aus der Misere schlägt
    Houellebecq in »Plattform« den 5extourismus vor." –
    Julia Kospach in Profil vom 11.02.2002.

    - "Das Buch wurde - zu Recht, wie Interviews mit Houellebecq
    belegten - als Rechtfertigung des schmutzigen Geschäfts des
    5extourismus und gar der Kinderprostitution gelesen, seine
    jüngst wiederholten, peinlichen Ausfälle gegen den Islam brachten
    den Autor gar vor Gericht." - Richard Kämmerlings in der FAZ vom
    16.02.2002.

    - "Die Literaturkritik sitzt in einer solchen Situation natürlich in der
    Klemme. Was soll sie eigentlich besprechen? Das Buch oder den
    Autor?" - Julia Encke in der SZ vom 21.02.2002.

    Entscheiden wir uns zunächst für das Buch!

    Positive Interpretationen

    Wer den Sammelband "Das Phänomen Houellebecq" durchblättert, dem stechen hochtrabende Literaturphrasen nur so ins Auge: "Elend der spätliberalen Welt", "Abschaffung des Menschen" durch die Gentechnik, "Ausweitung des Klassenkampfes auf die 5exualität", Versagen der 68er, "Korrekturen an der Schönen Neuen Welt". Michel Houellebecq wird als Großliterat inthronisiert, er ist Neoliberalismus-, Hedonismus-, Globalisierungs-, Individualisierungs- usw.-Kritiker. Ein bißchen viel. Beschränken wir uns auf ein/zwei Punkte:

    Houellebecq ist ein Polemiker, der mit der Feder gegen die Welt der modernen Zivilisation zu Felde zieht. In «Plattform» hat er sich das Schlachtfeld 5ex ausgesucht, speziell den 5extourismus, den "dieses Genie der Bosheit" (Jens Jessen) brandmarkt und zugleich mit kruden Einzelheiten vorführt getreu seinem Leitspruch "Sei widerlich, aber sei wahr".

    Nach der 5exuellen Revolution ist die romantische Liebe in der modernen Gesellschaft eine Ausnahmeerfahrung, darum lenkt er primär seinen Blick auf die ’Looser’ der westlichen Welt. In «Plattform» finden wir sogar für diesen Autor ungewöhnlich viele glückliche Momente. Mit Valérie erlebt der Romanheld auf einmal, was er nicht mehr für möglich gehalten hat: Hingabe, Wärme, Opferbereitschaft, echte Liebe. Somit hätte ‚Der Spiegel’ recht: "In Wahrheit der erste Liebesroman von Michel Houellebecq." Im ‚Zeit-Gespräch’ mit Susanne Steines gesteht er: "Das Leben an sich ist ein Prozess des Scheiterns, es ist ein langsamer Verfall, der mit dem Tod endet.... 5ex wird man irgendwann einfach aufgeben müssen. Dann bleibt nur noch Morphium. So ist das. Leben ist Leiden."

    Houellebecq verfolgt konsequent die körperlichen Verrichtungen der Lust, das Mechanische in hoher ...........sfrequenz. Denn "außer während des Geschlechtsakts gibt es nur wenige Augenblicke im Leben, in denen der Körper vor bloßer Seligkeit überschäumt und durch das bloße Dasein auf der Welt voller Freude ist", heißt es an einer Stelle. In den ..........ischen Szenen ist alles in Ordnung, was Lustgewinn verschafft, denn die Geschlechtsorgane sind die "schwache Entschädigung" Gottes dafür, dass er uns "als törichte, grausame, sterbliche Wesen" geschaffen hat.

    Dirk Knipphals schreibt in der taz zu dem "metaphysischen .....grafen": ”Michel und Valérie bilden im Kontext dieses Romans ein ideales Paar. Ohne weitere Ansprüche zu stellen, ohne Eifersucht, ohne Beziehungsgespräche verschaffen sie sich freundlich und gekonnt gegenseitig Momente der Lust....Dafür gibt es derzeit wohl keinen anderen westlichen Schriftsteller, der sich so sehr von jedem psychologisierenden Diskurs fernhält wie er. Bei Houellebecq - und das ist wohl die größte Provokation - sind es allein die Körper, die zählen.“

    Wenn nach Susanne Steines "unter der scheinbaren Sachlichkeit einer quasiwissenschaftlichen Prosa ein romantischer Zorn gegen die Kälte der modernen Gesellschaft glüht", folgen wir auch Georges Schlocker: "Houellebecq, der als Verwundeter andere zu verwunden trachtet, kann man als Vorläufer eine poetischen Gestalt Baudelaires zuschreiben, die im Gedicht "Der Selbstquäler" von sich selbst gesteht: "ich bin das Messer und die Wunde."

