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Andy, Franz und Harry

Erstellt von MadMovie, 28.08.2005, 18:17 Uhr · 299 Antworten · 21.087 Aufrufe

  1. #221
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    Re: Andy, Franz und Harry

    60

    Sanni neigte den Kopf und Harry wurde bedeutet, ihr die Goldkette umzuhängen. Er schob den Armreif über die schmale Hand und steckte der Braut den Ehering - wie er glaubte - auf den Ringfinger der linken Hand. Harry machte es einfach so, wie er es auf deutschen Hochzeiten gesehen hatte.

    Diese Berührungen und Sanni’s Lächeln würde er nie vergessen.
    War das nun die Trauungszeremonie gewesen?

    Harry erhielt ganz schnell die Antwort auf seine stumme Frage.
    Im Wohnraum des Hauses knieten sie nieder vor zwei goldfarbenen seidenen Kissen angesichts der Brauteltern. Sanni verneigte sich vor ihren eigenen Eltern und Harry tat es ihr gleich.

    Die Braut legte die rechte Hand auf das seidene Kissen und Harry zeitverzögert auch. Erleichtert stellte er fest, dass er hier nicht so schwitzte, wie im Gemeindesaal, obwohl die Sonne weiter gewandert war. Wahrscheinlich gewöhnte man sich an alles - auch an eine thailändische Hochzeitszeremonie, die kein Ende zu nehmen schien.

    Spannend war es auf jeden Fall, da Harry nie wusste, was als nächstes kam.

    Die Brauteltern knüpften eine weißen Faden um sein und Sanni’s Handgelenk und wünschten ihnen viel Glück für den gemeinsamen Lebensweg.
    Harry war nun in der Familie der Braut akzeptiert.

    Bevor die zahlreichen anderen versammelten Verwandten das gleiche tun durften, mussten sie erst Geld in eine große Schale werfen, stellte Harry erfreut fest. Würde das Geld am Ende dem Brautpaar ausgehändigt werden?

    Als alle durch waren, fühlte sich Harry wie der deutsche Schlagersänger Wolfgang Petry, der noch vor ein paar Jahren so viele Freundschaftsbänder trug, dass er den Unterarm nicht waschen konnte.

    Harry bekam zu den Knie- auch noch Rückenschmerzen.
    Endlich durfte er aufstehen und sich strecken!

    Draußen warteten Gäste, die später gekommen waren und auch die mussten alle mit einem Wai begrüßt werden.

    Harry erhielt jetzt endlich die Antwort auf die Frage, die er sich schon den ganzen Tag stellte: Wer denn nun die Trauungszeremonie leiten würde?

    Es war kein Mönch, sondern ein würdiger alter Mann aus dem Dorf.
    Sanni flüsterte ihm den Namen zu, aber das war ein Zungenbrecher.

    Draußen auf dem Parkplatz musterten Ed und Thip sorgfältig jeden Gast.
    Ein erneuter Überfall war zwar eher unwahrscheinlich - aber man konnte ja nie wissen. Zur Sicherheit hatten sie Verstärkung aus Bangkok angefordert, die sich unauffällig unter die Hochzeitsgäste gemischt hatte.

    Das Brautpaar bekam davon nichts mit und kniete nieder vor zwei Schalen mit kunstvoll arrangierten roten Rosen.

    Onkel Ton legte ihnen eine Blütenkette um den Hals - eine schöne Sitte, wie Harry fand. Auf Tahiti wurde man schon am Flughafen so begrüßt.

    Der würdige Alte nestelte einen weißen Faden aus seiner Hemdtasche und verknotete ihn zu zwei Schlaufen, die den Brautleuten auf den Kopf gesetzt wurden.
    “Sai sin”, flüsterte Sanni ihrem Bräutigam ins Ohr.

    Dies, und nicht die goldenen Ringe, wie in Deutschland, symbolisierte die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau.

    Danach tupfte der Greis seinen Zeigefinger in weißes Pulver und markierte drei Punkte auf Sanni’s und Harry’s Stirn.

