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Bikulturelle Kindererziehung

Erstellt von x-pat, 30.12.2006, 07:47 Uhr · 53 Antworten · 8.881 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von x-pat

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    Bikulturelle Kindererziehung

    Ich habe den Thread "Thai-Kind (9), wie erziehen?" von Testare mit Interesse gelesen, möchte dazu aber im Thread keine weiteren Kommentare abgeben, weil es erstens so scheint als ob Testare schon geholfen ist, und zweitens weil ich den Thread nicht weiter zerpflücken möchte.

    Ich würde trotzdem gerne eine weitergehende Diskussion zum Thema bikulturelle Kindererziehung anregen. Es schien mir, dass in Testare's Fall die unterschiedlichen Erziehungsmethoden, Erwartungen, und Werte der Ehepartner eine erhebliche Rolle spielen. Wenn die Eltern eines Kindes zwei verschiedenen Kulturen angehören, dann bleiben diese Art Konflikte vermutlich nicht aus.

    Ich bin selbst seit ca. 2 Jahren in der Papa Rolle von zwei Mini-"luk kruengs" und ich stelle erhebliche Unterschiede in den thailändischen und deutschen Erziehungsidealen fest. Insbesondere stelle ich fest, dass kleine Kinder in Thailand mehr Freiheiten genießen als in Deutschland, dass Menschen in der Regel freundlicher mit Kindern umgehen, dass sie aber auch oft sehr verwöhnt und verhätschelt werden.

    Den älteren Kindern wird in Thailand oft Gehorsam und Folgsamkeit eingebläut, dafür aber weniger Selbstdisziplin und Selbstständigkeit. Um das einmal bildlich zu beschreiben: in Thailand fangen die Kleinen schon früh mit Lesen, Schreiben, und Rechnen an, bekommen aber noch bis ins fortgeschrittene Schulalter die Schuhe zugebunden oder schlafen im Bett der Eltern.

    Da ich selbst eine eher traditionelle deutsche Erziehung genossen habe, weiß ich die Bedeutung von Disziplin (nicht Gehorsam) und Selbstständigkeit (nicht Folgsamkeit) sehr zu schätzen und glaube, daß diese erlernten Eigenschaften später erhebliche Vorteile bedeuten. Um es auf eine kurze Formel zu bringen, die Thai Erziehung ist oft liebevoller und die deutsche Erziehung ist oft verständnisvoller.

    Wie bringt ihr die zwei Welten unter einen Hut? Ergeben sich daraus für euch Konflikte und Probleme? Oder bringt es vielleicht sogar Vorteile? Wie verbindet ihr das Beste beider Welten?

    Der zweite Punkt, den ich aus der Testare Diskussion aufgreifen möchte ist das Thema "elterliches Züchtigungsrecht" (der Ausruck ist juristisch korrekt, klingt aber recht altmodisch). Um es gleich vorwegzunehmen: ich halte die Gesetzesänderung von BGB 1631 im Jahr 2000 für einen großen Fehler, weil (a) unter normalen Umständen dem Staat kein Recht gegeben werden darf in die Privatsphäre der Familie einzugreifen, und (b) der Text viel zu weit auslegungsfähig ist um eine sinnvolle Ergänzung darzustellen.

    Leider ist dies nur ein Teilfragment der überwältigen Tendenz eines immer weiter ausufernden Rechtsstaates, der tief in alle persönlichen und gesellschaftlichen Sphären eingreift und in seiner außerordentlichen Arroganz den Menschen immer mehr zu normieren versucht. Dieser Tendenz liegt die Illusion zugrunde, dass Mißstände grundsätzlich gesetzlich regulierbar sind.

    Wie dem auch sei; ich halte zwar generell nicht viel von körperlicher Betstrafung, insbesondere was deren Wirksamkeit betrifft, jedoch hat in gelegentlichen Fällen ein Schlag auf die Hand, ein Klaps, eine Ohrfeige, eine sehr effiziente Signalwirkung nach dem Motto: "Bis hierher, aber nicht weiter". Dies trifft insbesondere dann zu, wenn vorherige verbale Appelle versagt haben.

