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Sozialhilfe: Nicht für Deutschen in Thailand

Erstellt von Bajok Tower, 08.07.2011, 22:24 Uhr · 50 Antworten · 5.468 Aufrufe

  1. #1
    Bajok Tower
    Avatar von Bajok Tower

    Smile Sozialhilfe: Nicht für Deutschen in Thailand

    Sozialhilfe: Nicht für Deutschen in Thailand

    Landessozialgericht Baden-Württemberg, Beschluss vom 27.06.2011, L 2 SO 2138/11 ER-B, rechtskräftig

    Wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, erhält grundsätzlich keine Leistungen der Sozialhilfe. Dies bekam ein Deutscher zu spüren, der nach eigenen Angaben seit 1995 mit kurzen Unterbrechungen in Thailand lebt.

    Der Mann hatte beim deutschen Sozialhilfeträger Sozialhilfe wegen der Pflege und Erziehung seiner im Jahr 2000 geborenen Tochter beantragt. Die Tochter lebe bei ihm, spreche die deutsche Sprache nicht und werde im buddhistischen Glauben erzogen. Die Kindsmutter kümmere sich nicht ausreichend um die Tochter. Er sei sich mit dieser aber einig darin, dass ein Umzug der Tochter nach Deutschland nicht in Betracht komme. Er könne nicht aus eigenen Mitteln für den Lebensunterhalt sorgen. Während des beim Sozialhilfeträgers anhängigen Widerspruchsverfahrens hat der Antragsteller Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz beim Sozialgericht (SG) Stuttgart gestellt, das den Antrag abgelehnt hat.

    Das Landesozialgericht (LSG) Baden-Württemberg hat die Ablehnung des Anspruchs bestätigt. Nach den maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften erhielten Deutsche, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben, keine Leistungen der Sozialhilfe, so die Richter. Eine Ausnahme werde nur dann gemacht, wenn eine außergewöhnliche Notlage unabweisbar sei und darüber hinaus aus bestimmten, im Gesetz einzeln aufgeführten Gründen, eine Rückkehr nach Deutschland zur Behebung der Notlage nicht möglich sei.

    Der Antragsteller habe jedoch nicht nachgewiesen, dass eine solche Notlage bei ihm bestehe. Bereits sein Vortrag, seit wann er in Thailand lebe, widerspreche dem Umstand, dass er 2005 und 2006 und damit nach der Geburt der Tochter «Hartz VI»-Leistungen in Deutschland bezogen habe. Außerdem habe er unterschiedliche Angaben gemacht, bis wann er wovon seinen Lebensunterhalt in Thailand tatsächlich verdient habe. Entsprechendes gelte für das behauptete Verhalten der Kindsmutter gegenüber der Tochter. Angesichts dieser Widersprüche in seinen Äußerungen sei die behauptete Notlage nicht glaubhaft gemacht, woran die pauschale eidesstattliche Versicherung, der gesamte Vortrag träfe zu, nichts ändere. Dabei sei nicht verkannt worden, dass angesichts der Auswirkungen einer ablehnenden Entscheidung sowie der besonderen Schwierigkeiten, Belege über die bestehende Hilfebedürftigkeit in Thailand zu beschaffen, die Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht überspannt werden dürften, so das LSG abschließend.

    Quelle: Sozialhilfe: Nicht für Deutschen in Thailand | Sozialrecht

  2.  
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  3. #2
    Avatar von DisainaM

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    nicht nur die Deutschen im Ausland gucken in die Röhre,

    auch viele Deutsche im Inland, sowie Migranten werden wie Lagerhäftlinge behandelt.

    Die UN formuliert es feiner;