    Die Braut streckte die Hände über dem goldfarbenen Kissen aus und Harry machte es ihr nach.
    Der Dorfälteste nahm ein Gefäß und goss Wasser über die Hände der Brautleute, das in die Schalen mit den roten Rosen tropfte.

    Der würdige alte Mann hielt eine kurze Ansprache, lächelte dabei Harry an und wandte sich dann an die Braut.

    Alle zahlreich erschienenen Hochzeitsgäste gossen ebenfalls Wasser über die Hände der Brautleute, bis Harry glaubte, nun bald Schwimmhäute zwischen den Fingern zu haben. Die Hände würde er sich heute vorerst nicht mehr waschen müssen!

    Harry fragte sich, was nun noch kommen würde.
    Sanni lächelte ihn an, hakte ihn unter und zog ihn nach draußen.

    Dort wartete Sita mit einem cremefarbenen Cabrio, bereit, sie zum Gemeindesaal zurück zu bringen, wo die Party steigen würde...


    wird fortgesetzt...

  2.  
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  3. #222
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Andy, Franz und Harry

    Jetzt hab ich doch glatt etwas feuchte Augen ....


    René

  4. #223
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    Zitat Zitat von Rene",p="289407
    Jetzt hab ich doch glatt etwas feuchte Augen ...
    Ein für René!

  5. #224
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    Für alle, die sich beschwert haben, dass es nur eine Fortsetzung pro Tag zu lesen gibt. Gerade eben fertig gestrickt...

  6. #225
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    61

    Harry und Sita mussten sich noch einen Augenblick gedulden, weil die Braut sich umziehen wollte.

    “Warum kommst du erst jetzt?” fragte Harry.

    “Sorry, Termine”, antwortete Sita.
    “War sicher eine nette Show für die Dorfgemeinschaft, hat aber keine rechtliche Bedeutung für dich.”

    Es war der bisher anstrengendste und schönste Tag in Harry’s Leben gewesen, aber Sita hätte er in diesem Moment an die Wand klatschen mögen.

    Sie würde gut mit Andy zusammen passen, zwei von gleichem Schrot und Korn. Und wieder kehrte ein Stück Erinnerung zurück, ein Bild aus diesem Urlaub:
    Franz tätschelte Sita’s Hand.

    Warum waren die beiden eigentlich kein Paar geworden? fragte sich Harry.
    Jetzt dämmerte es ihm: Die Frau war Franz ganz einfach zu tough gewesen!

    “Irgendwelche Probleme in letzter Zeit?” fragte Sita.
    “Nein”, antwortete Harry einsilbig.

    Sanni schritt in einem strahlend weißen, mit Rüschen besetzten Abendkleid die Treppe hinunter.
    “Let’s go to the party!” sang sie.

    Im Gemeindesaal und auf dem Festplatz hatte sich die Friseurmeisterin aus Bangkok ein wenig umgehört.

    Einige wenige konservativ denkende alte Damen waren der Meinung, dass die allseits beliebte Watsana einen jungen, gut aussehenden, vermögenden Thai hätte heiraten sollen. Es wurde aber auch hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass Watsana in Pattaya nun nicht gerade als Blümchenverkäuferin tätig gewesen war.

    Die meisten hatten Watsana als fröhliches, aufgewecktes, nettes Mädchen in Erinnerung und freuten sich darüber, dass sie nun heiratete.

    Immer, wenn Harry’s Vertraute das Gespräch auf den so plötzlich aus dem Leben gerissenen Amerikaner Mark brachte, wurde das Thema gewechselt. Entweder wusste man nicht viel oder man wollte darüber nicht reden.

    Das war der Haarkünstlerin eigentlich auch egal. Sie hatte mit Duang eine Top-Informationsquelle in Pattaya.

    Es gab ein paar junge Männer im Dorf, die hätten Watsana selbst gern geehelicht - allerdings vor zwei Jahren. Sie hatten alle einen Korb erhalten.

    Eine Amateurkapelle drehte die Regler voll auf zum Soundcheck.
    Harry war überrascht, wie gut die fünf jungen Männer und die attraktive Sängerin ihr Handwerk beherrschten und aktuelle Thai-Pop-Hits nachspielten.

