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Illegale Downloads-Kostenfalle !

Erstellt von Conrad, 21.10.2010, 09:16 Uhr · 28 Antworten · 8.056 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Conrad

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    Illegale Downloads-Kostenfalle !

    Ich hab hier einen interessanten Artikel im "Tagesspiegel" gefunden. Wirklich äusserst übel, wie man da von Anwälten u. Industrie abgezockt werden kann.

    Was mich mal interessieren würde: Mal angenommen, man streitet alles ab, läßt es auf ein Gerichtsverfahren ankommen. Da muß doch die Gegenseite Beweise bringen. Und was anderes als die ip haben die doch nicht. Bloß, die ip ist ja keine Telefonnummer. Mit jeder Einwahl gibts eine neue ip.

    Als Beweismittel nur die ip, reicht das vor Gericht tatsächlich aus ? Was ist mit Übermittlungsfehlern oder Zahlendrehern. Eine einzige lange u. mehrstellige Zahl, als Beweismittel, um jemanden in den finanziellen Ruin zu treiben.....da macht es sich, wenn es denn so ist, die Justiz aber wirklich sehr einfach.

    Kann man jemanden darauf hin einfach so verknacken u. abzocken ? Glücklicherweise bin ich nicht selbst betroffen, mein Bekanntenkreis auch nicht, damit hier keine falschen Vorstellungen entstehen.

    Aber dieser Thread soll auch eine Warnung sein. Kann sein, man denkt sich nichts dabei und findet das nicht schlimm. Leider ist es dann doch schlimm. So schlimm, dass man am Ende komplett pleite ist.


    Nur ein paar Klicks bis zum finanziellen Ruin

    Tatort Kinderzimmer. Wie viele Familien durch die Netzausflüge ihres Nachwuchses in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, ist unbekannt. Sicher ist: Juristisch haben... - Foto: M/Kai-Uwe Heinrich/dpa



    Es ist eine vermeintliche Bagatelle: Ein paar Klicks im Internet, der zwölfjährige Tim lädt seine Lieblingssongs runter. Seine Eltern ahnen davon nichts. Doch dann kommen die Rechnungen.

    Ein Song von Lady Gaga: 1200 Euro. Ein unbedachter Klick in der Internettauschbörse: 450 Euro. Alle Anwalts-, Gerichts- und Mahngebühren zusammen: unbezahlbar.



    Weil ihr Sohn im Netz illegal Musik geladen hat, ist die Zehlendorferin Irina Wolter (Name geändert) ins Visier von Musikindustrie und Justiz geraten. Was als vermeintliche Bagatelle mit ein paar Klicks im Internet begann, könnte ihre Familie ruinieren.



    Berechtigte Forderungen der Rechteinhaber belaufen sich auf etwa eine Viertelmillion Euro.


    Jeden Morgen geht Irina Wolter mit einem mulmigen Gefühl zum Briefkasten. Denn dort begann im Juli ihr ganz persönlicher Albtraum, der sie seitdem keine Nacht ruhig schlafen lässt. „Der erste Brief hat uns völlig überrascht“, sagt Wolter. Die Familie kam gerade aus dem Urlaub, als sie das Schreiben der Kanzlei Rasch aus Hamburg erreichte. In einer Internettauschbörse soll von ihrem Computer ein Lied illegal heruntergeladen worden sein, so der Vorwurf. Wolter kennt weder den Interpreten noch hat sie je in ihrem Leben Musik im Internet getauscht. Dennoch soll sie einen vierstelligen Betrag als Mahngebühr bezahlen und eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Wie sich erst später herausstellt, war es ihr 12-jähriger Sohn Tim, der das Lied geladen hatte. Der Junge war sich keiner Schuld bewusst. „Es stand ja dabei: free Downloads.“



    Jetzt weiß auch Sohn Tim, dass man sich darauf weder verlassen noch berufen kann. Also zahlte Wolter. „Wir dachten, damit wäre es vorbei.“ Doch seitdem kamen täglich neue Mahnungen. Recherchen auf dem Computer ihres Sohnes ergaben, dass Tim sich insgesamt 295 Titel aus dem Netz geholt hat. Einer nach dem anderen wird nun abgemahnt. Mal mit 500, mal mit 800 Euro. Als Wolter die Gesamtsumme überschlägt, wird ihr schwarz vor Augen.