    Bestrafung als Abschreckung ist bekanntermaßen ineffizient, aber Signale sind wirksam. Natürlich dürfen sie nicht wahllos aus Ärger oder Verdruss verwendet werden. Darüberhinaus können nicht-körperliche Sanktionen (z.B. verbale Maßnahmen, "Anschreien", Strafsanktionen, oder sogar Liebesentzug) viel verletzender für das Kind sein als körperliche Züchtigung.

    Cheers, X-Pat

  2.  
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  3. #2
    Met Prik
    Avatar von Met Prik

    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Zitat Zitat von x-pat",p="430901
    Ich bin selbst seit ca. 2 Jahren in der Papa Rolle von zwei Mini-"luk kruengs" und ich stelle erhebliche Unterschiede in den thailändischen und deutschen Erziehungsidealen fest. Insbesondere stelle ich fest, dass kleine Kinder in Thailand mehr Freiheiten genießen als in Deutschland, dass Menschen in der Regel freundlicher mit Kindern umgehen, dass sie aber auch oft sehr verwöhnt und verhätschelt werden.
    Ich habe zwar selbst keine Kinder, jedoch ist mir aufgefallen, dass die Erziehung hier in Thailand ganz anders verlaeuft als in Deutschland. Die Kinder duerfen sich alles erlauben und geschimpft wird so gut wie gar nicht. Der Sohn einer Bekannten darf dann auch mal im Haus ganz ungeniert auf den Boden pinkeln, ohne dass Mama dagegen was unternimmt geschweige dem Kleinen Windeln umgebunden werden. Mich hat das jedesmal auf die Palme gebracht, da dies fuer mich einfach unverstaendlich ist. Die Kleinen werden so verhaetschelt und haben regelrecht Narrenfreiheit. Dies hat meiner Meinung nach natuerlich auch Auswirkungen auf das spaetere Leben, da sie dann immer noch glauben sich alles erlauben zu koennen. Thais sind auch im erwachsenenalter in meinen Augen immer noch Kinder, an denen jegliche Erziehung verloren gegangen ist.

    Da dies hier in Thailand wohl so ueblich ist, werde ich diesbezueglich Thais gegenueber mit meiner Meinung hinter dem Berg halten und weiterhin in gewissen Situationen nur den Kopf schuetteln und mir meinen Teil denken.

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    beides erlebt,
    - eine thai-dt. Familie, wo Papa keine autoritäre Erziehungsrolle einnemen wollte, und die Kinder alles, aber wirklich alles gemacht haben.

    - eine thai Familie in D., wo die Kinder sehr genau wußten, was sie nicht durften, und es auch nicht gemacht haben, sonst gabs einen Klapps.

    leider auch erlebt,
    - wie einem dt. Stiefvater gesagt wurde, das sind meine Kinder. die rührst DU mir nicht an

    alles sehr kompliziert,
    hat weniger mit Kindererziehung als mit Beziehungsverhältnissen zutun,
    die in tausend Variationen auftreten.

  5. #4
    Avatar von Claude

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Es ist ein sehr allgemeines Thema und daher unmöglich, pauschal zu antworten. Daher nur ein paar Anmerkungen:
    Unsere drei Kinder (wir leben auf Samui) werden im wesentlichen "europäisch" erzogen. Dies soll heissen, wir versuchen, ihnen den Sinn von Erziehungsmassnahmen zu erklären, wir achten auf Regelmäßigkeiten im Tagesablauf, auf gesunde Ernährung und beschränken Fernseh- und Gameboykonsum. Zudem haben sie Bilderbücher, Malhefte, Lego und andere sinnvolle Spielsachen, die bei den Nachbarskindern vollkommen fehlen. Dies liegt primär nicht am Geld (Nachbarn sind nicht arm), sondern eher daran, dass deren Eltern selbst nie Spielsachen hatten und dass sich keine Zeit genommen wird, um sich mit den Kindern zu beschäftigen. Beispiel: Nachdem mein Sohn ein Fahrrad hatte, hatten kurz darauf die Nachbarjungs auch eins.
    Kindererziehung ist nicht einfach und besteht oftmals im Wiederholen von Anweisungen, Erklärungen und von Hilfestellungen. Die Tatsache, dass Thaieltern gerne mit ihren kleinen Schmusen und liebevoll umgehen, trägt noch nicht zu einer gelungen Erziehung bei. Ich kenne auch hier Beispiele, wo die Eltern wissen, was ihre Kinder machen, sich um Hausaufgaben kümmern und sich gern Zeit nehmen für den Nachwuchs. Das ist aber bei weitem nicht die Regel. Es gibt genauso viele Familien, in denen Kinder alles dürfen, keine Regeln kennen, sich vom Süßigkeiten aus dem "7-11" ernähren, in der Schule kein Interesse zeigen und sich zu unselbstständigen, ahnungsfreien Erwachsenen entwickeln werden.
    In Deutschland ist das ja teilweise auch so und hängt mit dem "Unterschichtenproblem" und mit "Migrationshintergrund" zusammen. Inwieweit die "Mittelschicht" in Großstädten wie Bangkok oder Chang Mai in Erziehungsfragen aufgeklärter ist, kann ich nicht beurteilen.