    Aber es gibt auch andere Aspekte.

    Die negativen Gesichtspunke

    "Bei Michel Houellebecq kommt das Ressentiment wieder zu seinem Recht", schreibt Mirjam Schaub im "Freitag 50" mit Hinweisen auf Nietzsche:

    "In ´Jenseits von Gut und Böse’ scheint Nietzsche diesen Fall vorhergesehen zu haben: ´Die Menschen der tiefen Traurigkeit verrathen sich, wenn sie glücklich sind: sie haben eine Art, das Glück zu fassen, wie als ob sie es erdrücken und ersticken möchten, aus Eifersucht, - ach, sie wissen zu gut, dass es ihnen davonläuft.’ ‚Zur Genealogie der Moral’, Nietzsches Streitschrift von 1887, enthält die treffendsten Sätze über das Korsett aus Affekten, das Houellebecqs Texte zusammenschnürt: ‚Jeder Leidende sucht instinktiv zu seinem Leid eine Ursache; genauer noch, einen Thäter, noch bestimmter, einen für Leid empfänglichen schuldigen Thäter’. Statt Thesen findet man bei Houellebecq bloß Affekte, Attacken statt Analysen, allesamt feige Ausflüchte für ein zu kurz greifendes Denken. Er hat das Ressentiment und die damit einhergehende verlogene Mitleidsmoral wieder in ihr altväterliches Recht gesetzt, daher sein Erfolg."

    So hält Houellebecq den 5extourismus keineswegs für verwerflich. "Diese kleinen Thai-...... sind ein wahrer Segen, sagte ich mir; wirklich ein Geschenk des Himmels." Er lobt vielmehr überschwänglich die Fremdenverkehrsindustrie, geschickt die Organisation der Zuhälterei im großen Stil anzugehen: "Auf der einen Seite hast du mehrere hundert Millionen Menschen in der westlichen Welt, die alles haben, was sie sich nur wünschen, außer dass sie keine 5exuelle Befriedigung mehr finden … Und auf der anderen Seite gibt es mehrere Milliarden Menschen, die … nichts anderes mehr zu verkaufen haben als ihren Körper und ihre intakte 5exualität. … Das ist die ideale Tauschsituation." Der Westen hat das Geld, die ‚Dritte Welt’ den Körper. Dies ist zwischen allen Beischlaf-, Fellatio-, A-tergo- und Partnertauschszenen die zynische Kernaussage, "weil wir das Recht haben, uns zu vergnügen."

    Für die ‚armen’ Männer unserer neurotischen Zivilisation, die mit den emanzipierten Frauen – in seinem Buch ‚Elementarteilchen’ durchgängig nur als “.........“ bezeichnet - nicht mehr zurechtkommen, ist der 5extourismus – globalisiert - »die Zukunft der Welt« in einer 5exuellen Marktwirtschaft, auch wenn er im Zeit-Gespräch beteuert: “ Die Begierde an sich ist ekelhaft. Es ist ein kleiner Moment von Erregung, der dem Vergnügen vorausgehen soll. Wenn man befriedigt ist, begehrt man nicht. Deshalb schaffen Werbung und ..... die Legende, dass man nie wirklich befriedigt sein könne.“

    Und im aspekte-Interview: "Das ist ja schließlich kein Roman über Prostitution in Thailand. Was ich beschreibe, kann jeder Durchschnittstourist in Thailand tagtäglich beobachten. Utopien? Utopien habe ich keine. Meine Aufgabe ist es nicht, das 5exproblem des Westens zu lösen, sondern es zu beschreiben." Demnach ginge es Houellebecq um mehr als um einen reinen 5ex-Roman: Er bohrt solange mit dem Finger in der Wunde, bis wir unseren geheimsten Schweinereien ins Auge sehen.

    Die Sprache

    Kees van de Verschredderen (!) schreibt im Literaturmagazin für Verisse aller Art - http://www.lit-ex.de/litex57.htm - : "Verstünde Michel Houellebecq vom Schreiben soviel wie von ............, der Nobelpreis wäre ihm sicher... aber leider gehört er zur großen Gruppe von Autoren, die ihrem Weltbild sprachlich nicht gewachsen sind, und dem Roman schon gar nicht."