    Zwei, drei Lieder kannte er sogar. Er hatte sie entweder im Urlaub gehört oder das Video in einem Thai-Restaurant in der Sonnenallee in Berlin gesehen.

    In Deutschland musste das Brautpaar den ersten Tanz bestreiten und Harry schwitzte schon bei dem Gedanken. Aber hier kannte man die Sitte wohl nicht. Die jungen Mädchen und Burschen vom Dorf tanzten bereits.

    Nach einem Singha-Bier, das, bevor es den Magen erreichte, verdampfte, fühlte sich Harry in der Lage, seine Frau zum Tanz aufzufordern.

    Die Thais wollten ja auch was zum Lachen haben. Harry tanzte in etwa so elegant, wie ein Bär, der gerade schlecht gelaunt aus dem Winterschlaf erwacht ist. Nach einem zweiten Bier tanzte er zwar nicht besser, aber er machte sich nichts mehr aus den witzigen Bemerkungen, die er ohnehin nicht verstand.

    Nach dem dritten Bier beauftragte der frisch gebackene, noch nicht legalisierte Ehemann, seine Frau und die Vertraute aus Bangkok damit, den umstehenden Männern sein Anliegen zu erläutern.

    Es sollten ein Sägebock, ein nicht allzu dicker Baumstamm und eine lange Säge besorgt werden. Farang baa, der wollte an seinem Hochzeitstag arbeiten. Auf solche Ideen wären manche der anwesenden Männer auch an normalen Tagen nicht gekommen.

    Die Thaimänner waren begeistert bei der Sache, weil man wissen wollte, was der Farang damit bezweckte. Nach wenigen Minuten hatte man einen Sägebock, ein Meterstück eines Baumstammes und eine Säge mit zwei Griffen besorgt.

    Harry forderte Sanni auf, an einem Griff zu ziehen. Gemeinsam mussten sie nun den Stamm durch sägen.

    “German wedding custom - husband and wife - first work together!” keuchte Harry und ihm rann der Schweiß von der Stirn wie heute morgen.

    Die Thaimänner hatten ihn ausgetrickst und irgendwo ein Stück Eisenholz aus Brasilien gelagert! Zumindest kam es ihm so vor.

    Sanni schwitzte ebenfalls und beschmutzte ihr blütenweißes Abendkleid mit Sägespänen. Sie machte tapfer mit und murrte nicht. Irgendwann schafften sie es tatsächlich, den Baumstamm durch zu sägen und die Gäste applaudierten.

    Wegen der Operation am Kopf und dem darauf folgenden Krankenhausaufenthalt hatte sich Harry vorgenommen, nicht so viel zu trinken. Aber auch das vierte Singha-Bier verdampfte sofort, ohne irgendeine Wirkung zu hinterlassen.

    Er umarmte Sanni und bedankte sich bei ihr.
    Die Schwiegermutter reichte Harry ein frisches Handtuch. Wie schade, dass er sich mit dieser netten Frau nicht verständigen konnte.

    Ein hübsches Mädchen, das Harry schon den ganzen Tag aufgefallen war und Sanni ähnlich sah, reinigte mit einer Bürste das Kleid der Braut.
    Jetzt fiel es Harry wieder ein: Das war Sanni’s jüngere Schwester, die zufällig auch den Nickname Pom trug.

    Harry nippte am fünften Bier und fragte Sanni beiläufig, wie es Pom in Bangkok geht.
    “Die ist am Boden zerstört. Ihr Visaantrag ist gerade abgelehnt worden!”


    wird fortgesetzt...

  7. #226
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    62

    Irgendwann im Verlaufe des Abends spürte Harry dann doch die Nachwirkungen des Krankenhausaufenthalts und wurde müde.

    Die aufmerksame Gattin bemerkte dies und fragte:
    “You look tired, you want to go to sleep?”

    Sita, die nur einen Whisky-Soda getrunken hatte, bot sich an, das glückliche Paar zum Elternhaus der Braut zu fahren, wo die beiden die Hochzeitsnacht verbringen sollten.

