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Andy, Franz und Harry

Erstellt von MadMovie, 28.08.2005, 18:17 Uhr · 299 Antworten · 21.109 Aufrufe

  1. #21
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    Re: Andy, Franz und Harry

    Ich meinte die



    René

  2.  
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  3. #22
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    Re: Andy, Franz und Harry

    8

    Pom trank nur Wasser und löffelte bescheiden eine Tom Kha Gung. Franz dachte schon wieder an die Verflossene von Harry, die immer fröhlich mitgezecht und mitgequalmt hatte.

    Ganz allmählich verblasste das Bild des Stunners Lily und Franz fand, dass Pom eigentlich nicht nur nett, sondern auf ihre Weise auch attraktiv war.
    Sie schien ihm auch den Fauxpas mit Patpong verziehen zu haben und plauderte mit ihm, immer wieder nach englischen Vokabeln suchend.
    Harry bezahlte (natürlich für die schon lange verschwundenen Studenten mit) und sie brachten Pom nach Hause.

    Franz erkannte die Soi Happyland und die Kreuzung mit dem 7Eleven wieder, verlor dann aber die Orientierung im Gewirr der nachtdunklen Sois. Suchte Harry seine Freundinnen jetzt nach geografischen Gesichtspunkten aus, weil er sich in Bangkapi ein wenig auskannte?
    Dann wurde Franz Zeuge einer Szene, die zum zweiten Mal an diesem Abend dazu führte, dass sich seine Kinnlade selbständig machte und nach unten klappte:

    Pom stellte sich auf die Zehenspitzen, schlang die Arme um Harry’s Stiernacken und schmatzte ihm einen Kuss auf den Mund.
    Dann huschte sie zum nächsten schmiedeeisernen Tor, nestelte ein Schlüsselbund hervor und rief: “See you tomollow, tilak!”

    Die Lage war also noch ernster, als Franz vorhin vermutet hatte.
    Als Harry grinsend wie ein Honigkuchenpferd wieder neben ihm im Taxi saß knurrte Franz: “Auswertung in meinem Zimmer! Das ist ein Befehl!”
    “Aye, aye, Sir!” Harry tippte Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand gegen die Schläfe.

    Am 7Eleven, den sie gerade passierten, mussten sie nicht halten, Franz hatte angeblich schon eingekauft, erinnerte sich Harry.
    Franz war an der Reihe den Taxifahrer zu löhnen und als bekennender kiniau gab er nur 10 Baht Trinkgeld.
    “Der Fahrstuhl ist wie immer der flinkeste Angestellte des Alexander Hotels!”
    “Gähn! Der Gag ist uralt, laß dir mal was Neues einfallen, Franz!”

    Harry machte sich frisch und klopfte dann wie angewiesen am gegenüber liegenden Zimmer an.
    Franz schenkte gerade in zwei Wassergläser Mekhong ein.
    “Nur nicht diesen thailändischen Proleten-Schnaps!” winkte Harry ab.
    “Komm’, hast du doch sonst auch immer gesoffen und deine im Koffer geschmuggelten Pullen waren immer alle, wenn ich danach fragte!”
    “Die Thaimädels mögen es nicht, wenn man vormittags mit einer Fusel-Fahne dort aufkreuzt!”
    “Papperlapapp! Du setzt dich jetzt dahin und trinkst einen!”
    Harry nippte gehorsam am Wasserglas.

    “Hast du nicht immer gesagt, bürgerliche Thaifrauen knutschen nicht in der Öffentlichkeit?”
    “Es war eine dunkle Ecke und Verwandte oder Bekannte waren nicht auf der Strasse”, verteidigte sich Harry.
    “Wir machen jetzt einen Lügen-Detektor-Test. Du antwortest ohne zu Überlegen mit Ja, Nein, einem Namen oder Datum - alles klar?”
    “Nein!”
    “Dann können wir ja anfangen. Du legst jetzt die Hände flach auf den Tisch und denkst an nichts. Das sollte ja nicht schwer fallen!”
    Harry war schon ein wenig angesäuselt und machte den Quatsch mit.

