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mai hai bpai !

Erstellt von Kali, 26.05.2004, 12:12 Uhr · 32 Antworten · 3.770 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    mai hai bpai !

    ...frei nach Kali: Und ich lasse sie nicht fahren !!

    ...oder aber auch: ´Das Versprechen´

    Dem Ein oder Anderen mag da eine Erinnerung an Dürrenmatt hoch kommen, doch bei dessen Versprechen ging´s mehr um eine Geschichte, die im Justizbereich angesiedelt ist, obwohl sich Schwägerin manchmal schon hart in der kriminellen Grauzone bewegt.

    Nein, diejenigen von Euch, die sich erinnern, werden noch wissen, dass ich meiner Frau, also Suay, nachdem wir denn zusammenlebten, im Stillen das Versprechen gegeben hatte, mich nicht nur um sie zu kümmern, sondern sie auch – gerade vor ihrer puckligen Verwandtschaft, von denen einige hier in Heinsberg und Umgebung leben – zu schützen. Wie das praktisch aussehen konnte, war mir im Grunde die ganze Zeit nicht klar gewesen. Ein sinnloses Unterfangen, mag man nun denken, gerade, wenn man die Verbundenheit innerhalb thailändischer Verwandtschaft, die nach unserem formaljuristischen Verständnis manchmal noch nicht einmal Verwandtschaft ist, kennt. Außerdem ist Suay eine erwachsene Frau (48), und gerade die ´Alten´ hier und außerhalb des Forums hatten mich bereits vor drei Jahren darauf hin gewiesen, dass man sich da raushalten solle, gar nicht einmischen kann. Ausserdem widerstrebt es mir kolossal, der Frau, die nicht nur Lebensgefährtin und Geliebte, sondern auch Partnerin ist, irgendwelche Vorschriften zu machen oder sogar Anweisungen zu geben. Und noch eines gestaltet das Verständnis innerfamiliärer Probleme äusserst schwierig: Die Sprache, Mädels und Jungs, die Sprache, wie Ihr mit Sicherheit festgestellt habt. Auch Suay behält das ein oder andere, was die Familie betrifft, gerne für sich, weil, sie will mich nicht belasten, mir kein nak djai, kein ´schweres Herz´ bereiten. Gerade die, die mit einer Frau aus dem Agrarbereich (verzeih´ Waldi, aber der Begriff ist einfach Spitze ) zusammenleben, wissen, wovon ich rede, wenn dann mehr oder weniger lautstark am Telefon in dem etwas härteren Issaan-Dialekt oder dem chiangmaischen Singsang palavert wird – da nützen alle mühsam angeeigneten Thai-Grundkenntnisse nichts mehr.