    Im Elternhaus von Sanni angekommen staunte Harry nicht schlecht:

    Tante und Onkel der Braut räkelten sich im Bett und grinsten sie an.
    Sie erhoben sich aus dem Bett und sagten lachend etwas.

    “They want to wish us fertility”, übersetzte Sanni.

    Jetzt entdeckte Harry auch viele seltsame Gegenstände auf dem Bett:
    Einen Sack mit Reis, Sesamsamen, Münzen, einen steinernen Mörserstößel, eine Schale mit Wasser - und auf der Bettkante hockte ein schwarzer Kater - lange nicht so wohl genährt, wie deutsche Katzen im Herbst.

    Wie sollte man in einem mit so vielen Gegenständen und einem Tier dekorierten Bett schlafen können?

    Sanni kam aus dem hong nam zurück und machte es vor:
    Einfach die Säckchen und den Stößel beiseite schieben und sich lang machen.

    Harry wusch sich, putzte sich die Zähne und war fest entschlossen, die Hürde Hochzeitsnacht auch noch zu nehmen - auch wenn er nicht mehr der Jüngste war.

    Als die junge Braut ihn am Kinn kitzelte, bekam der Bräutigam schon nichts mehr mit. Er lag bereits in Orpheus Armen. Der Tag war zu anstrengend gewesen.

    Vielleicht hätte ich doch einen Jüngeren nehmen sollen? seufzte Sanni.
    Nein, sie hatte in sein Herz geschaut und sich entschieden - der war nicht wie Mark.

    Sie würde sich erst sicher fühlen, wenn sie ihre Heimat verlassen hatte. Aber noch war es nicht so weit. Es lag noch ein bürokratischer Hürdenlauf vor ihr, hatte Sita gesagt.

    Über diesen Gedanken schlief Sanni ein...

    Als morgens der erste von der Vogelgrippe verschont gebliebene magere Hahn krähte, wachte Harry erfrischt und tatendurstig auf.

    Er schlich sich ins Bad und schüttete mittels einer Schöpfkelle kühles Wasser über den erhitzten Körper. In den letzten beiden Nächten hatte er erstmals in Thailand ohne Klimaanlage geschlafen.

    Harry rubbelte sich ab und schlurfte zurück zum Bett.

    Seine Frau weilte noch im Reich der Träume und schlummerte, zusammengerollt wie ein Stubentiger.

    In einer Ecke entdeckte Harry auch den schwarzen Kater, der von Mäusen und süßen Kätzchen träumte.

    Sanni erwachte, als sich jemand an ihrem Nachthemd zu schaffen machte.
    Sie blinzelte mit einem Auge: Okay, das ist der pua, der darf das.

    Richtig wach wurde sie, als mit ein paar Stunden Zeitverzögerung die Ehe endgültig vollzogen wurde. Sanni machte begeistert mit.

    Im Bad übergossen sich beide prustend und kichernd gegenseitig mit Wasser, rubbelten sich ab und nach einer zweiten Runde schliefen sie ermattet wieder ein.

    Im Erdgeschoss hatte man volles Verständnis für das junge Glück.
    Herr und Frau Suwanarat waren mindestens ebenso müde wie das Brautpaar, aber seit sieben Uhr schon wieder auf den Beinen, um aufzuräumen.

    In den letzten Tagen waren tausend Dinge zu organisieren gewesen.
    Und nicht zu vergessen: So eine Hochzeitsfeier war teuer.

    Indirekt hatte die Tochter Watsana ihre eigene Hochzeit finanziert, denn von den monatlichen Überweisungen aus Pattaya hatten sie immer ein paar hundert Baht beiseite gelegt für den Fall, dass eine der beiden Töchter heiraten würde.

    Das strahlende Paar stolzierte die Treppe hinunter und stürzte sich auf das Frühstück. Harry’s Schwiegermutter hatte von ihrer Schwägerin den Tipp bekommen, dem lukköi einen Pott Kaffee vorzusetzen - ein Farang brauchte das am frühen Morgen, dazu gab es Rührei, um den Mann wieder aufzupäppeln.

