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Je verkrachter, desto friedlicher...

Erstellt von Kali, 09.07.2004, 12:12 Uhr · 15 Antworten · 2.139 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Je verkrachter, desto friedlicher...

    Morgendliches Brainstorming, diesmal Kali mit Kali. Habe mal in den vergangenen Tagen ein wenig schneller geschlafen, von daher ein paar Überstunden angesammelt ;-D

    Nachdem sich in der letzten Zeit ein paar neue ´Thailandwahnsinnige´ hier eingefunden haben, sich nach monatelangem Spicken getraut haben, sich diesem verruchten Strick- und Häkelverein anzuschliessen, nachdem die Fakemania ein wenig abgeklungen und der ´Fall Johann´ auch ohne Gerichtsverhandlung abgeschlossen sind, Rawai und Otto wieder im jeweiligen Lande sind, und der Moderator aus´m Haus ist, können wir uns wieder dem ganz normalen Tagesgeschehen zuwenden, mit Hingabe, wenn ich denn bitten dürfte.

    Und was passiert bei Kali, wenn er Überstunden abfeiert ? Es stormt, es brainstormt ein wenig. Heute mal zu dem Thema:

    Je verkrachter, desto friedlicher...

    Wie jedermann weiss, sind Menschen – insbesondere Thai – soziale Wesen, mit einem gewissen archaischen Rudelinstinkt ausgestattet, will heissen, wo auch immer sie zusammentreffen, hocken sie zusammen – Thai im wahrsten Sinne des Wortes -, gerade dann, wenn sie im Ausland zusammenkommen, also ausserhalb ihrer Heimat, allerdings auch dort, denn zu essen, zu trinken und zu quatschen gibt es immer was – ein wenig nin ta:, also Klatsch und Tratsch aus´m Alltach, gehört eben auch dazu.

    So auch in meinem schönen Landkreise hier, im Westen der Republik, direkt neben der holländischen Grenze, in dem sich sämtliche bundesrepublikanischen Negativ-Beispiele thai-deutscher Beziehungen konzentriert zu haben scheinen. Ein illustrer Kreis war´s vor zwei Jahren, da wurde gefétet auf Teufel komm´ raus, nicht eine Woche, in der nicht bei irgendjemandem irgendwo ein Treffen, wie zufällig, organisiert wurde. Ein ewiges Geheimnis, diese Kommunikationsstrukturen, wie sie denn wie aus heiterem Himmel auf ein und derselben geographischen Position zusammentrafen.
    Und so hockten sie denn – die Thai tatsächlich hie, die Teutsch-Männer im übertragenen Sinne da – und tauschten es aus, das, was man landläufig unter Erfahrungen versteht. Die Damen, z.T. nicht nur voll des Bewusstseins erreichten Wohlstandes, sondern auch des Bieres, die Herren ebenso, nicht nur voll des Bewusstseins schwindenden Wohlstandes, wobei sich die Damen erstaunlicherweise mehr zu erzählen hatten als die Herren, welche sich nach kurzer Zeit mit etwas gequältem Gesichtsausdruck dem Fernseher mit seinem Überangebot an Fussball und Formel I zuwandten, um ein wenig die roten Zahlen auf den Kontoauszügen aus dem Kopf zu kriegen. Nicht alle, manche Herren hatten es drauf, dieses exotisch wirkende ´mai pen arai´-Lächeln: ´Man lebt nur einmal´ oder ´no risk no fun´ die Slogans, die einen vergessen lassen, dass es ja bereits 7 Jahre her ist, dass man das letzte Mal auf Koh Samui gewesen. Sicher, das Haus für die Familie steht, der Wagen dort ist auch bald abbezahlt, doch der drohende Stellenabbau in der eigenen Firma drückt schon ein wenig aufs Gemüt und Selbstbewusstsein, und der ein oder andere mag mit Blick auf Hartz IV und das Arbeitslosengeld II auch nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen.
    Da hilft ein kurz gehauchtes ´chan rak phua tau fa´ aus dem Kreis der zusammenhockenden Damen, begleitet von diesem alles verzehrenden Lächeln, und ab und an ein im Vorbeigehen flüchtig gehauchter Kuss auf das mittlerweile schüttere Haupthaar oder ein routiniertes Tätscheln des Oberschenkels schon mal über die düsteren Gedanken hinweg.
    Und die Damen sind auch nicht müssig darin, sich gegenseitig mit ihren ´Erfolgserlebnissen´ zu übertrumpfen, und die ein oder andere mag im Wermut mit Wehmut daran denken, dass es dieses Jahr wieder nichts mit dem Besuch bei den Lieben daheim geben wird, und bei dem Gedanken an einen möglichen ´phua mai luei´, also einen reichen neuen Mann, verklärt sich der Gesichtsausdruck schon mal ein wenig, zumal bis zur unbefristeten Aufenthaltserlaubnis ja auch nur noch 4 Monate.

    Und so stiegen Alkoholpegel und Stimmung kontinuierlich, auf fast jeder dieser Féten, dann wurde es auch schon mal lockerer, und es brach schon mal durch, erlerntes Verhalten, das Tanzen an der Stange und dieses laszive Gleiten durch die Räumlichkeiten – auch bei den Herren, in Erinnerungen schwelgend an vergangene Pattaya- oder sonstige Zeiten, und ab und an wurde auch schon mal eine Meinungsverschiedenheit handfest ausgetragen, so, wie es sich für richtige Männer gehört.

