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Gedanken zu Kneipen und Demokratie

Erstellt von moselbert, 01.11.2004, 19:48 Uhr · 24 Antworten · 1.961 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

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    Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    Was ist das jetzt für eine blöde Überschrift? Passt so etwas in ein Thailand Forum?

    Mal sehen.


    Ähnliche Gedanken habe ich mir schon einmal in einem anderen kleinen Forum gemacht, das mit Thailand nichts zu tun hatte, und das außer mir hier niemand kennt.

    Was bedeutet ein Forum für mich? Nun, es ist so eine Art Kneipe, wo man am Ende des Tages hingeht und mit Gleichgesinnten Gedanken austauscht oder einfach nur Unsinn erzählt.

    Jenes kleine Forum, von dem ich eben berichtete, war eine Eckkneipe, in dem man sich über alles Beliebige unterhalten konnte. Dieses Forum hier ist eine Kneipe mit Überschrift. Wer hier hineingeht weiß, dass er Menschen trifft, die zumindest ein Hobby mit ihm teilen, nämlich dieses exotische, für Mitteleuropäer manchmal etwas unverständliche Land in Asien.

    Es gibt viele Kneipen im weltweiten Netz. Viele auch mit dem gleichen Thema. So wie es viele Kneipen in jeder Großstadt gibt, viele Eckkneipen, viele Italiener, viele Griechen.

    In einer Kneipe werden Gerichte angeboten, die Tische stehen irgendwie geordnet im Raum, es gibt Hinterzimmer und Fenster, durch die man hereinschauen kann.

    Während man normalerweise weiß, wie man sich in einer Kneipe verhalten muss, so sind die Verhaltensregeln in Foren nicht allgemeingültig. Deswegen ist an der Tür zu einem jeden Forum ein Zettel angebracht, den sich jeder Gast durchlesen muss. Bevor er eingelassen wird, hat er die Verhaltensregeln zu akzeptieren.

    Das ist ein sehr wichtiger Punkt. An diesem Punkt scheitern in der Folge so manche Besucher.

    Alle Kneipen haben etwas gemein. Sie wurden von jemandem gegründet. Dieser hat Geld und Zeit in die Kneipe gesteckt. Dieser Jemand muss nicht eine einzelne Person sein. Es können auch mehrere sein.

    In der richtigen Kneipe fällt auch schon mal der eine oder andere durch sein Verhalten auf. Was passiert? Nun, der Hausherr wirft ihn (manchmal mit Hilfe der Polizei) aus dem Haus. Natürlich ist der Gast wütend. Vielleicht hat der Gast manchmal sogar Recht weil ihm Unrecht geschehen ist.

    Hat schon jemand einmal die Demokratie bemüht, um die Bestuhlung, das Essensangebot oder die Raumaufteilung in einer Kneipe zu ändern? Hat schon jemand einmal nach dem Rausschmiss aus einer Kneipe unter den Kneipenbesuchern eine Umfrage veranstaltet, ob er nicht doch wieder eingelassen werden soll? Würde jemand überhaupt auf diese Ideen kommen? Ich glaube nicht.

    Ein Forum wurde von jemandem gegründet, der Geld, Speicherplatz und Zeit investiert, um eine Umgebung zu schaffen, wie sie ihm gefällt. Manchmal fragt er seine Stammgäste, ob sie dies oder jenes gerne neu hätten oder nicht. Aber an die von ihm bestimmten Spielregeln hat sich jeder zu halten. Diese können aber von Forum zu Forum unterschiedlich sein.

    Einer hat relativ strenge Regeln und kehrt mit eisernem Besen. Ein anderer hat gar keine Regeln, sondern schaut wohlwollend auf seine Schäfchen. Der eine macht alles selber, der andere hat Moderatoren und Administratoren. Wie auch immer, ob Regeln oder nicht, mit dem Eintritt ins Forum hat man sich als Teilnehmer unterzuordnen.

    Denn ein Forum ist keine Demokratie, in der die Mitglieder bestimmen, wie das Interieur auszusehen hat. Der „Macher“ mit seinen Moderatoren bestimmt. Es ähnelt eher einer Diktatur. Ebenso wie der Kneipenwirt und sein Betreiberteam festlegen, welche Tische gekauft werden, ob es ein Hinterzimmer nur für Stammgäste gibt, ob es ein Zimmer ohne Fenster gibt, damit nicht jeder hereinschauen kann.