    Sanni wollte ihrem Angetrauten die Welt ihrer Kindheit und Jugend zeigen. Es war für sie ein Abschied auf unbestimmte Zeit. Irgendwann einmal, in ein paar Monaten oder Jahren würde sie zurück kehren...


    wird fortgesetzt...

  8. #227
    Avatar von ChangLek

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    Re: Andy, Franz und Harry

    .....habe alles vom 26.10. an nachgelesen. Habe mich hier, im Hause meiner Schwiegermutter, in Bangkapi an der Ramkanghaeng-Road eingeloggt..... :-)

    .....Spitze, mach so weiter

    .....sehe ich jetzt gerade: die Sommerzeit ist schon vorbei. 17:15 - 23:15.....

  9. #228
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    @ ChangLek,
    Zitat Zitat von ChangLek",p="289859
    Habe mich hier, im Hause meiner Schwiegermutter, in Bangkapi an der Ramkanghaeng-Road eingeloggt...
    Näher an The Mall oder Stadion (nur wenn ich fragen darf)?

    ...Spitze, mach so weiter
    Geht heute am späten Abend weiter - Showdown etwa Kap. 65...

    sehe ich jetzt gerade: die Sommerzeit ist schon vorbei.
    Ja, leider, jetzt muss ich auf dem großen Grundstück hier immer schon um 17 Uhr Feierabend machen, weil es dunkel wird. ;-D

  10. #229
    Avatar von ChangLek

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    Re: Andy, Franz und Harry

    .....The Mall, da gehe ich immer Schwimmen, oben auf dem Dach. muste mir extra eine Badekappe kaufen, sehe damit aus wie ein ueberdimensionierter Chinakracher mit Reibflaeche......

  11. #230
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    63

    Sita hatte in einer Pension in der Nähe übernachtet und rief Sanni an, ob sie noch gebraucht würde. Bisher war alles nach Plan gelaufen. Probleme gab es nur mit dem Ehefähigkeitszeugnis aus Deutschland. Sita erklärte gerade der Standesbeamtin in Harry’s Heimatstadt zum dritten Mal, dass nicht sie sondern eine andere Thailänderin den Mann ehelichen wollte.

    Es wurde wirklich Zeit, Harry einzuspannen, so kam sie nicht weiter.

    Um neun Uhr stand sie mit ihrem schwarzen Honda vor dem Haus der Familie Suwanarat und das Handy klebte an ihrem Ohr.
    Nebenbei wies sie an, dass drei Mann von der Spezialeinheit der Polizei wieder abgezogen werden können - die Gefahr war gering, dass hier noch etwas passierte; Ed würde als Bodyguard genügen.

    Das war, wie überall auf der Welt, auch eine Kostenfrage. Irgend ein Erbsenzähler im Ministerium würde darauf hinweisen, dass für diese Aktion zuviel Geld verplempert wurde.

    Sita hatte sich auf Sanni’s Wunsch hin für die komplizierte Variante “Yöremanie” entschieden und musste das auch verantworten.

    Das frisch gebackene Ehepaar ohne Trauschein stieg strahlend und verliebt in das bereit stehende Auto.

    Zunächst reichte die genervte Sita das Handy an den verdutzten Harry weiter.
    “Sprich du mit ihr!”

    Am anderen Ende der Leitung schnatterte eine Frau, die Harry kannte. Als er sich auf einem Irrweg befand, hatte er mit ihr diskutiert, welche Dokumente bei einer Eheschließung mit einer Thailänderin vorgelegt werden müssen und eine Beitrittserklärung gleich mitgenommen.
    Das war damals jedoch unter anderem wegen falscher Angaben aus Thailand im Sande verlaufen...

    Um den Nachweis zu erhalten, dass Harry in seiner Geburtsstadt seit 50 Jahren gemeldet war, musste die Standesbeamtin nur zwei Türen weiter zum Bürgerbüro gehen.

    Harry redete mit Engelszungen.
    Nein, er könne nicht mal eben schnell nach Deutschland fliegen, um vorstellig zu werden. Nach einem Unfall, Operation und Krankenhausaufenthalt wäre er nicht flugtauglich - übertrieb er ein wenig.

