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Soziale Aspecte --> TH. / Deutschland

Erstellt von Nokgeo, 09.04.2009, 18:16 Uhr · 73 Antworten · 6.310 Aufrufe

  1. #71
    Avatar von aalreuse

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    Re: Soziale Aspecte --> TH. / Deutschland

    Zitat Zitat von franky_23",p="727941
    Lohnfortzahlung und Urlaub sind Bundesgesetze, also nicht unbedingt nur dem Organisationsgrad zuzuschreiben, sondern haben eine Tradition die in die zweite Hälfte des 19. Jhd. zurückreicht, weil eben die Verhältnisse in D im Rahmen der Industrialisierung für den Arbeiter katastrophal waren.

    Das ist so nicht ganz richtig. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für gewerbliche Arbeitnehmer wurde im umfangreichsten Arbeitskampf nach dem Krieg durch die Mitglieder der IG Metall und der (finanziellen) Solidtät der DGB Gewerkschaften erstreikt und war bis Ende der 60er eine rein tarifvertragliche Regelung. Das Bundesurlaubsgesetz sieht nur 24 Tage und nicht 30 Tage vor auch das ist eine reine Tarifvertragsregelung. Auch das Bundesurlaubsgesetz haben wir nur einer starken solidarischen Arbeitnehmerschaft zu verdanken und einer SPD die damals noch Arbeitnehmerpartei war.

    Viele machen den Fehler zu denken, alles steht jetzt in Gesetzen und ist in trockenen Tüchern....Gesetze kann man ändern oder aufheben.... auch ein Grund für die Propaganda der Eigenverantwortung und der Entsolidarisierung...Zerschlagung der Arbeitnehmerbewegung und deren Erungenschaften....zurück ins 18/19te Jahrhundert.

    Heute denken viele Gewerkschft=Sozialismus=DDR und das wollen wir nicht mehr und öffnen so Lohndumping und Sozialabbau Tür und Tor. Dabei ist das bilden von Inderessenvertretungen für die Arbeitnehmerschaft eine im GG fetsgeschriebenes Grundrecht....Ich will nicht wissen welche Säue nach der Wahl durchs Dorf getrieben werden und wie der kleine Mann für die von wenigen nimmersatten Kapitalisten angezettelte Krise wird bluten müssen...

    Die alten gewerkschaftliche Parole Arbeitnehmer vereinigt Euch nur gemeinsam seit ihr starkt ist nicht nur nach wie vor gültig, sondern aktueller denn je

    http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_...Krankheitsfall

  2.  
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  3. #72
    Avatar von franky_23

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    Re: Soziale Aspecte --> TH. / Deutschland

    Zitat Zitat von aalreuse",p="727952
    Zitat Zitat von franky_23",p="727941
    Lohnfortzahlung und Urlaub sind Bundesgesetze, also nicht unbedingt nur dem Organisationsgrad zuzuschreiben, sondern haben eine Tradition die in die zweite Hälfte des 19. Jhd. zurückreicht, weil eben die Verhältnisse in D im Rahmen der Industrialisierung für den Arbeiter katastrophal waren.

    Das ist so nicht ganz richtig. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für gewerbliche Arbeitnehmer wurde im umfangreichsten Arbeitskampf nach dem Krieg durch die Mitglieder der IG Metall und der (finanziellen) Solidtät der DGB Gewerkschaften erstreikt und war bis Ende der 60er eine rein tarifvertragliche Regelung.
    war somit eine rein tarifvertragliche Regelung und galt nur für die Betriebe die Tarifvertragspflichtig waren.

    Vorher gab es auch schon Krankengeld, aber richtig die volle Lohnfortzahlung für die ersten 6 Wochen gab es nicht.

    Die Lohnfortzahlung galt in den 60 ern schon für Beamte - Versorgungsprinzip, beim Militär und bei Angestellten.

    Auch gab es bis vor einigen Jahren für Angestellte und Arbeiter unterschiedliche Regelungen zur Kündigung. Dies hat eine gesetzl Regelung und kein Tarifvertrag aufgehoben.

    Auch irrst Du wenn 30 Tage der Regelurlaub ist. Im Durchschnitt sind es ca. 25 Tage. Selbst Staatsbedienstete haben häufig nur 28 oder 29 Tage

    Das Bundesurlaubsgesetz geändert unter Rot Grün sieht 4 Wochen vor, vorher waren es 3 Wochen. Nur die Betriebe die zum entsprechenden Arbeitgeberverband gehören sind verpflichtet die Leistungen des Tarifvertrages zu zahlen.