    Was ist passiert ? Gestern Abend war´s, so gegen 21:30 h, als das Telefon klingelte. Noki (17), die Tochter von Toy, also der ´versoffenen´ Halbschwester Suays, die ja nun seit Oktober kein Bier mehr, sondern nur noch Wein trinkt, weil, das ist ja kein Alkohol, sprach mit Suay, wobei sich Suays Gesicht immer mehr verfinsterte.
    Stellte sich raus, dass Toy, also Nokis Mutter, sich tagsüber die Rübe zugemacht hatte, mit Wein, versteht sich, weil, das ist ja kein Bier, also kein Alkohol, und im volltrunkenen Zustand, nachdem sie Krach mit Peter, meinem Schwager, bekommen hatte, zu Tui gefahren war, also der Stiefschwester, die ja vermutlich noch in Thailand verheiratet, mit der sie eigentlich seit Wochen nicht mehr redet – und dort wurde dann weitergebechert. Dann hat sie Krach mit Andreas, Tuis deutschem Mann bekommen, hat ihm so richtig eine getafelt. Daraufhin hat Andreas meine Schwägerin an Haaren und Hose aus dem Haus geschleift und draußen ´abgelegt´. Dort schlief sie dann, unfähig nicht nur zu gehen, sondern auch einen klaren Gedanken zu fassen. Andreas rief nun Peter, meinen Schwager an, dieser solle seine Frau so schnell wie möglich nachhause holen, weil, sonst würde er die Polizei rufen und eine Anzeige erstatten. Und Peter, der Gute, kniff mal wieder nicht nur den Schwanz ein, sondern schnappte sich seinen 10-jährigen Sohn und fuhr zu einem Freund, bei dem er mit Sohnemann nächtigen wollte.
    So hatte nun die 17-jährige Tochter die alleinige Verantwortung, ihre Mutter irgendwie nachhause zu schaffen. Diese sprach nun Suay an, ob sie – zusammen mit Nokis Freund – mit ihr fahren würde, weil, diese könnte sicher in Ruhe mit Toy reden.
    Mir schwoll der Kamm, ich rief Noki an, und wir unterhielten uns erst eine Weile, wobei ich ihr klarzumachen versuchte, dass sie keine Verantwortung für ihre Mutter habe, und aufgrund der vorangegangen Ereignisse (kurz zur Erinnerung: in der Zeit, in der ich meine Schwägerin kenne, sind solche Sachen wie mit dem Messer auf die Kinder los, Diskothekenverbote, nächtliche Schlägereien mit Passanten, das 3-monatige Desaster in Thailand vergangenes Jahr und und und passiert) wäre es nicht verkehrt, die Polizei zu rufen, damit sie, meine Schwägerin, mal in den köstlichen Genuss einer Ausnüchterungszelle käme. Es fiel mir verdammt schwer, doch ich sagte ihr auch noch – ohne mit Suay vorher darüber zu sprechen -, dass ich es nicht zulassen würde, dass meine Frau wieder in eine solche Geschichte mit hineingezogen würde. In dem Moment kam wohl Peters ältere Schwester mit ihrem Sohn (24) ins Haus, angeblich würden diese Toy dann aus dem Vorgarten von Andreas auflesen.
    Dieses Gespräch kaum beendet, rief Jay, Suays Nichte (Tochter von Stiefbruder aus Udon Thani, lebt auch hier), die mit Mann ebenfalls inzwischen in Andreas´ Haus beordert worden war. ´Ob Suay denn nicht mal eben vorbeikommen könnte...´ "Mai chai !" , war meine etwas harsche Antwort, weil, die Beziehung zwischen Jay und Suay war in Thailand schon ziemlich gestört, Jay hat sonst absolut keinen Kontakt zu Suay. 10 Minuten später rief dann auch noch Tui an, ob des reichlich genossenen Bieres kaum verständlich mit lin kaeng (harter, schwerer Zunge) lallend und lullend; ich habe ihr nur kurz verdeutlicht, dass sie nicht so viel trinken und besser jetzt schlafen gehen solle.
    Und Suay strahlte mich an, zeigte mir grinsend den hoch erhobenen Daumen , nahm mich, nachdem ich aufgelegt hatte, in den Arm und meinte nur, das wäre richtig gewesen, sie hätte keinen Nerv, sich wieder um die Probleme der anderen, gerade um die Sauf-Probleme ihrer Halbschwester zu kümmern. Und wenn das Telefon noch mal klingeln würde, sie wäre schon im Bett, nicht zu sprechen, es sei denn, es wäre ihre kleine Freundin.
    So ging sie schlafen, natürlich auch etwas aufgedreht, und ich versuchte mich an der Glotze ein wenig abzulenken.

    Das Telefon klingelte so gegen 23:00 h, Toy war´s, inzwischen mit einem Taxi – Peters Neffe hatte sie wohl doch nicht geholt – zuhause angekommen, wie sich heute herausstellte. Sie wollte Suay sprechen, meinen Einwand, Suay schlafe bereits, ignorierte sie. "Kann nicht doch sprechen ?", lallte sie – Und wieder mein harsches "Mai chai!" , dieses Mal noch ein wenig lauter als vorher, dann legte ich auf.

    Heute Morgen rief Tui gleich an, wollte – wie so häufig in der Vergangenheit – erst einmal wieder klar stellen, wie schlecht doch meine Schwägerin Toy wäre, und wie gut sie doch selbst sei. Wie ich dieses Gesülze hasse, die beiden können sich zusammentun, kommt aufs selbe raus.

    Und so stellte sich beim morgendlichen ´Brainstorming´ zwischen meiner Gattin und mir heraus, dass sie einfach nur stolz auf mich war. Meine Sorge, ihr ins ´familiäre´ Handwerk gepfuscht zu haben, war vollkommen unbegründet. Im Gegenteil, ich habe noch etwas gelernt, sie hat mir auch noch taktische Anweisungen gegeben, froh darüber, dass ich ihr eine unangenehme Entscheidung abgenommen hatte.

    Bei einer nächsten solchen Gelegenheit solle ich nicht nur einfach ´Mai chai´ sagen, das reiche nicht, würde nicht entsprechend ernst genommen. Besser wäre es zu sagen "Mai hai bpai", also: ich lasse sie nicht fahren, und um den Starken raushängen zu lassen, solle ich noch lautstark anfügen "Mi: panha: mai".
    Noch mal in einem Satz: "Mai hai pbai mi: panha: mai", frei nach Kali: ´Sie kommt nicht, oder hast Du ein Problem damit !?´ Nach Suays Meinung würde das eine finale Wirkung zeigen.

    Es ist mir nicht leicht gefallen, wie geschrieben, ich denke, jeder entscheidet selbst über sein Leben und seine Handlungen. Um meine Haltung gegenüber meiner Schwägerin allerdings zu verstehen, muss man meine Geschichte kennen. Und die sieht u.a. so aus, dass ich im Umgang mit ´konsumierenden Abhängigen´ keine faulen Kompromisse kenne. "Ghin kon diau, ghap ban kon diau!" (frei nach Kali: Wer säuft, der kann auch selbst sehen wie er nachhause kommt), meinte Suay heute Morgen noch abschliessend, und wandte sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ihrem Frühstück zu.