    Für die Wolters dürfte es kaum ein Trost sein, doch: Sie sind nicht allein. Viele Kollegen und Freunde haben ihr seitdem von ähnlichen Vorfällen berichtet. Eine Kollegin beispielsweise hatte gerade eine Rechnung über 3000 Euro begleichen müssen – ihre Tochter hatte sich ein Hörbuch der Kinderkrimireihe „Die drei Fragezeichen“ vermeintlich gratis im Internet besorgt. Günstig kam ein Vater davon, dessen Tochter sich ein Rezept für alkoholfreie Cocktails heruntergeladen hatte. Kostenpunkt für diesen Klick: 90 Euro.


    Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Familien durch die Netzausflüge ihrer Kinder in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Juristisch haben die Familien keine Chance. Dass nicht die Eltern selbst, sondern ihre minderjährigen und damit nicht strafmündigen Kinder die Dateien geladen haben, wirkt nicht etwa strafmildernd, sondern sogar besonders schwer.



    Als Inhaber eines Internetanschlusses sind sie allein verantwortlich und hätten besser auf die Kinder aufpassen müssen, so die gängige Rechtsprechung, die erst kürzlich vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde. Irina Wolter findet das absurd. „Ich kann meinen Sohn nicht pausenlos beaufsichtigen.“


    Die Hemmschwelle zur Straftat ist beim illegalen Musikdownload besonders niedrig. Die Betreiber der Plattformen werben mit kostenloser Musik und „free Downloads“. Dass dabei die Urheberrechte unzähliger Künstler mit Füßen getreten werden, steht dort freilich nicht. Die Musikindustrie setzt deshalb auf „Aufklärung durch Abschreckung“, wie Daniel Knöll, Sprecher des Bundesverbandes der Musikindustrie (BVMI) erklärt. „Wir wollten, dass jeder jemanden kennt, der schon einmal erwischt wurde“, sagt Knöll. Dabei seien Minderjährige nicht einmal das Hauptproblem. Knöll vermutet sogar, dass häufig die Kinder nur von Erwachsenen vorgeschoben würden. „Wenn wir auf einem Computer Lieder von Helene Fischer finden, entspricht das nicht dem Geschmack eines 13-Jährigen.“


    Besonders eifrig beim Aufspüren der Missetäter ist die Kanzlei Rasch aus Hamburg. Sie vertritt die vier großen deutschen Musiklabels Sony, BMG, Warner und Universal.



    Die Rasch-Anwälte haben deshalb, was man in Juristenkreisen als „Kaperbrief“ bezeichnet. Ein Generalmandat, das es ihnen erlaubt, selbstständig Jagd auf Urheberrechtsverletzer zu machen. Wer von ihnen erwischt wird, hat eigentlich keine andere Möglichkeit, als zu zahlen.


    Illegale Downloads: Nur ein paar Klicks bis zum finanziellen Ruin - Berlin - Tagesspiegel


  2.  
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  3. #2
    Avatar von hari55

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    sieh mal hier

  4. #3
    Avatar von wingman

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    ich hatte gestern eine mail im spamordner von einem rechtsanwalt florian giese. angeblich hätte ich songs runter und hochgeladen, bla bla und eine zahlung von 100,- euro würde gerichtliche schritte abwenden.
    mein system hat diese mail richtig erkannt und ich habe diese mit den anderen schrottmails entsorgt.