    “Wie heißt meine Mutter?”
    Harry antwortete ohne zu zögern.
    Es folgte ein ganzes Stakkato an Fragen zu seinem Einschulungstermin, Episoden, die sie gemeinsam erlebt hatten...
    “Hast du Pom gepoppt?”
    “Ja!”
    “Wann?”
    “Vorgestern!”
    “Hatte sie einen ........?”
    “Ja!”
    “Lügner!”
    “Nein!”

    Harry nestelte ein kariertes Taschentuch aus der Hosentasche und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. Dann nahm er einen Schluck Singha-Bier.
    “Wir drehen jetzt den Spieß um, Franz!”

    Der Angesprochene grinste vor sich hin und schenkte schon wieder Mekhong nach.
    “Die Hände auf den Tisch und die Antwort auf die Fragen nur denken und nicht sagen!”
    Franz lachte, war aber bereit, mit zu machen.

    “Wieviel ist 94+7?”
    Harry stellte in schneller Folge weitere Additionsaufgaben, die Franz alle im Kopf löste.
    “Jetzt ganz schnell: Denke an eine Farbe und ein Werkzeug!!”
    Franz griff zum Bierglas.
    “Du hast an Rot und einen Hammer gedacht, stimmt’s?”
    “Ja, genau!”
    “Klappt immer! - Langsam sollte ich in die Koje gehen!”


    wird fortgesetzt...

  4. #23
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    Re: Andy, Franz und Harry

    9

    Franz saß bereits am Frühstückstisch als Harry fünf Minuten später gut gelaunt durch die Lobby zum Restaurant schlenderte. Unter den Nachwirkungen des gestrigen Abends hatten beide als trinkfeste deutsche Junggesellen nicht zu leiden.

    Harry holte sich einen Kaffee, gebratenen Reis und ein Spiegelei vom Bufett.
    Franz prostete ihm mit einem Orangensaft zu: “Chock dii!”
    “Ja, und die anderen auch!”
    “Wie darf ich die ausgesprochen gute Laune bei dir als bekanntem Morgenmuffel deuten?”
    “Urlaub, Schmetterlinge im Bauch und grad oben im Business Room eine Email gelesen, die wieder etwas mehr Licht ins Dunkel bringt!”
    “Lässt du mich an deinem Glück ein wenig teilhaben?”
    “So lange du keinen flotten Dreier mit P..., aber lassen wir das! In der Email stand, der Name der Firma ist CSC, Communication Services und Andy ist da der Obermimer, der den Hut auf hat.” Harry nahm einen Schluck Saft und machte eine bedeutungsschwangere Pause.

    Franz stocherte in seinem Rührei.
    “Lass mich raten”, sagte Franz. “Der ist hier zum Studentenaustausch, wobei der in seinem Alter gute Beziehungen haben muss, und sucht nebenher Interessenten für das Produkt seiner Firma?”
    “So ungefähr läuft das. Ein neues Kommunikationssystem, könnte in Zukunft Telefonate und Videokonferenzen überflüssig machen. Wobei mir immer noch nicht klar ist, warum gerade hier. Er hatte doch Thailand immer für einen ........... auf der Landkarte gehalten?“
    “Die anderen Uni’s waren ausgebucht”, sagte Franz und trank seinen Kaffee aus.

    Die Kellnerin sammelte die Frühstückscoupons ein und Harry und Franz machten sich auf den Weg nach draußen.
    “Wir haben gar nicht besprochen, wo es heute hin geht”, quengelte Franz.
    “Wir kaufen dir ein paar schicke Hosenträger!”
    “Ich brauche keine!”
    “Egal, dann eben eine Handtasche! Widerstand zwecklos, es geht nach Pratunam!”

