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Bürgernähe...

Erstellt von Kali, 07.12.2004, 17:30 Uhr · 2 Antworten · 914 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Bürgernähe...

    ...wer kennt sie nicht, die vielgepriesene Bürgernähe, in zahlreichen Seminaren denen vermittelt, welche mit Menschen umgehen, gerade mit denen, die was stellen, eine Bitt´ nämlich.
    So auch aktuell in meinem beschaulichen Kreis, in dem es wieder mal einen danach gelüstet zu ehelichen, eine Thai...

    Nicht jedermanns Sache, der Umgang mit Behörden und dem dazugehörenden Kram.

    Man lernte sich kennen, hier, im Westen der Republik, und das, was man auch leichtsinnigerweise als ´lieben´ bezeichnet. Unter Tränen der Abschied, voll dieser üblichen Versprechungen, dass man sie bald hole, ins Land, ins gelobte. Auch die Scheidung von der Ex war überraschend schnell über die Bühne, das Urteil mit dem erforderlichen Vermerk, dem rechtskräftigenden, flugs dem Ausländeramt nachgereicht, das bereits saß, auf der Anfrage, der von der zuständigen Botschaft in Bangkok.
    Und der im Umgang mit den Behörden nicht so ganz kundige Bräutigam sitzt ebenfalls, auf heißen Kohlen nämlich, weil, es wäre doch schön, unterm Weihnachtsbaum schon mit seiner Braut, der exotischen. Auch bereits das Geld fürs Ticket geschickt, gleich, nachdem das Scheidungsurteil beim Ausländeramt nachgereicht, das einzige Dokument, das noch fehlte. Vielleicht etwas voreilig, die Überweisung, kann sein, daß diese ´außerplanmäßige´ Zuwendung als Abschlag für Außerplanmäßiges gewertet wird, wenn das Visum nicht bald danach fertig.

    Doch auch Sachbearbeiter bei der Ausländerbehörde werden krank, der Informationsfluss auf so´nem Amt gerät dadurch schon mal ins Stocken. Nach einer Woche immer noch kein Visum ? Na, da treffen die Vorurteile ja zu, dass Beamte nur sitzen, auf ihrem Hintern, und alles Mögliche einen guten Mann sein lassen.
    Ein beherztes Telefonat meinerseits schaffte Aufklärung: "Ja, sehen Sie, ich war zwei Wochen krank. Die Post der letzten zwei Wochen noch nicht durchgesehen." Ich sah, bat ihn, den nun wieder genesenden Sachbearbeiter, vielleicht, wenn´s denn irgend möglich, und überhaupt, eventuell ganz ´bürgernah´ mal ausnahmsweise die Zustimmung fürs Visum an die Botschaft zu faxen. "Nun, die Papiere sind vollständig – so ich sehen kann -, alles da, geht jetzt zum Bundesverwaltungsamt und dann zum Auswärtigem Amt, um mit der Diplomatenpost in die richtigen Bahnen gelenkt zu werden. Wie lange es dauert ? Nun, da müsste ich lügen – auf jeden Fall ist er ehrlich -, vielleicht 14 Tage, wer weiß ?"
    "Und wenn Sie die Zustimmung eventuell, wenn´s denn Ihre Zeit erlaubt, faxen täten ? Vielleicht, so beim Toilettengang, kommen sie doch sicher dran vorbei !?"
    Er kicherte jovial am anderen Ende der Leitung: "Na, ich werde mal sehen." Da er´s vermutlich eilig hatte, legte er zuerst auf.
    Tja, die Papiere waren wohl vollständig – so er das inkompetenterweise beurteilen konnte -, wohl übersetzt, allerdings noch nicht legalisiert. Die Botschaft hatte sie alle mit dem Visumantrag nach hier geschickt, vielleicht, weil sowieso schon zuviel Porto auf dem Umschlag. So werden sie wieder auf die Reise retour geschickt, via Bundesverwaltungsamt und Auswärtigem Amt zur Botschaft unserer Republik in Bangkok. Nun, dann können sie anschließend ordungsgemäß auf die verschlungenen Pfade der Legalisierung geschickt werden. Hoffentlich nicht zu lange, sonst werden die Ledigkeitsbescheinigungen ungültig (1/2 Jahr). Das macht dann aber auch nicht viel, weil, den Weg kennt man ja bereits.

    Vielleicht faxt er der Botschaft wirklich was, vorsichtshalber habe ich noch eine Bekannte bei der Kreisverwaltung auf ihn motivationsfördernd angesetzt. Was tut man nicht alles für eine, die ihr Glück im Ausland sucht – hoffentlich findet sie´s. Sie haben noch ein wenig Werk (platt für: Arbeit) vor sich: Sie muss noch über den Umfang ihrer Schuldverpflichtungen in Thailand auspacken, und er will ihr noch das Erfordernis eines Ehevertrages plausibel machen: "Wenn sie das ablehnt, dann kann sie gleich wieder fahren."
    Er meint´s aber nicht so, ist halt ein gebrannter Mann, zwei Ehen hinter sich, da wird man schon ein wenig vorsichtig. Doch nervös ist er, nervöööös, kann´s kaum erwarten, dass er sie halten kann, nicht nur in den Armen.

    Merke:
    Die Tatsache, dass die zuständige Ausländerbehörde zu Fuß erreichbar ist, ist noch lange kein Indiz für die Bürgernähe der Verwaltung.


    16:39 - wie mich mein Maulwurf wissen liess, hat der freundliche Mensch tatsächlich nach Bangkok gefaxt !

  2.  
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  3. #2
    pef
    Avatar von pef

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    3.974

    Re: Bürgernähe...

    @Kali,

    schön geschrieben.

    Aber bevor das wieder zu einem Beamten-Beschimpfung-Negativ-Thread ausartet, möchte ich daraufhinweisen, dass es auch bürgernahe - auch wenn man zu Ihnen wie ich mit dem Auto fahren muss, verständliche, krankheits- und stressresitente und technisch versierte (Faxgerät)etc. Sachbearbeiter gibt.

    In meinem Fall, kann ich sowohl bei der Abwicklung von Formalitäten zur Heirat und zur späteren Familienzusammenführung (Tochter)den beteiligten SachbearbeiterInnen des Bonner Ausländeramtes nur ein wirklich gutes Zeugnis ausstellen. Auch unser Standesbeamter hat sich im Vorfeld um Klärung einer Unstimmigkeit mit dem Oberlandesgericht Köln eingestzt, die ich dann im sachlichen Gespräch mit der Sachbearbeiterin letztendlich klären konnte. Vor allem hatten alle Beteiligeten keine Angst vor der Bedienung von Faxgeräten, sodaß die Botschaften ins ferne Thailand und zurück, aber auch von Bonn nach Köln zeitlich nur kurze Wege gehen mußten.

    Allen Beteiligten in dieser jeweils von mir gedanklich gebildeten Projektgruppe gebührt mein Dank für die konstruktive Zusammenarbeit.
    Das Projektmanagement in Form von meiner Wenigkeit wars zufrieden. :-)

  4. #3
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Bürgernähe...

    Hach, kleines Erfolgserlebnis.

    Das Visum für die Verlobte meines Bekannten kann am Montag abgeholt werden - am Freitag (17.12.) fliegt sie hier ein.

    Dann können sie ja doch schon unterm Weihnachtsbaum, oder so...

    Manchmal bedeutet die räumliche Nähe halt doch auch 'Bürgernähe'. :-)