  5. #4
    Monta
    Avatar von Monta
    Zitat:
    "Hinweis und Mitteilung vom 21.10.2010 - 9:20 Uhr
    Rechtsanwalt Florian Giese ist nicht Urheber von betrügerischen E-Mails mit dem Betreff "Ermittlungsverfahren gegen Sie". Hierbei handelt es sich um Spam-Mails von Betrügern...."

    Giese Rechtsanwälte Hamburg: Urheberrecht Markenrecht Medienrecht, Fachanwalt für Erbrecht, Baurecht Familienrecht Wettbewerbsrecht Arbeitsrecht - Rechtsanwalt

  6. #5
    Avatar von Conrad

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    Was mich interessiert: Wenn vor Gericht die Gegenseite als Beweis nur die ip hat, kann man dann daraufhin verurteilt werden ?

  7. #6
    Avatar von strike

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    Zitat Zitat von Conrad Beitrag anzeigen
    Was mich interessiert: Wenn vor Gericht die Gegenseite als Beweis nur die ip hat, kann man dann daraufhin verurteilt werden ?
    Es gab am 21. Mai 2008 unter dem Aktenzeichen 6 O 156/08 eine Entscheidung des Landgerichtes Frankenthal.
    Ob die noch gilt - bzw. fuer alle anderen Gerichte auch - mag ich nicht beurteilen.

    Danach ist erstmal die Uebermittlung von erhobenen Telekommunikationsdaten an staatliche Behoerden nur dann statthaft, wenn eine schwere Straftat vorliegt.
    Und eine IP-Adresse ein technisches und rechtliches Nullum, mit dem niemand etwas anfangen kann.
    Im uebrigen sei diese Information nur durch bzw. nach dem Bruch des Fernmeldegeheimnisses verwertbar.
    Aber Achtung: es ist eine Entscheidung aus 2008.

    EDIT: Diese >> http://www.fastix.de/r/Beweislage_be...IP-Adresse.pdf << Beschreibung ist meines Erachtens lesenswert

  8. #7
    Avatar von Conrad

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    Zitat Zitat von strike Beitrag anzeigen
    Es gab am 21. Mai 2008 unter dem Aktenzeichen 6 O 156/08 eine Entscheidung des Landgerichtes Frankenthal.
    Ob die noch gilt - bzw. fuer alle anderen Gerichte auch - mag ich nicht beurteilen.

    Danach ist erstmal die Uebermittlung von erhobenen Telekommunikationsdaten an staatliche Behoerden nur dann statthaft, wenn eine schwere Straftat vorliegt.
    Und eine IP-Adresse ein technisches und rechtliches Nullum, mit dem niemand etwas anfangen kann.
    Im uebrigen sei diese Information nur durch bzw. nach dem Bruch des Fernmeldegeheimnisses verwertbar.
    Aber Achtung: es ist eine Entscheidung aus 2008.

    EDIT: Diese >> http://www.fastix.de/r/Beweislage_be...IP-Adresse.pdf << Beschreibung ist meines Erachtens lesenswert
    Danke !

    Es ist doch völlig absurd, für irgendwelche Songs die man sich bei Youtube für den Privatgebrauch legal downloaden kann, zu völlig irrsinnigen Geldstrafen von einem deutschen Gericht verurteilt zu werden. Und womöglich für seinen 12jährigen Sohn zahlen zu müssen, den man ja nun nicht Tag und Nacht überwachen kann. Da wäre eine Strafe für sämtliche Downloads von vielleicht 100 € in Ordnung und Anwaltskosten von ebenfalls maximal 100 €, mehr aber auch nicht.

    So eine Verurteilung eines Gerichts läßt ja fast auf eine regelrecht bürgerfeindliche Einstellung der deutschen Justiz schließen.

    Wenn ich schon Sprüche höre wie "Der Richter ist völlig frei in seiner Entscheidung", da läufts einem ja eiskalt den Rücken runter. Das hört sich nach völliger Willkür an, da wirds einem ja Angst und Bange ! In einem Rechtsstaat ist ein Richter keinesfalls völlig frei in seiner Entscheidung. Im Gegenteil: Er ist streng an die Gesetze gebunden und sollte Gesetze nicht so auslegen, dass unbescholtene Bürger wegen ein paar Songs aus dem Internet in den finanziellen Ruin getrieben werden. Die Richter sind m.E. im Gegenteil dafür zuständig, genau diese Abzocke zu verhindern.

