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Bikulturelle Kindererziehung

Erstellt von x-pat, 30.12.2006, 07:47 Uhr · 53 Antworten · 8.893 Aufrufe

  1. #11
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Was mir noch aufgefallen ist das "unser" Sohn bei einem Machtwort von "Schwiegermutter in Lauerstellung" bedeutend eher spurt als wenn seine Mutter was sagt da Mama unter der Woche halt bei der Schule in PhayaMengrai lebt und nur am Weekend zu hause in Phrae ist.

    Lothar



  2.  
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  3. #12
    Avatar von x-pat

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Met Prik: Mich hat das jedesmal auf die Palme gebracht, da dies fuer mich einfach unverstaendlich ist. Die Kleinen werden so verhaetschelt und haben regelrecht Narrenfreiheit.

    Ja, ich glaube auch dass diese Tendenz in der Tat besteht, auch wenn sie von Familie zu Familie unterschiedlich ausgeprägt ist. Meine Beobachtung ist das Kindern in Thailand im frühen Alter mehr Freiheiten gegönnt werden als ihren deutschen Freunden. Vielleicht hat es etwas mit der thailändischen Konfliktvermeidung und der höheren Unsicherheitsakzeptanz zu tun. In manchen Fällen ist es Unwissen und Inkompetenz seitens der Eltern. In anderen Fällen ist es bewusstes Zulassen.

    Ein Beispiel: Meine 2-jährige Tochter hat einen Kugelschreiber entdeckt und bemalt sich damit die Füße. Meine Frau sitzt daneben und schaut dabei zu. Ich frage meine Frau, ob sie ihr bitte den Kugelschreiber wegnehmen kann. Meine Frau wendet ein: "Aber dann ist sie traurig." Darauf sage ich: "Wenn sie damit die Wände bemalt, dann ist Papa traurig." Meine Frau gibt zwar sehr gut Acht auf die Kinder, aber sie lässt auch einiges durchgehen. Wir haben einfach verschiedene Vorstellungen von dem was akzeptabel ist.

    Claude: Unsere drei Kinder (wir leben auf Samui) werden im wesentlichen "europäisch" erzogen.

    Meine Frau und ich haben uns ebenfalls auf eine "europäische" Erziehung geeinigt, wenn auch mit einigen Kompromissen. Aber was genau ist eine "europäische" Erziehung? Ist so etwas außerhalb Europas überhaupt möglich? Ist die kulturelle Komponente dabei nicht sehr wichtig? Mein Neffe ist zum Beispiel in Deutschland aufgewachsen. In den ersten 10 Lebensjahren gab es für ihn keine Computerspiele und höchstens eine Stunde Fernsehen am Tag. Dafür sehr viele Aktivitäten im Freien, Gesellschaftsspiele, Musizieren, Sport, Basteln und so weiter.

    Vielleicht kann man das als "klassische" deutsche Erziehung bezeichnen. Sie hat anscheinend gefruchtet, denn heute im Alter von 12 Jahren bringt er fast nur Einsen nach Hause, spielt sehr gut Posaune, und hat viele Interessen, besonders in wissenschaftlicher Richtung.

    Der Neffe meiner Frau wohnt in Bangkok ist ebenfalls 12 Jahre. Seine Interessen sind eher politisch und athletisch ausgerichtet. Er geht seit acht Jahren auf eine Eliteschule, spricht mittlerweile fließend Englisch und ist ebenfalls Klassenbester und Musterschüler. Im Gegensatz zum Neffen in Deutschland hat er jedoch kaum Zeit für Spiel und Spaß Aktivitäten, weil er die ganze Woche mit Lernen beschäftigt ist. Seine Schule veranstaltet zahlreiche Wettbewerbe um die die Kinder damit zu besonderen Leistungen anzus....en. Der "Drill" Faktor ist dort viel stärker ausgeprägt. Die vielen Freiheiten aus dem frühkindlichen Alter sind nicht mehr gegeben.