    Gruss aus Samui, Claude

  6. #5
    Avatar von songthaeo

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    eine Erziehung die nicht ueber den Rand "Familie" hinaussschaut halte ich fuer falsch.Sowohl fuer Thailand wie auch fuer Europa.Im Leben gibt es mehr als "Familie"

  7. #6
    Avatar von juthamat

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    In den allermeisten der mir bekannten Familien gibt es gar keine Erziehung,so wie ich sie verstehe,die von der thail.Mutter ausgeht.Es ist vielmehr nur eine Versorgung,Verwöhnung.
    Ich habe es leider auch bei meiner Frau sehr selten erlebt,das sie versucht hat ihrem Sohn Wertvorstellungen,Richtlinien moralischer,ethischer Art zu vermitteln.Dies bringt in unserer Ehe immer wieder Konflikte da ich glaube Erziehung zu Selbständigkeit,Anstand und Zielstrebigkeit ist viel wichtiger als materielle Aspekte.Wenn Kinder immer alles bekommen was sie wollen werden sie diese Haltung auch Erwachsener nicht ablegen können.So ist es auch nicht verwunderlich,das viele Thais auch Erwachsene eigentlich immer noch alles von Anderen erwarten anstatt zu versuchen aus eigener Kraft etwas zu bewirken.
    Ich habe keine Hoffnung mehr das bei meinem Stiefsohn noch eine Änderung eintritt,die ihn befähigt später hier in D.aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt zu verdienen,dafür war er schon zu alt als er hier her kam,14 Jahre.Und wenn es zwischen den Partnern keine gleichen Ansichten über wertvorstellungen,Lebensrichtlinien gibt dann ist es sowieso zu spät.
    Ich habe in dieser Problematik schon lange resigniert.
    Jeder von uns kennt die Meinung thail. Frauen über thail. Männer.Aber von wem wurden sie als Kind "erzogen"-doch wohl von einer thail. Mutter.

  8. #7
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Ich kenn in Thailand eigentlich nur Kinder die nach der Schule noch im (Gross)elterlichen "Betrieb" oder auf der Farm mit anpacken muessen,wobei die Jungen etwas mehr Freiheiten geniessen als die Maedel.
    Kenne auch einen jungen Mann der sich sein Studium in ChiangRai durch Arbeit in einer Restaurantkueche finanziert!

    Wie gesagt es handelt sich nur um meine Beobachtungen.

    der
    Lothar aus Lembeck

  9. #8
    Avatar von juthamat

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Big Cloud ich gehe von der grossen Familie meiner Frau aus,dort sind alle selbständig mit gutem Einkommen und keines der Kinder hilft jemals in irgenteiner Art im Geschäft mit,sicher ist dies in äärmeren Familien anders.Ich machte diese Beobachtung aber auch verstärkt in deutsch-thai Familien hier in Deutschland.

  10. #9
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Bikulturelle Kindererziehung



    @Juthamat
    ich wuerde die Familie die dieses Haus bewohnt nicht unbedingt als arm bezeichnen :-)

    Lothar

  11. #10
    Avatar von juthamat

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    Re: Bikulturelle Kindererziehung

    Meine Feststellung sollte auch keine Verallgemeinerung sei,kann nur dem mir bekannten Umfeld berichten.

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