    Ein Ernst Abbee führte bei den Carl Zeiss werken die 40 h Woche ein, das war ende der 20 er. Das war weder Gewerkschaft, noch Staat im Spiel.

  4. #73
    Avatar von aalreuse

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    Re: Soziale Aspecte --> TH. / Deutschland

    Naja, ich weiß nicht in welchen Branchen Du gearbeitet hast ...ich hatte noch nie weniger als 30 Tage Urlaub.

    Das Gesetz sieht als Arbeitszeit übrigens immer noch die 6 Tage-Woche mit 48 Stunden unter bestimmten Vorraussetzungen bis zu 60 Stunden vor die Fünf-Tage-Woche ist nach wie vor eine tarifliche Regelung. http://www.streikbeginn.de/arbeitszeit.htm#Arbeitszeit

    Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage wobei der Samstag mitgezählt wird. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind es lediglich 20 Werktage.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesurlaubsgesetz

    Das vor einigen Jahren das Kündigungsschutzgesetz geändert wurde ist bekannt. Die Initiative kam hier aus der Arbeitnehmerlobby. Man wollte die Ungleichbehandlung von gewerblichen Arbeitnehmern und Angestellten aufheben. Jetzt gelten die gleichen gesetzlichen Fristen für alle. Im übrigen gibt es im Kündigungsschutzgesetz eine Öffnungklausel zu den Tarifverträgen. Das Kündigungsschutzgesetz greift nur, wenn kein Manteltarif besteht, oder im Arbeitsvertrag bessere Bedingung ausgehandelt wurden (was auch möglich ist). Da leider nicht nur den Gewerkschaften, sondern auch den Arbeitgeberverbänden die Mitglieder weglaufen, stellen viele AGs auf einmal fest, dass für sie die tariflichen Kündigungsbedingungen weit besser waren als die gesetzlichen, wettern nun herum und fordern eine Lockerung des Kündigungsschutzes.

    Die Politik will/wollte den Kündigungschutz aber nicht schon wieder anfassen, um die Arbeitnehmerschaft nicht zu verärgern, und hat die geforderte Flexibilisierung über das Leiharbeitsgesetz in den Markt gedrückt. Folge, die Leiharbeitsfirmen schießen wie Pilze aus dem Boden, neue Jobs gibt es defakto nur noch über Leiharbeit, und die Arbeitnehmer dürfen sich das Geld, welches die Auftraggeber bereit sind zu zahlen, mit den Leihfirmen teilen. EIn Gesetzt mit dem die SPD-Regierung unter Schröder ihre ureigenste Klientel, die Arbeitnehmerschaft, verraten und verkauft hat. Wolfgang Clement, der "Vater" dieses Gesetzes, läuft heute schamrot an, wenn man ihn mit den Folgen dieses Gesetzes konfrontiert. Die Folgen sind oft genung die so genannten prikären Arbeitsverhältnisse, die über H4 subventioniert werden müssen, obwohl die Auftraggeber genügend bezahlen, um einem Zeitarbeiter genauso viel zu zahlen wie einem regulären Arbeitnehmer. Alles im allem mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

    Egal wie man es dreht und wendet. Auch wenn heute vieles gleich direkt über Gesetze geregelt wird und nicht mehr lange gestreikt werden muss, ohne eine starke Lobby haben die Arbeitnehmer keine Chance ihre Interessen durchzusetzen oder den Bestand zu wahren. Diese Lobby ist umso stärker, je höher der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist.

    Hier in Deutschland hat es nach dem großen Metallerstreik zwar noch das eine oder andere Geplänkel gegeben, aber auf eine wirkliche Machtprobe wurde sich seitens der AGs lange Zeit nicht mehr wirklich eingelassen, denn sie wussten, was ihnen blüht, wenn die Gewerkschaften ernst machen. So wurde gleich vernünftig verhandelt und gehandelt und in Zusammenarbeit mit der Politik gleich alles in Gesetze gegossen.... daher hat sich hier in D-land, im Gegensatz zu Italien oder Frankreich keine Streikkultur entwickelt und die Arbeitnehmerschaft ist es nicht mehr gewohnt für ihre Interessen zu kämpfen..was zu einem "Einlullungseffekt" geführt hat und jetzt in der Zerschlagung und der Individualisierung endet, leider.

    So etwas wie das Leiharbeitergesetz in der heutigen Form wäre in Frankreich oder in Italien nicht möglich, da hätte die Arbeitnehmerschaft den Laden schon längst dicht gemacht....

