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Oo, Od und Djuan...

Erstellt von Kali, 20.08.2004, 12:40 Uhr · 2 Antworten · 900 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Oo, Od und Djuan...

    Sa:m luk sapai, also drei Schwiegerkinder, oder kurz: Sie scheinen unter der Haube zu sein, die Kinder, die von Suay nämlich, wie da sind – in der Reihenfolge der genannten Pendants: Djaeb (Chainarong), Daeng (Chonchicha) und Thong (Thongsak).
    Und während Suay, das mir angetraute Eheweib, noch zärtlich die in der Küche ständig sichtbaren Bilder ihrer ´groß´ gewordenen Familie ansieht, erfasst sie wie unbeabsichtigt meinen Arm und lässt einen kaum wahrnehmbaren Seufzer der Erleichterung ertönen, so, als ob sie irgendetwas innerlich abgeschlossen habe. Sie sieht sehr zufrieden aus, zumal sie sich in den letzten Wochen häufiger brieflich meldeten bei ihr, die Kinder, die mit Sicherheit keine besonders schöne Kindheit gehabt. Na ja, vielleicht war´s auch mein Gemaule, dass sie gar nicht schreiben würden, die Kinder – und Suay hat´s ihnen natürlich hintertragen, was sie vermutlich beflügelte. Fast zwei Jahre nichts, nun innerhalb von 7 Wochen der 5. Brief aus Thailand – wer sagt´s denn ?! Dass wir voraussichtlich noch dieses Jahr nach Thailand spielt sicher nur eine untergeordnete Rolle, obwohl, daß man ihn ein wenig wohl stimme, den farang-po:, ist – prophylaktisch gesehen – sicher nicht verkehrt und entbehrt nicht gewisser ökonomischer Intention. Vielleicht läßt er sich ja nicht lumpen, wo man sich doch die Mühe gemacht, mit dem Geschreibsel nämlich.
    Und der kaum wahrnehmbare Seufzer der Erleichterung ist noch nicht ganz verklungen, da arbeitet es bereits, in meinem Kopfe nämlich, wie ich sie denn zu Papier – resp. Bildschirm – bringe, die Gedanken an meine Stiefkinder, die ich kaum kenne, die mir aber ans Herz gewachsen.

    Nehmen wir zunächst einmal Djaeb (21), das ist der, zu dem Oo (19) gehört, der fast drei Jahre nun auf dem Rajabath-Institute in Udon hinter sich – ein fleißig Kerlchen, schon immer nicht nur Mutters sondern der Familie Liebling überhaupt.


    Er ist mir unvergesslich, da er mich bei unserem ersten Kennenlernen nach dem respektablen Wai spontan ganz unkonventionell in den Arm genommen hatte – zu Mutters und aller Überraschung. Ein sehr ruhiger Vertreter, gewissenhaft in dem, was er tut, offen seiner Mutter und Großmutter, sehr skeptisch der übrigen Umwelt gegenüber.
    Hatte sich zusammengetan, vor zwei Jahren bereits, mit Oo, der aus gutem Hause, deren Vater dann einlenkte, nachdem die Kommission zur Klärung der Angelegenheit bei ihm weilte. Sie werden also warten mit den Hochzeitsvorbereitungen, bis die Kinder die Schule beendet und Stiefsohnemann in Lohn und Arbeit, wobei die Vorgespräche mit den Schwiegereltern in spé bereits harren, unserer nämlich, wenn wir denn dort einlaufen werden.

    Und kommen wir zu Daeng (28), ein glückloses, allerdings intellektuell begnadetes Wesen, das ist die, zu der Od (28 / 30 ?), ein junger Mann, als Elektriker bei einer Firma in Chonburi, ein scheinbar sehr netter Mensch, der noch in der Hütte der Mutter lebt, diese finanziell unterstützt.


