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Andy, Franz und Harry

Erstellt von MadMovie, 28.08.2005, 18:17 Uhr · 299 Antworten · 21.063 Aufrufe

  1. #211
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    @ Jim T.,
    Zitat Zitat von Jim Thompson",p="288751
    ...,denn die Mönche trugen Pistolen unter ihren safrangelben Kutten und eröffneten umgehend das Feuer

    Das hier ist doch eine Liebesgeschichte und nicht Abenteuer in Thailand

    Du machst es aber auch immer spannend.
    Wegen der einen gewonnenen Stunde ist das nächste Kapitel fertig - bringe ich heute Abend!

  2.  
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  3. #212
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    58

    Harry legte die Hände flach zusammen, um den Mönchen seinen Respekt zu erweisen. Die Zeremonie fand nicht im Hause der Braut statt, dafür war es zu eng hier.

    Die Mönche, Sanni und Harry, die Friseurmeisterin, Onkel Ton’s Familie und die halbe Dorfgemeinschaft setzten sich in Bewegung in Richtung des nicht weit entfernten Gemeindesaales, der für solche Anlässe genutzt wurde.

    Auf einer roten Stoffbahn an der Wand konnte jeder lesen, wer heute heiratete, in Thaischrift und auf Englisch: “Watsana and Harry”.

    Sanni und Harry knieten auf einer roten Matte nieder und der Bräutigam hoffte, es würde nicht allzu lange dauern, denn ewig würde er in dieser unbequemen Position nicht ausharren können.

    Harry musste sich jetzt ganz auf Sanni verlassen, um nichts falsch zu machen.

    Links vom ersten Mönch war ein Schrein mit einer Buddhastatue aufgebaut worden.
    Sanni flüsterte Harry zu, die Kerzen und die Räucherstäbchen mit seinem Feuerzeug anzuzünden. Der Bräutigam rutschte auf Knien vor, die Braut berührte dabei seinen Rücken mit beiden Händen.
    Anschließend verneigte sich Sanni drei Mal und Harry tat es ihr gleich.

    Harry rann jetzt schon der Schweiß von der Stirn, obwohl die eigentliche Zeremonie noch gar nicht begonnen hatte.
    Thailand ist ein zauberhaftes Land - nur an das Klima würde er sich nie gewöhnen.

    Der erste Mönch und Chef der Brigade hatte einen batteriegetriebenen Ventilator und hielt ihn sich vors Gesicht. Harry hätte alles, außer Sanni versteht sich, dafür hergegeben, um sich jetzt ein wenig abkühlen zu können.

    Der erste Mönch stimmte ein Lied an und die anderen acht sangen nach ein paar Takten mit.
    Harry bekam gar nicht mit, dass die Mönche nicht auf Thai, sondern Pali sangen.

    Viel wichtiger war die Frage, wie er hier mit seinen steifen Knien wieder aufstehen sollte. Nach einer halben Stunde schwor sich Harry, seiner Frau auf ewig treu zu bleiben, um nicht noch einmal so eine Zeremonie durch stehen zu müssen.

    Fleißige Helfer hatten im Rücken des Brautpaares dampfende Schüsseln mit Reis, Gemüse und Fisch bereit gestellt.

    Harry’s Taschentuch war inzwischen quietschnass und es gab nichts mehr, mit dem er sich hätte trocknen können.
    Noch war er nicht so weit, gegebenenfalls seine Braut für ein trockenes Handtuch, frische Wäsche und ein Glas Wasser einzutauschen - aber der Tag hatte gerade eben erst begonnen...

    Die Mönche beendeten den Gesang, wahrscheinlich weil sie hungrig waren.

    Harry wurden die Schüsseln gereicht und er verneigte sich vor dem ersten Mönch und stellte die verführerisch duftenden Speisen auf ein gelbes Tischtuch. Hm, das roch gut und Harry bekam Appetit auf ein kräftiges zweites Frühstück. Sanni dagegen durfte die Mönche nicht berühren und begnügte sich damit, die Hände auf Harry’s Rücken zu legen.