    Andere Kinder aus der entfernteren Familie meiner Frau sind in weniger glücklichen Umständen aufgewachsen. Bei manchen habe ich den Eindruck, dass sie an jeglicher Erziehung vorbeigegangen sind. Sie sprechen keine Fremdsprachen, haben außer Computerspielen wenig Interessen, trinken den ganzen Tag Cola und schauen TV, können sich nur schlecht artikulieren und verhalten sich unsicher in Gesellschaft. Auch die generell schlechte Qualität von öffentlichen Schulen in Thailand zeigt im frühen Teenageralter ihre ersten Wirkungen. Ich habe oft das Gefühl, dass diese Kinder in einer Miniwelt leben, die größtenteils aus Konsum und ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld besteht. Sie haben einfach keinen Schimmer was sich "draußen" in der Welt von Kultur, Wissenschaft, und Gesellschaft abspielt. In vielen Fällen haben sie auch gar kein Interesse. Die Weichen scheinen ziemlich früh gestellt zu werden.

    juthamat: In den allermeisten der mir bekannten Familien gibt es gar keine Erziehung,so wie ich sie verstehe,die von der thail.Mutter ausgeht. Es ist vielmehr nur eine Versorgung,Verwöhnung.

    Ganz so krass würde ich es nicht sehen. Es gibt in den allermeisten nicht-vernachlässigten Familien ein soziales Training, in dem die typischen Thai Werte vermittelt werden: Respekt vor Älteren, Respekt vor Traditionen, ein gewisses Hierarchiegefühl, Teilen und Schenken, korrekte Form, Zurückhaltung, Bescheidenheit, und so weiter. Diese Werte sind eher traditionell ausgerichtet und werden heute von (vermeintlich) westlichen Idealen überlagert. Leider ist es in Thailand so, dass die Qualität der Schulasubildung sehr stark von der Dicke des Geldbeutels abhängt. Die späteren Einflüsse sind damit nicht für alle gleich.

    Cheers, X-Pat

  4. #13
    Avatar von Claude

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Es gibt sie natürlich, die traditionellen thailändischen Werte der Erziehung: Geduld mit anderen, kleinen Kindern, teilen von Spielsachen und Süßigkeiten und vieles mehr. Als Beispiel möchte ich folgendes erwähnen: Unser Großer geht hier auf die Tempelschule, während der großen Pause gibt es keine Hofaufsicht, ist auch nicht notwendig, da Streitereien oder Prügeleien ausgeschlossen sind. Sowas ist in D undenkbar. Die Emphatie der Kinder ist weit ausgeprägter als in D. Natürlich gibt es auch Schulen, die Probleme haben. Aber in der Regel ist es viel friedlicher als in D.

    Die Unterschiede bei den Kindern sind wirklich gewaltig. In unserer Großfamilie wird ein Kind von 11 Jahren "naa" gerufen - er ist der "Onkel" der anderen Kinder und benimmt sich auch: Mit einer unglaublichen Gemütsruhe passt er auf jüngere Kinder auf, spielt mit ihnen und lässt sich sogar schikanieren. Woher diese Engelsgeduld in jungen Jahren kommt habe ich noch nicht verstanden.