    Satire ist allerdings seine Stärke. Und so stellt Richard Kämmerlings in der FAZ vom 16.02.2002 auch treffend fest: "Im Satirischen, vor allem bei der Beschreibung der Thailand-Rundreise im ersten Teil, liegen die Stärken von »Plattform«. Die Gruppendynamik der zufällig zusammengewürfelten Reisegruppe beschreibt die angebotsorientierte Ökonomie des Wünschens und Begehrens - das ist mit glänzender Boshaftigkeit beschrieben." Er seziert Gruppenverhalten: “Gruppen, die aus mehr als zwei Personen bestehen, haben anscheinend die spontane Tendenz, sich in zwei feindliche Untergruppen aufzuteilen.“

    Es gibt keinen Humor, keine Ironie, keine sinnvollen Handlungsstränge, keine Sympathieträger, keine interessanten Fakten – der Text ist lapidar, leidenschaftslos-routiniert, spartanisch, oft vordergründig-trivial wie eine Diktion von belanglosem ‚Talk-Show’-Geschwätz und argumentativ auf der Ebene von ‚dirty talk’ angesiedelt. Der Text lebt nur auf, wenn in den häufigen Touristik-.....-Einlagen – meint er gar Entrüstungs..........ie? - 5exuelles, repetitiv, aber anatomisch korrekt, geschildert wird. Ganz selten tauchen essayistisch gefärbte Passagen, kaum poetische Einschübe auf; dann rührt seine romantische, sozusagen schülerhafte Naivität in ihrer pubertären Selbstgefälligkeit an. Wenn ein Autor krampfhaft versucht, metaphysische Löcher unserer materialistischen Weltsicht, entzaubert und zur Ware degradiert, durch erzählerische Mittel zu kitten, entstehen solche Romanleichen ohne erhellende Bilder. Houellebecqs Sprache hat keine Bilder; wenn er dadurch ausdrücken will, das Dauerfeuer westlicher Medien habe sie zerstört – dann allerdings kann man nicht widersprechen. So entstehten ‚Schwarzer Kitsch’ und Platitüden. Aber die stilistische Armut halten einige Kritiker für besonders raffiniert – eine Mischung aus Hardcore..... und Tourismuskatalog gab es halt bis dato nicht.

    Thailand ist austauschbar

    Über Thailand, seine Menschen, Kultur usw., erfahren wir nicht viel, thailändische Frauen erscheinen nur als wohlfeile Prostituierte. Thailand ist – wie die Wirklichkeit insgesamt - austauschbar; das perverse Idyll des ‚Eldorador Aphrodite Club’ könnte auch in Kenia, Indonesien oder auf irgendeiner Ferieninsel liegen, wohin einige Rezensenten den Handlungsort willkürlich verlagern, ohne offensichtlich das Buch gelesen zu haben.

    Wenn Houellebecqs Pauschaltouristen wie jämmerliche Karikaturen durch Thailand taumeln, haken sie nur ab, was sie zuvor in den "Reiseführern gelesen haben". Auch die Wunder werden künstlich erzeugt. "Und vergeßt nicht, irgendwo magische Augenblicke einzubauen", sagt der Touristikboss in «Plattform», bevor er sich wieder der "Berechnung von Festkosten" zuwendet. "Sprachheilpädagogen" “bevölkern seine Clubs, und das Einzige, worin sie sich unterscheiden, ist der Grad geheuchelter Liebe, mit dem die dunklen und hellen Körper gemäß der "angebotsorientierten Ökonomie" fusioniert werden (Thomas Assheuer)“. Nur ganz selten tauchen schwache poetische Ansätze auf wie z. B. bei einer Khlongfahrt in Bangkok, gelegentlich auch objektive Qualitäten wie bei den Schilderungen des 5extourismus in asiatische Länder, deutscher Urlaubermentalität oder den allgemeinen Lebenslügen des "modernen" Mitteleuropäers. Durchweg mangelt es aber an Naturbeschreibungen, an Metaphern oder packenden Vergleichen; der Autor neigt zu langweiligen Exkursen, sei es eine kurze Geschichte Thailands oder ein trockener Bericht aus der Tourismusbranche. Das bringen anspruchsvolle Reiseführer phantasievoller.

