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Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

Erstellt von MadMovie, 05.02.2005, 17:32 Uhr · 170 Antworten · 12.646 Aufrufe

  1. #41
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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Kapitel 7

    Als Nong erwachte, saß sie in einem Ledersessel und ein Steward machte einen Wai vor ihr.
    “Ich hoffe, es geht Ihnen wieder besser, Khun Pittayarat?” sagte dieser freundlich lächelnde Mann im akzentfreien Thai.
    Nong kniff sich sofort in den Arm und sah dabei die roten Male der Handfesseln, die sie vor kurzem noch getragen hatte.
    Das konnte nur ein Traum sein!
    Der Schmerz in ihrem linken Unterarm und ein Blick auf die finsteren Gesellen, die nicht weit entfernt von ihr Platz genommen hatten, belehrten sie eines Besseren.
    Aber was sprach dagegen, die neue Situation auszunutzen? In Thailand würde man sie vielleicht wieder in irgendein Loch pferchen. Mit Schaudern erinnerte sie sich an den kalten, feuchten Berliner Keller und den engen Blechcontainer.
    “Es geht mir wieder besser, danke! Etwas Som Tam, Khao Pad Gai und ein Glas Wasser!”
    “Kommt sofort”, sagte der Stewart lächelnd und verbeugte sich wieder.
    Es dauerte nicht allzu lange, da kam der freundliche Mann mit dem blütenweißen Jackett und den goldenen Knöpfen mit einem gut gefüllten Tablett wieder.
    Wie hatte sie den Geschmack von Som Tam vermisst!
    “Wem gehört denn dieses schöne Flugzeug?” fragte sie beiläufig den Steward.
    Nong kannte sich mit Flugzeugen nicht so gut aus, aber die edle Innenausstattung ließ darauf schließen, dass es sich um eine Gulfstream handelte.
    Wer sich so etwas privat leisten konnte, war unermesslich reich.
    Ihre Frage wurde mit einem Lächeln quittiert.
    Einer der finsteren Bodyguards erhob sich, vermutlich, um zur Toilette zu gehen.
    “Stell’ nicht zu viele Fragen, wenn dir dein Leben lieb ist!” raunte er im Vorbeigehen.
    Nong ließ sich in ihrem Gedankengang nicht stören. Wenn der Auftraggeber so reich war, waren die paar Millionen Baht, die er von ihrer Familie erpressen konnte, so gut wie nichts. Es musste einen anderen Hintergrund geben...
    Nong lief wieder ein kalter Schauer über den Rücken. Sie wagte nicht, den Gedanken konsequent zu Ende zu denken.


    Peter und Bernd hatten in Windeseile gepackt und es gerade noch rechtzeitig zum Flughafen Tegel geschafft. Der Check-In-Schalter wollte gerade schließen. Nach einem kurzen Flug nach Zürich und dem Umsteigen ohne lange Wartezeiten hatten sie es sich jetzt im Airbus bequem gemacht.
    “Du musst jetzt ganz tapfer sein, lieber Freund”, flüsterte Peter.
    “Nachtigall, ick hör dir trapsen!” Bernd hatte es geschafft, in der kurzen Zeit in Zürich ein Bier zu inhalieren.
    “Ich werde zunächst alleine zur Familie fahren...”
    “Dass du mich für die Drecksarbeit brauchst, die garantiert anfällt, war von vornherein klar. Ick danke dir für deine Feinfühligkeit!”
    “Sei bitte vorsichtig, du kennst das Land und die Gegebenheiten nicht.”
    “Da wär ick mir nicht so sicher!” Bernd tat so, als ob er von einem Hustenanfall geschüttelt wurde und Peter hatte es geschafft, seinem Freund in einer Minute zweimal vor den Kopf zu stoßen.


    wird fortgesetzt...