    Andererseits gibt es auch das 17-jährige Mädchen hier, dass auf die höhere Schule gehen durfte und dann vom ersten Boyfriend geschwängert wurde - aus purer Ahnungslosigkeit heraus vermasselt sie sich ihr ganzes Leben!!!
    Und dann das Mammasöhnchen, der wegen der Highschool nicht von zu Hause weg wollte und nun wie viele hier simple Fahrerjobs erledigt. Bedauerliche Einfaltspinsel, Schuld haben die Eltern.
    Mich erschreckt es zu sehen, dass manche Null Ahnung haben, dass der Wert von Bildung überhaupt nicht gesehen wird. Hauptsache "Sabai maak", "sanuuk" und "Alooy dsching".
    Meinen Kindern versuche ich daher einzutrichtern: "Wenn Du nicht zu den Besten gehörst, dann wirst Du irgendwann genauso blöde Jobs wie der da drüben machen und wenig Geld verdienen." Das mag blöde klingen, aber sie sollen einen europäischen Kopf behalten und schlauer sein als der Rest, auch ohne internationale Schule. Wir achten zudem darauf, was sie in seiner Freizeit machen, ich bringe ihnen am Wochenende Englisch bei und lasse sie Schere, Malbücher und Computer kennenlernen. Letztlich unternehmen wir als Familie viel zusammen, spazieren gehen, schwimmen gehen usw., macht niemand der Thais mit seinen Kindern, dazu ist der Fussboden zu bequem und der Fernseher viel zu spannend.
    Das binationale an unserer Erziehung ist, dass unsere Kinder gut mit den thailändischen Kumpels auskommen, dass sie in der Tempelschule bestehen aber dass sie den Druck spüren, zu den Besten gehören zu müssen.
    Nochwas: Eltern müssen sich in Erziehungsfragen einig sein, hierbei ist Voraussetzung, dass man sich über Erziehungsprobleme, die ja oft kulturell bedingt sind, sprachlich vernünftig unterhalten kann. Wenn das gemeinsame Kind "europäisch" erzogen werden soll, muss die Partnerin gutes deutsch sprechen, mit dem Partner und mit dem Kind. Alles andere macht keinen Sinn.

  5. #14
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Ich möchte ja keinem in seine "Erziehung" reinreden. Möchte aber trotzdem mal einige Gedanken von mir geben:
    oftmals vergisst man, wie man selber als Kind gefühlt hat.
    Ich nehme mich mal als Beispiel:

    hätten meine Eltern mir TV- oder Computerverbot gegeben, wäre ich jetzt ein Tyrann.
    Mit welcher Begründung will man einem Kind etwas verbieten, was wissenschaftlich bislang nicht als schädlich ausgelegt worden ist?
    Am schlimmsten sind die Eltern, die selber die Hütte vollqualmen, aber den Kindern TV-Verbot geben.
    Ohne Bildung aus dem TV oder Computer (ja, man kann sogar sehr viel lernen) wäre ich heute nicht auf dem Bildungsstand.

    Was sind die Alternativen? Lieber unbeaufsichtigt mit Freunden spielen? Wie oft gerät man dann in eine Welt voller Drogen und Gewalt.

    Warum Thaikinder liebevoll und pflegeleicht sind, ist meiner Ansicht nach ganz ersichtlich: die Eltern leben es vor. So wie ich das hier beobachte, gibt es unter Thais fast nie Streit. In Europa ist das an der Tagesordnung.
    Wenn man Kindern eine friedliche Welt vorlebt kommt das bei den Kindern auch an.

    Warum soll ein Kind nicht glücklich sein, wenn es nicht richtig gebildet ist. Ich bin sicher, viele Kinder, die viele Computergames spielen sind zufriedener mit ihrer Kindheit als diejenigen, die gezwungenermassen in Sportvereine gesteckt werden oder Klavier spielen müssen (ich weiß das aus eigener Erfahrung). Hat das Kind selber entsprechende Interessen, sieht das natürlich anders aus. Aber Zwang ist niemals gut.

    Warum muss man besser und schlauer sein als alle anderen? Man sieht doch in Deutschland, wohin dieser Machtkampf führt: in eine Mehrklassen-Ellenbogengesellschaft. Und die Unterschicht versucht dann mit Kriminalität und Gewalt sich durchzusetzen. Wer sagt denn, dass alle Berufstätigen in "niederwertigen" Berufen unglücklicher sind als die ITler, BWLer oder Mediziner, die 18 Stunden täglich ihre Arbeit verrichten müssen, damit sie in der Karriereleiter höher steigen?
    Natürlich erleichtert viel Geld das eigene Leben. Doch macht man es sicht dann nicht zu leicht? Ist es nicht gerade die Kunst, mit weniger Geld trotzdem glücklich zu werden?

    Wer sagt denn, dass man mit Bildung mehr Chancen in der Zukunft hat? Ich selber habe Informatik studiert? Für was bei 4 Millionen Arbeitslosen? Das macht erst recht bei Akademikern nicht halt. Da kannst du noch so schlau und durchsetzungsfähig sein. Hilft alles nichsts, wenn die sogenannte Unternehmerelite soziale ... sind.