    Nach den 200 Metern Fußmarsch bis zur Ramkhamhaeng Road schwitzen sie bereits und der letzte Restalkohol hatte sich verflüchtigt. Harry hob den Arm und ein Taximeter stoppte.
    Während der langen Fahrt in die Innenstadt hing jeder seinen Gedanken nach. Franz dachte daran, dass er das nicht lange mitmachen würde, immer führten in Thailand die Weiber Regie.
    “Wie hast du Pom eigentlich kennen gelernt, Internet?” fragte er dann.
    “Na, ja, das habe ich auch versucht.
    Es gibt eine Internetseite, wo sich Thaifrauen vorstellen, die mit aller Gewalt einen Farang suchen. Da habe ich kaum Antworten erhalten, meist Frauen mit Kindern, dafür aber kein Englisch und keinen eigenen Computer. Irgendein Ulkvogel nannte das mal ‘Jagen im Streichelzoo’”.
    Franz lachte.

    “Das war aber nicht die Antwort auf meine Frage, alter Schwerenöter!”
    “Am ersten Tag ohne meine gewohnte Reiseleiterin fühlte ich mich wie ein Hund ohne Schwanz. Am zweiten Tag habe ich Orte aufgesucht, die ich schon kannte, unter anderem auch Pratunam. Ich bin in einen Laden rein und schaute nach Gürteln...”
    “Zwei Meter lange Gürtel hatte sie wohl nicht?”
    “Halt die Klappe, Franz! Ich bin nur zu klein für mein Gewicht. - Ich habe dann die nette Verkäuferin zum Abendessen eingeladen, weil ich nicht allein sein wollte.”
    “Die weitere Entwicklung ist rasant. Du bist ja jetzt schon weiter, als mit der Ersten nach anderthalb Jahren!” staunte Franz.
    Harry’s Gedanken eilten drei Tage zurück. Pom wollte sein Hotelzimmer sehen, nichts Ungewöhnliches eigentlich. Sie warf sich auf’s Doppelbett mit so viel Schwung, dass ihr Top hoch rutschte und Harry interessiert ihren Bauchnabel betrachtete.
    Er legte sich links daneben und verschränkte die Arme hinter dem Nacken.
    Nun war es beileibe nicht das erste Mal, dass Harry neben einer Thailänderin auf einem Hotelbett lag, aber Pom machte nicht den Fernseher an, sondern zog den linken Arm zu sich und legte ihre Hand auf seine.
    Allein für diese Geste war sie in Harry’s Augen schon zur Heiratskandidatin aufgestiegen. Dann begann sie ganz langsam, die Knöpfe des Hemdes zu öffnen und zupfte an der Brustbehaarung.

    Franz bemerkte das Grinsen in Harry’s Gesicht.
    “Schicken ist fön! - Hast du nicht immer gesagt, bürgerliche, saubere Thaifrauen hopsen nicht gleich in die Kiste?”
    “Pom ist anders. Sie weiß wenigstens, was sie will!”
    Franz war sich sicher: Harry würde die Rechnung präsentiert bekommen, wenn nicht in diesen Tagen, dann eben in ein paar Wochen oder Monaten. Und davor musste sein Freund bewahrt werden.


    wird fortgesetzt...

  5. #24
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    Re: Andy, Franz und Harry

    10

    Pom saß im Thaisitz in einer Ecke ihres Verkaufsraumes, starrte auf die Taschen, Gürtel und Rucksäcke und dachte über ihr Leben nach. Sie hatte genügend Zeit dazu, denn es war nicht viel los. Nur ab und zu schaute eine Kundin herein.

    Was war das nur für ein Leben? Früh morgens und abends musste sie Hausarbeiten erledigen. Die Mutter und die ältere Schwester behandelten sie nicht nur wie Aschenputtel, sondern auch noch wie ein kleines Mädchen.
    Sie durfte nicht einmal ohne Genehmigung ausgehen. Erst heute Morgen wurden ihr wieder Vorhaltungen gemacht, wo sie gestern so lange geblieben war.

    Ein Verehrer aus der Nachbarschaft hatte vor Jahren die Segel gestrichen, weil Mutter und Schwester hinter seinem Rücken schlecht über ihn redeten.
    Pom war gut in der Schule gewesen, sie hätte vielleicht studieren können, aber sie durfte nicht.
    Und dann das stupide Warten auf Kunden, Stunde um Stunde. Wenn die andere Kollegin frei hatte, verbrachte sie den ganzen Tag hier bis zum späten Abend. Es gab kaum Abwechslung, mal abgesehen von einem Schwätzchen mit anderen Verkäuferinnen, Kundinnen oder Freundinnen, die ab und an vorbei kamen.