    Berlin (AFP/IRIB) - Die Vereinten Nationen gehen in ihrem neuesten Staatenbericht hart mit der sozialen Lage in Deutschland ins Gericht. Migranten würden unter anderem in ihren Rechten auf Bildung und Beschäftigung diskriminiert, heißt es in dem Papier, aus dem der in Berlin herausgegebene "Tagesspiegel" zitiert. Asylsuchenden blieben bisweilen ausreichende Sozialleistungen versagt. Ingesamt fehle es an einem umfassenden Armutsbekämpfungsprogramm. "Tief besorgt" zeigt sich demnach der zuständige Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dass viele seiner früheren Empfehlungen nicht umgesetzt wurden
    "Tagesspiegel": UN-Bericht rügt Deutschland wegen Sozialpolitik

    die Devise der Merkel Ära lautet,
    bist Du nicht reich, bist Du nichts

  4. #3
    Avatar von Ban Bagau

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    Angry

    Das hätte ihm aber sein Anwalt sagen müssen.
    Das für Hartz V Empfänger eine "Wohnort und Standorttreue" erforderlich ist. Genauso wie bei Asylbeantrager dürfen sie den gemeldeten Wohnort nicht verlassen. Aus Gründen der ständigen erreichbarkeit.
    Ich bin mir sicher das Thailand nicht sein gemeldeter Wohnort ist.
    Trotzdem können bis zu 3 Wochen freistellung (Urlaub) beantragt werden. Wenn in dieser Zeit kein Vermittlungsversuch zu erwarten ist.

    Im allgemeinen gilt aber kein Urlaubs-Rechtsanspruch für Alg2 Bezieher

    Wenn Sie Alg2 beziehen, haben Sie keinen Rechtsanspruch auf Urlaub, weil Sie der Arbeitsagentur an jedem Werktag zur Vermittlung zur Verfügung stehen müssen. Das wiederum heißt, dass Sie persönlich am Wohnort erreichbar bleiben müssen.
    Urlaubsanspruch durch Einzelfallentscheidung

    Dass Alg2 Empfänger keinen Rechtsanspruch auf Urlaub haben, heißt nicht, dass sie grundsätzlich auf Urlaub verzichten müssen: Ihr Betreuer bei der Agentur für Arbeit bzw. der Fallmanager oder der regionale Träger entscheidet, ob Sie freie Tage erhalten. Tragen Sie Ihr Anliegen vor, in der Regel werden Gründe wie Schulferien der Kinder, Eltern- und Verwandtenbesuche sowie Urlaub des Partners akzeptiert.
    Urlaubsdauer und Alg2 Weiterzahlung

    Akzeptiert die Arbeitsagentur Ihren Urlaubswunsch, werden Ihnen auch als Alg2 Empfänger in der Regel drei Wochen Urlaub bewilligt. Während dieser Zeit beziehen Sie die Regelleistung weiter.
    Vermittlung geht vor Urlaub

    Wenn Sie eine Eingliederungsvereinbarung bei der Arbeitsagentur unterschrieben haben, sind Sie damit ebenfalls verpflichtet, nur nach Absprache und mit Zustimmung Ihres Fallmanagers zu verreisen. Die Genehmigung wird nur erteilt, wenn der Urlaub die berufliche Wiedereingliederung nicht beeinträchtigt. Das heißt, dass während der Anwesenheit voraussichtlich keine Vermittlungsangebote zu erwarten sind.

    Urlaubs-Sonderregelung für Arbeitslose ab 58 Jahren

    Wenn Sie Alg2 beziehen und zu den über 58-Jährigen gehören, können Sie sich von der Arbeitsvermittlung vorübergehend befreien lassen. Dann können Sie für die Dauer der vereinbarten vermittlungsfreien Zeit in den Urlaub fahren.
    Urlaubsanspruch bei „ergänzendem Alg2“

    Wenn Sie das so genannte „ergänzende Alg2“ beziehen, weil Sie zum Beispiel einen Job mit Sozialversicherungspflicht ausüben und mehr als 400 Euro monatlich verdienen, haben Sie Anspruch auf Urlaub entsprechend Ihres Arbeitsvertrages.
    Urlaubsanspruch für 1 Euro Jobber

    Wenn Sie Alg2 beziehen und zusätzlich einen 1 Euro Job ausüben, haben Sie Anspruch auf Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz. Das bedeutet: 24 Urlaubstage im Jahr, wobei die Samstage mitgerechnet werden.
    Bitte beachten:
    Während der Urlaubszeit erhalten Sie nur den üblichen Alg2 Regelsatz. Die so genannte Mehraufwandsentschädigung (MAE) für den Ein-Euro-Job entfällt während dieser Zeit.
    Urlaubswunsch
    Ortsabwesenheit grundsätzlich dem Amt melden. Grundsätzlich sind Sie verpflichtet, jede geplante Ortsabwesenheit vorab Ihrem Arbeitsvermittler zu melden und sich seine Zustimmung geben zu lassen. Das gilt beispielsweise auch, wenn Sie nur für ein verlängertes Wochenende verreisen oder einen Urlaub antreten wollen, den Sie bereits vor der Beantragung des Alg2 gebucht haben!
    Bitte beachten:
    Ihre Urlaubspläne können Sie telefonisch oder persönlich besprechen. Empfehlenswert ist es, sich die Genehmigung des Arbeitsvermittlers schriftlich geben zu lassen.

