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2084

Erstellt von moselbert, 27.02.2005, 21:01 Uhr · 29 Antworten · 1.545 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von E.Phinarak

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    Re: 2084

    @PengoX

    verd...., du hast recht. Kann mich noch an die weltweiten Demos erinnern als bekannt wurde, das sich der Prinz eine Bayrin als Frau gewählt hatte. ;-D
    Allerdings bist du auch nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Es gibt seit Jahrzehnten keine Fernseher mehr.

  2.  
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  3. #12
    Avatar von PengoX

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    Re: 2084

    Zitat Zitat von E.Phinarak",p="219993
    Allerdings bist du auch nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Es gibt seit Jahrzehnten keine Fernseher mehr.
    Ja aber ich bin so ein Nostalgiker - ich sag halt immer noch Fernsehr dazu.
    Ausserdem mag ich es nicht, mir eine Vibrationsboje in den Hintern zu schieben, nur für echtere Effekte.

    PengoX

  4. #13
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084

    Teil III

    Etwa zwei Stunden später bekam ich Besuch. Die Tür wurde aufgeschlossen. Ein gut gekleideter Mann trat ein.

    „Gestatten, Wasin ist mein Name. Ich bin Ihr Anwalt.“ sagte er auf Englisch. Er setzte sich an den kleinen Tisch. Ich blieb auf dem Bett hocken.

    „Warum werde ich hier festgehalten?“ fragte ich. „ Ich habe nichts gemacht.“

    „Wegen Majestätsbeleidigung. Aber das wissen Sie doch schon.“

    „Ja, aber ich habe das nicht gemacht. Ich habe nie etwas gegen den König gesagt.“

    „Mag sein. Aber geschrieben. Sie haben doch Internetanschluss?“

    „Ja sicher. Wer nicht.“

    „Und was machen Sie, wenn Sie ins Internet wollen?“

    „Ich gebe den Ausweis in das Lesegerät des PC ein. Und dann geht es los.“

    „Sehen Sie. Und auf dem Ausweis ist Ihre DNA vermerkt. Und so kann man jede Aktivität im Netz eindeutig zuordnen.“

    „Ja, dann werden Sie ja wohl auch wissen, dass ich es nicht gewesen sein kann. Ich beleidige niemanden, schon gar nicht Ihren König.“

    „Das wurde aber so festgehalten. Die Beleidigung von Seiner Majestät Rama XII wurde mit Ihren DNA Daten gemacht.“

    „Sagen Sie mir. dass ich träume. Ich träume doch, oder?“


    Er notierte sich etwas.

    „Schlafwandeln wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Ich habe für die Verteidigung bisher folgende Varianten:
    a) Sie erklären sich für unzurechnungsfähig. Die Folgen dieses Tuns sind nicht abzusehen, muss ich aber sagen.
    b) Sie haben jemanden anderen mit Ihrem Ausweis an Ihrem PC surfen lassen. Wäre auch nicht so gut.
    c) Sie geben den Sachverhalt zu. Das wäre am einfachsten und schnellsten. Sie würden allerdings bestraft. Ich kann Strafmilderung wegen Geständnisses herausholen.
    Das Schlafwandeln ist natürlich sehr elegant. Dafür kann man Sie nicht haftbar machen.“

    Er klappte sein Notizbuch zu.

    „Ich glaube, ich werde meine Verteidigung darauf aufbauen. So muss es sein, denn sonst wüssten Sie ja davon.“

  5. #14
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084

    Teil IV

    „Und wann bitte soll ich wen beleidigt haben?“

    „Sorry, da Sie ja schlafwandeln, muss ich es Ihnen erzählen. Also: Am 21. September 2083 haben Sie sich in Deutschland um 22 Uhr Ihrer Ortszeit ins Internet eingewählt. Das ist DNA-mäßig belegt. Stimmt das so?“

    „Was weiß ich, was ich am 21.9. gemacht habe.“
    knurrte ich.

    „Das wüsste ich auch nicht. Aber dafür gibt es ja die Registrierungen.
    Dann haben Sie sich in ein Forum eingewählt. Dort haben Sie sich abfällig über S.M. Rama XII geäußert. Ich werde das jetzt nicht im Einzelnen erläutern.“

    „Gesetzt den Fall, ich war es wirklich: Wie haben Sie davon erfahren?“

    „Unser Geheimdienst liest Stichproben mit. Bei Ihnen in Europa mag es egal sein, ob Sie den König beleidigen oder nicht. Aber wir merken uns das. Und Sie merken, dass wir uns das merken. Spätestens jetzt wissen Sie es.“


    Das war irgendwie eine verzwickte Situation. Die DNA war idiotensicher, außer bei eineiigen Zwillingen. Aber ich hatte keine Geschwister. Somit war die Sache klar. Also musste ich doch schlafwandeln. Allerdings schlief ich selten vor 22 Uhr. Den Tag aber vielleicht doch schon.