    Pom dachte an den Farang und ein Lächeln umspielte ihr Gesicht. Der war zwar kein Traumprinz auf einem weißen Elefanten, aber sie hatte das Gefühl, die Lösung für alle ihre Probleme gefunden zu haben.
    Der Farang Hally war 20 Jahre älter als sie, ein wenig korpulent, schwitzte ständig... Sie spürte einfach, dass dieser Mann sie gut behandeln und nie schlagen würde. Ihr Vater hatte das getan - über ihn wurde seit zehn Jahren nicht mehr geredet.
    Sie hatte sich vorgestern ein paar Stunden frei genommen, um Hally ein wenig zu testen. Der war zwar ungeschickt, aber auch sehr zärtlich zu ihr gewesen.
    Wie so oft bei Thaifrauen hatten pragmatische Überlegungen Vorrang vor Emotionen. Sie hatte Hally gefragt, was er macht und wie viel er verdient.
    Er hatte es für sie in Baht umgerechnet, nicht ganz so viel wie Pom erwartet hatte, aber immerhin...
    Jeden Moment musste ihr Ticket in die Freiheit auftauchen...


    11

    Franz und Harry ließen sich an einer Fußgängerbrücke absetzen. Der Taxifahrer hatte Glück, denn heute war Harry mit Bezahlen dran und das bedeutete in der Regel mehr als zehn Prozent Trinkgeld. Mit einem freundlichen “Khop khun khrap!” brauste er davon.
    “Wohin jetzt?” fragte Franz, wartete aber die Antwort nicht ab, sondern stakste an den vielen Straßenständen vorbei und betrachtete die Auslagen.
    Harry hatte am zweiten Urlaubstag Fotos mit der Digitalkamera geschossen und orientierte sich jetzt anhand der Bilder auf dem Display. In so eine peinliche Situation, wie im vergangenen Jahr, als er anrufen und an sich einer Ecke abholen lassen musste, wollte er nicht wieder geraten.

    Er schloss zu Franz auf und dirigierte ihn in eine Seitenstrasse. Sein Kumpel hüpfte vom Bürgersteig auf die Strasse und wurde sofort von einem Auto angehupt. Franz ließ sich nicht beirren, nestelte umständlich seinen Fotoapparat aus der Tasche und machte seelenruhig einen Schnappschuss von den Baiyoke Towers I und II, die von hier aus gesehen scheinbar eng beieinander standen. Danach bedankte er sich nicht etwa bei dem Autofahrer, der geduldig gewartet hatte, sondern schimpfte - zum Glück auf Deutsch.

    “Die fahren mich noch mal über den Haufen, diese Chaoten, schlimmer, als in Berlin!”
    “Dschai yen, Franz - man fuchtelt nicht mit dem Arm und schimpft! Ach, was soll’s, die halten uns Farangs sowieso für Urmenschen.”

    Harry trieb Franz zur Eile an, er wollte zu Pom, der Frau, die sein Herz im Sturm erobert hatte. Harry verschwendete keinen Gedanken an die andere, die zwar immer mal wieder Wellen, aber keine Tsunami in seiner Brust erzeugt hatte.

    Noch eine Seitengasse, quer durch einen Laden, eine Treppe hoch - der sonst so flinke Franz konnte diesmal kaum folgen.

    Pom dachte gerade daran, die Lösung wäre es doch, einfach die Augen zu schließen und an einen dieser Schauspieler aus den Vorabendserien zu denken, wenn Hally sie überall berühren und küssen wollte.
    Da stürmte ihr potentieller Problemlöser mit dem Freund, den sie nicht leiden konnte, im Schlepptau herein. Farang, die zu zweit oder in größeren Rudeln auftraten, wirkten meist wie eine außer Kontrolle geratene Elefantenherde.

    Wenigstens war Hally gut erzogen, machte einen Wai, strahlte sie an und sagte “Sawadee khrap!”
    Franz hielt sich mit solchen Nebensächlichkeiten nicht auf - einen Wai machte man doch nur gegenüber Kellnern oder Klofrauen, nicht bei irgendwelchen Thaiflittchen, die bei Harry in ein paar Wochen nur noch im Email-Eingang eine Rolle spielten!