  2.  
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  3. #42
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Fortsetzung Kapitel 7

    Nong hatte geglaubt, man würde auf einem kleinen Flugplatz in Kambodscha landen und sie, eingesperrt in einen Container, was bei der Hitze bestimmt nicht angenehmer als in Berlin wäre, über die Grenze bringen.
    Sie erkannte am Fenster die vorbei huschenden Golfplätze am Don Muang Airport. Sie landeten auf einem für Privatjets reservierten Rollfeld. Ihre Bewacher machten sich nicht einmal die Mühe, ihr die Augen zu verbinden.
    Auf der schmalen Gangway kam ihr der Gedanke nach Flucht. Was würde passieren? Man würde ihr mit schallgedämpfter Pistole ins Bein schießen, so dass sie als Geisel noch brauchbar war, aber nicht mehr weglaufen konnte.
    Vielleicht hatten die für so einen Fall sogar Betäubungsgewehre an Bord.
    Sie rechnete inzwischen mit allem.
    Für das weit entfernte Flughafenpersonal würde es wie ein Sturz aussehen.
    Keine Chance! Heute noch nicht, seufzte Nong.
    Aber sie wusste immer noch nicht, was eigentlich gespielt wurde...


    Bernd hatte sich mittlerweile damit abgefunden, dass er hier undercover arbeiten musste und Peter ihn verleugnen würde. Es war ihm recht so und entsprach in gewisser Weise seinem Arbeitsstil. So trennten sie sich schon am Gepäckband und vereinbarten einen Treffpunkt in einem Hotel in der Sukhumvit Road. Nachdem die Handys umgerüstet waren, würde man danach telefonisch in Verbindung bleiben.
    Bernd hielt es wie immer, auch die engsten Freunde und Vertrauten nicht in alles einzuweihen. Das hatte ihm in den 80er Jahren manchmal das Leben gerettet. So wusste Peter zum Beispiel nicht, dass er von Pjotr in Warschau den entscheidenden Tipp erhalten hatte. Er tauchte ein in die Dunstglocke Bangkoks und winkte ein Taxi herbei. Mein lieber Schwan, dachte Bernd auf dem Tollway, die Stadt der Engel hat sich in den letzten 18 Jahren aber kolossal verändert. Einige der am Fenster vorbei huschenden Wolkenkratzer standen damals noch gar nicht.
    Und die ganze Zeit redete der Taxifahrer unermüdlich von Adolf ...... und der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, die man bald hier begrüßen würde.

    Peter sah seinen Familiennamen auf einem Pappschild und eilte zu dem freundlich lächelnden jungen Mann, der das Schild weiter gab und einen Wai machte. Peter verneigte sich nur, da er das Handgepäck umgehängt hatte.
    “Willkommen in Thailand, Khun Peter!”
    “Vielen Dank für den freundlichen Empfang, Khun Udai!”
    Udai geleitete Peter durch den Trubel der Ankunftshalle zum Mercedes der Familie und der Chauffeur verstaute das Gepäck.
    Peter hätte am liebsten sofort Klartext geredet, aber Ungeduld war ein Zeichen von schlechten Manieren, und er wusste zwar nicht aus eigener Erfahrung, aber von Journalistenkollegen, die in Asien arbeiteten, wie er sich zu verhalten hatte. So würde ihm auch nie ein Satz über die Lippen kommen, wie: “Hätte ich nur besser auf deine Schwester aufgepasst!”
    Stattdessen versicherten sich beide, dass sie in großer Sorge um Nong seien und falls kriminelle Elemente dahinter stecken sollten, sie mit Hilfe der thailändischen Polizei dingfest machen würde.
    Jeder von den beiden wusste, das die Sache weitaus komplizierter war und man würde zu einem späteren Zeitpunkt darüber reden.


    wird fortgesetzt...