    „Ich werde mich wieder melden. Auf Wiedersehen.“

    Er stand auf. Ich gab ihm die Hand.

    „Auf Wiedersehen, Herr Wasin.“

    Hinter ihm wurde die Tür wieder geschlossen. Wenn ich dieses hier überstanden hatte, dann würde ich mich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Schlafwandeln war gefährlich in der heutigen Zeit.

    Aber wie konnte ich jemanden beleidigen, den ich noch nie gesehen hatte?

    Ich betätigte die Sprechtaste an der Tür.

    „Krab.“ Die Stimme hatte nur dieses Wort gesagt. Etwas später fragte jemand anderes auf Englisch:

    „Wie bitte, was wollen Sie?“

    „Kann ich was zu Lesen bekommen?“

    „Ja, gerne. Was möchten Sie?“

    „Ein englisches Buch über das Königshaus. Geht das?“

    „Moment.“


    Nach einer Viertelstunde öffnete sich ein Schlitz in der Tür und ein Buch wurde hereingeschoben.

    „Einen englischen Reiseführer. Mehr haben wir nicht. Ich hoffe das reicht.“

    „Danke.“


    Ich suchte im Buch nach geeigneten Informationen und wurde bald fündig.

    Der jetzige König Rama XII herrschte seit über 20 Jahren, also seit 2063. Davor gab es Rama XI (2030-2063), Rama X (2010-2030), Rama IX (1946-2010), Rama VIII (1935-1946) und so weiter. Rama XII war der Sohn von XI, dieser der Enkel von X, dieser wieder der Sohn von IX, welcher der Bruder von VIII gewesen war. Die Namen und Daten sagten mir alle nichts.

    Außerdem hätte ich gerne gewusst, in welchem Forum ich den König beleidigt haben sollte. Denn ich wüsste nicht, dass ich in einem Forum vertreten war, das sich mit Thailand beschäftigte. Und kann man im Schlaf jemanden beleidigen, den man nicht kennt?

    Ich legte mich hin und machte die Augen zu. Trotz der Umstände und des Zeitunterschieds zu Mitteleuropa schlief ich bald ein.

  6. #15
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084


    Teil V

    Am nächsten Tag kam Wasin wieder. Er erklärte mir, dass er eine Verteidigung, die sich auf Schlafwandeln begründete, als erfolgreich ansah. Ich fragte ihn nach weiteren Informationen.

    Er erklärte mir, ich hätte mich am besagten Tag gegen 21 Uhr in das internationale Forum ‚Nittaya.org’ eingeloggt. Dort hätte ich dann etwa eine Stunde später die ominösen Beleidigungen von mir gegeben. Er hatte sogar den Abschnitt des Threads dabei, in dem ich angeblich gepostet hatte.

    Ich las mir die ganzen Sachen durch. Ich hatte mich angeblich unter dem Namen ‚sunshine017’ registriert. Ich empfand die Dinge, die dieser Sonnenschein von sich gegeben hatte, nicht beleidigend. Aber jeder hatte andere Hemmschwellen. Und wenn der König sich beleidigt fühlte, dann war das eben so.

    Was aber viel schlimmer war: zum einen war der Schreibstil dieses Sunshine gar nicht meiner. Das konnte man immer noch mit Schlafwandeln erklären. Aber ich war mir ziemlich sicher, noch nie um 21 Uhr schon geschlafen zu haben.

    „Das ist alles sehr seltsam.“ sagte ich zu Wasin. „Darf ich mal telefonieren?“

    „Gerne. Hier haben Sie meinen Apparat. Ich werde die Kosten zum Honorar aufschlagen.“


    Ich wählte die Nummer eines Kollegen, mit dem ich öfters zusammen war. Was für mich jetzt sehr interessant war: er führte Tagebuch. Vielleicht wusste er, warum ich an dem Tag so früh zu Bett gegangen war. Es musste ja ein ganz besonderer Tag gewesen sein, vielleicht hatte ich ihm später davon erzählt.

    „Peter Rabe.“ meldete er sich nach kurzer Zeit.

