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Bangkok oder die Welt mit anderen Augen

Erstellt von Frank und Supaporn, 04.02.2019, 16:32 Uhr · 63 Antworten · 3.626 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Frank und Supaporn

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    Bangkok oder die Welt mit anderen Augen

    Jet Sip Rai und Father Joe - Bangkok von Insidern

    Jet Sip Rai bedeutet 70 Rai, es ist ein Flächenmaß, 8 Hektar.
    Der Slum erstand vor 50 Jahren als Wanderarbeiter aus dem Isaan und Nordthailand den Hafen ausbauten.
    An die 100.000 Menschen leben hier auf engstem Raum.
    Father Joe, mit richtigem Namen Joseph Maier, ist ein katholischer Redemptorist Priester.
    Er kümmert sich seit mehr als 40 Jahren um die Slum Kinder.
    Sein Mercy Center betreut auch AIDS-kranke Waisenkinder bei ihrem langsamen Sterben.

    Lesenswert!
    Schaut mal rein,bin auf Euere Kommentare und weiteres gespannt

  2.  
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  3. #2
    Avatar von hueher

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    Ja solche Slums gibt es leider in allen Megastädten der Erde, ob nun Bgkk, Lagos, Rio oder in Europa in Bukarest, die leidtragenden sind wie immer die Schwächsten, die Kinder ! Anfangs der 90er Jahre begegnete ich in Bukarest Pater Sporschill, einen Österreicher aus Vorarlberg der sich um die Strassenkinder und "Überbleibsel" der Ceaucescu-Diktatur kümmerte, Heime und Schulen baute usw......und sogar mit ihnen in den Kanal-Untergrund der Stadt teilweise lebte, ein toller Mann mit höchsten Respekt !
    Damals unterstützte ich sein Projekt mit Kleiderspenden aus Ö !
    Ich nehme an, dieser Father Joe ist ähnlich gestrickt? Und ja, es sollte viel mehr Unterstützung von Regierungen geben, aber die verschleudern lieber das Geld, wie hier in TH mit unnötigen Baumassnahmen für Hochgeschwindigkeitszügen und Megabahnhof, damit sich ein General Orden an seine Brust heften darf..................
    Dazu ein Wort von Sporschill: "Wer ein leben rettet, rettet die Welt"
    http://www.concordia.or.at/de/concordia/

  4. #3
    Avatar von waltee

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    Den Slum in Klong Thoy gibt es schon länger als 50 Jahre da meine Frau dort die Kindheit verbrachte nach der Landflucht ihrer Eltern aus Korat.

    Bevor ich sie kennen lernte lebte ich zwischendurch monatelang im Salam Din Daeng. Zuerst war ich selbstverständlich entsetzt über die Zustände, den Schmutz und den Gestank. Aber die Leute hatten Zusammenhalt und waren gut organisiert.

    In den Hütten, die manchmal so klein waren dass man tagsüber die Matratze an die Wand stellen musste um sitzen zu können, herrschte soweit wie möglich Sauberkeit. Auch die Kinder wurden gut betreut, einzig an ein zwei Flicken an der Schuluniform konnte man deren Herkunft erahnen.

    Sogar an den Gestank konnte man sich gewöhnen. Hingegen dass es keinen Ventilator in der Wellblechhütte meiner damaligen Freundin gab war hart. Also hatte ich mit meinem Schweizer Armee Messer eine Strom-Abzweigung gelegt und einen Padlom gekauft.

    Mit der Zeit habe ich mich auch sicher gefühlt, ich wurde weder bestohlen noch belästigt. Der Vater meiner Freundin war eine Respektsperson im Slum, er hatte viele Buddhas in seiner Hütte - und dafür viele Ventilatoren, hat aber keinen abgegeben.

    Wenn so dreijährige Mädchen mit einem Baby auf der Hüfte gekonnt über schmale Latten über der schwarzen Kloake liefen war mir manchmal schon mulmig zumute weil ich unsicher war ob mich die wackelige Konstruktion aushielt.

    Reingefallen bin ich nur einmal, als meine Freundin mit dem Tuk Tuk Driver labberte und ich nicht warten wollte (wg white horse ) und deshalb einen Weg von hinten ans Fenster der Hütte suchte - prompt war eine Geh-Leiste nicht festgemacht und weg war ich. Zum Glück nur hüfthoch.