  4. #43
    Mandybär
    Avatar von Mandybär

    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Klasse Geschichte

    Weiter so

    Mandybär

  5. #44
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Kapitel 8

    Khun Potaram* war eine beeindruckende Persönlichkeit. Mit seinen 1,85 überragte er nahezu alle anderen Thais und am liebsten sah er es, wenn sein kahler, polierter Kopf das Blitzlichtgewitter reflektierte. Es gefiel ihm auch, medienwirksam dem Premierminister die Hand zu schütteln.
    Genau so sorgfältig achtete er darauf, dass seine zwei Imperien in Thailand niemals miteinander vermischt wurden. Nicht einmal Geldwäsche duldete er, zumindest nicht in Thailand. Das erste Imperium beinhaltete ein Dutzend Baufirmen, welche zumeist die lukrativsten Vorhaben realisieren durften.
    Das zweite Imperium nannte er sein Schattenreich, hier wurden Schwindel erregende Umsätze mit gefälschten Markenartikeln, Drogen und Waffen gemacht.
    Khun Potaram ließ sich im engsten vertrauten Kreise auch gern “Kattana” nennen, wohl wissend, dass dieser Titel nur einem in Thailand gebührte.
    “Kattana” Potaram war erbost und hatte Chakri, einen seiner Manager zu sich bestellt.
    Er runzelte die hohe Stirn und fixierte Chakri nur mit einem kurzen Blick.
    “Ich möchte keinen Ärger haben, was soll der Quatsch mit der Entführung?”
    “Ich möchte mir die Bemerkung erlauben, dass wir damit drei Mücken mit einem Schlag erledigt haben!” Der schleimige Chakri machte einen tiefen Wai.
    “Das mag sein”, sagte Potaram. “Aber die Verbindung nach dem Süden gefällt mir überhaupt nicht, jetzt, kurz vor den Wahlen!”
    Bevor sein Unterführer, einer der wichtigsten Männer in der Schattenwelt, überhaupt etwas sagen konnte, schnitt ihm Khun Potaram das Wort ab.
    “Kassiert das Lösegeld und lasst sie frei! Mit dem Pack im Süden will ich nichts zu tun haben! Habe ich mich klar ausgedrückt?”
    Chakri machte wiederum einen Wai.
    “Selbstverständlich, Kattana!”
    Insgeheim ahnte Mr. Potaram, dass er hier womöglich ausgetrickst werden sollte. Für solche Fälle hatte er eine spezielle, ihm treu ergebene Eliteeinheit.
    Der aufmüpfige Chakri war ihm schon lange ein Dorn im Auge.

    Peter hatte alles über sich ergehen lassen. Die besorgten Gesichter der Frauen, alle in feinste Seide gehüllt. Zumeist handelte es sich um Tanten von Nong und die Mutter, eine majestätische Erscheinung mit ihrem hochgesteckten Haar. Peter verbeugte sich viele Male und hoffte nur, die Etikette in dieser feinen Villa nicht zu verletzen. Was fehlte, waren Männer, das war auffällig. So blieb ihm nur der Kontakt zum symphatischen Udai.
    Sie trafen sich auf der Terrasse der Villa der Familie Pittayarat* mit Blick auf den vorbei strömenden Chao Phraya River.
    Udai wusste natürlich, dass Farangs ziemlich ungeduldig waren und alle Probleme sofort analysieren und angreifen wollten und versuchte, sich darauf einzustellen.
    Die Eiswürfel klirrten in den geschliffenen Whiskey-Gläsern - kein Maekhong, sondern edelster importierter Scotch von den Highlands.
    “Willst du meine Schwester heiraten?” fragte Udai unvermittelt.
    “Ich mag sie sehr. Wenn wir sie wieder finden, werde ich sie fragen.”
    Peter nippte an seinem Glas und überlegte, mit welcher Frage er Udai aus der Reserve locken konnte.
    “Darf ich fragen, wo dein Vater ist? Ich habe nur Frauen gesehen.”
    “Du bist kein Farang für mich, sondern ein Freund.”
    Peter wusste nicht, dass dies nur eine Floskel war, die man öfter zu hören bekam, wenn man sich nur in den entsprechenden Kreisen bewegte.
    “Mein Vater hat den Rang eines Generals und wurde vor kurzem zum Oberkommandierenden der Truppen in der Provinz Yala ernannt.”
    Peter blieb erst einmal die Luft weg und er starrte in sein Whiskey-Glas.
    Sein Gehirn war noch nicht so vernebelt, um klar denken zu können.
    “Ich glaube nicht, dass die Moslem-Rebellen die Entführung in Berlin organisiert haben.”
    “Das glaube ich auch nicht”, sagte Udai trocken. “Nong wusste nichts davon.”
    Und er fügte als Warnung noch hinzu:
    “Dein Begleiter soll sich vorsehen...”
    Daraufhin fiel Peter nichts mehr ein, aber er war zuversichtlich. Bernd war mit allen Wassern gewaschen und die Gegenseite würde ihn mal wieder unterschätzen.

