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Wir mussten ja weiterleben, 12.12.05, 20.15, ARD

Erstellt von Rene, 04.12.2005, 17:16 Uhr · 0 Antworten · 711 Aufrufe

  1. #1
    Rene
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    Wir mussten ja weiterleben, 12.12.05, 20.15, ARD

    "Einen Moment lang dachte ich, ertrinken ist gar nicht so schlimm", erinnert sich Axel Hartung an den Morgen, als ihn die Wellen aus seinem Hotel rissen und unter Treibgut begruben, bis es um ihn dunkel wurde. Dann drehte sich ein Autowrack und schleuderte ihn wieder ans Licht, wo er den Sand ausspuckte und sich an einem Baum festhalten konnte. Danach dämmerte ihm, dass er seine Frau aus der Umklammerung verloren hatte. Monate später streut der Witwer aus dem Schwarzwald vor der Küste Phukets ihre Asche ins Meer, wie sie es sich einmal gewünscht hatte. Nach Thailand waren sie immer gern gereist. "Natürlich mache ich mir Vorwürfe, dass ich sie nicht fester hielt", sagt er heute noch, obwohl er weiß, dass er schon fast bewusstlos war. Dann werden seine Augen nass und er greift zum Taschentuch. Vor allem seine Enkel geben ihm nun Halt. Die Kleinen, sagt er, seien die Zukunft.

    Im Fischerdorf der Familie Lim weiter in Thailands Norden, das die Flutwelle hinwegspülte, wurden unterdessen die Häuser wieder aufgebaut. Auch Vater Lim hat seine Frau verloren. Die Szene, in der ein Helfer ihm nur noch deren Brille aus dem Wasser reichte, ging damals durch die Fernsehnachrichten.

    Weder die Leiche der Frau noch die von Lims ältestem Sohn und einem seiner Enkel wurden gefunden. "Man darf nicht daran denken, sonst wird man verrückt", sagt er dem NDR-Team, das auch ihn das Jahr über begleitete.

    "Er lächelte immer", sagt Filmautor Klaus Scherer, zuletzt ARD-Korrespondent im Fernen Osten, "aber das heißt nicht, dass er nicht trauert. Es ist die Art der Asiaten, die Zuhörer höflich zu schonen."

    Die bedrückendste Situation fand Scherers Team in der indonesischen Provinz Aceh vor. Die Überlebenden, die er dort mehrmals besuchte, wohnten noch Monate lang in Zelten. Das versprochene Geld der Regierung blieb lange aus. Die Kinder gingen in keine Schule mehr. Irgendwann kehrten sie auf eigene Faust in die Trümmerregion zurück und bauten sich aus Treibgut neue Hütten. "Wir mussten ja weiter leben", sagen sie rückblickend. "Es ging hier jedem so. Wir waren zum Glück nicht allein."

    In Gesprächen schildern die Überlebenden zu Hause und an den Katastrophenorten ihren Alltag zwischen Trauer und Neuanfang. Bisher unveröffentlichte Bilder erinnern zudem an den Tag, der die Welt wochenlang in Demut stürzte. Scherer sah sich in Krankenhäusern um, die von Spendengeldern wieder aufgebaut wurden, sprach mit Ärztinnen und Mönchen wie auch mit freigelassenen indonesischen Rebellen und Soldaten, die im Schock der Flut endlich zu einem Friedensabkommen fanden. "Es ist bewundernswert", so Grimme-Preisträger Scherer, "was alle diese Menschen ertragen, um ganz von vorne anzufangen. Mit oder ohne unsere Hilfe."

    "Wir mussten ja weiterleben" - Katastrophen Montag, 12.12.2005
    Beginn: 20.15 Uhr Ende: 21.00 Uhr Länge: 45 Min.

  2.  
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