    Harry wusste, jede Thailänderin hatte etwa zweihundert Freundinnen und Bekannte. Bei Pom waren die Kontakte begrenzt, aber er musste es versuchen.
    “Wie geht es dir, tirak?”
    “Danke, gut!” strahlte sie und Harry spürte bei diesem Lächeln schon wieder Herzkammerflimmern.
    “Kann ich etwas für dich tun, tilak?” hauchte sie und Harry dachte schon über ein Heiratsvisum nach.
    “Ja! Du hast doch sicher eine Freundin, die an der Ramkhamhaeng Uni studiert oder kennst jemanden, der dort arbeitet?”
    Pom war gern bereit, Harry jeden Wunsch zu erfüllen...


    wird fortgesetzt...

  6. #25
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    Re: Andy, Franz und Harry

    Hm, keine Fragen und Kritiken, obwohl einige Klischees ein wenig übertrieben werden? :???:
    Ich verspreche euch, es kommen bald spannendere Folgen....

  7. #26
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    Re: Andy, Franz und Harry

    12

    Pom zückte ihr Handy und rief eine Freundin an. Harry wurde beschieden, Noi wäre in einer halben Stunde hier. Harry fragte erst gar nicht nach, was diese Noi an der Uni machte, Hauptsache war, sie stellte sich nicht zu dusslig an.

    Mit sorgenvoller Miene beobachtete Pom, wie Franz die Auslagen durcheinander brachte.

    “Liebste Pom, ich gehe mal schnell in ein Fotogeschäft, um die Bilder auf dem memory stick auf CD brennen zu lassen, okay?”
    Pom zog die Augenbrauen hoch.

    “Keine Sorge, tirak, ich bin in zehn Minuten zurück!”
    Franz machte keine Anstalten, mitzukommen.
    “Klagen können kommen, aber keine Kinder!” rief Harry auf Deutsch.

    Deine Sprüche waren auch schon mal besser, dachte Franz, durchsuchte weiter systematisch den Laden und ignorierte Pom, bis dieser es zuviel wurde und sie zu dem tollpatschigen Freund von Harry eilte.
    “What are you looking for, Fränz?”
    “Blue- white suspenders!”

    Thailand ist ein sehr servicefreundliches Land. Und so fragte Pom sofort nebenan nach, ob die Verkäuferin mal kurz aufpassen könnte und ging mit Franz zu einer Nische, wo auch Hosenträger verkauft wurden.
    Die junge Frau schüttelte den Kopf. Nein, blau-weiße Hosenträger habe sie nicht.

    “The colours of my soccer club?” beharrte Franz, aber ihm wurde nur mit einem Lächeln geantwortet, das Eisberge und Herzen schmelzen lässt, aber ihn in Rage versetzte.

    Pom musste wieder zurück und Franz trottete missmutig nebenher.
    “Ich glaube nicht, dass Harry dich nach Deutschland mitnehmen wird”, nuschelte Franz.
    “Why not?”
    “Er liebt immer noch die Chefin eines Frisiersalons in Bangkapi” - Franz nannte die Adresse - “und dich hat er nur , weil du” - er räusperte sich - “zugänglicher bist!”

    Pom kippte nicht wie erwartet aus den Sandalen, sondern tippte auf ihr Handy ein und lachte vergnügt vor sich hin.
    Es musste ein sehr lustiges Gespräch sein, denn Pom kicherte unentwegt.
    Mein Gott, dachte Franz, was sind das nur für Frauenzimmer, die sich über alles lustig machen, nur gut, dass er keine Thaifreundin hatte.

    “You want speak with her?” Manchmal konnte es auf der Arbeit richtig sanuk maak geben und Pom war dem Harry gar nicht mehr böse, dass er diesen komischen Franz hatte einfliegen lassen, warum auch immer.

    Sie war schon ein paar Jahre Kundin in dem Shop und hatte sich nur noch einmal bestätigen lassen, dass Harry dort schon lange nicht gesichtet worden war.