    * zufällig gewählte Namen
    wird fortgesetzt...

  6. #45
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Kapitel 9

    Man hatte Nong weder betäubt noch gefesselt. Sie mussten sich ihrer Sache ziemlich sicher sein. Man hatte nur eine Pistole, die von außen nicht zu sehen war, zwischen ihre Rippen gepresst.
    Vermutlich war auch das Wachpersonal bestochen, denn die zwei Autos wurden ohne Kontrolle durch gewunken. Das Auto hatte Scheibengardinen, die zugezogen wurden, so dass Nong nicht wusste, welche Strassen benutzt wurden.
    Nong fand sich in einem luxuriösen Gefängnis wieder. Sie wurde in eine mit edlen Möbeln ausgestattete Wohnung gesperrt.
    Es gab sogar eine Minibar und eine Küche mit einem gut gefüllten Kühlschrank. Nong konnte sich noch immer keinen Reim darauf machen, warum die Entführer so viel Aufwand betrieben. Sie dachte an ihre Mutter und ihren Bruder. Ob die Familie schon eine Lösegeldforderung erhalten hatte?
    Sie dachte auch an Peter, der ihr nur als Sprungbrett, als Legende dienen sollte, um ihren Auftrag in Berlin auszuführen. Sie wusste nicht, ob Peter und sein Freund Bernd baa die Spur aufgenommen hatten. Vielleicht waren sie sogar schon in Thailand?
    Nong sank auf das Sofa und krallte ihre Hände in ein buntes Kissen.
    Egal, was und wer dahinter steckte - sie musste hier raus!
    Ihr musste etwas einfallen!


