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tourentipp

Mit dem MTB durch den Jura

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von am 25.06.15 um 19:06 (1115 Hits)
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Die Gegend ist rauh, die Bauten sind eher spröde. Kühle Luft liegt über den Wäldern. Nur ab und zu treffen sich Fuchs und Hase, Biker und Hiker. Eine Juradurchquerung ist Stille mitten im Orkan Europa


Es war Ende der Siebziger, als kalifornische Jungs das Mountainbike erfanden, coole Typen wie Gary Fischer ritten auf dicken Reifen und mit 20 Kilo Rädern Downhill. „Breeze Nr. One" war das erste Mountainbike. 1981 entstand die Marke „Specialized" und in Europa bekamen andere coole Jungs große Ohren. Im französischen Jura war es ein gewisser Michel Forestier, der von der Idee berg- und talwärts zu radeln wie besessen war.1987 gab es in Frankreich das erste „VTT Magazine" - VTT statt MTB,VTT für „vélo tout terrain". Die Weltmeisterschaften 1987 in Villard de Lans gewinnt dann auch Michel Forestier und 1988 in Aminona in der Schweiz gleich nochmal ...
„Fofo", so sein Spitzname, ist ein kleines Männchen, wettergegerbt, zäh, sehnig - eine Legende. Der Pionier des Bikesports in Frankreich. Kaum möchte man ehrfürchtig werden, ist er auch schon weg. Der Plan: Einige Etappen auf der GTJ mit „Fofo" zu fahren. GTJ, „Les Grandes Traversées du Jura", ist eine Durchquerung des Französischen Jura, in unserem Fall mit dem VTT. Zum Einfahren will Michel von der Herberge „L 'Authétique" in Fournet Blancheroche erstmal zu einem Aussichtsplatz hoch über dem Doubs. Die Strecke ist nichts für Leute mit dritten Zähnen oder Bandscheibenvorfällen. Sie führt fast komplett durch Kuhweiden, wobei die Pfadspur irgendwann mal im Starkregen von den Kühen zertrampelt wurde und nun bei Trockenheit ein höchst ruppiger Parcours geworden ist. Michel liebt diese Zaun-Überwindungshelfer: Kleine Brücken aus Drahtgitter. Er überfliegt sie quasi, wir bleiben natürlich erst mal mit den Pedalen hängen. Schnell anfahren, Treten einstellen, Pedale waagrecht stellen und hinunter. Dann wieder hurtig treten, um nicht an einem Kuhloch zu scheitern. Wir strampeln durch ein Enzianfeld - selbstredend wird der hier auch gebrannt, wobei der Jura eigentlich berühmt ist für den Absinth: jenes fatale Gesöff, das Toulouse Lautrec oder Rimbaud wohl ein bisschen zu oft gesüffelt haben. Gut, heute hat er „nur" noch 45, keine 72 Prozent mehr. Bergführer Tirol
Am Aussichtspunkt warten ein kleines Picknick und der Blick auf den Doubs. Er ist der Fluss, der die Region prägt. Sprachforscher glauben, der Name stammt vom keltischen Wort „dub" für „schwarz" oder „fließendes Wasser". Quelle und Mündung liegen in Luftlinie gemessen nur 86 Kilometer voneinander entfernt, der ganze Fluss aber hat eine Länge von 430 Kilometern. Möchte man den französischen Jura beschreiben, die ganze Region Franche Comté, dann ist Stille sicher ein zentrales Wort. Es ist eher eine spröde Gegend, mit Dörfern ohne allzu üppige bauliche oder sonstige Opulenz. Nichts Plakatives, nichts Lautes. Keine Liebe auf den ersten Blick - wohl aber auf den zweiten und jeden weiteren. Allein wegen des zweiten Streckenabschnitts. Vorbei mit den Wiesen, dafür auf „downhill tracks", die in den Alpen nicht spektakulärer sein könnten. Langweilig, weil die absoluten Höhen fehlen? Keineswegs! Fofo enteilt auf einem steilen Weg, der mehr an ein ausgewaschenes Flussbett erinnert - Steine, Brocken, Wurzeln. Da sind wird nun, am Doubs, der grünlich schimmert. In den 30er Jahren haben Michels Vorfahren noch Biber gejagt, das mag man gerne glauben, auch, dass Mouthe im Jura die kälteste Stadt Frankreichs ist. Nicht etwas die hochalpinen Orte in den Alpen, sondern Mouthe, das oftmals in einem Kaltluftsee liegt und Eiskeller Qualitäten hat. Der Jura ist rauh und auf seine ganz eigene Weise verführerisch.
Aus dem vermoosten Uferdschungel führen die berüchtigten „Todesleitern" - „Les Echelles de la Mort" - hinauf. Ein mystischer Ort voller Legenden und tragischer Unfälle aus einer Zeit, als wilder Schmuggel die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz beherrschte. Damals gab es rutschige Holzstufen, heute sind das stabile Leitern und eine Via Ferrata für Kletterer. Damals ging man ja nicht im gleißenden Sonnenlicht, sondern bei Nacht und Nebel diese schwindelerregende Route - mit schweren Rucksäcken voller Mehl, Zucker und Kaffee.