    Harry entdeckte derweil gerade neue Seiten an sich: Früher wäre es ihm nie eingefallen, eine Thailänderin einfach so anzuquatschen. Aber die kleine Süße auf der Rolltreppe war die einzige auf dem Weg ins Obergeschoss und er fragte einfach, ob ihr Name Noi sei.

    “Yes, I am”, hauchte sie und Harry begann schon auf dem Weg zu Pom’s Laden, sein Anliegen zu erläutern. Er zeigt ihr ein Foto von Andy und Lily und fragte sie, ob sie für ein geringes Entgelt bereit wäre, Nachforschungen anzustellen. Harry wunderte sich nicht, dass Noi Zeit hatte. Das gab es auch in Deutschland, dass es die Studenten mit der Regelstudienzeit nicht so genau nahmen.

    “Vely difficult, many many students at university, but I want to try!”

    Oh Mann, warum habe ich nicht gleich im ersten Urlaub diese Frauen kennen gelernt? fragte sich Harry.
    Die eine für die Liebe und zukünftige Haushaltshilfe in der Heimat, und die andere war sofort bereit, ihm zu helfen.


    wird fortgesetzt...

  8. #27
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    13

    Harry erklärte Noi gewissenhaft die Funktion der neuen Digitalkamera und stellte wieder einmal erfreut fest, welch schnelle Auffassungsgabe so ein Stupsnäschen hat.

    Franz hatte es inzwischen aufgegeben, weiteres Chaos im Laden anzurichten und mischte sich in das Gespräch von Noi und Harry ein.
    “Dass du keinen Profi engagierst, der zig-tausende Baht verlangt, verstehe ich ja noch”, sagte er auf Deutsch.
    “Aber warum überhaupt diese Aktion, Harry?” fügte er auf Englisch hinzu, damit Noi es auch verstand.

    “Es gibt Sachen, die man auch seinen Freunden nicht unbedingt auf die Nase bindet, Franz!”

    “I understand - you don’t understand?” sagte Noi lächelnd und Franz hatte wieder einen Grund, Thaifrauen unsympathisch zu finden.
    Was war nur aus seinem Kumpel Harry geworden, das war doch mal ein patenter Kerl, bevor der anfing, regelmäßig nach Thailand zu fliegen?
    Auf dem Balkon eines Hotels am Patong Beach ein Bierchen und die Aussicht genießen - das war okay - aber ständig mit einer einzelnen oder einer ganzen Horde Thaimädels durchs Land zu ziehen - Harry hatte echt ein Rad ab!
    Vor allem, was das für Unsummen kostete!

    Harry steckte gerade Noi einen 500-Baht-Schein zu und sie tippte seine Handy-Nummer ins Adressbuch ihres Mobiltelefons.

    Den Nachmittag verbrachten die beiden Urlauber damit, eine Bootstour auf dem Chao Phraya River zu machen. Hier wehte wenigstens ein angenehmes, etwas kühleres Lüftchen und Franz knipste wie besessen.

    Pom hatte mit ihrer Kollegin vereinbart, früher abgelöst zu werden, so lange der neue Farang-Freund im Lande weilte. Dass sie ihren Job ohnehin bald kündigen würde, wenn alles so lief, wie sie es sich vorstellte, behielt sie allerdings für sich.

    Abends trafen sich die drei in einem Seafood Restaurant in Bangkapi und Franz nörgelte, weil es hier nur Metalltische und Plastikstühle gab.
    Man hatte gerade Bier geordert und Wasser für Pom, als aus der Dunkelheit ein Gesicht auftauchte, das Harry kannte - er kam nur nicht auf den Namen.
    “I’m Aho - you remember me?” fragte sie und deutete einen Wai an.
    Harry kannte zwar die interessanten Lebensläufe einiger Freundinnen der Friseurmeisterin, aber an den von Aho konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. Man wurde eben alt!

    Pom bemerkte, dass es Franz hier nicht gefiel und da der Freund des Freundes als Gast König ist, fragte sie:
    “You want to go to Sukhumvit, Fränz?”
    Der Angesprochene nickte eifrig.
    Vielleicht konnte man mit der doch noch ganz vernünftig auskommen, falls Harry nicht so blöd war, die in die Heimat mitzunehmen.