    Peter und Bernd trafen sich in der mondänen Lobby des Landmark Hotel in der Sukhumvit. Das Licht der Leuchten wurde von den blank polierten Marmorplatten reflektiert.
    Bernd hockte in einem der tiefen Sessel und rollte ein Zigarillo der Marke Moods zwischen den Fingern, das er hier drin nicht anzünden durfte.
    “Gibt es diese Glimmstängel hier auch zu kaufen, oder hast du ausreichend Vorrat mitgebracht?” knurrte Peter zur Begrüßung.
    “Ist wohl nicht so toll gelaufen für dich?” grinste Bernd. Er stemmte seine 90 Kilo aus den Polstern.
    “Gehen wir erst mal ein Bierchen trinken. Bei dem Klima ist der Flüssigkeitsverlust für Farang-Körper medizinisch bedenklich.”
    Sie steuerten einen Biergarten an, aber bevor sie Platz nehmen konnten, waren sie von drei schnatternden Thailadies umringt.
    “Hello, handsome men! How are you?”
    “Tja, Mädels, mit dem Spruch habt ihr euch entlarvt”, sagte Bernd auf Deutsch.
    Und er scheuchte sie mit ein paar Worten auf Thai davon.
    “Ist mir zu hektisch hier.”
    Und ehe es sich Peter versah, standen sie an der Sukhumvit und Bernd stoppte ein Taxi, als wäre er jeden Tag hier unterwegs. Vermutlich musste er wirklich einmal in das Ausland reisen, um seinen Freund noch besser kennen zu lernen, der voller Überraschungen steckte.
    “Wo geht’s hin?” fragte Peter im Taxi. Der Fahrer hatte nicht nur die Air-Con, sondern auch das Autoradio voll aufgerissen.
    “Zu einem Restaurant, wo wir ungestört plaudern können. Lässt sich auch besser kontrollieren.”
    “Wann warst du das letzte Mal hier?” fragte Peter scheinbar nur am Rande interessiert.
    “Erstaunlich, dass ich das in all den Jahren nicht verlernt habe, die paar Brocken Thai meine ich.”
    Peter fixierte seinen Freund mit hoch gezogenen Augenbrauen.
    “1987, ging um Anwerbungen hier und in Singapur.”
    Peter wusste genau, es hatte jetzt keinen Zweck, weiter zu bohren. Bernd sprach nicht gern über seine Vergangenheit.
    Bernd hatte nicht zu viel versprochen. Man saß direkt auf einem Steg mitten im See, weitab vom Großstadtgetümmel.
    “Bia Singh”, bestellte Bernd bei der freundlichen Kellnerin. Keine Ausländer und die einheimischen Gäste saßen drei Tische entfernt.
    “Gefällt mir besser so, Peter. Keine Lauscher.”
    Nach einem tiefen Schluck Bier lehnte sich Bernd zurück und fragte:
    “Wie ist es nun bei dir gelaufen, Peter?”
    “Eine wohlhabende Familie, der Vater General. Vielleicht liegt da der Schlüssel für die Entführung? Ich glaube, der Bruder hat mir nicht alles gesagt.”
    “Ach, der Ausbildungschef an der Offiziershochschule der Polizei!”
    Peter verschluckte sich am Bier und riss ein Papiertaschentuch aus der Box, die auf dem Tisch stand.


    wird fortgesetzt...

  7. #46
    Avatar von bigchang

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    mir fehlt der taegliche verrueckte film :???:

    mach bloss schnell weiter
    bevor die entzugserscheinungen zu heftig werden

    gruesse matt :bravo:

  8. #47
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Fortsetzung Kapitel 9