    Die freundliche Dame am Telefon sagte, dafür hätte sie Verständnis und sie würde sich mit übersetzten, beglaubigten Dokumenten, die man ihr per Email schon übermittelt hatte, zufrieden geben.

    Die Geburtsurkunde und das Familienstammbuch hatte eine Verwandte von Harry schon abgegeben, wie die verständnisvolle Standesbeamtin ihm bestätigte. *

    Sita schaute Harry fragend an.
    “Alles klar - ein, zwei Wochen, dann ist das Papier da!”

    Sita atmete tief durch. Irgendwie würde sie das hier noch durch schaukeln und jeder Widerstand stachelte sie nur umso mehr an.

    “I want to show you market place”, murrte Sanni.
    Sie fuhren etwa eineinhalb Kilometer weiter und vor dem nächsten Dorf sah Harry zahlreiche mit dunklen Planen überspannte Marktstände. Er schätzte, es waren mindestens einhundert.

    An einem der vielen Obst- und Gemüsestände lächelte ihn die kleine Schwester seiner Frau, Pom, an, die ungeachtet der gestrigen Feierlichkeiten schon seit dem frühen Morgen hier arbeitete.

    “You want to try turian fruit?” fragte seine Gattin und rümpfte das süße Stupsnäschen.

    Harry ließ sich nicht an der langen Nase herum führen. Am Stand lag gar keine stachelige Käsefrucht, weil die Ernte erst in den Monaten April und Mai richtig los ging. So lange würde er nicht mehr hier sein.

    Harry dachte gerade mit Schrecken daran, dass er vergessen hatte, einen deutschsprachigen Arzt zu konsultieren.
    Das musste er schleunigst nach holen und das sollte wohl in Bangkok oder Pattaya möglich sein.

    “I want to try mangosteen”, sagte Harry zerstreut.

    Mit der kleinen Pom, die mit flinken Fingern eine Frucht in mundgerechte Stücke zerlegte und ihm auf einem Teller präsentierte, hatte er gestern auch getanzt. Es war, als würde man eine Feder berühren.

    Sie schlenderten über den Markt, gefolgt von Ed, der alle Personen kritisch unter die Lupe nahm und Sita, die manchmal mit zwei Handys gleichzeitig telefonierte.

    Sanni kaufte Unmengen an haltbaren Lebensmitteln und Harry fragte wozu, das Fest wäre doch vorüber.

    “For my mother, she wants to give food to the monks every morning...”

    Am Nachmittag hieß es packen und Abschied nehmen, für Sanni von den Eltern und für Harry von den Schwiegereltern. Freundliche, einfache Menschen, die ein großes, unvergessliches Fest organisiert hatten.
    Onkel Ton kam vorbei und wünschte ihnen alles Gute.

    Harry versprach, in spätestens einem Jahr mit seiner dann amtlich bestätigten Ehefrau zurück zu kehren.

    Sita trommelte bereits auf das Lenkrad und schaute nervös auf die Armbanduhr. Sie hatte noch mehr zu tun, als diese beiden Turteltäubchen zu chauffieren. Und den Papierkrieg hatte sie auch unterschätzt.

    Unterwegs fragte Harry:
    “Da wir auf das Papier aus meiner Heimatstadt warten müssen, können wir doch noch eine Flitterwoche einlegen, oder?”

    Sita kannte die deutsche Vokabel nicht.
    “Was heißt das?”

    “Liebesurlaub nach der Hochzeit...”

    “Das kommt überhaupt nicht in Frage!” brauste Sita auf.

    Sie würde die beiden am liebsten in einer bewachten Wohnanlage in Bangkok einsperren und den Schlüssel fort werfen...


    * In Zeiten, wo es möglich ist, die Steuererklärung per Computer an das zuständige Finanzamt zu senden, sollte in Zukunft auch die Anerkennung per Email übermittelter Dokumente machbar sein. Da habe ich ein wenig vorgegriffen. Dass eine Thailänderin (selbst wenn sie für das Innenministerium arbeitet) nahezu alle Formalitäten im Vorfeld erledigt, ist realitätsfern, das habe ich mir ausgedacht. - Anmerkung des Autors

    wird fortgesetzt...

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