    Harry bezahlte die Getränke und Pom stoppte ein Taximeter.
    Franz nahm vorn auf dem Beifahrersitz Platz und Harry genoss es wieder einmal, zwischen zwei schnatternden Thaimädels zu sitzen. So lange die nicht mao waren und dann in einem für Farang-Ohren schmerzhaften Frequenzbereich lachten, war es okay.

    “Your former girlfriend is sad, you don’t visit her!” sagte Aho.
    Warum sich mit Altlasten abgeben? dachte Harry. Er hatte sein neues Glück gefunden und tätschelte Pom’s Arm.

    “Please tell her...” setzte Harry an, aber eine Thai-Pop-Melodie erklang und Pom nestelte ihr Handy aus der Handtasche.
    Sie lachte während des Gesprächs und wurde, bevor sie aufgelegt hatte, von Aho auf Thai und Harry auf Englisch bestürmt, zu sagen, worum es ging.

    “Noi call me, we should have to come to Patpong, she have news, hi hi!”


    wird fortgesetzt...

  9. #28
    Avatar von Jim Thompson

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    Re: Andy, Franz und Harry

    Zitat Zitat von MadMovie",p="271386
    ...
    Ich verspreche euch, es kommen bald spannendere Folgen....
    Ja genau, wird sehr interessant :bravo:

  10. #29
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    14

    Das Taxi stoppte an der Soi, in der auch die Radio City Music Hall liegt, erinnerte sich Harry. Pech für den Taxifahrer, der ein langes Gesicht machte: Franz war dran mit bezahlen.

    Die beiden Mädels Aho und Pom rannten schnatternd vorneweg, so dass die beiden Farang Mühe hatten zu folgen. Harry war zum dritten Mal hier, natürlich interessierten ihn auch diesmal nicht die Bars und AGoGo’s - die Kunststücke der Artistinnen in Marilyn’s AGoGo in Pattaya hatten ihm seinerzeit die Schamröte ins Gesicht getrieben - sondern er nahm als bekennender Thailand-Liebhaber nur die besondere Atmosphäre in sich auf.

    Franz summte vergnügt “One night in Bangkok makes a hard man humble...” vor sich hin und schaute sehnsuchtsvoll auf die gefüllten Biergläser, die auf den Tischen der Strassenkneipen standen. Dabei wäre er beinahe mit einem tanzenden, bunt kostümierten Kathoey zusammen gestossen.

    “So viele Schwule habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen”, staunte Franz.
    “Kathoeys sind Transvestiten, keine Ahnung, ob die alle vom anderen Ufer sind”, belehrte ihn der einzige Thailand-Experte weit und breit - wenn man den Radius sehr eng zog.
    Plötzlich bogen die beiden jungen Frauen rechts ab und Harry sah, wie Noi ihnen zuwinkte.

    Der erste besorgte Blick galt der neuen Digicam, die noch in Ordnung war, dann schaute er in das hübsche Gesicht von Noi und bedauerte, sich wieder einmal zu früh auf eine fixiert zu haben.

    “Hallo Noi, wo sind Andy und Lily? Hier in der Nähe?”
    Aho, Pom und Noi kicherten um die Wette. Es war kein Verlegenheitskichern, wie so oft und überall auf diesem Planeten wussten die Frauen wieder einmal mehr als die Männer.

    “No Ändie, only Lily, I show you!”
    Und wieder lachten die drei weiblichen Wesen.
    “Kicher kicher grins”, sagte Franz auf Deutsch, aber niemand nahm Notiz davon.

    Noi zeigte zunächst auf dem Display der Digicam zwei Fotos: Lily und Andy auf einer Treppe - harmlos und nichtssagend.
    Das nächste Foto zeigte Lily, die hier in Patpong mit einem Farang sprach.