    „Hallo Peter, hier Ingolf. Du musst mir helfen.“

    „Ingolf, altes Haus! Bist Du gut in Thailand angekommen?“

    „Das ist es ja gerade. Ich sitze in U-Haft.“

    „Bitte?“
    Ich hörte wie ihm die Kinnlade herunterfiel. „Hast Du jemanden ermordet oder was?“

    „Pass auf, Peter. Sag mir mal bitte, ob Du in Deinem Tagebuch etwas über den 21.September letzten Jahres geschrieben hast.“

    „Ich schaue mal nach. Was willst Du wissen?“

    „Warum ich um 21 Uhr schon im Bett war.“

    „Na, ob das in meinem Tagebuch steht... Wahrscheinlich steht da nur drin, warum ich erst um 2 Uhr nachts ins Bett gegangen war.“
    Er lachte.

    Ich hörte ihn in einem Schrank kramen. Dann kam er wieder zurück.

    „Wider Erwarten kann ich Dir sagen, was Du gemacht hast. Wir sind nämlich beide am 21.9. morgens nach Hamburg gefahren, mit der MS. Dann haben wir nachmittags ein Fußballspiel gesehen, abends in einer Disco abgetanzt, um 2 Uhr in einem Hotel an der Alster genächtigt und sind am 22. mittags mit der MS zurück gefahren. Bist Du zufrieden mit der Auskunft?“

    Ich war völlig verwirrt.

    „Ja, oder besser nein. Gib mir doch die Daten genau durch. Ich schreibe mit.“

    Nachdem ich alles notiert hatte, beendete ich das Gespräch und wandte mich meinem Anwalt zu. Er hatte von dem in Deutsch geführten Gespräch nichts verstanden.

    „Und was sagt Ihr Freund?“

    „Er sagt etwas Ungeheuerliches.“
    Ich gab ihm die Daten, die Peter mir genannt hatte.

    „Prüfen Sie das nach, bitte. Wenn das stimmt, hieße das, dass die DNA Daten sich irren.“

    „Die irren sich nicht. Ihr Freund wird sich im Monat vertan haben. Ich sehe eigentlich keinen Wert darin.“

    „Machen Sie es. Mir ist im Gespräch so einiges wieder in Erinnerung gekommen. Und ich glaube, Peter hat Recht. Machen Sie es mir zuliebe bitte. Sie kommen doch an die Daten?“

    „Als Ihr Anwalt kann ich die Zentraldatei abfragen. Kein Problem.“


    Er verließ meine Zelle.

    Der Tag verging langsam, aber immerhin schmeckte das Essen gut. Abends legte ich mich dann mal ausnahmsweise früher ins Bett.

  7. #16
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084

    Teil VI

    Wasin kam früher als erwartet. Er war ziemlich nervös.

    „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“ sagte er.

    „Haben Sie sich erkundigt?“ fragte ich.

    „Ja. Allerdings wäre es mir lieber gewesen, Ihr Freund hätte ich geirrt. Denn jetzt haben wir ein Problem. Folgendes steht eindeutig fest:
    1) Sie sind um 10 Uhr von Hahn nach Hamburg mit der Magnetschwebebahn gefahren.
    2) Sie haben um 16 Uhr das Stadion „Volksparkarena“ betreten.
    3) Sie sind um 19 Uhr ins Hotel Frühling in Hamburg und haben das Zimmer belegt. Mit einer anderen Person. Wahrscheinlich Ihr Bekannter.
    4) Sie sind um 21:30 Uhr in die Stardisco gegangen.
    5) Sie haben um 01:30 Uhr wieder Ihr Zimmer betreten.
    6) Sie haben sich aber auch um 21 Uhr ins Internet eingeloggt.
    7) Sie haben um 22 Uhr als Sunshine017 den König beleidigt.
    Während sich Punkt 2 bis 5 in Hamburg ereigneten, spielten Punkt 6 und 7 in Mittweida.“

    „Wo soll das sein?“

    „Irgendwo in Deutschland. Aber verstehen Sie. Sie können nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Und dennoch sind Sie es gewesen. So sagt es die Registrierung Ihrer DNA. Sie haben ja fleißig, wie es sich gehört, die ID Karte in die Lesegeräte eingeführt. Ich bin ratlos.“

    „Vielleicht hat noch jemand die gleiche DNA wie ich.“

    „Das ist unmöglich. Es sei denn, Sie haben einen eineiigen Zwilling.“

    „Ich bin Einzelkind.“

    „Sagten Sie ja schon, glaube ich.“
    Er nahm einen Zettel aus dem Aktenkoffer. „Hier ist Ihre Entlassung aus der U-Haft. Ich habe sofort nach meinen Recherchen mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Kontakt aufgenommen. Sie sind ein freier Mann.“