    In Dänemark werben die Gewerkschaften z.B. damit um neue Mitglieder bei den jungen Leuten in dem sie sagen, "Kommt zu uns und organisiert euch, oder wollt ihr Verhältnisse wie in Deutschland?"

    In Dänemark oder Schweden bekommt keiner einen niedrigeren Lohn, nur weil er Ausländer ist

    Die jungen Leute von heute sind in der sozialen Sicherheit aufgewachsen, welche unsere Väter und Großväter durch Streik und Lobbyarbeit (mit einer riesigen Solidarität der Arbeitnehmerschaft im Rücken) erkämpft haben (welche heute aaber als selbstverständlich gegeben angesehen wird), welche meine Generation noch zu retten versucht und welche von der nächsten wegen angeblicher Freiheit und Eigenverantwortung aufgegeben wird.

    Sie begreifen eines nicht begreifen, die "Gewerkschaft" sind nicht die Sommers und Wiesehügels, welche in Berlin die Lobbyarbeit machen, die "Gewerkschaft" sind wir alle. Wer die Solidargemeinschaft verläst, mag als Einzelkämpfer vorübergehend den einen oder anderen Vorteil haben. Wenn alle die Solidargemeinschaft verlassen hat keiner mehr einen Vorteil aber alle müssen unter den Nachteilen leiden. Diese ganze Vereinsmeierei mag die perönliche Freiheit etwas einschränken...sie schützt aber auch und gibt Sicherheit.

    Heute heißt es hauptsache Arbeit egal für welchen Lohn. Statt 1% Solidarbeitrag und 100% Lohn gehen die Leute von heute lieber als Einzelkämpfer für 40-50% unter Tarif arbeiten. Mit solchen Kollegen sind wir früher Seite an Seite zum Chef maschiert und haben mit der Faust auf dem Tisch den tariflich vereinbarten Tariflohn gefordert, wenn der Kollege das nicht wollte, haben wir ihn davon gejagt (Mobbing nennt man das heute). Damals hieß es noch lieber arbeitslos als den Tarif brechen.

    Mangels Solidarität und Organistaion im Rücken müssen wir uns heute mit Dumpinglöhnen erpressen lassen...wie ich schon sagte wenn alle die Solidargemeinschaft verlassen, haben am Ende alle nur noch mit den Nachteilen zu kämpfen.

    Noch etwas. Es ist eine Mär das niedrige Lohnkosten Arbeitsplätze schaffen. Wenn dem so wäre, müssten in Afrika und Osteuropa die Fabriken wie Pilze aus dem Boden schießen und die Asiaten incl. den Thailändern schon längst in der tiefsten Krise stecken. Es gibt nur eines was Arbeit schafft. Kaufkraft. Kaufkraft schafft Nachfrage, Nachfrage schafft Arbeit. Hier in Deutschland versucht man aber uns weiß zu machen, dass es uns allen besser gehen würde, wenn wir alle weniger hätten und mit dem immer geringeren Einkommen immer höhere Preise bezahlen.

    Ich gehe fast jede Wette ein, wegen der hohen Steurausfälle durch die Wirtschaftskrise, wird nach der Bundestagswahl die Mehrwertsteuer auf 22% oder mehr erhöht....

    (Das nur mal so als Gedanken, welche mit gerade dauernt durch den Kopf gehen)

    Jetzt werden viele sagen, wenn es dir hier nicht gefällt, dann geh doch woanderes hin. Weglaufen oder den Kopf in den Sand stecken ist mit Sicherheit keine Alternative....

  5. #74
    Avatar von franky_23

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    Re: Soziale Aspecte --> TH. / Deutschland

    aalreuse,
    mir sind die gesetzl. Urlaubsregelungen durchaus bekannt.

    Nicht ich habe von 30 Tagen Urlaub gesprochen. Übrigens gibt es soweit ich weiss nicht mal generell im Metallhandwerk in Bayern. auch IG Metall.

    Ausserdem gibt es leider nur einen relativ kleinen Organisationsgrad und die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften schrumpfen.

    Erkundige dich bei Leiharbeitern, in Nahrungsmittelindustrie, ... im Handwerk in den freien Berufen. 30 Tage Urlaub sind bei Neuverträgen selten.

    Dann gibt es das Prinzip 38 h Woche auch nur noch beschränkt auf dem Papier. Durch die zahlreichen Öffnungen wird häufig davon abgewichen. Statistiken gibt es kaum darüber

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