    Warum ist das Leben einer 17jährigen versaut, wenn sie ein Kind erwartet? Man mag es als Deutscher nicht glauben, aber es ist für fast alle Thaifrauen das wichtigste, mind. ein Kind im Leben zu haben. Vor allem zur Altersversorgung. Was haben Frauen davon, wenn sie bis 40 eine steile Karriere haben und dann wegen dem Alter Probleme bekommen, ein Kind auszutragen? Ist das Leben dann mit 70 nicht erst recht versaut, wenn keiner mehr da ist, der sich um einen kümmert? Bedenkt: wir leben in Thailand. Da herrschen andere soziale Netze als in Deutschland!

    Meiner Ansicht benötigt ein Kind gar keine Erziehung im klassischen Sinne - vor allem keine gewaltvolle wie mit Schlägen. Ein Vor- und Mitleben reicht vollkommen aus - vorausgesetzt man ist selber als Vater oder Mutter ein Mensch, auf das das Kind mit Respekt und Achtung schauen kann. Und dann kann eine glückliche Kindheit eine gesunde Basis für ein weiteres zufriedenes Leben werden.

    Und die Thais bekommen das anscheinend gut hin. Mir ist noch kein bösartiges Kind aufgefallen. Selbst die Babies schreien viel weniger als die deutschen. Deswegen würde ich mich hüten, in Thailand zu leben und europäische Erziehungsmassnahmen ansetzen. Zu schnell würde das Kind zum Außenseiter werden. Gebildet ja, aber ungeliebt. Und vor allem würde das Kind die Thaikinder als niederwertig ansehen. Wohin so etwas führen kann sieht mit in vielen anderen Ländern (z.B. Südafrika).

    Wichtig ist auch die Frage: wo lebt das Kind jetzt und in Zukunft. In Deutschland sieht die ganze Sache schon anders aus. Da herrschen Überlebensgesetze. Dennoch würde ich mir eine Portion Thaieigenschaften auch in D wünschen.

  6. #15
    Avatar von Claude

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    @kcwknarf
    Das kann nicht dein Ernst sein! Du hast keine Kinder, oder?
    Nur ein paar Anmerkungen:

    Computer- und Fernsehkonsum:
    Niemand redet von Verbot. Aber 10 Stunden Fernsehen und Gameboy sind definitv keine kindgerechte Zeitgestaltung.
    Bildung kann man übrigens auch aus Büchern, Zeitungen usw. beziehen. Nebenbei gibt es kreative Dinge wie malen, basteln, draußen spielen. Und nicht an jeder Ecke wartet der Drogendealer.

    Warum gibt es unter Thaieltern so wenig Streit? Okay, sie sind alle sanfte Buddhisten, aber wenn Streit ist wird die Tür geschlossen - Du kriegst es also gar nicht mit. In bestimmten Schichten sind die Frauen gezwungen, ihren Mund zu halten, sonst ist der Gatte nämlich verschwunden.

    Natürlich dürfen ungebildete Dorftrottel glücklich sein, nix dagegen. Aber der Mensch ist dazu geschaffen, was über sich und die Welt zu erfahren. Wir leben doch nicht mehr im 18. Jahrhundert mit Jean-Jacques Rousseau und seinen guten Wilden in der Birne.

    Warum ist das Leben einer 17jährigen versaut, wenn sie ein Kind erwartet? Weil sie Spass an der Schule hatte und jetzt aufhören muss. Weil sie von niemandem hinreichend aufgeklärt wurde und weil der Erzeuger sich einen Dreck um das Baby kümmern wird - ja, so sind die von Dir geschätzten Naturvölker, haha. So eine Frage kann nicht dein Ernst sein!!!

    Ich glaube ja, das war alles nur ein Scherz, dann ist er gut gelungen.