    Daeng hatte Kinderlähmung, zieht immer noch ein Bein stark nach, kränkelt häufiger, hatte allerdings verbissen die Schule nicht nur beendet, sondern sich auch ausgezeichneter englischer Sprachkenntnisse bemächtigt, lernte auch noch Holländisch, der Geier weiß, warum ;-D. Vielleicht ein Glücksfall, das mit ihrer körperlichen Behinderung, so ist vermutlich der pattayanische Kelch an ihr vorübergegangen. Sie arbeitet derzeit in ´bürgerlichem´ Berufe in Chonburi, wie öfter schon mal – als Lehrerin an einer Behindertenschule, an der Rezeption eines Hotels, unterbrochen von Aufenthalten in Ban Tab Kung und diversen Kliniken. Gleich ihrer Mutter eine ´Paria´ in der Familie Ngoendi, lediglich geduldet – und selbst das nicht immer. Man munkelt von einem Kind in nunmehr zartem Alter von 12 Jahren, nach der Geburt zu den Eltern des Vaters – doch das ist Vergangenheit, man spricht nicht mehr drüber.
    Hat sich also mit Od zusammengetan, einem sympathischen Menschen, der sich bereits geäussert hat, sich zu freuen, wenn er uns denn persönlich kennen lernt. Auch er körperlich nicht ganz intakt, ein Bein musste nach einem Unfall halb amputiert werden – so haben sie sich halt zusammen getan, ich hoffe für sie mit dem Gefühl, der Rest der Menschheit könne sie mal – einfach so akzeptieren, wie sie sind Sehr zum Leidwesen seiner Mutter, die sich eine ´bessere´ Partie für ihren Sohn gewünscht. Doch so sind sie, die Mütter – überall auf dieser Welt.
    Auch will er was klären, mit uns nämlich: Stieftöchterchen hat ihm nämlich verklickert, dass Mutter ein Brautgeld, also dieses berühmt berüchtigte ´sin sod´ in Höhe von 30.000 THB erwarte – nicht übermäßig viel, eben dem gesellschaftlichen und körperlichen Status angemessen. "Kein Problem," meinte ich zu Suay, "soll er die Kohle abdrücken, kann der andere Sohn, der Djaeb, eben auch heiraten." ;-D Obwohl, da wird ein wenig mehr erwartet – vielleicht schon mal als Anzahlung ?

    Und – last but not the least – der Thong (27), das ist der, zu dem die Djuan (40) gehört. Ein Bilderbuchthai, ganz der Sohn seines Vaters, hatte gesoffen wie ein Loch, sich mit Yaa Baa und anderem psychedelischen Zeugs zugedröhnt – hatte auch gedient, wobei Gerüchte, dass er auch schon mal einem das Leben verkürzt haben soll, weder von offizieller noch inoffizieller Seite bestätigt wurden.


    ´The Last Chance´ – er hatte sie genutzt und sich Anfang 2002 unter das sicher erscheinende Mönchsgewand geflüchtet. Wurde von heute auf morgen clean, war sehr beliebt nicht nur bei Mönchens sondern auch den ´Normalos´ unter buddhistischem Himmel – ganz zu schweigen vom ´tham bun´, für die Familie und so.
    Erst recht für Schwägerin, die versoffene, die große Stücke auf ihn hält. Denn Thong ist ein ´Auserwählter´, einer, der es geben und nehmen kann, dieses ´khong vicha´ oder auch ´sayasad´ – er kann´s beeinflussen, ob jemand jemanden liebt oder nicht, ob jemand krank oder nicht, oder auch den lebensbeendenden Schritt weiter – und alles aus der Ferne, aus der thailändischen nämlich.


    Doch auch das Mönchsgewand hat ihn letztendlich nicht schützen können – vor einer Frau nämlich, deretwegen er´s nun ausgezogen. Sie muss es gespürt haben – ganz stinkelitiv, äähhh, instinktiv natürlich, dass er hilflos, dass er mehr Mutter denn Frau sucht – und sie mehr Sohn denn Mann. Und so haben sie sich zusammengetan, jeder nach seinem Gusto. Leider noch kein Bild von ihr, Suay sieht´s allerdings nicht ungern. Thong war immer schon ihr Sorgenkind, gerade im zugedröhnten Kopf immer um Liebe buhlend, wie selbst erlebt, als er noch trank – doch immer mit einem gewissen – meistens einäugigen – Respekt vor dem zukünftigen Mann seiner Mutter. Allerdings als Mönch – ja, da war er Souveränität selbst, fast huldvoll ließ er es sich reichen, das Essen und auch die Zigaretten, von Mutter und Oma.
    Nun hat es sich ausgehuldet, nun muss er arbeiten, im Reis und anderswo, damit er sie im Gange halte, die Verdauungsorgane nämlich, von seiner mia und sich. Ob er wieder trinkt ? Ich weiß es nicht, wir werden sehen.

    So steht einiges an bei unserem nächsten Aufenthalt in Thailand, auf dass wir´s zum Abschluss bringen. Mein Vorschlag an Suay, alleine hin zu fahren und alles zu regeln, wurde nicht nur vehement abgelehnt – war von mir auch als Scherz gemeint. Ich werde sie nicht alleine lassen, die, die sie absolut keine Erfahrung in diesen thail. gesellschaftlichen Verpflichtungen, die im übrigen für sie der reinste Horror zu sein scheinen.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von DisainaM

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    Re: Oo, Od und Djuan...

    Also wieder nix mit dem Badeurlaub,

    alleine, 2 Wochen im Süden ;-D


    Dafür lernst Du Deine Stiefkinder wieder ein bischen besser kennen,

    und bringst dem kleinen Isaan Dörfchen etwas von Heinsberg-Harmonie nahe

  4. #3
    Avatar von Peter-Horst

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    Re: Oo, Od und Djuan...

    Hallo Jürgen,

    mal wieder ein Echter Kali.

    Ein schöner und tiefer Einblick in Euer Leben.

    Gruß Peter