    Anm.: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn im Verlaufe des heutigen Tages wird sie aufgearbeitet im Heinsberger Thaikreis, endlich ist mal wieder was passiert, der monotone Alltach unterbrochen – die Telekom wird´s dankbar registrieren ;-D

  2.  
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  3. #2
    Avatar von matthi

    Registriert seit
    20.01.2003
    Beiträge
    1.150

    Re: mai hai bpai !

    Da zeigt es sich, wozu ein böser Farang doch auch gut sein kann.

  4. #3
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: mai hai bpai !

    cool, @kali

    wie du immer die worte findest... eine "ganz normale" begegnung im leben der thais so ausführlich und nett zu beschreiben...

    ...ob das an deinen job liegt?

    das mit dem "agrarbereich" gefällt dir, hehe... mir auch, is ne nette umschreibung.... sollten wir beibehalten... :-)

    gruss ans pralle, ungeschminkte leben in realtime, du bist mitten drin... und schlagst dich tapfer.... lol

    waldi

  5. #4
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: mai hai bpai !

    Kali, hast du eigentlich mal eine Grafik über die Verwandschaftsverhältnisse und andere Beziehungsgeflechte erstellt? Wenn nicht, könntest du das vielleicht bei Gelegenheit tun? Das würde es dem Leser doch sehr erleichtern den Verwicklungen zu folgen.

    Ansonsten, mal wieder sehr interessant in Heinsberg.

  6. #5
    Avatar von tira

    Registriert seit
    16.08.2002
    Beiträge
    17.260

    Re: mai hai bpai !

    :bravo:

    hallo kali,

    danke für den einblick in the real life in den d niederungen........

    ´die mit einer Frau aus dem Agrarbereich (....) zusammenleben, wissen, wovon ich rede´

    ja, hab auch so ein prachtexemplar kap ban und wollt ich heute nicht mehr missen...... ;-D

    gruss

  7. #6
    pef
    Avatar von pef

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    3.974

    Re: mai hai bpai !

    @Kali,

    wie Chak schon anklingen liess, wäre das Einstellen eines Stammbaumes für die weitere Verfolgung deiner Real-Time Erlebnisse durchaus hilfreich.
    Auch den Spruch "Mai hai...." habe ich dankbarer Weise in meinen Wortschatz aufgenommen.
    Bei mir gibt es zwar keine "Weinprobleme" aber die Geldprobleme der thailändischen Verwandtschaft in Verbindung mit dem grossen Herz meiner Mia lassen mir manchmal die letzten Haare zu Berge stehen (graue habe ich schon von meiner Ex)und sehe dann aus wie ein Punker ohne Gel im Haar.
    Ich versuche die Probleme mit äußerer und äußerster Gelassenheit , djai yen, zu lösen,und meine Agrarfachmannin und Angetraute steht meinen Lösungsvorschlägen nicht abgeneigt gegenüber.
    Deshalb stehe ich dir auch im verbalen Kampf mit der immensen und sich fast jährlich potenzierenden Thai-Verwandtschaft in Gedanken bei.

    Peter

  8. #7
    Avatar von Olli

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    2.899

    Re: mai hai bpai !

    @pef

    Agrarfachmannin
    ich glaub das heißt jetzt Agrarfachfrau

  9. #8
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: mai hai bpai !

    Zitat Zitat von pef",p="136990
    ...wie Chak schon anklingen liess, wäre das Einstellen eines Stammbaumes für die weitere Verfolgung
    Kein Stammbaum, das wäre nun wirklich zu intim, was geht es Euch an, wie Suays Vater heißt, den sie vor 42 Jahren das letzte Mal gesehen hat, oder der Zweitgeborene der Stiefschwester in Florida, von dem wir neulich noch ein Bild im Net gefunden hatten, als er Dienst in Baghdad machte...?
    Aber so etwas wie ein Soziogramm (PDF-Datei, Ihr wißt schon, re. Maustaste und so...), zeigt die Intensität der Beziehungen in meinem Dunstkreis, bezogen auf Suay und mich.

    Am besten ausdrucken und vor den Compi hängen, da wird mit Sicherheit noch das ein oder andere Döneken kommen ;-D

  10. #9
    pef
    Avatar von pef

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    24.09.2002
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    3.974

    Re: mai hai bpai !

    @Kali,

    danke; hängt am Compi und hilft zukünftig ungemein, auch geographisch deine geschichten mitfühlend verfolgen zu können.

  11. #10
    Avatar von DisainaM

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    Re: mai hai bpai !

    Manchmal kan ein Durchnummerieren enorm helfen

    Hinter der Zahl kommt ein +, wenn die Person älter ist, als der Partner, und ein zweites +, wenn er auch mehr zu sagen hat.

    Kommt dann Ärger von 25 ++, wissen alle gleich bescheid,

    oder ?

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