    Spontanurlaub ohne Rücksprache – hier droht Zahlungssperre

    Von Spontanreisen, die nicht der Arbeitsagentur gemeldet werden bzw. für die keine Zustimmung seitens der Arbeitsagentur vorliegen, ist dringendst abzuraten: Sie gehen damit das Risiko ein, dass Ihnen die Alg2 Zahlungen gekürzt oder gesperrt werden!


    Das Paradoxon an der unausgereiften Gesetzeslage und von der UN, zu recht gerügten mißachtung der Menscherechte bei ALG 2 Empfänger und Asylantragstellern im umkehrschluß ist.

    Alle Alg2 Empfänger sollten wegen der Anwesenheitspflicht einen besonderen Antrag stellen. Da diese verpflichtet sind, zu jeder Tageszeit erreichbar unter der Adresse anwesend zu sein, stellt jeder Alg2 Empfänger einen Antrag auf Einkaufshilfe für Lebensmittel. Diese Personen müssen selbstverständlich von der ARGE kostenlos und bei jedwedem Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Das Gesetz verlangt, das man zu Hause ist. Lebensmittel kommen aber nicht ins Haus geflogen. Daher ist die ARGE gesetzlich verpflichtet (siehe neues Gesetz) das sie zum Beispiel die Sachbarbeiter als Einkäufer für Alg2 Empfänger zur Verfügung stellt.


    Mancher mag zwar meinen "is recht so". weiß man wenigstens wo das faule Pack und die Asylanten sich aufhalten. Doch weit gefehlt, erstens verstößt es gegen die Menschenrechte. Quasie eine Aufenhaltsbevormundung (Freiheitsberaubung im erweiterten Sinne) wie bei Verbrechern, nur ohne elektronische Fußfessel. Anderseits erlegt die Regierung dem Bürger und erwartet es von ihm, immer mehr Eigenverantwortung auf. Ein Vorwand der ständigen Erreichbarkeit und Zuhauseaufenthalt ist unter den Vorraussetzungen nicht gegeben. Da genügend Sanktionmaßnahmen existieren, um verpaßte Termine zu Vermittlungsgesprächen bei Grundsicherungsamt zu beauflagen. Dabei spielt es keine Rolle ob der Mandant nun zu hause war oder nicht. Die effektive Pflicht ist es täglich zu angemessener Zeit seinen Briefkasten zu leeren. (wobei das für die meisten verpaßten Termine der Hauptgrund seien mag, das viele wegen der angespannten persönlichen Haushaltslage, aus Angst vor neuen Rechnungen oder Mahnungen keine Briefe mehr oder nur sporadisch öffnen)
    Um die Einhaltung der Termine geht es doch wohl, oder etwa doch nicht?





    (Sorry, das ich mal wieder dazu hinreißen ließ, etwas zu dem verlogenen Drecksystem zu schreiben)

  5. #4
    Avatar von JT29

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    Man sollte vielleicht erstmal das Urteil lesen, bevor man zum Rundumschlag ausholt

  6. #5
    Avatar von Samuianer

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    "Zuhauseaufenthalt" ist wie Hausarrest!

    Wenn das auch fuer "schwer" oder "nicht mehr vermittelbare Arbeitssuchenden" gilt ist es ein Verstoss gegen Menschrechte...