    Das Wort „Diktatur“ ist hier nicht negativ gemeint. Denn im Gegensatz zu einer Diktatur in der Politik hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, einem schlechten Diktator seine Meinung zu sagen, in dem er einfach „auf Wiedersehen“ sagt und geht. Die Demokratie der Füße, wenn man so will.

    Und was nützt einem „Diktator“ ein leeres Reich, was nützt einem Forumsbesitzer ein leeres Forum, was nützt einem Wirt eine leere Kneipe? Nichts. Und so wird schon jeder Wirt zusehen, dass er ein Interieur anbietet, von dem er meint, das es seinem Publikum zusagt.

    Hier entwickelt sich also eine Art Gleichgewicht. Die Mitglieder müssen die Regeln einhalten, keine Frage. Auch wenn sie nicht immer mit allem einverstanden sind, was vom Forenbetreiber festgelegt wurde. Und der Forenbetreiber muss sich überlegen wie viel Regeln für das Forum gut sind und wie viele es aushält.

    Die Mitglieder können zwar über Veränderungen diskutieren, haben aber nicht das Recht, sie zu verlangen. Weil es eben keine Demokratie gibt in der Forenlandschaft. Wer sich damit nicht abfinden kann, soll ein eigenes Forum aufmachen, mit eigenen Regeln, die dann vielleicht eine Basisdemokratie beinhalten. Aber da auch hier wieder der Betreiber die Regeln festgelegt hat, ist es dann nicht auch eine Art „Diktatur“?

    Ich selber stehe auch einzelnen Maßnahmen der Forenleitung oder einzelnen Bestimmungen aus der Nutzungsordnung kritisch gegenüber. Aber ich habe sie zu akzeptieren, wenn ich hier mitmache. Ebenso wenig bin ich mit manchen Reaktionen aus den Reihen der Mitglieder einverstanden.
    Aber ich wäge ab. Und die positiven Seiten dieses Forums überwiegen für mich bei weitem. Sollte es einmal anders sein, habe ich jederzeit die Möglichkeit das Forum zu verlassen.

    Aber der Tag ist hoffentlich noch weit.

  2.  
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  3. #2
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    trotz dem gedrückten thankomat,
    @moselbert : :bravo:
    Dich kann man auch "den guten Geist des Hauses" nennen

  4. #3
    UAL
    Avatar von UAL

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    8.198

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    @ Moselbert, :-)

    eine ordentlich interpretierte "Hausordnung" Man könnte vielleicht noch den Begriff des "Stammtisches" hinzufügen

  5. #4
    Avatar von Bökelberger

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    2.130

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    @moselbert
    Klasse geschrieben !
    Richtig interpretiert !


  6. #5
    Avatar von Dana_DeLuxe

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    740

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    Lieber Moselbert,

    vielen Dank für diesen wohl formulierten Beitrag, dem ich zustimme. :-)

    Er gibt mir gleichzeitig die Gelegenheit, die Gedanken, die mich seit einer Weile umtreiben, auch zu äußern.

    Du wirst mir sicher nachsehen, wenn ich Deine bereits eingeführte Analogie weiterspinne...


    Eine Kneipe also.

    Man geht die ersten Male hin, hört beim ein oder andren Tischgespräch zu, macht sich vertraut. Die Einrichtung ist komfortabel und praktisch, die Musik gefällt. Die Stimmung stimmt.

    Ein ums andre Mal schaut man wieder rein, fängt an, manche wiederzuerkennen, sie schätzen (oder in Einzelfällen auch fürchten ;-D) zu lernen. Man sagt selbst mal was, wird angenehm aufgenommen, alles ist prima.

    An manchen Tagen und an manchen Tischen gehts dann auch mal etwas deutlicher zur Sache, es wird kontrovers diskutiert, Meinungen werden deutlich geäußert, manchmal wirds gar emotional, das sind auch die spannenden Tage. Die sich da hakeln, auseinander setzen, zanken, die zeigen auch viel von sich, geben Ansatzpunkte für Widerworte aber auch für Verstehen und wirkliches Kennenlernen.

    Als Newbie hält man sich da raus.