Die Schweiz ist nah, wir überqueren den Doubs und biken auf der Schweizer Seite weiter bis zu einem hinreißenden Cafe, das halb in den Fels gehauen ist. Dass wir mit Euro zahlen wollen, erfreut die Bedienung nicht. So nah ist Europa dann doch nicht. Goumois ist der Grenzort, es geht das Gerücht, dass die Blumen auf der Brücke an geraden Tagen von den Schweizern, an ungeraden von den Franzosen gepflegt werden. Na gut, das ist eine Mär für Touristen ...
Wir beziehen Quartier im Hotel Taillard, eine Ver-gleichsweise edle Unterkunft, sonst gibt es eher einfache Herbergen für Sportler. Das Taillard überblickt das Tal, das Diner auf der Terrasse zaubert alle Genüsse der Franche Comté auf den Tisch: viel Fleisch, Pilze und Jura-Weine. Die sind eigen wie die Region, die Savagnin Rebe soll ja auch einem wilden Wein entstammen und so ganz ist sie bis heute nicht gezähmt. Kein Allerweltsgeschmack, keine Allerweltsregion. Und dann ist da der Comté, ein AOC-Käse, (Appellation d'Origine Controllée) bei dem nur die Milch der Montbéliard Kühe verwendet werden darf. Das Problem: Schlemmen ist nicht förderlich für den Nachtschlaf und rächt sich am anderen Morgen. Da entbrennt gerade eine Diskussion darüber, warum es in Frankreich nur eine Decke für das Doppelbett gibt. Elodie, eine junge Französin, findet die Variante mit den zwei Decken auch besser. „So verliebt kannst Du doch gar nicht sein." Michel schenkt ihr einen vielsagenden Blick ... klettern Achensee
Wir wachsen mit der Gegend zusammen, erreichen auf unserer Pedalreise Métabief, das Skizentrum des Jura, das immerhin 40 km Pisten hat. Die Landschaft wird lieblicher bis zum Chateau de Joux. Zackig geht's hinauf auf den steilen Felsen zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Region. Das Schloss blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die Franche Comté war ja spanisch. 1678 wurde sie französisch und so glücklich waren die Menschen darüber gar nicht. Mit den Spaniern konnte man nämlich gut leben, die waren weit weg ... Der Dichter Heinrich von Kleist war hier inhaftiert - wegen Spionage und antifranzösischen Parolen und das Schloss war Filmkulisee für „Les Miserables".
Wir überstrampeln einen Mittelgebirgshügel und runter geht's zum Lac Saint Point. Am Seeufer kauert ein Dorf, das ebenfalls Filmkulisse sein könnte. Port Titi hat den Namen vom Fischer Titi, der 1904 mit dem Bau der Stelzenhäuser begonnen hatte und sich mit rauschenden Seefesten einen Namen machte. Wir müssen weiter, vom sommerlichen See mitten hinein in den Winter - oder ist das eine Fata Morgana? Chaux Neuve ist das nordische Zentrum des Jura und es nimmt sich etwas wunderlich aus, wie da Jura-Jungs, oben ohne, die Skisprunganzüge um die Taille gewunden, bergwärts stapfen. Die anderen wässern die Anlaufspur - nur wer im Sommer trainiert, kann im Winter große Sprünge machen.
Der Doubs hat uns so lange begleitet, da muss man seiner sagenumwobenen Quelle schon einen Besuch abstatten: In der Quelle lebte einst eine Wassernymphe, die einen kostbaren Stein in der Stirn trug. Ein Hexer hetzte einen tapferen Mann auf, den Stein zu stehlen, was aber nur ginge, wenn die Nympe trinken würde. Tatsächlich überrumpelte er sie, aber er wollte den Stein nicht mit dem Hexer teilen. Der war so erbost und verhexte ihn in einem Pferdeapfel... Wir steigen in de Auberge du Grand Git ab, wo Besitzer Alain eine Käsefondue vorbereitet. Michel lehnt dan-kend ab, er radelt „dann noch schnell heim", auf wilden Wegen durch den wilden Jura mit seinen Klüften und Schluchten. Keiner bremst ihn, diesmal wird er sein altmeisterliches Tempo fahren können.
Tourismusauskunft: Französische Zentrale für Tourismus. www.franceguide.com und www.franche-comte.org, T. 00/800/2006/2010

Unterschätzt mir den Jura nicht. Die Berge sind keine Alpen, aber dieTrails haben es in sich
GTJ - DEN JURA DURCHQUEREN
Als Wanderer, mit dem Mountainbike oder dem Rennrad — chacun ä son goüt: Der Vorteil bei der Variante mit dem Bike liegt darin, dass man vergleichsweise gut vorankommt und sich entlegene Gegenden erschließen kann
STRECKEN
Zu Fuß: 400 km, Tagesetappen 20-25 km; mit dem Trekking-/Rennrad 360 km, Tagesetappen 30-80 km; mit dem MTB/VTT 380 km, Tagesetappen 30-50 km
Die teilnehmenden Beherbergungsbetriebe sind auf Sportler ein-gestellt Im Unterkunfts-führer findet man auch solche, die das Gepäck zum nächsten Halt transportieren
BROSCHÜREN/KARTEN anfordern bei GTJ, 15-17 Grande Rue, F-39150 Les Planches en Montagne, www.gtj.asso.fr
Mehr Bike-/Radinfos www.fofo-velo.com, www.vtt-jura.com
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