    Es war irgendwie wie ein Dorf auf Stelzen über einem schwarzen See. Als ich aber mal einen längeren Weg ging kam ich an der städtischen riesigen Müllhalde vorbei und sah die Ärmsten in Lumpen welche auf diesem Abfallberg nach Verwertbarem suchten. z. B. Plastiksäcke und -planen wurden ausgegraben und danach gewaschen. Kinder sammelten Gummiringe, an ihren Armen aufgereiht, für 100 gab es einen Baht.

    Da wurde mir wieder bewusst wie privilegiert ich war/bin da ich jederzeit die Möglichkeit hatte/habe woanders hinzugehen.

    Der Slum wurde dann eingeebnet und hässliche hohe Wohnsilos mit kleinen Zellen errichtet. Jetzt musste Miete bezahlt werden und der Zusammenhalt, die Dorfgemeinschaft war dahin.

  5. #4
    Avatar von benni

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    Ich lebte einige Monate im Yanawa Slum/Bangkok. Dort in den Verschlägen und Hütten gabs so gut wie überall Fernseher, Ventilatoren, Kühlschränke, Bügeleisen, Musikplayer, natürlich Wasser, Strom, ein Kanalsystem...in den Hütten war es realtiv sauber, das Wasser zum Duschen, Zähneputzen i.O.
    Die Stimmung der Bewohner war meistens gut.

    Luxus, im Vergleich zu sogar normalen Geschäften und Wohnräumen in Kalkutta. Das sind karge, einfachste Löcher, in denen man nicht mal stehen kann.

    Geschweige denn Dakha, Lagos, Nairobi, Karachi etc

  6. #5
    Avatar von Schwarzwasser

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    Hallo,

    danke für den Tipp..ich werde ja März/April wieder in der Ecke sein. Jet Sip Rai hört sich für mich, was Fotografie abseits der Goldtempel angeht, sehr interessant an. Jedoch scheint es mir sinnvoll, da nicht ohne Thai-Begleitung oder Bezugsperson hinzugehen. Mal schauen. Ich habe Pater Joseph angeschrieben und angefragt, ob es denn möglich ist, mit ihm zusammen einen Besuch zu machen. Bin eh am überlegen, eine Patenschaft zu übernehmen und dieser Ort wäre wahrscheinlich die "beste Wahl", zumal ich eh jedes Jahr dort bin und dem Patenkind dann einen Besuch abstatten kann.

    Grüße

    Rainer

  7. #6
    Avatar von benni

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    dazu:Jet Sip Rai kann man besuchen und es ist auch nicht gefährlich, zumindest tagsüber. Ich bin aber etwas gespalten, ob man dies tatsächlich tun sollte. Die Menschen leben dort ihr eigenes Leben, und mit der Kamera um den Hals heraumlaufen um „exotische“ Bilder zu schießen ist so eine Sache. Es ist doch kein Menschen-Zoo. Jeder muss dies mit seinem eigenen Gewissen ausmachen. Ja, Jet Sip Rai ist auch Bangkok, wenn ein Besuch, dann mit Respekt und diskret verhalten, nicht wie ein Tourist im Grand Palace.

  8. #7
    Avatar von Schwarzwasser

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    Da hast Du völlig Recht. Aber dorthin verirrt sich niemand. Die meisten werden aus einem Grunde heraus dorthin gehen. Wenn Links wie oben das Thema in die Welt tragen, so helfen auch Fotos bekannt zu machen, dass ein Kilometer hinter der reichen Sukhumvit Elend und Hunger herrschen. Dann sind Besuche und Bilder legitim. Ohne vorherige Einwilligung würde ich derlei auch nicht tun. Ich bin ja nicht lebensmüde.

    In meinem obigen Beitrag habe ich ergänzt, dass ich die Möglichkeit schätze, mir persönlich die Geschichte eines Kindes anzuhören, welches dann eine bescheidene Unterstützung in Sachen Bildung erfahren kann. Auch denke ich bereits jetzt - noch einige Jahre von der Pensionierung entfernt - darüber nach, was ich mal Sinnvolles tun werde, wenn ich mal die deutschen Winter in Thailand verbringe. Und da könnte ich mir gut vorstellen, in solch einem Projekt mit meinem beruflichen Wissen in Sachen Nachhaltigkeit etwas zu bewirken oder auch Kinder bspw. in Englisch zu unterrichten.

  9. #8
    Avatar von Buddy

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    Klong Thoy….Da war doch mal was…..