    Die Stammgäste scheinen sich schon lange zu kennen. Und aus dieser gemeinsamen Vergangenheit gibt es Freundschaften, Bündnisse und Animositäten, die für einen Neuling kaum zu durchblicken sind. Die meisten sind aber als Einzelpersonen so nett und haben so Interessantes auf immer eigene Art zu erzählen, daß man sich weiter raushalten will, wenn die alten Missalliancen durchklingen.

    Nach einer Weile merkt man, daß die Stammgäste sich manchmal auch im Hinterzimmer treffen, wo sie unter sich sind, daher tiefere und offenere Gespräche führen können. Kein Problem.

    Kein Problem?

    Nicht, solange auch draussen, im Gastzimmer, weiterhin interessante und erhellende Diskussionen laufen. Dann denkt nämlich kaum einer überhaupt an das Nebenzimmer.

    Und da, im offenen Bereich, im Gastzimmer, da wo eigentlich die Musik spielt, da ist es ein wenig leer geworden in letzter Zeit. Manche sind (freiwillig oder nicht) gegangen, einige wenige im Streit, andere sind einfach weiter gezogen in andere Kneipen...

    Manche haben einfach schon so oft die gleichen Geschichten gehört, daß sie nichts neues mehr erwarten, sie haben schon so oft Indiskretionen und Überreaktionen erlebt und ausgewartet, daß sie sie nur noch überlesen, aber nicht mehr reagieren mögen.

    Die Gespäche im Hinterzimmer interessieren mich nicht. Wirklich nicht, ich gönne jedem seinen Rückzugsraum und es gibt jede Menge gute Gründe manche Dinge nur im geschlossenen Kreis zu besprechen.

    Aber, ihr Bewohner des Hinterzimmers, ihr fehlt uns hier draußen, zumindest habe ich den Eindruck, dass man weniger hier vorne von euch liest diese letzten Monate.

    Und hier draußen hallen dann manchmal die Wände, die Zahl der Beiträge steigt und zu lesen gibt’s nix…

    Wenigstens gibt’s noch das zu beschnacken, was die paar, die noch draußen posten und ein paar Neue schreiben, dass das Neue häufig redundant ist, erklärt sich von selbst… Dass gerade dann auch noch ein paar Angebertypen auftauchen und das Maul aufreißen (Faker), um ein bisschen Leben anzustacheln leider auch.

    Und dass manch eine/r dann anfängt darüber nachzudenken, wo eigentlich der Esprit geblieben ist, der den Aufenthalt in dieser Kneipe so anregend machte, dass mehr Leute (und Postings) fehlen als offensichtlich gegangen sind, mag manchen auf das Hinterzimmer kommen lassen und vermuten lassen, dass dort immer noch das Leben ist und man selbst nur aussen vor…

    Vielleicht erklärt diese These ein wenig die hilflosen (Ruf nach Demokratie) bis pampigen Reaktionen der letzten Tage…

    … die dann auch noch zu mir unverständlichen Streitigkeiten und Sperrungen eskalierten, wobei ich Überreaktionen auf beiden Seiten vermute.



    Ist mir jetzt beim Schreiben ein wenig aus’m Ruder gelaufen, wie es manchmal eben so geht, vielleicht kommt ja noch der Sinn raus…

    Wer es bis hierhin geschafft hat,

    danke für Euer Ohr,

    Dana

  7. #6
    mrhuber
    Avatar von mrhuber

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    @Dana

    ist Dir nicht aus dem Ruder gelaufen, gute Gedanken, schlüssig und mit Geduld und Verständnis geschrieben. Und gut erkannt.

    @moselbert



    Karlheinz

  8. #7
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    Hallo Dana, hallo Moselbert

    Eigentlich wollte ich mich eine zeitlang aus dem Forum zurückziehen, nur lesen, oder gar nicht einloggen. Das mache ich immer so, wenn ich wegen irgendwas schlecht drauf bin.
    Doch euere Beiträge sind sehr gut geschrieben, humorvoll, mit der richtigen Prise Humor. Vielen Dank, habe mich sehr gut amüsiert.
    Dana, leider interpretierst du da ein zwei Sachen falsch. Kannst es ja nicht besser wissen, weil du nur eine Seite der Medaille kennst.