  7. #6
    Avatar von Ban Bagau

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    Post

    @JT29

    Den Fall betreffend schrieb ich
    Das hätte ihm aber sein Anwalt sagen müssen.
    Das für Hartz V Empfänger eine "Wohnort und Standorttreue" erforderlich ist. Genauso wie bei Asylbeantrager dürfen sie den gemeldeten Wohnort nicht verlassen. Aus Gründen der ständigen erreichbarkeit.
    Ich bin mir sicher das Thailand nicht sein gemeldeter Wohnort ist.
    ...is doch wohl auch im übertragenen Sinne was das Urteil besagt. Der Anwalt hätte ihm jedoch beraten oder wenigsten darauf aufmerksam machen müssen das er in der vermeintlichen Zeit seines Aufenthlats in Thailand keine leistungen beziehen durfte. ...und wenn dann nur ebend nach Absprache und Zustimmung mit seinem Arbeitsvermittler und auch nur für 3 Wochen im Jahr. Nicht das er eventuell noch Rückzahlungen für diese Zeit am ende noch leisten muß.
    Für das im Ausland lebende Kind bekommt er sowieso keine Leistungen. Dafür gibt es schon mehrere Vergleichsurteile. Mit der Begründung das im jeweiligen Land der Grundbedarf des Existenzminnimum nicht ermittelt werden könne. Außerdem ist es keine Mehrbedarfsgemeinschaft, weil es nicht im gleichen Haushalt lebt. So wie es das 2. Sozialgesetzbuch vorschreibt.
    Hätte sein Anwalt aber auch wissen können.

    Der Rest des Textes war Beiwerk und beschrieb eigentlich nur die allgemeine Gesetzeslage, die ihm am ende vielleicht noch auf die Füße fallen könnte. Hatte mich am ende des Textes in 1Punkt Schrift für meine ausführlichkeit schon entschuldigt dafür.

  8. #7
    Willi
    Avatar von Willi
    Zitat Zitat von Ban Bagau Beitrag anzeigen
    Der Anwalt hätte ihm jedoch beraten oder wenigsten darauf aufmerksam machen müssen
    Vielleicht war ja Gattermann im Spiel

  9. #8
    Avatar von JT29

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    @Ban Bagau

    Es ist ja nicht falsch, was Du schreibst, aber der Fall ist halt ganz anders:

    Ein nach eigenen Angaben seit 1995 mit kurzen Unterbrechungen in Thailand lebender Deutscher hatte beim deutschen Sozialhilfeträger Sozialhilfe wegen der Pflege und Erziehung seiner im Jahr 2000 geborenen Tochter beantragt.

    Der Kläger beruft sich auf folgenden Passus:

    § 24 Sozialgesetzbuch (SGB) Zwölftes Buch (XII)
    Sozialhilfe für Deutsche im Ausland

    (1) Deutsche, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben, erhalten keine Leistungen. Hiervon kann im Einzelfall nur abgewichen werden, soweit dies wegen einer außergewöhnlichen Notlage unabweisbar ist und zugleich nachgewiesen wird, dass eine Rückkehr in das Inland aus folgenden Gründen nicht möglich ist:

    1. Pflege und Erziehung eines Kindes, das aus rechtlichen Gründen im Ausland bleiben muss,
    2. längerfristige stationäre Betreuung in einer Einrichtung oder Schwere der Pflegebedürftigkeit oder
    ......

    Er unterschiedliche Angaben gemacht, bis wann er wovon seinen Lebensunterhalt in Thailand tatsächlich verdient hat und es gibt weitere Ungereimtheiten. Letztlich konnte er die Ausnahmemöglichkeit nicht nachweisen.

    juris - Keine Sozialhilfe für Deutschen in Thailand

    Edit: Seit Florida Rolf scheint man nun genauer zu prüfen.

  10. #9
    Bajok Tower
    Avatar von Bajok Tower
    Zitat Zitat von Ban Bagau Beitrag anzeigen
    Das hätte ihm aber sein Anwalt sagen müssen.
    Dem Anwalt war das Geld offenbar wichtiger.

    Zitat Zitat von Ban Bagau Beitrag anzeigen
    (Sorry, das ich mal wieder dazu hinreißen ließ, etwas zu dem verlogenen Drecksystem zu schreiben)
    Ja, dieses System ist verlogen, aber das ist so gewollt.

    Zitat Zitat von JT29 Beitrag anzeigen
    Edit: Seit Florida Rolf scheint man nun genauer zu prüfen.
    Wie geht's dem Kerl heute eigentlich?