    «Plattform» ist ein Kolportageroman, meint Dirk Knipphals in der taz: “Das Buch lässt sich aber in gewisser Weise auch als Roman eines Spielverderbers lesen, so als wolle Houellebecq die Höhe der Debatten über ihn bewusst unterlaufen..... Zumindest schlagen alle Versuche fehl, «Plattform» mit dem Ansatz einen kritischen Gehalt zu unterstellen, hier werde dem 5extourismus ein Spiegel vorgehalten. Dafür ist Houellebecq viel zu wenig an der realen Situation in Thailand (und übrigens auch in Kuba) interessiert. Was ihn fasziniert haben muss, das ist allein die Idee, dass es hier guten 5ex zu kaufen gibt.“

    Das Versagen der Medien

    Houellebecq selbst beherrscht die Regeln des Wettbewerbs auf dem Buchmarkt ganz virtuos, denn er hat ausgesprochenes Talent, mit provozierenden Erklärungen die Medien auf Trab zu bringen; er wirft sozusagen das Hölzl, und die Meute apportiert – schwanzwedelnd. Darüber hinaus fanden sich deutsche Gefälligkeitsrezensenten, die die Stammeleien eines mit sich selbst unzufriedenen Beamten beflissen abgefeiert und seine “Radikalität“ in den literarischen Olymp gefaselt haben, ein Pawlowscher Reflex, der sie beim gleichzeitigen Auftreten einiger versauter Vokabeln in Verbindung mit “Mutter“ und “Tod“ zum Textbaustein “Meisterwerk“ greifen ließ.

    Die französischen Feministinnen und renommierten Autorinnen reagierten ambivalent, teils resigniert, teils wohlwollend. Isabelle Germain, Vorsitzende des Verbands unabhängiger Journalistinnen, sagte: »Die französische Presse ist von Phallokraten beherrscht. Warum sollten Männer, von denen die meisten selbst die Dienstleistung von Prostituierten in Anspruch nehmen, gegen die Prostitution ins Feld ziehen? Durch einen Autor wie Michel Houellebecq fühlen sie sich nur gerechtfertigt und jubeln ihn zum Medienstar hoch. Er spricht dem Durchschnittsbürger der Mittelklasse nach dem Mund. Und in dieser Beziehung reagieren eben auch die Redakteure als Durchschnittsbürger.«

    Allein Claire Brisset, »Défenseure des enfants«, Kinderschutzbeauftragte in der französischen Regierung und ehemalige Sprecherin des französischen UNICEF-Komitees, bezog in einem Freitag-Gespräch eine klare Position:

    "Es ist eine groteske Situation. Der Autor wird geradezu hochgejubelt. Die Medienmacher üben eine Art intellektuellen Terrorismus aus, statt ehrliche Kritik zu üben....Sein Frauenbild ist absolut degradierend, und sein Blick auf die Drittweltländer ist zynisch....In Thailand sind die meisten Prostituierten minderjährig. Sie werden von ihren Eltern an Maffiabanden verkauft oder einfach entführt. Sie werden gefangen gehalten und geschlagen, wenn sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen wollen. Sobald sie vom AIDS-Virus infiziert sind, schickt man sie in ihr Heimatdorf zurück. Dort werden sie wie Aussätzige behandelt und von ihren eigenen Eltern verstoßen. Die meisten sterben, bevor sie überhaupt erwachsen werden..... In Thailand werden die meisten Mädchen überhaupt nicht bezahlt. Es ist skandalös, Prostitution als Arbeit zu bezeichnen. Letzten Endes wird da nichts produziert. In meinen Augen handelt es sich um Ausbeutung, Menschenhandel und Versklavung. Schließlich sind die meisten der Prostituierten von einem Zuhälter oder einer Organisation abhängig. Seine Aussagen haben schon etwas Perverses. Wenn er sagt: »Meine 5exuellen Gelüste haben nichts Schockierendes«, das heißt doch nichts anderes, als dass alle Welt sich seinem Verlangen unterzuordnen hat. Und wenn er sich als Schriftsteller bezeichnet, der »die Leiden des Mittelstands« ausdrückt, grenzt das wohl an eine gewisse Selbstüberschätzung."

    Dazu muß man wissen: Für Houellebecqs "Guten Job" werden nach Schätzungen der UNICEF weltweit jedes Jahr ca. 2 Millionen Mädchen und Buben unter 18 Jahren in Aktivitäten der 5exindustrie, sei es ..........ie, Prostitution oder Kinderhandel gezwungen.

    Am Ende des Romans legt Houellebecq allerdings die Karten auf den Tisch und stellt sich seinen Zweifeln und seiner Zerrissenheit – ausgerechnet in Pattaya, der Stadt, die nach seinen Worten “gleichsam ein Sammelbecken ist für den Abschaum, eine Kloake, in dem die unterschiedlichsten Rückstände der westlichen Neurose angeschwemmt werden. “Welche Konsequenzen dies für sein Leben hat, bleibt offen.