    Die zierliche Kellnerin eilte mit besorgtem Blick herbei, um zu sehen, woran sich der Farang verschluckt hatte. Am Essen konnte es nicht liegen, das war noch gar nicht serviert worden. Alles war okay, der Farang hustete noch zweimal, dann wich die rote Farbe aus Peters Gesicht.
    Die Kellnerin nahm eine Zange, um Eiswürfel in das Bierglas von Bernd plumpsen zu lassen, doch dieser wehrte mit einer Handbewegung ab.
    “Ich glaube, nur noch die Amis schütten mehr Eiswürfel in ihre Getränke, und das bei ihrem relativ ausgeglichenen Klima”, sinnierte Bernd.
    “Es gibt so Tage, da könnte ich dich auf den Mond schießen, mein lieber Freund”, krächzte Peter.
    “Und ich würde mit der Erkenntnis wieder kommen, die haben das Star Spangled Banner nicht 1969 in den staubigen Boden gerammt, sondern drei Jahre später. Du brauchst mich hier, und sei es nur als Hellseher. Aber du bist zuerst dran!”
    Peter merkte, es hatte keinen Zweck. Eine kleine Pause zur Besinnung wurde ihm gewährt, da dampfender Reis, frittierter Fisch und leckeres Gemüse serviert wurden.
    “Von seinem Job hat Udai nichts erzählt”, sagte Peter und blickte sein Gegenüber fragend an. Bernd machte nur eine kurze Bewegung mit dem Löffel.
    “Lösegeld?” fragte er kauend.
    “Zehn Millionen Baht.”
    “Hört sich erst mal viel an, ist aber ein Trick. Gibt es was Schriftliches?”
    Unversehens war Peter in ein Verhör geraten.
    “Ja, aber bevor du fragst: Ich habe es gesehen, es war natürlich Thaischrift und ich habe keine Kopie davon.”
    Peter löste das, was Bernd vom Fisch noch übrig gelassen hatte, vorsichtig von den Gräten.
    “Der Übergabetermin soll telefonisch übermittelt werden.”
    Peter beschäftigte sich wieder mit dem Fisch.
    “Das war noch nicht alles”, ermahnte Bernd ihn.
    “Ich bin heute Morgen zum Landwirtschaftsministerium gefahren und habe dem Pförtner meinen deutschen Presseausweis unter die Nase gehalten.”
    “Sowas kann man in der Khao San Road fälschen lassen”, amüsierte sich Bernd.
    “Unterbrich’ mich nicht laufend! Ohne Termin keine Chance. Ich bin dann nachmittags wieder hin, um einen Mitarbeiter zum Feierabend-Kaffee einzuladen...”
    “Es war eine Mitarbeiterin und du hast deinen Charme spielen lassen.”
    “Hellseher!”
    “Genau!”
    “Also diese Nit hat sich tatsächlich zum Kaffee einladen lassen, aber sie sagte, Nong wäre schon vor einem halben Jahr versetzt worden.”
    Bernd nahm einen tiefen Schluck Bier und nickte.
    “Sag mal Bernd, du hast schon zwei Bier weg, wo bleibt denn dein ‘icke, dette, kieke mal’?”
    “Es fehlt noch ein Tropfen Maekhong.” Und er winkte die Kellnerin herbei, die bedauernd den Kopf schüttelte.
    “Jetzt bist du dran, du Hellseher!”


    wird fortgesetzt...

  9. #48
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Zitat Zitat von bigchang",p="216294
    bevor die entzugserscheinungen zu heftig werden