    Onkel Ton erbarmte sich und reichte Harry einen kleinen Ventilator.

    Die anmutige Braut erhob sich, als wäre sie schwerelos, von der Matte, auf der sie gesessen hatte. Harry fragte sich nicht erst seit heute, wie Thailänderinnen es schafften, stundenlang mit dem Po auf den Fersen dazuhocken. Wahrscheinlich musste man es von Kindheit an trainiert haben.

    Die Braut schaute ihren zukünftigen Ehemann mit großen Augen an und machte ein Handzeichen.
    Dann griff sie beherzt zu und hievte den Koloss - seit kurzem ein wenig schlanker - nach oben.

    Die Mönche, denen es nur erlaubt war, von morgens bis mittags zu essen, griffen beherzt zu. Sanni und Harry eilten nach draußen, um alle Hochzeitsgäste zu begrüßen. Harry genoss es, sich ein wenig strecken zu können. Er hätte gern ein paar Worte mit der Friseurmeisterin gewechselt, aber Sanni ergriff seine Hand und zog ihn weiter.

    Harry bedankte sich mit zusammengelegten Händen bei allen Gästen.
    Die neun Mönche hatten inzwischen alle Schüsseln leer gegessen und waren voller Tatendrang. Harry musste sich wieder in unbequemer Position auf die rote Matte begeben und der erste Mönch stimmte erneut ein Lied an.

    Wenn das wieder eine halbe Stunde dauert, dachte Harry, ist Sanni schon bald Witwe.

    Harry hatte Glück - so lange dauerte es diesmal nicht. Der erste Mönch hielt nach drei Liedern eine kurze Ansprache und Sanni flüsterte ihm ins Ohr:
    “The head monk want to wish us good luck and we don’t have to break the five precepts!”

    Harry wollte sich diesmal ohne Hilfe nach oben schrauben, aber Sanni winkte ab. Onkel Ton und seine Frau reichten ihm neunmal drei Lotusblumen, eine Kerze, drei Räucherstäbchen und jeweils einen Umschlag mit etwas Geld.

    Seine Braut bedeutete ihm, auf Knien von einem Mönch zum nächsten zu rutschen, um die Gaben zu überreichen - sie selbst durfte es ja nicht machen.

    Harry war ein bisschen verunsichert. Wenn nicht der erste Mönch ihn traute - wer dann?
    Der Chef der neun Mönche stimmte einen letzten Gesang an. Während dessen wurden Harry ein Glas Wasser und eine Schüssel gereicht.

    Der völlig dehydrierte Harry war dankbar für die Gabe und trank das Glas halb leer, bevor es Sanni gelang, es ihm aus der Hand zu winden.
    Harry wusste natürlich nicht, dass es hier darum ging, den Ahnen Respekt zu erweisen.

    “Gruat nam!” zischte Sanni. Sie nahm das halbvolle Wasserglas und goss den Rest des Inhaltes langsam in die Schüssel. Das wäre eigentlich Harry’s Aufgabe gewesen, der konsterniert zuschaute...


    wird fortgesetzt...

  4. #213
    Avatar von rudi

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    113

    Re: Andy, Franz und Harry

    MM einfach nur genial die geschichte....besonders die letzten zeilen da weiss man was mann schon so alles durchgemacht hat.....

    ich freu mich auf eine lange fortsetzung..

    mfg rudi :bravo:

  5. #214
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Andy, Franz und Harry

    da weiss mann was ich noch alles vor mir hab

    der

    Lothar aus Lembeck

  6. #215
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    59

    Der erste Mönch war damit beschäftigt, geheiligtes Wasser herzustellen.
    Dann nahm er ein Bündel Stäbchen, tauchte sie ins Wasser und besprenkelte das Brautpaar.

    Harry musste wieder mal mit den schmerzenden Knien von einem Mönch zum nächsten rutschen, um von jedem den Segen in Empfang zu nehmen.

    Sanni bedeutete ihrem Bräutigam, die Schüssel mit geweihtem Wasser am Buddha-Schrein abzustellen.

