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Seide – Handwerk mit Tradition

Erstellt von gerhardveer, 15.01.2014, 05:11 Uhr · 3 Antworten · 1.763 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von gerhardveer

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    Seide – Handwerk mit Tradition

    Seide – Handwerk mit Tradition


    Diese alte Dame ist von Kopf bis Fuß mit Seide aus eigener Herstellung ab Raupe eingekleidet







    Seide wird auch heute noch in den meisten Dörfern produziert – teilweise für den Eigenbedarf, oft aber für den Verkauf. Die edleren Produktionsstätten liegen meist in den Händen der „Upper Ten“, die ihre Produkte dann in auch für uns sündhaft teuren Edelshops anbieten, während die Seidenweberinnen in unklimatisierten Werkstätten für umgerechnet drei bis vier Euro pro Tag an manuellen Webstühlen schuften. Zu diesen Ausbeutern gehört auch der Shinawatra-Clan in Chiang Mai, dessen berühmtester Sprössling Thaksin sich so gerne als Wohltäter fürs arme Volk darstellte…

    Hier ein paar Aufnahmen davon ( entstanden 2004, mit einfacher Kamera und noch wenig Ahnung von digitaler Bildbearbeitung - seht’s als fotografische Dokumente)


















    Die Produktion: Da ich kein Spezialist bin, korrigiert mich bitte bei Fehlern oder fügt Ergänzungen dazu…

    Eigentlich als Schutz vor gefräßigem Getier gedacht, produziert die Raupe des Maulbeerspinners einen Kokon aus einem sehr reißfesten Faden, in dem sie dann in Ruhe ihrer Metamorphose zum erwachsenen Schmetterling nachgehen kann. Da sie bis dahin nichts anderes frisst als die Blätter des Maulbeerbaumes, wurde ihre Art nach diesem benannt. Die Zucht erfolgt in Etagèren aus flachen Körben, die mit Tüchern oder passenden Deckeln abgedeckt werden. Dabei stehen die Füße dieser Holzgestelle in doppelschaligen Gefäßen ( die schönen alten aus Holz, heute leider zunehmend aus Plastik). Deren äußere Schale ist mit Wasser gefüllt – die gefräßigen Ameisen würden zwar gerne die Raupen fressen, aber sie schwimmen nicht gern…















    Die Schmetterlingseier werden auf einer Art großem Filterpapier ausgebreitet und die Raupen nach dem Schlüpfen täglich mit frisch geschnittenem „Maulbeersalat“ gefüttert.









    Haben die Raupen sich verpuppt, werden die Kokons aufgekocht – dabei löst sich das Bindemittel, das den Faden zum Kokon zusammenhält und er kann herausgenommen und nach dem Trocknen aufgespult werden. Übrig bleiben die durchgekochten, proteinreichen Raupen – ziemlich matschig, frittiert mag ich sie lieber…













  2.  
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  3. #2
    Avatar von gerhardveer

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    Hier war ein Genie am Werk: auf die Spule den Flügel eines alten Ventilators montiert, vor einen schnell laufenden „Kollegen“gestellt und fertig ist der pneumatische Kraftschluß - der Tüfller kann sich zurücklehnen und sitzt im Wind….






    Die weiße oder goldfarbene rohe Seide wird dann eingefärbt und zum Trocknen aufgehängt. Bei der speziellen Mudmeetechnik wird sie mehrfarbig koloriert – wer es versteht, webt daraus dann fantastische Muster.












    Die Krönung ist dann das Weben der herrlichen Seidenstoffe – für kleinere Teile auf zusammenlegbaren Webrahmen, die bei Nichtgebrauch mal kurz unter die Decke gehängt werden – für größere Projekte auf Webstühlen von oft beachtlichen Ausmaßen. Besonders hübsch sind die hölzernen Weberschiffchen.






























  4. #3
    Avatar von waanjai_2

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    Die Entrepeneurs ala Familie Shinawatr muß man sich ähnlich wie die Krupps im Ruhrgebiet vorstellen. Ohne die, hätte es noch deutlich schlimmer ausgesehen für den kleinen Mann.
    Die eigentlich große "unternehmerische Leistung" geschah dann erst durch Koenigin Sirikit, die es doch wahrhaftig schaffte, die voellig danieder liegende thail. Seiden-Fabrikation wieder auf Vordermann zu bringen.

  5. #4
    Avatar von clavigo

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    Waani, dann unterschlag aber nicht Jim Thompson der insbesondere für die weltweite Verbreitung thailändischer Seide erheblich mehr getan hat als die Shinawatras.

    Jim Thompson (designer) - Wikipedia, the free encyclopedia

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