    „Danke, Herr Wasin.“

    „Wissen Sie, Herr Cronau. Sie können mir einen Gefallen tun. Ich möchte wissen, warum es diese falschen Registrierungen gibt.“

    „Das interessiert mich auch.“

    „Herr Cronau, seien Sie mein Gast in Thailand. Helfen Sie mir, die Ungereimtheiten aufzuklären. Das könnte mir eventuell bei der Verteidigung anderer Fälle helfen. Wenn sich das System als falsch herausstellen sollte, dann..., nicht auszudenken.“


    Da meine Interessen dieselben waren, nahm ich sein Angebot an.


  8. #17
    Avatar von Dana_DeLuxe

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    Re: 2084

    Astreine Story! Bin mächtig begeistert.

    LG,

    Dana

  9. #18
    Avatar von zipfel

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    Re: 2084

    servus

    Ein echter moselbert und daher ist wohl noch Einiges zu erwarten

    tschüssel

  10. #19
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084

    Teil VII

    Wasin wohnte in einem sehr schönen alten Gebäude und hatte es sehr geschmackvoll eingerichtet. Er zeigte mir das Gästezimmer.

    Ich machte mich frisch und kam danach zu ihm ins Arbeitszimmer.

    „Kennen Sie sich mit den Regularien des WDC aus?“ fragte er.

    „Des World Data Centers? Nein. Das hat mich bisher nie interessiert. Ich weiß zwar, dass dort alle Daten über mich gesammelt werden. Aber wenn man sich anständig verhält, geschieht einem nichts. Habe ich bisher wenigstens gedacht.“

    „Sie haben das Recht, Ihre Daten jederzeit einsehen zu können. Als Ihr Anwalt konnte ich das in gewisser Weise auch. Allerdings weiß das WDC, dass mein Mandat jetzt beendet ist. Sie müssen also jetzt selber recherchieren. Sie loggen sich dafür bitte mit ihrer ID Karte auf meinem PC ein. Ich gebe Ihnen die IP des WDC und dann erkundigen Sie sich mal über sich selbst.“


    Gesagt getan. Ich führte die Karte in den Schlitz am PC ein und bat das WDC, mein Bewegungsprofil der letzten Tage auszugeben. Viele Daten flimmerten über den Schirm.

    „Wie war der Film ‚Lonely Desert’?“ fragte Wasin. „Hier steht, dass Sie letzte Woche drin waren. Lohnt er den Besuch?“

    „Ja, schon. Der Rechner weiß ja alles über mich!“

    „Das ist Gefahr und Sicherheit zugleich, mein lieber Ingolf. Ich darf Sie doch Ingolf nennen?“

    „Gern. Wie heißen Sie mit Vornamen?“

    „Wasin ist mein Vorname. Tscharnprasongokun ist mein Nachname.“
    Er grinste. „Es hat schon seinen Sinn, wenn wir uns in Thailand mit dem Vornamen anreden.“

    Wir schauten uns den September letzten Jahres an. Dort war alles verzeichnet was ich gemacht hatte. Einschließlich Fußball und Disco in Hamburg. Aber keine Spur von Beleidigungen. Dafür meine Internetbesuche der Tage zuvor: Autoversteigerungen, Reiseinfos über Thailand, sogar die Besuche auf den erotischen Webcamseiten waren verzeichnet.

    Ich räusperte mich und ließ den Cursor weiter hinunterscrollen.

    „Und wo ist der Anklagepunkt?“ fragte ich.

    Wasin zuckte mit den Schultern.

    „Das verstehe ich auch nicht. Ich habe doch die Ausdrucke des WDC in den Händen gehabt.“

    Ich gab anstatt des Auswahlkriteriums ‚Name’ die Möglichkeit ‚DNA ID’ ein. Normalerweise hätten sich beide Ergebnisse nicht unterscheiden dürfen.

    Taten sie aber. Denn jetzt waren plötzlich doppelt so viele Daten auf dem Schirm.

    „Das ist ja irre.“ entfuhr es mir.

    „Dann gibt es tatsächlich Menschen mit gleicher DNA. Das geht aber nur bei eineiigen Zwillingen. Oder es ist ein Riesenzufall.“

    Ich machte die Kiste aus und nahm meine ID Karte heraus.

    „Haben Sie was zu trinken?“ fragte ich.

    „Ja, wie wäre es mit Mekong Whisky? Das wäre vielleicht ganz gut auf den Schreck.“

    Wir unterhielten uns noch lange. Dann ging ich ins Bett.