    Harry liebte es, den dritten Gedanken vor dem ersten zu äußern.
    “In diesem Urlaub, mein lieber Franz, läuft so einiges anders. Zum Beispiel fällt heute die Tagung in Zimmer 408 aus!”
    “Wieso das denn?” krächzte Franz wegen der trockenen Kehle.
    “Das wirst du gleich sehen!” Harry klopfte sich im Stehen auf den Oberschenkel. Mann, war das ein Urlaub!

    “Please speak English or Thai, tilak!” ermahnte ihn Pom.
    “I hope we can find Lily around here?” sagte Harry zu Noi.
    “I hope she’s still next Soi”, lächelte ihn Noi an.

    Sie machten sich auf den Weg und hatten tatsächlich Glück:
    Lily stand inmitten einer Gruppe schnatternder kichernder Thailadies und war ohne Zweifel der optische Mittelpunkt.


    wird fortgesetzt...

  11. #30
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    15

    Harry hatte sich seine Strategie längst zusammen gebastelt nach dem Motto: Lieber ein gesundes Halbwissen als gar nichts wissen.
    Dazu gehörte das gewissenhafte Studium der Thailand-Internetforen. Nicht alles war richtig, was da so geschrieben wurde, man musste nur die Spreu vom Weizen trennen.

    Ein stets auf Reisen befindlicher Mann, der jeden Baht zehnmal umdrehte, hatte geschrieben, dass viele Studentinnen so ihre eigene Methode hatten, das Studium zu finanzieren. Andy hätte vor zwei Wochen noch das Gleiche behauptet, befand sich gerade auf dem Umkehrschwung.
    Was für eine Gelegenheit!

    Lily verstummte und ihre Pupillen wurden immer größer.
    Sie drängte sich durch die anderen Thaimädels und stupste Harry den Ellbogen in die Rippen.
    “Please don’t tell Ändie that you found me here!”
    “Never khun Lily - how much for my friend next to me?”

    Harry war sonst nicht auf der Schiene, andere in die Pfanne zu hauen, aber heute machte es einfach Spaß.
    Lily ließ den Blick auf- und abwandern und sagte irgendeine Fantasiezahl, die ihr gerade einfiel:
    “5000 Baht!”

    Harry brauchte nur ein paar Sekunden, um alles das zu rekapitulieren, was er auf seinen Irrwegen gelesen hatte. Irgendwann, so wusste er, würde der Moment kommen, dieses rein theoretische Wissen einzusetzen.

    Ein Glatzkopf, der eine ganze Romanserie geschrieben und alles was nicht bei “Drei” auf der Palme war, auf Phuket gepudert hatte, handelte stets auf 700 Baht herunter. Das war allerdings drei Jahre her und man musste die Inflation berücksichtigen.

    Franz, der beruflich täglich mit Zahlen arbeitete, hatte sofort den genannten Betrag in Euro umgerechnet und mit dem Preis eines Hausbesuches einer polnischen Liebesdienerin, die auch Wangenküsschen gab, verglichen. Daher zückte er sofort die Brieftasche, aber Harry strafte ihn mit einem finsteren Blick.

    Man musste nicht unbedingt Praxiserfahrungen haben, um hier zu bestehen.
    “1500 Baht”, sagte Harry mit einem Seitenblick auf Franz.
    Dann flüsterte er etwas Lily ins Ohr - und da war es wieder, das Kichern der Thailadies im Chor.

    Franz hatte stets den näheren Kontakt zu Thailadies abgelehnt, aber angesichts des Stunners Lily geriet er nun ins Wanken.
    “Was soll das?” zischte er Harry ins Ohr.
    “Es ist nur zu deinem Besten, Franz, vertrau mir!”
    “Was haste ihr ins Ohr geflüstert?”
    “Dass du verborgene Qualitäten hast und sie auf ihre Kosten kommt!” lachte Harry.
    Das hier war besser als jede Seifenoper im Fernsehen.

    Franz lachte mit, was blieb ihm auch anderes übrig.
    “Okay, 5exy man, if you are so good like Hally told me, only 1500 Baht all the night!” sagte Lily und strahlte ihren Kunden an.
    Franz nahm sich vor, nie mehr all inclusive auf den Kanaren zu buchen, sondern regelmäßig nach Thailand zu fliegen.


    wird fortgesetzt...

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