    Okay, dieser Part war geschafft. Harry fragte sich, was noch alles auf ihn wartete. Das Allerwichtigste war, den völlig durchgeschwitzten schwarzen Anzug und das weiße Hemd los zu werden.

    Die liebreizende Braut neben ihm ließ sich gerade einen Inhalierstift reichen.
    Jetzt wurde es wirklich Zeit, die Klamotten zu wechseln, bevor die künftige Gattin in Ohnmacht fiel!

    Das Brautpaar verabschiedete die Mönche mit zusammengelegten Händen.
    Bevor der erste Mönch auf den Pick-Up kletterte und ihnen noch einmal zuwinkte, gab Harry Onkel Ton ein Handzeichen.

    Sanni und die Haarkünstlerin aus Bangkok boten sich sofort als Dolmetscherinnen an und Harry verstand so viel, dass er ohnehin zurück zum Haus von Ton gehen müsse, um die “Wedding Parade” dort zu starten.
    Harry hatte wieder mal keine Ahnung, was gemeint war - er würde einfach mitmachen.

    Im Haus, in dem er die unruhige Nacht verbracht hatte, angekommen, stürzte der Bräutigam erst mal zwei Glas Wasser hinunter, stürmte ins Bad, duschte drei Minuten, rubbelte sich trocken und zog sich frische Sachen an.

    Auch ohne Jackett würde er am Abend vermutlich zehn Liter leichter sein.

    Onkel Ton wusste Rat. Er hängte Harry eine Seidenschärpe über die linke Schulter, ein gut erhaltenes Erinnerungsstück an die eigene Hochzeit.

    Was Harry ebenfalls nicht wusste: Onkel Ton hatte das Brautgeld von Sanni’s Eltern einkassiert, damit es in einer öffentlichen Zeremonie wieder übergeben werden konnte.

    Von Harry unbemerkt, war vieles organisiert worden, weil man davon ausging, dass der Farang die Sitten und Bräuche nicht kannte.

    Onkel Ton’s Familie übernahm weiterhin die Rolle von Verwandten des Bräutigams. Einige trugen Blumentöpfe, andere wieder Schüsseln mit Speisen. Zwei junge Männer hatten sogar Trommeln dabei.

    Der Zug setzte sich nun langsam in Bewegung, an der Spitze Onkel Ton und Harry. Die Leute hinter ihnen sangen und riefen etwas, das Harry nicht verstand.

    Auf halbem Weg zum Haus der Braut wurde der Zug von Sanni’s älterer Tante und Onkel in Empfang genommen und weiter geführt.

    Auf dem Vorplatz wurde die Parade gestoppt. Zwei Frauen versperrten den Weg mit einem silberfarbenen Band.
    Onkel Ton griff in die Innentasche seines Jacketts und gab Harry zwei Umschläge, die sie am Morgen gemeinsam gefüllt hatten.
    Harry musste schmunzeln: Diesen Brauch kannte er aus der Heimat, er wusste aber nicht, ob das immer noch so praktiziert wurde.

    Der Weg war frei gekauft, aber schon an der Treppe war die nächste Sperre.
    Ton gab ihm vier Umschläge. Aha, dachte Harry, es wird immer teurer!

    Im Flur des Hauses war ein gelbes Tischtuch auf dem Boden ausgebreitet worden. Die Begleiter des Bräutigams stellten Schüsseln mit Essen in zwei Reihen darauf, ließen aber Lücken frei.
    Die Mutter der Braut schaute sich das Arrangement an und ihre Helferinnen füllten die Lücken mit weiteren Schüsseln.

    Harry schaute mit großen Augen zu und nahm sich vor, der Dorfgemeinschaft am Nachmittag mal einen deutschen Hochzeitsbrauch zu präsentieren.

    Es wurde langsam Zeit, dass sich die Braut blicken ließ, aber sie kam nicht.

