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Deutsches Bier macht China trunken

Erstellt von odysseus, 19.08.2003, 18:19 Uhr · 0 Antworten · 1.122 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von odysseus

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    Deutsches Bier macht China trunken

    Servus :-)
    Soeben gelesen bei http://www.wams.de/data/2003/08/17/154713.html?prx=1
    Deutsches Bier macht China trunken
    Die Küstenstadt Qingdao feiert das Jubiläum ihrer von Deutschen gegründeten Brauerei. Ein Beispiel für verpasste Investitionschancen
    von Johnny Erling
    Qingdao - Durch die Straßen von Qingdao flanieren als Bierflaschen verkleidete Models, Kinder tanzen zu den Klängen von Musikkapellen, Konfettikanonen schießen bunte Papierfontänen in die Luft. Hunderttausende Einwohner feierten in der Küstenstadt das hundertjährige Jubiläum ihres Tsingtao-Biers. Die dazugehörige Brauerei, die erste in China, war 1903 von Deutschen an dem kolonialen Marinestützpunkt erbaut worden. Die Chance zur wirtschaftlichen Kooperation ließen sich die Deutschen freilich später entgehen. Nicht so die Amerikaner.
    Und so werden denn auch keine deutschen Symbole, sondern eine Nachbildung der amerikanischen Freiheitsstatue bei der Jubiläumsfeier auf einem Karnevalswagen durch die Menge geschoben. Die Freiheitsstatue ist eine Geste des Dankes an den amerikanischen Bierkonzern Anheuser-Busch, mit dem die Tsingtao-Brauerei kooperiert. Dabei ist die Freiheitsstatue ein verbotenes Symbol in China. Studenten hatten eine Gipsnachbildung 1989 bei ihren Demonstrationen in Peking eingesetzt, bevor die Regierung die Proteste und die Statue mit Panzern niederwalzen ließ.

    In Qingdao erregt der "Auftritt" der Freiheitsstatue keinen Anstoß - wirtschaftliche Interessen und die Liebe zum Bier machen es möglich. Nach durchzechter Nacht erscheint die Morgenzeitung mit der Schlagzeile "Qingdao zui le!" (Qingdao ist betrunken!).

    Ganz unerwähnt bleibt Deutschland nicht. Mit Millionenaufwand hat die Tsingtao-Brauerei zum Jubiläum auch ein Biermuseum eröffnet. Dort werden die Dokumente über die deutsche Annexion Qingdaos 1897, über den ein Jahr später erzwungenen Pachtvertrag über "571,75 Quadratkilometer Land auf 99 Jahre" bis zur Vertreibung der Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 durch die Japaner gezeigt.
    Die teils leidvollen Erfahrungen aus der deutschen Kolonialzeit belasten die Beziehungen schon längst nicht mehr. Qingdao hat sich mit seiner Geschichte versöhnt. Das Biermuseum ist der Beleg dafür. Der eigentliche Schatz der Sammlung sind die mit Liebe zum Detail aufbereiteten 100 Jahre alten Braugeräte. "Der Siemens-Motor aus dem Jahre 1896 läuft sogar noch", schwärmt Tsingtao-Geschäftsführer Jin Zhiguo. Die Deutschen hätten damals eben für eine Ewigkeit geplant.
    Vom geschäftlichen Weitblick heutiger Brauer in Deutschland hält Jin dagegen wenig. "Ich verbünde mich heute lieber mit den Amerikanern", sagte er gegenüber WELT am SONNTAG. Er könne bei den Deutschen kein strategisches Denken, Visionen und die Bereitschaft Weltmärkte zu erschließen mehr erkennen. "Da ist alles nur noch kleinklein."
    Auch der Deutsche Hermann Kronseder, Gründer der Krones AG, die die Tsingtao-Brauerei mit Maschinen und modernen Abfüllanlagen beliefert, findet: "Wir verschenken unsere Chancen. Unsere Brauer haben keinen Mumm mehr."

    So verpasste die Firma Liebherr die Chancen einer Kooperation mit dem heutigen Weltkonzern "Haier". Liebherr verkaufte 1984 dem Qingdaoer Unternehmen, als es noch ein Schrottbetrieb war, die Erlaubnis zum Lizenznachbau deutscher Kühlschränke. Als die Fristen abliefen, hatte man kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit. "Wir wollten danach ein Joint Venture mit ihnen eingehen. Aber sie wollten nicht. Sie hatten vermutlich kein großes Vertrauen in unsere Wirtschaftsentwicklung", erzählt Zhang Ruimin, Präsident der "Haier"-Gruppe. Gerade hat ihn die Zeitschrift "Forbes" als einzigen Chinesen unter die 25 mächtigsten Manager gewählt.


    Nicht alle deutschen Firmen machen solche Fehler. Die deutschen Obi-Baumärkte gingen 2002 eine strategische Kooperation mit Haier ein. Gemeinsam will man in China 100 Heimwerkermärkte aufbauen, die unter dem Konzept von Obi als "Shop im Shop" auch Haushaltsgeräte von Haier integrieren. Im Mai 2003 hat der erste Kombi-Shop in Qingdao auf 15 000 Quadratmetern eröffnet.


    In Städten wie Qingdao stünden den Deutschen, die hier vor hundert Jahren auch unter anderem die bis heute viel gerühmte Kanalisation bauten, viele Türen offen. Doch niemand nutzt sie. Gerade vergab die Stadt den Auftrag für den Bau eines gigantischen Containerterminals für 800 Millionen Euro an ein britisch-dänisch-chinesisches Konsortium. Deutsche Firmen hatten sich nicht beworben.


    Qingdaos großes Bierfest zu Ehren von 100 Jahren Tsingtao-Brauerei allerdings feiern viele Deutsche mit. Riesige Bierzelte werden von deutschen Brauern betrieben, das importierte deutsche Bier findet reißenden Absatz. Bis in den frühen Morgen wird getrunken. Einer der amerikanischen Gäste wundert sich. "Warum fassen die Deutschen nicht endlich im Brauereigeschäft Chinas Fuß, statt sich mit Brosamen zu begnügen?"

  2.  
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