    :byebye: Marco

  9. #8
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    @KTT

    mit solchen post´s

    leider interpretierst du da ein zwei Sachen falsch. Kannst es ja nicht besser wissen, weil du nur eine Seite der Medaille kennst.
    ermunterst du aber die leute im normalen gastzimmer auch nicht, das hinterzimmer zu vergessen...

    @dana niederboarische

    cooles teil haste da geschrieben, moselbert sowieso

    waldi

  10. #9
    expatpeter
    Avatar von expatpeter

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    Bitte sagt jetzt nicht, dass ich wieder superklug sein will. Ich habe mir einfach nur die Posts von Moselbert und Dana durchgelesen und meine Gedanken dabei gemerkt und aufgeschrieben. Ich möchte dabei niemanden ins Unrecht stzen oder kritisieren, es sind nur einfach meine Gedanken. Viel ist's ja nicht. Muss ja auch nicht in der "Kneipe Nittaya". In einer Kneipe findet man ja gewöhnlich keine homogene Gesellschaft vor, sondern allle möglichen Meinungen. Alles, was man sagt, ist für irgendjemanden falsch und für irgendjemanden anderen richtig.

    Moselbert,
    Leider hast du bei deiner bejubelten Abhandlung vergessen, dass Regeln immer auch eine gewisse Rechtsicherheit herstellen sollen. Wenn nämlich einer sich an die Regeln hält, dann sollte er vor einem Forentodesurteil sicher sein (den Rauswurf meine ich).
    Wer geht, dem hat es nicht gefallen, weil er keine Möglichkeiten hatte, seine Vorstellungen von Forum zu verwirklichen. Insofern sammeln sich Mitglieder an mit den Jahren, die den Vorstellungen der Unternehmer entsprechen, nämlich: „Ruhe geben“. Auch du hast in deiner Abhandlung genau in diese Kerbe gehauen.
    Wenn einer sich den Regeln entsprechend verhält, dürften eigentlich nicht nachträglich neue Regeln erfunden werden, um ihm doch eins auszuwischen, weil er in seinen Aussagen trotzdem noch ärgerlich ist. Denn im Grunde ist so ein Regelwerk ein Vertrag. Du benimmst dich entsprechend. Dafür tun wir dir nichts. Niemand hat allerdings z.B. unterschrieben, dass er Ruhe geben will, wo er keine Antworten bekommt.
    Die Forenleitung hat die Möglichkeit, jederzeit den Hebel zu Ungunsten eines Mitglieds herumzulegen, der innerhalb der Regeln Unangenehmes sagt. Sie tut das auch bisweilen. Dass sie dann von einem großen Teil der Forenmitglieder bejubelt wird, ist für mich ein Phänomen. Da wurde eventuell eine Auslese getroffen, die auch zu der von Dana später bemängelten Armut im Niveau (meine Interpretation) der Beiträge führen könnte.

    Dana,
    Solche Ergebenheitsposts brauchen keine guten Formulierung. Gut formulieren muss man, wenn man auch nur ansatzweise widerspricht. Insofern attestiere ich dir eine ausgezeichnete Formulierungskunst in deiner Erwiderung.

  11. #10
    Avatar von Mang-gon-Jai

    Registriert seit
    12.02.2002
    Beiträge
    3.479

    Re: Gedanken zu Kneipen und Demokratie

    @Expatpeter
    Die Forenleitung hat die Möglichkeit, jederzeit den Hebel zu Ungunsten eines Mitglieds herumzulegen, der innerhalb der Regeln Unangenehmes sagt. Sie tut das auch bisweilen. Dass sie dann von einem großen Teil der Forenmitglieder bejubelt wird, ist für mich ein Phänomen.
    Dann pass mal auf, ob du auch bejubelt wirst! Ich verpasse dir jetzt namlich eine Verwarnung. Diese Verwarnung hebe ich nicht so schnell auf wie die bisherigen!!
    Mehr noch: Solltest du dich jetzt noch einmal negativ gegen die Leitung dieses Forums äußern - sei es auch nur ganz gering - schmeiße ich dich raus!!!
    Wenn dir die Leitung des Nittaya nicht gefällt, dann hau gefälligst ab und ärgere andere Moderatoren! Es reicht mir langsam!


    Mang-gon Jai (Moderator)

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