    Harry´s Vertraute aus Bangkok flüsterte ihm zu, die letzte Sperre wäre noch nicht bezahlt worden. Er hatte gar keine gesehen und schaute sich um.
    Tatsächlich - am Fuß der Treppe, die ins Obergeschoss führte, standen zwei lachende Frauen.
    Ton hatte nur noch vier Umschläge, die den Besitzer wechselten.

    Onkel Ton fragte etwas und die Friseurmeisterin übersetzte:
    “How much we have to pay for the dowry?”
    Harry schüttelte den Kopf. Das war doch schon bezahlt worden!

    Die Brautmutter erwiderte etwas, das ebenso schnell übersetzt wurde:
    “49999 Baht und six Baht gold jewelry!”

    Harry befand, dass ein Baht Trinkgeld (er hatte ja ursprünglich 50000 Baht gegeben) für den Mann, der hier an vorderster Front für ihn kämpfte, ein bisschen wenig war und nahm sich vor, das gleich morgen aufzustocken.

    Onkel Ton nahm das Brautgeld aus dem Umschlag und legte die Scheine in eine Schale, dazu die goldene Halskette und den Ring.
    Die Brautmutter schüttelte den Kopf. Harry erhielt einen Rippenstoß.
    Was fehlte nun schon wieder?

    “More gold!” zischte Ton ihm zu.
    Harry hatte in Bangkok noch einen Armreif und eine weitere Halskette gekauft und zum Glück nicht vergessen.

    Als auch diese zwei Schmuckstücke in der Schale glänzten, waren alle zufrieden, aber diese Zeremonie noch lange nicht zu Ende. Onkel Ton entnahm einem Beutel getrocknete Blütenblätter und streute sie über das Brautgeld und den Goldschmuck.

    Sanni’s Mutter raffte alles, außer dem Goldschmuck, zusammen und tat so, als wolle sie damit durch brennen - was für große Heiterkeit bei den Zuschauern sorgte. In Wirklichkeit brachte sie es nur an einen sicheren Ort im Hause und kam sofort zurück.

    Die Braut schwebte wie eine Prinzessin die Treppe herunter und Harry war froh, Sanni endlich wieder zu sehen. Sie trug immer noch das zartlachsrosafarbene Gewand und Harry wünschte sich, sie in einem weißen Kleid zu sehen. Auch dieser Wunsch sollte ihm im Verlaufe des längsten Tages seines Lebens noch erfüllt werden...


    wird fortgesetzt...

  7. #216
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    @ rudi, big_cloud and all,

    hier die Links zu den Info´s die ich u. a. verwendet habe:

    Hochzeitsbräuche

    Hochzeitstag

    Der junge Thai Gor schildert ausführlich und anschaulich gleich zwei Hochzeiten: Die seiner Eltern und die eigene.
    Falls der erste Link nicht funktioniert, bitte bei weddix.de auf "Hochzeitsbräuche" und LOS klicken!

  8. #217
    Avatar von Lao Wei

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    Re: Andy, Franz und Harry

    Ohhh Mann.... .

    Jetzt weiss ich ja schon mal, was im Februar alles auf mich zu kommt. Dann holen wir unsere buddistische Hochzeit auf´m Lande nach

  9. #218
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    @ Lao Wei,

    das wird wohl in China ein bisschen anders sein, nehme ich an :keineahnung: :

    Hochzeit in China
    Alles Gute für dich und deine Verlobte! Ich bin im Febr. ´06 im LOS!

  10. #219
    Avatar von Lao Wei

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    Re: Andy, Franz und Harry

    Alles Gute für dich und deine [highlight=yellow:5091dbcba4]Verlobte[/highlight:5091dbcba4]!


    Danke fuer die Gruesse
    Allerdings sind wir seit dem 7. Oktober bereits verheiratet. ;-D

  11. #220
    Avatar von MadMovie

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    Re: Andy, Franz und Harry

    @ Lao Wei,
    Glückwunsch, nachträglich!

    Du hattest ja auch mitgeteilt
    Zitat Zitat von Lao Wei",p="289166
    Dann holen wir unsere buddistische Hochzeit auf´m Lande nach

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