    Wie ich schrieb, illustre Zeiten bis vor ungefähr zwei Jahren. Doch auch der Rudelinstinkt schliesst konsequentes Individualverhalten nicht von vornherein aus. Da brachen dann Konflikte aus, z.T. aus Thailand mit nach hier geschleppt. Da wurden Unzufriedenheiten laut, dass man das Geld, das erst geliehene und dann verzockte, nicht zurückgezahlt, da wurde lautstark auf nicht erwiesene Ehrerbietung der ´mae lau´gegenüber hingewiesen, immaterielle Schuldverpflichtungen, weil man sie schliesslich nach hier geholt, ins gelobte Land, wo der Honig auf den Bäumen wächst und das Geld den Bach runter geht.
    Und so zerbröselte was, die Beziehungen untereinander nämlich, es wurden separatistische interessenbezogene Untergruppen gebildet.
    Und auch bei ´Zockerinnens´ ist´s ruhig geworden, da wurde mittlerweile gebeichtet, weil auch die wandelnden Leihbüros im Casino keinen Kredit mehr gaben, da wurde von einer klar gestellt, dass der Einbruch in der Wohnung nur vorgetäuscht, um an den Inhalt der Kassette zu gelangen, bei einer anderen, dass der Tod der Eltern her halten musste, um an Bares zu kommen, zumal zwei Sharing-Verträge bereits jeweils in vollem Umfang darlehensmässig ausgeschöpft. Und so sortiert der ein oder andere Teutsch-Ehemann jeden 1. die Rechnungen, welche er denn pfändungsverzögernd zuerst bedienen könne.

    Und sie sind sich nicht mehr grün, auch bei dem Hauptvermittler im Kreis, bei dem ja – wie jedermann weiss – nicht mehr ver-, sondern inzwischen ermittelt wird, trifft sich nur noch ein auserlesener Kreis von übrig gebliebenen Gleichgesinnten. Auch die Verwandtschaft meiner Gattin ist zerstritten, jede zieht über jeden her, und gerade der Kali, vor dem kann nur gewarnt werden. Auch meine Gattin ist stinkig, hat nur noch Kontakt zu ihrer Freundin, weil die anderen es nicht halten können, ihr Lästermaul nämlich. Sie spricht allerdings auch wieder mit Schwägerin, der, die auf Wein umgestiegen, fühlt sich irgendwie verantwortlich.
    Auch der Kindernachzug ist nicht ganz konfliktfrei. Da ist der eine, 15-jährig, der sich im vollen Bewusstsein seiner pubertierenden Manneskraft mehr mit einer Zwanzigjährigen denn mit der Schule beschäftigt, da ist der andere, ebenfalls 15-jährig, der mit zwei anderen Thaijungs im Freibad nationalbewusst zwei Türkenjungs aufmischte, von gefährlicher Körperverletzung ist da die Rede.
    Da sind die ´Kindernachzugsträume´ im eigenen Verwandtenkreis, die aus finanziellen Gründen nicht nur fraglich sind, sondern vergessen werden können.

    Da sind die Träume des ein oder anderen, die zu Alpträumen mutiert sind.

    So ist´s ruhig hier im Kreis, allerdings nicht ganz informationslos. Da ist Suays Freundin als eine Art ´Springerin´, die ihr Ohr am Geschehen hier im Kreis hat, und auch mein Kumpel, der als ´Berlinerballenverkäufer´ im grössten Supermarkt hier in Heinsberg ebenfalls Ohr und Augen am (Thai-)Geschehen hat. An ihm kommt keiner vorbei, der mit einer Thai verheiratet ist, im wahrsten Sinne des Wortes, weil sein Stand direkt am Ausgang.

    Zur Zeit ist einfach nur Frieden. Kali und Gattin haben in Ruhe Zeit, den Thailandurlaub vor zu bereiten. Und andere naheliegende Dinge müssen auch noch angegangen werden.

    Die Ruhe vor dem Sturm ? Wir werden sehen, es sind wieder Neue eingeflogen worden, was nicht unbedingt Gutes verheissen muss ;-D

  2.  
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  3. #2
    irrlicht
    Avatar von irrlicht

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    @kali: wie immer...

  4. #3
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    @Kali: wieder mal ein highlight
    Soll ich am 24.7. Berliner mitbringen?
    (mich kennt "er" ja noch nicht) ;-D

  5. #4
    Avatar von phimax

    Registriert seit
    03.12.2002
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    14.274

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    Nilä chiwit - Realität pur.

  6. #5
    waanjai
    Avatar von waanjai

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    Ist das etwa schon die offizielle Bewerbung Deines Landkreises für das nächste Nittaya-Board Sommerfest? ;-D

  7. #6
    Johann43
    Avatar von Johann43

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    ein echter Kali :bravo: :bravo:

    Gruss aus dem Isaan

    Johann

  8. #7
    Rawaii
    Avatar von Rawaii

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    @Kali

    Hoffe du hast noch öfter frei..... ;-D

  9. #8
    redygo
    Avatar von redygo

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    Und ich dachte es ginge nur mir so, echt Cool, hab sogar ich verstanden.

    Bis auf die Kinder hab ich ähnliche Erfahrungen gemacht.

    Du hast aber was vergessen >> komme ich heute nicht dann komme ich morgen << Willens Bekenntnis meiner Frau.

    Grüße an Kali

  10. #9
    Avatar von Lungkau

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    925

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    Kali, deine Story ist wie immer Spitzenklasse und zeugt von deinen Hintergrundkenntnissen und vor Allem davon wie deine Frau dir vertraut, denn ohne die Ehrlichkeit und das Vertrauen deiner Frau wärst du wahrscheinlich Heute noch nicht soweit und würdest so blind wie viele Andere durch die Gegend laufen.

    In Hochachtung @Lungkau

  11. #10
    Avatar von Loso

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    7.005

    Re: Je verkrachter, desto friedlicher...

    Sach ma Kali, haste eigentlich keine Angst, dass da mal jemand von denen mitliest?

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