    Auf seinen Rassismus, seine antireligiösen Ausfälle gegenüber dem Islam usw. gehen wir nicht ein; in Sachen Pädophilie nimmt er sich in Acht, obwohl er in einem Zeit-Gespräch äußert: "Ich kann alles sagen, ich bin in Mode. Es gibt allerdings Dinge, die würde ich nie sagen. Es wird immer noch ein Rest Intimität verbleiben. Man muss keine Angst haben, auch über intime Dinge zu reden. Denn es wird immer noch etwas übrig bleiben, das man gestehen könnte."

    Das läßt noch einiges erwarten – Houellebecq als Allround-Künstler! Das wäre perfekt ausgeklügelte Profitie.

    Biographie

    Michel Houellebecq wurde am 26.02.1958 auf La Réunion geboren . Sein Vater ist Bergführer, seine Mutter Anästhesistin. Mit sechs Jahren wird er seiner Großmutter anvertraut, deren Namen er als Pseudonym angenommen hat. 1980 erhält er ein Diplom als Landwirtschaftsingenieur. Er heiratet, ist arbeitslos, wird geschieden. Wegen Depressionen verbringt er längere Zeit in psychiatrischen Kliniken.

    1992 wird er Sekretär in der Verwaltung der Assemblée Nationale. Sein erster Gedichtband ‚La Poursuite du bonheur’ erscheint, für den er den ‚Tristan Tzara’-Preis erhält.1994 wird sein erster Roman ‚Ausweitung der Kampfzone’ herausgegeben. Außerdem arbeitet Houellebecq für mehrere Zeitschriften wie L’ Atelier du Roman, Perpendiculaires, Les Inrockuptibles.

    1996 erhält er für seinen zweiten Gedichtband ‚ Le sens du combat ´ den Prix de Flore. 1998 erscheint sein zweiter Roman ‚Elementarteilchen’, der in 25 Sprachen übersetzt wird, gleichzeitig “Interventions“, eine Sammlung von Kritiken und Chroniken. Er erhält den Grand Prix national des Lettres Jeunes Talents. Auf einer CD rezitiert Houellebecq seine Gedichte, die von Bertrand Burgalat und Jean-Claude Vannier musikalisch untermalt werden.

    Heute lebt Michel Houellebecq in Irland in der Nähe von Dublin, ist zum zweiten Mal verheiratet, hat einen Hund und ist Kettenraucher.

    Auf Deutsch sind 1999 die Romane ‚Ausweitung der Kampfzone’ und bei DuMont ‚Elementarteilchen’ erschienen. Zuletzt veröffentlichte DuMont die Essays ‚Die Welt als Supermarkt’. ‚Interventionen’ (1999), die Gedichtbände ‚Suche nach Glück’ (2000), ‚Der Sinn des Kampfes’ (2001) und ‚Wiedergeburt’ (2001) sowie die Erzählung ‚Lanzarote’ (2000). Der von Thomas Steinfeld herausgegebene Band ‚Das Phänomen Houellebecq’ (2001) beleuchtet die Diskussionen, die Houellebecqs Werk weltweit ausgelöst hat.

    Michel Houellebecq:

    Plattform. Roman. Übersetzt aus dem Französischen von Ulrich Wittmann. DuMont Buchverlag, Köln 2002. 338 Seiten, 24,00 EUR. ISBN 3832156305

    Weitere Quellen & Hinweise:

    http://www.single-dasein.de/kohorten...ouellebecq.htm

    Gruss
    Heinz

  8. #27
    Avatar von Micha L

    Registriert seit
    10.06.2007
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    9.314

    Re: Buchkritik: 5extourismus in Südost Asien von Berit Latza

    Zitat Zitat von Micha",p="789119
    Zitat Zitat von Micha L",p="789102
    Leute, die als Touristen vor allem auf 5ex aus sind? Schoenreden kann man das nicht.
    Warum sollte man?
    Etwas was schön ist, braucht man nicht erst schön reden. Wobei eigentlich jeder normale, gesunde Mensch "auf 5ex aus" ist.
    (Hätte es diesen mächtigsten aller Triebe nicht, wäre die Menschheit längst ausgestorben)

    Schön wird es erst durch die mannigfaltigen Möglichkeiten.
    Ich hab damit kein Problem damit, als 5extouri gehalten zu werden.
    Wohl eher, wer allein reist und keinen 5ex will. Gibts sowas ueberhaupt?
    Wenn ja, dann kommen zu Postkarten- und Hutverkaefern weitere laestige Angebote.
    Dann ist LOS m. E. das falsche Land.

    Gruss

    Micha

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