  7. #16
    Avatar von x-pat

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    kcwknarf: oftmals vergisst man, wie man selber als Kind gefühlt hat

    Ich glaube es kommt viel häufiger vor, dass sich Eltern noch recht gut an ihre Kindheit erinnern, einschließlich der Unzulänglichkeiten und negativen Erfahrungen die sie hatten. Sie nehmen sich dann vor, dies ihren eigenen Kindern zu ersparen und ihnen eine bessere Erziehung zu bieten. Eltern sind meist voller guter Absichten. Dabei wird aber gerne übersehen, dass das Kind ein ganz anderer Mensch ist, mit anderen Bedürfnissen, Stärken und Problemen.

    kcwknarf: Mit welcher Begründung will man einem Kind etwas verbieten, was wissenschaftlich bislang nicht als schädlich ausgelegt worden ist?

    Oops. Hat sich das noch nicht herumgesprochen? Es gilt als erwiesen, dass übermäßiger Computer- oder TV-Konsum schlechten Einfluß auf die Entwicklung nimmt. Man Computer und TV natürlich auch sinnvoll einsetzen, aber das bedarf dann schon ein wenig "Führung".

    kcwknarf: So wie ich das hier beobachte, gibt es unter Thais fast nie Streit.

    Dann hast du vielleicht noch nicht an der Oberfläche gekratzt. Natürlich gibt es auch in Thailand Streit, ob mehr oder weniger als anderswo, darüber kann man streiten, aber Konflikte gibt es sicherlich. Die werden nur nicht immer offen ausgetragen wie in Deutschland. Die Standard Anger-Management Methode heisst in Thailand: runterschlucken und nur nicht auffallen.

    kcwknarf: Warum soll ein Kind nicht glücklich sein, wenn es nicht richtig gebildet ist.

    Das hat niemand behauptet, sondern das Umgekehrte: Eine optimale Förderung (sprich Ausbildung) führt zu Selbstverwirklichung (sprich Glück). Der Umkehrschluss ist logisch falsch.

    kcwknarf: Warum muss man besser und schlauer sein als alle anderen?

    Ah, welch delikate Argumentführung! Bei der Erziehung geht es ja um die optimale Förderung und Entwicklung vorhandener Talenten, nicht darum besser und schlauer zu sein. Nach dem Muster könnte man genauso gegen eine optimale medizinische Vorsorge argumentieren mit den Worten: "warum muss man immer gersünder sein als alle anderen? Gesundheit führt nicht automatisch zum Glück." Ja, das ist richtig, aber eine gute Gesundheit ist für das persönliches Glück sicherlich sehr hilfreich, ebenso wie eine gute Erziehung.

    kcwknarf: Ist es nicht gerade die Kunst, mit weniger Geld trotzdem glücklich zu werden?

    Weiss ich nicht... Wir können ja mal eine Umfrage unter Hartz-IV Empfängern starten.

    kcwknarf: Warum ist das Leben einer 17jährigen versaut, wenn sie ein Kind erwartet?

    Nicht unbedingt "versaut", aber bestimmt leichtsinnig "verbaut" aus offensichtlichen Gründen.

    Wer sagt denn, dass man mit Bildung mehr Chancen in der Zukunft hat?

    Ich wäre jetzt zwar geneigt zu sagen: "Golliwog, I rest my case", aber wir können ja zum Spaß einmal ein paar Thesen in den Raum stellen, warum mehr Bildung in der Regel mehr Zukunftschancen nach sich zieht. Erstens, wir leben zunehmend in einer Informationsgesellschaft und in einer "Knowledge Economy". Zweitens, die Statistiken des Arbeitsamts sprechen Bände über den Zusammenhang von Bildung und Berufschancen. Drittens, noch mehr Bände sprechen vielleicht die bekannten soziologischen Zusammenhänge von Bildung und Armut von der Antike bis in die Gegenwart. Viertens, Socrates: the unexamined life is not worth living. Fünftens, Unbekannt: Die Grenzen des menschlichen Denkens sind durch die Begriffsbildung gegeben.

    Vielleicht sind wir uns einig darüber, dass wir den Kleinen ihren Aufenthalt auf diesem Planeten so angenehm wie möglich machen wollen. Dazu gibt es verschiedene philosophische Ansätze. Eine gute Ausbildung ist eins der besten Geschenke, die wir ihnen zu diesem Zweck auf den Weg geben können. Sie werden ohnehin später selbst bestimmen was sie daraus machen.