    Vor allem, wenn die Gegenseite als Beweis lediglich eine ip-Nummer hat, also eine ansich völlig irrelevante Zahl, die nach technischen Kriterien vergeben wird, die für Laien völlig unverständlich sind.

    Aber glücklicherweise gibts ja den europäischen Gerichtshof für Menschenrecht. Von 2001 bis 2009 wurde gegen Deutschland 82 mal geurteilt (Spiegel Nr. 42, Seite 59).

    Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

  9. #8
    antibes
    Avatar von antibes
    Ich weiß schon warum ich die Downloadfunktionen nicht nutze. Die Lieder die ich gern höre sind immer irgendwo im Netz zum Anhören bereit gestellt und die anderen kaufe ich mir.

    Wer weiß ob nicht rückwirkend eine große Mahnwelle eintrifft.

    In welcher Zeitspanne ist ein illegaler Download verjährt?

  10. #9
    Avatar von Conrad

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    Der Berliner Rechtsanwalt Hauke Scheffler versucht trotzdem zu retten, was zu retten ist. Das Geschäft läuft gut.

    Auf seiner 24-Stunden Notrufnummer melden sich nach eigenen Angaben täglich Berliner Familien, die ebenfalls Post von Rasch und anderen Kanzleien erhalten haben. Einige zu spät. Ihnen blieb nur der Gang zum Schuldnerberater, sagt Scheffler. „Wir raten von einem Prozess ab. Wenn es zu einem Urteil kommt, wird es teuer.“ Der Trend gehe zu höheren Strafen.

    Illegale Downloads: Nur ein paar Klicks bis zum finanziellen Ruin - Berlin - Tagesspiegel
    Da kann man fast auf den Gedanken kommen, man hätte es mit der "guten" alten, vom Standesdünkel getriebenen und dem Großkapital hörigen Klassenjustiz zu tun, die nach dem Motto "Deine Armut kotzt mich an" unbescholtene Bürger noch mal zusätzlich in den Hintern tritt um diese höhnisch grinsend in den finanziellen Ruin zu treiben.

    Aus Angst vor dieser Justiz zahlt man dann lieber gleich, da man weiß, dass man als Bürger vor Gericht sowieso den Kürzeren zieht, gegenüber den hochbezahlten Eliteanwälten der Musikindustrie.

    Wird Zeit, dass die EU-Gerichtsbarkeit die deutschen Bürger vor ihrer grausigen Justiz in Schutz nimmt.

  11. #10
    Avatar von phimax

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    14.274
    Vernachlässige einen Augenblick das Thema Abmahnwahn...

    Zitat Zitat von Conrad Beitrag anzeigen
    Wenn vor Gericht die Gegenseite als Beweis nur die ip hat,
    kann man dann daraufhin verurteilt werden?
    Damit jemand das Internet nutzen kann, bekommt er eine IP von seinem Provider zugeordnet.
    M.W. ist diese bei Einwahl ins Netz bei den gängigen Anbietern immer eindeutig.
    Kunde und jeweils zugeornete IP werden in Logfiles gespeichert (Verkehrdaten).

    Wenn diese Daten nicht manipuliert etc. sind, kann daraufhin verurteilt werden.
    Stell dir vor hier schreibt jemand Beiträge mit strafrechtlichen Inhalt.
    Daraufhin kann der Betreiber des Nittaya gerichtlich zur Herausgabe der IP des Autors aufgefordert werden, um diesen ausfindig zu machen.
    Wäre das für dich etwa nicht OK?

    Wer also glaubt im Internet anonym zu sein, der glaubt auch an den Weihnachtsmann

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