    Leider habe ich von meinem Früh-"Werk" "Traum von Tahiti" nur noch ein Exemplar, ansonsten hätte ich es dir gern auf die Kanalinseln geschickt. Ist vielleicht bei Amazon noch zu haben, schau mal nach!
    Und die tägliche Fortsetzung wurde ja prompt geliefert!

  10. #49
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Fortsetzung Kapitel 9

    Bernd lehnte sich zurück und zündete umständlich eines seiner Zigarillos an.
    “Das grenzt wirklich an Hellseherei, noch nie hatte ich so wenig Anhaltspunkte.”
    Er stieß eine Wolke Qualm aus und neigte den Kopf.
    “Ich sage dir das nicht gern, Peter, aber unter Freunden sollte Ehrlichkeit selbstverständlich sein.”
    Die Kellnerin räumte das Geschirr ab und fragte auf Englisch, ob es geschmeckt hat.
    “Aloy maak maak”, und an Peter gewandt sagte Bernd:
    “Wirklich erstklassig der Fisch. Hier müssen wir mal wieder her.
    Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja!”
    Er reichte Peter, der geistesabwesend auf die Schachtel Moods starrte, ein Zigarillo.
    “Du glaubst doch nicht etwa, so eine Zuckerpuppe aus gutem Hause kommt ins nasskalte Berlin, nur wegen deiner schönen blauen Augen und um sich das Brandenburger Tor anzusehen?”
    Bernd erstickte Peters Protest mit einer Handbewegung.
    “Dein Hinweis, sie arbeitet gar nicht mehr dort, wo sie eigentlich arbeiten sollte, gab mir die letzte Gewissheit. Wenn Nong das ist, was ich vermute, hat sie sogar Nahkampfschulung und Schießtraining gehabt, und sei es nur ein Crash-Kurs gewesen. Sie wird versuchen, das einzusetzen und sich womöglich selbst befreien. Das gehört aber wieder in den Bereich Hellseherei.”
    Peter hatte längst aufgegeben, den Thesen etwas entgegen zu setzen.
    “Meine Freunde in Polen haben mir das Kfz-Kennzeichen genannt, exakt das gleiche, das Dieter Wagner gemeldet wurde. Also war bei unserer Ankunft schon klar, dass sie hier ist. Eine Gulfstream III hat in Thailand nur einer, das ist der Bauunternehmer und Immobilienhai Potaram und da seh ich noch nicht ganz klar.”
    “Inwiefern nicht?” Peter war es endlich gelungen, eine Zwischenfrage unterzubringen.
    “Eigentlich ganz gut so, dass es hier keinen Whiskey gibt, so kann ich klarer denken.”
    Ungeachtet dessen nahm Bernd einen tiefen Schluck Bier und ließ sich von der hübschen Kellnerin sofort nach schenken.
    “Entweder sind die so selten dämlich, so etwas offen durch zu ziehen oder einer der Untergebenen will seinen Boss zu Fall bringen. Das raus zu finden, wird deine Aufgabe sein, Peter!”
    “Und wie soll ich das anstellen?” fragte Peter gereizt.
    “Du bist doch Journalist. Du spazierst in die Höhle des Löwen und machst ein Interview, ist doch dein Job?”
    “Und der Baulöwe plaudert aus dem Nähkästchen und teilt mir den Aufenthaltsort meiner Freundin mit?”
    “Es ist deine Sache, wie du das anstelltst. Ich würde selber gern in die Organisation eintauchen, aber als Farang falle ich da auf wie ein bunter Hund, der Samba tanzt und dazu Gitarre zupft!”