    Cheers, X-Pat

  8. #17
    Sioux
    Avatar von Sioux

    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Zitat Zitat von Claude",p="431268
    Meinen Kindern versuche ich daher einzutrichtern: "Wenn Du nicht zu den Besten gehörst, dann wirst Du irgendwann genauso blöde Jobs wie der da drüben machen und wenig Geld verdienen."
    ----------------
    aber dass sie den Druck spüren, zu den Besten gehören zu müssen.
    Claude, generell stimme ich deinen Argumenten durchaus zu.

    Die beiden Saetze halte ich aber fuer verfehlt.
    Natuerlich will man als Eltern seine Kinder foerdern und dafuer sorgen, dass "aus ihnen mal was wird".

    Auf mich wirken deine Methoden aber sehr nach Druck. nicht alle Kinder sind gleich begabt, Was, wenn gerade dein Kind nicht so begabt ist, es aber staendig den Druck spuert, zu den Besten gehoeren zu muessen. Das kann ein Kind auch zerbrechen.

    Deshalb bin ich sehr fuer aktives foerdern, so wie du es ja auch beschrieben hasst. Aber den psychologischen Druck"du musst unbedingt"wuerde ich weglassen.

    Was mir in der Diskussion besonders auffaellt, niemamnd spricht hier von Unterschieden bei Jungen und Maedchen. Fuer einen Europaer ist das auch verstaendlich, ich sehe aber hier bei den Thais grosse Unterschiede.

    Sioux

  9. #18
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Das kann nicht dein Ernst sein! Du hast keine Kinder, oder?
    Ich habe (noch) keine Kinder. Ist aber mein Ernst. Weil ich mal ein Kind war und mich noch sehr gut an die guten und schlechten Zeiten erinnern kann.

    Aber 10 Stunden Fernsehen und Gameboy sind definitv keine kindgerechte Zeitgestaltung.
    Es gibt sehr gute informative und kreative Sendungen und Spiele. Es herrscht nur Angst vor neuen Medien. Als Zeitungen erfunden worden sind hat man damals wohl auch den Kindern auch nur 1 Stunde Lesen am Tag gestattet.
    Oder man denke nur an Bücher. Jahrhundertelang war es verboten, Bücher zu lesen.
    Und selbst Ballerspiele können manch ein Agressivum abbauen, dass das Kind ansonsten vielleicht mit Gewalt loswerden würde.

    Von mir kann ich behaupten, dass ich weitaus mehr gelernt habe aus TV, PC und Internet als in der Schule oder auf der Uni. Denn in den Ausbildungsstätten bin ich abhängig vom Lehrer. Ist er nicht in der Lage, den Unterricht interessant zu gestalten und auf die Schüler einzugehen, ist die Schulzeit verlorene Zeit.

    Warum ist das Leben einer 17jährigen versaut, wenn sie ein Kind erwartet? Weil sie Spass an der Schule hatte und jetzt aufhören muss.
    Also bitte.... Welche Kind (egal ob in Deutschland oder Thailand) hat Spaß an der Schule? Du bist wirklich der allererste, der das zugibt. Vielleicht gibt es vereinzelt wirklich gute Lehrer, die für den einzelnen Schüler genau geeignet sind. Aber ansonsten wird Schule doch eher als Pflichtveranstaltung angesehen. Und gerade deshalb halte ich es für wichtig, zu Hause ein angenehmes Gegengewicht mit einem guten Unterhaltungsprogramm, als auch mit Interese-Schaffen für die Schule zu schaffen.
    Aber es ist schon richtig: das hängt auch alles vom einzelnen Individuum ab. Jeder ist anders,

    Bildung kann man übrigens auch aus Büchern, Zeitungen usw. beziehen.
    Natürlich. Nichts dagegen. Sie fördern die Fantasie. Aber sie sind meistens nicht so interaktiv und unterhaltsam wie neuere Medien. Und Glück heisst nicht nur Bildung, sondern auch ausreichend Sanuk zu haben.