  11. #10
    Avatar von Ban Bagau

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    Post

    @JT29

    Stutzig hätte ihm oder zumindest seinen Anwalt die Tatsache der Ablehnung der Prozeßkostenübernahme (PKH) des Sozialgerichts machen müssen. Eine Ablehnung beim SZG muß ausführlich begründet sein. In den meisten Fällen erfolgt dies mit der Begründung, das ein Prozeß nach vorprozeßlicher prüfung keine Aussicht auf erfolg haben wird.
    Während des beim Sozialhilfeträgers anhängigen Widerspruchsverfahrens hat der Antragsteller Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz beim Sozialgericht (SG) Stuttgart gestellt, das den Antrag abgelehnt hat.
    Im gegensatz zum allgemeinen Zivilrecht wird beim Sozialgericht doch im Vorfeld sehr sorgfälltig geprüft ob aussicht auf Erfolg besteht oder nicht. Da angenommen werden muß, das Kläger (die Kläger/Antragsteller) im allgemeinem und im zusammenhang aus sozialen schwachen finanziellen Umfeld kommen. Gerade in zusammenhang mit seiner Klage und mit hinsicht und der Priorität auf das vom Gesetzgeber gesetzte vorrangige Kindswohl und dessen Existenzminnimum.

    Ps.: bei meinen Ausführungen stütze ich mich nur auf die von BT und dir genannten Quellen. Die leider keine genaue Pozeßbegründung enthalten, sondern nur eine vage Umschreibung des Hergangs, Umstands und des Urteils der Klage. In den Quellen ist leider der genaue Wortlaut der Klage nicht klar, sondern nur ein wenig Schwammig dargestellt und definiert. Im nachfolgenden Text erschließt sich dann erst nach und nach, halbwegs aber unkonkret was er für Argumente und Beweise zur Klagevertretung vorgebracht hat.

    Die Hartz IV ( Arbeitslosengeld II) nach SGB II Gesetze bestehen seit 1. Januar 2005 in den Grundsätzen. Doch seit dem haben sie zahlreiche Verschlimmbesserungen und Veränderungen erfahren. Wie zum Beispiel in meinem Post #3, die im August 2006 in Kraft getretene strikte Regelung zur Ortsanwesenheitspflicht.

    Bereits sein Vortrag, seit wann er in Thailand lebe, widerspreche dem Umstand, dass er 2005 und 2006 und damit nach der Geburt der Tochter «Hartz VI»-Leistungen in Deutschland bezogen habe. Außerdem habe er unterschiedliche Angaben gemacht, bis wann er wovon seinen Lebensunterhalt in Thailand tatsächlich verdient habe.
    Daher meine Bedenken, das ihm das im Endeffekt nicht noch selber auf die Füße fällt. Momentan herrscht ja bei den "Sozialämtern" so eine Art Jagdfieber und Bilanzierung wieviel durch Sanktionierung und Strafmaßnahmen an Leistungen eingespart wurde. So ne` Art voreingeplante und für andere Zwecke verplante bilanzierte Wirtschaftsgröße im Landes/Komunenhaushalt wie beim Eintreiben von Bußgeldern im Straßenverkehr.

    Bei deutschen Gerichten gibt es zwar keine Geschworenen, dennoch sind viel Gesetze derart zweiseitig ausgelegt das den Gericht die Unabdingbarkeit der Forderung nachgewiesen werden muß und so, daß sie keine andere vertretbare Alternative zuläßt. Im Amtsdeutsch heißt das dann Glaubhaftmachung.
    Dies konnte er wohl offenbar nicht oder nicht überzeugend. Der Fokus des Gericht bezieht sich da eindeutig mit hinsicht auf unklare Angaben zur Sicherung des Lebensunterhaltes in der Vergangenheit.

    Leider wieder ein Manko der Links. Es steht kein Termin der Klageeinreichung. Deshalb nur eine Spekulation. Da rückwirkend keine Sozialleistungen gezahlt werden besteht nur Anspruch ab dem Datum der Beantragung der Leistungen beim Grundsicherungsamt. In der Regel sind Prozeße wegen der Antragsflut heute ca. 2 Jahre beim SZG anhängig. Also ca. um das Jahr 2009. Wenn es denn kein Schnellverfahren wegen dringlichkeit war (ca. 2 Monate). Dazu noch mal ca. ein viertel bis halbes Jahr Antragstellung, bearbeitung, Wiederspruch, Anwalt etc.
    Bleibt vorausichtlich das Jahr 2009 in das die Klage zurück reicht. In diesem Jahr waren aber schon alle von mir benannten relevanten Regellungen in kraft.