    Am nächsten Tag fuhr ich wie geplant ans Meer und schaute mir die Woche drauf die Hauptstadt an. Den Rückflug nach Hause konnte ich kaum erwarten.

  11. #20
    Avatar von moselbert

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    Re: 2084

    Teil VIII

    Ein paar Tage nach meiner Ankunft in Deutschland saß ich mit Peter zusammen und plante, wie wir weiter vorgehen wollten.

    „Also gibt es zwei Möglichkeiten. Du hast einen Zwillingsbruder, den Du nicht kennst, oder es gibt einen Menschen mit zufällig identischer DNA, was aber eigentlich nicht sein kann. So wenigstens die Theorie.“

    „Es kann beides nicht sein. Eigentlich.“
    bemerkte ich. „Von einem Zwilling hätten mir meine Eltern doch irgendwann mal erzählt.“

    Leider konnte ich sie nicht mehr fragen, denn sie waren beide schon tot.

    Peter erzählte mir, dass er Familienforschung betrieb. Das war nicht schwer, denn alle Daten waren ja im WDC gespeichert. Früher hätte man sich die Daten mühsam von Standesämtern und Kirchen besorgen müssen.

    „Na, dann wollen wir mal.“ Ich gab meine IC Karte in den PC ein. Sofort wurden die Daten im WDC abgelegt und waren für Berechtigte abrufbar. Berechtigt war man selber, waren aber auch Polizei und andere Behörden. Für Menschen, die nichts zu verbergen hatten, war das kein Problem. Für Kriminelle schon. Und das sollte es ja auch sein.

    Allerdings hatte ich als unbescholtener Bürger auch die Nachteile kennen gelernt. Dabei war doch die Kombination aus DNA, Irisfotos und Fingerabdrücken idiotensicher. Sagte man.

    „Du bist berechtigt, Dich über Deine Vorfahren zu informieren.“ sagte Peter und riss mich aus meinen Gedanken.

    „Na, dann wollen wir mal.“ Ich gab die entsprechende Anfrage ein. Bisher hatte ich mich, im Gegensatz zu Peter, der richtige Ahnenforschung betrieb, nicht darum gekümmert.

    So erlebte ich eine große Überraschung. Das WDC teilte mir mit, dass meine Eltern gar nicht meine richtigen Eltern gewesen waren, sondern meine Pflegeeltern. Meine wahren Eltern waren bei einem Unfall kurz nach meiner Geburt gestorben.

    Dann warf mir das Gerät noch Groß- und Urgroßeltern aus.

    „Sapperlot!“ entfuhr es mir.

    „Dann kannst Du ja wirklich einen Zwillingsbruder haben. Der ist vielleicht in einer anderen Familie groß geworden.“ bemerkte Peter.

    „Das werden wir bald wissen.“

    Ich schrieb eine eMail an den Unbekannten in Mittweida, dessen Adresse ich aus dem Bewegungsprofil der DNA ID bekam:

    „Wenn Sie sich in einem Forum namens Nittaya.com mal abfällig über den thailändischen König geäußert haben und wenn Sie die folgenden Vorfahren haben (ich fügte eine Liste an), dann melden Sie sich bitte bei mir. Wir haben die gleiche DNA ID, und ich nehme stark an, dass wir beide miteinander verwandt sind.“

    „So, mal sehen was daraus wird.“
    sagte Peter.

    Am nächsten Tag war die Antwort da. Sie lautete: „Ich komme vorbei.“ Und schon am Abend stand er vor meiner Tür. Auf den ersten Blick sah ich, was los war. Wir sahen uns wirklich sehr, sehr ähnlich, wir sahen fast identisch aus.

    Wir hatten uns viel zu erzählen.

    Dann rief ich Wasin in Thailand an. Ich erzählte ihm, was ich herausgefunden hatte.

    „Ingolf, ich danke Ihnen. Ich werde der Regierung vorschlagen, dass sie nicht nur die DNA ID vom WDC bezieht, sondern auch die Irisfotos und Fingerabdrücke. Denn die sind auch bei Zwillingen verschieden.“

    Mein Alter Ego war nach dem Unfall in eine andere Pflegefamilie gekommen. Und so hatten sich unsere Wege getrennt.

    Rama XII hatte uns wieder zusammengebracht.


    ©Norbert Hagemann 25.01.2005

    Was? Schon Schluss? Ja leider. :???:

    Aber die nächste Geschichte wartet bereits in den Startlöchern.

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