    [img]Nebenbei gibt es kreative Dinge wie malen, basteln, draußen spielen.[/img]

    Auch mit dem PC kann man kreative Dinge machen, z.B. Programme schreiben, Filme schneiden, Bücher schreiben und sogar frühzeitig Geld verdienen, um sich weitere Ausbildungen zu sparen

    Man Computer und TV natürlich auch sinnvoll einsetzen, aber das bedarf dann schon ein wenig "Führung".
    Ja, ganz meiner Meinung. Aber nicht durch Verbote und Einschränkungen, sondern eher das interesse des Kindes in "gesunde" Bahnen zu lenken. Lieber neugierig machen als vorschreiben.

    aber wenn Streit ist wird die Tür geschlossen
    Ich beziehe es nur aus Beobachtungen und Aussagen von Thais. Die Eltern meiner Frau hatten in 50 Jahren nur einmal einen kleinen Streit, wir in 3 Jahren Ehe noch keinen einzigen (mit einer deutschen Frau undenkbar).
    Wenn sich zwei Leute lautstark auf der Straße streiten, dann ist das solch eine Besonderheit, dass sich ringsrum eine Schar Leute bilden. Es muss also selten sein.

    Die Standard Anger-Management Methode heisst in Thailand: runterschlucken und nur nicht auffallen.
    Ja, mag sein. Finde ich ja auch gut. In Deutschland ist es eher so: sich wegen jeder Kleinigkeit aufregen.

  10. #19
    Avatar von Armin

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    @ Claude
    Einen guten Gedankenanstoß, den du da gegeben hast.

    Aber Zitat: "dass sie den Druck spüren, zu den Besten gehören zu müssen." halte ich für bedenklich.

    Ich beschäftige mich gerade mit der Zukunft einer 15-jährigen, die ein gesundes Kind geboren hat.
    Ich war vorher für Abtreibung, denn sie ging auf eine teure, gute Schule, doch sie wollte das Kind und meine Schwägerin hat sich nicht durchgesetzt. Gleichzeitig können die Eltern dieser Mutter nicht mit dem Gesichtsverlust in der Gesellschaft umgehen und somit darf die Tochter nicht nach Hause kommen. grausam!

    @ kcwknarf
    Zitat: "Warum muss man besser und schlauer sein als alle anderen?" und "Warum soll ein Kind nicht glücklich sein, wenn es nicht richtig gebildet ist." hat Expat genau beschrieben.

    Mit Erziehung und ja, mit Respekt: "- vorausgesetzt man ist selber als Vater oder Mutter ein Mensch, auf das das Kind mit Respekt und Achtung schauen kann.

    "Und die Thais bekommen das anscheinend gut hin." ???

    Antwort Zitat expat:
    "Dann hast du vielleicht noch nicht an der Oberfläche gekratzt. Natürlich gibt es auch in Thailand Streit, ob mehr oder weniger als anderswo, darüber kann man streiten, aber Konflikte gibt es sicherlich. Die werden nur nicht immer offen ausgetragen wie in Deutschland. Die Standard Anger-Management Methode heisst in Thailand: runterschlucken und nur nicht auffallen."

    Genau! Und selbst unter Eltern ist oft keine Aussprache möglich, wegen Gesicht verlieren.

    Das soll keineswegs bedeuten, dass ich das grimmige Gesicht der Deutschen bevorzuge.

  11. #20
    Avatar von Testare

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    205

    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Ich wollte hier eigentlich nur lesen, aber:

    Zitat Zitat von x-pat
    Weiss ich nicht... Wir können ja mal eine Umfrage unter Hartz-IV Empfängern starten.
    Keine schlechte Idee, mach doch mal. Wie ich unsere 2 Kids im Januar durchkriege, weiß ich jetzt noch nicht...

    Zitat Zitat von x-pat
    Zweitens, die Statistiken des Arbeitsamts sprechen Bände über den Zusammenhang von Bildung und Berufschancen.
    Die anderen Bände hab ich gelöscht. Bin seit fast 2 Jahren arbeitslos, hab mich von Hamburg bis München beworben. Auf gut 3 Dutzend Stellen, immer die gleiche Antwort: überqualifiziert.

    Soweit in Sachen Bildung.

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