    wird fortgesetzt...

  11. #50
    Avatar von MadMovie

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    Re: Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

    Kapitel 10

    Nong hatte keine Lust, in ihrem goldenen Käfig einfach die Dinge abzuwarten.
    Sie hatte durch die verschlossene Tür ein Gespräch ihrer Bewacher belauscht und aus dem wenigen, das sie verstanden hatte entnommen, man würde sie bald woanders hinbringen.
    Was hatte das zu bedeuten?
    Warum sollte man sie an einen weit entfernten Ort bringen, wenn die Lösegeldübergabe unmittelbar bevor stand?
    Das machte alles keinen Sinn.
    Sie nahm sich vor, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auszubrechen. Falls es wirklich nur zwei Bewacher waren - mehr hatte sie bisher nie zu Gesicht bekommen - musste sie das Überraschungsmoment nutzen und versuchen, die Gegner kampfunfähig zu machen.
    Nong traute sich das zu.


    Peter war überrascht gewesen, so schnell einen Interviewtermin bei Mr. Potaram zu bekommen. Der Pressesprecher der Unternehmensgruppe und die Sekretärin waren am Telefon sehr freundlich und entgegen kommend gewesen.
    Nun saß er hier in einem Konferenzraum in einem der Wolkenkratzer Bangkoks und genoss die Aussicht auf den nicht all zu weit entfernten Baiyoke Sky Tower.
    Die Tür wurde aufgestossen und eine imposante Persönlichkeit durchmaß mit raumgreifenden Schritten den Raum. Der Mann, den man im Vergleich zu anderen Thais als Hüne bezeichnen konnte, deutete eine Verbeugung an und lud Peter ein, Platz zu nehmen.
    Peter verbeugte sich ebenfalls, machte aber keinen Wai.
    Als er sich auf den Posterstuhl fallen ließ, dachte Peter noch einmal daran, was für ein weiser Entschluss es gewesen war, die Empfehlungsschreiben der wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazine mitzunehmen, des Spiegel und des Focus. Die musste er an das Büro von Mr. Potaram faxen und hatte sofort einen Termin bekommen, aber nur für zwanzig Minuten. Peter beeilte sich, das Diktiergerät auszupacken und einzuschalten und sein Gegenüber strahlte über das ganze Gesicht.
    “Es ist mir eine grosse Ehre, Mr. Weise - so war doch ihr Name? - Sie hier zu begrüßen! Es kommt nicht oft vor, dass Journalisten aus Europa sich für meine Arbeit interessieren. Die meisten Interviewwünsche werden an den Premierminister heran getragen, der nicht nur ein weiser Politiker, sondern auch der erfolgreichste Geschäftsmann in Thailand ist.”
    Ehe Peter überhaupt eine Frage stellen konnte, hielt Mr. Potaram einen Vortrag über die Entwicklung seines Firmen-Imperiums, zu dem von Zement-Fabriken bis zu Architekturbüros alles gehörte, was mit dem Bau zu tun hat.
    Mr. Potaram hatte während der Wirtschaftskrise das schlingernde Schiff erfolgreich durch alle Sturmwellen gesteuert und die Bilanzen waren im neuen Jahrtausend von Jahr zu Jahr besser geworden.
    Peter kam nun endlich dazu, auch Fragen stellen dürfen. Aber egal, was er auch fragte, die Antwort war jedesmal eine flammende Wahlkampfrede für die Regierungspartei. Dass man alles Mr. Thaksin zu verdanken habe und sein eigener Beitrag eher bescheiden sei, sagte Mr. Potaram freundlich.
    Peter gelang es auch heraus zu finden, wieviel Mr. Potaram für die TRT-Partei spendete und nahm sich vor, wenn alles gut ging, tatsächlich einen Artikel darüber zu schreiben.
    Geschickt lenkte er das Interview auf das Privatleben, die Interessen und Hobbys des Industriellen.
    “Ist es richtig, dass Sie auch über ein Privatflugzeug verfügen, Mr. Potaram?”
    “Nun, dieses Privatflugzeug gehört der Firmengruppe, nicht mir persönlich. Bei Bedarf dürfen auch andere Manager, denen ich vertraue, dieses Flugzeug nutzen.”
    “Muss die Nutzung bei ihnen beantragt werden?”
    Mr. Potaram schaute demonstrativ auf die Uhr.
    “Leider habe ich noch einen anderen Termin. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, Mr. Weise?”
    Der Firmenmagnat stand auf, umrundete den Tisch und verbeugte sich nur kurz.
    “Leider ruft die Pflicht! Schicken Sie den Entwurf ihres Artikels per Email oder Fax an meinen Pressesprecher, der leider einen anderen Termin wahrnehmen musste!”
    Peter hatte zwar nicht viel erfahren, aber der Zufall kam ihm zu Hilfe.
    Im Vorzimmer sah er einen Mann, der rasch ein paar Worte mit Mr. Potaram wechselte. Und der sah weder wie ein Manager noch wie ein Bauingenieur aus. Auf Peter wirkte dieser Mann fast wie ein Fremdkörper hier und auch der Chef schien nicht gerade erbaut davon zu sein, ihn hier zu sehen.
    Peter nahm einen anderen Fahrstuhl und folgte einfach seinem Instinkt als Journalist, dass dieser schmierige Typ in irgendeiner Weise eine wichtige Rolle spielte. Nong war nun mal mit der Gulfstream von Potaram transportiert worden, die einzige sichere Erkenntnis, die Bernd und er bisher hatten.
    Peter rannte auf die Strasse hinein in die brütende Hitze und sah, wie der Mann, dessen einziger Makel war, dass er nicht wirklich zum Umfeld von Mr. Potaram passte, in einen silbergrauen Mercedes sprang.
    Peter gelang es wider Erwarten, sofort ein Taxi zu stoppen und er zeigte dem Fahrer einen 1000-Baht-Schein.
    “Folgen Sie bitte dem Mercedes! Meine Freundin will gerade durch brennen!” stammelte er auf Englisch. Der Fahrer hatte schon viel verrücktere Farangs erlebt und gab Gas. Und es gelang tatsächlich, den Mercedes im Verkehrschaos von Bangkok im Auge zu behalten.
    Peter ahnte nicht, wie nahe er bald Nong sein würde.


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