Die zweite bedeutende Sekte, die im 20. Jahrhundert im Mekong Delta entstand, benannte sich nach dem Geburtsort ihres Propheten, dem Dorf
Hòa Hảo in der Provinz An Giang. Der kraenkelnde
Huỳnh Phú Sổ wurde als Kind von seinem Vater in die Obhut eines Moenches gegeben, der als Krankenheiler bekannt war. Dort wurde er Schueler eines Einsiedlers, der ein Vertreter des asketischen Buddhismus der Selbstverleugnung und Disziplin war. Nach dem Tode des Moenches kehrte Huỳnh Phú Sổ ungeheilt in sein Elternhaus zurueck. Im Jahre 1937 warf er sich eines Nachts vor dem Ahnenaltar auf den Boden. Er stand als Geheilter auf und hatte seine Berufung als Prophet empfangen. In einem Jahr gelang es ihm durch Predigten und Wundertaten, 100.000 Anhaenger zu gewinnen, ihre Zahl stieg spaeter auf etwa zwei Milionen. Damit erregte er das Misstrauen der franzoesischen Kolonialregierung, die ihn ein Jahr lang in ein Irrenhaus sperrte.
Huỳnh Phú Sổ baute seine Lehre auf den in der Kindheit empfangenen Thesen des Einsiedlers auf und wandte sich gegen einen aufwendigen Lebensstil. Er lehnte praechtige Tempelbauten und eine grosse Priesterschaft ab. Der Prophet forderte vielmehr die Verinnerlichung des Glaubens und die Einschraenkung der Opfergaben an Goetter und Geister, mit Ausnahme derer fuer Buddha und die Ahnen. Grosse Tempelfeste wurden nicht gefeiert, wodurch sich die Hòa Hảo im krassen Gegensatz zu den Caodaisten befanden. Sie stuetzten sich stark auf das buddhistische Gedankengut. Die vorgeschriebenen vier Gebete am Tag werden vor einem einfachen, mit einer roten Decke bedecktem, Tisch gesprochen.
Die lautstark gepredigte Rueckkehr zur "Einfachheit" der fruehen Buddhisten stand von Beginn an in krassem Gegensatz zur radikalen Militanz der Sekte. Die Hòa Hảo nahmen bewaffnet und kaempfend an der Politik teil, schlossen Buendnisse und wechselten sie mehrmals. So kollaborierten sie abwechselnd mit den Japanern, den Franzosen und den Việt Minh,
kontrollierten jedoch auch die Bordelle und Spielhoellen Saigons. In diesen Wirren fand ihr Prophet 1947,im Alter von nur 27 Jahren, den Tod. Danach uebernahm seine Mutter die Fuehrung der Sekte, die militaerisch gegen Ende der 50er Jahre von der Regierung Ngô Đình Diệm zerschlagen wurde. Ihre Reste schlossen sich daraufhin der Nationalen Befreiungsfront an.

Die meisten Anhaenger der Bewegung leben auch heute noch in der Provinz An Giang in den Regionen um Long Xuyên und Châu Đốc, sowie auch in der Provinz Cần Thơ. In den Doerfern der Hòa Hảo stehen bescheidene Kirchen, die im Stil denen der Caodaisten aehneln