    Im Sozialgesetzbuch nach SGB II wer ist zu Leistungen berechtigt, heißt es:
    gewöhnlicher Aufenthaltsort nicht in Deutschland

    Dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen auch Menschen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht in Deutschland haben.
    Demnach steht auch diese Personengruppen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und hat daher auch keinen Anspruch auf Leistungen des ALG II. Diese Regelung gilt sowohl für Deutsche, als auch für Ausländer, die in Deutschland eine Arbeitserlaubnis haben oder bekommen könnten.
    EU Bürger, die zur Arbeitssuche nach Deutschland einreisen haben ebenfalls keinen Anspruch auf Leistungen des ALG II. Kurzfristige Abwesenheit aus Deutschland (z.B. Urlaub) steht einem Anspruch allerdings nicht entgegen. Ebenfalls keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben Asylbewerber. Diese erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
    ...und ebenso, ausdrücklich die Ausnahmefallregelung wie von dir zitiert:
    1. Pflege und Erziehung eines Kindes, das aus rechtlichen Gründen im Ausland bleiben muss,
    2. längerfristige stationäre Betreuung in einer Einrichtung oder Schwere der Pflegebedürftigkeit oder
    ......
    Ein Versäumnis seinerseits, dem Gericht ausführlich klar darzulegen warum er Thailand nicht verlassen kann und sich, gerade mit dem Kind in eine sozial gesicherte Umgebung (nach dem Rechtsverständnis des Gesetzgebers) begeben kann. Also sprich Deutschland. Dafür würde sprechen, wenn er nachweisen könnte, einer langjährigen festen Arbeit nach zu gehen. Aber sein Arbeitsentgelt zur Sicherung des Existenzminnimum wegen Inflation, Wirtschaftskrise etc. nicht mehr ausreicht. Doch dazu hat sich der Gesetzgeber im Falle eines Falles auch eine Hintertür offen gelassen. Zur Vermeidung von Hilfsbdürftigkeit ist eine lukrativere Arbeit zu suchen oder eine Nebentätigeit zusätzlich aus zu üben. Die Realität sieht, auch hier in Deutschland, was Job`s mit mehrverdienst anbetrifft, natürlich anders aus. Ist wohl in der mehrzahl, das gegenteil der Fall.
    Eine andere Frage wäre ob es dem Kind zumutbar wäre, ein Wechsel des Aufenthaltsortes zu Sicherung der "genügenden Versorgung".
    Dazu müßte er sich selbst auch die Frage stellen, bei echter Hilfsbedürftigkeit um eine grundlegende Versorgung seines Kindes zu gewährleisten. Wenn es denn Sorge um das Kind ist, die ihn bewegt, die Klage zu führen.
    Sind aber in den Links zu viele ungekärte oder nichtbehandelte Fragen zu Sorgerecht etc. die da nur spekulationen einer Rückkehrunwilligkeit zulassen.
    Auch wenn ich sozial eingestellt bin, stimme ich aber in der Frage mit dem Gesetzgeber überein. Wenn vieles möglich ist und Gesetze Ausnahmen zulassen, muß die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

    Sind alles Menschen, auch das Gericht. Wissen doch alle was sich für Vorurteile gerade im Bezug auf Thailand im Unterbewußtsein unserer Kultur festgesetzt hat. Auch wenn es keiner oder die wenigsten aus eigener Erfahrung bestätigen können, steht es im Raum und hat sich in den Köpfen fest gesetzt. Da wo andere Urlaub machen etc. ... mit einem Augenzwinkern. Borneo,Indonesien,Vietnam oder China hätten wohl vielleicht nicht so viele unterbewußte Skepsis hervor gerufen.
    Um so trauriger für ihn und das Kind und erbährmlicher für den Anwalt ist es, das sie das Gericht unvorbereitet nicht mit überzeugender Beweisflut der unabdingbaren Hilfsbedürftigkeit überzeugen konnten. Bei echter Hilfsbedürftigkeit wird das Kind das leidtragende des prozeßualen Disasters sein.

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