    Es war 1990 als ich diesen Teil, Bangkoks kennen lernte. Meine erste „Große Liebe“ in Bangkok
    die ich in der „Soi Cowboy“ kennen lernte, kam von dort.
    Sie „wohnte“ zwar über der Bar, zusammen in einem Raum mit ca.15 anderen Mädchen, besuchte aber Ihren Vater jede Woche!
    Es war immer das gleiche, es mussten Rechnungen vom Vater bezahlt werden!
    Als ich das erste Mal mit Ihr dorthin ging, hat es mir nicht nur den Atem verschlagen, nein auch
    hatte ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend!
    Kinder riefen unaufhörlich „Farang…Farang…“Und es war ein beklemmendes Gefühl von allen Seiten, nicht nur von Kindern, angestarrt zu werden.
    Dann endlich nach einem langen Weg der teilweise über Holzstege und auch Betonstege führte kamen wir an Ihrem „Zuhause“ an!
    Das erste was auffiel, eine Art“ Gartentor“ geschmückt mit einer Mercedes Benz Radkappe!
    Dann eine halb im Wasser versunkene Küche und dahinter der „Wohnraum“ von dem man aus
    dem Hinterausgang sofort in ein „Klongboot“ steigen konnte! Was ich auch oft nutzte!
    Es wurden gerade die Holzstege nach und nach durch Beton ersetzt, nicht wegen der Sicherheit,
    sondern weil immer wieder das Holz der Stege zweckentfremdet als Bau und Brennholz verwendet wurde!
    Also in der Hütte war es wirklich sauber! Ein kleiner schwarz /weiß Fernseher zeigte mehr „Schnee“
    als ein vernünftiges Bild! Es wurde sofort vom Vater der Fan für mich eingeschaltet und die kleine
    Schwester ging mir eine Cola holen, was mir alles ein wenig Peinlich war!
    Aber es war eine freundliche Umgebung. Nach und nach kamen Freunde des Vaters um mich zu begrüßen und einige brachten etwas zu essen oder zu trinken mit!
    Ihr Vater zeigte mir einen Trick, wie man mit 2 Essstäbchen ein Glas gefüllt mit rohem Reis anheben kann (Kann ich heute noch)
    und es war wirklich eine überwältigende Freundlichkeit zu spüren und es wurde viel gelacht…Und auch getrunken!
    So kam es dann das ich dort auch einige Male übernachtete!
    Eine Decke auf dem Holzboden und ca.15 cm. darunter der Klong, der mit dem nicht zu überhörenden Wellenschlag und dem surren der Mücken den Schlaf einleitete!
    Ich bin dort -NIE – angemacht worden, es gab –NIE- eine gefährliche Situation auch bin ich nachts oft alleine bis zum Markt gelaufen um etwas einzukaufen…Alles ohne Probleme!
    Später erst, einige Jahre später, erfuhr ich dann das der „Klong Thoy“ eine sehr gefährliche Ecke in Bangkok sei!!
    Also ,unbedarft wie ich damals war, kam es mir selbst im Nachhinein nicht so vor!
    Vielleicht weil ich ohne Vorurteile und Angst mich ganz locker ohne Arroganz dort bewegt habe
    und auch zu allen freundlich war, ohne den „Reichen“ Farang raushängen zu lassen!?
    Es war,für mich,eine gute Erfahrung, das „Arm und Ungebildet“ nicht gleich Kriminell und Gewalttätig sein muss!
    Ich jedenfalls möchte Sie nicht missen!


  10. #9
    Avatar von chonburi

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Ich lebte einige Monate im Yanawa Slum/Bangkok. Dort in den Verschlägen und Hütten gabs so gut wie überall Fernseher, Ventilatoren, Kühlschränke, Bügeleisen, Musikplayer, natürlich Wasser, Strom, ein Kanalsystem...in den Hütten war es realtiv sauber, das Wasser zum Duschen, Zähneputzen i.O.
    ...dann hast Du auch nicht im Slum gelebt .

    Bei der Beschreibung obigen Komforts aus Sicht der (spaeten ?) 80er Jahre , waere moeglicherweise sogar der Begriff "Arbeitergegend" noch zu tief gegriffen ....auch wenn es sich ueberwiegend um Holzhuetten gehandelt haben mag...

  11. #10
    Avatar von Dieter1

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Ich lebte einige Monate im Yanawa Slum/Bangkok.

    Luxus, im Vergleich zu sogar normalen Geschäften und Wohnräumen in Kalkutta. Das sind karge, einfachste Löcher, in denen man nicht mal stehen kann.

    Geschweige denn Dakha, Lagos, Nairobi, Karachi etc
    Kairo haette noch gut in die Reihe gepasst, aber ansonsten hast Du vollkommen recht. Echtes Elend wie in diesen Orten findet man in Bangkok auch in den Slums eher selten.

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